Les Grands Mystères

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Apostolisches Schreiben
Les Grands Mystères

Seiner Heiligkeit
Johannes Paul II.
an die Bischöfe der Katholischen Kirche
über den Libanon
1. Mai 1984

(Offizieller französischer Text: AAS 76 [1984] 704-707; Die französische Fassung auf der Vatikanseite)

(Quelle: Der Apostolische Stuhl 1984, S. 1201-1203)
Allgemeiner Hinweis: Was bei der Lektüre von Wortlautartikeln der Lehramtstexte zu beachten ist


Liebe Brüder im Bischofsamt!

Die großen Geheimnisse unseres Heils, die wir in den vergangenen Tagen gefeiert haben, brachten uns in Erinnerung, um welchen Preis wir von Christus losgekauft worden sind, der "wegen unserer Verfehlungen hingegeben, wegen unserer Gerechtmachung auferweckt wurde" (Röm 4,25). Die ganze Kirche hat ihr Halleluja gesungen in dem freudigen Bewusstsein, Trägerin der Botschaft des Lebens und der Hoffnung zu sein, die Ostern der Menschheit bietet.

Aber das Wissen um den Sieg Christi über die Finsternis macht unsere Sorge noch größer, da wir wissen, dass so viele unserer Brüder noch immer dem Bösen in all seinen Formen, besonders dem Krieg und seinen schrecklichen Folgen, ausgesetzt sind. Deshalb schnürt sich mir das Herz zusammen bei dem Gedanken an das Drama, das der Libanon seit nunmehr zehn Jahren erlebt.

Der Libanon ist heute für die Welt und für die Kirche ein Gegenstand des Leidens, denn dort leiden Menschen, die unsere Brüder sind, und blicken voll Angst in die Zukunft. Ich habe soeben an alle Libanesen eine Botschaft gerichtet, in der ich noch einmal mein Vertrauen in den Libanon und in all seine Bürger aussprechen wollte, die den Wunsch haben, einem neuen Land, das zugleich seinem wertvollen geistlichen Erbe treu ist, zur Geburt zu verhelfen.

Ich möchte, dass diese Botschaft zur Botschaft der ganzen Kirche werde, und deshalb unterbreite ich sie eurer Aufmerksamkeit, ehrwürdige Brüder, damit ihr sie euren Gemeinden zur Kenntnis bringt; diese Botschaft soll das Gebet fördern und alle Menschen, die Freunde des Friedens und der Wahrheit sind, zum Nachdenken über das Drama eines Volkes veranlassen, das schon allzu lange unter der Gewalttätigkeit zu leiden hat.

Als Christen können wir nur Baumeister des Friedens sein, jenes Friedens, den die Seligpreisungen lehren, jenes Friedens, der zugleich Geschenk und Aufgabe ist, Werk jedes einzelnen.

Aber diese Solidarität wird zu einer noch gebieterischen Pflicht, wenn diejenigen, die leiden, auch christliche Brüder sind. Sie sollen wissen, dass wir geistlich an ihrem Schicksal teilnehmen im Bewusstsein, dass wir zur gleichen Familie gehören. Wir vergessen sie nicht. Mehr noch, wir zählen auf sie und auf ihre Anwesenheit in einem demokratischen Libanon, der den anderen offensteht im Dialog mit den Kulturen und Religionen; der nur so überleben und ihre Existenz in Freiheit und Würde sichern kann. Darüber hinaus ist die Entwicklung des Christentums im Libanon Voraussetzung für die Präsenz der christlichen Minderheiten im Nahen Osten: dessen sind sich der Papst und die Gesamtkirche bewusst. Jede christliche Gemeinde überall auf der Welt möchte zweifellos ihren Beitrag für den Schutz dieser orientalischen Kirchen leisten, die die Wiege unseres Glaubens gewesen sind und denen wir soviel verdanken: Sie können mit der moralischen und geistlichen Unterstützung der ganzen katholischen Kirche rechnen.

Aus diesem Grund, ehrwürdige Brüder, lade ich euch ein, für unsere christlichen libanesischen Brüder zu beten und beten zu lassen: damit sie den Mut haben, an die Zukunft zu glauben, und sich daher immer mehr um ihre Bischöfe scharen, um als Kirche ihren Mitbürgern den Namen Gottes zu bringen. In einem Libanon, der noch immer Von Spaltungen und Schranken jeder Art heimgesucht wird, ist es von vorrangiger Bedeutung, dass die christliche Gemeinschaft als Sauerteig der Einheit und Versöhnung erscheint.

Beten wir auch für unsere nichtchristlichen libanesischen Brüder, die zusammen mit ihren Mitbürgern, die sich zum christlichen Glauben bekennen, die Geschichte des Libanon, eines Landes der Begegnung und des Dialogs, geschrieben haben. Wie sollten Menschen, die auf demselben Boden leben und sich als Kinder desselben Gottes betrachten, nicht imstande sein, die traurigen Episoden der Gewalttaten und Vergeltung schließlich zu beenden, um gemeinsam den Blick auf eine Zukunft zu richten, die es aufzubauen gilt?

Was für eine Katastrophe für die Welt, wenn die einen und die anderen dahin kämen, sich im Namen der Religion gegenseitig auszuschließen! Die Christen der arabischen WeIt ihrerseits haben sich in dieser Region immer zu Hause gefühlt, wo sie Zur Verbreitung einer Botschaft der Kultur und des Fortschritts beigetragen haben, deren Nutznießer alle waren.

Bitten wir schließlich den Herrn, dass er die Freunde des Libanon überall in der Welt, besonders jene, die auf der Ebene der politischen Entscheidungen Verantwortung auf sich nehmen, inspirieren möge. Niemand gebe der Mutlosigkeit nach, sondern alle seien bereit, dem Libanon auch weiterhin bei der Wiederfindung seines ursprünglichen Charakters zu helfen! Alle, die dieses Land lieben, müssen den Libanesen helfen, es aus eigenen Kräften um die gesetzlichen Autoritäten wieder aufzubauen: Das kann nur gelingen, wenn jeder, im Libanon und anderswo, bereit ist, seine eigenen Interessen zu opfern, damit das gemeinsame Wohl aller die Oberhand gewinnen kann.

Das sind die Überlegungen, die ich euch, ehrwürdige Brüder, anvertraue, damit diese an die Libanesen gesandte Botschaft auch jene sei, die ihr selbst und jene, für die ihr die pastorale Verantwortung tragt, an sie richtet. Wie unsere ersten Brüder im Glauben, die nach der Auferstehung des Herrn "einmütig im Gebet verharrten, zusammen mit ... Maria, der Mutter Jesu" (Apg 1,14), vereinen wir uns zum inständigen Gebet für die Kirche im Libanon, damit ihr die Gnade zuteil werde, aus dem Kreuz Christi, das sie in ihrem Fleisch trägt, die Kraft zu schöpfen, das Heute Gottes und sein Ideal der Brüderlichkeit und Versöhnung zu leben. Wir möchten auch noch einmal unsere Wertschätzung für die nichtchristlichen Libanesen aussprechen, und wir beten zu Gott, dass er sie erleuchte, damit sie der Versuchung zu Trennungen und Mißtrauen, das sie so leicht auslösen, widerstehen.

Möge Gott jedem genug Mut und Glauben schenken, damit der Mensch Sieger über die Finsternis bleibt! Es wird übrigens nicht das erste Mal sein, dass die Libanesen der Prüfung und Unsicherheit die Stirn geboten haben. Der Fürsprache der seligsten Jungfrau Maria vertrauen wir diese Wünsche und diese Bitten an, damit der Libanon bald wieder für die Völker der Region und der Welt zu einem Zeichen der Hoffnung für alle werde. Mit besonderer Liebe im Herrn gewähre ich euch meinen Apostolischen Segen.

Aus dem Vatikan, am 1. Mai 1984.
Johannes Paul II. PP.
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