Licet universum

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Apostolischer Brief
Licet universum

von Papst
Leo XIII.
an die Redemptoristenpriester Leopold Josef Dujardin und Julius Jaques,
bezüglich der französischen Übersetzung der Werke des heiligen Alfons Maria von Liguori
28. August 1879

(Offizieller lateinischer Text: ASS 12 [1879] 273-274)

(Quelle: Leo XIII., Lumen de coelo I, - Bezeugt in seinen Allocutionen, Rundschreiben, Constitutionen, öffentlichen Briefen und Akten, Buch und Verlag Rudolf Brzezowsky & Söhne Wien 1889, S. 151-153, in Fraktur abgedruckt)

Allgemeiner Hinweis: Was bei der Lektüre von Wortlautartikeln der Lehramtstexte zu beachten ist


Geliebte Söhne, Heil und Apostolischen Segen !

Wenngleich die Schriften des heiligen Kirchenlehrers Alphonsus Maria von Liguori bereits in der ganzen Welt und nicht ohne den höchsten Nutzen des Christentums bekannt geworden sind, so ist es dich zu wünschen, geliebte Söhne, dass sie noch mehr und mehr verbreitet und in die Hände Aller gebracht würden. Dieser Heilige nämlich verstand es auf´s Vorzüglichste die katholischen Wahrheiten der Fassungskraft Aller anzupassen, trug Sorge für die moralische Pflege Aller, weckte wunderbar in Allen die Frömmigkeit und zeigte, "in Mitte der Nacht der Welt den Irrenden den Weg, auf welchem sie, der Gewalt der Finsternisse entrissen, zum Lichte Gottes und in dessen Reich gelangen könnten." Mit den festesten Beweisen stützte er die göttliche Offenbarung den Deisten gegenüber, verteidigte wacker die Wahrheit unseres Glaubens, behauptete auf´s Wirksamste die Unbefleckte Empfängnis der Gottesgebärerin, trat nachdrücklichst für den Primat und das unfehlbare Lehramt des Römischen Papstes in die Schranken, beleuchtete in gelehrter und frommer Weise die Ratschlüsse der göttlichen Vorsehung bei Hinanführung der Menschen zu dem durch Jesus Christus erreichbaren Heile. Er bot den Klerikern zur Nahrung der Frömmmigkeit eine höchst nützliche Erläuterung der Psalemen und biblischen Gesänge (cantica), stellte in den Triumphen der Märtyrer den Ruhm der Kirche vor´s Auge, kämpfte durch die Darstellung der Geschichte der Häresien und durch eigenes dogmatisches Werk auf´s heftigste die Ketzereien, zumal die jansenistischen und febronianischen Irrtümer, welche gerade damals in höchster Blüte standen und schon die Saat jener ungeheuerlichen Meinungen in sich trugen, welche heutzutage die religiöse, wie bürgerliche Gesellschaft in Unordnung bringen, und verfolgte diese böse Saat schon damals mit einem Scharfsinn, dass sich sehr viele von den nach einem Jahrhundert in dem Syllabus verurteilten Sätzen in seinen Schriften bereits ausdrücklich widerlegt finden, ja dass man in aller Wahrheit sagen könnte: "es gebe keinen Irrtum unserer Tage, der nicht, wenigstens zum größten Teile, von Alphonsus wäre widerlegt worden." Und um nichts zu sagen von seiner "Moraltheologie", welche überall das höchste errungen hat und den Gewissensleitern eine vollkommene sichere Richtschnur bietet, so hat er die erkaltende Liebe, indem er durch zahlreiche und gelehrte aszetische Abhandlungen gleichsam neuen Zündstoff darbot, wieder erwärmt, genährt und gefördert, namentlich gegen unseren Herrn Jesus Christus und dessen süßeste Mutter die erstarrten Herzen der Gläubigen zu deren höchsten Nutzen wieder entflammt. Und bei diesem Allen "ist das besonderer Beachtung wert, dass, obwohl er so viel geschrieben, doch alle seine Werke, wie eine genaue Untersuchung derselben dargetan hat, ohne alle Gefahr des Irrtums von den Gläubigen gelesen werden können (inoffenso prorsus pede percurri posse)."

Wir freuen Uns daher vom herzen, geliebte Söhne, dass Ihr die dogmatischen und aszetischen Werke Eures heiligsten und gelehrtesten Vaters, die entweder, die entweder in lateinischer oder italienischer Sprache veröffentlicht worden waren, in die französische Sprache übertragen habt, einmal, weil diese Sprache, die fast allen Völkern bekannt ist, sich mehr dazu eignet die Früchte der Mühen des ausgezeichneten Lehrers weithin zu verbreiten, dann aber auch, weil dieses mit nicht geringer Mühe verbundene Werk gerade Euch zugefallen ist, die Ihr schon anderweitig über die Vortrefflichkeit, den Lehrgehalt und die Heiligkeit jener Schriften schreiben musstet und auch als Söhne leichter und tiefer als Andere in den Geist des Vaters einzudringen befähigt waren. Mit Freude begrüßen wir auch deswegen Euer Unternehmen, weil aus der Huldigung, welche dieser neuere Kirchenlehrer dem Engel der Schule bringt, indem er öfters in seinen Schriften dessen Lehre treu zu folgen sich rühmt, der heilige Thomas neues Lob und neuen Ruhm erntet, wodurch jene Wiedererweckung der christlichen Philosophie, welche nach dem Geist des englischen Lehrers anzustreben Wir durch Unser jüngstes Rundschreiben geraten haben, eine noch gewichtigere Empfehlung erhält.

Wir erhoffen daher, auch dieser neuerlichen Ausgabe der Werke des heiligen Alfonsus den glücklichsten Erfolg, einen Unseren und Euren Wünschen vollkommen entsprechenden Erfolg und erteilen einstweilen Euch, geliebte Söhne, sowie der ganzen Kongregation des allerheiligsten Erlösers von ganzen Herzen Unseren Apostolischen Segen als Unterpfand der göttlichen Huld und als Zeichen Unserer väterlichen Zuneigung.

Gegeben zu Rom beim heiligen Petrus, am 28. August 1879,<br

Unseres Pontifikates im zweiten Jahre.

Leo P. P. XIII.
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