Mirari vos

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Mirari vos sind die lateinischen Anfangsworte der Enzyklika Papst Gregor XVI. vom 15. August 1832 an alle Patriarchen, Primaten, Erzbischöfe, Bischöfe des katholischen Erdkreises über die Äußerungen zu den Verwirrungen in Kirche und Staat. Obwohl noch ganz dem Kurialstil verbunden und wegen zahlreicher kräftiger Formulierungen meist süffisant von Gegnern des Papsttums zitiert (stark verknappt auch bei DH 2730-32), stellt Mirari vos die wohl erste "politische" Enzyklika eines Papstes dar. Das Rundschreiben erschien als Antrittsenzyklika erst im zweiten Jahr des Pontifikats. Deshalb beginnt die Enzyklika mit "Ihr wundert Euch" (über das lange Schweigen).

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

Die eigentliche Stoßrichtung der päpstlichen Gedanken ist heute nicht leicht zu verstehen. Zumal die ziemlich schlichte Empörung über Presse- und Gedankenfreiheit (beeinflusst von der Innenpolitik im Kirchenstaat) es erschwert, auf die wichtigen Aussagen zu achten. Aber sein Urteil trifft nicht heutige Systeme der Trennung von Staat und Kirche, weil das damalige "Modell" die Religion dem Staat unterwerfen wollte und nicht die Religion in ihrem Eigenwert achten. Also ist die Enzyklika als Verurteilung des politischen Naturalismus zu lesen. Gregor XVI. drückt sich ganz in der traditionellen Sprache aus. Aber angesichts der noch gar nicht klar erkennbaren Tragweite der damaligen politischen Unruhe muss es beeindrucken, dass gleichzeitig mit dem (schrankenlosen) Liberalismus auch jeder Integralismus bereits verurteilt wurde. Gleich mehrfach betont der Papst die Notwendigkeit, die jeweiligen Bereiche des Rechts zu respektieren und legt den Fürsten dringend nahe, sich nicht von Glaube und Kirche loszusagen, vergebens, wie man heute weiß.

Von großer Bedeutung ist, dass Gregor XVI. die Billigung, die sein Vorgänger der "Julirevolution" in Paris 1830 aussprach (Übergang zum Konstitutionalismus), nicht zurücknimmt, sondern bereits "jede Obrigkeit" (= Staatsordnung) akzeptiert. Die Gegenwehr des Papstes gegen den "Frühtotalitarismus" des modernen Staates ist also nicht mit der Aufforderung verknüpft, den früheren Absolutismus (oder überhaupt zwingend eine Monarchie) wiederherzustellen. Daran zeigt sich, dass der Papst nicht einfach im Lager der politischen Restauration gegen den Fortschritt argumentiert, sondern vielmehr am "Ordnungsdenken" festhält. Zu gut war in Rom in Erinnerung, dass die absoluten Fürsten allzu selten das Wohl der Kirche im Blick hatten. Man muss also selbst dieser (durchaus) "reaktionären" Enzyklika ein beachtliches Unterscheidungsvermögen zuerkennen.

Zitat

"Wir schreiben Euch mit leidendem Gemüt, Ehrwürdige Brüder, aber auch mit Vertrauen auf Denjenigen, der den Sturmwinden gebietet und Ruhe bewirkt.

Bemüht Euch, bewaffnet mit dem Schild des Glaubens, mutig die Schlachten des Herrn zu schlagen. In erster Linie liegt es an Euch, gegen alle, und wären es Legionen, die es wagen, sich gegen die Lehre Gottes zu erheben, wie eine Schutzmauer zusammenzustehen. Schwingt das Schwert des Geistes, welches das Wort Gottes ist. Wer nach Gerechtigkeit hungert, der möge von Euch das Brot erhalten.

Ihr seid als ausgebildete Arbeiter in den Weinberg des Herrn gerufen. Bemüht Euch, einträchtig darauf hinzuarbeiten, dass jede Wurzel der Bitternis aus dem Euch anvertrauten Acker herausgerissen wird. Achtet darauf, dass jeder Same des Lasters vernichtet wird, damit eine reiche Ernte von Tugenden heranreifen kann. Umsorgt vor allem diejenigen mit Eurer väterlichen Liebe, die ihren Geist in die heiligen Wissenschaften und in die Fragen der Philosophie vertiefen. Mahnt und fördert sie, damit sie nicht leichtfertig vom Pfad der Wahrheit abweichen, und sich auf den Weg der Gottlosen verirren, wenn sie sich nur auf ihre eigenen Kräfte und die natürlichen Sinne stützen. Sie sollen sich daran erinnern, dass Gott ein Gott der Weisheit ist und ein Prüfer der Weisen. Es ist nicht möglich, ohne Gott Gott zu erkennen, der durch das Wort die Menschen lehrt, Gott zu verstehen.

Erkennt die Zeichen der hochmütigen und törichten Menschen, welche die Geheimnisse des Glaubens, die jedes natürliche Begreifen übersteigen, nach menschlichem Wissen zu erforschen versuchen und auf die Erkenntnis des eigenen Geistes vertrauen, der nach der menschlichen Natur gebrechlich und schwach ist.

Diesen, für das Wohl der Kirche und den Staat gemeinsam geäußerten Wünschen, mögen die Regierenden, Unsere in Christus geliebten Söhne, kraft ihrer Macht tatkräftig entgegenkommen. Sie mögen dabei bedenken, dass sie diese Macht nicht nur zur Regierung der Welt, sondern ganz besonders zum Schutz der Kirche erhalten haben. Mögen sie immer und auf jede Weise erkennen, dass ihre Herrschaft und Ruhe darauf beruht, was für das Heil der Kirche gewirkt wird.

Sie mögen davon überzeugt sein, dass die Sache des Glaubens für sie wertvoller ist, als die ihres Reiches. Gemeinsam mit dem heiligen Papst Leo sagen wir, dass sie es als etwas Großes erachten sollen, wenn die Hand des Herrn zur Krone ihrer Herrschaft auch die Krone des Glaubens hinzufügt. Zu Vätern und Schützern der Völker bestellt, sichern sie diesen einen wahren, andauernden und ruhigen Wohlstand, wenn sie besonders darum besorgt sind, dass ihre gläubige und kindlich fromme Gesinnung gegenüber Gott unversehrt bleibt, auf dessen Hüfte geschrieben steht, König der Könige und Herrscher der Herrschenden."

Der Text

Mirari vos (Wortlaut)
Mirari vos (verba)

Siehe auch: Liste von Lehramtstexten

Weblinks