Heilige Messe

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Die Heilige Messe ist der Gottesdienst, der im Zentrum des liturgischen Lebens der Kirche steht. Das sakramentale Gedächtnis an das Pascha-Mysterium von Leiden, Sterben und Auferstehen Jesu Christi ist die Erinnerung an das letzte Abendmahl Jesu mit seinen Jüngern und die unblutige Erneuerung seines Kreuzesopfers. Die Kirche feiert die Geheimnisse Christi unter dem Wort Gottes zum Heil der Welt.

Andere gebräuchliche Bezeichnungen sind Eucharistiefeier, vom griechischen εὐχαριστέω eucharistéo "Dank sagen", Messfeier oder Messopfer. Die urchristliche Bezeichnung "Herrenmahl" hat sich nicht durchgesetzt.

Der Begriff Messe leitet sich ab von dem lateinischen Entlassungsruf an die Getauften im Römischen Ritus Ite, missa est! (Gehet, ihr seid entlassen/gesandt!)

Inhaltsverzeichnis

Eucharistie als Mahl und Opfer

Unter den verschiedenen Aspekten der Eucharistie ist jener des Mahles der, der am meisten ins Auge fällt. Die Eucharistiefeier entstand im Kontext des Paschamahles am Abend des Gründonnerstages. Jesus von Nazaret feierte als gläubiger Jude am Vorabend seiner Gefangennahme und Hinrichtung mit seinen Aposteln das Paschamahl, bei welchem die Juden der Befreiung der Israeliten aus ägyptischer Sklaverei im Auszug aus Ägypten gedenken. Das Pessach wird in Ex 12,1–20 EU als Gebot Gottes eingesetzt. Im Mittelpunkt der Sederfeier steht das Essen des Paschalammes. Bei diesem Mahl zum Auftakt des Pessachfestes, dem letzten Abendmahl vor seinem Kreuztestod, stiftete Jesus Brot und Wein als Zeichen seiner bleibenden Gegenwart in der Eucharistie. Daher ist der Struktur der heiligen Messe als "Herrenmahl" die Bedeutung der Tischgemeinschaft eingeschrieben: "Nehmt und esst... Dann nahm er den Kelch ... und reichte ihn den Jüngern mit den Worten: Trinkt alle daraus” (Mt 26,26-27 EU). Dieser Aspekt drückt die Gemeinschaftsbeziehung gut aus, die Gott mit uns aufnehmen will und die wir selbst untereinander entfalten müssen.

Die christliche Gemeinde sah nach ihrer Erfahrung des Todes und der Auferstehung Jesu in Jesus selbst das „wahre Pascha-Opfer“; das im Pessach geopferte fehlerfreie Lamm wird zum Symbol der erlösenden Hingabe Jesu: „Als unser Paschalamm ist Christus geopfert worden.“ (1 Kor 5,7 EU; Joh 1,36 EU und 19,36 EU).[1]

Das eucharistische Mahl besitzt einen tiefen Opfercharakter.[2] Christus legt uns darin das Opfer wieder vor, das er ein für allemal auf Golgota dargebracht hat. Wenn er darin auch als Auferstandener gegenwärtig ist, so trägt er doch die Zeichen seines Leidens, zu dessen ,,Gedächtnis” jede heilige Messe gefeiert wird. Daran erinnert uns die Liturgie in der Akklamation nach der Wandlung, die bei der Liturgiereform nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil in das eucharistische Hochgebet eingefügt wurde: ,,Deinen Tod, o Herr, verkünden wir und deine Auferstehung preisen wir, bis du kommst in Herrlichkeit.” Während die Eucharistie das Vergangene vergegenwärtigt, versetzt sie uns zugleich in die Zukunft der letzten Wiederkunft Christi am Ende der Geschichte. Dieser "eschatologische” Aspekt verleiht dem eucharistischen Sakrament eine mitreißende Dynamik, die den christlichen Weg mit dem Schritt der Hoffnung ausstattet.[3]

Messliturgie des Römischen Ritus

Hauptartikel: Römischer Ritus
Zur historischen Entwicklung siehe Liturgiegeschichte der heiligen Messe

Innerhalb der römisch-katholischen Kirche gibt es verschiedene Riten, in denen die Heilige Messe gefeiert werden kann. In der westlichen, der Lateinischen Kirche wird nahezu ausschließlich der Römische Ritus verwendet, in den Ostkirchen gibt es hingegen mehrere Riten, wie etwa den Byzantinischen Ritus (hier wird die Eucharistiefeier die Göttliche Liturgie genannt) oder den Syrisch-malabarischen Ritus.

Die durch die Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils erneuerte Liturgie wird als "ordentliche Form des Römischen Ritus" (forma ordinaria) bezeichnet. Sie ist niedergelegt im Missale Romanum Papst Pauls VI. von 1970.

Seit neuen Regelungen des Heiligen Stuhles vom 7. Juli 2007 ist es jedem Priester gestattet, die Liturgie nach der Editio typica des Missale Romanum von 1962[4] zu vollziehen; die liturgischen Veränderungen von Pius XII. und Johannes XXIII. werden also mitvollzogen, die Entwicklung ab dem Pontifikat von Papst Paul VI. jedoch nicht. Diese Form des Römischen Ritus wird als "außerordentliche Form" (forma extraordinaria) bezeichnet. Im Volksmund hat sich für diese Zelebrationsform der Begriff "Tridentinische Messe" herausgebildet, obwohl die Form der Messfeier im "Römischen Ritus" des Trienter Konzils ("Concilium Tridentinum") sehr wohl mehrfach geändert worden war.

Ablauf der heiligen Messe (Ordo Missae)

Für den deutschsprachigen Raum gilt das MISSALE ROMANUM EDITIO TYPICA TERTIA 2002 in der Fassung der "Grundordnung des Römischen Messbuchs - Vorauspublikation zum Deutschen Messbuch", approbiert von den deutschsprachigen Bischofskonferenzen und rekognosziert von der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung (Arbeitshilfen Nr. 215. Herausgegeben vom Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz, Bonn 2007).[5]

Dargestellt ist im folgenden die Gemeindemesse (lat. Missa cum populo „Messe mit dem Volk“), gefeiert vom Sacerdos celebrans („zelebrierender Priester“). Bischofsmesse (Pontifikalamt), Papstmesse und die klösterliche Konventsmesse haben im Wesentlichen denselben Aufbau.[6]


Bis 1962 Missale von 1970
Vorbereitungsgebet (Stufengebet)
mit Confiteor
Vormesse Eröffnung
Introitus (Eingangslied)
mit Kreuzzeichen des Zelebranten
Einzug - Gesang
Verehrung des Altars
Kreuzzeichen
Liturgischer Gruß, ggf. Einführung
Allgemeines Schuldbekenntnis
oder (sonntags) Taufgedächtnis
Kyrie Kyrie
Gloria Gloria
Oratio (Kirchengebet) Tagesgebet (Collecta)
Lehrgottesdienst Wortgottesdienst
Epistola (Lectio) Erste Lesung
Graduale (Stufenlied)
mit Allelujalied oder Tractus
Sequenz (an bestimmten Festtagen)
Antwortpsalm
Zweite Lesung (an Sonn- und Festtagen)
Ruf vor dem Evangelium (Halleluja oder Christusruf)
evtl. vorher Sequenz
Evangelium Evangelium
manchmal: Predigt Homilie (Predigt)
Credo (an Sonntagen und Hochfesten) Glaubensbekenntnis (an Sonntagen und Hochfesten)
Fürbitten (Allgemeines Gebet)
Opfermesse Eucharistiefeier
Opfervorbereitung (Opferung)
Offertorium (Opferungslied)
Darbringung des Brotes
Vermischung des Weines mit Wasser
Darbringung des Weines
Selbstaufopferung
Anrufung des Heiligen Geistes
Händewaschung (Lavabo)
Aufopferungsgebet zur allerheiligsten Dreifaltigkeit
Gabenbereitung
evtl. Gabenprozession
Händewaschung
Orate, fratres
Secreta (Stillgebet)
Einladung zum Gabengebet
Gabengebet
Opferhandlung Eucharistisches Hochgebet
Präfatio
Sanctus
Präfation
Sanctus
Canon Missae:
Te igitur (Empfehlung der Opfergaben)
Memento, Domine (Gedächtnis der Lebenden)
Communicantes (Gedächtnis der Heiligen)
Hanc igitur (Bitte um Annahme der Opfergaben)
Quam oblationem (Bitte um Verwandlung der Opfergaben)
Wandlung: Qui pridie (Brot), Simili modo (Wein)
Unde et memores (Gedächtnis des Erlösungswerkes Christi
Supra quae propition (Bitte um Annahme des Opfers)
Supplices (Bitte um unsere Einigung mit dem Opfer Christi)
Memento etiam (Gedächtnis der Toten)
Nobis quoque peccatoribus
(Bitte um Gemeinschaft mit den Heiligen)
Per quem haec omnia (Feierlicher Lobpreis Gottes)
Hochgebet:
evtl. Postsanctus
Epiklese
Einsetzungsbericht
Anamnese
Darbringungsgebet
Kommunionepiklese
Interzessionen
Schlußdoxologie
Opfermahl Kommunion
Paternoster
Libera nos (Weiterführung der letzten Vaterunserbitte)
Gebet des Herrn
mit Weiterführung
Brotbrechung und Vermischung der heiligen Gestalten
Friedensgebet
ggf. Friedensgruß
Agnus Dei Lamm Gottes
mit Brechung des Brotes
Friedensgebet (mit Friedenskuss)
Domine Jesu Christe
(Letzte Bitten vor Empfang der Kommunion)
Kommunion des Priesters
Falls die Kommunionspendung an die Gläubigen erfolgt,
wird vorher Confiteor mit Erbarmensbitte gesprochen.
Reinigung von Kelch und Patene mit Gebeten
Einladung zur Kommunion
Kommunionspendung
Gesang zur Kommunion
Reinigung von Kelch und Patene (still)
Communio Stille und Danksagung
Postcommunio (Schlussgebet) Schlussgebet
Entlassung Abschluss
Ankündigung der Entlassung
Placeat tibi (Bitte um Annahme des Opfers)
Entlassungsruf
Segen
Mitteilungen
Segen
Entlassungsruf
Schlussevangelium
Altarkuss und Auszug
Altarkuss und Auszug

Merkmale des römischen Liturgietyps

Die Grundstruktur der amtlichen Form der Messe von 1969 und der vorher gültigen Form ist gleich. Denn nach ausdrücklicher päpstlicher Weisung galt auch für die Liturgiereform, dass der Typ und das Wesentliche des römischen Ritus gewahrt bleiben müsse. Typisch "römisch" ist bereits der Gedanke, dass ein "pragmatischer" Umgang mit der Liturgie und ihre Anpassung an neue Situationen möglich ist. (Das kommt am deutlichsten in Art. 37-40 der Liturgiekonstitution Sacrosanctum concilium zum Ausdruck.)

Dazu gehört die eher knappe, pragmatische Grundkonzeption des Ritus, die eine einheitliche Ordnung mit einem Variationsspielraum verknüpft; sowie einige tragende Merkmale der Messfeier, insbesondere des Hochgebets. (Man vergleiche dazu die unten dargestellten nichtrömischen Riten.)

Die Entscheidung des II. Vatikanums, zu einer kommunikativeren und mehr pastoralen Form der Messfeier überzugehen (zugunsten stärkerer "actuosa participatio", tätiger Teilnahme der Getauften, wie sie bereits der heilige Papst Pius X. gewünscht hatte), für die in etwa der Typus der römischen Messe des 6.-8. Jahrhunderts das Vorbild darstellt, macht aber eine Mischform nahezu unmöglich. Allerdings ist zu erwarten, dass ältere und neuere Form sich im Falle eines friedlichen Miteinanders innerhalb der lateinischen Kirche gegenseitig beeinflussen.

Manche Beobachter erwarten, dass die Pflege der älteren Traditionen auch wieder eine mehr fromme, ehrfürchtige Zelebration der Messe in der heute amtlichen Form begünstigen könnte. Umgekehrt werden einige Elemente der älteren Form auch bei manchen ihrer Freunde nicht mehr einhellig praktiziert, etwa die Eingangs- und Schlussgebete.

Einige in der nachkonziliaren Öffentlichkeit als markante Merkmale der Liturgiereform wahrgenommene Gebräuche, etwa die Zelebrationsrichtung[7] zum Volk, die Handkommunion und der weitgehende Verzicht auf die lateinische Kultsprache wurden vom II. Vatikanum nicht ausdrücklich angeordnet. Die heilige Messe kann grundsätzlich immer auch auf Latein gefeiert werden, meist wird jedoch Latein an bestimmten Sonntagen oder Festen, bei Gottesdiensten mit vielen internationalen Teilnehmern, zu besonderen Anlässen oder in bestimmten Gruppen benutzt. Über die 1968 approbierten Hochgebete I-IV hinaus entwickelten sich weitere Hochgebete moderner Gestaltung, von denen einige nach einer Zeit der Erprobung für besondere Anlässe in das Missale Romanum 2002 gelangten.

Die regionalen Bischofskonferenzen haben eine eigene Zuständigkeit, die nur im Ausnahmefall den direkten, maßregelnden Durchgriff der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung oder des Papstes gestattet. Auch für das o.g. Motu proprio zum "usus antiquior" gilt, dass seine Umsetzung grundsätzlich vom Ortsbischof durchgeführt wird, der als der Liturge der Ortskirche amtiert.

Abendmessen

In der Zeit des Zweiten Weltkrieges wurde von Papst Pius XII. die Erlaubnis erteilt, auch nachmittags die Heilige Messe feiern zu dürfen. Den große Nutzen von Abendmessen sehend, behielt er diese Anordnung bei. Diese ging auch in den Kanon 1248 des Kirchenrechts von 1983 und in den Katechismus der Katholischen Kirche Nr. 2180 ein.

Quellen

Literatur

Messopfer.jpg

Messbüchlein für Kinder

Medien

  • CD: Die Messe - Dein Leben (Wesen und den Aufbau der hl. Messe). Von P. Andreas Lauer FSSP (bestellbar bei Engelbert Recktenwald; Digitalisierung einer LP des Herder Verlags aus dem Jahr 1959).

Päpstliche Schreiben

Päpstliche Schreiben beim Artikel Eucharistie, Liturgiereform, Communicatio in sacris bezüglich der Eucharistiefeier

Pius IV.

Pius V.

Pius XI.

Paul VI.

Johannes Paul II.

Siehe auch: Schott-Messbuch, Eucharistie, Eucharistische Anbetung, Kommunion, Kirchenjahr, Ritus, Römischer Ritus, Messbund

Weblinks

Jesus Christus tiefer in der Heiligen Messe begegnen, Exerzitienvorträge in Wigratzbad mit dem Referent Karl Wallner:

Anmerkungen

  1. Bertram Stubenrauch: Art. Pascha-Mysterium in: Lexikon für Theologie und Kirche, 3. Aufl., Bd. 7, Sp. 1410f.
  2. Vgl. Johannes Paul II., Enzyklika Ecclesia de eucharistia (17. April 2003), 10: AAS 95 (2003), 439; Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, Instruktion Redemptionis sacramentum über einige Dinge bezüglich der heiligsten Eucharistie, die einzuhalten und zu vermeiden sind (25. März 2004), 38: L'Osservatore Romano, 24. April 2004, Suppl., S. KKK 1382.
  3. Johannes Paul II. Apostolisches Schreiben Mane nobiscum domine, vom 7. Oktober 2004, Nr. 15.
  4. Ritus servandus in celebratione Missæ (1962)
  5. MISSALE ROMANUM EDITIO TYPICA TERTIA 2002 in der Fassung der "Grundordnung des Römischen Messbuchs - Vorauspublikation zum Deutschen Messbuch"
  6. Quellen: *Bis 1962: Anselm Schott OSB: Das vollständige Römische Meßbuch lateinisch und deutsch, Verlag Herder, 4. Auflage, Freiburg 1934, S. 454-488
    *Gotteslob (2013), Nr. 581-591
  7. Von der Wendung der Altäre ist im Konzilstext nicht die Rede Gedanken von Josef Kardinal Ratzinger / Papst Benedikt XVI. über das Verschwinden der lateinischen Sprache und die Wendung der Altäre zum Volk hin Kath.net am 5. Juli 2007
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