Optatissima pax (Wortlaut)

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Enzyklika
Optatissima pax

von Papst
Pius XII.
über den Frieden zwischen den Völkern und Klassen
18. Dezember 1947

(Offizieller lateinischer Text: AAS 39 [1947] 601-604)

(Quelle: Herder-Korrespondenz Herder Verlag Freiburg im Breisgau, 2. Jahrgang, Heft 4, Januar 1948, S. 154-155; private deutsche Übersetzung)

Allgemeiner Hinweis: Was bei der Lektüre von Wortlautartikeln der Lehramtstexte zu beachten ist


Der heißersehnte Friede, der da "die Ruhe in der Ordnung" (cf. S. Aug., De Civ. Dei, 1. XIX. c. 13; S. Thom. Sumo Theol., lI-lI, 29, 1, ad 1) und "die ruhige Freiheit" (Cic., Philipp., 11, C. 44) sein soll, schwankt, wie alle mit Trauer und Zittern feststellen, nach den schrecklichen Ereignissen eines langen Krieges noch unsicher und hält die Gemüter der Völker. in angstvoller Spannung, während in nicht wenigen Nationen, dieschon durch den Weltkonflikt verwüstet und von Zerstörungen und Nöten als seiner schmerzlichen Folge heimgesucht sind, die verschiedenen Gesellschaftsschichten, von wildem gegenseitigem Haß getrieben, in unzähligen Tumulten und Unruhen, wie alle sehen, die Grundlagen der Staaten selbst zu untergraben und umzustürzen drohen. Angesichts dieses unheilvollen und jammervollen Schauspieles bedrückt Uns schwerste, Sorge, und es dünkt Uns" dass Unser väterliches und universales Amt, das Wir von Gott empfangen haben, Uns nicht nur verpflichtet, alle Völker zu ermahnen, die geheimen Gefühle, des Hasses auszulöschen und glücklich die Eintracht wieder zu erneuern, sondern auch alle diejenigen, die Unsere Söhne in Christus sind, zu gemahnen, die inständigsten Gebete zum Himmel zu erheben und eingedenk zu sein, dass das, was ohne Gott geschieht, mangelhaft und unfruchtbar bleibt gemäß dem Spruch des Psalmisten: "Wenn der Herr das Haus nicht erbaut, arbeiten die Baumeister vergeblich" (Ps. CXXVI, 1).

Riesengroß sind die Übelstände, für die unbedingt Abhilfe geschaffen werden muß, eine Abhilfe, die nicht mehr länger hinausgeschoben werden kann. Denn einerseits befindet sich die Wirtschaft vieler Nationen infolge der gewaltigen Kriegsausgaben und der ungeheuren Zerstörungen in einem Zustand solcher Unsicherheit und Erschöpfung, dass sie häufig nicht imstande ist, die auftauchenden Fragen zu lösen, und geeignete gemeinnützige Arbeiten zu unternehmen, die denen Beschäftigung geben könnten, die leider gegen ihren Willen zu unfruchtbarem Müßiggang verurteilt sind. Auf der anderen Seite fehlt es leider nicht an solchen, die mit geheimer und listiger Berechnung das Elend der proletarischen Schichten noch verschärfen und ausnutzen und dadurch jene edlen Bemühungen vereiteln, die verlorenen Glücksgüter in rechter Ordnung und Gerechtigkeit wieder herzustellen. Aber es ist endlich notwendig, dass alle begreifen, dass man nicht durch Zwietracht, Unruhen und Brudermord die verlorenen Güter wiedergewinnen oder die gefährdeten retten kann, sondern nur durch tätige Eintracht, gegenseitiges Zusammenwirken und friedliche Arbeit.

Diejenigen, die nach vorbedachtem Plan die Menge in unbesonnener Weise aufhetzen und zu Tumulten, zu Aufruhr und zur Verletzung der Freiheit des Nächsten aufstacheln, tragen sicherlich nicht dazu bei, die Not des Volkes zu mildern, sondern vergrößern sie vielmehr und führen den endgültigen Untergang herbei, indem sie den Haß anfachen und den Gang des Staatslebens unterbrechen Denn Parteikämpfe "waren und sind immer für viele Völker ein größeres Übel als selbst Krieg, Hunger und Seuchen." (Liv. Hist., 1. IV, c. 9) .

Aber gleichzeitig ist es Pflicht aller zu verstehen, dass die soziale Krisis gegenwärtig so groß und für die die Zukunft so gefahrvoll ist, dass es notwendig ist, dass jeder einzelne, vor allem aber die Besitzenden, das Allgemeinwohl dem eigenen Vorteil und Nutzen voransetzen. In erster Linie ist es unumgänglich notwendig, die Gemüter zu befrieden, sie zu brüderlichem Einvernehmen, wechselseitigem Verständnis und zur Zusammenarbeit zurückführen, sodaß jene Lehren und Grundsätze verwiesen verwirklicht werden können, die den christlichen Lehren und den Forderungen der Zeit entsprechen. Mögen alle sich dessen bewusst sein, dass jene Anhäufung von Übeln, die wir in den vergangenen Jahren ertragen mußten, hauptsächlich deshalb über die Menschheit gekommen ist, weil die göttliche Religion Jesu Christi, die die Förderung der Nächstenliebe unter den Bürgern, den Völkern und den Nationen ist, das private, häusliche. und öffentliche Leben nicht so beherrscht hat, wie es erforderlich gewesen wäre. Wenn also durch diese Entfernung von Christus der rechte Weg verfehlt wurde, ist es nötig, zu ihm zurückzukehren, sowohl im öffentlichen wie im privaten Leben. Wenn der Irrtum die Geister verfinstert hat, ist es geboten, zu jener Wahrheit heimzukehren, die, da sie auf göttlicher Offenbarung beruht, den Weg in den Himmel weist. Wenn endlich der Haß todbringende gezeitigt hat, ist es vonnöten, die christliche Liebe wieder anzuzünden, die allein so viele tödliche Wunden heilen, so viel schreckliche Gefahren überwinden, so viel bittere Leiden mildern kann.

Und da nun das holde Weihnachtsfest herannaht, das uns zur Betrachtung des Jesuskindes anleitet, da da in der Krippe weint, zur Betrachtung der himmlischen Chöre, die den Frieden über die Menschen herabflehen, halten Wir es für angezeigt, alle Christen, besonders aber diejenigen, die in der Blüte des Lebens stehen, dringend zu ermahnen, zahlreich die geheiligte Krippe besuchen und dort ihre Gebete darzubringen, damit das Göttliche Kind gnadenvoll die Fackeln, die der Haß in Aufruhr und Unruhen drohend schwingt, auslöschen und entfernen möge. Es möge mit seinem himmlischen Licht die Gemüter derjenigen erleuchten, die häufig nicht so sehr von hartnäckiger Bosheit bewegt, als vielmehr von Irrtümern, die im Gewande der Wahrheit auftreten,getäuscht sind; es möge in den Gemütern den Haß zuckdrängen und besänftigen, die Zwietracht beseitigen und die christliche Nächstenliebe wieder beleben und stärken. Diejenigen, die sich eines größeren Vermögens erfreuen, möge es eine großzügige Freigebigkeit gegen Armen lehren, denjenigen, die von Armut und Elend rückt sind, möge es durch sein Beispiel und seine Hilfe trösten und ihr Verlangen vor allem auf jene immlischen Güter richten, die die besseren und unvergänglich sind.

Wir vertrauen in der augenblicklichen Bedrängnis sehr die Gebete der unschuldigen Kinder, die der göttliche Heiland besonders zu sich rief und liebt. Mögen also während der Weihnachtsfeierlichkeiten ihre hellen Stimmen und ihre zarten Hände; das Sinnbild ihrer inneren Unschuld, zu Ihm erheben und dabei Friede, Einfracht und gegenseitige Nächstenliebe erflehen. Darüber hinaus mögen sie zugleich mit ihren inständigen Gebeten die Werke der christlichen Frömmigkeit und die Gaben der christlichen Freigebigkeit darbringen, durch welche die durch so große Schuld beleidigte göttliche Gerechtigkeit besänftigt werden kann und glekhzeitig den Notleidenden, in dem Maße jeder Einzelne dazu imstande ist, geholfen wird.

Wir haben volles Vertrauen, ehrwürdige Brüder, dass Ihr mit Mühe und Eifer, die Ihr Uns schon so oft bewiesen habt, dahin wirken werdet, dass diese Unsere, väterlichen Ermahnungen verwirklicht werden und glückliche Früchte bringen und dass alle, vornehmlich die Kinder, willig und eifrig dieser Unserer wie Eurer Aufforderung nachkommen. Gestärkt von dieser freudigen Hoffnung, erteilen Wir Euch einzeln und allgemein, ehrwürdige Brüder, sowie den Eurer Hirtensorge anvertrauten Herden aus ganzem Herzen den Apostolischen Segen als Beweis Unseres väterlichen Wohlwollens und Unterpfand der Gnaden des Himmels.

Gegeben zu Rom bei St. Peter am 18. Dezember des Jahres 1947,
des neunten Jahres"Unseres Pontifikats
Pius PP. XII.

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