Mater ecclesiae (Wortlaut)

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Maria, die Mutter Jesu
Feierliche Proklamation
Mater ecclesiae

von Papst
Paul VI.
Maria von Nazareth, Mutter der Kirche
am Ende der dritten Konzilsperiode des Zweiten Vatikanischen Konzils
21. November 1964

(Offizieller lateinischer Text: AAS LIX [1967] 465-475)

(Quelle: Rudolf Graber/Anton Ziegenaus: Die marianischen Weltrundschreiben der Päpste von Pius IX. bis Johannes Paul II., Herausgabe im Auftrag des Institutum Marianum e.V.; Schnell & Steiner Verlag Regensburg 1997; 3. erweiterte und überarbeitete Auflage, S. 281-286 [Nn. 281-286]); die Nummerierung folgt den Herausgebern.

Allgemeiner Hinweis: Was bei der Lektüre von Wortlautartikeln der Lehramtstexte zu beachten ist


Inhaltsverzeichnis

Maria und das Konzil

1 [...] Bevor Wir Unsere Worte beschließen, geht Uns mit Freuden noch ein Thema durch den Sinn.

Denn, Ehrwürdige Brüder, es drängt Uns, Unsere Gedanken noch mit lauterer und dankbarer Gesinnung, wie es Söhnen ansteht, zur seligen Jungfrau Maria zu lenken. Sie haben wir gerne zur Schutzherrin dieses Konzils, zur Zeugin unserer Mühen, zur liebenswürdigen Ratgeberin. Denn ihrem und des heiligen Josephs himmlischen Patronate sind die Versammlungen des Konzils von Anbeginn anvertraut (Vgl. Acta Apostolicae Sedis (AAS) Bd. LIII, 1961, S. 371 f., 211 ff, Bd. LIV, 1962, S. 727).

In diesem Sinne haben Wir im vergangenen Jahr die heilige Gottesmutter durch einen öffentlichen Akt in der Liberianischen Basilika gefeiert vor dem ehrwürdigen Bilde mit dem ruhmvollen Namen Salus Populi Romani - "Heil des römischen Volkes".

In diesem Jahre aber ist die Ehrung, die das Konzil ihr widmen will, weitaus großartiger und bedeutsamer: diese Konstitution über die Kirche, die heute zu verkünden war. Ihr Höhepunkt ist das ganze Kapitel über die Jungfrau Maria, und mit ihm soll diese Sitzungsperiode wie mit einem einzigartigen Lobgesang zu Ehren der jungfräulichen Gottesmutter beendet werden.

Zum ersten Male - Wir sagen das mit innerer Bewegung - hat ein Ökumenisches Konzil die katholische Lehre über die Stellung der Jungfrau Maria im Heilsgeheimnis Christi und der Kirche zu einem einzigen und zugleich so eingehenden Werk zusammengefasst.

Dies entspricht ganz den Absichten des Konzils, das ja das Bild der Kirche darzustellen sich bemüht. Mit ihr ist die Gottesmutter eng verbunden und sie ist nach einem treffenden Ausspruch "ihr größter Anteil, ihr bester Anteil, ihr vorzüglicher Anteil, ihr erlesenster Anteil" (Rupertus, in Apoc. I.VII, c.12; PL 169, 1043).

Maria und die Kirche: Das mütterliche Amt

2 Die Kirche besteht nicht nur aus Hierarchie, Liturgie, Sakramenten und dem Gefüge ihrer Einrichtungen. Ihre innere und eigentliche Wirkmacht, die Hauptquelle ihrer Kraft, durch die sie die Menschen heiligt, liegt in ihrer mystischen Einheit mit Christus. Und diese Einheit kann man nicht losgelöst betrachten von ihr, der Mutter des Fleischgewordenen Wortes, die Christus selbst innigst mit sich verbunden hat zu unserem Heile.

Wenn Wir also die Kirche anschauen, müssen Wir liebend die Wunderwerke erwägen, die Gott an seiner heiligen Mutter getan hat. So ist die Erfassung der wahren katholischen Lehre über die Jungfrau Maria immer eine brauchbare Hilfe zum rechten Verständnis des Heilsgeheimnisses Christi und der Kirche.

Die engen Beziehungen zwischen Maria und der Kirche, die in dieser Konzilskonstitution so lichtvoll ausgeführt sind, legen Uns nahe, diesen hochfeierlichen Augenblick auch für den bestgeeigneten zu halten, um einen Wunsch zu erfüllen, den Wir am Ende der vorigen Sitzungsperiode angedeutet und den sehr viele Väter mit der Bitte aufgegriffen haben, es solle auf diesem Konzil ausdrücklich das mütterliche Amt Mariens über das christliche Volk verkündet werden. Darum möchten Wir in dieser öffentlichen Sitzung feierlich den Ehrentitel der Jungfrau Maria einführen, der aus vielen Teilen der katholischen Welt erbeten worden und der Uns in besonderer Weise willkommen ist. In eindrucksvoller Kürze drückt er die Vorzugsstellung aus, die dieses Konzil der Gottesmutter in der Kirche zuerkennt.

Die Mutter des Hauptes als Mutter der Kirche

3 So erklären Wir denn zum Ruhme der Heiligen Jungfrau und zu Unserem Troste die heilige Maria zur Mutter der Kirche, des ganzen christlichen Volkes, der Gläubigen wie der Hirten, die sie ihre liebevolle Mutter nennen. Und Wir legen fest, dass mit diesem holden Namen von nun an das ganze christliche Volk die Gottesmutter noch mehr ehrt und anruft.

Es handelt sich um eine Bezeichnung, Ehrwürdige Brüder, die der christlichen Frömmigkeit wohl vertraut ist. Ja, mit gerade diesem Namen rufen die Christgläubigen und die ganze Kirche Maria besonders gerne an. Dieser Name gehört in der Tat zum ursprünglichen Kern marianischer Frömmigkeit, da er in eben jener Würde gründet, mit der Maria als Mutter des Fleischgewordenen Gotteswortes ausgezeichnet ist.

Wie die Gottesmutterschaft der Grund ist für die einzigartigen Beziehungen zwischen Christus und Maria und sie im Heilswerk Jesu Christi zugegen ist, so erwachsen gleichfalls aus der Gottesmutterschaft die besonderen Beziehungen zwischen Maria und der Kirche. Denn Maria ist ja die Mutter Christi, der alsbald nach seiner Menschwerdung in ihrem jungfräulichen Schoße sich als dem Haupte seinen mystischen Leib - die Kirche - anschloss. Maria, die Mutter Christi, ist daher zugleich als die Mutter aller Gläubigen und Hirten, also der Kirche, zu betrachten.

Darum wollen Wir, obgleich unwürdig und schwach, dennoch im Vertrauen und kindlicher Liebe zu ihr die Augen erheben. Sie hat Uns einst Jesus, den Quell der göttlichen Gnade, geschenkt; sie kann ihre mütterliche Hilfe der Kirche nicht verwehren, zumal nicht jetzt, da die Braut Christi mit frischem Eifer ihr Heilsamt auszufüllen strebt.

Maria: Mutter und Schwester

4 Dieses Vertrauen aber weiter zu nähren und zu stärken, raten Uns die engen Bande zwischen unserer himmlischen Mutter und der Menschheit. Wenn Gott sie auch mit reichen und herrlichen Gaben reich ausgestattet hat, dass sie dem Fleischgewordenen Wort eine würdige Mutter wäre, steht Maria uns Menschen dennoch überaus nahe. Wie wir ist auch sie ein Nachkomme Adams und darum unsere Schwester aus der gemeinsamen menschlichen Natur. Sie war freilich auf die späteren Verdienste Christi hin frei von der Erbsünde, doch fügte sie zu den göttlichen Gaben das hohe Vorbild ihres Glaubens, so dass sie das rühmende Wort des Evangeliums verdiente: "Selig, die du geglaubt hast."

In diesem Erdenleben verwirklichte sie den reinen Inbegriff des Jüngers Christi, war sie ein Spiegel aller Tugenden, entfaltete in ihrem Wandel jene Seligpreisungen, die Christus verkündet hat. Darum nimmt die ganze Kirche in ihrem vielfältigen Wirken und ihrem tatkräftigen Eifer die jungfräuliche Gottesmutter zum vollkommenen Vorbild, das zur ganzen Nachfolge Christi führt.

So haben Wir nun die Konstitution über die Kirche feierlich verkündet und ihr dadurch, dass Wir Maria zur Mutter aller Gläubigen und Hirten, also der Kirche, erklärt haben, einen Höhepunkt gegeben. Wir vertrauen darum zutiefst, dass das christliche Volk mit größerer Hoffnung und glühenderem Eifer die seligste Jungfrau anruft und ihr die rechte Verehrung erweist.

Wir selbst sind getreu der Mahnung Unseres Vorgängers Johannes XXIII. am Anfang in diese Konzilsaula getreten zusammen "mit Maria, der Mutter Jesu", und gleicherweise wollen Wir im holden und heiligen Namen Mariens, der Mutter der Kirche, aus diesem Gotteshause scheiden.

Jeder von euch, Ehrwürdige Brüder, trachte danach, Mariens Namen und Ehre beim christlichen Volke inständiger zu rühmen. So bezeuge er seine Dankbarkeit für die mütterliche Hilfe, die Maria im Laufe dieser Sitzungsperiode gütig gewährt hat. Ihr Vorbild empfehle er zur Nachahmung: im Glauben, im willigen Gehorsam gegen jeden Antrieb der himmlischen Gnade, schließlich im Leben nach den Geboten Christi und den Eingebungen der christlichen Liebe. Dann werden gewiss alle Gläubigen, durch den Namen der gemeinsamen Mutter verbunden, sich immer stärker fühlen zum Bekenntnis des Glaubens und zur Nachfolge Christi Jesu. Zugleich werden sie, von glühenderer Bruderliebe ergriffen, die Liebe zu den Bedürftigen, das Streben nach Gerechtigkeit und die Sicherung des Friedens fördern. So hat schon der große heilige Ambrosius treffend gemahnt: "In jedem einzelnen sei Mariens Seele, dass sie hochpreise den Herrn; in jedem einzelnen sei Mariens Geist, dass er frohlocke in Gott" (Ambrosius, Exp. In Luc., 2, 26; PL 15,1642).

Christus, der einzige Mittler- Maria als Weg zu Christus

5 Vor allem hoffen Wir, dass dies in volles Licht gerückt werde: Maria, die demütige Magd des Herrn, ist ganz auf Gott und Christus Jesus, unseren einzigen Mittler und Erlöser, gerichtet. Zugleich wünschen Wir, dass deutlich dargestellt werde, was die rechte Verehrung der Jungfrau Maria ausmacht und worauf sie zielt. Besonders wichtig ist das in den Gebieten, in denen unsere getrennten Brüder in größerer Zahl wohnen. Wer immer außerhalb der katholischen Kirche lebt, soll klar erkennen, dass die kindliche Anhänglichkeit an die jungfräuliche Gottesmutter nicht in sich selbst ruht; dass sie vielmehr als eine Hilfe zu betrachten ist, die ihrem Wesen nach die Menschen zu Christus führt und sie mit dem ewigen Vater im Himmel durch das Liebesband des Heiligen Geistes verbindet.

Huldigung und Bitte an Maria

6 So wenden Wir Uns denn mit heißem Flehen an die Heilige Jungfrau Maria, dass sie für das Ökumenische Konzil und die Kirche ihre Fürsprache einlege. Weiter bitten Wir sie, dass die ersehnte Zeit eilends nahe, in der alle Anhänger Jesu Christi wieder unter sich geeint sind. Doch unterdessen schweifen Unsere Blicke über den weiten Erdkreis, der sich ins schier Endlose dehnt. Auf ihn richtet diese Kirchenversammlung ihre lebhafte und liebevolle Sorge; auf ihn, den im gleichen Sinne Unser hochverehrter Vorgänger Pius XII. auf gewiss himmlische Eingebung hin dem Unbefleckten Herzen Mariens in feierlicher Form geweiht hat. Dieses heiligen und frommen Aktes möchten Wir heute auf eine besondere Weise gedenken. Darum also haben Wir Uns entschlossen, durch eine eigens bestellte Gesandtschaft in Kürze eine Goldene Rose zum Heiligtum von Fatima zu senden. Jenes Heiligtum ist ja nicht nur dem edlen, portugiesischen Volke überaus teuer - diese Nation ist immer, besonders aber heute in unser Herz geschlossen -; es ist vielmehr bei allen katholischen Gläubigen heute angesehen und in Ehren. Darum vertrauen auch Wir dem Schutz der himmlischen Mutter das ganze Menschengeschlecht an, seine Beschwerden und Nöte, seine rechten Bestrebungen und brennenden Hoffnungen:

Du, jungfräuliche Mutter Maria, erhabene Mutter der Kirche, dir anempfehlen Wir die ganze Kirche und das Ökumenische Konzil.

Du wirst mit einem rührenden Namen "Hilfe der Bischöfe" genannt. Beschütze die Hirten der Kirche in ihrem Amt und steh ihnen bei. Steh bei allen Priestern, Ordensleuten und Gläubigen aus dem Laienstand, die jenen in den mühevollen Aufgaben des Hirtendienstes ihre Hilfe leihen.

Du bist vom göttlichen Heiland, deinem Sohn, als er am Kreuze starb, dem Jünger, den er lieb hatte, zur liebevollen Mutter gegeben worden. Gedenke des christlichen Volkes, das sich dir anvertraut.

Gedenke aller deiner Kinder. Ihren Bitten füge deine Macht und Geltung vor Gott hinzu. Bewahre ihren Glauben rein und standhaft, stärke ihre Hoffnung1 entzünde ihre Liebe.

Gedenke derer, die in Angst, Not und Gefahr schweben; besonders derer, die ob ihres christlichen Glaubens Folter leiden und in Ketten liegen. Du, jungfräuliche Mutter, erflehe ihnen innere Kraft und Stärke und bringe rasch herbei den ersehnten Tag des Rechtes und der Freiheit.

Wende deine gütigen Augen unseren getrennten Brüdern zu. Dir möge es gefallen, dass wir bald wieder miteinander verbunden werden. Du hast ja Christus geboren, den Brückenbauer der Einheit zwischen Gott und den Menschen.

Du Heiligtum des reinen, niemals verfinsterten Lichtes. Bitte bei deinem eingeborenen Sohn, durch den wir nun die Versöhnung mit dem Vater empfangen haben (Vgl. Röm 5,11), dass er mit unseren Fehlern Nachsicht habe, alle Zwietracht fernhalte und die Freude der Bruderliebe in uns senke.

Deinem Unbefleckten Herzen, jungfräuliche Gottesmutter, anempfehlen wir die ganze Menschheit. Führe sie zur Anerkennung des einzigen und wahren Erlösers Christus Jesus. Treibe von ihr das Unheil, das der Sünde entstammt, und schaffe ihr Friede, der gegründet ist in Wahrheit, Gerechtigkeit, Freiheit und Liebe.

Endlich gewähre der ganzen Kirche, dass sie bei diesem großen Ökumenischen Konzil es vermag, dem Gott der Erbarmungen den Hochgesang des Lobes und des Dankes anzustimmen, den Hochgesang der Freude und des Jubels; denn durch dich hat Großes getan, der da mächtig ist, du milde, du gute, du holde Jungfrau Maria.

[Auszug aus der] Schlussansprache anlässlich der dritten Konzilssession
am 21. November 1964 in St. Peter zu Rom
Paul VI. PP.

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