Neue Initiativen zur natürlichen Familienplanung

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Ansprache
Neue Initiativen zur natürlichen Familienplanung

Seiner Heiligkeit
Johannes Paul II.
für Lehrer der natürlichen Methoden der Geburtenregelung
3. Dezember 1985

(Quelle: Der Apostolische Stuhl 1985, S. 1678-1680)
Allgemeiner Hinweis: Was bei der Lektüre von Wortlautartikeln der Lehramtstexte zu beachten ist


Meine Lieben!

1. Mit großer Freude empfange ich euch zu dieser euch vorbehaltenen Sonderaudienz und begrüße euch ganz herzlich. Ihr seid aus verschiedenen Teilen Italiens nach Rom gekommen, um an dem "Kurs für Lehrer der natürlichen Methoden zur Geburtenregelung" teilzunehmen, der an der Medizinischen und Chirurgischen Fakultät der Katholischen Universität Sacro Cuore veranstaltet und von Frau Dr. Anna Cappella geleitet wurde. Ich möchte euch meine Anerkennung aussprechen wegen eurer Sensibilität für diese höchst aktuelle und heikle Problematik, die nach klaren und konkreten Lösungen verlangt; für euer volles Vertrauen in das Lehramt der Kirche, das im Namen Gottes und einzig und allein zum Wohl des einzelnen, der Familien und der Gesellschaft lehrt und auf den göttlichen Plan für ein eheliches Leben hinweist, das sich ganz seiner Würde bewusst ist.

2. In der Reihe der Fortbildungsveranstaltungen, die ihr besucht habt, haben euch qualifizierte Fachleute über die Kenntnis des Leibes und seiner Fruchtbarkeitsrhythmen sowie über die moralischen und personenbezogenen Motivierungen der Geburtenregelung, über die menschlichen, physischen und psychischen Bedingungen aufgeklärt, die unerläßlich sind, um die Ehe im Plan der göttlichen Vorsehung zu verstehen und zu leben. Aufgrund des Verantwortungsbewusstseins, das euch auszeichnet, besteht eure Aufgabe darin, diese Lehren an die verschiedenen Kreise in Kirche und Gesellschaft weiterzugeben, wo es ein wirklich moralisches Leben zu fördern gilt. Ich fordere euch zu sachlicher Gelassenheit und zu vertrauensvoller Zuversicht auf. Wie es im Apostolischen Schreiben Familiaris consortio heißt, "kann die sittliche Ordnung nicht etwas den Menschen Demütigendes und Unpersönliches sein. Im Gegenteil, sie entspricht den tiefsten Bedürfnissen des von Gott geschaffenen Menschen und dient somit der vollen Entfaltung seines Menschseins, in jeder einfühlenden und bindenden Liebe, mit der Gott selbst jedes Geschöpf beseelt, hält und zu seiner Seligkeit führt" (Nr. 34).

Der Herr erleuchte und begleite euch stets bei dieser eurer Aufgabe, damit ihr in den verschiedensten Kreisen wahrhaft christliche Gewissen heranbilden könnt, die zu begreifen vermögen, was tatsächlich Gottes Wille hinsichtlich des menschlichen Lebens ist, samt der Pflicht, diesen Willen anzunehmen und zu fördern.

Personale Liebe und Keuschheit in der Ehe

3. Eure Aufgabe ist zweifellos schwierig, weil sich die Information und Kenntnis über die natürlichen Methoden für eine verantwortliche Elternschaft auf eine einwandfreie Anthropologie gründen müssen und daher die Erziehung zur Selbstbeherrschung und somit die Hochhaltung der Keuschheit und die hohe Einschätzung der geistigen Dimension der Liebe erfordern, die die triebhaften Impulse und die Gefühlsneigungen in sich aufnimmt und sublimiert. Auch das Bemühen um Abtötung erhält so den Zweck, eine wahrhaft personale Liebe zum Ausdruck zu bringen, die einer täglichen Enthaltsamkeit, des Verständnisses füreinander und der Geduld fähig ist.

Man muss die Ehe und damit den Gebrauch der Sexualität im Lichte des Ostergeheimnisses Christi betrachten, was logischerweise Leiden und Opfer, Sieg und Freude bedeutet, weil es erleuchtet, läutert, erhebt und erlöst. So schrieb Paul VI. in der Enzyklika Humanae vitae: "Die Beherrschung des Triebes (der Begierde) durch die Vernunft und den freien Willen erlegt zweifellos eine Askese auf, damit die Gefühlsäußerungen des ehelichen Lebens der rechten Ordnung entsprechen, was insbesondere für die Beachtung der periodischen Enthaltsamkeit gilt. Aber diese Disziplin, gerade im Hinblick auf die Keuschheit der Eheleute, bedeutet keinesfalls einen Schaden für die eheliche Liebe, im Gegenteil, sie verleiht dieser nur einen höheren menschlichen Wert. Das erfordert eine ständige Anstrengung, aber dank ihres segenbringenden Einflusses entfalten die Eheleute durch die Bereicherung mit den geistlichen Werten ihre ganzheitliche Persönlichkeit" (Nr. 21).

Die Unterweisung über die natürlichen Methoden kann daher nicht von der klaren Forderung nach einem Innenleben, das sich aus Gebet und Gottvertrauen nährt, und ebensowenig von einer ständigen Erziehung zur Berufung auf die Hilfe der Gnade, zum häufigen Empfang der Sakramente der Eucharistie und der Buße, zum verantwortlichen Verhalten im Bereich der Liebe getrennt werden. Denn es handelt sich ja nicht bloß um ein biologisches und psychologisches Problem, sondern vor allem um eine Lebensauffassung und -praxis, die im "Wort Gottes", das uns über die Natur und die Bestimmung des Menschen erleuchtet, verwurzelt und daher im Hinblick auf die Ewigkeit orientiert sind.

4. Im "Schlussdokument" der kürzlich zwanzig Jahre nach dem Abschluss des Zweiten Vatikanischen Konzils abgehaltenen außerordentlichen Bischofssynode haben die Synodenväter unter anderem geschrieben:

"Auf der ganzen Erde ist heute die Weitergabe des Glaubens und der aus dem Evangelium fließenden moralischen Werte an die kommende Generation (Jugend) in Gefahr. Die Kenntnis des Glaubens und die Anerkennung der moralischen Ordnung sind oft auf ein Minimum reduziert. Ein neuer Anstoß zur Evangelisierung und zu integraler und systematischer Katechese ist ein Gebot der Stunde" (Schlussdokument der außerordentlichen Bischofssynode, II, B, a, 2).

Übernehmt auch ihr mutig die Verantwortung dieses mühevollen Einsatzes bei der unverkürzten Weitergabe der Morallehre der Kirche zur christlichen Formung der Jugendlichen und der Familien.

Da wir auf das heilige Weihnachtsfest zugehen, spreche ich euch meine herzlichsten Wünsche aus und versichere euch auch meines Gedenkens im Gebet vor der Krippe, damit das in die menschliche Geschichte eingetretene Wort Gottes euch immer im Lichte seiner Offenbarung erhalte und euch mit der Gnade der Erlösung stärke.

Und bei eurer Aufgabe begleitet euch auch mein Segen, den ich euch aus ganzem Herzen erteile und in den ich die euch nahestehenden Personen mit einbeziehe.

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