Pastoraltheologie

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Pastoraltheologie ist eine Spezialdisziplin im Fächerkanon der christlichen Theologie, die der praktischen Theologie zugeordnet ist.

Inhaltsverzeichnis

Thematik und Aufgabe

Die Pastoraltheologie sucht nach zeitgemäßen Wegen der Vermittelbarkeit der christlichen Botschaft:

Was kann der einzelne Laie, was kann der einzelne Priester, was der Pfarrer von der menschlichen Seite her tun, um mehr und bessere Christen "hervorzubringen"?
Was kann menschlich getan werden, um Christen zu einem engeren Leben mit Gott und Nichtchristen zu Jesus zu führen?

Die Pastoraltheologie sucht auf solider lehrmäßiger Grundlage die theologische Relevanz des Glaubens für die seelsorgliche (pastorale) Begleitung und Betreuung in den kirchlichen Grundvollzügen von „Martyria“ (Zeugnis des Wortes), „Diakonia“ (Dienst der Liebe) und „Leiturgia“ (gottesdienstliche Feier, Liturgie) fruchtbar zu machen. Dadurch sollen insbesondere die Hirten („pastores“) zusammen mit ihren anderen Mitarbeitern befähigt werden, „die Lösung der menschlichen Probleme im Lichte der Offenbarung zu suchen, ihre ewige Wahrheit auf die wandelbare Welt menschlicher Dinge anzuwenden und sie in angepasster Weise den Menschen unserer Zeit mitzuteilen.“ (Optatam totius, Nr. 16)

Die Pastoraltheologie braucht zur Erreichung ihres Zieles die interdisziplinäre Zusammenarbeit, woraus sich Spezialdisziplinen ableiten wie Pastoralanthropologie, Pastoralmedizin, Pastoralpsychologie, Pastoralpädagogik und Pastoralsoziologie.

Geschichte

Die Pastoraltheologie ist - etwa im Gegensatz zur Nachbardisziplin Homiletik - ein recht junges Fachgebiet in der akademischen Theologie. Die ersten Lehrstühle entstanden im 18. Jahrhundert. Sie wurden und werden mit seelsorgserfahrenen Priestern, die eine akademische Ausbildung in Moraltheologie oder Apologetik/Fundamentaltheologie aufweisen, besetzt. Die Nachbardisziplinen der Pastoraltheologie sind neben der Homiletik auch die Katechetik und die Caritaswissenschaften.

Gleich zu Beginn ihrer akademischen Existenz musste sich die Pastoraltheologie gegen eine Vereinnahmung durch die materialistische Aufklärung wehren, die z. B. im Josephinismus dazu führte, dass die Pfarrer behördlich angehalten wurden, von der Kanzel beispielsweise ausführliche Ratschläge zur gesunden Lebensführung zu geben.

Heutiger Stand

Die universitäre Pastoraltheologie im deutschen Sprachraum ist von der allgemeinen "Krise der Heterodoxie" der theologischen Fakultäten nicht ausgenommen. Es gibt praktisch kein katholisches Gegenstück zu der evangelischen, aus den USA kommenden Church Growth Bewegung. Teilweise wird von Pastoraltheologen sogar die Berechtigung von Mission und Neuevangelisierung negiert, wie auch kaum genuin katholische Ansätze zur psychologischen Betreuung von Christen mit allen Arten von Lebensproblemen entwickelt werden.

Aktuelle Versuche zu einer traditionsverbundenen Pastoraltheologie

Derzeit werden neue Modelle für die Gemeindekatechese entwickelt, da sich Umwelt- und Lebensbedingungen innerhalb kaum eines Jahrhundertes tiefgreifend geändert haben.

Die Massenmedien, die größere Mobilität, das verringerte Ansehen der Geistlichkeit und vieles mehr bewirken, dass z. B. die erfolgreiche Methode der Volksmissionen einfach deswegen nicht mehr funktioniert, weil es auch auf dem Lande so viele Unterhaltungsmöglichkeiten gibt, dass ein Team von Missionaren wie das vom Hl. Ludwig Maria von Montfort geleitete, längst nicht mehr die offene Aufnahme finden würde, wie im 18. Jahrhundert: Damals hatte eine Volksmission einen großen Neuigkeitswert und zog schon deswegen die Menschen an, die eine Unterbrechung ihres im Vergleich zu heute sehr eintönigen Alltags begrüßten.

Wenn die Pastoraltheologie dem angepasst antworten will, muss sie neue Konzepte und Methoden entwickeln bzw. aus dem säkularen Bereich übernehmen, z. B. Ausbildungsmethoden, die mehr sind als ein simpler Lehrvortrag,[1] Pressearbeit (so sollte jede Gemeinde einen Pressesprecher besitzen, der z. B. Verantstaltungen der Gemeinde, die für Nichtglaubende geeignet sind, bekannt macht) oder moderne psychologische Ansätze auf dem Boden des Thomismus um Gemeindemitgliedern mit persönlichen Problemen zu helfen.

Leider haben sich Geistliche noch bis vor einer Generation oft und besonders auf dem Land in einer Weise autoritär verhalten - ein Beispiel ist der Heilige Pfarrer von Ars in seinen ersten Jahren, die er später selber kritisch sah - wie es heute undenkbar wäre, da die Gläubigen es nicht mehr akzeptieren würden, da zum einen die Gesellschaft generell weniger autoritär geworden ist und sich zugleich die soziale Distanz zwischen Priestern (noch vor einem Jahrhundert war der Pfarrer typischerweise der einzige Akademiker in einem Dorf, das einen großen Analphabetenanteil aufwies) und Laien dank der allgemein verbesserten Ausbilung geringer geworden ist. Gleichzeitig muss die Pastoraltheologie aber auf dem Boden der überlieferten Lehre der Kirche stehen.

Pastoraltheologen (Auswahl)

Literatur (Auswahl)

  • Möller, Christian, Einführung in die Praktische Theologie, Tübingen 2004.
  • Mette, Norbert, Einführung in die katholische Praktische Theologie, Darmstadt 2005.
  • Heribert Wahl (Hrsg.), Den "Sprung nach vorn" neu wagen. Pastoraltheologie "nach" dem Konzil; Rückblicke und Ausblicke, Würzburg 2009 (= Studien zur Theologie und Praxis der Seelsorge, Band 80).
  • Die größte katholische Fachzeitschrift für Pastoral und Gemeindearbeit im deutschen Sprachraum ist der Anzeiger für die Seelsorge, der im Freiburger Verlag Herder erscheint.
  • Die wichtigsten wissenschaftlichen katholischen Fachzeitschriften sind Diakonia (im Verlag Herder) und Lebendige Seelsorge (im Echter Verlag).
  • Die wichtigsten evangelischen Fachzeitschriften sind Pastoraltheologie mit Göttinger Predigtmeditationen (PTh) und Wege zum Menschen (WzM), beide im Verlag Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen.

Anmerkungen

  1. Ein Beispiel in der Ausbildung von Lebensrechtsaktivisten
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