Nouvelle Théologie

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Nouvelle théologie bezeichnet, vor allem in den 1940-er und 50-er Jahren des 20. Jahrhunderts, bestimmte Strömungen unter den Theologen, besonders französischer Herkunft, die neue Ansätze in der theologischen Wissenschaft unternahmen. Sie hat das Zweite Vatikanische Konzil beeinflusst.

Inhaltsverzeichnis

Begriff

Nachdem schon Erich Przywara SJ 1926 für den deutschsprachigen Raum den Begriff "Neue Theologie" geprägt hatte (in: Stimmen der Zeit 111 (1926), 428-443), wurde im frz. Raum die Bezeichnung "Nouvelle Théologie" seit etwa 1942 zunächst negativ-kritisch gegen diese theologische Richtung verwendet (vgl. Pietro Parente (Osservatore Romano 82 [9./10.2.1942] n. 33,1).

Papst Pius XII. verwendete ihn warnend in seiner Ansprache an die 29. General-Kongregation der SJ, 1946. Diese Richtung wollte vor dem Hintergrund der zeitgenössischen Philosophie und in kritischer Auseinandersetzung mit der Neuscholastik auf die Geschichte bezogenes Denken und die biblisch-patristische Tradition stärker in die Theologie einbringen.

Nach der raschen und erfolgreichen Überwindung der Modernismus-Krise 1907-09 durch Papst Pius X., insbesondere aber seit der Verurteilung der "politischen Theologie" der Action française 1926/27 durch Pius XI., entwickelten Theologen in Frankreich und in den von dort mitbeeinflussten französischsprachigen Teilen Belgiens und der Schweiz neue Ansätze der Theologie, die pastoral, biblisch und historisch redlicher in Dialog mit der Moderne eintreten wollte, zu diesem Zweck aber auf die ältesten Quellen des Christentums, insbesondere die Kirchenväter, zurückging.

Vertreter

Wichtige Vertreter der Nouvelle Théologie waren vor allem die Ordenstheologen Marie-Dominique Chenu, Yves Congar, Jean Daniélou und Henri de Lubac. Führende Vertreter, wie Henri de Lubac und Jean Daniélou, teils auch Yves Congar, vertraten nach 1965 eine streng konzilstreue und papsttreue Position. Auch Hans Urs von Balthasar stand ihr nahe. Andere Theologen, die aber nur zum Teil in der Tradition der N.T. stehen, gingen zu einer papst- und konzilskritischen Haltung über (siehe Geist des Konzils); noch nicht im Blickfeld der N.T. war der Teilhardismus einerseits oder die Befreiungstheologie andererseits. Diese Tendenzen, die durch die nachkonziliare Krise verbreitet wurden, stellen, jedenfalls in ihren Extrempositionen, das kirchliche Lehramt und die sakramental verfasste Kirche wiederum in Frage. So weit wären die Vertreter der Nouvelle théologie nie gegangen.

Bekannt geworden sind insbesondere Henri de Lubac SJ und Yves Congar O.P., die jedoch beide zum "gemäßigten" Flügel der Erneuerer zählten (und später zu Kardinälen erhoben wurden), während sich im Umfeld der neu gegründeten Zeitschrift Concilium nach 1965 ein radikalerer Zweig entwickelte. Aber weder Karl Rahner noch Hans Küng zählen zur nouvelle théologie im engeren Sinne, da Rahner an Heidegger anknüpft und Küng, soweit überhaupt ersichtlich, eine Art Spät-Hegelianer ist.

Kritik und Rezeption

Zunächst wurde die Nouvelle Théologie durch das kirchliche Lehramt heftig kritisiert, weil in ihr partiell Züge eines neuen Modernismus vermutet wurden. Siehe dazu die Enzyklika Pius XII. Humani Generis ( von 1950), die zwar keine Lehrverurteilungen vornimmt, aber sich deutlich gegen "einige Auffassungen" wendet, welche die katholische Lehre auszuhöhlen drohen" (AAS 42 (1950), 561-578, hier: 561). Es kam zu Auseinandersetzungen innerhalb der Orden der Dominikaner und Jesuiten. Wobei die aufgeworfenen Fragen jedoch nach einer konstruktiven Lösung verlangten; vgl. den Kommentar von Rudolf Graber Zu Ecclesiam suam (siehe dort).

Die nouvelle théologie hingegen nahm überhaupt gar keine deutschen Philosophen zum Ausgangspunkt ihrer Lehren, sondern versuchte, unter Anknüpfung an Bibel und Kirchenväter, die mittelalterliche und frühneuzeitliche Lehrmethode der so gen. "Schultheologie" (Scholastik) in einen größeren Horizont einzuordnen. Manche wollten aber auch vollends mit der Schule insb. des Thomas von Aquin brechen, etwa der Jesuit Piet Schoonenberg ("Christologie von unten"; vgl. "Holländischer Katechismus") oder auch Edward Schillebeeckx O.P. Von traditionalistischer Seite wird die Nouvelle Théologie (anders als von Papst Pius XII. in Humani generis, 1950) unterschiedslos als "Neo-Modernismus" kritisiert, ohne Rücksicht auf die durchaus unterschiedlichen Fragestellungen um 1900 und 1950 bzw. heute.

Literatur

  • David Berger, Widerschein des Himmels. Zum 50. Todestag von Pius XII., in: THEOLOGISCHES 38 (2008), Sp. 221-246.
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