Mystagogie

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Mystagogie (griechisch μυσταγωγία mystagogia „Einführung in Mysterien“, von μυστήριον mysterion "Geheimnis" und ἀγωγή agogē "Führung, Erziehung") bezeichnet eine besondere Einführung in den christlichen Glauben. Eine altkirchliche Praxis wurde von der neueren katholischen Theologie wieder aufgenommen; sie wies daurauf hin, dass der Gläubige schon Glaubenserfahrungen gemacht hat, deren Bedeutung ihm aber noch nicht umfassend klargeworden sind. Karl Rahner sprach von einer mystagogischen Katechese.

Bereits im antiken Mysterienkult hieß der Priester, der Jünger durch den Kult in verborgene Wirklichkeiten einführte, griechisch μυσταγωγός "Mystagoge". Die frühe christliche Kirche übernahm den Begriff für die Einführung ("Initiation") in die Theologie und die Spiritualität der Gotteserkenntnis, im engeren Sinne dann auch die Hinführung zu den Sakramenten, die die Taufbewerber (Katechumenen) vor ihrer Taufe erhielten. Es handelte sich um Unterricht und um Predigten, die als Mystagogische Homilien bezeichnet werden. Eine solche Predigtsammlung des Kirchenvaters Kyrill von Jerusalem aus dem 4. Jahrhunderts ist überliefert, ähnlich von Johannes Chrysostomus und Theodor von Mopsuestia. Auch die Vorbereitung auf die Eucharistie und die Priesterweihe hatte mystagogische Züge.

An der Wende von der Spätantike zum frühen Mittelalter trat der Gedanke der Mystagogie zurück. Er wurde im 20. Jahrhundert wiederbelebt. Das Zweite Vatikanische Konzil führte in seiner Dogmatischen Konstitution Dei verbum über die göttliche Offenbarung aus : "Gott hat in seiner Güte und Weisheit beschlossen, sich selbst zu offenbaren und das Geheimnis seines Willens kundzutun (vgl. Eph 1,9 EU): daß die Menschen durch Christus, das fleischgewordene Wort, im Heiligen Geist Zugang zum Vater haben und teilhaftig werden der göttlichen Natur (vgl. Eph 2,18 EU; 2 Petr 1,4 EU). In dieser Offenbarung redet der unsichtbare Gott (vgl. Kol 1,15 EU; 1 Tim 1,17 EU) aus überströmender Liebe die Menschen an wie Freunde (vgl. Ex 33,11 EU; Joh 15,14-15 EU) und verkehrt mit ihnen (vgl. Bar 3,38 EU), um sie in seine Gemeinschaft einzuladen und aufzunehmen."[1] Für den Theologen Karl Rahner ist "Geheimnis" das unbegreifliche Geheimnis, dass Gott selbst ist; es ist nicht nur im Außergewöhnlichen, sondern gerade auch und erst recht in den alltäglichen Lebenserfahrungen gegenwärtig. Gott ist durch seine Offenbarung jeglicher Bemühung des Menschen schon entgegengekommen und ist ihr voraus. Für Rahner gilt es, den Alltag - in Stille und Gebet - als den Ort der Gegenwart des verborgenen unbegreiflichen Geheimnisses Gottes zu entdecken und zu erschließen[2], wo sich die Einladung und Aufnahme in die Gemeinschaft Gottes vollziehen.

Die evangelische Theologin Sabine Bobert bezeichnet „mystagogische Zugänge zum Christentum“ heute als „das Zukunftsmodell der Volkskirche“. [3] Katholische Religionspädagogik versteht "Glauben-Lernen" als lebenslange Mystagogie, die "Glauben weckt, indem sie im Kontext lebensgeschichtlicher Erfahrungen aufmerksam werden lässt auf die verborgene Gegenwart des unbegreiflichen Gottes und das Wirken seines Geistes: als transzendenten Ursprung und Grund, als Horizont und als Ziel der Lebensgeschichte des einzelnen und der Geschichte der Menschheit"; diese Erfahrung wird gemacht "in der Dialektik von Erfahrungen der Nähe Gottes und der Gottesferne". Mystagogie lädt ein, "Gott zu suchen, der immer schon gegenwärtig ist und zugleich 'zu-künftig' bleibt" und sich so "sich offenbarend als bleibendes Geheimnis erweist".[4] Der Pastoraltehologe Herbert Haslinger: "Glaube entsteht nicht durch das Füttern von Glaubensinhalten. Gott ist in jedem Menschen immer schon da, und so ist jede Lebensgeschichte gleichzeitig die Geschichte einer Gotteserfahrung."[5]

Inhaltsverzeichnis

Literatur

Philologischen Analysen als Hilfsmittel für Mystagogische Katechesen

Weblinks

Anmerkungen

  1. Dei verbum (Wortlaut) Nr. 2.
  2. Dr. Joseph Sauer: Ansprache zur Einweihung Karl Rahner Hauses (Institut für Pastorele Bildung), Freiburg i. Br., 28. November 2005 [1]
  3. Sabine Bobert: Megatrend Spiritualität: Unterwegs zu einer spirituellen Moderne – auch in der Volkskirche? In: Paul M. Zulehner (Hrsg.): Spiritualität – mehr als ein Megatrend. Ostfildern 2004, ISBN 978-3-7966-1174-2, S. 80–88 (hier: S. 8–10 |wayback=20140730040326 ).
  4. Werner Simon: Art. Mystatogie in: Lexikon für Theologie und Kirche, 3. Aufl., Bd. 7, Sp. 570-572, hier Sp. 571.
  5. radio.kath.ch: Mystagogie: Eine leise (Jugend-)Pastoral klingt länger nach. Im Gespräch mit Herbert Haslinger, Pastoraltheologe und Mystagogie-Experte aus Paderborn, 31. März 2005.
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