Notifikation vom 11. März 1985 (Wortlaut)

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Notifikation

Kongregation für die Glaubenslehre
unseres Heiligen Vaters
Johannes Paul II.
zu dem Buch: ”Kirche: Charisma und Macht, Versuch einer militanten Ekklesiologie” von Pater Leonardo Boff OFM
11. März 1985

(Quelle: Sekretariat der DBK: Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls 67; Die deutsche Fassung auf der Vatikanseite; auch in: DAS 1985, S. 1847-1854)
Allgemeiner Hinweis: Was bei der Lektüre von Wortlautartikeln der Lehramtstexte zu beachten ist


Inhaltsverzeichnis

Einführung

Am 12. Februar 1982 übersandte Leonardo Boff OFM an die Kongregation für die Glaubenslehre die Antwort, die er der Kommission des Erzbistums Rio de Janeiro für die Glaubenslehre auf die Kritik an seinem Buch "Kirche: Charisma und Macht" gegeben hatte (Originaltitel: "Igreja: Carisma e Poder", ed. Vozes, Petrópolis 1981. Die Zitate dieser Notifikation beziehen sich auf die italienische Übersetzung: "Chiesa: Carisma e Potere", ed. Borla, Roma 1983). Er erklärte, dass diese Kritik schwerwiegende Irrtümer enthalte, was Verständnis und Auslegung seines Buches angehe.

Nachdem die Kongregation die Schrift in ihren lehrmäßigen und pastoralen Aspekten eingehend geprüft hatte, unterbreitete sie dem Verfasser in einem Brief vom 15. Mai 1984 eine Reihe von Vorbehalten. Sie lud ihn zu deren Annahme ein und bot ihm gleichzeitig die Möglichkeit zu einem klärenden Gespräch an. Angesichts des Einflusses, den das Buch auf die Gläubigen ausübte, unterrichtete die Kongregation jedoch L. Boff davon, dass der Brief in jedem Fall veröffentlicht würde; dabei könne freilich gegebenenfalls die Stellungnahme berücksichtigt werden, die er bei diesem Gespräch vorlegen werde.

Am 7. September 1984 wurde L. Boff vom Kardinalpräfekten der Kongregation im Beisein von Msgr. Jorge Mejia als Protokollführer empfangen. Inhalt des Gesprächs waren einige ekklesiologische Probleme, die sich bei der Lektüre des Buches "Kirche: Charisma und Macht" ergeben hatten und auf die in dem Schreiben vom 15. Mai 1984 hingewiesen worden war. Das Gespräch, das in brüderlicher Atmosphäre stattfand, bot dem Verfasser Gelegenheit, seine von ihm auch schriftlich übergebenen Erklärungen darzulegen. Das alles wurde in einem im Einvernehmen mit Boff ausgegebenen und verfassten Schlusskommunique präzisiert. Am Ende der Aussprache wurden an anderer Stelle vom Kardinalpräfekten die hochwürdigsten Kardinäle Aloisio Lorscheider und Paulo Evaristo Arns empfangen, die sich aus gegebenem Anlass in Rom aufhielten. Die Kongregation hat ihrem Vorgehen entsprechend die von L. Boff mündlich und schriftlich gegebenen Klarstellungen geprüft. Sie hat die von ihm zum Ausdruck gebrachten guten Absichten und seine wiederholten Treuebezeugungen gegenüber der Kirche und dem Lehramt zur Kenntnis genommen, musste aber dennoch betonen, dass die gegenüber dem Buch erhobenen und in dem Brief aufgezeigten Vorbehalte in der Substanz nicht als überwunden betrachtet werden konnten. Sie hält es daher für notwendig, den Lehrgehalt des obengenannten Briefes in seinen wesentlichen Teilen jetzt, wie es vorgesehen war, zu veröffentlichen.

Theologische Vorbemerkung

Die Ekklesiologie des Buches "Kirche: Charisma und Macht" möchte mit einer Sammlung von Studien und Ausblicken den Problemen Lateinamerikas und insbesondere Brasiliens entgegenkommen (vgl. S. 5). Diese Absicht erfordert einerseits eine ernsthafte und gründliche Betrachtung der konkreten Situationen, auf die das Buch Bezug nimmt. Andererseits erfordert sie, damit dieser Zielsetzung tatsächlich entsprochen werde, sich in das Mühen der Gesamtkirche einzureihen, das darauf zielt, unter der Führung des Heiligen Geistes das gemeinsame Erbe des einen Evangeliums auszulegen, zu entfalten und anzuwenden, das vom Herrn ein für allemal unserer Treue anvertraut worden ist. So schafft und errichtet der eine und einzige Glaube des Evangeliums die Jahrhunderte hindurch die Katholische Kirche, die im Wandel der Zeiten und in der Unterschiedenheit der je eigenen Situationen der vielen Teilkirchen dennoch eine bleibt. Die Universalkirche verwirklicht sich und lebt in den Teilkirchen; diese wiederum sind Kirche, eben weil sie Ausdruck und Verwirklichung der Gesamtkirche in einer bestimmten Zeit und an einem bestimmten Orte sind. Im Wachsen und Fortschreiten der Teilkirchen wächst so die Gesamtkirche; umgekehrt würden im Abnehmen der Einheit auch die Teilkirchen abnehmen und verfallen. Darum darf der rechte theologische Diskurs sich niemals damit zufrieden geben, nur die Realität einer Teilkirche zu interpretieren und zu animieren; er muss vielmehr versuchen, die Inhalte des der Kirche anvertrauten und vom Lehramt authentisch ausgelegten heiligen Erbes des Gotteswortes tiefer zu erfassen. Die Praxis und die Erfahrungen, die immer aus einer bestimmten und begrenzten geschichtlichen Situation herrühren, helfen dem Theologen und verpflichten ihn, das Evangelium seiner Zeit zugänglich zu machen. Die Praxis ersetzt jedoch weder die Wahrheit noch bringt sie sie hervor, sondern sie steht im Dienst der uns vom Herrn anvertrauten Wahrheit. Darum ist der Theologe aufgerufen, die Sprache der verschiedenen Situationen - die Zeichen der Zeit - zu entziffern und diese Sprache dem verstehenden Glauben zu erschließen (vgl. Redemptor hominis, Nr. 19).

Nach eingehender Prüfung im Licht der - hier nur kurz angedeuteten Kriterien einer authentischen theologischen Methode erweisen sich einige Optionen des Buches von L. Boff als unhaltbar. Ohne den Anspruch zu erheben, sie alle zu analysieren, werden hier die ekklesiologischen Optionen, die entscheidend scheinen, hervorgehoben: die Struktur der Kirche, das Verständnis des Dogmas, die Ausübung von Macht in der Kirche, der Prophetismus.

Die Struktur der Kirche

L. Boff steht nach seinen eigenen Worten in einer Richtung, die behauptet, "dass die Kirche als Institution nicht im Denken des historischen Jesus vorhanden war, sondern als Entwicklung nach der Auferstehung, besonders im Zug der abnehmenden Endzeiterwartung, entstanden ist" (S. 129). Infolgedessen ist für ihn die Hierarchie "ein Ergebnis" der "harten Notwendigkeit, sich institutionalisieren zu müssen", "eine Verweltlichung" im "römischen und feudalen Stil" (S. 70). Daraus ergibt sich die Notwendigkeit einer "ständigen Veränderung der Kirche" (S. 112): Heute muss demnach eine "neue Kirche" entstehen (S. 110 ff.), die "eine neue Inkarnation der kirchlichen Strukturen in der Gesellschaft sein wird, deren Macht in einer schlichten Dienstfunktion bestehen wird" (S. 111). Aus der Logik dieser Behauptungen erklärt sich auch Boffs Interpretation der Beziehungen zwischen Katholizismus und Protestantismus: "Uns scheint, dass das römische Christentum (der Katholizismus) sich durch die mutige Behauptung der sakramentalen Identität unterscheidet und das protestantische Christentum durch eine unerschrockene Behauptung der Nicht-Identität" (S. 130; vgl. S. 132 ff., 149).

In dieser Sicht wären beide Konfessionen unvollkommene Vermittlungen, die einem dialektischen Prozess der Bejahung und Verneinung zugehören. In dieser Dialektik "zeigt sich, was das Christentum ist. Was es sein soll, wissen wir nicht. Wir wissen nur, als was es sich im historischen Prozess erweist" (S. 138).

Um diese relativierende Auffassung von der Kirche - die der radikalen Kritik an der hierarchischen Struktur der katholischen Kirche zugrunde liegt - zu rechtfertigen, beruft sich L. Boff auf die Konstitution Lumen gentium (Nr. 8) des Zweiten Vatikanischen Konzils. Aus der berühmten Aussage des Konzils: Die einzige Kirche Christi "ist (substantiell) verwirklicht (,subsistiert') in der katholischen Kirche", leitet er eine These ab, die der authentischen Bedeutung des Konzilstextes genau widerspricht, wenn er behauptet: "In der Tat kann sie (nämlich die einzige Kirche Christi) auch in anderen christlichen Kirchen ,subsistieren'" (S. 131). <smal> * (*Für das lateinische Wort "subsistit" fehlt ein Äquivalent im Deutschen. Es ist eine Verstärkungsform von "existieren" und bezeichnet selbständige, ganzheitliche Existenz. Das Konzil wollte damit ausdrücken, dass die wahre Kirche nicht unsichtbare Idee oder bloße endzeitliche Erwartung ist, sondern in der institutionellen Gestalt der katholischen Kirche als solche da ist. Den andersartigen Charakter der Teilhabe der nichtkatholischen Kirchen und Gemeinschaften am Sein der Kirche hat es demgegenüber mit dem Begriff "Elemente des Kircheseins" umschrieben. Es wollte damit einerseits die Gegenwart des Ekklesialen auch außerhalb der Katholischen Kirche erklären, ohne andererseits ihre Einheit und Sichtbarkeit preiszugeben. Zugleich wurden "Subsistenz" und "Elemente" in eine dynamische Beziehung des Zueinanderdrängens gebracht. Die Notifikation weist darauf hin, dass durch das Missverständnis des "subsistit" bei L. Boff diese dynamische Synthese aufgelöst ist zugunsten einer ekklesiologischen Dialektik, die den Relativismus in Sachen der Wahrheit des Glaubens notwendig nach sich zieht. </ smal > Das Konzil hingegen hatte das Wort "subsistit" gerade deshalb gewählt, um klarzustellen, dass nur eine einzige "Subsistenz" der wahren Kirche besteht, während es außerhalb ihres sichtbaren Gefüges lediglich "Elemente des Kircheseins" gibt, die - da sie Elemente derselben Kirche sind - zur Katholischen Kirche tendieren und hinführen (Lumen gentium, Nr.8). Das Dekret über den Ökumenismus bringt dieselbe Lehre zum Ausdruck (vgl. Unitatis redintegratio, Nr.3-4), die in der Erklärung Mysterium Ecclesiae, Nr. 1, noch einmal präzisiert wurde (AAS LXV, 1973, S. 396-398).

Die Umkehrung der Bedeutung des Konzilstextes über die Verwirklichung der Kirche liegt dem oben umrissenen ekklesiologischen Relativismus von L. Boff zugrunde, bei dem ein tiefes Missverständnis des katholischen Glaubens über die Kirche Gottes in der Welt entwickelt und deutlich wird.

Dogma und Offenbarung

Dieselbe relativierende Logik ist auch in der von Boff formulierten Auffassung von Lehre und Dogma anzutreffen. Der Verfasser übt äußerst scharfe Kritik am "doktrinären Verständnis der Offenbarung" (S. 73). Es trifft zwar zu, dass L. Boff zwischen Dogmatismus und Dogma unterscheidet (vgl. S. 74), wobei er das zweite billigt und den ersten verwirft. Doch nach ihm hat das Dogma in seiner Formulierung nur "für eine bestimmte Zeit und für bestimmte Umstände" Gültigkeit (S. 134). "In einem zweiten Moment dieses dialektischen Prozesses muss der Text überwunden werden können, um einem anderen heutigen Glaubenstext Platz zu machen" (S. 135). Der sich aus diesen Aussagen ergebende Relativismus wird deutlich greifbar, wenn L. Boff von einander widersprechenden Lehrpositionen spricht, die im Neuen Testament enthalten seien (vgl. S. 135). Demzufolge wäre "die wahrhaft katholische Haltung, grundsätzlich nach allen Richtungen hin offen zu bleiben" (S. 135). In der Sicht von L. Boff fällt die authentische katholische Auffassung vom Dogma unter das Urteil des "Dogmatismus": "Solange diese Form des dogmatischen und doktrinären Verständnisses der Offenbarung und der Heilstat Jesu Christi besteht, wird man immer unheilbar mit der Unterdrückung der Freiheit des abweichenden Denkens in der Kirche rechnen müssen" (S.74).

In diesem Zusammenhang muss betont werden, dass das Gegenteil des Relativismus nicht Verbalismus oder Immobilismus ist. Der letzte Inhalt der Offenbarung ist Gott selbst, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist, der uns zur Gemeinschaft mit sich einlädt; alle Worte beziehen sich auf das Wort oder, wie der heilige Johannes vom Kreuz sagt: ". ..auf seinen Sohn. ..In diesem einen Wort hat er zusammengefasst in einem Zuge uns das Ganze - sich selbst - gesagt, so dass nichts weiter darüber hinaus zu sagen bleibt" (Subida dei Monte Carmelo, II 22, 3). Aber in den immer analogen und begrenzten Worten der Schrift und des authentischen, auf der Schrift gründenden Glaubens der Kirche ist in glaubwürdiger Weise die Wahrheit über Gott und den Menschen ausgesagt. Die Notwendigkeit fortwährender Auslegung der Sprache der Vergangenheit bedeutet keineswegs die Preisgabe der darin ausgedrückten Wahrheit; ihr Ziel ist vielmehr, sie zugänglich zu machen und den Reichtum der authentischen Texte zu entfalten. Wenn die lehrende und glaubende Kirche unter der Führung des Herrn, der der Weg und die Wahrheit ist (Joh 14,6), ihren Weg geht, so ist sie sicher, dass die in den Worten des Glaubens zum Ausdruck gebrachte Wahrheit den Menschen nicht nur nicht unterdrückt, sondern ihn befreit (Joh 8,32) und das einzige Mittel wahrer Gemeinschaft zwischen Menschen verschiedener Klassen und Meinungen ist, während eine dialektische und relativistische Auffassung ihn einer willkürlichen Entscheidungsfindung aussetzt.

Bereits in der Vergangenheit musste diese Kongregation klarstellen, dass der Sinn der dogmatischen Formulierungen immer wahr und folgerichtig, bestimmt und unreformierbar bleibt, auch wenn er weiter geklärt und besser begriffen werden kann (vgl. Mysterium Ecclesiae, Nr.5: AAS LXV, 1973, S. 403-404).

Um seine Aufgabe weiter zu erfüllen, das Salz der Erde zu sein, das niemals seinen Geschmack verliert, muss das Glaubensgut treu in seiner Reinheit bewahrt werden, ohne im Sinn eines dialektischen Prozesses der Geschichte und in Richtung des Primats der Praxis ins Gleiten zu kommen.

Ausübung der geistlichen Macht

Eine "ernste Krankheit", von der sich - nach L. Boff - die römische Kirche befreien müsste, ist die hegemoniale Ausübung der geistlichen Macht, die aus der Kirche eine asymmetrische Gesellschaft gemacht habe und die überdies auch in sich selbst deformiert worden sei.

Während Boff als gegeben voraussetzt, dass die organisatorische Achse einer Gesellschaft sich mit der ihr eigenen besonderen Produktionsform deckt, und dieses Prinzip auf die Kirche anwendet, behauptet er, dass es hier einen geschichtlichen Prozess der Enteignung der religiösen Produktionsmittel seitens des Klerus zum Schaden des christlichen Volkes gegeben habe, das sich dadurch seiner Fähigkeit zu entscheiden, zu unterweisen usw., beraubt gesehen habe (vgl. S. 75, 222 ff., 259-260). Außerdem sei nach dieser Enteignung die geistliche Macht dadurch auch schwer entstellt worden und in die charakteristischen Fehler der weltlichen Macht verfallen, d. h. in Beherrschung, Zentralismus, Triumphalismus (vgl. S. 100, 85, 92 ff.). Zur Behebung dieser Schwierigkeiten wird ein neues Kirchenmodell vorgeschlagen, in dem die Macht ohne theologische Privilegien als reiner, nach den Bedürfnissen der Gemeinschaft gegliederter Dienst aufgefasst wird (vgl. S. 224, 111).

Man kann nicht die Wirklichkeit der Sakramente und des Wortes Gottes dadurch der Verarmung preisgeben, dass man sie auf das Schema von "Produktion und Konsum" reduziert und damit die Gemeinschaft des Glaubens auf ein bloßes soziologisches Phänomen beschränkt. Die Sakramente sind nicht "symbolisches Material", ihre Verwaltung ist nicht Produktion, ihr Empfang ist nicht Konsum. Die Sakramente sind Gaben Gottes, niemand "produziert" sie, wir alle empfangen in ihnen die Gnade Gottes, die Zeichen der ewigen Liebe. Das alles steht jenseits jeder Produktion, jenseits allen menschlichen Tuns und Herstellens. Die einzige Maßnahme, die der Größe des Geschenks entspricht, ist die größte Treue gegenüber dem Willen des Herrn, nach der wir alle -Priester und Laien - beurteilt werden, da wir alle "unnütze Sklaven" sind (Lk 17,10). Gewiss besteht immer die Gefahr von Missbräuchen; das Problem, wie der Zugang aller Gläubigen zur vollen Teilhabe am Leben der Kirche und zu ihrer Quelle, also zum Leben des Herrn, gewährleistet werden kann, stellt sich immer. Aber die Wirklichkeit der Sakramente, der Hierarchie, des Wortes und des ganzen Lebens der Kirche in den Begriffen von Produktion und Konsum, von Monopol, Enteignung, Konflikt mit dem herrschenden Machtblock, Bruch und Anlass zu einer asymmetrischen Produktionsform zu interpretieren, bedeutet eine Verkehrung der religiösen Wirklichkeit. Weit davon entfernt, zur Lösung der wahren Probleme beizutragen, führt dies vielmehr zur Zerstörung des authentischen Sinnes der Sakramente und des Wortes des Glaubens.

Der Prophetismus in der Kirche

Das Buch "Kirche: Charisma und Macht" klagt die Hierarchie und die Institutionen der Kirche an (vgl. S. 63-64, 89, 259-260). Als Erklärung und Rechtfertigung für diese Haltung macht es die Rolle der Charismen und insbesondere des Prophetismus geltend (vgl. S. 258-261, 268). Die Hierarchie hätte lediglich die Aufgabe zu "koordinieren", "die Einheit und Harmonie zwischen den verschiedenen Diensten zu fördern", "die Zirkulation aufrechtzuerhalten sowie jede Spaltung und jeden Anspruch auf Vorrang zu verhindern", wobei mithin "die unmittelbare Unterordnung aller unter die Hierarchen" aus der so definierten Funktion ausscheidet (vgl. S. 270).

Es besteht kein Zweifel, dass das ganze Volk Gottes am prophetischen Amt Christi teilhat (vgl. Lumen gentium, Nr. 12); Christus erfüllt sein prophetisches Amt nicht nur durch die Hierarchie, sondern auch durch die Laien (vgl. ebd., Nr. 35). Aber ebenso klar ist, dass die prophetische Aussage in der Kirche, wenn sie legitim sein soll, immer im Dienst des Aufbaues der Kirche selbst stehen muss. Sie muss die Hierarchie und die Institutionen nicht nur annehmen, sondern muss auch positiv zur Festigung ihrer inneren Gemeinschaft beitragen; darüber hinaus liegt das oberste Kriterium für das Urteil über ihre Echtheit und ihren ordentlichen Gebrauch bei der Hierarchie (vgl. Lumen gentium, Nr. 12).

Schluss

Bei Veröffentlichung des Obigen fühlt sich die Kongregation außerdem verpflichtet zu erklären, dass die hier analysierten Optionen von L. Boff derart sind, dass sie die gesunde Glaubenslehre gefährden, die zu fördern und zu schützen eben die Aufgabe dieser Kongregation ist.

Papst Johannes Paul II. hat in der dem unterzeichneten Präfekten gewährten Audienz die vorliegende Mitteilung, die in der ordentlichen Versammlung dieser Kongregation beschlossen worden war, gebilligt und ihre Veröffentlichung angeordnet.

Rom, am Sitz der Kongregation für die Glaubenslehre, 11. März 1985
Kardinal Joseph Ratzinger
Präfekt
Erzbischof Alberto Bovone
Sekretär
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