Päpstliche Bibelkommission

Aus Kathpedia
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wappen des gegenwärtigen Papstes

Päpstliche Bibelkommission (Pontificia Commissione Biblica) nennt sich ein Beratergremium des Papstes für Fachfragen über die Heilige Schrift. Sie erstellt im Auftrag des Papstes wissenschaftliche Studien und Gutachten bei Lehrbeanstandungsverfahren, hat aber als solche keinen lehramtlichen Status.

Die Päpstliche Bibelkommission wurde unter Papst Leo XIII. am 30. Oktober 1902 mit dem Schreiben Vigilantiae studiique eingesetzt und unter Paul VI. am 27. Juni 1971 neu geordnet.

Leo XIII. und Pius X. statteten die Bibelkommission mit bedeutenden Zuständigkeiten zur Entscheidung von Streitfragen der Bibelwissenschaft aus. Zwischen Februar 1905 und November 1914 erschienen 14 Dekrete und 2 Erklärungen in Form von Antworten auf Fragen oder Zweifel (Responsa).

Unter Pius XI. erschienen zwei weitere Dekrete. Präsident der Kommission ist heute der jeweilige Präfekt der Glaubenskongregation, bis Juni 2012 Kardinal William Levada, seither Gerhard Ludwig Müller; Sekretär ist Prof. Klemens Stock SJ.

Verlautbarungen der Bibelkommission und Päpstliche Anordnungen (Auswahl)

Pius X.

  • 23. Februar 1904 Apostolisches Schreiben Scripturae sanctae über die Verleihung der akademischen Grade in der Wissenschaft von der Heiligen Schrift durch die Bibelkomissiion.
  • 13. Februar 1905 Die Bibelkommission über stillschweigende Zitierungen in der Heiligen Schrift: Implizite Zitationen, die Irrtümer enthalten können, sind nur ausnahmsweise anzuerkennen, vorbehaltlich des kirchlichen Urteils: DH 3372.
  • 23. Juni 1905 Die Bibelkommission über die nur scheinbar historischen Erzählungen in den für geschichtlich gehaltenen Büchern der Heiligen Schrift: Scheinhistorie ist nur ausnahmsweise anzuerkennen, vorbehaltlich des kirchlichen Urteils: DH 3373.
  • 27. Juni 1906 Die Bibelkommission Propositis sequentibus über die mosaische Echtheit des Pentateuch der Heiligen Schrift: Die Pentateuchquellen können nicht größtenteils als jünger als mosaisch anerkannt werden: DH 3394 ff.

In dieser Zeit erschienen weitere Entscheidungen der Bibelkommission, u.a. zu den Autoren der Evangelien. Die Fachwissenschaft hat diese traditionsbetonten Entscheidungen massiv kritisiert. In jüngerer Zeit bestätigt die Bibelwissenschaft, wenn auch nicht in jedem Detail, aber in den wesentlichen Zügen, die Möglichkeit einer Frühdatierung der Evangelien, d.h. auch die Autorenschaft apostolischer Zeugen.

  • Zum Johannesevangelium (29. Mai 1907): DH 3398 ff.
  • Zum Matthäusevangelium (19. Juni 1911): DH 3561 ff.
  • Zu Markus und Lukas, "synoptische Frage" (26. Juni 1912): DH 3568 ff.
  • Zur Apostelgeschichte (12. Juni 1913): DH 3581 ff.
  • Zum Hebräerbrief* (24. Juni 1914): DH 3591 ff.

Benedikt XVI.

Pius XII.

  • 16. Januar 1948 Päpstliche Bibelkommission über die Abfassungszeit der Pentateuchquellen und die literarische Gattung der ersten elf Kapitel der Genesis.

Paul VI.

Johannes Paul II.

  • Unter Johannes Paul II. erschienen u.a. die Dokumente der Bibelkommission Bible et Christologie (Bibel und Christologie, 1984) und Unité et diversité dans l’Eglise (Einheit und Vielfalt in der Kirche, 1988), ferner:
  • 15. April 1993 Päpstliche Bibelkommission L’interprétation de la Bible dans l’Eglise, dt.: Die Interpretation der Bibel in der Kirche (Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls, Nr. 115); online (dt.).
  • 24. Mai 2001 Päpstliche Bibelkommission, Le peuple Juif et ses Saintes Ecritures dans la Bible chrétienne, dt.: Das jüdische Volk und seine Heilige Schrift in der christlichen Bibel (Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls, Nr. 152); online (dt.).

Benedikt XVI.

  • 11. Mai 2008 Päpstliche Bibelkommission: Bibel und Moral. Biblische Wurzeln des christlichen Handelns (VAS 184).

Franziskus

Weblinks

Meine Werkzeuge