Longinqua oceani

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Apostolischer Brief
Longinqua oceani

von Papst
Leo XIII.
an die Erzbischöfe und Bischöfe der Vereinigten Staaten von Nordamerika
über den Katholizismus in den USA
6. Januar 1895

(Offizieller lateinischer Text: ASS XXVII [1894-1895] 387-399)

(Quelle: Die katholische Sozialdoktrin in ihrer geschichtlichen Entfaltung, Hsgr. Arthur Fridolin Utz + Birgitta Gräfin von Galen, lateinischer und deutscher Text, Band II, XXIII 208-228, S. 2380-2401, Scientia humana Institut Aachen 1976, Imprimatur Friburgi Helv., die 2. decembris 1975 Th. Perroud, V.G.; Die Anmerkungen wurden in Klammern in den Text integriert; in Fraktur in: Leo XIII., Lumen de coelo VI, 87-101, Bezeugt in seinen Allocutionen, Rundschreiben, Constitutionen, öffentlichen Briefen und Akten, Buch und Verlag Rudolf Brzezowsky & Söhne Wien 1903)

Allgemeiner Hinweis: Was bei der Lektüre von Wortlautartikeln der Lehramtstexte zu beachten ist


Inhaltsverzeichnis

Freude über den materiellen und geistigen Fortschritt Amerikas

1. Die weiten Räume des Ozeans überqueren Wir in Unserem Geiste und Unseren Gedanken, und obwohl Wir anderweitig in Briefen zu Euch sprachen, wann immer Wir kraft Unserer Autorität an die Bischöfe der katholischen Welt gemeinsame Schreiben gerichtet haben, so wollen Wir Uns nunmehr ausschließlich an Euch wenden, und zwar in der Absicht, mit Gottes Hilfe die katholische Sache in Eurem Lande zu fördern. Mit großem Eifer und mit Sorgfalt begeben Wir Uns an diese Aufgabe, denn Wir schätzen und lieben das jugendlich kraftvolle amerikanische Volk, in dem Wir das verborgene Wachstum nicht nur der Kultur, sondern auch des Christentums klar erkennen.

2. Als vor noch nicht langer Zeit Euer ganzes Volk die 400-Jahrfeier der Entdeckung Amerikas in dankbarer Erinnerung und mit gebührender Feierlichkeit beging, haben auch Wir in freudiger Anteilnahme und mit der gleichen Gesinnung die Erinnerung an dieses glückliche Ereignis mit Euch gefeiert. Damals schien es Uns nicht genug, von ferne die Wünsche für Eure Wohlfahrt und Größe auszusprechen; Unser Wunsch war es, auf irgendeine Weise unter Euch anwesend zu sein; deshalb haben Wir mit Freuden einen Stellvertreter entsandt.

Geschichtlicher Rückblick auf die glückliche Entwicklung der katholischen Kirche in Amerika

3. Was Wir bei dieser Eurer Feier taten, haben Wir nicht zu Unrecht getan: denn das amerikanische Volk wurde, kaum dass es das Licht der Welt erblickt hatte und da es sozusagen noch in der Wiege lag, von der Mutter Kirche in die Arme genommen. Wie Wir bei anderer Gelegenheit ausführlich dargelegt haben, hat Kolumbus es als vornehmstes Ziel seiner Reisen und Mühen angesehen, den christlichen Namen über neue Länder und Meere zu verbreiten; da er dieses Ziel stets vor Augen hatte, hat er an jeder Küste, an der er anlegte, nichts für wichtiger gehalten, als das heilige Zeichen des Kreuzes am Strand aufzurichten. Wie die Arche Noah, auf den entfesselten Fluten treibend, den Samen der Israeliten und zugleich des ganzen übrigen Menschengeschlechts forttrug, so haben die dem Ozean anvertrauten Schiffe des Kolumbus an überseeischen Küsten die Grundlage für die Entstehung großer Staaten wie auch für die ersten Anfänge des katholischen Glaubens gelegt.

4. Was später geschah, kann an dieser Stelle nicht im einzelnen ausgeführt werden. Sicher ist, dass über den von dem Mann aus Ligurien entdeckten Völkern - auch den noch in der Wildnis lebenden - schon sehr bald das Licht des Evangeliums aufleuchtete. Es ist zur Genüge bekannt, dass die Söhne des hl. Franziskus wie auch die Dominikaner und Jesuiten durch zwei Jahrhunderte hindurch dorthin zu fahren pflegten mit dem Ziel, die aus Europa übersiedelten Kolonisten zu betreuen, vor allem und insbesondere aber, um die Eingeborenen aus ihrem Aberglauben zum Christentum zu führen, wobei sie nicht selten ihre Mühen mit dem Blutzeugnis besiegelten. Selbst die neuen Namen, die vielen Eurer Städte, Flüsse, Berge und Seen gegeben wurden, lehren und bezeugen klar, wie sehr der Anfang Eurer Geschichte die Spuren der katholischen Kirche aufweist. - Auch ist wohl nicht ohne das Wirken der göttlichen Vorsehung geschehen, was Wir hier in Erinnerung rufen: dass nämlich, nachdem die amerikanische Kolonie ihre Freiheit und Selbständigkeit mit Hilfe katholischer Männer erlangt und sich rechtlich zu einem Staat zusammengeschlossen hatte, zu gleicher Zeit auch die kirchliche Hierarchie in Eurem Lande rechtmäßig konstituiert wurde; als der große Washington durch die Wahl des Volkes Präsident der Republik wurde, wurde zu gleicher Zeit durch die Apostolische Autorität der erste Bischof der amerikanischen Kirche eingesetzt. Die Freundschaft und die guten Beziehungen, die, wie bekannt, beide miteinander unterhielten, sind sicher ein Beweis dafür, dass die Vereinigten Staaten in Eintracht und Freundschaft mit der katholischen Kirche verbunden bleiben sollten. Und dies sicherlich nicht ohne Grund. Denn ohne gute Sitten kann ein Staat nicht bestehen; das hat dieser hervorragende Bürger, den Wir soeben erwähnten und der so viel Geist und politische Klugheit in sich vereinigte, klar gesehen und ausgesprochen. Die besten und höchsten Sitten jedoch enthält die Religion, da sie ja ihrem Wesen nach alle jene Prinzipien bewahrt und schützt, aus denen die Pflichten abgeleitet werden, und, indem sie die höchsten Motive des Handelns vorstellt, tugendhaft zu leben befiehlt und zu sündigen verbietet. Denn was ist die Kirche anderes als die legitime Gesellschaft, die durch den Willen und Befehl Jesu Christi gegründet wurde, um die Heiligkeit der Sitten zu erhalten und die Religion zu bewahren? Daher kommt es - was Wir von der hohen Warte Unseres Pontifikats aus schon oft einsichtig zu machen versuchten -, dass die Kirche, obwohl sie an sich und ihrem Wesen gemäß auf das Heil der Seelen und ihre zukünftige Seligkeit im Himmel ausgerichtet ist, trotzdem zugleich so großen und so reichen Nutzen für die vergänglichen Dinge schafft, wie sie es größer und mehr nicht vermöchte, wenn sie zuerst und hauptsächlich für die Wohlfahrt des irdischen Lebens gegründet worden wäre.

5. Der Fortschritt Eures Staates und die Schnelligkeit seiner Entwicklung können von niemandem übersehen werden; dies gilt auch für alle Dinge, die die Religion betreffen. Denn wie die gewaltige Vermehrung von Wohlstand und Macht innerhalb eines Jahrhunderts die Staaten wachsen ließ, so sehen wir auch die Kirche aus kleinsten und zartesten Anfängen überaus rasch wachsen und gedeihen. Wenn einerseits die Vermehrung des Reichtums und Wohlstands Eurer Staaten zu Recht dem Geist und Arbeitseifer des amerikanischen Volkes zugeschrieben werden, so ist auf der anderen Seite das Gedeihen der katholischen Kirche in erster Linie der Tugend, dem Eifer und der Klugheit der Bischöfe und des Klerus zuzuschreiben, dann aber auch dem Glauben und der Großmut der Katholiken. So ist es dem kraftvollen Bemühen aller Stände gelungen, zahlreiche fromme und gemeinnützige Institutionen ins Leben zu rufen: Kirchen, Volksschulen, höhere Schulen, Volksherbergen, Krankenhäuser, Klöster. Was insbesondere die Pflege des sittlichen Lebens betrifft, die in der Übung der christlichen Tugenden besteht, so wurde Uns vieles berichtet, das Uns mit Hoffnung und Freude erfüllt: die schrittweise Zunahme des Welt- und Ordensklerus, die Hochschätzung der religiösen Vereine, die Blüte der katholischen Pfarreischulen, der Sonntagsschulen für den Religionsunterricht und der Sommerschulen, die Vereinigungen zur gegenseitigen Hilfeleistung und zur Linderung der Not wie auch die Organisationen der Abstinenzbewegung; hinzu kommen die vielen Beweise der Frömmigkeit des Volkes.

Die Gründe der kirchlichen Entfaltung, Beurteilung der Trennung von Kirche und Staat

6. Diese günstigen Verhältnisse sind ohne Zweifel vor allem den Anweisungen und Dekreten Eurer Synoden zuzuschreiben, vor allem jener, die der Apostolische Stuhl in letzter Zeit kraft seiner Autorität einberufen und genehmigt hat. Es muß aber auch gesagt werden, dass sie darüber hinaus auch den gerechten Gesetzen Amerikas und den Sitten einer gut verfaßten Republik zu danken sind. Es wurde nämlich aufgrund der staatlichen Ordnung der Kirche in Eurem Lande ermöglicht, unbehindert durch gesetzliche Schranken und durch das öffentliche Recht und die Gerechtigkeit der Rechtsprechung vor Gewalt geschützt, ohne jede Beeinträchtigung ihre Lebens- und Handlungsfreiheit zu bewahren. Doch wenn all das auch wahr ist, so wäre es doch ein Irrtum, daraus zu schließen, dass Amerika als Beispiel für den besten Status der Kirche gelten könne und dass es ganz allgemein angebracht und wünschenswert sei, nach amerikanischem Vorbild die Angelegenheiten des Staates und der Kirche zu trennen und voneinander zu scheiden. Daß nämlich die Kirche in Eurem Lande sich erhalten konnte, dass sie gedeiht und sogar zunimmt, das ist ganz und gar der Fruchtbarkeit zuzuschreiben, die die Kirche durch göttliche Gnade überall dort, wo ihr nichts entgegensteht und wo nichts sie behindert, erlangt und entfaltet; sie würde noch weitaus reichere Früchte tragen, wenn sie außer der Freiheit auch die Gunst und die Förderung durch die öffentliche Gewalt erfahren würde.

Die päpstlichen Anregungen zur Gründung einer segensreichen katholischen Universität

7. Wir Unsererseits haben nichts unterlassen, was je nach der Situation möglich war, um die katholische Religion in Eurem Lande zu erhalten und zu stärken. - Deswegen haben Wir auch, wie Ihr wißt, vor allem zwei Dinge in Angriff genommen: die Förderung der Studien und die wirkungsvollere Vertretung der katholischen Interessen. Denn wenn es auch zahlreiche und berühmte Universitäten gibt, so hielten Wir es doch für angebracht, dass es eine gäbe, die mit der Autorität des Apostolischen Stuhles gegründet und von Uns mit allen legitimen Rechten ausgestattet wäre, in welcher katholische Gelehrte die nach Wissen Strebenden unterrichten, und zwar zunächst in den philosophischen und theologischen Disziplinen, so dann aber auch, wenn die Umstände es erlaubten, in allen übrigen, vor allem in jenen, die in Unserer Zeit neu entstanden sind und besonders gepflegt werden. Alle Gelehrsamkeit ist nämlich unvollkommen, wenn nicht die Kenntnis der modernen Wissenschaften hinzukommt. In der so raschen Entwicklung des Geistes, in dem so allgemein verbreiteten lobenswerten und ehrenvollen Forschereifer sollten die Katholiken vorangehen, nicht nur nachfolgen; es ist daher nötig, dass sie sich in den höchsten Wissenschaften unterrichten und eifrig ihren Geist in der Erforschung der Wahrheit und, soweit möglich, der ganzen Natur üben. Das war zu allen Zeiten der Wunsch der Kirche; deshalb hat sie, soviel sie konnte, Mühen und Anstrengungen darauf verwandt, den Bereich des Wissens immer mehr zu erweitern. Darum haben Wir mit Unserem Schreiben vom 7. März 1889 an Euch, Ehrwürdige Brüder, in Eurer Hauptstadt Washington eine Hochschule für die nach höheren Studien strebende Jugend rechtsgültig gegründet; Ihr selbst habt Uns in großer Zahl wissen lassen, dass diese Stadt für die höheren Studien besonders geeignet sei. In dieser Angelegenheit haben Wir Unseren ehrwürdigen Brüdern, den Kardinälen der Römischen Kirche, denen Wir anläßlich des Konsistoriums (30. Dezember 1989) darüber berichtet haben, erklärt, es sei Unser Wunsch, dass es an dieser Hochschule gleichsam als Gesetz gelte, Forschung und Lehre mit der Bewahrung des Glaubens zu verbinden, damit die jungen Leute nicht weniger in der Religion als in den übrigen Wissenschaften ausgebildet würden. Deshalb übertrugen Wir die Sorge um die rechte Studienordnung und die Disziplin der Studenten den Bischöfen der Vereinigten Staaten und verliehen dem Bischof von Baltimore Vollmacht und Amt des sog. Kanzlers. - Der Anfang war mit Gottes Hilfe sehr erfreulich. Ohne Verzögerung wurde zugleich mit der Jahrhundertfeier zur Erinnerung an die Errichtung der kirchlichen Hierarchie in Anwesenheit Unseres Legaten unter günstigen Vorzeichen die Eröffnung der theologischen Studien gefeiert. Wir wissen, dass seit dieser Zeit durch ihren Geist und ihre Wissenschaft berühmte und zugleich dem Apostolischen Stuhl durch und durch treu ergebene Männer in den theologischen Wissenschaften unterrichten. Vor kurzem haben Wir auch erfahren, dass durch die Freigebigkeit eines frommen Priesters die Gebäude für den Unterricht der jungen Kleriker und Laien in den Natur- und Geisteswissenschaften begonnen und fertiggestellt werden konnten. Wir hoffen gern, dass das Beispiel dieses Mannes zahlreiche Nachahmer unter seinen Mitbürgern finden wird; Wir kennen nämlich den Charakter der Amerikaner, und sie werden auch erkennen, dass jedwede Freigebigkeit für diese Sache durch ihren großen Nutzen für die allgemeine Wohlfahrt aufgewogen wird.

8. Aus Hochschulen dieser Art, die die Kirche zu verschiedenen Zeiten gegründet, beziehungsweise, sofern sie schon bestanden, approbiert und gesetzlich untermauert hat, sind, wie jeder weiß, in ganz Europa Wissenschaft und höhere Bildung vermehrt worden. Es genügt für heute, ohne die vielen anderen zu erwähnen, vor allem die Universität von Löwen zu nennen, aus der dem ganzen belgischen Volk, fast täglich zunehmend, Nutzen und Ansehen erwächst. So wird auch die Hochschule von Washington in gleicher Weise blühen, wenn Lehrer und Schüler, woran Wir nicht zweifeln, Unseren Vorschriften folgen und sich ohne Parteilichkeit und Streitigkeiten die Sympathie des Volkes und des Klerus erwerben.

Empfehlung des amerikanischen Kollegs in Rom

9. Eurem Wohlwollen, Ehrwürdige Brüder, und der Freigebigkeit Eures Volkes möchten Wir an dieser Stelle das Kolleg in Rom empfehlen, das Unser Vorgänger Pius IX. für junge Theologiestudenten aus Nordamerika gegründet hat und dem Wir mit Unserem Schreiben vom 25. Oktober 1884 durch Verleihung einer gesetzlichen Konstitution eine sicherere rechtliche Grundlage gegeben haben; Wir empfehlen es umso mehr, als es alle in es gesetzten Erwartungen nicht enttäuscht hat. Ihr selbst seid Zeugen, dass in kurzer Zeit zahlreiche gute Priester aus ihm hervorgegangen sind, von denen viele aufgrund ihrer Tugenden und ihres Wissens zu höchsten kirchlichen Ämtern gelangten. Wir sind daher überzeugt, dass es der Mühe wert ist, weiterhin ausgewählte junge Leute dorthin zu schicken und sie zum künftigen Wohl der Kirche dort ausbilden zu lassen: Was sie nämlich an Wissen und Tugenden in der Stadt Rom erwerben, werden sie zu Hause entfalten und zum allgemeinen Nutzen wirksam werden lassen.

Die Bedeutung des III. Nationalkonzils in Baltimore

10. In ähnlicher Weise haben Wir gleich zu Beginn Unseres Pontifikats aus Liebe zu den Katholiken Eures Volkes begonnen, Uns mit dem III. Konzil von Baltimore zu beschäftigen. Als später die Erzbischöfe auf Unsere Einladung hin in dieser Angelegenheit nach Rom gekommen waren, haben Wir sie eingehend befragt, was ihrer Meinung nach zum allgemeinen Wohl zu beschließen sei. Danach haben Wir das Dekret der in Baltimore Versammelten nach reiflicher Überlegung mit Apostolischer Autorität ratifiziert. Schon bald zeigte sich der Erfolg dieser Bemühungen. Die Erfahrung hat bewiesen und beweist es, dass die Beschlüsse von Baltimore nützlich und zeitgemäß waren. Sie haben es vermocht, die kirchliche Disziplin zu festigen, den Eifer und die Wachsamkeit des Klerus anzuspornen, die katholische Erziehung der Jugend zu gewährleisten und zu fördern. - Wir anerkennen auch zu Recht Euren Eifer in dieser Sache, Ehrwürdige Brüder, und loben Eure Klugheit und Eure Beharrlichkeit. Denn Wir wissen genau, dass diese Fülle guter Früchte nicht so schnell und leicht zur Reife gelangt wäre, wenn nicht jeder von Euch, soweit es in seiner Macht lag, sich bemüht hätte, das, was Ihr in Baltimore so klug beschlossen habt, eifrig und getreu durchzuführen.

Die Rechtfertigung einer Apostolischen Delegatur in den Vereinigten Staaten

11. Nach Beendigung des Konzils von Baltimore blieb nur noch übrig, dem Werk einen angemessenen und entsprechenden, gleichsam krönenden Abschluss zu geben; dies konnte, so schien es Uns, nicht besser geschehen als dadurch, dass der Apostolische Stuhl in Amerika eine Gesandtschaft errichten würde, die Wir, wie Ihr wißt, dann auch errichtet haben. Dadurch wollten Wir, wie Wir schon früher gesagt haben, vor allem beweisen, dass Amerika in Unserer Achtung und in Unserem Wohlwollen den gleichen Platz und die gleichen Rechte innehat wie alle übrigen Staaten, vor allem die großen und mächtigen. Darüber hinaus war es Unsere Absicht, dass die Bande gegenseitiger Verpflichtungen und freundschaftlicher Beziehungen enger geknüpft wurden, die Euch und so viele Tausende von Katholiken mit dem Apostolischen Stuhl verbinden. Das katholische Volk hat auch in der Tat verstanden, dass diese Unsere Maßnahme zu seinem Nutzen sein würde und dass sie den Gewohnheiten und Grundsätzen des Apostolischen Stuhles entsprach. Die Römischen Päpste pflegten nämlich schon vom frühesten Altertum an, ihre Legaten zu heidnischen wie christlichen Völkern zu entsenden, da sie von Gott als die höchsten Sachwalter aller Angelegenheiten der Christenheit eingesetzt sind. Sie sind es nicht kraft eines von außen erworbenen, sondern aufgrund eines ihnen wesensmäßig zustehenden Rechts, denn "der Römische Papst, dem Christus die ordentliche und unmittelbare Gewalt über alle Kirchen und jede einzelne, wie auch über alle Hirten und Gläubigen und jeden einzelnen verliehen hat (Conc. Vat., Sess. IV, c. 3), muß, da er nicht selbst in alle Länder reisen und der ganzen ihm anvertrauten Herde die Fürsorge seines Hirtenamtes angedeihen lassen kann, aufgrund der Pflicht des ihm übertragenen Amtes, je nach Bedarf seine Legaten in die verschiedenen Teile der Welt entsenden, damit sie in seiner Vertretung Fehlentwicklungen korrigieren, Missstände beseitigen und das Heil des ihnen anvertrauten Volkes mehren ( Cap. uno Extravag. Comm. Dc Consuct. I. I).

12. Es wäre nun aber ein ungerechtfertigter und falscher Verdacht, sofern überhaupt jemand irgend wie auf den Gedanken käme, die dem Legaten übertragene Vollmacht könnte die Vollmacht der Bischöfe beeinträchtigen. Niemand hält mehr als Wir die Rechte derjenigen heilig, die "der heilige Geist als Bischöfe eingesetzt hat, um die Kirche Gottes zu leiten"; Wir wünschen und müssen wünschen, dass sie in jedem Volk und in jedem Teil der Erde unverletzt bleiben, Vor allem deshalb, weil die Würde jedes einzelnen Bischofs und die Würde des Papstes in Rom von Natur aus so eng miteinander verknüpft sind, dass, wer die eine verteidigt, zugleich auch die andere schützt. "Meine Ehre ist die Ehre der gesamten Kirche. Meine Ehre ist die unerschütterliche Stärke meiner Brüder. So bin ich in Wahrheit geehrt, wenn jedem einzelnen von ihnen die ihm gebührende Ehre nicht versagt wird" (Gregor d. Gr., Epist. ad Eulog. Alex., lib. VIII, ep. 50). So sehr es nun Funktion und Aufgabe eines Apostolischen Legaten ist, die Aufträge des Papstes, der ihn entsandt hat, auszuführen und seinen Willen zu interpretieren, so kann seine Vollmacht, wie weitgehend sie auch immer sein mag, niemals der ordentlichen Vollmacht der Bischöfe irgendwie Abbruch tun, sie bestärkt und festigt sie vielmehr. Seine Autorität hat ein unvergleichlich größeres Gewicht als jede andere, um im Volk den Gehorsam, im Klerus die Disziplin und die den Bischöfen geschuldete Ergebenheit, unter den Bischöfen gegenseitige Liebe und Eintracht im Geiste zu erhalten. - Eine so nützliche und erstrebenswerte Eintracht, die vor allem in der Einheit des Denkens und Handelns begründet ist, wird gewiß bewirken, dass ein jeder von Euch fortfahrt, sich mit der Verwaltung der Angelegenheiten seiner Diözese pflichtgetreu zu beschäftigen; keiner behindere den andern in seiner Amtsausübung; niemand stelle die Ansichten und das Wirken des anderen in Frage; strebt danach, unter Hintansetzung aller Meinungsverschiedenheiten und Wahrung der gegenseitigen Ehrerbietung das Ansehen und die Wohlfahrt der amerikanischen Kirche mit vereinten Kräften zu fördern. Aus dieser Eintracht der Bischöfe wird nicht nur unermeßlicher Nutzen für die Unseren, sondern auch ein Beispiel für die übrigen entstehen, denn alle werden daraus leicht erkennen, dass das göttliche Apostolat in Wahrheit durch Erbe auf die katholischen Bischöfe übergegangen ist. - Darüber hinaus ist noch etwas anderes ernsthaft zu bedenken, Kluge Männer sind sich darüber einig, und auch Wir haben weiter oben mit großer Genugtuung darauf hingewiesen, dass Amerika zu Höherem bestimmt zu sein scheint. Wir wünschen nun, dass die katholische Kirche an seiner vorausgesagten Größe teilhabe und daran mitwirke. Daher scheint es Uns richtig und notwendig, dass sie, in gleichem Maße wie die Republik, ihre Lage zu verbessern sucht, indem sie die Vorteile nutzt, die sich aus den Umständen ergeben; zugleich soll sie sich darum bemühen, durch ihre Verdienste und ihre Einrichtungen soviel wie möglich dem Fortschritt des Staates zu dienen. Beides wird sie umso leichter und besser erreichen, je, besser organisiert sie der Zukunft entgegengeht. Und was soll die Gesandtschaft, von der Wir sprachen, was bezweckt sie anderes als darauf hinzu wirken, die Organisation und die Disziplin der Kirche zu festigen?

Die Treue der amerikanischen Katholiken zu Rom, wie überhaupt zum katholischen Glauben und zur katholischen Moral

13. Da es sich so verhält, wünschen Wir, dass die Katholiken täglich mehr von dem Gedanken durchdrungen werden, dass sie für sich persönlich nicht besser sorgen können als dadurch, dass sie fortfahren, von ganzem Herzen der Kirche treu ergeben und gehorsam zu sein.

14. Allerdings bedürfen sie diesbezüglich wohl kaum einer Ermahnung, denn sie sind es gewohnt, sich von sich aus und mit lobenswerter Beharrlichkeit an die katholischen Weisungen zu halten. Eine Sache, die in jeder Hinsicht sehr wichtig und heilsam ist, möchten Wir hier aber doch erwähnen, die im allgemeinen aufgrund des Glaubens und der Sitten in Eurem Lande, wie es sich gehört, gewissenhaft eingehalten wird; Wir meinen das christliche Dogma von der Einheit und Unauflöslichkeit der Ehe; aus ihm gewinnt nicht nur die häusliche Gemeinschaft, sondern die ganze menschliche Gesellschaft ein wichtiges Bindemittel zu ihrer Erhaltung. Von vielen Eurer Mitbürger, auch von denen, die im übrigen nicht mit Uns übereinstimmen, wird die diesbezügliche katholische Lehre und Moral bewundert und anerkannt, vor allem von jenen, die erschüttert sind über die Hemmungslosigkeit der Scheidungen. Die so urteilen, tun es nicht weniger aus Vaterlandsliebe als aus kluger Überlegung. Es kann nämlich kaum ein unheilvolleres Übel für einen Staat erdacht werden als der Wunsch, dass das Band, das aufgrund göttlichen Gesetzes ewig und untrennbar ist, aufgelöst werden könne. Wegen der Scheidungen "wird der Ehebund wandelbar, das gegenseitige Wohlwollen schwindet, ein verderblicher Anreiz zur Untreue wird geschaffen; die Pflege und die Erziehung der Kinder werden in Frage gestellt; der allmählichen Auflösung der Hausgemeinschaft wird Vorschub geleistet; der Same der Zwietracht zwischen den Familien wird ausgestreut; die Würde der Frauen wird herabgesetzt und erniedrigt, weil sie Gefahr laufen, nachdem sie der Leidenschaft der Männer zu Willen waren, als herrenloses Gut betrachtet zu werden. Und weil zur Zerstörung der Familien und zur Vernichtung der Staaten nichts zweckdienlicher ist als die Zerrüttung der Sitten, so läßt sich leicht erkennen, wie überaus verderblich die Ehescheidung für das Wohl der Familien und der Staaten ist" (Enzyklika Arcanum).

Von christlicher Verantwortung getragene Erfüllung der bürgerlichen Pflichten in einem demokratischen Staat

15. Es ist offensichtlich und durch die Erfahrung bewiesen, wie wichtig für die öffentlichen Angelegenheiten es gerade in einer Demokratie wie der Eurigen ist, dass die Bürger rechtschaffen und wohlgesittet sind. In einem freien Staat kann die Freiheit selbst verderblich sein, wenn nicht im ganzen Volk Gerechtigkeit geübt wird und das Volk nicht häufig und eindringlich an die Gebote des Evangeliums erinnert wird. Alle Kleriker, die an der Unterrichtung des Volkes mitwirken, sollen dabei die Pflichten des Bürgers verständlich darlegen, damit alle innerlich überzeugt sind und verstehen, dass jedes öffentliche Amt Treue, Uneigennützigkeit und Rechtschaffenheit erfordert: was nämlich in privaten Angelegenheiten nicht erlaubt ist, kann es auch in öffentlichen nicht sein. Bezüglich all dieser Dinge ist in den Enzykliken, die Wir im Verlauf Unseres Pontifikats geschrieben haben, wie Ihr wißt, vieles enthalten, was die Katholiken befolgen und ausführen sollen. Die menschliche Freiheit, die wichtigsten christlichen Pflichten, die weltliche Regierung, die christliche Verfassung der Staaten haben Wir in Unseren Schreiben und Reden behandelt, wobei Wir die Prinzipien sowohl aus der Lehre des Evangeliums als auch aus den Argumenten der Vernunft genommen haben. Diejenigen, die rechtschaffene Bürger sein und ihre Pflichten treu erfüllen wollen, können aus unseren Schreiben die Regeln sittlichen Verhaltens entnehmen. - In ähnlicher Weise sollen die Priester die Statuten des III. Konzils von Baltimore dem Volk immer wieder in Erinnerung bringen, vor allem jene, die von der Tugend des Maßhaltens, von der katholischen Erziehung der Jugend, vom häufigen Empfang der Sakramente, vom Gehorsam gegen die rechtmäßigen Gesetze und Anordnungen des Staates handeln.

Vereinsbildung, das Problem katholischer oder neutraler Organisationen

16. Bei der Gründung von Vereinen soll man aufmerksam auf mögliche Irrtümer achten. Wir denken hierbei namentlich an die Arbeiter: es ist sicherlich ihr Recht, sich zu ihrem Nutzen zu organisieren; die Kirche billigt es, und es ist nicht gegen die Natur; aber es ist von höchster Wichtigkeit, mit wem sie sich zusammenschließen, damit sie nicht, wo sie nach Verbesserung gewisser Zustände streben, Schaden für weitaus höhere Güter hervorrufen. Zur Vermeidung dieses Schadens ist es vor allem wichtig, dass sie sich vornehmen, niemals und unter keinen Umständen zuzulassen, dass gegen die Gerechtigkeit gehandelt wird. Eine Vereinigung, die von Personen geleitet wird, die sittlich unstet und Feinde der Religion sind, und die diesen blind gehorcht, kann öffentlich und privat viel Schaden stiften, nützen kann sie nicht. Daraus folgt, dass man nicht nur jene Organisationen meiden soll, die durch eine Entscheidung der Kirche öffentlich verurteilt wurden, sondern auch jene, die nach dem Urteil kluger Männer, vor allem der Bischöfe, für verdächtig und gefährlich gehalten werden.

17. Vielmehr ist es für die Wahrung des Glaubens förderlich, wenn Katholiken den Zusammenschluss mit Katholiken vorziehen, außer wenn eine Notwendigkeit sie zwingt, anders zu handeln. Wenn sie sich untereinander zu einem Verein zusammengeschlossen haben, dann sollen sie Priester oder rechtschaffene und Autorität und Ansehen besitzende Laien in den Vorstand wählen; von diesen beraten, sollen sie auf friedliche Weise zu ermitteln und zu erreichen suchen, was ihren Interessen förderlich erscheint, und zwar vor allem nach den Normen, die Wir in Unserer Enzyklika Rerum novarum umschrieben haben. Sie sollen vor allem niemals vergessen, dass, so recht und wünschenswert es auch ist, die Rechte der Massen zu fördern und zu schützen, dabei doch keine Pflichten verletzt werden dürfen. Die wichtigsten Pflichten sind folgende: Fremdes Eigentum nicht anzutasten; jeden einzelnen seine Angelegenheiten frei regeln zu lassen; niemanden zu hindern, zu arbeiten, wo und wann er will. Ihr habt gesehen, was im vergangenen Jahr durch Gewalt und Aufruhr in Eurem Land geschehen ist, und es mahnt Euch zur Genüge, dass auch das Leben in Amerika von der entfesselten Roheit der Feinde bedroht ist. Die Zeiten verlangen es, dass die Katholiken sich für Ruhe und Ordnung in den öffentlichen Angelegenheiten einsetzen, dass sie die Gesetze befolgen, vor Gewaltanwendung zurückschrecken und nicht mehr verlangen, als sie nach Billigkeit und Gerechtigkeit erwarten können.

Die Bedeutung des gut ausgebildeten katholischen Schriftstellers und Journalisten in einer pluralistischen Gesellschaft

18. Hierzu können diejenigen sehr viel beitragen, die sich der Schriftstellerei widmen, jene vor allem, die für die Tageszeitungen schreiben. Wir wissen wohl, dass viele erprobte Kämpfer sich auf dieser Kampfbahn abmühen, deren Eifer eher Lob verdient, als eines Ansporns bedarf. Da aber in der Tat das Bedürfnis nach Information und Wissen bei Euch so stark und so weit verbreitet ist und daraus viel Gutes, aber auch viel Übles erwachsen kann, muß mit aller Kraft darauf hingewirkt werden, dass die Zahl derer vermehrt wird, die ihre schriftstellerische Tätigkeit gewissenhaft und in rechtem Geist ausüben, inspiriert von der Religion und geleitet von rechtschaffener Gesinnung. Dies erscheint umso notwendiger in Amerika, als die Katholiken dort häufigen Umgang mit Nichtkatholiken haben; deshalb bedürfen die Unsrigen auch ganz besonders der Klugheit und Festigkeit. Sie müssen unterrichtet, ermahnt, geistig gestärkt und bei so zahlreichen Gelegenheiten zur Sünde zum Streben nach der Tugend und zu treu er Pflichterfüllung gegenüber der Kirche angespornt werden. Es ist die ureigentliche und vornehmliche Aufgabe des Klerus, hierfür zu sorgen und daran mitzuwirken; trotzdem verlangen Orts- und Zeitumstände von den Journalisten, es ihnen gleichzutun und sich für die gleiche Sache, soviel sie können, einzusetzen. Sie mögen ernsthaft bedenken, dass die schriftstellerische Tätigkeit, wenn auch nicht schädlich, so doch wenig nützlich für die Religion sein kann, wenn die Eintracht unter denen, die das gleiche Ziel erstreben, fehlt. Alle, die der Kirche von Nutzen sein wollen, die aus Überzeugung die katholische Sache durch ihre Schriften fördern wollen, müssen in höchster Übereinstimmung und sozusagen in geschlossener Kampfreihe vorgehen, da sie weniger den Kampf abzuweisen, als ihn anzufachen scheinen, wenn sie ihre Kräfte durch Uneinigkeit verzetteln. - Aus einem ähnlichen Grund wird die an sich fruchtbare und nutzbringende Arbeit der Journalisten schädlich und unheilvoll, wann immer sie es wagen, die Beschlüsse und Handlungen der Bischöfe vor ihr Gericht zu ziehen und unter Hintansetzung der geschuldeten Ehrfurcht verspotten und tadeln, ohne zu ermessen, wie sehr sie dadurch die Ordnung stören und wieviel Unheil sie damit verursachen. Sie mögen sich also an ihre Pflicht erinnern und die Grenzen des Anstandes respektieren. Man muß den Bischöfen, die den höchsten Grad der Autorität besitzen, gehorchen, und es ist schicklich und angemessen, der Größe und Heiligkeit ihres Amtes Ehrfurcht entgegenzubringen. Diese Ehrfurcht, "an der es niemand fehlen lassen darf, müssen vor allem katholische Journalisten besitzen und darin für andere ein Vorbild sein. Zeitungen sind nämlich dazu bestimmt, eine weite Verbreitung zu finden, sie kommen leicht jedem beliebigen in die Hand und beeinflussen nicht wenig die Meinungen und Sitten der Massen (Brief Cognita nobis an dic Erzbischöfe und Bischöfe der Provinzen Turin, Mailand und Vercelli. 25. Januar 1882). Wir selbst haben schon häufig bei den verschiedensten Anlässen die Pflichten des guten Journalisten dargelegt; vieles davon wurde auch auf dem III. Konzil von Baltimore und von der Bischofsversammlung in Chicago 1893 einstimmig wiederholt. Alle diese Anweisungen, die Unsrigen wie die Eurigen, mögen die Katholiken im Geiste bewahren und daraus erkennen, dass ihre gesamte schriftstellerische Tätigkeit sich danach ausrichten muß, wenn sie in rechter Weise ihre Pflicht erfüllen wollen, so wie sie es auch wünschen sollen.

Das apostolische Verhalten der Katholiken gegenüber den Nicht-Katholiken

19. Auch zu jenen wendet sich Unser Gedenken, die nicht im gleichen christlichen Glauben mit uns vereinigt sind. Wer will leugnen, dass sie es mehr aufgrund überkommener Anschauungen als aus eigenem freien Willen sind? Wie sehr Wir auch um ihr Heil besorgt sind, wie sehr Wir aus ganzem Herzen wünschen, dass sie in die Arme der Kirche, der gemeinsamen Mutter aller, zurückkehren, haben Wir in Unserem Apostolischen Schreiben Praeclara gratulationis vor kurzem erklärt. Und Wir sind in Wahrheit nicht ohne alle Hoffnung: Wir schauen auf den, dem alles gehorcht und der sein Leben hingegeben hat, damit er "die Kinder Gottes, die verstreut waren, wieder versammelt" (Joh 9, 52). Gewiß dürfen wir sie nicht aufgeben, sie nicht ihrer Sinnesart überlassen, wir müssen sie vielmehr mit Milde und großer Liebe zu uns herüberziehen und sie auf jede Weise zu überzeugen suchen, damit sie bereitwillig alle Einzelheiten der katholischen Doktrin prüfend betrachten und ihre vorgefaßten Meinungen aufgeben. Wenn die Bischöfe und Kleriker hierbei die erste Rolle spielen und die Laien erst die zweite, so können doch die Laien den apostolischen Eifer des Klerus durch reine Sitten und tadelsfreies Leben unterstützen. Das Beispiel hat eine große Macht, besonders für diejenigen, die die Wahrheit aus ganzer Seele suchen und aus einer angeborenen sittlichen Veranlagung heraus nach der Tugend streben, von denen es unter Euren Mitbürgern sehr viele gibt. Wenn schon das Beispiel christlicher Tugenden bei den durch alteingewurzelten Aberglauben verblendeten Heiden so viel vermochte, wie es das Zeugnis der Geschichte beweist, wie sollten Wir da meinen, in. denen, die in die christlichen Geheimnisse bereits eingeweiht sind, den Irrtum nicht austilgen zu können?

20. Schließlich können Wir auch diejenigen nicht mit Schweigen übergehen, deren schon lange andauerndes Unglück die Hilfe apostolisch gesinnter Männer erfleht und fordert: Wir meinen die Indianer und Neger, die innerhalb des amerikanischen Territoriums leben und die zum großen Teil noch nicht aus dem Dunkel des Aberglaubens herausgekommen sind. Welch großes Feld ist da noch zu bebauen! Wie vielen Menschen sind dort noch die von Jesus Christus erworbenen Gnaden mitzuteilen!

Segen

21. Inzwischen spenden Wir Euch, Ehrwürdige Brüder, Eurem Klerus und Eurem Volk als Unterpfand himmlischer Gnaden und Zeichen Unseres Wohlwollens voll Liebe im Herrn den Apostolischen Segen.

Gegeben zu Rom bei St. Peter, am 6. Januar, dem Fest der Erscheinung des Herrn,

des Jahres 1895, dem 17.Jahr Unseres Pontifikats

Leo XIII. Papst

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