Neokatechumenaler Weg

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Der Neokatechumenale Weg, auch der Neokatechumenat (ital.: cammino neocatecumenale), wurde 1964 massgeblich von Kiko Arguello, Carmen Hernandez und Pater Mario Pezzi initiiert. Er entstand in den Palomeras Altas, den Slums von Madrid, durch den Ruf der Gottesmutter an Kiko, kleine Gemeinschaften nach dem Vorbild der Hl. Familie von Nazareth zu bilden, die "in Demut, Einfachheit und Lob" leben.

Der Neokatechumenale Weg ist ein katholisches Bildungs- und Lebensprogramm (so gen. Itinerar), das durch Katechesen, der gemeinsamen Feier der Liturgie und Sakramente, sowie ein intensives Glaubensleben im Alltag, zur Wiederentdeckung der Taufgnade und zur persönlichen Berufung zu einem christlichen Leben aufruft und ermutigt. Das Katechumenat nach der Taufe wurde als Weg zur neuen Evangelisierung Europas erstmals von Papst Paul VI. explizit im Apostolischen Schreiben Evangelii nuntiandi von 1975 gefordert.

Inhaltsverzeichnis

Selbstverständnis

Der Neokatechumenale Weg ist, wie viele Gemeinschaften und Bewegungen, eine Frucht des Zweiten Vatikanischen Konzils, als eine neue Form der Glaubensverkündigung, gebunden an die Pfarrei und dem jeweiligen Ortsbischof direkt unterstellt. Das Charisma des "Weges" ist vor allem die Glaubensverkündigung an die Getauften, die den Glauben nicht (mehr) praktizieren. So wie es in der frühen Kirche das Katechumenat gab, um die Taufanwärter auf die Taufe und die Aufnahme in die Kirche vorzubereiten, so will der Neokatechumenale Weg den Menschen helfen, das Geheimnis der Taufe, den Glauben und die Lehre der Kirche wieder neu zu entdecken. Das geschieht durch Glaubensverkündigungen, Katechesen, durch die Feier der Liturgien und Sakramente in den Gemeinschaften (in jeder Gemeinschaft gibt es ca. 20-40 Brüder und Schwestern), die sich über Jahre treffen, sich gegenseitig im Glauben bestärken und stützen, "in der jeder in dem anderen Christus sieht".

Strukturell und organisatorisch ist der Neokatechumenat auf ein extremes Minimum festgelegt und will sich bewusst nicht von den Diözesen und Pfarreien abgrenzen, sondern insbesondere die Pfarrei wiederbeleben. Der Neokatechumenale Weg besteht daher aus kleinen Gemeinschaften innerhalb der diözesanen Pfarrgemeinden.

Gemeinschaftsleben

Das Modell dieser Gemeinschaften ist die Heilige Familie: In der Gemeinschaft werden die Getauften im Glauben wachsen, in dem sie, der Kirche unterstellt, in Demut, Einfachheit und Lob wachsen. (Statut des Neokatechumenalen Weges vom 29. Juni 2002, Art. 7 § 2.)

Das Neokatechumenat als Itinerar der Wiederentdeckung der christlichen Initiation vollzieht sich in der Regel in der Pfarrei, dem priviligierten Ort, in dem die Kirche als Mutter und Lehrerin die Kinder Gottes im Taufbrunnen zeugt und sie zum neuen Leben austrägt. (Statut des Neokatechumenalen Weges vom 29. Juni 2002, Art. 6 § 1.)

Wegen des anspruchsvollen und als theologisch konservativ kritisierten Itinerars in kleinen Gruppen, wird dem Neokatechumenat bisweilen vorgeworfen, die Pfarrgemeinden in (eigene) "elitäre" Zirkel und das (übrige) Gemeindevolk zu "spalten". Die Zielsetzung ist aber eine andere:

Der Neokatechumenale Weg zielt darauf ab, in seinen Empfängern ein reifes Bewusstsein der Zugehörigkeit zur Pfarrei zu fördern und Beziehungen tiefer Gemeinschaft und Mitarbeit mit allen anderen Gläubigen und den verschiedenen Realitäten der Pfarrgemeinde zu erwecken. (Statut, Art. 6 § 3.)

Ausblick

Der Neokatechumenale Weg ist mittlerweile in fast allen Ländern der Welt gegenwärtig. In Deutschland gibt es ca. 50 Gemeinschaften. Das missionarische Charisma hat überdies zahlreiche geistliche Berufungen geweckt, so dass mittlerweile mehrere missionarische Priesterseminare ins Leben gerufen wurden, die sich allesamt unter das Patronat der Mutter des Erlösers stellen (Redemptoris Mater). In Deutschland gibt es zwei Seminare Redemptoris Mater, in Bonn und Berlin.

Liturgische Besonderheiten wurden dem Neokatechumenat zugebilligt, das sich seitens des Gründungscharismas diesbezüglich auf urkirchliche Praxis beruft. Manches in dieser Eucharistie in kleinen Gemeinschaften (siehe dort) beruht auf Anregungen des Liturgiereformers Annibale Bugnini, ist aber eingestandenermaßen nicht zur Umsetzung in der allgemeinen Liturgie der Kirche geeignet. Die Zahl der Anhänger des Neokatechumenats (und folglich auch die Feier von deren Eigenliturgie) hat mittlerweile international die Millionengrenze weit überschritten.

Auch der heutige Kardinal Paul Josef Cordes sowie Kardinal Stanislaw Rylko, ehemaliger und aktueller Sekretär des Päpstlichen Rates für die Laien, gehören zu den Unterstützern des Neokatechumenalen Weges. Die definitive kirchenrechtliche Anerkennung der Statuten wurde mit Datum vom 11. Mai 2008 publiziert, dem Pfingstsonntag.

Am 13. Juni 2008 gab der Vatikan die endgültige Approbation der Statuten des Neokatechumenalen Weges öffentlich bekannt.

Diese Anerkennung bedeutet, selbst wenn Modifikationen der Liturgiepraxis darin enthalten sind, auch die Billigung der Eigenart der Eucharistiefeier kleinerer Gemeinschaften (s.o.). Angesichts der apostolischen Stärke des neokatechumenalen Weges dürfte diese Billigung der "Eigenliturgie" quantitativ bedeutsamer sein als die erweiterte Freigabe der "alten Messe" durch Summorum pontificum 2007.

Päpstliche Schreiben (unvollständig)

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