Päpstliche Feuerwehr

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Die Päpstliche Feuerwehr ist die Brandschutztruppe des Papstes im Vatikan. Der verantwortliche Offizier ist im Jahre 2009 Paolo De Angelis. Patrone sind die heilige Barbara und der heilige Leo IV..

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Eine Feuerwehr, so wie sie uns im Jahre 2009 vertraut ist, gab es im Kirchenstaat bereits seit dem Jahre 1810. Sie war in dem von den Soldaten Napoleons besetzten Rom nach dem Vorbild der »Sapeurs-Pompiers« von Paris entstanden. Sie unterstand dem Marchese Giuseppe Origo, der sie mit viel Engagement aufgebaut hatte. Der Aristokrat, ein begnadeter technischer Tüftler, hatte für sie auch die ersten Geräte zur Brandbekämpfung entworfen und konstruiert. Nach der Rückkehr des Papstes in die Ewige Stadt und der Wiedererrichtung der Päpstlichen Staaten (1815) behielt Pius VII. (Barnaba Gregorio Chiaramonti, 1800- 1823) die Feuerwehr bei, wandelte sie in eine militärische Einheit um und verfügte ihre Eingliederung in die päpstliche Armee.

Papst Leo XII. (Annibale della Genga, 1823- 1829) unterstellte die »Vigili deI Fuoco« im Jahre 1827 dem »Monsignor Governatore di Roma« (Gouverneur von Rom) und entzog sie damit der Befehlsgewalt der militärischen Autoritäten des Kirchenstaates. Nach dem Tode des Marchese Origo ernannte Papst Gregor XVI. (Bartolomeo Alberto Cappellari, 1831-1846) den Herzog von Sermoneta, Michelangelo Caetani, zum Kommandanten der Vigili. Ein eigenes Reglement bekam das Korps erst am 28. Dezember 1845. Was Disziplin und Ränge anging, behielt es seinen militärischen Charakter bei. In einem Tagesbefehl aus dem Jahre 1847 definierte Monsignore Grassellini, der Gouverneur der Ewigen Stadt, den »militärischen« Auftrag der Vigili mit den Worten: »Die Waffen der Feuerwehr sind Waffen des Friedens, der Sorge und der Sicherung des öffentlichen Wohls.« 

Einsatz an vielen Orten des Vatikanstaates

In den Palästen des Vatikans und des Quirinals befanden sich die beiden zahlenmäßig stärksten Abteilungen des Korps. Kleinere Einheiten waren unter anderen bei der Ponte Sant' Angelo, der Kirche »Sant' Ignazio« und im Palazzo Gaetano stationiert. Bei allen größeren öffentlichen Veranstaltungen in der Ewigen Stadt hatten Abteilungen des Korps »ex officio« anwesend zu sein. Die Feuerwehrleute wurden auch zu jeder Theater- und Opernaufführung entsendet. In Rom, aber auch in Bologna und Ancona, wo ebenfalls päpstliche Feuerwehrkorps stationiert waren, bewiesen sich die »Vigili Pontifici« nicht nur im Löschen von Bränden, sondern sie brillierten auch durch die Erfindung neuer Löschgeräte und der Herausgabe richtungweisender Fachliteratur.

In der Ewigen Stadt taten sich neben dem Marchese Origo zwei Wachtmeister des Korps durch Einfallsreichtum und Können hervor: Angelo Luswergh und Domenico Marcelli. Ihre Apparate und Sicherheitsvorrichtungen setzten neue Standards und riefen in ganz Europa Bewunderung hervor. Berühmt wurden zwei in französischer Sprache verfaßte Werke des aus Bologna stammenden Cavaliere Giovanni Aldini: »Art de se preserver de l' action de la flamme« (Paris 1830) und »Suries incendies« (Paris 1831). Von dem Leistungsstand ihrer Feuerwehr überzeugten sich die Päpste durch Feuerwehrübungen und -präsentationen im Vatikan. Das Interesse der Römer an diesen öffentlichen Veranstaltungen war so groß, dass der Zutritt durch Eintrittskarten geregelt werden musste.

Nach der Einverleibung des Kirchenstaates in das Königreich Italien blieb die im Vatikan stationierte Einheit der »Vigili deI Fuoco« in verkleinertem Umfang bestehen. Nach den Lateranverträgen blieb für die Feuerwehr des Papstes zunächst alles beim alten. Erst im Jahre 1941 entschloss sich Pius XII. (Eugenio Pacelli, 1939-1958), den »Corpo dei Vigili deI Fuoco« neu zu ordnen. Die vatikanische Feuerwehr wurde der Gouverneursbehörde des Vatikanstaates, und zwar der »Direzione Generale dei Servizi Tecnici« (Generaldirektion der Technischen Dienste) unterstellt. Ihre Ausbildung erhielten die Vigili in der »Scuola Centrale Antincendi di Roma«, der Zentralschule) Roms für Brandbekämpfung. Dem Korps wurde ein neues Quartier im Belvederehof des Vatikans zugeteilt. Der Papst ließ den Ausrüstungsbestand überprüfen und durch neue Geräte ergänzen; zudem ordnete er neue Brandschutzbestimmungen an und übertrug ihre Überwachung den Vigili.

Schon während des Zweiten Weltkrieges bewährte sich die Neuorganisation. Obschon der Vatikanstaat als neutraler Staat von allen Mächten offiziell anerkannt war, fielen demloch mehrfach Bomben alliierter Flugzeuge auf sein Hoheitsgebiet. Durch den schnellen und professionellen Einsatz der päpstlichen Feuerwehr konnten Brände und der Einsturz von Gebäuden verhindert werden. In den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts stellte das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) an die VigiIi hohe Anforderungen. Der Umbau von St. Peter zur Konzilsaula erzwang ständige Kontrollen der gewaltigen Tribünen, die für die Teilnehmer an der weltweiten Kirchenversammlung errichtet worden waren.

Neuregelung für die »Vigili« 

Im Pontifikat Papst Johannes Paul II. wurde im Jahre 2002 ein neues Gesetz zur Verwaltung des Vatikanstaates erlassen. Die vatikanische Feuerwehr ordnete der Papst der neugeschaffenen »Direktion der Sicherheitsdienste und des Zivilschutzes« zu. Anwerbung und Ausbildung der Vigili wurden neu geregelt sowie Unterkünfte und Büroräume modernisiert. Die Ausrüstung der Feuerwehr wurde im Lauf der Jahre immer wieder auf den neuesten Stand gebracht nicht selten durch Geschenke. So übergaben am 28. Oktober 1998 oberösterreichische Feuerwehrleute ihren vatikanischen Kollegen ein neues Fahrzeug. Im November 2005 erhielt Papst Benedikt XVI. von DaimlerChrysler Italia einen neuen Löschwagen überreicht, der sich besonders für die engen und verwinkelten Wege der Vatikanstadt eignet.

In der Kaserne des Korps befinden sich die zentralen Alarmanlagen des Apostolischen Palastes, die mit allen Nebengebäuden wie den Vatikanischen Museen, der Bibliothek, dem Vatikanischen Geheimarchiv, der Druckerei und der Audienzhalle verbunden sind. Das besondere Augenmerk der Feuerwehr gilt St. Peter. Jeden Abend, nach der Schließung der Basilika, unterziehen zwei Feuerwehrleute unter Mitwirkung der »Sampietrini«, der Arbeiter der Dombauhütte von St. Peter, das Gotteshaus einer eingehenden Überprüfung.

Exterritoriale Gebiete des Vatikanstaates

Auch der Brandschutz in den exterritorialen Gebieten des Vatikanstaates obliegt der Kontrolle durch das Korps. Bei kleineren und mittleren Bränden vertraut man im Vatikan auf die Fähigkeiten der eigenen Feuerwehr. Für größere Brände liegt im Governatorat des Vatikanstaates ein Katastrophenplan bereit, der auch den Einsatz italienischer Feuerwehrkräfte mit einschließt.

Patrone der Päpstlichen Feuerwehr

Die vatikanische Feuerwehr ist der heiligen Barbara anvertraut. Die im 4. Jahrhundert in Kleinasien verstorbene Märtyrerin teilt sich das Patronat jedoch mit dem heiligen Leo IV., der im Jahre 847 beim Brand des Borgo, des Viertels rund um St. Peter, dem Feuer durch eine Segensgeste Einhalt geboten hatte. Im Apostolischen Palast, in den Stanzen Raphaels, ist diese Szene in einem berühmt gewordenen Fresko verewigt worden. 2008 wurden neu in das Korps aufgenommene Feuerwehrmänner erstmals öffentlich vereidigt.

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