Ostiariat

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Ostiariat.JPG

Der Ostiariat (Ostiar oder Ostiarier = Türhüter, von lat. ostium "Tür, Tor") war die erste der niederen Weihen zum Priestertum. Sie entfiel im ordentlichen römischen Ritus, als durch das Motu proprio Ministeria quaedam von Papstes Paul VI. vom 15. August 1972 über die Reform der Weihestufen und Dienste der Laien diese in der lateinischen Kirche neu geordnet wurden. Im außerordentlichen römischen Ritus bestehtv das Ostiariat weiter.

In den kirchlichen Dokumenten wird das Amt erstmaIs vom Papst CorneIius im Jahr 251 erwähnt. Eingeführt wurde es vermutlich von Papst Fabian (236-250). ÄhnIiche Dienste wie seinerzeit der Ostiarier verrichtet heute der Küster (von lat. custos = Wächter) oder Mesner (von mansionarius = Hauswart).

Weihe zum Ostiariat im außerordentlichen Ritus

Nachdem die Weihekandidaten auf den namentlichen Ruf hin ihr Adsum ("Hier bin ich") gesprochen haben und mit der brennenden Kerze in der Hand vor dem Bischof niedergekniet sind, beginnt der Weiheritus mit einer Unterweisung über die Pflichten der Ostiarier: "Da ihr, geliebte Söhne, das Amt der Ostiarier übernehmen wollt, so seht, was ihr im Haus Gottes zu verrichten habt." Vordergründig nennt der Bischof drei Aufgaben, nämlich die Glocken zu läuten, Kirche und Sakristei zu öffnen und dem Prediger das Buch aufzuschlagen, verbunden mit der Mahnung, Sorge zu tragen, dass nicht durch "Nachlässigkeit etwas von den Sachen, die innerhalb der Kirche sind zugrunde gehe':

Hinter diesen praktischen Aufgaben verbirgt sich ein tieferer Sinn. Letztlich geht es um die Ehrfurcht vor dem Heiligen, die den Weihekandidaten von Anfang an in Fleisch und Blut übergehen und die ihren heiligen Dienst ein ganzes Priesterleben lang prägen soll.

Ihr erster Dienst gilt dem Gotteshaus. Aus der Ehrfurcht vor Gott erwächst wie von selbst die Ehrfurcht vor dem Ort seiner besonderen Nähe. Dem Haus Gottes geziemt Ordnung und Sauberkeit und würdiges Betragen (vgl. Mt 21,13). In der Aufforderung des Bischofs, das Gotteshaus den Gläubigen zu öffnen, den Ungläubigen aber stets zu verschließen, klingt etwas an von der frühchristlichen Arkandisziplin. Hinter diesem Begriff verbirgt sich die Sorge, das den Christen Heilige vor der Verunehrung durch die Heiden zu schützen, gemäß dem Wort des Herrn: "Gebt das Heilige nicht den Hunden und werft eure Perlen nicht vor die Schweine, damit sie sie nicht zertreten unter ihren Füßen." (Mt 7,6) Nur demjenigen sollten die Geheimnisse des Glaubens anvertraut werden, der mit offenem Herzen die Wahrheit sucht. Was aber dem Ostiarier zum Dienst an den sichtbaren Gotteshäusern aufgetragen wird, ist zugleich Bild für einen anderen, geistigen Ostiarierdienst "Seid sorgsam darauf bedacht, dass ihr, gleich wie ihr mit materiellen Schlüsseln die sichtbare Kirche öffnet und schließt, so auch Gottes unsichtbaren Tempel nämlich die Seelen der Gläubigen, durch euer Wort und Beispiel dem Teufel verschließt und sie öffnet für Gott, damit sie die göttlichen Worte, die sie hören, im Herzen bewahren und im Werk erfüllen. "

Mit diesen Worten wird dem Ostiarier eindrücklich vermittelt, was Seelsorge bedeutet, denn Priester wird man nicht für sich selbst, sondern zum Dienst an den Seelen. Auch die Menschen sollen Gottestempel sein, denn Gott hat sie erschaffen, um in ihren Seelen zu wohnen (Joh 14,23 EU) und sie selig zu machen. Petrus spricht davon, dass die Gläubigen in der Taufe "als lebendige Steine aufgebaut werden „zu einem geistigen Haus" (1 Petr 2,5). Nach einem Wort des heiligen Thomas von Aquin ist eine einzige Seele im Stand der Gnade wertvoller als das ganze Universum. Wie traurig, wenn ein Mensch das Bild Gottes in sich zerstört und den Tempel seines Herzens zu einer Räuberhöhle macht! Nach dieser Einleitung folgt die eigentliche Weihe. Als Sinnbild der Übergabe des Amtes reicht der Bischof jedem einzelnen den Kirchenschlüssel zur Berührung, indem er sagt: "Handelt als solche, die Gott Rechenschaft geben müssen für das, was durch diese Schlüssel verwahrt wird "Der Schlüssel erinnert an die adventliche Liturgie, die Jesus selbst aIs ,Sch/iissel Davids' bezeichnet, der die Menschen befreit aus dem Kerker der Finsternis und ihnen das Paradies öffnet.

Danach werden die Weihekandidaten zur Kirchentür geführt, damit sie mit dem Schlüssel einmal schließen und öffnen. Auch die Tür erinnert an Jesus, denn er hat gesagt: "Ich hin die Tür [= ostia]. Wenn einer durch mich hineingeht; wird er Heil erfahren.“ (Joh 10,9) Diese Tür soll der Ostiarier den Menschen öffnen.

Schließlich läuten sie noch die Glocke und kehren dann zum Bischof zurück. Die Glocke bezeichnet den Ruf der Gnade an den Menschen. Die Weihe endet mit zwei Segensgebeten über die Neugeweihten, auf dass sie ihren Dienst treu verrichten „und unter Deinen Auserwählten an Deiner Belohnung Anteil zu haben verdienen.“

Hauptquelle: Informationsblatt der Priesterbruderschaft St. Petrus von Pater Martin Ramm.

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