Maria von der Immerwährenden Hilfe

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Koordinaten: 41°53′45″ N 12°30′1″ E

Gnadenbild "Maria von der Immerwährenden Hilfe"

Das Urbild des römischen Gnadenbildes der Maria von der Immerwährenden Hilfe (ital.: "Madonna del Perpetuo Soccorso"), im byzantinischen Stil (Ikone) hängt heute in St. Alfonso, der Kirche der Redemptoristen in Rom. Es ist sehr wahrscheinlich auf der Insel Kreta im 14./15. Jahrhundert entstanden. Der 27. Juni ist der Festtag dieses Gnadenbildes.

Inhaltsverzeichnis

Verbreitung

Die Ikone gehört zu den am meisten verbreiteten Marienbildern weltweit. Kopien finden sich in bayerischen Dorfkirchen ebenso wie in südamerikanischen Kathedralen. Für den karibischen Inselstaat Haiti ist die »Mutter von der Immerwährenden Hilfe« gar nationale Patronin. In der philippinischen Hauptstadt Manila ist dem Gnadenbild eine riesige Kirche, die sogenannte »Badaran church« gewidmet, die sogar eine eigene Metrostation hat. Diese Kirche gehört übrigens zu den ganz wenigen Gotteshäusern weltweit, die tagtäglich 24 Stunden lang geöffnet haben, und das an 365 Tagen im Jahr. In vielen Ländern beten unzählige Marienverehrer jeden Mittwoch die Novene zur »Mutter von der Immerwährenden Hilfe«. Dieses Gebet gipfelt in seiner deutschen Version im Bekenntnis: »Ich ruf' voll Vertrauen in Leiden und Tod: Maria hilft immer in jeglicher Not. So glaub' ich und lebe und sterbe darauf: Maria hilft mir in den Himmel hinauf.« Das Zentrum dieser weltweiten Verehrung aber ist und bleibt die römische Kirche Sant' Alfonso. Dort befindet sich in einem schlichten Glasschrein im Hochaltar das Original des berühmten Marienbildes.

Als bedeutendes Zeugnis byzantinischer Kunst, das sich allerdings in einem römischkatholischen Gotteshaus befindet, ist das Gnadenbild auch ein Beispiel des Miteinanders bzw. Zueinanders von östlichen und westlichen Kirchentraditionen. Zu den besonderen Verehrern der Mutter von der Immerwährenden Hilfe zählen in Rom wie auf der ganzen Welt deswegen nicht nur katholische, sondern auch orthodoxe Christen.

Unter den Typen der Ikonen entspricht ihm eher die Eleusa (die "Erbarmende"), im Unterschied zur Hodegetria od. Advocata, der Wegweiserin.

Der Kaufmann, der "Unsere liebe Frau" entwendete

Es gibt eine Überlieferung aus dem 16. Jahrhundert, die uns von einem Kaufmann auf der Insel Kreta berichtet, der dort ein wundertätiges Bild aus einer Kirche entwendete. Er versteckte es unter seinen Waren und machte sich auf den Weg nach Westen. Die göttliche Vorsehung ließ ihn einen heftigen Sturm heil überstehen und an sicherer Küste landen. Nach ungefähr einem Jahr erreichte er Rom mit seinem gestohlenen Bild.

Dort wurde er schwer krank. Er hatte einen Freund, der sich um ihn kümmerte, und in seiner Todesstunde enthüllte er ihm das Geheimnis des Bildes und bat ihn, es in eine Kirche zu bringen. Sein Freund versprach, diesen Wunsch zu erfüllen, aber weil seine Frau auf diese wunderschöne Kostbarkeit nicht verzichten wollte, starb er, ohne das Versprechen zu erfüllen.

Schließlich erschien die Jungfrau Maria der sechsjährigen Tochter dieser römischen Familie und trug ihr auf, ihrer Mutter zu sagen, sie möge das Bild der Mutter von der Immerwährenden Hilfe in der Kirche des hl. Apostels Matthäus, die zwischen der Basilika Maria Maggiore und der Lateranbasilika liegt, aufstellen lassen.

Die Überlieferung berichtet weiter, dass nach vielen Zweifeln und Schwierigkeiten "die Mutter gehorchte, und das Bild der Muttergottes am 27. März 1499 nach Rücksprache mit den verantwortlichen Priestern in der Kirche des hl. Matthäus aufstellen ließ". Dort wurde es in den folgenden 300 Jahren verehrt. Auf diese Weise begann der zweite Teil der Geschichte des Gnadenbildes, und die Verehrung der Mutter von der Immerwährenden Hilfe begann, sich in der Stadt Rom zu verbreiten.

Drei Jahrhunderte in der Kirche des hl. Matthäus

Die Kirche des hl. Matthäus war keine großartige Kirche, aber sie besaß nun einen ungeheuer großen Schatz, der die Gläubigen anzog: das Gnadenbild der Mutter von der Immerwährenden Hilfe. Von 1739 bis 1798 waren die Kirche und das Kloster daneben unter der Obhut von irischen Augustinereremiten, die zu Unrecht aus ihrem Land vertrieben worden waren, und nun das Kloster als Ausbildungszentrum für ihre römische Provinz benützten. Die jungen Studenten fanden einen Hort des Friedens in der Gegenwart der Mutter von der Immerwährenden Hilfe, während sie sich auf das Priestertum, das Apostolat und das Martyrium vorbereiteten.

Im Jahre 1798 tobte ein Krieg in Rom, und Kirche und Kloster wurden beinahe zur Gänze zerstört. Einige Augustinereremiten blieben noch ein paar Jahre dort, aber schließlich mussten auch sie fort. Einige kehrten nach Irland zurück, andere gingen zu Neugründungen in Amerika, die Mehrheit aber zog in ein nahe gelegenes Kloster. Diese Mehrheit nahm das Gnadenbild der Mutter von der Immerwährenden Hilfe mit. Auf diese Weise begann der dritte Teil seiner Geschichte, die "Verborgenen Jahre".

1819 zogen die irischen Augustinereremiten zur Kirche Santa Maria in Posterula nahe der "Umberto I. Brücke" über den Tiber. Sie nahmen die "Jungfrau der St. Matthäuskirche" mit. Da aber die "Jungfrau der Gnade" dort schon verehrt wurde, wurde das neue Gnadenbild in der Hauskapelle des Klosters aufgestellt, wo es in Vergessenheit geraten wäre, wenn nicht Bruder Augustin Orsetti, einer der ehemaligen Mönche von der St. Matthäuskirche, gewesen wäre.

Der alte Ordensmann und der junge Ministrant

Die Jahre vergingen und es schien, dass das Bild, das aus dem Krieg, der die Kirche des hl. Matthäus zerstört hatte, gerettet worden war, der Vergessenheit anheim fallen würde.

Ein junger Ministrant namens Michael Marchi besuchte oft die Kirche Santa Maria in Posterula und schloss Freundschaft mit Bruder Augustin. Viel später wird er als P. Michael schreiben:

"Dieser gute Bruder pflegte mir besonders während der Jahre 1850 und 1851 mit geheimnisvoller und besorgter Miene genau die folgenden Worte zu sagen: ‚Sorge dafür, dass das Bild der Jungfrau von St. Matthäus immer oben in der Kapelle ist; vergiss es nie ... verstehst du? Es ist ein wundertätiges Bild'. Damals war der Bruder schon fast ganz blind... Was ich über das ehrwürdige Bild der ‚Jungfrau von St. Matthäus', auch ‚Immerwährende Hilfe' genannt, sagen kann, ist, dass ich es seit meiner Kindheit bis zu meinem Eintritt in die Kongregation (der Redemptoristen) immer über dem Altar der Hauskapelle der Augustinerpatres der irischen Provinz in Maria in Posterula gesehen habe ... Es gab keine Verehrung, keinen Schmuck, nicht einmal ein Licht, das seine Anwesenheit angezeigt hätte ... Es blieb dort, bedeckt mit Staub und praktisch unbeachtet. Viele Male habe ich dort ministriert und mit großer Aufmerksamkeit hinaufgestarrt."

Bruder Augustin starb 1853 im ehrwürdigen Alter von 86 Jahren, ohne seinen großen Wunsch erfüllt zu sehen, dass die Jungfrau von der Immerwährenden Hilfe wieder zur öffentlichen Verehrung aufgestellt würde. Sein Flehen und sein grenzenloses Vertrauen auf die Jungfrau Maria schienen unerfüllt geblieben zu sein.

Die Wiederentdeckung des Gnadenbildes

Im Jänner 1855 kauften die Redemptoristen die "Villa Caserta" in Rom und machten sie zum Generalatshaus ihrer Kongregation, die sich über Westeuropa und Nordamerika ausgebreitet hatte. Auf diesem Grundstück in der Via Merulana waren die Ruinen von Kirche und Kloster des hl. Matthäus. Ohne zu wissen hatten sie den Grund erworben, den viele Jahre zuvor die Jungfrau als ihr Heiligtum zwischen Maria Maggiore und dem Lateran erwählt hatte.

Vier Monate später wurde mit dem Bau einer Kirche zu Ehren des Allerheiligsten Erlösers und des hl. Alfons von Liguori, des Gründers der Kongregation, begonnen. Am 24. Dezember 1855 begann eine Gruppe junger Männer ihr Noviziat in dem neuen Haus. Einer von ihnen war Michael Marchi.

Die Redemptoristen waren an der Geschichte ihrer Neuerwerbung sehr interessiert, umso mehr als am 7. Februar 1863 der berühmte Jesuit Francesco Blosi in einer Predigt von einer Marienikone sprach, "die sich in der Kirche des hl. Matthäus in der Via Merulana befunden hatte und unter dem Namen "Die Jungfrau von St. Matthäus" oder genauer "Die Jungfrau von der Immerwährenden Hilfe" bekannt gewesen war.

Bei einer anderen Gelegenheit fand der Chronist der Redemptoristenkommunität "beim Studium einiger Autoren, die über römische Altertümer geschrieben hatten, Hinweise auf die Kirche des hl. Matthäus. Unter diesen war die Erwähnung, dass es in dieser Kirche (die im Gartenbereich der Kommunität lag) eine alte Muttergottesikone gegeben habe, ‚die sich wegen ihrer Wundertaten großer Verehrung und großen Ruhmes erfreute'". Als er dies alles der Kommunität zu Ohren gebracht habe, habe man darüber gesprochen, wo denn dieses Bild zu finden wäre. Da fiel P. Marchi alles ein, was der alte Bruder Augustin Orsetti gesagt hatte, und er berichtete seinen Mitbrüdern, dass er die Ikone oft gesehen habe und sehr wohl wisse, wo sie zu finden sei.

Die Übernahme des Gnadenbildes durch die Redemptoristen

Nach dieser neuen Information wuchs das Interesse unter den Redemptoristen: sie wollten mehr über das Gnadenbild wissen und wollten es für ihre Kirche haben. Der Generalobere P. Nikolaus Mauron schrieb einen Brief an Papst Pius IX., in dem er den Hl. Stuhl bat, ihnen das Gnadenbild der Immerwährenden Hilfe zur Aufstellung in der neu errichteten Kirche des Allerheiligsten Erlösers und des hl. Alfons zu überlassen, die in der Nähe der Stelle steht, an der sich die alte St. Matthäuskirche befunden hatte. Der Papst gewährte die Bitte und schrieb eigenhändig auf die Rückseite der Bittschrift:

"11. Dezember 1865: Der Kardinalpräfekt der Propaganda wird den Oberen der Kommunität Santa Maria in Posterula zu sich bitten und ihm mitteilen, dass es Unser Wunsch ist, dass das Bild der heiligen Maria, auf das sich diese Bittschrift bezieht, wieder zwischen der Lateranbasilika und Santa Maria Maggiore aufgestellt wird; die Redemptoristen sollen es durch ein anderes gleichwertiges Bild ersetzen."

Bei dieser Gelegenheit soll Papst Pius IX. zum Generaloberen der Redemptoristen gesagt haben: "Sorgen Sie dafür, dass die Mutter von der Immerwährenden Hilfe auf der ganzen Welt bekannt wird." Im Jänner 1866 gingen die Patres Michael Marchi und Ernst Bresciani nach Santa Maria in Posterula, um das Gnadenbild aus den Händen der Augustinereremiten in Empfang zu nehmen.

Dann begann die Durchführung der Reinigung und Ausbesserung der Ikone. Diese Aufgabe wurde dem polnischen Künstler Leopold Nowotny übertragen. Am 26. April 1866 schließlich wurde das Gnadenbild in der Kirche des hl. Alfons in der Via Merulana zur öffentlichen Verehrung aufgestellt.

Damit begann der vierte Teil der Geschichte des Gnadenbildes: seine Verbreitung auf der ganzen Welt.

Die jüngste Restaurierung des Gnadenbildes

Das restaurierte Gnadenbild Im Jahre 1990 wurde das Bild der Mutter von der Immerwährenden Hilfe von seinem Platz über dem Hauptaltar heruntergenommen, um den vielen Wünschen nach neuen Fotografien vom Gnadenbild zu entsprechen. Erst jetzt kam der sehr schlechte Zustand des Bildes heraus: sowohl das Holz als auch die Farbe haben unter schädlichen Umwelteinflüssen sowie früheren Restaurierungsversuchen arg gelitten. Die Generalleitung der Redemptoristen beschloss, die Dienste der Restaurateure des Vatikanischen Museums in Anspruch zu nehmen, um eine umfassende Restaurierung des Gnadenbildes hinsichtlich der Sprünge und des Pilzbefalls durchzuführen, um irreparable Schäden zu verhindern.

Der erste Teil der Restaurierung bestand in einer Reihe von Röntgenbildern, Infrarotbildern, qualitativen und quantitativen Analysen der Farbe und anderen Tests mit Infrarot und ultraviolettem Licht. Das Ergebnis dieser Analysen, insbesondere ein Carbon-14 Test weisen darauf hin, dass das Holz des Bildes der Mutter von der Immerwährenden Hilfe mit einiger Sicherheit auf die Jahre zwischen 1325-1480 zurückdatiert werden kann.

Der zweite Teil der Restaurierung bestand im Verkitten der Sprünge und Löcher im Holz, im Säubern der Farben und Ausbessern der beschädigten Stellen, im Verstärken der Konstruktionen, die das Gnadenbild halten, usw. Diese Eingriffe beschränkten sich auf das absolute Minimum, da jede Restaurierungsarbeit - wie ein chirurgischer Eingriff in den Körper - ein gewisses Trauma erzeugt. Eine Analyse der Farben verlegte ihre Pigmentierung auf ein späteres Datum (nach dem 17. Jahrhundert), was erklären würde, warum im Gnadenbild orientalische und abendländische Elemente vorhanden sind.

Die Botschaft des Gnadenbildes

Dieses viel verehrte Bild mag auf westliche Augen fremd wirken. Maria wird nicht als zartes Mädchen mit niedergeschlagenen Augen dargestellt. Ihr direkter Blick und ihre ausgeprägten Gesichtszüge verlangen unsere Aufmerksamkeit. Wir sind von der unrealistischen Darstellung der Figuren beeindruckt. Jesus hat die Größe eines Kleinkindes, aber seine Gesichtszüge sind die eines Erwachsenen. Maria und Jesus sind nicht in eine konkrete Umgebung gesetzt sondern heben sich von einem Goldhintergrund ab.

Dieses Bild wurde im byzantinischen Stil der Ostkirche gemalt. Die Absicht dieses Malstils ist nicht die Darstellung einer schönen Landschaft oder Person sondern die Übermittlung einer schönen spirituellen Botschaft. Weil der Künstler versucht, etwas Herrlicheres als alles in der Welt mitzuteilen, ist das Bild kein realistisches Portrait. Ein byzantinisches Bild ist wie ein Tor. Ein schönes Tor zu sehen ist nett, aber wer möchte nur dastehen und auf das Tor schauen? Wir möchten das Tor öffnen und durchgehen. Das Tor mag uns ansprechen oder nicht, es ist nur ein Tor, dazu bestimmt, uns in eine neue Welt zu führen.

Mit dieser Einstellung müssen wir auf dieses Bild zugehen. Der Künstler, war sich bewusst, dass kein Mensch auf Erden je wissen würde, wie Maria oder Jesus wirklich ausgesehen haben, und dass ihre Heiligkeit niemals wie die von bloßen Menschen dargestellt werden könnte. Er hat daher ihre Schönheit und ihre Botschaft in Symbole gefasst

Was sehen wir, wenn wir auf dieses Bild blicken?

Zunächst einmal sieht man die hl. Maria, weil sie das Bild dominiert und weil sie direkt auf uns schaut - nicht auf Jesus, nicht zum Himmel empor, nicht auf die Engel über ihrem Haupt. Sie blickt uns an, als wollte sie uns etwas sehr Wichtiges sagen. Ihre Augen blicken ernst, ja traurig, aber sie verlangen unsere Aufmerksamkeit.

Dies ist eine bedeutende Frau, eine von Macht und Stellung. Sie hebt sich von einem Goldhintergrund ab - im Mittelalter ein Symbol des Himmels. Sie ist in einen dunkelblauen Mantel mit grünem Futter gekleidet, darunter trägt sie ein rotes Kleid. Blau, grün und rot waren die Farben der Könige. Nur die Königin durfte diese Farben tragen.

Der achtstrahlige Stern auf der Stirn ist möglicherweise die Hinzufügung eines späteren Künstlers, um die östliche Vorstellung auszudrücken, dass Maria der Stern ist, der uns zu Jesus führt. Um diese Symbolik zu verstärken, ist neben dem Stern noch eine kreuzförmige Verzierung angebracht.

Die griechischen Buchstaben über dem Haupt verkünden sie als die Mutter Gottes.

Wenn wir auf das Bild blicken, wissen wir, dass sie die Macht hat, im Himmel Fürsprache für uns einzulegen.

Marias Blick ist auf uns gerichtet, aber ihre Arme halten Jesus. Auf byzantinischen Ikonen wird Maria nie ohne Jesus dargestellt, weil Jesus im Zentrum des Glaubens steht. Auch Jesus trägt die Kleider der Könige. Nur ein König konnte, wie im Bild dargestellt, ein grünes Kleid, einen roten Gürtel und Goldbrokat tragen. Die griechischen Buchstaben zur Rechten des Kindes und seines mit einem Kreuz geschmückten Heiligenscheins verkünden, dass es "Jesus Christus" ist. Jesus blickt weder auf uns, noch auf seine Mutter, noch auf die Engel. Obwohl er sich an seine Mutter klammert, schaut er weg - auf etwas, das wir nicht sehen können ... etwas, das ihn so schnell zu seiner Mutter eilen ließ, dass sich eine seiner Sandalen beinahe losgelöst hat, etwas, das ihn sich um Schutz und Liebe an sie klammern ließ.

Was mag einen kleinen Knaben, der doch der Sohn Gottes ist, so sehr erschrecken? Die Antwort geben uns die Figuren, die auf jeder Seite von Jesus und Maria schweben (die griechischen Buchstaben über ihren Köpfen weisen sie als die Erzengel Michael (links) und Gabriel (rechts) aus. Statt Harfen oder Trompeten zum Lobpreis des Kindes in Händen zu halten, tragen sie die Leidenswerkzeuge.

Der Erzengel Michael auf der linken Seite hält ein Gefäß mit der Galle in seinen Händen, die die Soldaten Jesus am Kreuz zum Trinken reichten, die Lanze, die seine Seite durchbohrte, und den Rohrstängel mit dem Schwamm.

Der Erzengel Gabriel auf der rechten Seite trägt das Kreuz und die vier Nägel in seinen Händen

Jesus hat einen Teil seiner Bestimmung gesehen: Leiden und Sterben, die er erdulden wird müssen. Obwohl er Gott ist, ist er auch Mensch und schrickt vor seiner schrecklichen Zukunft zurück. Er ist zu seiner Mutter geeilt, die ihn in diesem Augenblick äußerster Angst an sich drückt - in der Art, wie sie in seinem Leben und Sterben an seiner Seite sein wird. Sie kann das Leiden nicht von ihm nehmen, aber sie kann ihm liebevoll Trost spenden.

Aber warum blickt Maria uns so aufmerksam an anstatt ihr Kind in Not? Ihr Blick auf uns bezieht uns mit ein und lässt uns Teil des Bildes und des Schmerzes werden. Ihr Blick sagt uns, dass wir so wie Jesus uns an sie wenden und bei ihr Zuflucht finden können.

Ein Detail der Ikone, auf welches oft hingewiesen wird, sind die Füße Jesu. Sie sind in sehr menschlicher Art übereinander geschlungen. Von der rechten Fußsohle ist die Sandale losgelöst und droht zu Boden zu fallen. Man deutet dies gewöhnlich als eine Folge des Erschreckens Jesu angesichts des angekündigten Leidens. In einer tieferen Sichtweise mag darin aber auch die Selbstentäußerung und Erniedrigung des Gottessohnes zum Ausdruck kommen, der »wie ein Sklave« wurde (vgl. Phi! 2,7). In der Antike konnte es zu den Merkmalen einer Sklavenexistenz gehören, sich ohne Fußbekleidung zeigen zu müssen. Zugleich versinnbildlicht das Zeichen des entblößten Fußes das Eintreten Jesu in die Abgründe und Bodenlosigkeiten des menschlichen Lebens.

Noch ein anderes aussagekräftiges Detail der Ikone: Die rechte Hand der Gottesmutter befindet sich an der Stelle ihres Herzens und bildet damit die innerste Haltung Marias ab. Die Hand ist nach oben hin offen. Sie gewährt einerseits Halt und Schutz und signalisiert andererseits Empfangsbereitschaft. Maria lädt Jesus ein, seine Hände in ihre Hand und in ihr Herz zu legen. Er, dem sie ihre ganze mütterliche Fürsorge geschenkt hat, gewährt ihr aber auch seinerseits den Reichtum seines Segens und seiner Gnade.

Maria weiß, dass es viele gefährliche und Furcht erregende Dinge in unserem Leben gibt, und dass wir jemanden brauchen, an den wir uns in Zeiten des Leides und der Angst wenden können. Sie möchte uns denselben liebevollen Trost spenden wie Jesus. Sie fordert uns auf, so schnell wie Jesus zu ihr zu eilen, so schnell, dass wir gar nicht daran denken, was wir anhaben oder wie wir gehen, wenn wir nur bei ihr sind.

Literatur

  • Novene zu Maria, Mutter der Immerwährenden Hilfe (DIN A & - 32 Seiten) Fe-Medienverlag
  • H. Grobmeier: Novene zu Maria, Mutter von der Immerwährenden Hilfe. Josef Kral Verlag Abensberg 1990 (32 Seiten).
  • Franz-Toni Schallberger: Maria bewirkt, dass Jesus wirkt. Novene zur Mutter von der Immerwährenden Hilfe. Kanisius Verlag Freiburg/Schweiz 1996 (63 Seiten; ISBN  3-85764-457-5).

Quelle

Weblinks