Pornografie

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Pornografie (vom griech.: πόρνη, Hure, Dirne und γράφειν, schreiben[1]) "besteht darin, tatsächliche oder vorgetäuschte geschlechtliche Akte vorsätzlich aus der Intimität der Partner herauszunehmen, um sie Dritten vorzuzeigen" (KKK 2354). Sie ist ein "schwerwiegendes soziales Problem" mit zerstörerischen Auswirkungen auf das Leben der Individuen, der Familien und der Gesellschaft.[2]

Inhaltsverzeichnis

Die Wirkungen der Pornografie

Der Mensch ist von Gott als sein Abbild und Ebenbild geschaffen (Gen 1,26-27 EU). Die Pornografie verdunkelt diese Wahrheit über den Menschen, weil sie "die authentische Bedeutung der menschlichen Sexualität als ein von Gott gegebenes Geschenk" verleugnet, "das beabsichtigt, die Einzelmenschen zur Liebe und zur Teilhabe am schöpferischen Werk Gottes durch verantwortete Fortpflanzung zu führen. Durch die Verkürzung des Leibes auf ein Mittel zur Befriedigung der Sinne vereitelt die Pornografie authentisches moralisches Wachstum und untergräbt die Entwicklung reifer und gesunder Beziehungen. Das führt unvermeidlich zur Ausbeutung besonders derjenigen Personen, die am meisten verwundbar sind, wie dies auf tragische Weise gezeigt wird, wenn Pornografie Kinder zum Gegenstand hat."[3] Pornographie ist daher unmoralisch und unsozial.

"Die Pornografie verletzt die Keuschheit," so der Katechismus der Katholischen Kirche, "weil sie den ehelichen Akt, die intime Hingabe eines Gatten an den anderen, entstellt. Sie verletzt die Würde aller Beteiligten (Schauspieler, Händler, Publikum) schwer; diese werden zum Gegenstand eines primitiven Vergnügens und zur Quelle eines unerlaubten Profits. Pornografie versetzt alle Beteiligten in eine Scheinwelt. Sie ist eine schwere Verfehlung bzw. schwere Sünde.[4] Papst Johannes Paul II. mahnte, die Pornografie versuche, eine "geistige Leere auszufüllen, indem sie sich die Anfälligkeit der Schwachen zunutze macht"[5]; sie erniedrige die Würde der Frau und behandele sie ausschließlich als Objekt sexueller Lust.[6]

Bereits Papst Paul VI. hatte in seiner Enzyklika Humanae vitae davor gewarnt, zu versuchen, Entartungen wie die Pornografie - die die Sinne aufpeitsche und den Sittenverfall befördere - unter Berufung auf Kunst und Wissenschaft oder mit dem Hinweis auf die Freiheit zu rechtfertigen.[7]

im Jahre 2015 verwiesen die Väter der Bischofssynode auf "kulturelle Tendenzen", die eine "narzisstische, instabile und veränderliche Affektivität ohne Grenzen zu propagieren" scheine, die für den Einzelnen nicht hilfreich sei, eine größere Reife zu erreichen. Sie zeigten sich besorgt über die Verbreitung der Pornografie und die Vermarktung des Körpers, die auch durch den Missbrauch des Internets begünstigt werde.[8]

Papst Benedikt XVI. bringt im Vorwort zum Jugendkatechismus Youcat die Sorge zum Ausdruck, dass die Liebe Jugendlicher "nicht in Pornografie ertrinken soll", und er bittet dafür um den Beistand Gottes.

Pornografie macht süchtig

"Pornografie kann ebenso abhängig machen wie Rauschgift oder Alkohol. Das hat eine wissenschaftliche Studie der englischen Universität Cambridge ergeben. Die auf Suchtkrankheiten spezialisierte Neurowissenschaftlerin Valerie Voon hat Männer im Alter von 19 bis 34 Jahren untersucht, die sich dazu bekennen, zwanghaft Pornofilme anzuschauen. Aus eigener Kraft schafften sie es nicht, sich von ihrer Sucht zu befreien. Wenn Voon sie mit pornographischen Bildern konfrontierte, zeigte ihr Gehirn dieselben Reaktionen wie bei Alkoholkranken oder Drogensüchtigen." "Pornografie mache mehr als ein Drittel (36 Prozent [im Jahre 2013]) aller Internet-Inhalte aus. Jede vierte Suchanfrage habe mit Sex zu tun, und ein Drittel aller heruntergeladenen Dateien enthalte Pornografie."[9]

Allerdings weist Philip Pöschl von der österreichischen Selbsthilfegruppe Safersurfing[10] darauf hin, dass es treffender sei, von "Sexsucht" und "Internetsucht" und nicht von "Pornographiesucht" zu sprechen.[11]

"Laut einer Befragung von 2011 (Geiser, 2012) haben 91 % der 13-16-jährigen Jungen und 44 % der gleichaltrigen Mädchen bereits pornografische Inhalte im Internet gesehen, sowie fast alle (98 %) der 16-19-jährigen Jungen (Weber et al, 2012). Zwei Drittel der männlichen Jugendlichen konsumiert wöchentlich bis täglich Pornografie (Pastötter et al, 2008). Während einige Kinder auf die frühe Konfrontation mit Pornografie traumatisiert, verwirrt und mit Angst reagieren, gewöhnen sich andere an den schnellen, jederzeit verfügbaren Kick als Selbstmedikation gegen Langeweile, Stress oder Einsamkeit. In beiden Fällen schildern uns Heranwachsende eine Veränderung ihrer Phantasien und ihrer Selbst- und Fremdwahrnehmung; sie nehmen sich selbst oder andere Menschen vermehrt sexualisiert und als Objekt wahr, wie auch Längsschnittstudien belegen."[12]

Maßnahmen gegen die Pornografie

Der Heilige Stuhl sieht die Medienschaffenden, die staatlichen Autoritäten, die Kirche und religilösen Gruppen, aber auch Eltern und Erzieher in der Verantwortung, die Folgen der Pornografie zu bekämpfen.[13] Die politische Gemeinschaft hat nach Auffassung der Kirche die Pflicht, den Familien und insbesondere den Jugendlichen durch gesetzgeberische Maßnahmen und geeignete Hilfeeinrichtungen Schutz auch gegenüber den Gefahren der Pornografie zu gewähren.[14] Die Kirche hält "das Recht auf Intimität für den ehelichen und familiären Bereich" für besonders schützenswert.[15] Von den staatlichen Kräften erwartet sie, die Herstellung und Verbreitung pornographischer Materialien - vor allem in ihrer organisierten Form - zu verhindern.[16][17]

Eltern müssen um eine angemessene Erziehung ihrer Kinder zur Keuschheit besorgt sein, die auch wegen der über die sozialen Kommunikationsmittel ausgestrahlten Pornografie schwieriger geworden ist, weil diese sich nach kommerziellen Kriterien richtet und das Zartgefühl der Heranwachsenden abstumpft. Papst Johannes Paul II. kennzeichnet die Problematik wie folgt: "Angesichts einer Kultur, die in weiten Kreisen die menschliche Geschlechtlichkeit ,banalisiert', weil sie diese in verkürzter und verarmter Weise interpretiert und lebt, indem sie sie einzig mit dem Leib und dem egoistisch verstandenen Vergnügen in Verbindung setzt, muss der erzieherische Dienst der Eltern entschieden auf eine Kultur der Geschlechtlichkeit hinzielen, die wahrhaft und vollmenschlich ist; die Geschlechtlichkeit ist ja ein Reichtum der ganzen PersonLeib, Gemüt und Seele – und zeigt ihre tiefste Bedeutung darin, dass sie die Person zur Hingabe ihrer selbst in der Liebe führt."[18][19]

Literatur

  • Diakoniewerk Kirchröder Turm return Fachstelle Mediensucht Hannover (Herausgeber), Tabea Freitag (Autor), Jakob Pastötter (Vorwort): „Fit for Love? Praxisbuch zur Prävention von Internet-Pornografiekonsum“ 2013.
  • Shelley Lubben: Pornographie – Die größte Illusion der Welt, Ruhland Verlag 2016 (330 Seiten; ISBN: 978-3-88509-107-3)

Päpstliche Lehramtstexte

Johannes Paul II.

Selbstbefriedigung

Weblinks

Anmerkungen

  1. Johannes Gründel in: LThK 3. Auflage, Band 8, Sp. 427(-428).
  2. Papst Johannes Paul II.: Ansprache Die Geißel der Pornografie bekämpfen an Mitglieder der "Religious Alliance Against Pomography" vom 30. Januar 1992.
  3. Papst Johannes Paul II.: Ansprache Die Geißel der Pornografie bekämpfen an Mitglieder der "Religious Alliance Against Pomography" vom 30. Januar 1992, Nr. 2.
  4. KKK 2354; vgl. KKK 2396, 2523.
  5. Enzyklika Centesimus annus zum hundertsten Jahrestag des Rundschreibens “Rerum novarum“ 'vom 5. Mai 1991, Nr. 36.
  6. Johannes Paul II.: Gründonnerstagsschreiben Non vi stupite über den heiligen Pfarrer von Ars vom 25. März 1995.
  7. Paul VI.: Enzyklika Humanae vitae über die Rechte Ordnung der Weitergabe menschlichen Lebens vom 25. Juli 1968, Nr. 22.
  8. Papst Franziskus: Nachsynodales Apostolisches Schreiben Amoris laetitia über die Liebe in der Familie vom 19. März 2016, Nr. 41.
  9. Wissenschaftlich erwiesen: Pornografie macht süchtig Kath.net am 7 Oktober 2013
  10. safersurfing.org
  11. kath.net, 14. Juni 2012.
  12. Entmenschlichung der Sexualität Kath.net am 9 Juli 2017
  13. Päpstlicher Rat für die sozialen Kommunikationsmittel: Pornographie und Gewalt in den Medien: eine pastorale Antwort vom 7. Mai 1989, Nr. 22.
  14. KKK 2211.
  15. Nachsynodales Apostolisches Schreiben Familiaris consortio vom 22. November 1981, Nr. 46; Kongregation für das katholische Bildungswesen Orientierung zur Erziehung in der menschlichen Liebe Hinweise zur geschlechtlichen Erziehung vom 1. November 1983, Nr. 65.
  16. KKK 2354; 2396; 2523.
  17. Nachsynodales Apostolisches Schreiben Familiaris consortio vom 22. November 1981, Nr. 24.
  18. Nachsynodales Apostolisches Schreiben Familiaris consortio vom 22. November 1981,Nr. 37.
  19. Der ganze Abschnitt: Päpstlicher Rat für die Familie: Menschliche Sexualität, Wahrheit und Bedeutung Orientierungshilfen für die Erziehung in der Familie vom 8. Dezember 1995, Nr. 44+46.
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