Pius IX.

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Pius IX. geboren als Giovanni Maria Mastai Ferretti am (* 13. Mai 1792 in Senigallia; † 7. Februar 1878), Seliger, hatte das längste Pontifikat der Geschichte inne. In seine Zeit fällt die Einberufung und Durchführung des Ersten Vatikanischen Konzils.

Inhaltsverzeichnis

Biografie

B. Pius PP IX. (G.P.A. Healy, 1871; Senigallia)

Papst Pius IX. (ital.: "Pio nono") wurde als Giovanni Maria Mastai Ferretti geboren und entstammte gräflichem Hause. Was die Bildung der Päpste betrifft, rangiert Pius IX. im unteren Drittel. Bereits zur Zeit seiner Priesterweihe am 10. April 1819 widmete er sich dem Apostolat unter Waisenkindern im Haus S. Michele, genannt Tata Giovanni, in Rom. Papst Pius VII. sandte G.M. Mastai als Uditore mit einer diplomatischen Mission von 1823-1825 nach Chile. Von Leo XII. 1827 zum Erzbischof von Spoleto erwählt, übertrug ihm sein Vorgänger Gregor XVI. 1832 die wichtigere Diözese Imola und erhob ihn 1840 zum Kardinal mit der Titelkirche Ss. Pietro e Marcellino. Das Konklave, zu dem 52 von 62 Kardinälen erschienen waren, wählte ihn, wie seit Sixtus V. üblich: im Quirinalspalast, am 16. Juni 1846 nach kaum 48 Stunden zum Papst (Krönung am 21. Juni in St. Peter). Es heißt, dass er sich als liberaler Kandidat in nur vier Wahlgängen bereits gegen den konservativen Eiferer Luigi Lambruschini, den Kardinalstaatssekretär des Vorgängers, durchsetzte. Er selbst war von dieser Wahl tief betroffen, so dass er "mehr tot als lebendig" zum Altar getragen und dort mit den päpstlichen Gewändern bekleidet werden musste. Den Papstnamen wählte er im Gedenken an den "demokratischen" Pius VII.

Pontifikat

Papst Pius IX. auf dem heute noch gebräuchlichen Thron

Pius IX. war vermutlich der im italienischen Volk (vor Pius X.) populärste Papst aller Zeiten. Seine Regierungszeit übertraf erstmals die traditionellen 25 Jahre des Hl. Petrus (den man als von 42 bis 67 n.Chr. in Rom tätig vermutet; Petrus "amtierte" aber wohl schon seit Pfingsten, d.h. seit ca. 30 n. Chr.). Er definierte 1854, als erster Papst unter ausdrücklicher Inanspruchnahme amtlicher Unfehlbarkeit, ein Dogma, nämlich die Unbefleckte Empfängnis. Pius IX. war weder Kirchenjurist und auch nicht als Theologe hervorgetreten. Im persönlichen Umgang sehr freundlich und verbindlich, sah er die universale Aufgabe des Papsttums wie des Katholizismus überhaupt klar religiös bestimmt. Er wehrte sich, unterstützt von Kardinalstaatssekretär Giacomo Antonelli (seit 1847 Kardinaldiakon, ohne die Priesterweihe je zu empfangen) vehement gegen jedwede Vereinnahmung durch die italienische Innenpolitik, die zu Beginn seines Pontifikats heftig um seine Gunst warb. (Hätte Pio Nono nachgegeben, wäre aus dem Papst womöglich eine Art italienischer Dalai Lama geworden.)

Mit besonderem Eifer bekämpfte er die Versuche seitens moderner Staatsideen, einen Vorrang nationaler Politik gegenüber der Kirche durchzusetzen. Er veröffentlichte daher 1864 die Enzyklika Quanta cura, verbunden mit einer Liste von Zeitirrtümern, dem Syllabus. Diese negative Abgrenzung markierte zugleich den Anfangspunkt einer genaueren Befassung der Kirche mit ihrer Position gegenüber der Gesellschaft, die unter Leo XIII. zur Begründung einer systematischen katholischen Soziallehre führte.

Die großen Herausforderungen der damaligen Zeit veranlassten überdies die Einberufung des I. Vatikanum, das 1870 kurz nach Definition der päpstlichen Unfehlbarkeit und des Jurisdiktionsprimats abgebrochen werden musste. (Papst Johannes XXIII. hat die Einberufung des II. Vatikanums ausdrücklich in einen Zusammenhang mit dem Werk Pius' IX. gestellt.) Inthronisiert als letzter "Papa-Re" (Papst und König) wandelte sich der Papst zum universalen "Guten Hirten" und musste sich, nach der Besetzung Roms durch das Königreich Italien 1870, mit einer Gefangenschaft im Vatikan abfinden. Derart auf seine eigentliche, nämlich die geistliche Funktion verwiesen, legte Pius IX. die Grundlagen für den unvermuteten geistlichen Aufstieg des Papsttums im 20. Jahrhundert.

Der Papst starb am 7. Februar 1878: Dunkle Gewitterwolken hingen über der Ewigen Stadt. Papst Pius IX., den schon seit einigen Monaten eine schwere Bronchitis und ein Beinleiden plagten, lag im Sterben. Am 2. Februar hatte die Kirche noch den 75. Jahrestag seiner Erstkommunion gefeiert. "Fate presto! Questa volta é finito tutto! - Macht schnell! Diesmal ist alles aus!", soll der sterbende Papst den an sein Sterbebett geeilten Kardinälen zugerufen haben, bevor er die letzte Ölung erhielt. Mit den Sterbesakramenten versehen starb der 86-Jährige am späten Nachmittag des 7. Februar 1878. Damit endete das längste Pontifikat der Kirchengeschichte nach fast 32 Jahren. (René Schlott)

Sein Leichnam wurde erst 1881, unter dem Protest ital. Nationalisten, zur von ihm gewünschten letzten Ruhestätte nach S. Lorenzo fuori le Mura transferiert.

"Es sind wunderbare Blätter der Geschichte, die in diesem Zeitraum zu beschreiben sind. Ereignisse, deren Zeuge ich hier bin und deren Eindrücke noch nach Jahrhunderten sichtbar sein müssen", hält der deutsche Rom-Historiker Ferdinand Gregorovius in seinem Tagebuch fest. "Kaum hat der Tod an die Pforten des Quirinal gepocht, so trat er an jene des Vatikan, und nachdem der erste König Italiens eben erst im Pantheon bestattet worden war … verschied auch der letzte Papstkönig, der Rom beherrscht hat und dem eben jener Viktor Emanuel die Krone entrissen hat."

Wichtige Entscheidungen

Medaille zum I. Vatikanum

Kanonisation, Patronat und Verehrung

Seligsprechung

Der Seligsprechungsprozeß wurde durch Papst Pius XII. eingeleitet. Als der Leib - der vollkommen unversehrt geblieben ist - erhoben und neu gebettet wurde, wurde er in die Wäsche und Kleider Pius XII. gehüllt, [1]

Die Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse hat am 20. Dezember 1999 in Anwesenheit von Papst Johannes Paul II. ein Dekret promulgiert, das ein Wunder auf Fürsprache des Dieners Gottes Pius IX. beglaubigte (Osservatore Romano 7. Januar 2000, S. 2). Seliggesprochen wurde er nach einem überaus langwierigen und schwierigen Verfahren durch Johannes Paul II. am 3. September 2000.

Stimmen zur Seligsprechung Pius IX.

Als „Rückschritt für die Ökumene” betrachten die evangelischen und orthodoxen Kirchen, als Affront verstehen Juden diese Seligsprechung; einzigartig ist wohl auch das einstimmige Votum der deutschsprachigen katholischen Kirchenhistoriker gegen diese Seligsprechung: sie fördere „ein Zerrbild von Heiligkeit” und sei Aufgrund der „erheblichen menschlichen Schwächen” von Pius "nicht vertretbar". Was heute noch von der Weltsicht solcher Theologen vertretbar sein mag, darüber soll die Zukunft urteilen.

Orte, die mit Papst Pius IX. in Verbindung stehen

Biographische Orte

Orte mit Reliquien des Heiligen

Wallfahrtsorte

Patronate

Wissenschaftliche Erkenntnisse

Literatur

Weblinks

Anmerkungen

  1. Pascalina Lehnert: Ich durfte ihm dienen, S. 163


Vorgänger
Gregor XVI.
Papst
1846 - 1878
Nachfolger
Leo XIII.