Magnum baptismi donum

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Version vom 15. Juni 2019, 20:45 Uhr

Botschaft
Magnum baptismi donum

von Papst
Johannes Paul II.
an die ukrainischen Katholiken zur Tausenjahrfeier der Taufe der Rus von Kiew
14. Februar 1988

(Offizieller lateinischer Text: AAS 80 [1988] 988-997)

(Quelle: Sekretariat der Deutschen Bischofkonferenz, Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls 83a; DAS 1988, S. 987-994).
Allgemeiner Hinweis: Was bei der Lektüre von Wortlautartikeln der Lehramtstexte zu beachten ist


An den verehrten Mitbruder Myroslav Ivan Kardinal Lubachivsky, Großerzbischof von Lemberg (Lviv der Ukrainer), an die ukrainischen katholischen Mitbrüder im Bischofsamt, Priester und Ordensleute sowie an alle ukrainischen Katholiken

1. Mit dem großen Geschenk der Taufe, die vor eintausend Jahren zu Kiew empfangen wurde, nahmen der Glaube und das christliche Leben unter den Völkern der Rus' ihren Anfang. Zu Recht stimmen darum die Kirche der heiligen Apostel Petrus und Paulus und die ganze katholische Kirche zu diesem denkwürdigen Jubiläum einen Lobgesang zur Heiligsten Dreifaltigkeit an, um ihr für dieses unschätzbare Geschenk zu danken und sie dafür zu preisen. Sie bekunden ihre große Freude darüber, dass die damals empfangene Taufe die Evangelisierung der Völker einleitete, die im Ostteil des europäischen Kontinents und sogar jenseits des Urals wohnten. In diesem Ereignis haben sowohl die christliche als auch die kulturelle Identität des ukrainischen, russischen und weißrussischen Volkes und so auch deren Geschichte ihren Ursprung. Der Nachfolger des Petrus teilt die Freude dieser Tausendjahrfeier, und wie er zu diesem Anlass ein Apostolisches Schreiben an alle katholischen Gläubigen für eine angemessene geistliche Vorbereitung auf dieses Jubiläum gesandt hat, so möchte er sich mit dieser Botschaft in besonderer Weise an die ukrainischen Katholiken wenden, um mit ihnen die wunderbaren Werke zu feiern, die Gott in diesem langen Zeitraum gewirkt hat.

Vor eintausend Jahren umfing der allmächtige Gott, der Herrscher der Welt und Herr der Geschichte aller Völker, mit seiner unendlichen Liebe das Volk der Rus' von Kiew und führte es zum Licht des Evangeliums seines Sohnes Jesus Christus, des Heilands der Welt. Von den Ufern des Jordans gelangte das Werk der Erlösung nach fast zehn Jahrhunderten in der Kraft des heiligen Geistes an die Ufer des Dnjepr-Flusses, wo der Herr sich Olga und Wladimir als seine Diener erwählte, um ihrem Volk die Gnade der heiligen Taufe zu schenken. Seit damals singen die Kirchen, die aus jener Taufe zu Kiew hervorgegangen sind, voll Dankbarkeit ihren Lobpreis zu Ehren der Heiligsten Dreifaltigkeit. Im selben Geist der Anerkennung für dieses Geschenk dankt heute die ukrainische katholische Gemeinschaft, die aus dem tausendjährigen Erbe des heiligen Wladimir erwachsen ist.

2. Diese innige Freude hat ihre tiefen Wurzeln im Geheimnis der heiligen Taufe, durch das der Mensch in den Erlösertod des Heilandes der Welt "eingetaucht" und zugleich in das "neue Leben" eingeführt wird, das sich in der Auferstehung Christi voll kundgetan hat. Durch die Taufe wird der Mensch "eine neue Schöpfung und Kind Gottes"; er wird in das österliche Geheimnis Christi einbezogen: "Wenn also jemand in Christus ist, dann ist er eine neue Schöpfung" (2 Kor 5,17). An den Ufern des Dnjepr hat der Vater das Werk begonnen, das der Sohn vollendet und der Heilige Geist gekrönt hat. Dort ist die Wiedergeburt "aus Wasser und Geist" (loh 3,5) eines ganzen Volkes geschehen. Der Heilige Geist hat dem Taufwasser übernatürliche Kraft verliehen, so dass es Gnade vermitteln konnte. So können wir, angewandt auf den Dnjepr, die Worte wiederholen, die der heilige Cyrill von Jerusalem über den Jordan gesprochen hat: "Der Geist Gottes schwebte über den Wassern: aus dem Wasser der Anfang der Welt - aus dem Jordan der Anfang der Evangelien".[1]

Für die Völker der Rus' war die Taufe vom Jahre 988 das geschichtliche Ereignis, das sie in den gekreuzigten und verherrlichten Leib Christi eingliederte und ihnen die Wiedergeburt zum Leben Gottes selbst schenkte: "Mit Christus wurdet ihr in der Taufe begraben, mit ihm auch auferweckt, durch den Glauben an die Kraft Gottes, der ihn von den Toten auferweckt hat" (Kai 2,12; vgl. Röm 6,4). "Die Taufe begründet also ein sakramentales Band der Einheit zwischen allen, die durch sie wiedergeboren sind"; sie ist "hingeordnet auf das vollständige Bekenntnis, auf die volle Eingliederung in das Heilswerk, wie Christus es gewollt hat, und schließlich auf die vollständige Einfügung in die eucharistische Gemeinschaft".[2]

3. Unter denen, die berufen wurden, an diesem neuen Leben in der Einheit mit Christus, dem gekreuzigten und auferstandenen Herrn, teilzuhaben, sind Eure Vorfahren aus der Rus' von Kiew. Mit ihnen wurde in dieser Gegend das heilige Feuer des Evangeliums entzündet und begannen dort die "Großtaten Gottes" (Apg 2,11) verkündet zu werden. Das ukrainische Volk ist geographisch und historisch mit der Stadt Kiew verbunden und hat deshalb besondere Gründe, diese Tausendjahrfeier mit Freude zu begehen. Zugleich hat es das frohe Bewusstsein, zur großen Familie der christlichen Völker Europas und der ganzen Welt zu gehören.

Dem Eintritt der Rus' von Kiew in die Zahl der christlichen Völker ging derjenige anderer slawischer Völker voraus. Wir denken hierbei an die Christianisierung der Südslawen, unter denen ~chon um das Jahr 650 Missionare wirkten. In diesem Zusammenhang erinnere ich daran, dass ich Gelegenheit hatte, in der Petersbasilika dem kroatischen Volk für die 1300 Jahre seiner Treue zum Apostolischen Stuhl zu danken.[3]

Wie ich im Rundschreiben Slavorum Apostoli hervorgehoben habe, traten in der Folge weitere slawische Völker in die christliche Familie Europas ein durch das missionarische Wirken und die ökumenische Berufung der heiligen Brüder von Thessalonich, Cyrill und Methodius, die mit vollem Recht dem heiligen Benedikt als Patrone Europas zur Seite gestellt worden sind. Auf dem von ihnen bereiteten Boden "hat das Christentum im folgenden Jahrhundert seinen endgültigen Einzug in die Geschichte der Slawen gehalten". [4]

Ein Ergebnis dieses gottbegnadeten Wirkens war, dass das byzantinische Glaubenserbe für Wladimir und die Bewohner der Rus' von Kiew, denen die Botschaft des Evangeliums hauptsächlich von Missionaren aus Konstantinopel vermittelt wurde, sogleich zugänglich wurde und so leichter aufgenommen werden konnte. Seine Weitergabe war ja von Anfang an durch schon vorhandene Übersetzungen der Heiligen Schrift und der liturgischen Bücher in altslawischer Sprache begünstigt; denn die heiligen Brüder und ihre Schüler hatten "keinerlei Bedenken, die slawische Sprache für die Liturgie zu gebrauchen, sondern benutzten sie als wirksames Werkzeug, um die göttlichen Wahrheiten allen Menschen dieser Sprache näher zu bringen".[5]

In jener Zeit, da zwischen den Kirchen von Rom und Konstantinopel noch volle Gemeinschaft herrschte, entstand so die Kirche von Kiew auf der Grundlage geistlicher Gemeinschaft mit diesen beiden Kirchen und mit den Nachbarkirchen Europas, in dem sie mit diesen die eine Kirche Christi bildete. Wladimir fügte Kiew in den reichgegliederten Bau der Universalkirche ein und bewahrte dabei die östliche Tradition und das Bewußtsein von der eigenen Identität seines Volkes.

Mit der Verkündigung der Frohen Botschaft in der Rus' entwickelte sich dort ein Prozeß der "Inkulturation" des Glaubens, der seine Geschichte tief prägen sollte. Wie ich bereits an anderer Stelle gesagt habe, "verdanken alle Kulturen der slawischen Völker ihren ,Anfang' oder ihre Entwicklung dem Werk der Brüder aus Saloniki".[6] Ihr mutiges Wirken zusammen mit ihren Schülern "hat der altslawischen Liturgiesprache Kraft und kulturelle Würde verliehen: Sie wurde für viele Jahrhunderte nicht nur die Kirchensprache, sondern auch die offizielle und literarische, ja sogar die allgemeine Sprache der gebildeteren Schichten des Großteils der slawischen Völker und insbesondere aller Slawen des orientalischen Ritus".[7]

Diese Sprache, die bis heute in der Liturgie verschiedener Völker benutzt worden ist, hat auch einen grundlegenden Einfluß auf die Schriftsprache Eures ukrainischen Volkes, auf die Entwicklung seiner reichen Kultur und auf die Bildung seiner Identität ausgeübt.

4. Die Gründung der neuen Kirche von Kiew geschah, wie schon gesagt, zu einer Zeit, da die Christenheit noch nicht von der schmerzlichen Spaltung heimgesucht war. Erst später führten die traurigen Streitigkeiten und die Vertiefung der Divergenzen zwischen der Kirche von Rom und der Kirche von Konstantinopel auch die Kirche von Kiew zur Trennung von der kirchlichen Gemeinschaft mit dem Sitz des Petrus.

Für lange Zeit aber blieb die Kirche von Kiew noch in Kontakt mit den benachbarten katholischen Brüdern und mit dem Apostolischen Stuhl; und auch als darauf eine Situation praktischer Spaltung folgte, fehlte es von der einen und der anderen Seite nicht an ernsthaften Versuchen, die volle Gemeinschaft wiederherzustellen.

Eure Kirche ist in ihrem orientalischen Charakter aus dem Erbe der Taufe des heiligen Wladimir erwachsen und hat die Jahrhunderte hindurch ihre Eigenart entfaltet mit einer eigenen Kultur, mit Kultstätten und einer Vielzahl von Gläubigen, die zusammen mit ihren Oberhirten aufgeschlossen waren für die Notwendigkeit der Einheit im eigenen Bereich wie auch der Gemeinschaft mit den anderen Kirchen und besonders mit jener von Rom. Dies alles fand seinen vollen Ausdruck im Unionsakt von Brest (1596), als ein Teil der Bischöfe des Metropolitansitzes von Kiew die Gemeinschaft mit dem Apostolischen Stuhl erneuerte. In diesem Versuch, die sichtbare Einheit wiederherzustellen und so die volle Gemeinschaft (communio) zwischen dem Osten und Westen neu zu leben, erkennen wir die Grundintention der Union von Brest in der dem kirchlichen Bewußtsein jener Zeit gemäßen Ausdrucksweise. Dieser Einigung gingen aber, wie schon erwähnt, andere Versuche voraus, die von Menschen unternommen wurden, welche von tief kirchlichem Geist beseelt waren. Unter diesen möchte ich besonders an den Metropoliten Isidor von Kiew erinnern, der am Konzil von Florenz teilgenommen hat (1439): Er war ein bedeutender Theologe und überzeugter Verfechter des Dialogs mit der Kirche von Rom, die ihn ihrerseits durch die Erhebung zur Kardinalswürde ehrte und später seine Gebeine in die ehrwürdige Petersbasilika aufnahm.[8]

Die Union von Brest war in der Absicht derer, die sich inmitten von Unverständnis und Widerwärtigkeiten jeglicher Art für sie einsetzten - wobei sie mitunter, wie im Fall des heiligen Josaphat, die sie beseelende tiefe und unwandelbare Überzeugung auch mit ihrem Blut besiegelten -, gegen niemanden gerichtet. Sie zielte auf die Auferbauung einer Kirche, die sich im Osten wie im Westen jener vollen und sichtbaren Einheit erfreuen sollte, welche ihre Wurzel in dem einen Glauben und der einen Taufe hat.

5. In diesem Sinne müssen auch die anderen Versuche gedeutet werden, die im Lauf der Jahrhunderte unter dem Einfluß konkreter geschichtlicher Situationen unternommen worden sind, um die volle Gemeinschaft wiederherzustellen. Nicht immer sind diese Versuche richtig verstanden und anerkannt worden. Mitunter hatten sie, ohne es vorherzusehen oder gar zu wünschen, neue Risse im Innern der christlichen Gemeinschaft zur Folge. Heute befinden wir uns auf der Grundlage einer neuen und vertieften theologischen Reflexion und des wiederaufgenommenen Dialogs zwischen Katholiken und Orthodoxen auf der Suche nach neuen Wegen, die zum ersehnten Ziel führen sollen. Doch haben die Gemeinschaften der Gläubigen, die aus den genannten Versuchen entstanden sind und die J ahrhunderte hindurch ihre Gemeinschaft mit dem römischen Stuhl bewahrt haben, indem sie einem tiefen Antrieb ihres Gewissens gehorchten, eindeutig Anrecht auf die Solidarität der katholischen Gemeinschaft und besonders des Bischofs von Rom.

6. In unserem Jahrhundert verspüren die Kirche und die ganze Christenheit unter dem Wirken des Heiligen Geistes auf neue Weise den brennenden Wunsch nach dieser Einheit, um die Christus kurz vor seinem Leiden und Kreuzesopfer gebetet hat. Dieser ökumenischen Neuorientierung hat das 11. Vatikanische Konzil Ausdruck gegeben, das von Papst Johannes XXIII. einberufen und von Paul VI. fortgesetzt und zu Ende geführt worden ist. An ihm haben in Vertretung der anderen christlichen Brüder zahlreiche Delegierte als Beobachter teilgenommen.

Die Konzilsdekrete "über die katholischen Ostkirchen" (Orientalium Ecclesiarum) und "Über den Ökumenismus" (Unitatis Redintegratio) erscheinen als ein wahres Geschenk der göttlichen Gnade an unsere Zeit, die so sehr von Spaltungen gekennzeichnet, aber auch von dem immer lebhafteren Wunsch nach der Einheit aller Christen geprägt ist. Denn jede Spaltung unter den Christen "widerspricht ganz offenbar dem Willen Christi, sie ist ein Ärgernis für die Welt und ein Schaden für die heilige Sache der Verkündigung des Evangeliums vor allen Geschöpfen".[9]

Das II. Vatikanische Konzil ermahnt diejenigen, "die sich um die so erwünschte Wiederherstellung der vollen Gemeinschaft zwischen den orientalischen Kirchen und der katholischen Kirche bemühen wollen, dass sie diese besonderen Umstände der Entstehung und des Wachstums der Kirchen des Orients sowie die Art der vor der Trennung zwischen ihnen und dem Römischen Stuhl bestehenden Beziehungen gebührend berücksichtigen und sich über dies alles ein rechtes Urteil bilden".[10] Dasselbe Konzil unterstreicht die großen Werte der liturgischen, geistlichen, rechtlichen und theologischen Traditionen, die sich in diesen Kirchen finden, wie auch ihr Recht und ihre Pflicht, diese Traditionen zu leben, die zur vollen Katholizität und Apostolizität der Kirche gehören. Die Konzilsväter danken ferner Gott dafür, dass die katholischen Ostkirchen "dieses Erbe bewahren und den Wunsch haben, es noch reiner und vollständiger zu leben".[11] Folglich sehen sie in diesen Kirchen kein Hindernis auf dem Weg zur vollen Gemeinschaft mit den orthodoxen Brüdern; im Gegenteil, in dem Maße, wie in ihnen die ursprüngliche Intuition, die zu ihrer Entstehung geführt hat, in ihrer ganzen Tiefe aufleuchtet, können sie die neue ökumenische Perspektive besonders lebendig begreifen, die der Heilige Geist der ganzen Kirche im Konzil ans Herz gelegt hat. Darum sind diese Kirchen heute mehr denn je dazu berufen, in diesem Geist ihre Aufgabe zur Herbeiführung der sichtbaren Einheit der Kirche wahrzunehmen; denn es gibt nur "einen Herrn, einen Glauben, eine Taufe" (Eph 4,5).

7. Gerade in diesem Augenblick der Heilsgeschichte, der so voller Hoffnungen ist, dürfen wir das Millennium mit der ukrainischen katholischen Gemeinde feiern, die für immer den ihr von der Vorsehung zugewiesenen Platz in der Gesamtkirche an der Seite der vielen Ortskirchen in Ost und West eingenommen hat.

Ich grüße die gesamte ukrainische katholische Gemeinde, die in der Taufe der Bevölkerung von Kiew die Wurzeln ihrer eigenen Existenz sieht und heute in voller Glaubens- und Sakramentsgemeinschaft mit dem Bischof von Rom lebt.

Mein herzlicher Gruß gilt Euch, den Mitbrüdern im Episkopat mit dem Großerzbischof von Lemberg, Kardinal Myroslav Ivan Lubachivsky, an Eurer Spitze; ich grüße Euch, Priester, Ordensmänner und Ordensfrauen, und alle Gläubigen, die Ihr die Tausendjahrfeier der Geburt Eures Volkes zum Leben der Gnade in der Taufe der Rus' von Kiew begeht. Euch allen entbiete ich den Friedensgruß als Euer Bruder und erster Papst slawischer Herkunft in der Geschichte der Kirche.

In dieser Stunde Eures großen Jubiläums bin ich Euch geistig verbunden und möchte Euch vom Herzen der Kirche aus vor allen Gläubigen in Christus brüderlich umarmen. Im Namen der Heiligsten Dreifaltigkeit, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes, neigt sich die Kirche von Rom mit besonderem Verständnis und mit Liebe vor allen geistlichen Söhnen und Töchtern des heiligen Wladimir, besonders vor jenen, die für die Einheit mit der Weltkirche beten und leiden.

In einem so außerordentlichen Augenblick Eurer Kirche, die in den vergangenen Jahrzehnten von großen Nöten heimgesucht wurde, möchte ich Euch noch einmal versichern, dass ihre katholische Dimension sowie ihre konkrete Ausprägung alle Achtung verdienen. Dies gebietet die Bruderliebe, dies verlangt die ökumenische Berufung der heiligen Brüder Cyrill und Methodius, die uns mit ihrem Beispiel an das Recht jedes Gläubigen erinnern, in seiner Tradition, in seinem Ritus, in der Identität des Volkes, dem er angehört, respektiert zu werden.

Möge uns die Zukunft - das wünschen wir von ganzem Herzen - die Freude schenken, die Missverständnisse und das gegenseitige Mißtrauen überwunden und das volle Recht eines jeden auf die eigene Identität und das eigene Glaubensbekenntnis anerkannt zu sehen. Die Zugehörigkeit zur katholischen Kirche sollte von niemandem als unvereinbar mit dem Wohl des eigenen Vaterlandes und mit dem Erbe des heiligen Wladimir angesehen werden. Mögen die Scharen eurer Gläubigen sich echter Gewissensfreiheit und der Beachtung ihrer religiösen Rechte in der Abhaltung des öffentlichen Gottesdienstes nach ihrer vielfältigen Tradition und ihrem Ritus sowie mit den eigenen Hirten erfreuen.

8. Der Apostolische Stuhl hat eine besondere Zuneigung zu Eurer Kirche, weil sie die Geschichte hindurch viele Beweise ihrer Anhänglichkeit an Rom gegeben hat, die auch die letzte Prüfung des Martyriums einschließen. Daher soll die Hauptfeier des Millenniums Eurer Kirche, soweit sie in der Diaspora lebt, in Rom stattfinden. Versammelt beim Grab des heiligen Petrus, in dessen Nähe die sterbliche Hülle des heiligen Josaphat ruht, der Euch so teuer ist, danken wir gemeinsam für alle Früchte, die aus der Teilnahme an den göttlichen Geheimnissen in der Gemeinschaft desselben Glaubens und der gegenseitigen Liebe erwachsen sind.

Eure Kirche kann bei der Feier dieses außerordentlichen Anlasses im Chor der ganzen katholischen Kirche nicht fehlen, ebensowenig, wie der Bischof von Rom, der innig wünscht, zusammen mit allen Bischöfen und Gläubigen in der Basilika von St. Peter, in Eurer Sprache das Te Deum des Dankes zu singen, bei dieser Jahrtausendfeier fehlen darf.

Ich vertraue das Geschehen vor tausend Jahren, das in die Geschichte Eurer Kirche und Eures Volkes tief eingeschrieben ist, dem einen und dreifaltigen Gott an. In die Hände des Herrn der menschlichen Geschicke lege ich voll Vertrauen die Feier dieses Millenniums. Ich möchte sie beginnen zusammen mit allen ukrainischen katholischen Bischöfen, Priestern, Ordensleuten und Gläubigen, die in aller Welt verstreut leben, in sie dann mit ihnen unter den Augen der heiligen Jungfrau Maria fortsetzen, die in der gesamten Geschichte Eurer Kirche so sehr zugegen ist.

Ihr verdanken wir die Geburt Christi. Sie war auch bei der Geburt der Kirche der Rus' von Kiew zugegen. Deshalb begebe ich mich in geistlicher Pilgerschaft vor das Bild der Gottesmutter von Wladimir, "die den Glaubensweg der Völker der alten Rus' stets begleitet hat".[12] Ich begebe mich in die Kathedrale der heiligen Sophia, zum Bild der betenden Madonna, der "unzerstörbaren Schutzwand", der vor 950 Jahren Fürst Jaroslaw der Weise die Stadt Kiew und die ganze Rus' anvertraut hat.

9. Ich knie vor dir, liebste Mutter, und vertraue dir alle Geschicke der ukrainischen katholischen Gemeinde an.

Mutter der Einheit der Christen! Zeige uns die sicheren Wege, die zu diesem Ziel führen. Gib, dass wir uns auf dem Weg zu diesem großen Werk immer öfter mit unseren Glaubensbrüdern treffen und gemeinsam die gottgewollten Züge jener Einheit wieder finden, für die Christus selbst gebetet hat.

Mutter des Trostes, in deine Hände lege ich alle Schmerzen und Leiden der Jahrhunderte, die Gebete und die Lebenszeugnisse so vieler deiner Kinder; dir vertraue ich die Hoffnungen und Erwartungen der Erben der Taufe der Rus' an, die von deiner Fürsprache erwarten, dass der alte christliche Wurzelstock die Pracht einer neuen Blüte erfahren möge. Umfange, O Mutter, voller Liebe das Volk, das in Schmerzen daran denkt, was es verloren hat, das aber nicht aufhört, aufbessere Zeiten zu hoffen. Hilf diesen deinen treuen Jüngern, damit sie mit ihren Hirten und in geistlicher Gemeinschaft mit dem Nachfolger des Petrus, in Freude die Jahrtausendfeier begehen und mit ganzem Herzen das Danklied auf Gott und auf dich, heilige Mutter des Erlösers und Gottesgebärerin, anstimmen können.

10. Indem ich die Fürsprache der heiligen Apostel Petrus und Paulus, der heiligen Cyrill und Methodius, Apostel der Slawen, der heiligen Olga und des heiligen Wladimir, des heiligen Josaphat und aller Heiligen erbitte, vertraue ich Euch, liebe Brüder im Bischofsamt, angeführt vom Großerzbischof von Lemberg, Euch Priester, Ordensleute und Gläubige dem Schutz der Heiligsten Dreifaltigkeit an und erteile Euch allen und jedem einzelnen den Apostolischen Segen im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Gegeben zu Rom, bei St. Peter,

am 14. Februar, dem Fest der heiligen Cyrill und Methodius, des Jahres 1988,
im 10. Pontifikatsjahr.

Johannes Paul II. PP.

Anmerkungen

  1. Cyrill von Jerusalem, Katechesen III, Über die Taufe, 5: PG 33, 434 A.
  2. II. Vatikanisches Konzil, Dekret über den Ökumenismus Unitatis redintegratio, Nr. 22.
  3. Ansprache vom 30. April 1979: Insegnamenti, 1/1, 1979, S. 1024-1027.
  4. Rundschreiben Slavorum apostoli. Nr. 25: AAS 77, 1985, S. 806.
  5. Ebd., Nr. 12: AAS 77, 1985, S. 793.
  6. Ebd., Nr. 21: AAS 77, 1985, S. 803.
  7. A. a. O.
  8. Vgl. T. ALPHARANI, De Basilicae /laticanae antiquissima et nova structura. Ed. M. Cerrati (Rom 1914) 71 u. 189.
  9. II. Vatikanisches Konzil, Dekret über den Ökumenismus Unitatis redintegratio, Nr. 1.
  10. Ebd., Nr. 14.
  11. Ebd., Nr. 17; vgl. auch Nr. 14-16.
  12. Enzyklika Redemptoris mater, Nr. 33: AAS 79, 1987, S. 405.
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