Potissimum institutioni (Wortlaut)

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Potissimum institutioni

Kongregation für die Institute geweihten Lebens und für die Gesellschaften apostolischen Lebens
im Pontifikat von Papst
Johannes Paul II.
Richtlinien für die Ausbildung in den Ordensinstituten
2. Februar 1990
(Offizieller lateinischer Text: AAS 82 [1990] 470-532)

(Quelle:Die deutsche Fassung auf der Vatikanseite]; siehe auch: VAS 97; DAS 1990, S. S. 1371-1426)

Die Kongregation für die Institute des geweihten Lebens und die Gemeinschaften des apostolischen Lebens, die das vorliegende Dokument veröffentlicht, gibt diesem das Gewicht einer Instruktion gemäß can. 34. Es handelt sich um Verfügungen und Hinweise, die vom Hl. Vater gebilligt wurden und von diesem Dikasterium vorgelegt werden in der Absicht, die Vorschriften des Rechtes zu erläutern und deren Anwendung zu erleichtern. Diese Instruktionen und Hinweise setzen also die schon bestehenden Vorschriften des Rechtes voraus und beziehen sich auf den Einzelfall, ohne irgendeine dieser Vorschriften zu entwerten

Allgemeiner Hinweis: Was bei der Lektüre von Wortlautartikeln der Lehramtstexte zu beachten ist


VAS im Pontifikat Johannes Pauls II. Nr. 97.JPG

Inhaltsverzeichnis

ABKÜRZUNGEN

DOKUMENTE DES II. VATIKANISCHEN KONZILS

AG Dekret Ad gentes, 1965

CD Dekret Christus Dominus, 1965

DV Dogmatische Konstitution Dei Verbum, 1965

GE Erklärung Gravissimum educationis, 1965

GS Pastoralkonstitution Gaudium et spes, 1965

LG Dogmatische Konstitution Lumen gentium, 1964

OT Dekret Optatam totius, 1965

PC Dekret Perfectae caritatis, 1965

PO Dekret Presbyterorum ordinis, 1965

UR Dekret Unitatis redintegratio, 1964

SC Konstitution Sacrosanctum concilium, 1963

PÄPSTLICHE DOKUMENTE

ChL Apostolische Ermahnung Christifideles laici, Johannes Paul II., 1989

ET Apostolische Ermahnung Evangelica testificatio, Paul VI., 1971

MD Apostolisches Schreiben Mulieris dignitatem, Johannes Paul II., 1988

RD Apostolische Ermahnung Redemptionis donum, Johannes Paul II., 1984

RM Enzyklika Redemptoris mater, Johannes Paul II., 1987

ANDERE DOKUMENTE DES HL. STUHLES

CIC Codex Iuris Canonici

can. Canon, canones

EE Eléments essentiells de l'enseignement de l'Eglise sur la Vie Religieuse appliqués aux instituts consacrés à l'apostolat (Wesentliche Elemente der Lehre der Kirche über das Ordensleben, angewandt auf die apostolisch tätigen Institute): Dokument der Kongregation für die Ordensleute und Säkularinstitute, 1983

EGL Aktuelle Hinweise fur die Einführung der Priesteramtskandidaten in das geistliche Leben: Rundschreiben der Kongregation für das katholische Bildungswesen, 1980

KDO Die kontemplative Dimension des Ordenslebens; Dokument der Kongregation für die Ordensleute und Säkularinstitute, 1980

MR Mutuae relationes (Leitlinien fur die gegenseitigen Beziehungen zwischen Bischöfen und Ordensleuten in der Kirche): Dokument der Hl. Kongregation für die Ordensleute und Säkularinstitute und der Hl. Kongregation für die Bischöfe, 1978

OCV Ordo consecrationis virginum, Kongregation für den Kult, 1970

OFM Das Ordensleben und die Förderung des Menschen: Dokument der Kongregation für die Ordensleute und Säkularinstitute, 1980

OPR Ordo Professionis Religiosae, Kongregation für den Kult, 1970

RC Renovationis causam: Instruktion der Hl. Kongregation für die Ordensleute und Säkularinstitute über die zeitgemäße Erneuerung der Ausbildung zum Ordensleben, 1969

RI Ratio fundamentalis institutionis sacerdotalis (Grundordnung für die Ausbildung der Priester): Dokument der Kongregation für das katholische Bildungswesen, 1970

VS Venite seorsum: Instruktion der Hl. Kongregation für die Ordensleute und Säkularinstitute, 1969

WEITERE ABKÜRZUNGEN

AAS Acta Apostolicae Sedis

Cthl Commissio Theologica Internationalis

EV Enchiridion Vaticanum, Edizioni Dehoniane, Bologna.

IDGP Insegnamenti di Giovanni Paolo II, Libreria Editrice Vaticana.

OR L'Osservatore Romano

ORdt L'Osservatore Romano, deutsche Ausgabe

PG Patrologia Graeca

UISG Unione Internazionale delle Superiore Generali (Internationale Vereinigung der Generaloberinnen)

VORWORT

ZIELSETZUNG DER AUSBILDUNG DER ORDENSLEUTE

1. Die zeitgemäße Erneuerung der Ordensinstitute hängt wesentlich von der Ausbildung ihrer Mitglieder ab. Das Ordensleben führt Jünger Christi zusammen, denen geholfen werden soIl, »die göttliche Gabe, welche die Kirche von ihrem Herrn empfangen hat und in seiner Gnade immer bewahrt«,[1] zu empfangen. Daher werden auch die besten Formen der Anpassung des Ordenslebens an die Erfordernisse unserer Zeit nur dann Früchte tragen, wenn sie von einer tiefen geistlichen Erneuerung erfüllt sind. Die Ausbildung der Kandidaten, deren unmittelbares Ziel darin besteht, diese in das Ordensleben einzuführen und ihnen dessen Eigenart in der Kirche bewusst zu machen, soll daher vor allem danach trachten, durch die harmonische Abstimmung ihrer geistlichen, apostolischen, theoretischen und praktischen Elemente den Ordensmännern und Ordensfrauen behilflich zu sein, ihr Leben in Christus durch den Geist einheitlich zu verwirklichen.[2]

EINE STÄNDIGE SORGE

2. Die Kirche hatte sich schon lange vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil über die Ausbildung der Ordensleute Gedanken gemacht.[3] Das Konzil hat dann im VI. Kapitel der dogmatischen Konstitution Lumen gentium und im Dekret Perfectae caritatis Lehrgrundsätze und allgemeine Hinweise erstellt. Papst Paul VI. hat seinerseits die Ordensleute daran erinnert, dass, so verschieden und vielfältig auch die Lebensformen und Charismen sein mögen, alle Elemente des Ordenslebens immer auf die Formung des »inneren Menschen« hingeordnet sein müssen.[4] Unser Heiliger Vater, Johannes Paul II., ist vom Beginn seines Pontifikats an in zahlreichen Ansprachen immer wieder auf die Ausbildung der Ordensleute eingegangen.[5] Dem Codex des kanonischen Rechtes schließlich ging es darum, die für eine zeitgemäße Erneuerung der Ausbildung notwendigen Erfordernisse in klare Normen zu fassen.[6]

NACHKONZILIARE MASSNAHMEN DER KONGREGATION

FÜR DIE INSTITUTE DES GEWEIHTEN LEBENS UND FÜR DIE GEMEINSCHAFTEN DES APOSTOLISCHEN LEBENS

3. Bereits 1969 erweiterte die Kongregation in der Instruktion Renovationis causam einige damals gültige kirchenrechtliche Vorschriften, um »die gesamte Ausbildungsabfolge... besser der Denkweise der heutigen Menschen, den modernen Lebensbedingungen sowie den derzeitigen Erfordernissen der apostolischen Tätigkeit anzupassen, ohne der Eigenart und dem besonderen Zweck der einzelnen Institute untreu zu werden«.[7]

Andere Dokumente, die von diesem Dikasterium seither veröffentlicht wurden, haben zwar nicht direkt die Ausbildung der Ordensleute zum Inhalt, betreffen sie aber dennoch unter dem einen oder anderen Gesichtspunkt. Es handelt sich um die Dokumente Mutuae relationes, 1978,[8] Das Ordensleben und die Förderung des Menschen und Die kontemplative Dimension des Ordenslebens, beide 1980;[9] Wesentliche Elemente der Lehre der Kirche über das Ordensleben, 1983.[10] Es wird zweckmäßig sein, sich dieser verschiedenen Dokumente zu bedienen, damit die Ausbildung der Ordensleute in vollem Einklang mit den pastoralen Richtlinien und Weisungen der Universalkirche und der Ortskirchen erfolgt und um bei den apostolisch tätigen Ordensmännern und Ordensfrauen »die Verbindung von Innerlichkeit und aktivem Wirken zu fordern«.[11] So wird das aktive Wirken »für den Herrn« sie unaufhörlich zum Herrn, der »Quelle aller Tätigkeit«, hinführen.[12]

ZWECK DIESES DOKUMENTS UND AN WEN ES GERICHTET IST

4. Die Kongregation für die Institute des geweihten Lebens und für die Gemeinschaften des apostolischen Lebens hält es jedoch für angebracht, ja notwendig, den höheren Oberen der Ordensinstitute und ihren mit der Ausbildung betrauten Brüdern und Schwestern, einschließlich der Nonnen und Mönche, das vorliegende Dokument in die Hand zu geben, um so mehr, als viele von ihnen darum gebeten haben. Sie tut das kraft ihres Auftrags, den Instituten Richtlinien zu geben, die ihnen helfen sollen, ihr Eigenrecht der Ausbildungsordnung (ratio), zu der sie das allgemeine Recht der Kirche verpflichtet, zu erstellen.[13] Andererseits haben die Ordensmänner und Ordensfrauen ein Recht darauf, die Ansicht des Heiligen Stuhles über die aktuellen Probleme der Ausbildung und über die von ihm zur Lösung dieser Probleme angeregten Vorschläge kennenzulernen. Das Dokument lehnt sich an zahlreiche Erfahrungen an, die seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil gemacht wurden, und geht auf Fragen ein, die von den höheren Oberen mehrmals aufgeworfen worden waren. Es erinnert alle an einige Forderungen des Rechts im Hinblick auf die Situation und die Bedürfnisse unserer Zeit. Schließlich hofft es, vor allem den neu entstehenden wie auch jenen Instituten, die augenblicklich nur über geringe Ausbildungs- und Informationsmöglichkeiten verfügen, einen Dienst erweisen zu können.

5. Das Dokument betrifft nur die Ordenstinstitute. Es handelt von der besonderen Eigenart des Ordenslebens und widmet nur ein Kapitel den Erfordernissen, die für die Diakon- und Priesterausbildung erfüllt sein müssen. Diese sind Gegenstand ausführlicher Instruktionen des zuständigen Dikasteriums, welche auch auf die Ordensmänner als Kandidaten für diese Ämter anzuwenden sind.[14] Unser Dokument versucht, gültige Richtlinien für das Ordensleben als ganzes zu geben. Es wird Sache jedes einzlnen Institutes sein, seiner je besonderen Eigenart entsprechend von diesen Richtlinien Gebrauch zu machen. Der Inhalt des Dokumentes gilt, soweit sich aus dem Textzusammenhang oder der Natur der Sache nichts anderes ergibt, in rechtlich gleicher Weise für beide Geschlechter.[15]

ERSTES KAPITEL: GEWEIHTES LEBEN UND AUSBILDUNG ORDENSIDENTITÄT UND AUSBILDUNG

6. Das erste Ziel der Ausbildung ist es, den Kandidaten für das Ordensleben und den jungen Menschen nach Ablegung der Ordensgelübde zu ermöglichen, sich zunächst der Identität des Ordenslebens bewusst zu werden, sie sich dann anzueignen und sie zu vertiefen. Nur unter diesen Voraussetzungen werden sich Ordensangehörige als bedeutsame, wirkungsvolle und treue Zeugen in die Welt einfügen.[16] Am Anfang eines Dokumentes über die Ordensausbildung muss daher in Erinnerung gerufen werden, worin für die Kirche die Gnade der Weihe zum Ordensleben besteht.

DAS GEWEIHTE LEBEN NACH DEM KIRCHENRECHT

7. »Das Ordensleben macht als Weihe der ganzen Person eine von Gott gestiftete wunderbare Verbindung in der Kirche sichtbar und ist ein Zeichen der kommenden Welt. So vollzieht der Ordensangehörige seine völlige Hingabe gleichsam als ein Gott dargebrachtes Opfer, wordurch sein ganzes Dasein zu einer beständigen Verehrung Gottes in der Liebe wird«.

»Das durch die Profess der evangelischen Räte geweihte Leben« - aus dem das Ordensleben herausgragt - »besteht in einer auf Dauer angelegten Lebensweise, in der Gläubige unter der Leitung des Heiligen Geistes in besonders enger Nachfolge Christi sich Gott, dem höchstgeliebten, gänzlich hingeben und zu seiner Verherrlichung wie auch zur Auferbauung der Kirche und zum Heil der Welt eine neue und besondere Bindung eingehen, um im Dienste am Reich Gottes zur vollkommenen Liebe zu gelangen und, ein strahlendes Zeichen in der Kirche geworden, die himmlische Herrlichkeit anzukündigen«.[17]

»Diese Lebensweise in von der zuständigen Autorität der Kirche kanonisch errichteten Instituten des geweihten Lebens übernehmen Gläubige in freier Entscheidung, die nach den eigenen Satzungen der Institute durch Gelübde oder andere heilige Bindungen sich zu den evangelischen Räten der Keuschheit, Armut und des Gehorsams bekennen und durch die Liebe, zu der diese Räte hinführen, sich in besonderer Weise mit der Kirche und deren Heilswerk verbinden«.[18]

GÖTTLICHE BERUFUNG ZU EINER HEILSSENDUNG

8. Am Anfang der Weihe zum Ordensleben steht ein Anruf Gottes, der nichts anderes bedeutet, als die Liebe, die er dem von ihm berufenen Menschen entgegenbringt. Diese Liebe ist absolut selbstlos, persönlich und einzigartig. Sie ergreift vom Menschen so sehr Besitz, dass er nicht mehr sich selbst gehört, sonderrn Christus.[19] Sie nimmt so den Charakter einer festen Verbindung an. In dem Blick, den Jesus auf den reichen Jüngling richtete, kommt dieser Charakter zum Ausdruck: »Da sah ihn Jesus an und gewann ihn lieb« (Mk 10,21). Die Gabe des Geistes ist Kennzeichen und Ausdruck dieser Liebe. Diese Gabe veranlasst den von Gott berufenen Menschen, durch die Übernahme und Verwirklichung der evangelischen Räte der Keuschheit, der Armut und des Gehorsams Christus nachzufolgen. Es ist »eine göttliche Gabe, welche die Kirche von ihrem Herrn empfangen hat und in seiner Gnade immer bewahrt!«.[20] Darum muss »die letzte Norm des Ordenslebens die im Evangelium dargelegte Nachfolge Christi« sein.[21]

EINE PERSÖNLICHE ANTWORT

9. Der Ruf Christi, der Ausdruck einer erlösenden Liebe ist, »umfasst die ganze Person, Seele und Leib, ob Mann oder Frau, in ihrem einen und unwiederholbaren personalen 'Ich'«.[22] »Dieser Heilsruf nimmt im Herzen des Gerufenen die konkrete Gestalt der Profess der evangelischen Räte an«.[23] In dieser Form geben die Frauen und Männer, die Gott ruft, ihrerseits Christus dem Erlöser eine Antwort der Liebe: eine Liebe, die sich ganz und vorbehaltlos hingibt und die ganze Person »als lebendiges und heiliges Opfer, das Gott gefällt« (Rom, 12,1), darbringt. Nur diese Liebe, die auch hochzeitlichen Charakter hat und das ganze Gefühlsleben der Person bestimmt, wird den, der um Christi und des Evangeliums willen »sein Leben verliert« (vgl. Mk 8,35), die Entsagungen und das Kreuz, auf die er unweigerlich stößt, motivieren und ertragen lassen.[24] Diese persönliche Antwort ist integrierender Bestandteil der Weihe zum Ordensleben.

DIE ORDENSPROFEß: EIN KIRCHLICHER AKT DER WEIHE UND EINGLIEDERUNG

10. Nach dem Kirchenrecht »übernehmen in der Ordensprofess die Mitglieder durch ein öffentliches Gelübde die Beachtung der drei evangelischen Räte, werden Gott durch den Dienst der Kirche geweiht und dem Institut mit den vom Recht festgesetzten Rechten und Pflichten eingegliedert«.[25] In dem liturgischen Akt der Ordensprofess, der ein Akt der Kirche in der Autorität dessen ist, der die Gelübde entgegennimmt, laufen das Handeln Gottes und der Weg des betreffenden Menschen zusammen.[26] Dieser Akt begründet die Eingliederung in ein Institut.

Die Mitglieder »führen ein brüderliches Leben in Gemeinschaft«,[27] und das Institut verhilft ihnen »zu größerer Beständigkeit in der Lebensweise, zu einer erprobten Lehre über das Streben nach Vollkommenheit, zu einer brüderlichen Gemeinschaft in der militia Christi« und zu einer durch den Gehorsam gefestigten Freiheit. Dadurch können sie ihr Ordensgelöbnis sicher erfüllen und getreu bewahren und auf dem Weg der Liebe in geistlicher Freude voranschreiten«.[28]

Ihre Zugehörigkeit zu einem Institut hält die Ordensleute dazu an, von Christus und der Kirche ein öffentliches Zeugnis zu geben, das vom »Geist der Welt« (1 Kor 2,12) und von den Haltungen, die er nach sich zieht, weit entfernt ist, ebenso wie ein Zeugnis von der Anwesenheit in der Welt gemäß der »Weisheit Gottes« (1 Kor 2,7).

LEBEN NACH DEN EVANGELISCHEN RÄTEN

11. »Die Ordensprofess legt in das Herz eines jeden... die Liebe des Vaters; jene Liebe, die im Herzen Jesu Christi ist, des Erlösers der Welt. Es ist die Liebe, die die Welt umfängt und alles, was in ihr vom Vater kommt; zugleich sucht sie alles in der Welt zu überwinden, was 'nicht vom Vater kommt'«.[29] »Eine solche Liebe muss... aus derselben Quelle jener besonderen Weihe hervorströmen, die - auf dem sakramentaIen Grund der hl. Taufe - den Beginn des neuen Lebens (der Ordensleute) in Christus und in der Kirche, also den Beginn der neuen Schöpfung darstellt«.[30]

12. Glaube, Hoffnung und Liebe drängen die Ordensleute dazu, durch die Gelübde die drei evangelischen Räte zu verwirklichen und sich zu ihnen zu bekennen und so die Bedeutung des Geistes der Seligpreisungen für diese Welt zu bezeugen.[31]

Die evangelischen Räte sind gleichsam die Grundpfeiler des Ordenslebens, weil sie in vollkommener und bedeutsamer Weise den evangelischen Radikalismus, der es kennzeichnet, zum Ausdruck bringen. Denn »durch die Verpflichmg auf die evangelischen Räte in der Kirche will (der Ordensangehörige) von den Hindernissen, die ihn von der Glut der Liebe und der Vollkommenheit der Gottesverehrung zurückhalten könnten, frei werden und wird dem göttlichen Dienst inniger geweiht«.[32]

Sie betreffen drei wesentliche Ebenen der Existenz und der Beziehungen der menschlichen Person: Gefühl, Besitz und Macht. Aus dieser anthropologischen Verwurzelung erklärt sich, dass die geistliche Überlieferung der Kirche sie häufig mit den vom hl. Johannes genannten drei Begierden in Verbindung gebracht hat.[33] Die richtige Befolgung der Räte fordert die persönliche Entfaltung, die geistliche Freiheit, die Reinigung des Herzens, facht die Glut der Liebe an und hilft dem Ordensmann und der Ordensfrau, mitzuwirken am Aufbau der irdischen Gesellschaft.[34]

Die evangelischen Rate haben, wenn sie möglichst authentisch gelebt werden, eine große Bedeutung für alle Menschen,[35] denn jedes Gelübde gibt eine spezifische Antwort auf die großen Versuchungen unserer Zeit. Durch die Räte zeigt die Kirche weiterhin der Welt die Wege zu ihrer Verwandlung in das Reich Gottes.

Darum ist es so wichtig, aufmerksame Sorge darauf zu verwenden, dass die Kandidaten für das Ordensleben theoretisch und praktisch in die konkreten Anforderungen der drei Gelübde eingeführt werden.

KEUSCHHEIT

13. »Der um des Himmelreiches willen übernommene evangelische Rat der Keuschheit, der ein Zeichen der künftigen Welt und eine Quelle reicherer Fruchtbarkeit eines ungeteilten Herzens ist, bringt die Verpflichtung zu vollkommener Enthaltsamkeit im Zölibat mit sich«.[36] Die Befolgung dieses Rates setzt voraus, dass die durch die Ordensgelübde geweihte Person »in mehr unmittelbarer Weise« (ET 13) eine Beziehung zu Gott durch Christus im Heiligen Geist in den Mittelpunkt ihres Gefühlslebens stellt.

»Die Beobachtung vollkommener Enthaltsamkeit rührt sehr unmittelbar an tiefere Neigungen der menschlichen Natur. Darum dürfen Kandidaten nur nach wirklich ausreichender Prüfung und nach Erlangung der erforderlichen psychologischen und affektiven Reife zum Gelöbnis der Keuschheit hinzutreten und zugelassen werden. Man soll sie nicht nur auf die Gefahren für die Keuschheit aufmerksam machen sondern sie anleiten, die gottgewollte Ehelosigkeit zum Wohl der Gesamtperson innerlich zu übernehmen«.[37] Eine instinktive Neigung führt die menschliche Person dazu, die menschliche Liebe zu verabsolutieren. Gekennzeichnet ist diese Neigung von dem affektiven Egoismus, der in einer Herrschaft über die geliebte Person sichtbar wird, so als könnte aus diesem Besitz das Glück erwachsen. Andererseits bereitet es dem Menschen große Mühe, zu begreifen und vor allem zu verwirklichen, dass die Liebe in der völligen Selbsthingabe gelebt werden kann ohne notwendigerweise den sexuellen Ausdruck zu erfordern. Die Erziehung zur Keuschheit soll daher darauf ausgerichtet sein, jedem einzelnen zu helfen, seinen Sexualtrieb zu kontrollieren und zu beherrschen, während er sich gleichzeitig vor einem affektiven Egoismus hüten muss, der ihn hochmütige Befriedigung über seine geübte Enthaltsamkeit empfinden lässt. Nicht zufällig räumten die alten Kirchenväter der Demut den Vorrang vor der Keuschheit ein, da diese letztere eben, wie die Erfahrung beweist, sich mit der Härte des Herzens abfinden kann.

Die Keuschheit befreit das Herz des Menschen in einzigartiger Weise von seinen FesseIn (vgl. I Kor 7,32-35), so dass es vor Liebe zu Gott und zu allen Menschen glüht. Einer der größten Beiträge, die die Ordensleute für die Menschheit heute erbringen können, besteht gewiß darin, dass sie ihnen, mehr durch ihr Leben als durch ihre Worte, die Möglichkeit einer echten Hingabe und einer Offenheit für die anderen enthüllen, indem sie ihre Freuden teilen, treu und beständig in der Liebe sind, ohne Haltungen der Herrschsucht oder der Exklusivität anzunehmen.

Die Erziehung zur geweihten Keuschheit soll daher für Folgendes Sorge tragen:

- Erhaltung der Freude und Dankbarkeit für die persönliche Liebe, mit der jeder einzelne von Christus angeblickt und erwählt wurde;

- Ermutigung zum häufigen Empfang des Sakramentes der Wiederversöhnung, zur Anwendung einer geordneten geistlichen Führung und zur Teilnahme an einer wahrhaft brüderlichen Liebe in Gemeinschaft, die in offenen und herzlichen Beziehungen konkrete Gestalt annimmt;

- Erklärung des Wertes und der Bedeutung des Körpers, Anhalten zu einer grundlegenden Körperpflege (Schlaf, Sport, Entspannung, Ernährung, usw.);

- Erteilung der Grundkenntnisse über die Sexualität des Mannes und der Frau mit den entsprechenden physischen, psychologischen und geistigen Hinweisen;

- Hilfe zur Selbstkontrolle im sexuellen und affektiven Bereich, aber auch im Hinblick auf andere instinktmäßige oder erworbene Bedürfnisse (Naschen, Tabak, Alkohol);

- Hilfe an jeden, seine früheren Erfahrungen anzunehmen: die positiven, um dafür zu danken, die negativen, um die Schwachstellen ausfinding zu machen, sich friedlich vor Gott zu erniedrigen und in Zukunft wachsam zu bleiben;

- Herausstellen der Fruchtbarkeit der Keuschheit, der Geburt aus dem Geist (Gal 4,19), die das Leben für die Kirche hervorbringt;

- Schaffung eines Klimas des Vertrauens zwischen den Ordensleuten und ihren Erziehern, die bereit sein müssen, alles aufzunehmen und mit aufrichtiger Zuneigung hinzuhören, um Erklärungen zu geben und Hilfe zu leisten.

- Verhalten, das im Gebrauch der sozialen Kommunikationsmittel sowie jener zwischenmenschlichen Beziehungen, die einer treu gelebten Keuschheit hinderlich sein können, von der gebotenen Klugheit geprägt ist (vgl. can. 277,2 und 666). Diese Klugheit wird nicht nur von den Ordensleuten, sondern auch von deren Oberen gefordert.

ARMUT

14. »Der evangelische Rat der Armut in die Nachfolge Christi, der um unseretwillen arm wurde, obwohl Er reich war; hat außer einem in Wirklichkeit und im Geiste armen Leben, das nach Kräften in Bescheidenheit und fern von irdischem Reichtum zu führen ist, Abhängigkeit und Beschränkung zur Folge in Gebrauch und Verfügung über Vermögen nach Maßgabe des Eigenrechts der einzeInen Institute«.[38]

Das Gespür für die Armut ist nicht neu, weder in der Kirche noch im Ordensleben. Neu ist vielleicht, dass heute ein besonderes Gefühl für die Armen und für die Armut in der Welt das Ordensleben kennzeichnet. Es gibt heute Formen von Armut in großem Ausmaß, die einzelne oder ganze Gesellschaften zu ertragen haben: Hunger, Unwissenheit, Krankheiten, Arbeitslosigkeit, Unterdrückung grundlegender Freiheiten, wirtschaftliche und politische Abhängigkeit, Korruption in den öffentlichen Verwaltungsapparaten, und allem Anschein nach ist die menschliche Gesellschaft so organisiert, dass sie diese verschiedenen Armutsformen erzeugt und immer wieder erzeugt, ja vervielfältigt.

Unter diesen Bedingungen werden die Ordensleute zu einer größeren Nähe zu den Ärmsten und Bedürftigsten angehaIten, also zu den Menschen, die Jesus seit jeher bevorzugt hat, zu denen er nach seiner eigenen Aussage gesandt wurde[39] und mit denen er sich identifizierte.[40]

Diese Nähe zu den Armen lässt die Ordensleute einen persönlichen und gemeinschaftlichen Lebensstil annehmen, der konsequenter ihrer VerpfIichtung anspricht, dem armen und erniedrigten Jesus unmittelbarer nachzufolgen und die Situation der Armen zu teilen.

Diese dem Evangelium entsprechende »vorrangige Entscheidung«[41] der Ordensleute für die Armen schließt das innere Losgelöstsein, die Einfachheit und Strenge des Kommunitätslebens ein und bedeutet mitunter, dass sie das Leben und den Lebenskampf dieser Menschen teilen, ohne jedoch zu vergessen, dass die eigentliche Sendung der Ordensleute darin besteht, »auf herausragende Weise Zeugnis zu geben, dass die Welt nicht verwandelt und Gott geweiht werden kann, außer im Geist der Seligpreisungen«.[42]

Gott liebt die ganze Menschheitsfamilie und will sie als ganze, ohne jemanden auszuschließen, sammeln.[43] Es ist für die Ordensmänner und Ordensfrauuch eine Armutsform, sich nicht in ein bestimmtes Milieu oder eine soziale Klasse abdrängen zu lassen, denn die echten Armen sind in allen Kreisen zu finden. Dies gilt, unter Berücksichtigung der je besonderen Eigenart ihres Charismas, ebenso für die Institute, die sich einem Dienst an den am meisten benachteiligten sozialen Schichten verschrieben haben. Das Studium der Soziallehre der Kirche und besonders der Enzyklika Sollicitudo rei socialis und der Instruktion über die christliche Freiheit und Befreiung[44] soll den Ordensleuten helfen, die für eine aktualisierte Übung der evangelischen Armut erforderlichen Unterscheidungen vorzunehmen.

Die Erziehung zur evangelischen Armut soll auf folgende Punkte achten:

- Vor dem Eintritt ins Ordensleben erfreuten sich manche dieser jungen Leute einer gewissen finanziellen Unabhängigkeit und waren gewohnt, sich alles, worauf sie Lust hatten, zu besorgen. Andere wiederum finden in der Orsgemeinschaft einen höheren Lebensstandard vor, als sie ihn aus ihrer Kindheit oder ihren Studien- bzw. Arbeitsjahren gewöhnt waren. Die Erziehung zur Armut soll die Geschichte jedes einzelnen berücksichtigen. Man wird auch daran denken müssen, dass in manchen Kulturen die Familien sich von dem was gleichsam als ein sozialer Aufstieg für ihre Kinder erscheint, erwarten, dass es auch ihnen zugute kommt;

- zur Tugend der Armut gehört es, sich einzulassen auf ein arbeitsreiches Leben, auf einen strengen Lebensstil sowie auf eine konkrete, demütige Art des Verzichtes auf Eigentum, die die Betreffenden freier für ihre Sendung machen; die Schöpfung und die in ihr dem Menschen zur Verfügung gestellten materiellen Güter zu bewundern und zu respektieren; die Versorgung mit dem Lebensnotwendingen der Gemeinschaft zu überlassen; den aufrichtigen Wunsch zu bekunden, dass »alle alles gemeinsam haben« und »jedem davon so viel zugeteilt wird, wie er nötig hat« (vgl. Apg 4,32.35).

Das alles, um dem armen, geliebten Jesus nachzufolgen und zum Mittelpunkt des eigenen Lebens zu machen. Andernfalls nimmt die religiöse Armut in Form der Solidarität und der Güterteilung allzu leicht ideologisch-politischen Charakter an. Nur ein armes Herz, das sich anschickt, dem armen Christus nachzufolgen, kann die Quelle echter Solidarität und wahrer Uneigennützigkeit sein.

GEHORSAM

15. »Der im Geist des Glaubens und der Liebe in die Nachfolge des bis zum Tode gehorsamen Christus übernommene evangelische Rat des Gehorsams verpflichtet zur Unterwerfung des Willens gegenüber den rechtmäßigen Oberen als Stellvertretern Gottes, wenn sie im Rahmen der eigenen Konstitutionen befehlen«.[45] Alle Ordensleute unterstehen außerdem »aus einem eigenen Grunde der höchsten Autorität der Kirche... und sind gehalten, dem Papst als ihrem höchsten Oberen auch kraft der heiligen Gehorsamsbindung Folge zu leisten«.[46] Weit davon entfernt, die Würde der menschlichen Person zu mindern führt der Ordensgehorsam diese durch die größer gewordene Freiheit der Kinder Gottes zu ihrer Reife«.[47]

Der Ordensgehorsam ist zugleich Nachahmung Christi und Teilnahme an seiner Sendung. Es geht ihm darum zu tun, was Christus getan hat, und zugleich das zu tun, was er in der konkreten Situation, in der sich die Ordensleute heute befinden, tun würde. Dass in einem Institut die Obernautorität ausgeübt wird oder nicht, kann man ohne Berufung auf die Sendung weder befehlen noch befolgen. Wenn der Ordensangehörige gehorcht, stellt er seinen Gehorsam m einen kontinuierlichen Zusammenhang mit dem Gehorsam Jesu zur Rettung der Welt. Daher ist alles, was bei der Ausübung der Autorität bzw. bei der Leistung des Gehorsams durch Kompromiss, diplomatische Lösung oder Zwang oder irgendeine andere Art menschlicher Machenschaften zustande kommt, ein Verrat an der grundlegenden Inspiration des Ordensgehorsams, nämlich sich nach der Sendung Jesu zu richten und sie hier und jetzt zu verwirklichen, selbst wenn der Einsatz schwer ist. Ein Oberer, der den Dialog fördert, erzieht zu einem aktiven und verantwortungsvollen Gehoram. Dennoch kommt es ihm zu, »seine Autorität zu gebrauchen, wenn entschieden und angeordnet werden muss, was zu tun ist«.[48]

Was die Erziehung zum Gehorsam betrifft, soll Folgendes beachtet werden:

- Um sich dem Gehorsam hingeben zu können, muss man zuerst als Person existieren. Die Kandidaten müssen die Anonymität der technischen Welt verlassen, sich als Personen erkennen und als solche anerkannt, geschätzt und geliebt werden;

- die Kandidaten müssen zur wahren Freiheit finden, um persönlich von »dem, was ihnen gefällt«, zu dem zu gelangen, »was dem Vater gefällt«. Deshalb solIen die Strukturen der Ausbildungskommunität, auch wenn sie klar und eindeutig festgelegt sind, den Eigeninitiativen und verantwortlichen Entscheidungen einen breiten Raum lassen;

- dass der Wille Gottes sich meistens und auf herausragende Weise durch die Vermittlung der Kirche und ihres Lehramtes kundtut, und für die Ordensleute besonders durch ihre eigenen Ordenssatzungen.

- was den Gehorsam anbelangt, so hat das Zeugnis der älteren Kommunitätsmitglieder mehr Bedeutung für die jungen Leute als jede andere theoretische Überlegung. - Wer sich jedoch wie Christus und in Christus zu gehorchen bemüht, dem gelingt es, weniger vorbildliche Beispiele einfach unbeachtet zu lassen.

Die Erziehung zum Ordensgehorsam wird daher mit aller Klarheit und dem erforderlichen Anspruch darauf abzielen, dass man nicht von dem »Weg« abkommt, der Christus mit seiner Sendung ist.[49]

DIE ORDENSINSTITUTE: EINE VIELFALT VON GABEN, DIE GEPFLEGT UND BEWAHRT WERDEN MÜSSEN

16. Die Vielfalt der Ordensinstitute gleicht »einem Baum, der aus einem von Gott gegebenen Keim wunderbar und vielfältig auf dem Ackerfeld des Herrn Zweige treibt«.[50] Durch sie »macht die Kirche wirklich... den Gläubigen wie den Ungläubigen Christus sichtbar, wie er auf dem Berg in der Beschauung weilt oder wie er den Scharen das Reich Gottes verkündigt oder wie er die Kranken und Schwachen heilt und die Sünder zum Guten bekehrt oder wie er die Kinder segnet und allen Wohltaten erweist, immer aber dem Willen des Vaters gehorsam ist, der ihn gesandt hat«.[51]

Diese Mannifaltigkeit erklärt sich aus der Mannigfaltigkeit des »Charismas der Ordensstifter«.[52] Dieses Charisma »scheint eine gewisse Erfahrung des Geistes zu sein, die den eigenen Schülern überliefert wurde, damit sie danach leben, sie hüten, vertiefen und ständig weiterentwickeln in der gleichen Weise, wie auch der Leib Christi ständig wächst. Deshalb "schützt und fördert die Kirche den eigenen Charakter der verschiedenen Ordensinstitute" (LG 44)«.[53]

Deshalb sollen die evangelischen Räte auch nicht gleichförmig befolgt werden, sondern jedes Institut hat »unter Beachtung der Eigenart und der eigenen Ziele« seine eigene Art und Weise der Befolgung festzulegen.[54] Es geht dabei jedoch nicht nur um die getreue Befolgung der evangelischen Räte, sondern um alles, was den Lebensstil der Mitglieder des Instituts betrifft, die nach Vollkommenheit ihres Standes streben.[55]

EIN IM HEILIGEN GEIST GEEINTES LEBEN

17. »Wer sich auf die evangelischen Räte verpflichtet, muss vor allem Gott, der uns zuvor geliebt hat (vgl. 1 Joh 4,10), suchen und lieben und sich in allen Lebensumständen bemühen, ein mit Christus verborgenes Leben (vgl. Kol 3,3) zu führen. Daraus fließt die Nächstenliebe zum Heil der Welt und zum Aufbau der Kirche«.[56] Diese Liebe, die selbst wieder die Verwirklichung der evangelischen Räte beseelt und leitet, wird in die Herzen ausgegossen vom Geist Gottes, der ein Geist der Einheit, der Harmonie und der Versöhnung nicht nur der Menschen untereinander, sondern auch im Innern jedes einzelnen Menschen selbst ist. Deshalb dürfte das persönliche Leben eines Ordensmannes oder einer Ordensfrau eigentlich nicht unter Spaltungen leiden, weder zwischen dem allgemeinen Ziel ihres Ordenslebens und dem besonderen Ziel ihres Instituts, noch zwischen der Weihe an Gott und der Entsendung in die WeIt, noch zwischen dem Ordensleben als solchem einerseits und den apostolischen Tätigkeiten andererseits. Es gibt konkret kein Ordensleben »an sich«, das gleichsam wie ein Zusatz das besondere Ziel und eigene Charisma jedes Instituts überlagern wurde. In den Instituten, die sich dem Apostolat widmen, sind sowohl das Streben nach Heiligkeit und die Befolgung der evangelischen Räte wie auch das Gott und seinem Dienst geweihte Leben an und für sich mit dem Dienst an der Kirche und der Welt verbunden.[57] Oder besser, in diesen Instituten gehören »die apostolische und die karitative Tätigkeit zum eigentlichen Wesen des Ordenslebens«, und zwar so sehr, dass »das ganze Ordensleben... von apostolichem Geist durchdrungen und alle apostolische Arbeit vom Ordensgeist geprägt sein muss«.[58] Der Dienst am Nächsten entfernt und trennt den Ordensmann oder die Ordensfrau nicht von Gott. Wenn dieser Dienst von einer wahrhaft göttlichen Liebe beseelt ist, gewinnt er Wert und Bedeutung eines Dienstes an Gott.[59]

Und man kann daher mit Recht sagen, »das Apostolat aller Ordensleute besteht in erster Linie im Zeugnis ihres geweihten Lebens«.[60]

18. Es wird Sache jedes einzelnen sein zu überprüfen, inwieweit in seinem eigenen Leben die apostolische Arbeit aus seiner tiefen Verbundenheit mit Gott hervorgeht und zugleich diese Verbundenheit enger macht und stärkt.[61] Unter diesem Gesichtspunkt ist der hier und jetzt in der empfangenen Sendung bekundete Gehorsam das direkte Mittel, durch das sich eine gewisse - geduldig gesuchte, aber niemals erreichte - Einheit des Lebens verwirklichen lässt. Dieser Gehorsam ist nur aus dem Willen zu erklären, Christus möglichst unmittelbar nachzufolgen, ein Wille, der seinerseits von einer persönlichen Liebe Christi beseelt und angeregt wird. Diese Liebe ist das Prinzip der inneren Einheit des ganzen gottgeweihten Lebens.

Die Einheit des Lebens lässt sich in geeigneter Weise aufgrund einer vierfachen Treue nachweisen: die Treue zu Christus und zum Evangelium, die Treue zur Kirche und zu ihrer Sendung in der Welt, die Treue zum Ordensleben und Charisma des eigenen Institutes, die Treue zum Menschen und zu unserer Zeit.[62]

ZWEITES KAPITEL: ASPEKTE, DIE ALLEN ABSCHNITTEN DER AUSBILDUNG ZUM ORDENSLEBEN GEMEINSAM SIND

A) VERMITTLER UND UMFELD DER AUSBILDUNG DER GEIST GOTTES

19. Gott selbst beruft Menschen zum geweihten Leben in der Kirche. Er behält während des ganzen Lebens der Ordensleute die Initiative: »Gott, der euch beruft, ist treu; er wird es tun«.[63] Wie sich Jesus nicht damit zufrieden gegeben hat, seine Jünger zu berufen, sondern sie während seines öffentlichen Wirkens geduldig erzogen hat, so fuhr er nach seiner Auferstehung fort, sie durch seinen Geist »in die ganze Wahreit zu führen«.[64]

Dieser Geist, dessen Wirken zwar von anderer Art ist als die Erkenntnisse der Psychologie oder die sichtbare Geschichte, der aber auch durch sie tätig ist, handelt im Verborgenen des Herzens eines jeden von uns, um sich dann in sichtbaren Früchten zu offenbaren: Er ist die Wahrheit, die »lehrt«, »erinnert«, »führt«.[65] Er ist »die Salbung«, die uns erkennen, ermessen, beurteilen, wählen lässt.[66] Er ist der Beistand und Tröster, der »sich unserer Schwachheit annimmt«, uns stärkt und uns den Geist des Sohnes schenkt.[67] Diese unauffällige, aber entschiedene Gegenwart des Geistes Gottes verlangt zwei Grundhaltungen: die Demut, die sich der Weisheit Gottes überlässt, und die Kenntnis und praktische Übung der geistlichen Unterscheidung. Es kommt in der Tat darauf an, die Gegenwart des Geistes in sämtlichen Aspekten des Lebens und der Geschichte und durch die menschliche Vermittlung erkennen zu können Was diese letztere betrifft, gilt es, die Öffnung für einen geistlichen Führer wachzuhalten, die von dem Wunsch, selbst klar zu sehen, und von der Bereitschaft geweckt wird, sich beraten und lenken zu lassen, um den Willen Gottes einwandfrei zu erkennen.

DIE JUNGFRAU MARIA

20. Mit dem Wirken des Heiligen Geistes verbunden war seit jeher die Jungfrau Maria, Gottesmutter und Mutter aller Glieder des Gottesvolkes. Denn durch ihn hat sie das Wort Gottes in ihrem Schoß empfangen und auf ihn wartete sie zusammen mit den Aposteln, im Gebet verharrend (vgl. LG 52 u. 59), am Morgen nach der Himmelfahrt des Herrn. Darum treffen die Ordensmänner und Ordensfrauen in jeder Phase ihrer Ausbildung auf die Gegenwart Mariens.

»Unter allen Personen, die sich vorbehaltlos Gott geweiht haben, ist sie die erste. Sie - die Jungfrau von Nazareth - ist diejenige, die am vollständigsten und auf die vollkommenste Weise Gott geweiht ist. In der göttlichen Mutterschaft erreicht ihre bräutliche Liebe durch die Kraft des Heiligen Geistes ihren Höhepunkt. Sie, die als Mutter Christus auf ihren Armen trägt, verwirklicht gleich in vollkommenster Weise seinen Ruf "Folge mir". Sie folgt ihm - sie, die Mutter - als ihrem Meister in Keuschheit, Armut und Gehorsam... Wenn die ganze Kirche in Maria ihr erstes Modell findet, um wieviel mehr finden es geweihte Personen und Gemeinschaften in der Kirche«. Jeder Ordensangehörige »ist eingeladen, seine Ordensweihe nach dem Vorbild der Weihe der Gottesgebärerin neu zu leben«.[68]

Der Ordensmann und die Ordensfrau begegnen Maria nicht nur als Vorbild, sondern auch als Mutter. »Sie ist die Mutter der Ordensleute, weil sie die Mutter dessen ist, der geheiligt und gesandt worden ist. In ihrem Fiat und in ihrem Magnificat findet das Ordensleben seine Ganzhingabe an das Heilswirken Gottes und die Freude darüber«.[69]

DIE KIRCHE UND DIE »KIRCHLICHE GESINNUNG«

21. Zwischen Maria und der Kirche bestehen vielfältige und enge Bande. Sie ist deren hervorragendstes Mitglied und sie ist ihre Mutter. Sie ist deren Urbild im Glauben, in der Liebe und in der vollkommenen Verbundenheit mit Christus. Sie ist für die Kirche ein Zeichen der sicheren Hoffnung und des Trostes, bis der Tag des Herrn kommt (vgl. LG 53, 63, 68).

Auch das Ordensleben unterhält eine besondere Verbindung zum Geheimnis der Kirche. Es gehört zu ihrem Leben und zu ihrer Heiligkeit.[70] Es ist »eine besondere Weise der Teilhabe an der "sakramentalen" Natur des Volkes Gottes«.[71] Durch seine völlige Hingabe an Gott ist der Ordensangehörige »in besonderer Weise mit der Kirche und ihrem Geheimnis verbunden, und das verpflichtet ihn, mit ungeteilter Hingabe für das Wohl des ganzen Leibes zu wirken«.[72] »Die Kirche erhebt aber« durch das Amt ihrer Bischofe »nicht nur den Ordensberuf durch ihre Bestätigung zur Würde eines kanonischen Standes, sondern macht ihn auch durch ihre liturgische Feier zu einem Gott geweihten Stand«.[73]

22. In der Kirche erhalten die Ordensleute die Nahrung für ihr in der Taufe empfangenes Leben und ihr gottgeweihtes Ordensleben. In ihr nehmen sie das Brot des Lebens entgegen, in ihr kommen sie zum Tisch des Wortes Gottes und des Leibes Christi. In der Tat vernahm der hl. Antonius, der mit Recht als der Vater des Ordenslebens gilt, wahrend einer Liturgiefeier das lebendige wirksame Wort, das ihn bewog, alles zu verlassen und sich in die Nachfolge Christi zu begeben.[74] In der Kirche stellt die vom Gebet begleitete Lesung des Gotteswortes den Dialog zwischen Gott und den Ordensleuten her[75] und löst bei ihnen hochherzigen Schwung und unerlässliche Entsagung aus. Die Kirche verbindet die Opfergabe ihres Lebens, die die Ordensleute darbringen, mit dem eucharistischen Opfer Christi.[76] Durch das häufig empfangene Sakrament der Buße erhalten sie schließlich von Gottes Barmherzigkeit Verzeihung für ihre Sünden und werden zugleich mit der Kirche und mit ihrer Ordensgemeinschaft versöhnt, die sie mit ihrer Sünde verwundet haben.[77] So wird die Liturgie der Kirche für sie schlechthin zum Höhepunkt, dem eine ganze Kommunität zustrebt, und zur Quelle, aus der ihre evangelische Kraft strömt (vgl. SC 10).

23. Deshalb muss die Ausbildungsarbeit notwendigerweise in Gemeinschaft mit der Kirche, deren Söhne und Töchter die Ordensleute sind, und in kindlichem Gehorsam gegenüber ihren Bischöfen erfolgen. Die Kirche, »die von der Dreifaltigkeit erfüllt ist«,[78] wie Origines sagt, ist nach dem Abbild und in Abhängigkeit von ihrer Quelle eine universale Gemeinschaft in der Liebe. Von ihr empfangen wir das Evangelium, das sie uns dank ihrer Überlieferung und der authentischen Auslegung des Lehramtes zu entschlüsseln hilft.[79] Denn bei der Kirche handelt es sich um eine organische Gemeinschaft.[80] Sie besteht fort durch die Apostel und ihre Nachfolger unter der Autorität des Petrus, »dem immerwährenden und sichtbaren Prinzip und Fundament der Glaubenseinheit und der Gemeinschaft«.[81]

24. Man wird also bei den Ordensmännern und Ordensfrauen eine »Gesinung« nicht nur »mit«, sondern - wie auch der hl. Ignatius von Loyola sagt »in« der Kirche[82] entwickeln müssen. Diese kirchliche Gesinnung besteht dem Bewusstsein, dass man zu einem Volk gehört, das unterwegs ist. Ein Volk, das seinen Ursprung in der trinitarischen Gemeinschaft hat; das in der Geschichte der Menschheit verwurzelt ist; das sich auf das Fundament der Apostel und auf das Hirtenamt ihrer Nachfolger stützt; das im Nachfolger Petri den Stellvertreter Christi und das sichtbare Haupt der ganzen Kirche anerkennt. Ein Volk, das in der Hl. Schrift, in der Überlieferung und im Lehramt der Kirche den dreifachen und einzigen Weg findet, auf dem das Wort Gottes zu ihm gelangt; das sich nach der sichtbaren Einheit mit den anderen, nichtkatholischen christlichen Gemeinschaften sehnt. Ein Volk, das sowohl um die seit Jahrhunderten vor sich gegangenen Veränderungen als auch um die legitimen Verschiedenheiten in der heutigen Kirche Bescheid weiß, das sich aber eher darum bemüht, die Kontinuität und Einheit aufzudecken, die noch immer realer sind. Ein Volk, das sich als Leib Christi identifiziert und das die Liebe zu Christus nicht von der Liebe zu seiner Kirche trennt, weil es sich bewusst ist, dass sie ein Geheimnis darstellt, das Geheimnis Gottes selbst in Jesus Christus durch seinen Geist, der für die Menschheit von heute und aller Zeiten ausgegossen und ihr mitgeteilt wurde. Ein Volk also, das sich nicht nur vom soziologischen oder politischen Standpunkt aus erfassen und analysieren lässt, weil sich die eigentlich authentische Seite seines Lebens der Beachtung der Weisen dieser Welt entzieht. Ein missionarisches Volk schließlich, das sich nicht damit zufrieden gibt, die Kirche als »kleine Herde« zu sehen, sondern das unaufhörlich alles daran setzt, dass jedem Menschen das Evangelium verkündet wird und die Welt erfährt, dass »uns Menschen kein anderer Name unter dem Himmel gegeben ist, durch den wir gerettet werden sollen« (Apg 4,12), als der Name Jesu Christi (vgl. LG 9).

25. Die kirchliche Gesinnung enthält auch den Sinn für die Gemeinschaft. Aufgrund der Wesensverwandtschaft zwischen dem Ordensleben und dem Geheimnis einer Kirche, deren Heiliger Geist sie »in Gemeinschaft und Dienstleistung eint«,[83] »sind die Ordensleute als "Experten des gemeinschaftlichen Lebens" aufgerufen, in der Kirche, der kirchlichen Gemeinschaft und der Welt Zeugen und Baumeister im Sinne jenes göttlichen Planes für Gemeinschaft zu sein, der die Geschichte der Menschen krönen soll«.[84] Und dies durch die Verpflichtung auf die evangelischen Räte, die die inbrünstige Liebe von jedem Hindernis befreit und die Ordensleute zu einem prophetischen Zeichen der innigsten Vereinigung mit dem über alles geliebten Gott werden lässt, und durch die tägliche Erfahrung eines Lebens in Gemeinschaft, in Gebet und Apostolat als wesentlicher und unterscheidender Elemente ihrer Form des gottgeweihten Lebens, durch die sie zum Zeichen brüderlicher Gemeinschaft werden.[85]

Darum soll vor allem in der Anfangsphase der Ausbildung »das Gemeinschaftsleben, besonders verstanden als Erfahrung und Zeugnis der "Communio"«,[86] als ein unerlässlicher Rahmen und ein bevorzugtes Mittel der Ausbildung angesehen werden.

DIE GEMEINSCHAFT

26. Innerhalb der Kirche und in der Verbundenheit mit der Jungfrau Maria spielt die Lebensgemeinschaft in allen Abschnitten der Ausbildung eine bevorzugte Rolle. Die Ausbildung hängt ja großenteils von der Qualität dieser Gemeinschaft ab. Diese Qualität ergibt sich aus dem allgemeinen Klima in der Gemeinschaft und aus dem Lebensstil ihrer Mitglieder in Übereinstimmung mit der Eigenart und dem Geist des betreffenden Instituts. Das heißt, eine Gemeinschaft wird das sein, was die Mitglieder aus ihr machen, sie hat ihre eigenen Forderungen, und schon bevor man sich ihrer als eines MitteIs der Ausbildung bedient, verdient sie, geliebt zu werden und dass ihr gedient werde um dessentwillen, was sie für das Ordensleben bedeutet, so wie die Kirche es sich vorstellt.

Die Grundinspiration bleibt natürlich die christliche Urgemeinde, Frucht des Paschamysteriums des Herrn.[87] Aber wer dieses Ideal anstrebt, muss sich der Anforderungen, die es an ihn stellt, bewusst sein. Ein demütiger Realismus und der Glaube müssen die Bemühungen um die Ausbildung zum brüderlichen Leben beseelen. Die Gemeinschaft kommt nicht zustande und besteht weiter, weil ihre Mitglieder sich aufgrund ihrer Übereinstimmung im Denken, im Charakter oder in ihren Entscheidungen glücklich zusammenfinden, sondern weil der Herr sie zusammengeführt hat und sie durch eine gemeinsame Weihe und eine gemeinsame Sendung in der Kirche zusammenhält. Der vom Oberen ausgeübten besonderen Vermittlung pflichten alle im Glaubensgehorsam bei.[88] Man sollte im übrigen nicht vergessen, dass der österliche Friede und die österliche Freude einer Gemeinschaft immer Frucht des eigenen Todes und des Empfangs der Gabe des Geistes sind.[89]

27. Eine Gemeinschaft ist in dem Maße formativ, in dem sie jedem ihrer Mitglieder in der Treue zum Herrn und dem Charisma des Instituts entsprechend zu wachsen erlaubt.

Daher müssen die Mitglieder miteinander die Gründe für das Bestehen dieser Gemeinschaft und ihre grundlegenden Zielsetzungen geklärt haben, ihre zwischenmenschlichen Beziehungen sollen von Einfachheit und Vertrauen geprägt sein und sich vor allem auf den Glauben und die Liebe gründen. Zu diesem Zweck wird die Gemeinschaft jeden Tag unter dem Wirken des Heiligen Geistes aufgebaut, indem sie sich vom Wort Gottes richten und bekehren, durch die Buße läutern, durch die Eucharistie aufbauen, durch die Feier des liturgischen Jahres stärken lässt. Sie steigert ihre Gemeinschaft durch die hochherzige gegenseitige Unterstützung und durch den ständigen Austausch materieller und geistiger Güter im Geiste der Armut und aufgrund der Freundschaft und des Dialogs. Sie lebt aufs tiefste den Geist des Ordensstifters und die Regel des Instituts. Die Obern werden es als ihren besonderen Auftrag betrachten, diese brüderliche Gemeinschaft in Christus aufzubauen (vgl. can. 619).

Im Bewusstsein seiner Verantwortung innerhalb der Gemeinschaft fühlt sich jeder einzelne angespornt, nicht nur seinetwegen, sondern um des Wohles aller willen zu wachsen.[90] Ordensmänner und Ordensfrauen in der Ausbildung sollen in ihrer Gemeinschaft eine geistliche Atmosphäre, eine Einfachheit des Lebens und einen apostolischen Schwung finden können, die geeignet sind, sie so in die Nachfolge Christi einzuüben, wie es der Radikalität ihrer Weihe entspricht.

Hier sollen die Worte aus der Botschaft Papst Johannes Pauls II. an die Ordensleute von Brasilien in Erinnerung gerufen werden: »Darum ist es gut, dass die jungen Ordensleute während ihrer Ausbildung in formativen Gemeinschaften leben, in denen es nicht an all den Voraussetzungen für eine vollständige Ausbildung fehlt: für die geistliche, intellektuelle, liturgische und pastorale Ausbildung und das Gemeinschaftsleben. Schwerlich werden sie sich alle in kleinen Kommunitäten finden lassen. Wie auch immer es sei, stets ist es notwendig, aus der pädagogischen Erfahrung der Kirche alles das zu schöpfen, was ein Urteil darüber ermöglicht, ob der Prozess der Ausbildung sich in rechter und fruchtbarer Weise in einer Gemeinschaft vollzieht, die den Personen und ihrer Ordensberufung - und in entsprechenden Fällen ihrer Priesterberufung - angemessen ist« (OR dt, 19.9.86, S.8).

28. Hier gilt es auf das Problem hinzuweisen, das sich mit der Eingliederung einer für die Ausbildung des Nachwuchses bestimmten Ordensgemeinschaft in eine arme Umgebung stellt. Kleine Ordenskommunitäten in den Wohngebieten des einfachen Volkes, am Rande der Großstädte oder in den ärmsten Zonen im Landesinnern sind ein bedeutsamer Ausdruck der »bevorzugten Option für die Armen«, denn es genügt nicht, für die Armen zu arbeiten, sondern es geht darum, mit ihnen und, soweit das möglich ist, wie sie zu leben. Diese Forderung muss jedoch der jeweiligen Situation, in der sich der Ordensangehörige selbst befindet, angepasst werden. Als allgemeine Regel sei zunächst gesagt, dass die Anforderungen der Ausbildung Vorrang haben müssen vor gewissen apostolischen Vorteilen der Eingliederung in eine arme Umgebung. So müssen zum Beispiel die Einsamkeit und Stille, die während der gesamten ersten Ausbildung unerlässlich sind, verwirklicht und eingehalten werden können. Andererseits gehören zur Ausbildungszeit, einschließlich des Noviziats, Perioden apostolischer Arbeit, wo diese Dimension des Ordenslebens Ausdruck finden kann, vorausgesetzt, dass diese kleinen Kommunitäten bestimmten Kriterien entsprechen, die sie als echte Ordensgemeinschaften ausweisen: sie müssen die Möglichkeit bieten, ein echtes Ordensleben im Einklang mit den Zielsetzungen des Instituts zu leben; in diesen Gemeinschaften müssen das gemeinschaftliche und persönliche Gebetsleben und folglich Zeiten und Orte der Stille eingehalten werden können; die Anwesenheit dieser Ordensmänner und Ordensfrauen muss vor allem evangelisch motiviert sein; diese Gemeinschaften müssen immer bereit sein, den Forderungen der Oberen des Instituts zu entsprechen; ihre apostolische Arbeit darf nicht in erster Linie einer persönlichen Wahl entsprechen, sondern muss Antwort auf eine Entscheidung des Instituts, im Einklang mit der Diözesanseelsorge sein, für die als erster der Bischof verantwortlich ist.

Schließlich ist noch darauf hinzuweisen, dass in den Kulturen und Ländern, wo die Gastfreundschaft einen besonders hochgeschätzten Wert darstellt, die Ordensgemeinschaft als solche den Gästen gegenüber hinsichtlich der Zeit und Orte ganz über ihre Autonomie und Unabhängigkeit verfügen können muss. Zweifellos ist das gerade in bescheidenen Ordensniederlassungen recht schwer zu verwirklichen, es muss aber berücksichtigt werden, wenn die Gemeinschaft ihren Plan des Gemeinschaftslebens erarbeitet.

DER ORDENSANGEHÖRIGE SELBST VERANTWORTLICH FÜR SEINE AUSBILDUNG

29. Aber die Hauptverantwortung dafür, »ja« zu sagen auf den an ihn ergangenen Anruf und alle Konsequenzen aus dieser Antwort zu ziehen, die nicht so sehr eine verstandesmäßige, sondern eine Antwort auf eine Lebensfrage ist, liegt beim Ordensangehörigen selbst. Der Ruf und das Handeln Gottes sowie seine Liebe sind immer neu, die geschichtlichen Situationen wiederholen sich niemals. Der Gerufene ist daher ständig eingeladen, eine sorgfältige, neue und verantwortliche Antwort zu geben. Sein Weg soll ebenso an den des Gottesvolkes im Buch Exodus erinnern wie an den nur langsamen Fortschritt der Jünger, denen »es schwerfällt, alles zu glauben«,[91] denen aber zuletzt das Herz brennt, als sich der auferstandene Herr ihnen zu erkennen gibt.[92] Damit sei angedeutet, inwieweit die Ausbildung des Ordensangehörigen auf dessen Persönlichkeit zugeschnitten, also individuell sein muss. Man wird nachdrücklich an sein persönliches Gewissen und seine Verantwortung appellieren müssen, damit er die Werte des Ordenslebens und zugleich die ihm von seinem Novizenmeister aufgetragene Lebensregel verinnerlicht. So wird er in sich selbst die Rechtfertigung für seine praktischen Entschlüsse und im Hl. Geist seine entscheidende Kraft finden. Es gilt also ein richtiges Gleichgewicht zu finden zwischen der Gruppenausbildung und der individuellen Ausbildung der einzelnen Person, zwischen der Einhaltung der für jede Ausbildungsphase vorgesehenen Zeiten und deren Anpassung an den Rhythmus des einzelnen.

DIE ERZIEHER ODER AUSBILDER: IN VERSCHIEDENER WEISE FÜR DIE AUSBILDUNG VERANTWORTLICHE OBERE

30. Der Geist des auferstandenen Jesus wird durch eine ganze Reihe kirchlicher Vermittlungen gegenwärtig und tätig. Die gesamte Ordenstradition der Kirche bezeugt die entscheidende Rolle der Erzieher für das Gelingen der Ausbildungsarbeit. Ihre Aufgabe ist es, in der Anfangsphase der Ausbildung die Echtheit des Rufes zum Ordensleben zu unterscheiden und den jungen Ordensleuten zu helfen, ihren persönlichen Dialog mit Gott richtig zu führen, sowie herauszufinden, auf welchen Wegen sie Gott wohl voranbringen will. Ihre Aufgabe ist es auch, den Ordensangehörigen auf den Wegen des Herrn durch ein direktes, regelmäßiges Gespräch zu begleiten,[93] bei voller Respektierung der Zuständigkeit des Beichtvaters und des eigentlichen Spirituals. Eine der wichtigsten Aufgaben der für die Ausbildung Verantwortlichen ist es übrigens, sicherzustellen, dass die Novizen und die jungen Professen tatsachlich von einem Spiritual begleitet werden.

Den jungen Ordensleuten muss entsprechend den Ausbildungsabschnitten, in denen sie sich gerade befinden, auch eine solide, sorgfältig ausgewählte Kost in lehrmäßiger und praktischer Hinsicht geboten werden. Schließlich müssen die Ausbilder schrittweise die Entwicklung derer, für die sie die Verantwortung tragen, im Licht der Früchte des Geistes überprüfen und bewerten und auch beurteilen, ob der Berufene tatsächlich die in einem solchen Augenblick von der Kirche und von dem Ordensinstitut geforderten Fähigkeiten besitzt.

31. Außer einer guten Kenntnis der katholischen Glaubens- und Sittenlehre sind »für alle, die in der Ausbildung Verantwortung tragen, folgende angemessenen Befähigungen erforderlich:

- menschliche Begabungen, wie Intuition und Kontaktfreudigkeit;

- vertiefte Gottes und Gebetserfahrung;

- Weisheit, die vom aufmerksamen und langdauernden Hinhören auf das Wort Gottes herkommt;

- Liebe zur Liturgie und Verständnis für ihre Aufgabe in der geistlichen und kirchlichen Erziehung;

- die notwendige Zuständigkeit im kulturellen Bereich

- Verfügbarkeit an Zeit und gutem Willen, um sich der persönlichen Betreuung der einzelnen Kandidaten zu widmen, und nicht nur der Gruppe«.[94]

Diese Aufgabe erfordert somit innere Ruhe, Verfügbarkeit, Geduld, Verständnis und eine aufrichtige Zuneigung für jene, die der pastoralen Verantwortung des Erziehers anvertraut wurden.

32. Wenn unter der persönlichen Verantwortung des Ausbildungsverantwortlichen eine Ausbildungsgruppe besteht, müssen deren Mitglieder einvernehmlich und im vollen Bewusstsein ihrer gemeinsamen Verantwortung handeln. »Unter der Leitung des Oberen sollen sie eine enge Gemeinschaft in Gesinnung und Tat eingehen und untereinander und mit den Alumnen eine Familie bilden«.[95] Ebenso notwendig sind der Zusammenhalt und die Zusammenarbeit zwischen den Verantwortlichen der verschiedenen Ausbildungsabschnitte. Das Ausbildungswerk als ganzes ist die Frucht der Zusammenarbeit zwischen den Verantwortlichen für die Ausbildung und ihren Alumnen. Auch wenn es stimmt, dass menschlich gesehen der AIumne der Erstverantwortliche dafür ist, so kann diese Verantwortung doch nur innerhalb einer besonderen Tradition, nämlich der des Instituts, ausgeübt werden, deren Zeugen und unmittelbar Beteiligte die für die Ausbildung Verantwortlichen sind.

B) DIE MENSCHLICHE UND CHRISTLICHE DIMENSION DER AUSBILDUNG

33. Das Zweite Vatikanische Konzil hat in seiner Erklärung über die christliche Erziehung die Ziele und die Mittel jeder wahren Erziehung im Dienst der nenschlichen Familie dargelegt. Sie bei der Aufnahme und Ausbildung der Kandidaten für das Ordensleben vor Augen zu haben, ist wichtig, lautet doch die erste Forderung dieser Ausbildung, dass man bei dem Kandidaten einer menschlichen und christlichen Voraussetzung begegnet. Zahlreiche Misserfolge im Ordensleben können tatsächlich nicht wahrgenommenen oder nicht ausgeglichenen Mängeln in diesem Bereich zugeschrieben werden. Nicht nur das Vorhandensein dieser menschlichen und christlichen Grundvoraussetzung soll beim Eintritt in das Ordensleben überprüft werden, sondern es müssen im Verlauf des Ausbildungszyklus die erforderlichen Klarstellungen und Berichtigungen, der Entwicklung der Personen und Ereignisse entsprechend, gewährleistet sein.

34. Die Gesamtausbildung der Person enthält eine physische, moralische, intellektuelle und geistliche Dimension. Ihre Zielsetzungen und Erfordernisse sind bekannt. Das Zweite Vatikanische Konzil legt sie in der Pastoralkonstitution Gaudium et Spes[96] und in der Erklärung über die christliche Erziehung Gravissimum educationis[97] dar. Das Dekret über die Priesterausbildung Optatam totius schlägt Kriterien vor, die eine Beurteilung der für den priesterlichen Dienst nötigen menschlichen Reife der Kandidaten ermöglichen sollen.[98] Angesichts der Natur des Ordenslebens und der Sendung, zu deren Erfüllung in der Kirche der Ordensangehörige berufen ist, lassen sich diese Kriterien unschwer auf die Kandidaten für das Ordensleben anwenden. Das Dekret über die zeitgemäße Erneuerung des Ordenslebens Perfectae caritatis endlich erinnert daran, dass die Ordensweihe in der Taufweihe wurzelt,[99] was implizit die Verfügung enthält, dass zum Noviziat nur Kandidaten zugelassen werden sollen, die bereits in einer ihrem Alter angemessenen Weise alle aus ihrer Taufe erwachsenden Verpflichtungen leben. Und ebenso müssten eine gute Ordensausbildung in allen Lebensabschnitten, besonders in den schwierigeren Perioden, wo man aufgerufen ist, von neuem aus freien Stücken jene Wahl zu treffen, die bereits (in der Taufe) ein für allemal erfolgt ist, das Bekenntnis des Glaubens und die Verpflichtungen aus der Taufe bestätigen.

35. Auch wenn das vorliegende Dokument einen gewissen Nachdruck auf die kulturelle und intellektuelle Dimension der Ausbildung legt, bleibt doch die geistliche Dimension vorranging. »Die Ordensausbildung, die anfängliche wie die fortdauernde, hat auf ihren verschiedenen Stufen als Hauptzweck, die Ordensleute in die Gotteserfahrung einzuführen und ihnen zu helfen, dieselbe fortschreitend in ihrem Leben zu vervollkommnen«.[100]

C) DIE ASKESE

36. »Die Nachfolge Christi führt zur immer bewussteren und konkreteren Teilhabe am Geheimnis seines Leidens und Sterbens und seiner Auferstehung. Das Ostergeheimnis muss als Ursprung des Lebens und Reifens das Herz des Ausbildungsprogrammes sein. In ihm wird der neue Mensch gestaltet, der Ordenschrist und der Apostel«.[101] Das lässt uns auf die unerlässliche Notwendigkeit der Askese in der Ausbildung und im Leben der Ordensleute hinweisen. In einer Welt, die von sexueller Zügellosigkeit, Konsum und Machtmissbrauch aller Art beherrscht wird, braucht es Zeugen des Ostergeheimnisses Christi, dessen erster Abschnitt zwangsläufig über das Kreuz führt. Dieser Durchgang durch das Kreuz ist Anlass dazu, auf das Programm der Gesamtausbildung eine tägliche persönliche Askese zu setzen, die die Kandidaten, Novizen und Professen, zur Übung der Tugenden des Glaubens, der Hoffnung, der Liebe, der Klugheit, der Gerechtigkeit, der Festigkeit und der Enthaltsamkeit hinführt. Dieses Programm ist zeitlos und kann nicht aus der Mode kommen. Es ist immer aktuell und immer notwendig. Ohne es anzunehmen, kann keiner seine Taufe leben und schon gar nicht seinem Ordensberuf treu sein. Es wird um so mehr befolgt werden, wenn es, wie das christliche Leben insgesamt, von der Liebe unseres Herrn Jesus Christus und von der Freude, ihm zu dienen, motiviert wird.

Das christliche Volk braucht außerdem Animatoren, die ihm helfen, den »königlichen Weg des heiligen Kreuzes« zu durchlaufen. Es braucht Zeugen, die auf das verzichten, was der hl. Johannes »die Welt« und »ihre Begierde« nennt, aber auch auf diese vom Schöpfer geschaffene und erhaltene »Welt« und manche ihrer Werte. Das Reich Gottes, dessen »Erhabenheit gegenüber dem Irdischen« der Ordensstand »offenkundig macht«,[102] ist nicht von dieser Welt. Es bedarf der Zeugen, die das aussprechen. Das setzt natürlich im Verlauf der Ausbildung die Reflexion über die christliche Bedeutung der Askese und über die einwandfrei auf Gott gegründeten Überzeugungen sowie seine Beziehungen zu der aus seiner Hand stammenden Welt voraus, denn es geht darum, sich zugleich vor einem kindlich-naturalistischen Optimismus einerseits und einem das Geheimnis Christi, Schöpfers und Erlösers der Welt, vernachlässigenden Pessimismus andererseits zu hüten.

37. Im übrigen ist die Askese, die die Weigerung enthält, unseren Urtrieben und Instinkten freiwillig nachzugeben, nicht zuerst eine spezifisch christliche, sondern eine anthropologische Forderung. Die Psychologen machen darauf aufmerksam, dass vor allem die jungen Menschen zum Aufbau ihrer Persönlichkeit auf Widerstand stoßen müssen (Erzieher, Regelungen usw). Aber das gilt nicht bloß für die Jugendlichen, denn der Aufbau einer Person ist ja niemals zu Ende. Die bei der Ausbildung der Ordensmänner und Ordensfrauen angewandte Pädagogik muss ihnen helfen, sich für ein Unterfangen zu begeistern, das einige Anstrengung erfordert. So wird Gott selbst zum Führer der menschlichen Person, die er geschaffen hat.

38. Die Askese, die fester Bestandteil des Ordenslebens ist, macht eine Einführung in die Stille und Einsamkeit erforderlich; das gilt auch für die Institute mit apostolischer Tätigkeit. »Es wird verlangt, dass man sich auch in diesen Ordensgesellschaften getreu an das ureigene Gesetz des geistlichen Lebens hält, das darin besteht, die Zeiten, die dem Alleinsein mit Gott vorbehalten sind, und die Zeiten für die verschiedenen Tätigkeiten sowie für die sich daraus ergebenden menschlichen Beziehungen richtig aufeinander abzustimmen«.[103] Die freiwillig angenommene Einsamkeit führt zur inneren, geistigen Stille, und diese verlangt die Ruhe in materieller Hinsicht. Die Hausordnung jeder Ordensgemeinschaft, nicht nur der Ausbildungshäuser, muss unbedingt Zeiten und Orte des Alleinsseins und der Stille vorsehen, um das Hören und die Aufnahme des Wortes Gottes ebenso zu fördern wie die geistliche Reifung des einzelnen und eine echte brüderliche Gemeinschaft in Christus.

D) SEXUALITÄT UND AUSBILDUNG

39. Die Generationen von heute sind häufig ganz in einem koedukativ geprägten Milieu aufgewachsen und erzogen worden, ohne dass den Jungen und Mädchen immer dabei geholfen worden wäre, ihren je eigenen Reichtum und ihre Grenzen zu erkennen. Die Kontakte im Apostolat, die größere Zusammenarbeit, die sich erfreulicherweise zwischen den Ordensmännern und den Ordensfrauen herausgebildet hat, wie auch die derzeitigen kulturellen Strömungen machen eine Ausbildung auf diesem Gebiet besonders notwendig. Das gemischte Milieu in der frühen Jugend und die enge und häufige Zusammenarbeit sind ja nicht notwendigerweise ein Garant für Reife in den gegenseitigen Beziehungen. Man wird daher geeignete Maßnahmen zur Förderung und Festigung dieser Reife ergreifen und sie im Hinblick auf die Erziehung zu einer gelebten, vollkommenen Keuschheit bejahen müssen. Außerdem müssen sich Männer und Frauen ihrer spezifischen Situation im Plan Gottes, des eigenständigen Beitrags, den jedes Geschlecht zum Heilswerk leistet, bewusst werden. So wird man den künftigen Ordensleuten die Möglichkeit bieten, über die Stellung der Sexualität im göttlichen Schöpfungs- und Heilsplan nachzudenken.

In diesem Zusammenhang soll man die Gründe dafür darlegen und begreiflich machen, dass jene Männer und Frauen vom Ordensleben ausgeschlossen bleiben müssen, die ihre homosexuellen Neigungen nicht zu beherrschen vermögen oder die einen dritten Weg einzuschlagen gedenken, einen »zweifelhaften Lebensstand zwischen Zölibat und Ehe«.[104]

40. Gott hat keine undifferenzierte Welt geschaffen. Als er den Menschen nach seinem Abbild und Gleichnis (Gen 1,26-27) als vernunftbegabtes und freies Geschöpf schuf, das ihn zu erkennen und zu lieben fähig ist, wollte er nicht, dass dieser Mensch allein bleibe, sondern in Beziehung zu einer anderen menschlichen Person, der Frau, lebe (Gen 2,18). Zwischen den zweien entsteht eine »gegenseitige Beziehung, eine Beziehung des Mannes zur Frau und der Frau zum Mann«.[105] »Die Frau ist ein anderes "Ich" im gemeinsamen Menschsein«.[106] Deshalb »sind Mann und Frau von Anfang an gerufen, nicht nur "nebeneinander" oder "miteinander" zu existieren, sondern sie sind auch dazu berufen, gegenseitig "füreinander" da zu sein«.[107] Man wird unschwer die Bedeutung dieser anthropologischen Prinzipien verstehen, wenn es darum geht, jene Männer und Frauen auszubilden, die aufgrund einer besonderen Gnade das Gelübde der vollkommenen Keuschheit um des Himmelreiches willen abgelegt haben.

41. »Durch eine sorgsame und tiefergehende Untersuchung der anthropologischen Fundierung des Frauseins und des Mannseins muss die personale Identität der Frau in ihrer Beziehung, Verschiedenheit und Komplementarität zum Mann präzisiert werden, und das nicht nur im Hinblick auf die Rollen, die sie übernehmen, und die Aufgaben, die sie erfüllen soll, sondern auch und tiefer noch im Hinblick auf ihre Struktur und auf ihre personale Bedeutung«.[108] Die Geschichte des Ordenslebens gibt Zeugnis davon, dass viele Frauen dort, sei es in der Klausur oder in der Welt, einen idealen Ort für den Dienst an Gott und den Menschen, die günstigen Voraussetzungen für die Entfaltung ihres eigenen Frauseins und infolgedessen ein tieferes Verständnis ihrer Identität gefunden haben. Diese Vertiefung soll noch durch die theologische Reflexion und aufgrund des »Beitrags, den die verschiedenen Humanwissenschaften und Kulturen einbringen können«,[109] weitergeführt werden.

Schließlich sollte man zum besseren Verständnis der besonderen Eigenart des weiblichen Ordenslebens nicht vergessen, dass »die Gestalt der Maria von Nazareth schon allein dadurch die Frau als solche ins Licht stellt, dass sich Gott im erhabenen Geschehen der Menschwerdung seines Sohnes dem freien und tätigen Dienst einer Frau anvertraut hat. Man kann daher sagen, dass die Frau durch den Blick auf Maria dort das Geheimnis entdeckt, wie sie ihr Frausein würdig leben und ihre wahre Entfaltung bewirken kann. Im Licht Mariens erblickt die Kirche auf dem Antlitz der Frau den Glanz einer Schönheit, die die höchsten Gefühle widerspiegelt, deren das menschliche Herz fähig ist: die vorbehaltlose Hingabe der Liebe; eine Kraft, die größte Schmerzen zu ertragen vermag; grenzenlose Treue und unermüdlicher Einsatz; die Fähigkeit, tiefe Einsichten mit Worten des Trostes und der Ermutigung zu verbinden«.[110]

DRITTES KAPITEL: DIE STUFEN DER ORDENSAUSBILDUNG

A) DIE VORBEREITUNGSPHASE ZUM NOVIZIAT

BEGRÜNDUNG

42. Unter den gegenwärtigen Umständen und ganz allgemein kann man sagen, dass die in Renovationis causam aufgestellte Diagnose nichts von ihrer Aktualität verloren hat: »Die meisten Schwierigkeiten, die man heutzutage bei der Ausbildung der Novizen antrifft, kommen daher, dass diese zur Zeit ihrer Zulassung zum Noviziat nicht die erforderliche Reife besaßen«.[111] Sicher verlangt man nicht von einem Kandidaten für das Ordensleben, dass er imstande ist, sogleich sämtliche Verpflichtungen von Ordensleuten zu übernehmen, doch muss er für fähig gehalten werden, schrittweise hineinzuwachsen. Um diese Fähigkeit ermessen zu können, ist es gerechtfertigt, dass man sich Zeit lässt und die erforderlichen Mittel einsetzt, um zu einer Beurteilung zu gelangen. Das ist der Zweck der Vorbereitungsphase vor dem Noviziat, die u.a. als Postulat, Vornoviziat usw. bezeichnet wird. Die Art und Weise ihrer Durchführung obliegt einzig und allein dem Recht der Ordensinstitute, doch »niemand kann ohne entsprechende Vorbereitung aufgenommen werden«.[112]

INHALT

43. Unter Berücksichtigung dessen, was in Nr. 86ff über die Situation der Jugend in der modernen Welt gesagt wird, soll diese Vorbereitungszeit, die zu verlängern man sich nicht scheuen sollte, es sich zur Aufgabe machen, einige Punkte zu überprüfen und klarzustellen, die den Obern die Möglichkeit geben sollen, sich zur Zweckmäßigkeit und zum Zeitpunkt der Zulassung zum Noviziat zu äußern. Man soll darauf achten, diese Zulassung weder übereilt vorzunehmen noch sie unbegründet hinauszuzögern, vorausgesetzt dass man ein zuverlässiges Urteil über die von den Kandidaten gebotene Gewähr abgeben kann.

Die Bedingungen für die Zulassung sind vom allgemeinen Recht festgelegt; Eigenrecht kann ihnen noch andere hinzufügen.[113] Die vom Recht vorgesehenen Punkte sind folgende:

- Der erforderliche Grad der menschlichen und christlichen Reife,[114] damit das Noviziat begonnen werden kann, ohne auf das Niveau einer Grundausbildung oder eines einfachen Katechumenates abzusinken. Es kommt tatsächlich vor, dass sich Kandidaten vorstellen, die überhaupt über keine abgeschlossene (sakramentale, lehrmäßige und moralische) christliche Einführung verfügen und denen es an manchen Elementen eines normalen christlichen Lebens mangelt;

- Die grundlegende Allgemeinbildung, die jener entsprechen muss, die üblicherweise von einem jungen Menschen erwartet werden muss, der eine normale Schulzeit in dem Land abgeschlossen hat. Vor allem müssen die künftigen Novizen mühelos die im Noviziat verwendete Sprache beherrschen. Was diese Grundbildung anbelangt, wird man jedoch die Situation mancher Länder und sozialer Schichten berücksichtigen müssen, wo zwar die Schulbesuchsquote noch verhältnismäßig niedrig ist, aber der Herr dennoch Kandidaten zum Ordensleben beruft. Man wird also gleichzeitig darauf bedacht sein müssen, die Bildung zu fördern und sie nicht einer fremden Kultur anzugleichen. Die männlichen und weiblichen Kandidaten für den Ordensberuf müssen in ihrer eigenen Kultur den Ruf des Herrn wahrnehmen und eigenständig darauf antworten;

- die Ausgewogenheit des Gefühlslebens, vor allem das sexuelle Gleichgewicht, was die Annahme des anderen, Mann oder Frau, in voller Achtung seines Andersseins voraussetzt. Nötigenfalls kann man sich einer psychologischen Untersuchung bedienen, wobei aber das unverletzliche Recht der Person auf Schutz der Intimität gewahrt werden muss;

- die Fähigkeit, in Gemeinschaft unter der Autorität der Oberen in einem solchen Institut zu leben. Von dieser Fähigkeit wird man sich natürlich im Verlauf des Noviziats noch besser überzeugen; aber die Frage muss vorher gestellt werden. Die Kandidaten müssen vor allem wissen, dass es für den, der sein ganzes Leben dem Herrn hingeben will, noch andere Wege gibt, als in ein Ordensinstitut einzutreten.[115]

FORMEN DER VERWIRKLICHUNG

44. Sie können verschiedener Art sein: Aufnahme in eine Kommunität des Instituts, ohne deswegen deren ganzes Leben zu teilen, ausgenommen die Gemeinschaft des Noviziats, von der deshalb abzuraten ist - der Fall der Nonnenklöster wird hiervon nicht berührt; Zeiten der Kontaktnahme mit dem Institut oder einem seiner Vertreter; gemeinsames Leben in einem Haus für Ordenskandidaten usw. Doch darf keine dieser Formen die Vermutung aufkommen lassen, die Betreffenden seien bereits Mitglieder des Instituts. Auf jeden Fall ist die persönliche Begleitung der Kandidaten wichtiger als die Infrastruktur. Einer oder mehrere mit der erforderlichen Eignung ausgestattete Ordensangehörige werden von den Obern für die Begleitung der Kandidaten und die Beurteilung ihrer Berufung bestimmt. Er arbeitet aktiv mit dem Novizenmeister bzw. der Novizenmeisterin zusammen.

B) DAS NOVIZIAT UND DIE ZEITLICHEN GELÜBDE

ZWECK

45. »Das Noviziat, mit dem das Leben im Institut beginnt, ist dazu eingerichtet, dass die Novizen die göttliche Berufung, und zwar jene, die dem Institut eigen ist, besser erkennen, die Lebensweise des Instituts erfahren und mit dessen Geist Sinn und Herz bilden, ferner dass ihre Ansicht und Eignung erwiesen werden«.[116] Angesichts der Vielfalt der Charismen und Institute könnte man den Zweck des Noviziats beschreiben als eine unverkürzte Einführung in jene Lebensform, die der Sohn Gottes annahm und die er uns im Evangelium vorlegt[117] unter dem einen oder anderen Aspekt seines Wirkens oder seines Geheimnisses.[118]

INHALT

46. »Die Novizen sollen zur Vervollkommung der menschlichen und christlichen Tugenden angeleitet werden; sie sollen durch Gebet und Selbstverleugnung auf einen erfüllteren Weg der Vollkommenheit geführt werden; zur Betrachtung des Heilsgeheimnisses und zum Lesen und Meditieren der heiligen Schriften sollen sie angeleitet werden; sie sollen zur Pflege des Gottesdienstes in der heiligen Liturgie vorbereitet werden; die Art und Weise, ein Leben zu führen, das Gott und den Menschen in Christus durch die evangelischen Räte geweiht ist, sollen sie erlernen; über Eigenart und Geist, Zielsetzung und Ordnung, Geschichte und Leben des Instituts sollen sie belehrt sowie mit Liebe zur Kirche und deren geistlichen Hirten erfüllt werden«.[119]

47. Aus diesem allgemeinen Gesetz geht hervor, dass die umfassende Einführung, die das Wesensmerkmal des Noviziats ist, weit über eine bloße Unterweisung hinausgeht. Sie ist:

- Einführung in das tiefe und lebendige Erfahren Christi und seines Vaters. Das setzt ein meditierendes Studium der Heiligen Schrift, die Feier der Liturgie gemäß dem Geist und der Eigenart des Instituts, eine Anleitung zum persönlichen Gebet und seiner Übung sowie die Gewohnheit und Neigung voraus, die großen Vertreter der spirituellen Tradition der Kirche aufzugreifen, ohne sich auf geistliche Lesungen im Zeitgeschmack zu beschränken;

- Einführung, um durch Selbstverleugnung in das Ostergeheinnis Christi einzutreten, vor allem durch Anleitung zur Befolgung der evangelischen Räte, einer mit Freude auf sich genommenen Askese und zur mutigen Annahme des Mysteriums des Kreuzes;

- Einführung in das brüderliche Leben im Sinne des Evangeliums. Tatsächlich wird ja in der Gemeinschaft der Glaube vertieft und wird zur Glaubensgemeinschaft, und die Liebe findet ihre vielfältigen Beweise im konkreten Alltagsleben eben dieser Gemeinschaft;

- Einführung in die Geschichte, in die besondere Sendung und die Spiritualität des Ordensinstituts. Hier gilt für die apostolisch tätigen Institute unter anderen Elementen: »Um die Ausbildung der Novizen zu vervollkommnen, können die Konstitutionen außer der in § 1 vorgesehenen Zeit (d.h. der zwölf Monate, die in der Kommunität des Noviziats durchgeführt werden müssen) einen oder mehrere Zeitabschnitte für die Durchführung eines apostolischen Praktikums außerhalb der Kommunität des Noviziats festsetzen«.[120]

Ziel und Zweck dieser Abschnitte ist es, die Novizen dazu anzuleiten, »in fortschreitendem Maße in ihrem Leben jene Einheit und jenen Zusammenhalt zu verwirklichen, die zwischen der Kontemplation und der apostolischen Tätigkeit bestehen müssen, eine Einheit, die zu den grundlegenden und erstrangigen Werten dieser Ordensgemeinschaften gehört«.[121]

Bei der Festlegung solcher Zeitabschnitte muss beachtet werden, dass die Novizen während der zwölf Monate, die sie in der Kommunität des Noviziats ausgebildet werden, »nicht mit Studien und Arbeiten beschäftigt werden dürfen, die dieser Ausbildung nicht unmittelbar dienlich sind«;[122]

- das Ausbildungsprogramm des Noviziats ist vom Eigenrecht jedes Instituts festzulegen;[123]

- unbedingt abzuraten ist von der Durchführung des Noviziats in einer der Kultur und Sprache des Herkunftslandes der Novizen fremden Umgebung. Besser sind in der Tat kleine Noviziate, vorausgesetzt, dass sie in dieser Kultur verwurzelt sind. Der Hauptgrund dafür ist, dass vermieden werden muss, die Probleme während eines Ausbildungsabschnittes zu vermehren, wo die Person ihr grundlegendes Gleichgewicht finden soll, wo das Verhältnis zwischen den Novizen und dem Novizenmeister unbelastet sein und es ihnen ermöglichen soll, sich gegenseitig auszusprechen, mit allen Nuancen, die zu einem beginnenden intensiven geistlichen Weg gehören. Außerdem birgt die Verlegung in eine andere Kultur zu diesem Zeitpunkt die Gefahr in sich, dass falsche Berufe aufgenommen und möglicherweise falsche Motivierungen nicht erkannt werden.

DIE BERUFLICHE ARBEIT WÄHREND DES NOVIZIATS

48. An dieser Stelle muss die Frage der beruflichen Arbeit in der Zeit des Noviziats erwähnt werden. Aus Motiven, die manchmal durch eine apostolische Gesinnung gerechtfertigt sind, und die sich auch an die Sozialgesetzgebung der betreffenden Länder halten können, ist es in einigen Industrieländern üblich, dass Kandidaten, die einer bezahlten Beschäftigung nachgehen, beim Eintritt in das Noviziat bei ihrem Arbeitgeber lediglich um eine einjährige Freistellung »aus persönlichen Rücksichten« ansuchen. Das bewahrt sie davor, ihren Arbeitsplatz zu verlieren, falls sie in die Welt zurückkehren, und damit vor der Gefahr der Arbeitslosigkeit. Das führt aber mitunter auch dazu, dass diese Kandidaten im zweiten Noviziatsjahr unter dem Deckmantel eines apostolischen Praktikums die berufliche Arbeit wieder aufnehmen.

Dazu ist, wie wir glauben, grundsätzlich Folgendes zu sagen. In Instituten, in denen ein zweijahriges Noviziat vorgesehen ist, sollen die Novizen eine ganztätige Berufsarbeit nur dann ausführen dürfen, wenn folgende Voraussetzungen gegeben sind:

- diese Arbeit muss tatsächlich der apostolischen Zielsetzung des Instituts entsprechen;

- sie darf erst im zweiten Jahr des Noviziats aufgenommen werden;

- sie muss den Vorschriften von can. 648 § 2 entsprechen, d.h. zur Vervollkommnung der Ausbildung der Novizen zum Leben in dem Ordensinstitut beitragen und wirklich eine apostolische Tätigkeit darstellen.

Ähnliches könnte man auch bezüglich eines Vollzeitstudiums während des zweiten Noviziatsjahres sagen.

EINIGE BEDINGUNGEN FÜR DIE DURCHFÜHRUNG

49. Für die Zulassung sollen die kanonisch vorgeschriebenen Bedingungen der Zulässigkeit und Rechtsgültigkeit sowohl der Kandidaten wie der für die Zulassung zuständigen Autorität streng eingehalten werden. Wenn man sich daran hält, vermeidet man bereits für später viele Unannehmlichkeiten.[124] Was die Kandidaten für das Diakonats- und das Priesteramt betrifft, soll man sich schon jetzt im Einzelgespräch vergewissern, dass keine Irregularität vorliegt, die später den Empfang der Weihen beeinträchtigen könnte, wobei als vereinbart gilt, dass die höheren Oberen klerikaler Ordensinstitute päpstlichen Rechtes von den nicht dem Heiligen Stuhl vorbehaltenen Irregularitäten dispensieren können.[125]

Vor der Zulassung eines Weltklerikers zum Noviziat müssen die Oberen dessen eigenen Ordinarius befragen und ihn um die Austellung eines Zeugnisses ersuchen (can. 644 u. 645 § 2).

50. Die für Durchführung des Noviziats notwendigen zeitlichen und räumlichen Gegebenheiten werden irn einzelnen vom Recht dargelegt. Man soll dabei zwar eine gewisse Beweglichkeit bewahren, sich jedoch erinnern, dass die Klugheit zu etwas raten kann, was nicht vom Recht auferlegt ist.[126] Die höheren Oberen und die für die Ausbildung Verantwortlichen wissen, dass die heutige Situation zweifellos stärker als in früheren Zeiten für die Novizen ausreichend stabile Verhältnisse erfordert, die dem steten geistlichen Wachstum einen vertieften und ruhigen Verlauf ermöglichen. Das ist um so wichtiger, als zahlreiche Kandidaten bereits Lebenserfahrungen in der Welt gemacht haben. Die Novizen müssen sich tatsächlich in die praktische Erfahrung des langen Gebets, der Einsamkeit und der Stille einüben. Dabei spielt der Zeitfaktor eine entscheidende Rolle. Sie mögen ein stärkeres Verlangen spüren, sich von der Welt zu »erholen« als in die Welt zu »gehen«, und dieses Verlangen ist nicht nur subjektiv. Deshalb sollen Zeit und Ort des Noviziats so gestaltet sein, dass die Novizen dort ein günstiges Klima für das gründliche Hineinwachsen in das Leben mit Christus vorfinden. Das wird nur erreicht durch Selbstverleugnung, durch den Verzicht auf alles, was in der Welt Gott entgegensteht, und selbst auf »hochzuschätzende Werte« der Welt.[127] Es ist daher ganz und gar davon abzuraten, die Noviziatszeit in solchen Gemeinschaften zu verbringen, die gänzlich in ihre Umgebung integriert sind. Wie bereits gesagt (Nr. 28), muss den Erfordernissen der Ausbildung mehr Rechnung getragen werden als gewissen Vorteilen im Apostolat, die eine Einbindung in eine arme Umgebung mit sich bringen kann.

PÄDAGOGIK

51. Die eintretenden Novizen besitzen nicht alle dasselbe menschliche und christliche Bildungsniveau. Es muss daher jedem einzelnen ganz besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden, um im Gleichschritt mit ihm zu gehen und ihn an den Inhalt und die Pädagogik der für ihn vorgesehenen Ausbildung anzupassen.

DER NOVIZENMEISTER UND SEINE MITARBEITER

52. Die Leitung der Novizen ist, unter der Autorität der höheren Oberen, allein dem Novizenmeister vorbehalten. Er soll von allen anderen Verpflichtungen, die ihn an der vollen Ausübung seiner erzieherischen Aufgabe hindern könnten, befreit werden. Eventuelle Mitarbeiter sind im Hinblick auf das Programm der Ausbildung und die Leitung des Noviziats ihm unterstellt. Zusammen mit ihm haben sie einen wichtigen Anteil bei der Beurteilung und Entscheidung.[128]

In den Noviziaten, wo entweder für den Unterricht oder für die Erteilung des Sakraments der Wiederversöhunung Weltpriester oder andere auswärtige Ordensleute und sogar Laien eingesetzt werden, sollen sie bei voller Wahrung der gegenseitigen Diskretion in engem Zusamenwirken mit dem Novizenmeiter arbeiten.

Der Novizenmeister ist der dazu beauftragte geistliche Begleiter für alle und jeden einzelnen Novizen. Das Noviziat ist der Ort seines Dienstes und folglich der Ort einer dauernden Verfügbarkeit für jene, die ihm anvertraut sind. Er wird seine Aufgabe nur dann mühelos bewältigen können, wenn die Novizen ihm gegenüber freie und vollständige Offenheit an den Tag legen. Doch in den klerikalen Ordensinstituten dürfen weder er noch sein Gehilfe sakramentale Beichten ihrer Novizen hören, außer wenn diese in Einzelfällen von sich aus darum bitten.[129] Schließlich sollen die Novizenmeister daran denken, dass nicht einfach psycho-pädagogische Mittel an die Stelle einer echten geistlichen Begleitung treten können.

53. »Ihrer eigenen Verantwortung bewusst sollen die Novizen so mit dem Novizenmeister aktiv zusammenarbeiten, dass sie der Gnade der göttlichen Berufung treu entsprechen«.[130] »Die Mitglieder des Instituts sollen es sich angelegen sein lassen, bei der Aufgabe der Ausbildung der Novizen für ihren Teil durch ein beispielhaftes Leben und durch Gebet mitzuwirken«.[131]

DIE ORDENSPROFESS

54. Während einer liturgischen Feier nimmt die Kirche in der Person der beauftragten Oberen die Gelübde derer entgegen, die ihre Profess ablegen, und verbindet ihr Opfer mit dem eucharistischen Opfer.[132] Der Ordo professionis[133] gibt das Schema dieser liturgischen Feier an, die zugleich den anerkannten Überlieferungen der Ordensinstitute entsprechen muss. Diese liturgische Handlung bringt das kirchliche Verwurzeltsein der Profess zum Ausdruck. Aus dem auf diese Weise gefeierten Mysterium soll sich ein lebendigeres und tieferes Verständnis der Weihe entwickeln können.

55. Während des Noviziats soll gleichzeitig die Vortrefflichkeit und die Möglichkeit einer immerwährenden Verpflichtung im Dienst des Herrn herausgestellt werden. »Die Qualität eines Menschen - sagt Johannes Paul II. - lässt sich an der Art seiner Bindungen messen. Man darf also, und zwar mit Freude, sagen, dass sich eure Freiheit in freiwilligem Dienst, in liebevoller Knechtschaft an Gott gebunden hat. Und dadurch ist euer Menschsein zur Reife gelangt. "Menschliche Reife", schrieb ich in der Enzyklika Redemptor hominis, "bedeutet den vollen Gebrauch des Geschenkes der Freiheit, das wir vom Schöpfer in dem Augenblick erhalten haben, in dem er den nach seinem Abbild und Gleichnis erschaffenen Menschen ins Dasein gerufen hat. Dieses Geschenk findet seine volle Entfaltung in der vorbehaltlosen Hingabe der eigenen menschlichen Person an Christus im Geist bräutlicher Liebe und mit Christus an alle, zu denen er Männer und Frauen sendet, die ihm durch die evangelischen Räte ganz geweiht sind"«.[134] Man gibt Christus sein Leben nicht »versuchsweise« hin. Im übrigen ergreift ja er die Initiative, um uns dazu aufzufordern. Die Ordensleute bezeugen, dass dies zunächst dank der Treue Gottes möglich ist und dass es frei und glücklich macht, wenn die Hingabe jeden Tag erneuert wird.

56. Die ewigen Gelübde setzen eine lange Vorbereitung und einen ausdauernden Lernprozess voraus. Das rechtfertigt, dass die Kirche ihnen die zeitlichen Gelübde vorausgehen lässt. »Wenn auch die Ablegung dieser ersten Gelübde aufgrund ihrer zeitlichen Begrenzung das Merkmal einer Prüfung an sich trägt, so macht sie den jungen Religiosen, der dieselbe vollzieht, doch der dem Ordensstand eigenen Weihe tatsächlich teilhaftig«.[135] Diese Periode der zeitlichen Gelübde hat daher zum Ziel, die jungen Professen in ihrer Treue zu stärken, unabhängig davon, ob das tägliche Leben »in der Nachfolge Christi« sie mit Genugtuungen zu erfüllen vermag oder nicht. Die liturgische Feier soll sorgfältig die ewige Profess von der zeitlichen Profess unterscheiden; letztere soll »ohne besondere Feierlichkeit« abgehalten werden,[136] während die Ablegung der ewigen Gelübde »mit der vorgeschriebenen Feierlichkeit und der Beteiligung der Ordensleute und des Volkes« verlaufen soll,[137] denn »sie ist das Zeichen der unlöslichen Verbindung Christi mit seiner Braut, der Kirche (vgl. LG 44)«.[138]

57. Alle Verfügungen des Kirchenrechts hinsichtlich der Bedingungen zur Gültigkeit und Dauer der zeitlichen und der ewigen Profess sind sorgfältig zu beobachten.[139]

C) DIE AUSBILDUNG DER ZEITLICHEN PROFESSEN

DIE VORSCHRIFT DER KIRCHE

58. Was die Ausbildung der zeitlichen Professen angeht, schreibt die Kirche vor, dass »in den einzelnen Instituten nach der ersten Profess die Ausbiluung aller Mitglieder zu vervollkommnen ist, damit sie das dem Institut eigene Leben erfüllter führen und dessen Sendung geeigneter ausführen konnen. Daher muss das Eigenrecht die Ordnung dieser Ausbildung und ihre Dauer unter Beachtung der Zeiten festlegen, wie es von Zielsetzung und Eigenart des Instituts gefordert wird«.[140]

»Die Ausbildung soll systematisch, dem Fassungsvermögen der Mitglieder angepasst, sprituell und apostolisch, theoretisch und zugleich praktisch sein, gegebenenfalls mit Erwerb entsprechender kirchlicher wie staatlicher Titel. Während dieser Ausbildungszeit dürfen den Mitgliedern keine Ämter und Aufgaben übertragen werden, die die Ausbildung behindern«.[141]

BEDEUTUNG UND ANFORDERUNGEN DIESES AUSBILDUNGSABSCHNITTES

59. Die erste Profess leitet eine neue Phase der Ausbildung ein, die von der aus der Profess hervorgegangenen Dynamik und Stabilität profitiert. Für die Ordensleute geht es darum, die Früchte der vorausgegangenen Abschnitte zu ernten und durch die mutige Befolgung dessen, zu dem man sich verpflichtet hat, weiter menschlich und geistlich zu wachsen. Den ihnen im vorhergehenden Abschnitt zuteil gewordenen geistlichen Schwung beizubehalten ist um so notwendiger, als in den apostolisch tätigen Instituten der Übergang zu einem offeneren Lebensstil und sehr anspruchsvoIlen Tätigkeiten oft Gefahren der Verunsicherung und Austrocknung mit sich bringt. In den auf die Kontemplation hingeordneten Instituten bestehen diese Gefahren eher in Routine, Ermüdung und geistlicher Trägheit. Jesus hat seine Jünger durch die Krisen, die sie durchmachten, erzogen. Durch die wiederholten Ankündigungen seines Leidens und Sterbens hat er sie darauf vorbereitet, zuverlässigere Jünger zu werden.[142] Die Pädagogik dieses Ausbildungsabschnittes soll daher den jungen Ordensangehörigen wirklich seinen Weg gehen lassen, mit Hilfe seiner ganzen Erfahrung und entsprechend einer Einheit von Lebenssicht und Leben, der Einheit seiner Berufung in eben diesem Augenblick seines Daseins und im Hinblick auf die ewige Profess.

INHALT UND MITTEL DER AUSBILDUNG

60. Dem Institut obliegt die schwere Verantwortung, die Gestaltung und die Dauer dieser Phase der Ausbildung zu planen und dem jungen Ordensangehörigen die für ein wirkliches Wachsen in der Hingabe an den Herrn günstigen Bedingungen bereitzustellen. Es soll ihm zuerst eine starke, formende Kommunität und die Anwesenheit kundiger Erzieher bieten. In diesem Stadium der Ausbildung ist im Gegensatz zu dem, was hinsichtlich des Noviziats gesagt wurde (vgl. Nr. 47, f), eine zahlenmäßig größere, mit den Mitteln für die Ausbildung ausgestattete und gut begleitete Kommunität besser als eine kleine Kommunität ohne wirkliche Ausbilder. So wie während des ganzen Ordenslebens muss sich der Ordensmann und die Ordensfrau darum bemühen, die Bedeutung des Gemeinschaftslebens gemäß der Berufung ihres Institus in der Praxis besser zu verstehen, den Realismus dieses Lebens und die Bedingungen für den Fortschritt darin anzunehmen, die anderen in ihrem Anderssein zu respektieren und sich inmitten der besagten Gemeinschaft verantwortlich zu fühlen. Von den Oberen soll eigens ein Verantwortlicher für die Ausbildung der zeitlichen Professen ernannt werden, der auf dieser Stufe und auf besondere Weise gewissermaßen den Auftrag des Novizenmeisters weiterführt. Diese Ausbildung soll mindestens drei Jahre dauern.

61. Die folgenden Vorschläge für die Studienordnung sollen als Hinweise dienen; sie streben zweifellos hohe Ziele an, besteht doch die Notwendigkeit, Ordensfrauen und Ordensmänner auszubilden, die den Erwartungen und Bedürfnissen der modernen Welt gewachsen sind. Es wird an den Instituten und den Ausbildern liegen, die Anpassungen durchzuführen, wie sie Personen, Zeiten und Orte verlangen. Im Studienplan müssen an erster Stelle die biblische Theologie, Dogmatik, Spiritualität und Pastoral und ganz besonders die lehrmäßige Vertiefung des geweihten Lebens und des Charismas des Instituts stehen. Die Aufstellung dieses Planes und seine Durchführung sollen auf die innere Einheit des Unterrichts und die Harmonisierung der verschiedenen Disziplinen achten. Es sind nicht mehrere Wissenschaften, sondern eine einzige, die die Ordensleute bewusst lernen sollen: die Wissenschaft vom Glauben und vom Evangelium. Deshalb soll eine Anhäufung von verschiedenen Fächern und Kursen vermieden werden. Außerdem soll man aus Sorge um die Achtung der Person die Ordensleute nicht zu früh in eine übermässig kritische Problematik einführen, wenn sie noch nicht den erforderlichen Entwicklungsweg zurückgelegt haben, um ein solches Problem mit ruhiger Gelassenheit angehen zu können.

Es soll für die geeignete Vermittlung einer philosophischen Grundausbildung gesorgt werden, die es den jungen Ordensleuten ermöglicht, sich ein Wissen von Gott und eine christliche Weltanschauung anzueignen in engem Zuammenhang mit den heute anstehenden Fragen, und die die Ubereinstimmung herausstellt, welche im Hinblick auf die Suche nach der einzigen Wahrheit zwischen dem Wissen der Vernunft und dem des Glaubens besteht. Unter diesen Umständen sollen die Ordensleute vor den stets drohenden Versuchungen eines kritischen Rationalismus einerseits und des Pietismus und Fundamentalismus andererseits bewahrt werden.

Für die theologischen Studien sollen ein sinnvoller Studienplan erstellt und die verschiedenen Teile gut gegliedert werden, damit die Rangordnung oder »Hierarchie« der Wahrheiten innerhalb der katholischen Lehre, je nach der verschiedenen Art ihres Zusammenhangs mit dem Fundament des Glaubens, daraus hervorgeht;[143] die Erstellung dieser Studienordnung kann sich, mit entsprechenden Anpassungen, an die Anweisungen halten, die von der Kongregation für das katholische Bildungswesen für die Ausbildung der Priesteramtskandidaten gegeben wurden,[144] wobei darauf zu achten ist, dass nichts vergessen wird, was in der Kirche zu einem guten Verständnis des Glaubens und des christlichen Lebens verhelfen kann: Geschichte, Liturgie, Kirchenrecht usw.

62. Endlich erfordert der Reifungsprozess des Ordensangehörigen in diesem Abschnitt einen apostolischen Einsatz und eine zunehmende Teilnahme an den kirchlichen und sozialen Erfahrungen getreu dem Charisma seines Ordensinstituts und unter Berücksichtigung seiner persönlichen Fähigkeiten und Neigungen. Was diese Erfahrungen betrifft, sollen sich die Ordensfrauen und Ordensmänner daran erinnern, dass sie nicht zuerst Pastoralbeamte sind, dass sie sich nicht mehr im Anfangsstadium der Ausbildung befinden, und dass ihr Einsatz in einem kirchlichen und vor allem sozialen Dienst notwendigerweise Kriterien der Unterscheidung folgt (vgl. Nr. 28).

63. Obwohl die Oberen mit vollem Recht als »geistliche Lehrer in bezug auf den institutseigenen Entwurf vom Leben nach dem Evangelium«[145] bestellt sind, muss den Ordensleuten für ihren inneren, auch nichtsakramentalen Bereich eine Person zur Verfügung stehen, die gewöhnlich als geistlicher Führer oder Berater bezeichnet wird. »Der Tradition der ersten Väter in der Wüste und aller großen Ordensstifter folgend haben die Ordensinstitute jeweils besonders qualifizierte und ausersehene Mitglieder, die ihren Brüdern in diesem Bereich behilflich sein sollen. Ihre Rolle ändert sich je nach dem Abschnitt, in dem sich der Ordensangehörige befindet, aber ihre wesentliche Verantwortung besteht in der Unterscheidung des Wirkens Gottes, in der Führung des Ordensangehörigen auf den göttlichen Wegen und in der Nährung des Lebens durch eine solide Lehre und die Übung des Gebets. Besonders in den ersten Abschnitten wird es notwendig sein, den bereits zurückgelegten Weg zu bewerten«.[146]

Diese Seelenführung, die »nicht durch psychologisch-pädagogische Erfindungen ersetzt werden kann«[147] und für die das Konzil »die geschuldete Freiheit« verlangt,[148] soll daher »durch die Verfügbarkeit zuständiger und befähigter Personen gefördert« werden.[149]

Diese vor allem für diesen Abschnitt der Ausbildung der Ordensleute dargelegten Verfügungen bleiben für ihr ganzes weiteres Leben bestehen. Vor allem in den Ordensgemeinschaften mit einer größeren Mitgliederzahl und besonders in den Kommunitäten, wo zeitliche Professen aufgenommen werden, ist es unerlässlich, dass wenigstens ein Ordensangehöriger offiziell zur geistlichen Begleitung und Beratung seiner Mitbrüder bestellt wird.

64. Einige Institute sehen vor der ewigen Profess eine intensivere Vorbereitungszeit vor, während welcher sich der Ordensangehörige aus den gewohnten Beschäftigungen zurückzieht. Diese Gepflogenheit verdient, dass man sie unterstützt und in weiteren Instituten bekannt macht.

65. Wenn junge Professen wie es das Recht vorsieht, von ihrem Obern oder ihrer Oberin dazu angehalten werden, Spezialkenntnisse zu erwerben,[150] »sollen diese Studien nicht einer falsch verstandenen Selbstverwirklichng dienen, um persönliche Interessen durchzusetzen, sondern den Erfordernissen der apostolischen Zielsetzung der jeweiligen Ordensfamilien und den Notwendigkeiten der Kirche entsprechen«.[151] Die Durchführung dieser Studien und die Vorbereitung auf Diplomprüfungen sollen nach dem Urteil der höheren Oberen und der für die Ausbildung Verantwortlichen auf die übrige für diesen Ausbildungsabschnitt vorgesehene Ordnung richtig abgestimmt sein.

D) DIE STÄNDIGE WEITERBILDUNG DER EWIGEN PROFESSEN

66. »Ihr ganzes Leben hindurch sollen die Ordensleute eifrig ihre spirituelle, theoretische und praktische Ausbildung fortführen; die Oberen aber sollen ihnen hierfür Hilfsmittel und Zeit zur Verfügung stellen«.[152] »Jedes Ordensinstitut hat also die Aufgabe, einen Plan für die angemessene ständige Weiterbildung seiner Mitglieder zu entwerfen und zu verwirklichen. Ein Programm, das nicht nur auf die intelIektuelle Fortbildung abzielt, sondern auf die Formung der ganzen Person, hauptsächlich in ihrer geistlichen Dimension, damit jedes Ordensmitglied seine Weihe an Gott in vollem Maß leben kann, in der besonderen Sendung, die ihm von der Kirche anvertraut ist«.[153]

WARUM STÄNDIGE WEITERBILDUNG?

67. Motiviert wird die ständige Weiterbildung zuerst von dem Ruf Gottes, der immerzu und unter jeweils neuen Umständen jeden einzelnen der Seinen beruft. Das Charisma des Ordenslebens in einem bestimmten Institut ist eine lebendige Gnade, die unter oft ganz neuen Daseinsbedingungen empfangen und gelebt werden will. »Das Charisma der Stifter (ET 11) scheint eine gewisse Erfahrung des Geistes zu sein, die den eigenen Schülern überliefert wurde, damit sie danach leben, sie hüten, vertiefen und ständig weiterentwickeln in der gleichen Weise, wie auch der Leib Christi ständig wächst... Die besondere charismatische Note jedes einzelnen Ordensinstituts verlangt vom Stifter wie von seinen Schülern den ständigen Nachweis der Treue zum Herrn, der Fügsamkeit gegenüber seinem Geist, der klugen Beachtung der Umstände und der Zeichen der Zeit, des Willens zum Gehorsam gegen die Kirche, des Bewusstseins der Unterordnung unter die Hierarchie, des Mutes zu Initiativen, der Beständigkeit der Hingabe und der Demut im Ertragen von Widerständen... In unserer Zeit wird von den Ordensleuten in besonderer Weise eben jene charismatische, lebhafte und erfindungsreiche Originalität erwartet, durch die sich die Stifter auszeichneten...«.[154] Die ständige Weiterbildung verlangt, dass man auf die Zeichen des Geistes in unserer Zeit besonderes Augenmerk legt und dafür empfänglich wird, um eine angemessene Antwort auf sie geben zu können.

Die ständige Weiterbildung ist zudem eine soziologische Größe, die in unseren Tagen sämtliche Berufszweige berührt. Sie ist die häufigste Ursache für das Verbleiben in einem Beruf bzw. für das notgedrungene Umsteigen von einem Beruf in einen anderen.

Während die Anfangsausbildung darauf hingeordnet war, dass sich der Mensch eine hinreichende Selbständigkeit aneignet, um seinen Ordensverpflichtungen getreu zu leben, hilft die ständige Weiterbildung dem Ordensmann und der Ordensfrau, ihre Kreativität in diese Treue einzubringen. Denn die christliche und Ordensberufung verlangt ein dynamisches Wachstum und eine Treue in den konkreten Gegebenheiten des Daseins. Das erfordert eine innerlich einigende geistliche Ausbildung, die aber flexibel ist und wach für die täglichen Begebenheiten des persönlichen Lebens und des Lebens der Welt.

»Christus nachfolgen« heißt, sich immer auf den Weg begeben sich vor Erstarrung und Versteifung hüten, um ein lebendiges und wahres Zeugnis vom Reich Gottes in dieser Welt geben zu können. Man könnte drei wesentliche Gründe für die ständige Weiterbildung u.a. so formulieren:

- der erste ergibt sich aus der Stellung des Ordenslebens innerhalb der Kirche. Es spielt dort eine hochbedeutsame charismatische und eschatologische Rolle, die bei den Ordensfrauen und Ordensmännern eine besondere Aufmerksamkeit für das Leben des Geistes sowohl in der persönlichen Geschichte jedes einzelnen wie in der Hoffnung und Angst der Volker voraussetzt;

- der zweite Grund liegt in den Herausforderungen, die von der Zukunft des christlichen Glaubens in einer sich mit atemberaubender Geschwindigkeit verändernden Welt herrühren;[155]

- der dritte betrifft das Leben der Ordensinstitute selbst und vor allem ihre Zukunft, die zu einem TeiI von der ständigen Weiterbildung ihrer Mitglieder abhängt.

INHALT DER FORTBILDUNG

68. Die ständige Weiterbildung ist ein umfassender Erneuerungsprozess, der sich auf alle Aspekte der Person des Ordensangehörigen und auf das Institut selbst in seiner Gesamtheit erstreckt. Sie muss der Tatsache Rechnung tragen, dass ihre verschiedenen Aspekte im Leben jedes einzelnen Ordensangehörigen jeder Kommunität untrennbar miteinander verbunden sind und sich gegenseitig beeinflussen. Dabei können folgende Gesichtspunkte festgehalten werden:

- das Leben nach dem Geist (die Spiritualität): es muss Vorrang haben, da es eine Vertiefung des Glaubens und des Verständnisses der Ordensprofess einschließt. Die jährlichen geistlichen Übungen (Exerzitien) und Zeiten der Geisteserneuerung in verschiedener Form sollen daher gefördert werden;

- die Teilnahme am Leben der Kirche in Übereinstimmung mit dem Charisma des Instituts und vor allem die Aufarbeitung der Methoden und Inhalte der pastoralen Tätigkeiten in Zusammenarbeit mit den anderen Vertretern der Seelsorge am Ort;

- die studienmäßige und berufliche Fortbildung, welche die Vertiefung des biblischen und theologischen Wissens, das Studium der Dokumente des Lehramtes der Universalkirche und der Teilkirchen, eine bessere Kenntnis der Kulturen der Gegenden, wo man lebt und arbeitet, und gegebenenfalls die berufliche und fachliche Neuqualifizierung umfasst;

- die Treue zum eigenen Charisma durch eine immer bessere Kenntnis des Ordensstifters, der Geschichte des Instituts, seines Geistes, seiner Sendung, und dementsprechend das Bemühen, dieses Charisma persönlich und in Gemeinschaft zu leben.

69. Es kommt vor, dass ein beachtlicher Teil der ständigen Weiterbildung im Rahmen der zwischen den Instituten bestehenden Ausbildungsdienste erfolgt. In diesen Fällen ist darauf hinzuweisen, dass ein Institut nicht die Aufgabe der Fortbildung seiner Mitglieder insgesamt auswärtigen Einrichtungen übertragen darf, da diese Aufgabe in vieler Hinsicht zu sehr an die dem Charisma jedes Instituts eigenen Werte gebunden ist. Jedes Institut muss also entsprechend seinen Bedürfnissen und Möglichkeiten verschiedene Initiativen und Strukturen anregen und organisiert durchführen.

DIE ENTSCHEIDENDEN ABSCHNITTE DER STÄNDIGEN WEITERBILDUNG

70. Diese Abschnitte müssen sehr flexibel verstanden werden. Es empfiehlt sich, sie konkret mit jenen zu verbinden, wie sie die unvorhersehbare Initiative des Heiligen Geistes auszulösen vermag. Für bedeutsame Perioden halten wir im besonderen:

- den Übergang von der Anfangsausbildung zur ersten Erfahrung eines selbständigeren Lebens, wo der Ordensangehörige dazu finden muss, auf neue Art und Weise Gott treu zu sein;

- ungefähr zehn Jahre nach der ewigen Profess, wo sich die Gefahr eines »Gewohnheitslebens« und das Nachlassen jeder Begeisterung einstellt. Jetzt scheint ein längerer Zeitraum geboten zu sein, wo man dem gewohnten Leben gegenüber etwas Abstand nimmt, um es im Lichte des Evangeliums und des Denkens des Ordensstifters »neu zu überdenken«. Diese Zeit der Vertiefung bieten manche Institute ihren Mitgliedern im Terziat an, das manchmal auch »zweites Noviziat« oder »zweite Probezeit« genannt wird. Diese Zeit sollte in einer Kommunität des Instituts verbracht werden;

- die volle Reife bringt nicht selten die Gefahr mit sich, dass sich vor allem bei starken und erfolgreichen Naturen ein Individualismus herausbildet;

- im Augenblick schwerer Krisen, die in jedem Alter unter der Einwirkung äußerer Faktoren (Wechsel der Stelle oder der Arbeit, Misserfolg, Unverständnis, Gefühl, an den Rand gedrängt zu werden, usw.) oder umittelbar persönlicher Faktoren (physische oder psychische Krankheit, geistliche Austrocknung, starke Versuchungen, Glaubenskrise oder Krise des Gefühlslebens oder beides zusammen usw.) auftreten können. Unter diesen Umstanden muss dem Ordensangehörigen geholfen werden, im Glauben einen positiven Ausgang aus der Krise zu finden;

- im Augenblick ihres (altersbedingten) zunehmenden Rückzugs aus dem aktiven Wirken erfahren Ordensmänner und Ordensfrauen in ihrem Dasein am tiefsten das, was Paulus im Zusammenhang mit unserem Auf-dem-Weg-Sein zur Auferstehung beschreibt: »Darum werden wir nicht müde; wenn auch unser äußerer Mensch aufgerieben wird, der innere wird Tag für Tag erneuert«.[156] Selbst Petrus muss sich, nachdem er die unermessliche Aufgabe, die Herde des Herrn zu weiden, erhalten hat, sagen lassen: »Als du noch jung warst, hast du dich selbst gegürtet und konntest gehen, wohin du wolltest. Wenn du aber alt geworden bist, wirst du deine Hände ausstrecken, und ein anderer wird dich gürten und dich führen, wohin du nicht willst«.[157] Der Ordensangehörige kann diese Augenblicke als eine einzigartige Chance erleben, sich von der österlichen Erfahrung des Herrn so durchdringen zu lassen, dass er im Zusammenhang mit einer Entscheidung abzutreten den brennenden Wunsch verspürt zu sterben, um »bei Christus zu sein«: »Christus will ich erkennen und die Macht seiner Auferstehung und die Gemeinschaft mit seinen Leiden; sein Tod soll mich prägen. So hoffe ich, auch zur Auferstehung von den Toten zu gelangen«.[158] Das Ordensleben folgt keiner anderen inneren Bewegung.

71. Die Oberen sollen einen Verantwortlichen für die ständige Weiterbildung in dem Institut bestellen. Aber es ist auch darauf zu achten, dass Ordensmänner und Ordensfrauen, entsprechend der bereits in der Anfangsausbildung angewandten Pädagogik und entsprechend den an die erlangte Reife und die besonderen Umstände des einzelnen angepassten Bestimmungen, ihr ganzes Leben hindurch geistliche Begleiter bzw. Berater zur Verfügung haben sollen.

VIERTES KAPITEL: DIE AUSBILDUNG IN DEN GÄNZLICH AUF DIE KONTEMPLATION HINGEORDNETEN INSTITUTEN, BESONDERS DEN NONNENKLÖSTERN (PC 7)

72. Das in den vorhergehenden Kapiteln Gesagte lässt sich bei entsprechender Achtung ihres Charismas und der ihnen eigenen Tradition und Gesetzgebung auch auf die hier genannten Institute anwenden.

DIE STELLUNG DIESER INSTITUTE IN DER KIRCHE

73. »Die gänzlich auf die Kontemplation hingeordneten Institute, deren Mitglieder in Einsamkeit und Schweigen, anhaltendem Gebet und hochherziger Buße für Gott allein da sind, nehmen - mag die Notwendigkeit zum tätigen Apostolat noch so sehr drängen - im mystischen Leib Christi, dessen 'Glieder nicht alle den gleichen Dienst verrichten' (Röm 12,4), immer eine hervorragende Stelle ein. Sie bringen Gott ein erhabenes Lobopfer dar und schenken dem Volk Gottes durch überreiche Früchte der Heiligkeit Licht, eifern es durch ihr Beispiel an und lassen es in geheimnisvoller apostolischer Fruchtbarkeit wachsen. So sind sie eine Zier der Kirche und verströmen himmlische Gnaden«.[159]

Innerhalb einer Teilkirche »ist ihr beschauliches Leben ihr erstes und grundlegendes Apostolat, weil es nach einem besonderen Plan Gottes ihre eigentümliche und besondere Weise ist, Kirche zu sein, in der Kirche zu leben, die Verbindung mit der Kirche zu verwirklichen, eine Sendung in der Kirche zu erfüllen«.[160]

Unter dem Gesichtspunkt der Ausbildung ihrer Mitglieder und aus den eben angegebenen Gründen verlangen diese Institute ganz besondere Aufmerksamkeit sowohl bei der anfänglichen wie bei der fortdauernden Ausbildung.

DIE BEDEUTUNG DER AUSBILDUNG IN DIESEN INSTITUTEN

74. Das Studium des Wortes Gottes, der Überlieferung der Kirchenväter, der Dokumente des kirchlichen Lehramtes und eine systematische theologische Reflexion sollten an Stätten, wo sich Menschen dafür entschieden haben, ihr ganzes Leben auf das vorrangige, wenn nicht ausschließliche Suchen nach Gott hinzuordnen, nicht geringer geschätzt werden. Diese ganz auf die Kontemplation hingeordneten Ordensmänner und Ordensfrauen erfahren aus der Heiligen Schrift, wie Gott nicht müde wird, sich um sein Geschöpf zu bemühen, um einen Bund mit ihm zu schließen, und wie umgekehrt das ganze Leben des Menschen nur ein ständiges Suchen nach Gott sein kann. Und sie lassen sich selbst geduldig auf dieses Suchen ein. In der Dunkelheit seiner Grenzen macht der Mensch nur tastende Versuche, aber zugleich schenkt ihm Gott die Fähigkeit, sich dafür zu begeistern. Diesen Ordensleuten soll also geholfen werden, dem Geheimnis Gottes näherzukommen, wobei die kritischen Forderungen der menschlichen Vernunft nicht unbeachtet bleiben dürfen. Herausgestellt werden sollen - bei aller Bescheidenheit hinsichtlich des Ausganges eines Suchens, das erst beendet sein wird, wenn wir von Angesicht zu Angesicht Gott sehen, wie er ist - auch die Gewissheiten, welche die Offenbarung über das Geheimnis Gottes, der Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes, anbietet. Die erste Sorge der Mitglieder dieser beschaulichen Orden ist nicht und darf nicht sein, ein umfangreiches Wissen zu erwerben noch akademische Grade zu erlangen. Sie gilt und muss gelten der Stärkung des Glaubens; »Glaube aber ist: Feststehen in dem, was man erhofft, Überzeugtsein von Dingen, die man nicht sieht«.[161] Im Glauben finden sich Grundlage und Anfänge einer echten Konmplation. Gewiss versetzt er den Menschen auf unbekannte Wege: »Abraham zog weg, ohne zu wissen, wohin er kommen würde«,[162] aber er lässt einen standhalten in der Prüfung, als sähe man den Unsichtbaren.[163] Der Glaube überwindet, vertieft und erweitert die Anstrengung des Verstandes, der auf der Suche ist und über das nachsinnt, was ihm jetzt nur wie »in einem Spiegel und rätselhaften Umrissen«[164] zugänglich ist.

EINIGE SCHWERPUNKTE

75. Angesichts der besonderen Eigenart dieser Institute und der genannten Methoden, um diese Eigenart treu zu bewahren, soll ihre Ausbildungsordnung einige Schwerpunkte enthalten, die nach und nach auf den aufeinanderfolgenden Stufen der Ausbildung zu behandeln sind. Zu Beginn ist zu vermerken, dass angesichts der Stabilität der Mitglieder und des Fehlens von Tätigkeiten außerhalb des Klosters der Ausbildungsverlauf bei ihnen weniger intensiv und nicht so formell zu sein braucht. Es soll aber auch darauf hingewiesen werden, dass man im Rahmen der modernen Welt von den Mitgliedern dieser Institute ein menschliches und religiöses Bildungsniveau erwarten muss, das den Erfordernissen unserer Zeit entspricht.

DIE LECTIO DIVINA

76. Mehr als ihre im Apostolat tätigen Brüder und Schwestern verbringen die Mitglieder der gänzlich auf die Kontempaltion hingeordneten Institute täglich einen gut Teil ihrer Zeit mit dem Studium des Wortes Gottes und mit der lectio divina unter den vier Gesichtspunkten von Lesung, Meditation, Gebet und Betrachtung. Unabhängig von den Bezeichnungen, die den verschiedenen geistlichen Traditionen entsprechend dafür verwendet werden, und unabhängig von dem genauen Sinn, den man ihnen gibt, behält jeder dieser Abschnitte seine Notwendigkeit und Originalität. Die lectio divina lebt vom Wort Gottes, findet darin ihren Ausgangspunkt und kehrt zu ihm zurück. Die Ernsthaftigkeit des Bibelstudiums gewährleistet also teilweise die Fülle der lectio. Ob diese lectio den Text der Bibel selbst zum Gegenstand hat, ob es sich um einen liturgischen Text oder um einen großen spirituellen Text der kathoIischen Tradition handelt, es ist ein getreues Echo des Wortes Gottes, das man hören und vielleicht sogar, nach Art der Alten, »murmeln« (leise mitsprechen) soll. Diese Einführung oder Initiation erfordert mutiges Einüben wahrend der anfänglichen Ausbildung, und auf sie stützen sich alle weiteren Stufen.

DIE LITURGIE

77. Die Liturgie, vor allem die Feier der Eucharistie und das Stundengebet oder Brevier, nimmt in diesen Instituten einen erstrangigen Platz ein. Wenn die Alten das Klosterleben gern mit dem Leben der Engel verglichen, dann unter anderem deshalb, weil die Engel »Liturgen« Gottes sind.[165] Die Liturgie, in der sich Himmel und Erde vereinen und die darum gleichsam einen Vorgeschmack der himmlischen Liturgie vermittelt, ist der Höhepunkt, dem die ganze Kirche zustrebt, und zugleich die Quelle, aus der all ihre Kraft strömt. In ihr erschöpft sich nicht das ganze Tun der Kirche, aber sie ist für diejenigen, die sich »einzig und allein der Sache Gottes zuwenden«, der Ort und das bevorzugte Mittel, namens der Kirche in Anbetung, Freude und Danksagung das von Christus vollbrachte Heilswerk zu verherrlichen, an das uns der Ablauf des liturgischen Jahes immer wieder erinnert.[166] Die Liturgie soll daher nicht nur sorgfältig nach den eigenen Traditionen und Riten der verschiedenen Institute gefeiert, sondern auch im Hinblick auf ihre Geschichte, die Vielfalt ihrer Formen und ihre theologische Bedeutung studiert werden.

78. Nach der Tradition einiger dieser Institute erhalten Ordensmänner das Priesteramt und feiern täglich die Eucharistie, obwohl sie nicht für die Ausibung eines Apostolats bestimmt werden. Diese Praxis findet ihre Rechtfertigung, sowohl was das Priesteramt als auch was das Sakrament der Eucharistie trifft. Denn einerseits besteht eine innere Harmonie zwischen der Ordensweihe und der Weihe zum Amt, und es ist legitim, dass diese Ordensmänner zu Priestern geweiht werden, auch wenn sie weder innerhalb noch außerhalb des Klosters ein Amt auszuüben haben. »Die Einheit der Ordensweihe, die eine Hingabe an Gott darstellt, und des priesterlichen Charakters in ein und derselben Person macht diese in besonderer Weise Christus ähnlich, der zugleich Priester und Opfer ist«.[167]

Andererseits ist die Eucharistie, »auch dann, wenn keine Gläubigen dabei sein können, ein Akt Christi und der Kirche«[168] und soll darum als solcher gefeiert werden, denn »die Gründe für die Darbringung des Opfers liegen ja nicht nur auf der Seite der Gläubigen, denen die Sakramente gespendet werden müssen, sondern hauptsächlich auf Seite Gottes, dem in der Konsekration dieses Sakraments ein Opfer dargebracht wird«.[169] Schließlich gilt es auf die Affinität von kontemplativer Berufung und Geheimnis der Eucharistie hinzuweisen. Denn »die wichtigsten Werke des beschaulichen Lebens bestehen in der Feier der göttlichen Mysterien«.[170]

ARBEIT

79. Die Arbeit ist ein allgemeines Gesetz, dem sich Ordensmänner und Ordensfrauen verpflichtet wissen, und es empfiehlt sich, in der Ausbildungsphase ihren Sinn herauszustellen, da sie in dem Fall, mit dem wir uns hier befassen, innerhalb des Klosters ausgeführt wird. Die Arbeit für den Lebensunterhalt ist kein Hindernis für die Vorsehung Gottes, die sich um die kleinsten Einzelheiten unseres Lebens kümmert, sondern sie gehört in seine Pläne. Sie kann als Dienst an der Kommunität angesehen werden, als ein Mittel, dort eine gewisse Verantwortung auszuüben und mit anderen zusammenzuarbeiten. Sie erlaubt die Entwicklung einer bestimmten persönlichen Disziplin und die Ausgewogenheit der inneren Aspekte, die der Tagesplan enthält. In den Systemen der Sozialfürsorge, die nach und nach in verschiedenen Ländern in Kraft treten, lässt die Arbeit auch die Ordensleute an der nationalen Solidarität teilhaben, der sich kein Staatsbürger entziehen darf. Allgemeiner gesagt, die Arbeit ist ein Element der Solidarität mit allen Arbeitern der Welt. Sie entspricht also nicht nur einer wirtschaftlichen und sozialen Notwendigkeit, sondern einer Forderung des Evangeliums.

Niemand in der Kommunität darf sich mit einer bestimmten Arbeit identifizieren, womit er Gefahr liefe, sie zu seinem Eigentum zu machen, aber alle sollen für alle Arbeiten, die von ihnen verlangt werden können, verfügbar sein.

Während der anfänglichen Ausbildung, besonders während des Noviziats, sollte die für die Arbeit bestimmte Zeit nicht die normalerweise für die Studien oder andere direkt mit der Ausbildung in Zusammnhang stehende Tätigkeiten vorgesehene Zeit beeinträchtigen.

ASKESE

80. In den ausschließlich auf die Kontemplation hingeordneten Instituten, wo Ordensmänner und Ordensfrauen vor allem richtig verstehen müssen, dass ihre Ordensweihe trotz der zu ihrer Eigenart gehörenden Forderung nach Rückzug aus der Welt sie »doch auf tiefere Weise in der Liebe Christi« den Menschen und der Welt gegenwärtig macht,[171] nimmt die Askese einen besonderen Platz ein, »Mönch ist, wer von allen getrennt und mit allen vereint ist«.[172] Mit allen vereint, wie er mit Christus vereint ist. Mit allen vereint, weil er in seinem Herzen die Anbetung, die Danksagung, den Lobpreis, die Ängste und das Leiden der Menschen seiner Zeit trägt. Mit allen vereint, weil Gott ihn an einen Ort ruft, wo er dem Manchen seine Geheimnisse offenbart. Die gänzlich der Kontemplation hingegegeben Ordensleute sind nicht nur in der Welt, sondern auch im Herzen der Kirche gegenwärtig. Die Liturgie, die sie feiern, erfüllt eine wesentliche Funktion der kirchlichen Gemeinschaft. Die Liebe, die sie beseelt und die sie sich zu vervollkommnen bemühen, belebt zugleich den ganzen mystischen Leib Christi. In dieser Liebe rühren sie an die erste Quelle alles Seienden -»amor fontalis«- und darum befinden sie sich im Herzen der Welt und der Kirche. »Im Herzen der Kirche, meiner Mutter, werde ich die Liebe sein«.[173] Das ist ihre Berufung und ihre Sendung.

DURCHFÜHRUNG

81. Allgemeine Regel ist, dass der gesamte Zyklus der anfänglichen und der fortdauernden Ausbildung innerhalb des Klosters durchgeführt wird. Das ist für diese Ordensleute der angemessenste Ort, um den Weg der Umkehr, Läuterung und Askese erfüllen und Christus gemäß leben zu können. Diese Forderung hat zugleich den Vorteil, dass sie den Einklang in der Kommunität fördert. Es ist ja in der Tat die ganze Gemeinschaft, und nicht nur einige Personen oder eingeweihte Gruppen, der die Vorteile einer ordentlichen Ausbildung zugute kommen sollen.

82. Wenn ein Kloster, weil es an Lehrern oder an einer ausreichenden Zahl von Bewerbern fehlt, nicht auf sich allein gestellt diese Aufgabe leisten kann, sollen in geeigneter Weise für mehrere Klöster derselben Föderation, desselben Ordens oder der im wesentlichen selben Berufung gemeinsam Lehrangebote (Kurse, Tagungen usw.) in einem der Klöster organisiert werden, und zwar in einer zeitlichen Ordnung, die dem kontemplativen Charakter der beteiligten Klöster entspricht.

Und in allen Fällen, wo die Erfordernisse der Ausbildung Auswirkungen auf die Einhaltung der Klausur haben würden, soll man sich an die geltende Gesetzgebung halten.[174] Man kann für die Ausbildung auch Personen ausserhalb des Klosters und sogar des Ordens in Anspruch nehmen, vorausgesetzt, dass sie auf die besondere Sichtweise der von ihnen zu unterrichtenden Ordensleute eingehen.

83. Der Anschluss von Nonnenklöstern an Institute von Männern gemäß can. 614 kann auch für die Ausbildung der Nonnen vorteilhaft sein. Er gewährleistet die Treue zum Charisma, zum Geist und zu den Traditionen ein und derselben geistlichen Familie.

84. Jedes Kloster soll mittels einer guten, laufend ergänzten Bibliothek und eventuell durch die Möglichkeit von Fernkursen günstige Voraussetzungen für das persönliche Studium und die Lektüre schaffen.

85. Den Mönchsorden und -kongregationen, den Nonnenklöster-Föderationen und den nicht föderierten oder nicht angeschlossenen Klöstern ist es aufgetragen, eine Ausbildungsordnung (ratio) zu erstellen, die unter das Eigenrecht der Institute fällt und die konkrete Anwendungsbestimmungen gemäß can. 650.1, 659 bis 661 enthalten soll.

FÜNFTES KAPITEL: AKTUELLE FRAGEN BEZÜGLICH DER AUSBILDUNG DER ORDENSLEUTE

Im folgenden werden aktuelle Fragen oder Standpunkte zusammengestellt, die sich für manche aus einer kurzen Analyse ergeben und die infolgedessen wahrscheinlich der Erörterung, der Differenzierung und Ergänzung bedürfen. Für andere werden Orientierungen und Prinzipien angegeben, deren konkrete Anwendung nur auf der Ebene der Ortskirchen erfolgen kann.

A) DIE JUNGEN KANDIDATEN FÜR DAS ORDENSLEBEN UND DIE PASTORAL DER BERUFE

86. Die jungen Menschen sind »die Hoffnung der Kirche«,[175] »die Kirche hat der Jugend viel zu sagen, und die Jugend hat der Kirche viel zu sagen«.[176] Auch wenn es erwachsene Kandidaten zum Ordensleben gibt, so stellen die 18 bis 25-jährigen heute doch die Mehrheit dar. In dem Maße, in dem sie von dem erfaßt sind, was man gewöhnlich »die Modernität« nennt, kann man, wie es scheint, ziemlich genau einige gemeinsame Züge ausmachen. Dieser Darstellung sind die Nachwirkungen des abendländischen Modells anzumerken, aber dieses Modell ist dabei, mit seinen Werten und seinen Schwächen Allgemeingut zu werden, und jede Kultur wird daran die Änderungen vornehmen, die ihre eigene Originalität verlangt.

87. »Die Jugendlichen sind für die Werte der Gerechtigkeit, der Gewaltlosigkeit und des Friedens besonders sensibel. Ihr Herz ist offen für Geschwisterlichkeit, Freundschaft und Solidarität. Sie sind aufs höchste motiviert für die Anliegen der Lebensqualität und der Erhaltung der Natur«.[177] Sie sehnen sich im allgemeinen und manchmal glühend nach einer besseren Welt, und es fehlen unter ihnen solche nicht, die sich in politischen, sozialen, kulturellen und karitativen Vereinigungen engagieren, um zur Besserung der Lage der Menschheit beizutragen. Außer wenn sie von typisch totalitären Ideologien fehlgeleitet wurden, sind sie größtenteils leidenschaftliche Befürworter der Befreiung des Menschen im Hinblick auf Rassismus, Unterentwicklung, Kriege und Ungerechtigkeiten. Diese Haltung wird nicht immer von Motiven religiöser, philosophischer und politischer Natur veranlasst - ja, manchmal ist sie weit davon entfernt -, doch man kann ihr nicht die Aufrichtigkeit und das Gewicht der Hochherzigkeit absprechen. Unter ihnen finden sich einige, die von einem tiefen religiösen Gefühl geprägt sind, aber dieses Gefühl muss selbst noch evangelisiert werden. Etliche von ihnen ¾ und das ist keineswegs immer eine Minderheit ¾ haben ein ganz vorbildliches christliches Leben geführt und sich redlich im Apostolat engagiert, wobei sie bereits erfuhren, was »besonders enge Nachfolge Jesu Christi« bedeuten kann.

88. Dabei neigen ihre doktrinellen und ethischen Bezugnahmen dazu, sich so sehr zu relativieren, dass sie nicht immer richtig wissen, ob es feste Bezugspunkte für das Erkennen der Wahrheit über den Menschen, die Welt und die Dinge gibt. Schuld daran ist nicht selten die Armseligkeit oder das Fehlen des Metaphysikunterrichts in den Lehrplänen der Schulen. Unschlüssig zögern sie auszusprechen, wer sie sind, und zu sagen, wozu sie berufen sind. Wenn sie Überzeugungen zur Existenz von Gut und Böse haben, so scheint sich der Sinn dieser Begriffe im Vergleich zu dem, den er für die früheren Generationen hatte, verschoben zu haben. Häufig besteht bei ihnen ein Missverhältnis zwischen dem Stand ihrer mitunter sehr spezialisierten weltlichen Kenntnisse, dem ihres psychologischen Wachstums und dem ihres christlichen Lebens. Angesichts der Krise, von der die Familie als Institution sowohl dort heimgesucht wird, wo die Kultur nicht tief vom Christentum durchdrungen ist, als auch in Kulturen des nachchristlichen Typs, wo sich die Notwendigkeit einer Neu-Evangelisierung als vordringlich erweist, als auch in den längst evangelisierten Kulturen, haben nicht alle in ihren Familien glückliche Erfahrungen kennengelernt. Sie lernen viel mittels Bilder, und die heutige Schulpädgogik fordert bisweilen dieses Medium, doch sie lesen wenig. Es stellt sich heraus, dass ihre Bildung und Kultur gewissermaßen durch ein Fehlen der geschichtlichen Dimension gekennzeichet ist, so als würde unsere Welt erst heute beginnen. Sie bleiben von der Konsumgesellschaft mit den Enttäuschungen, die sie hervorruft, nicht verschont. Nachdem sie manchmal nur mit Mühe ihren Platz in der Welt gefunden haben, lassen sich manche der jungen Leute von Gewalt, Drogen und Erotik verführen. Immer häufiger sind unter den Kandidaten zum Ordensleben Jugendliche zu finden, die gerade in diesem letzten Bereich unglückliche Erfahrungen gemacht haben.

89. Es bedrängen uns also die Probleme, die von der Fülle und Vielschichtigkeit dieses menschlichen Gefüges der Pastoral der Berufe sowie der Ausbildung gestellt werden. Hier geht es um die Unterscheidung der Berufe. Vor allem in bestimmten Ländern wird es immer wieder vorkommen, dass sich Kandidaten und Kandidatinnen deshalb zum Ordensleben melden, weil sie mehr oder weniger bewusst eine Förderung in sozialer Hinsicht und eine Sicherheit für die Zukunft suchen; für andere wird sich das Ordensleben als der ideale Ort eines ideologischen Einsatzes für die Gerechtigkeit anbieten. Wieder andere, die mehr konservativ eingestellt sind, werden vom Ordensleben erwarten, dass es ihnen zum Ort der Rettung ihres Glaubens in einer weitgehend als feindlich und korrupt angesehenen Welt werde. Diese Motivationen stellen gleichsam die Kehrseite einer Anzahl von Werten dar, sie bedürfen allerdings der Klärung und Berichtigung. In den so genannten entwickelten Ländern soll wohl auf der Grundlage von Entsagung, bleibender Treue, friedliebender und gleichbleibender Hochherzigkeit, echter Freude und Liebe vor allem das menschliche und geistliche Gleichgewicht gefördert werden. Hier haben wir ein anspruchsvolles, aber notwendiges Programm für die mit der Pastoral der Berufe und mit der Ausbildung beauftragten Ordensmänner und Ordensfrauen.

B) DIE AUSBILDUNG DER ORDENSLEUTE UND DIE KULTUR

90. »Unter dem Allgemeinbegriff Kultur kann man, wie die Pastoralkonstitution Gaudium et spes (Nr. 53 u. 62) vorschlägt, die Gesamtheit der persönlichen und sozialen Anlagen zusammenfassen, die den Menschen kennzeichnen und es ihm ermöglichen, seine Situation und sein Schicksal anzunehmen und zu meistern«.[178] Man kann deshalb sagen, »Kultur ist das, wodurch der Mensch als solcher mehr Mensch wird«, und sie »steht immer in wesentlicher und notwendiger Beziehung zu dem, was der Mensch ist«.[179] Andererseits »steht das Gelöbnis der evangelischen Räte, wenn es auch den Verzicht auf hoch zu schätzende Werte mit sich bringt, dennoch der wahren Entfaltung der menschlichen Person nicht entgegen, sondern fördert sie aus ihrem Wesen heraus aufs höchste«.[180]

91. Diese Affinität lenkt unsere Aufmerksamkeit konkret auf einige Punkte. Jesus Christus und sein Evangelium gehen über jede Kultur hinaus, selbst dann, wenn die Präsenz des auferstandenen Christus und seines Geistes sie alle von innen her durchdringt.[181] Andererseits muss jede Kultur evangelisiert, d.h. von den Wunden der Sünde gereinigt und geheilt werden. Zugleich wird die Weisheit, die sie in sich trägt, von der Weisheit des Kreuzes überragt, vertieft und vollendet.[182] Man sollte also überall auf der Welt:

- für die AllgemeinbiIdung der Kandidaten sorgen, ohne zu vergessen, dass sich Kultur nicht auf die intellektuelle Dimension der Person beschränkt;

- feststellen, wie die Ordensmänner und Ordensfrauen ihren eigenen Glauben in ihre ursprüngliche Kultur inkulturieren, und ihnen dabei helfen. Das darf natürlich nicht dazu führen, dass die Ausbildungshäuser der Orden in eine Art Inkulturationslaboratorien verwandelt werden. Aber die für die Ausbildung Verantwortlichen dürfen es nicht versäumen, bei der persönlichen Begleitung ihrer Alumnen darauf zu achten. Da es um ihre persönliche Glaubenserziehung und die Einpflanzung dieses Glaubens in das Leben der ganzen Person geht, durfen sie nicht vergessen, dass das Evangelium in einer Kultur die letzte Wahrheit der Werte, die sie in sich trägt, freisetzt und dass andererseits die Kultur das Evangelium auf eigenständige Weise zum Ausdruck bringt und neue Aspekte darin offenkundig macht;[183]

- die Ordensmänner und Ordensfrauen, die in einer ihrer Herkunft nach fremden Kultur leben und arbeiten, in die Kenntnis und Wertschätzung dieser Kultur einführen, wie es in dem Konzilsdekret Ad gentes, Nr. 22, empfohlen wird;

- entsprechend dem Dekret Ad gentes, Nr. 18, in den jungen Kirchen in Gemeinschaft mit der ganzen Ortskirche und unter der Führung ihres Bischofs ein inkulturiertes Ordensleben fördern.

C) ORDENSLEBEN UND KIRCHLICHE BEWEGUNGEN

92. »In der Kirche als communio sind die Lebensstände derart aufeinander bezogen, dass sie aufeinander ausgerichtet sind. Der tiefste Sinn der verschiedenen Lebensstände ist nur einer und allen gemeinsam: Ihnen allen ist aufgegeben, eine Modalität darzustellen, nach der die gleiche christliche Würde und die Berufung zur Heiligkeit in der Vollkommenheit der Liebe gelebt werden. Diese Modalitäten sind zugleich verschieden und komplementär. So hat jede von ihnen eigene und unverwechselbare Züge und steht doch in Beziehung zu den anderen und in ihrem Dienst«.[184] Das bestätigen die zahlreichen heutigen Erfahrungen nicht nur mit Arbeits-, sondern bisveilen auch mit Gebets- und Lebensgemeinschaften zwischen Ordensleuten und Laien. Unser Vorschlag will hier nicht eine Gesamtstudie über diese neue Situation eröffnen, sondern nur die Beziehungen zwischen Ordensleuten und Laien unter dem Gesichtspunkt der kirchlichen Bewegungen, die größtenteils auf die Initiative von Laien zurückgehen, ins Auge fassen.

Schon immer sind im Volk Gottes kirchliche Bewegungen aufgetreten, die von dem Verlangen beseelt waren, intensiver nach dem Evangelium zu leben und es den Menschen zu verkündigen. Manche dieser Bewegungen waren sehr eng mit Ordensinstituten verbunden, deren spezifische Spiritualität sie teilten. In unseren Tagen - und das schon seit einigen Jahrzehnten - sind neue Bewegungen auf den Plan getreten, die von den Strukturen und dem Stil des Ordenslebens unabhängiger als die früheren sind und an deren für die Kirche günstigen Einfluaa auf der Bischofssynode über die Berufung und Sendung der Laien (1987) wiederholt erinnert wurde; Voraussetzung dafür ist, dass sie eine Reihe von Kriterien der Kirchlichkeit einhalten.[185]

93. Um zwischen diesen Bewegungen und den Ordensinstituten einen guten Einklang herzustellen und zu bewahren - und das um so mehr, als da oder dort zahlreiche Ordensberufe aus diesen Bewegungen hervorgegangen sind -, gilt es, über die folgenden Forderungen und über die konkreten Konsequenzen, die sie für die Mitglieder dieser Institute nach sich ziehen, nachzudenken.

- Ein Institut, so wie es der Stifter gewollt und wie es die Kirche anerkannt hat, besitzt eine innere Kohärenz, die ihm aus seiner Natur, seiner Zielsetzung, seinem Geist, seiner Anlage und seinen Überlieferungen erwächst. Dieses ganze Erbgut stellt die Grundpfeiler sowohl für die Identität und die Einheit des Instituts selbst[186] als auch für die Einheit des Lebens jedes seiner Mitglieder dar. Es ist ein Geschenk des Geistes an die Kirche, das keinerlei Einmischung, Überlagerung oder Trübung erfahren darf. Der Dialog und die Teilnahme innerhalb der Kirche setzen voraus, dass sich jeder dessen bewusst ist.

Ein Kandidat für das Ordensleben, der aus der einen oder anderen dieser kirchlichen Bewegungen kommt, stellt sich beim Eintritt in das Noviziat aus freien Stücken unter die Autorität der Oberen und der legitim mit seiner Ausbildung beauftragten Erzieher. Er kann also nicht gleichzeitig von einem Verantwortlichen außerhalb des Instituts, dem er nunmehr angehört, abhängig sein, auch wenn er vor seinem Eintritt dieser Bewegung angehört hat. Andernfalls steht die Einheit des Instituts und die Einheit des Lebens der Novizen hier auf dem Spiel. Diese Forderungen bleiben über die Ordensweihe hinaus bestehen, um jede Form von »Mehrfachzugehörigkeit« sowohl hinsichtlich des persönlichen geistlichen Lebens des Ordensangehörigen wie hinsichtlich seiner Sendung vorzubeugen. Sollten diese Forderungen nicht respektiert werden, bestünde die Gefahr, dass der notwendige Einklang zwischen Ordensleuten und Laien auf den beiden soeben genannten Ebenen in Verwirrung ausarten wurde.

D) DAS BISCHOFSAMT UND DAS ORDENSLEBEN

94. Seit der Veröffentlichung des Dokumentes Mutuae relationes und seitdem Papst Johannes Paul II. bei mehreren Anlässen den nachhaltigen Einfluaa der Hirtenaufgabe der Bischöfe auf das Ordensleben unterstrichen hat, ist diese Frage hochaktuell. Der Dienst des Bischofs und eines Ordensobern konkurrieren nicht. Es gibt in den Instituten sicher eine innere Ordnung, die ihre eigene Zuständigkeit hat im Bereich des Unterhalts und des Wachstums des Ordenslebens. Diese Ordnung erfreut sich einer wirklichen Autonomie, die jedoch notwendigerweise im Rahmen einer organischen kirchlichen Gemeinschaft ausgeübt wird.[187]

95. »Den einzelnen Instituten wird eine gebührende Autonomie ihres Lebens, insbesondere ihrer Leitung, zuerkannt, kraft derer sie in der Kirche ihre eigene Ordnung haben und ihr Erbgut im Sinne des can. 578 unversehrt bewahren können. Diese Autonomie zu wahren und zu schützen, ist Sache der Ortsordinarien«.[188]

Im Rahmen dieser Autonomie »muss das Eigenrecht (der Institute) die Ordnung der Ausbildung und ihre Dauer unter Beachtung der Erfordernisse der Kirche und der Verhältnisse der Menschen und der Zeiten festlegen, wie es von Zielsetzung und Eigenart des Instituts gefordert wird«.[189]

»Was die Pflicht zu lehren betrifft, so haben die Ordensobern die Kompetenz und die Autorität von Lehrern des Geistes in bezug auf den institutseigenen Entwurf vom Leben nach dem Evangelium. Sie müssen hier eine wirkliche geistliche Leitung wahrnehmen, für das Gesamtinstitut und seine einzelnen Kommunitäten, und zwar in aufrichtiger Übereinstimmung mit dem authentischen Lehramt der Hierarchie«.[190]

96. Andererseits haben die Bischofe als »rechtmäßige Lehrer« und »Zeugen der göttlichen und katholischen Wahrheit«[191] eine »Verantwortung bezüglich der Glaubensunterweisung sowohl in den Studienzentren als auch in den anderen Möglichkeiten der Glaubensvermittlung«.[192]

»Den Bischöfen als den rechtmäßigen Lehrern und den Führern zur Vollkommenheit für alle Mitglieder ihrer Diözese (vgl. CD 12, 15,35.2: LG 25,45) obliegt es auch, die Treue zum Ordensberuf, im Geiste jedes Instituts, zu schützen«,[193] im Sinne der Normen des Kirchenrechts (vgl. can. 386, 387, 591, 593, 678).

97. Das steht keineswegs der Autonomie des Lebens und besonders der Autonomie der den Ordensinstituten zuerkannten Leitung entgegen. Wenn der Bischof durch die Respektierung dieser Autonomie in der Ausübung seiner Jurisdiktion eingeschränkt ist, entbindet ihn das deswegen nicht davon, über den Weg der Ordensleute zur Heiligkeit zu wachen. In der Tat obliegt es einem Nachfolger der Apostel als Diener des Wortes Gottes, die Christen im allgemeinen zur Nachfolge Christi aufzurufen, und ganz besonders jene, die die Gnade der Berufung zu einer »besonders engen Nachfolge« (can. 573,1) empfangen haben. Das Institut, dem diese Letzteren angehören, stellt schon in sich und für sie eine Schule der Vollkommenheit und einen Weg zur Heiligkeit dar, aber das Ordensleben, das es anbietet, ist ein Gut der Kirche und untersteht als solches der Verantwortung des Bischofs. Die Beziehung des Bischofs zu den Ordensleuten, allgemein verstanden auf Apostolatsebene, ist tief verwurzelt in seiner Aufgabe als Diener des Evangliums, im Dienst der Heiligkeit der Kirche und der Unversehrtheit ihres Glaubens. In diesem Geist und aufgrund dieser Prinzipien ist es angebracht, dass die Bischöfe der Ortskirchen von den höheren Obern über die Ausbildungsordnungen, die in den auf dem Gebiet ihrer Diözesen gelegenen Zentren oder Abteilungen zur Ausbildung der Ordensleute in Geltung sind, zumindest informiert werden. Jede Schwierigkeit, was die bischöfliche Verantwortung und das Funktioneren dieser Abteilungen oder Zentren betrifft, soll zwischen Bischöfen und höheren Obern im Sinne der Richtlinien von Mutuae relationes (Nr. 24-35) und eventuell mit Hilfe von Koordinierungsorganen, auf die in demselben Dokument hingewiesen wird (MR 52-67), geprüft werden.

E) DIE GEGENSEITIGE ZUSAMMENARBEIT DER INSTITUTE AUF DEM GEBIET DER AUSBILDUNG

98. Die Hauptverantwortung für die Ausbildung der Ordensleute liegt zu Recht bei jedem einzelnen Institut, und die höheren Obern der Institute haben die wichtige Aufgabe, mit Hilfe ihrer qualifizierten Verantwortlichen darüber zu wachen. Jedes Institut muss im übrigen nach dem Eigenrecht seine Ausbildungsordnung (ratio) festlegen.[194] Doch eine Reihe von Umständen haben zahlreiche Institute auf allen Kontinenten veranlasst, ihre Ausbildungsmaßnahmen zusammenzulegen (Personal und Einrichtungen), um in diesem so wichtigen Werk zusammenzuarbeiten, das sie völlig auf sich aIlein gestellt nicht mehr zu vollbringen vermögen.

99. Diese Zusammenarbeit erfolgt mittels ständiger Zentren oder periodischer Angebote. Unter einem »inter-institutionellen« Zentrum versteht man ein Studienzentrum für Ordensleute unter der gemeinsamen Verantwortung der höheren Obern der Institute, deren Mitglieder an diesem Zentrum teilnehmen. Ziel eines solchen Zentrums ist die Sicherstellung der theoretischen und praktischen Ausbildung, die von der je eigenen Sendung der Institute und ihrer Natur entsprechend verlangt wird. Es unterscheidet sich von der Ausbildungskommunität, die zu jedem Institut gehört und in welcher der Novize und der junge Ordensangehörige in das kommunitäre, geistliche und pastorale Leben des Instituts eingeführt werden. Wenn sich ein Institut an einem »inter-institutionellen« Zentrum beteiligt, muss im Hinblick auf eine harmonische und vollständige Ausbildung auf eine gegenseitige Ergänzung zwischen der Ausbildungskommunität und dem Zentrum hingearbeitet werden. Die Ausbildungszentren innerhalb einer Föderation unterliegen den Normen in den Statuten der Föderation und sind hier nicht betroffen. Dasselbe gilt von Studienzentren oder -abteilungen, die der Verantwortung eines einzigen Instituts unterstehen, die aber Ordensmänner bzw. Ordensfrauen anderer Institute als Gäste aufnehmen.

100. Die Zusammenarbeit der Institute bei der Ausbildung der jungen Professen, bei der Fortbildung und bei der Schulung der Ausbilder kann im Rahmen eines Zentrums erfolgen. Die Ausbildung der Novizen hingegen kann nur in Form periodischer Angebote erfolgen, denn die eigentIiche Kommunität des Noviziats kann nur eine jedem Institut eigene homogene Gemeinschaft sein.

Unser Dikasterium beabsichtigt, diesbezüglich ein ausführIiches, normatives Dokument über die Durchfuhrung der Zusammenarbeit zwischen den Ordensinstituten im Bereich der Ausbildung zu veröffentlichen.

SECHSTES KAPITEL: DIE ORDENSLEUTE ALS KANDIDATEN FÜR DAS PRIESTERAMT UND DAS AMT DES DIAKONS

101. Die von diesen Ordensleuten aufgeworfenen Probleme müssen angesichts ihres besonderen Charakters eigens dargelegt werden. Es gibt drei Problemgruppen. Die einen betreffen die Ausbildung zu den Ämtern als solche; andere die religiöse Eigenart der Ordenspriester und Ordensdiakone; die dritte Gruppe endlich die Eingliederung des Ordenspriesters in das Presbyterium der Diözese.

DIE AUSBILDUNG

102. In einigen Instituten, die von ihrem Eigenrecht als Klerikerorden beschrieben werden, entschließt man sich mitunter, den Laienbrüdern und den Kandidaten für die geweihten Ämter dieselbe Ausbildung zu erteilen. Auf der Stufe des Noviziats scheint vom besonderen Charisma des Instituts eine gemeinsame Ausbildung für beide manchmal sogar gefordert zu sein. Daraus ergeben sich günstige Konsequenzen für das Niveau und die Vollständigkeit der Iehrmäßigen Ausbildung der Laienbrüder und für ihre Eingliederung in die Gemeinschaft. Aber in allen Fällen müssen vor allem die Dauer und der Inhalt des Vorbereitungsstudiums auf das Priesteramt streng eingehalten und befolgt werden.

103. »Die Ausbildung der Mitglieder, die sich auf den Empfang der heiligen Weihen vorbereiten, richtet sich nach dem allgemeinen Recht und nach der eigenen Studienordnung des Instituts«.[195] Folglich müssen sich die Ordensmänner, die Kandidaten für das Priesteramt sind, an die Normen von Ratio fundamentalis institutionis sacerdotalis,[196] und die Kandidaten für das Diakonatsamt an die vom Eigenrecht der Institute dafür vorgesehenen Bestimmungen halten. Man braucht hier nicht diese ganze Studienordnung (»Ratio«) noch einmal aufzugreifen, deren Hauptpunke ja im Kirchenrecht stehen.[197] Es sei nur an einige Abschnitte des Ausbildungsverlaufes erinnert, damit sie von den höheren Obern beobachtet werden.

104. Das Studium der Philosophie und der Theologie, das hintereinander oder zusammen durchgeführt werden kann, soll mindestens sechs volle Jahre umfassen, und zwar sollen zwei ganze Jahre den philosophischen Fächern und vier ganze Jahre den theologischen Studien gewidmet sein. Die höheren Obern sollen über die Einhaltung dieser Bestimmungen wachen, besonders dann, wenn sie ihre jungen Ordensmänner »inter-institutionellen« Zentren oder Universitäten anvertrauen.

105. Obwohl die gesamte Ausbildung der Priesteramtskandidaten ein pastorales Ziel verfolgt, soll es eine der Zielsetzung des Instituts angepasste eigentliche pastorale Ausbildung geben. Das Programm dieser Ausbildung soll sich nach dem Dekret Optatum totius und für die Ausbildung der zur Arbeit in fremde Kulturen berufenen Ordensmänner nach dem Dekret Ad Gentes richten.[198]

106. Die der Kontemplation hingegeben Ordenspriester, Mönche oder andere, die von ihren Obern angewiesen werden, sich Gästen für den Dienst der Wiederversöhnung oder des geistlichen Rates zur Verfügung zu haIten, sollen mit einer diesem Dienst angemessenen pastoralen Ausbildung ausgestattet werden. Sie sollen sich gleichfalls an die pastoralen Weisungen der Ortskirche halten, in der sie sich befinden.

107. Alle kirchenrechtlichen Anforderungen an die Weihebewerber und ihre Person sollen unter Berücksichtigung der dem Ordensstand eigenen Natur und seiner Verpflichtungen beachtet werden.[199]

DIE RELIGIÖSE EIGENART DER ORDENSPRIESTER UND ORDENSDIAKONE

108. »Ein Ordenspriester, der sich an der Seite von Weltpriestern der Seelsorge widmet, sollte durch sein Verhalten klar zu erkennen geben, dass er Ordensmann ist«.[200] Damit beim Ordenspriester und Ordensdiakon immer sichtbar zutage tritt, »was für das Ordensleben und die Ordensleute kennzeichnend ist und ihnen ein Gesicht verleiht«,[201] müssen wohl einige Bedingungen erfüllt sein, hinsichtlich welcher sich Ordensleute, Priester- und Diakonatsamtskandidaten, wahrend ihrer anfänglichen Ausbildung und im Verlauf ihrer ständigen Weiterbildung ratsamerweise prüfen sollten:

- dass sie eine klare Vorstellung und gefestigte Überzeugungen von der Natur des Priester- bzw. des Diakonatsamtes, das zu ihrer Heiligkeit und ihrem Leben gehört, besitzen,[202] aber dabei an dem Prinzip festhalten, dass ihr pastoraler Dienst Teil der Natur ihres Ordenslebens ist;[203]

- dass sie für ihr geistliches Leben die Quellen des Instituts, dessen Mitglieder sie sind, studieren und in ihnen das Geschenk empfangen, das dieses Institut für die Kirche darstellt;

- dass sie von einer persönlichen geistlichen Erfahrung Zeugnis geben, die sich am Zeugnis und an der Lehre des Stifters inspiriert;

- dass sie ihr Leben nach der Lebensregel führen, zu deren Einhaltung sie sich verpflichtet haben;

- dass sie dem Recht gemäß in Gemeinschaft leben;

- dass sie verfügbar und beweglich für den Dienst der Gesamtkirche sind, wenn die Obern des Instituts sie damit beauftragen.

Wenn diese Bedingungen beachtet werden, wird der Ordenspriester oder Ordensdiakon die beiden Dimensionen seiner einen Berufung gut miteinander in Einklang bringen können.

DER PLATZ DES ORDENSPRIESTERS IM PRESBYTERIUM DER DIÖZESE

109. Die Ausbildung des Ordenspriesters muss seiner späteren Eingliederung in das Presbyterium einer Ortskirche Rechnung tragen, dabei jedoch die Eigenart jedes Instituts berücksichtigen.[204] Denn »die Teilkirche ist der geschichtliche Raum, in dem eine Berufung sich wirklich ausdrückt und apostolisch wirkt«;[205] die Ordenspriester können sie mit Recht als »die Heimat der eigenen Berufung« betrachten.[206]

Die Prinzipien, die diese Eingliederung bestimmen sollen, sind im Konzilsdekret Christus Dominus (Nr. 34-35) dargelegt. Die Ordenspriester sind »Mitarbeiter des Bischofstandes«, »man muss sie in einem wahren Sinne als zum Klerus der Diözese gehörend betrachten, insofern sie unter der Autorität der geweihten Oberhirten Anteil an der Seelsorge und an den Werken des Apostolats haben«.[207]

Das Dokument Mutae relationes (Nr. 15-23) hebt, was diese Eingliederung betrifft, den wechselseitigen Einfluaa zwischen den universellen und partikulären Werten hervor. Wenn von den Ordensleuten verlangt wird, »sich, auch wenn sie einem Ordensinstitut päpstlichen Rechts angehören, als wirkliche Mitglieder der Diözesanfamilie zu betrachten«,[208] so gesteht das Kirchenrecht ihnen doch eine angemessene Autonomie zu[209] unter der Voraussetzung, dass ihr universeller und missionarischer Charakter gewahrt bleibt.[210] Für gewöhnlich wird die Situation eines Ordenspriesters oder Ordensinstitutes, dem der Bischof einen Auftrag oder eine pastorale Arbeit in seiner Kirche anvertraut hat,[211] durch schriftliche Übereinkunft zwischen dem Bischof und dem zuständigen Obern des Istituts oder des betreffenden Ordensmitgliedes geregelt. Gleiches gilt unter denselben Umständen für einen Ordens-Diakon.

SCHLUSS

110. Dieses Dokument wollte den bereits gewonnenen Erfahrungen nach dem Konzil Rechnung tragen und zugleich von den höheren Obern aufgeworfene Fragen weitergeben. Es ruft allen einige Forderungen des Rechts in bezug auf die gegenwärtigen Verhältnisse und Bedürfnisse in Erinnerung. Nicht zuletzt hofft es, den Ordensinstituten von Nutzen zu sein, damit alle in der kirchlichen Gemeinschaft voranschreiten, unter der Führung des Papstes und der Bischöfe, denen »das Amt zukommt, zu unterscheiden und zu steuern, das Amt, das gleichzeitig die Fülle besonderer Gaben des Geistes und das eigene Charisma der Lenkung der verschiedenen Dienste in tiefster Fügsamkeit gegenüber dem einzigen lebenspendenden Geist mit sich bringt«.[212]

An erster Stelle wurde darauf hingewiesen, dass das Hauptziel der Ausbildung der Ordensleute darin besteht, sie in das Ordensleben einzuführen und ihnen dabei zu helfen, sich ihrer Identität als Männer und Frauen bewusst zu werden, die sich durch ihr Gelübde zur Befolgung der evangelischen Räte der Keuschheit, der Armut und des Gehorsams Gott in einem Ordensinstitut geweiht haben. Unter den entscheidenden Vermittlern der Ausbildung kommt dem Heiligen Geist ein Vorrang zu, denn die Ausbildung der Ordensleute ist ihrer Quelle und ihrer Zielsetzung nach ein im wesentlichen göttliches Werk. In unserem Dokument wird die Notwendigkeit betont, qualifizierte Erzieher auszubilden, ohne zu warten, bis jene, die diese Aufgabe gegenwärtig wahrnehmen, ihren Auftrag beendet haben. Die wichtige Rolle, die der Ordensangehörige selbst und seine Gemeinschaft spielen, machen diese Aufgabe zu einem bevorzugten Ort der Ubung persönlicher und gemeinschaftlicher Verantwortung. Es wurden einige aktuelle Fragen zur Sprache gebracht, die zwar nicht alle peremptorisch beantwortet werden, die aber wenigstens zum Nachdenken anregen sollen. Ein besonderer Platz wurde auch den gänzlich auf die Kontemplation hingeordneten Instituten eingeräumt angesichts ihrer Stellung im Herzen der Kirche und der Eigenart ihrer Berufung.

Jetzt bleibt noch, für alle, Obern, Ausbilder, Ordensleute, die Gnade der Treue zu ihrer Berufung nach dem Vorbild und unter der Obhut der Jungfrau Maria zu erbitten. Auf ihrem Weg durch die Zeiten schreitet die Kirche voran und »geht dabei denselben Weg, den auch die Jungfrau Maria zurückgelegt hat, die den Pilgerweg des Glaubens gegangen ist und ihre Verbundenheit mit dem Sohn in Treue bewahrt hat«.[213] Die Zeit der Ausbildung hilft den Ordensleuten, diesen Weg im Licht des Geheimnisses Christi zu gehen, das das Geheimnis Mariens »voll und ganz aufklärt«,[214] während gleichzeitig das Geheimnis Mariens »für die Kirche ein Zeichen der Bestätigung für das Dogma von der Menschwerdung ist«,[215] wie es auf dem Konzil von Ephesus offenkundig geworden ist. Maria ist bei der Entstehung und der Erziehung einer Ordensberufung gegenwärtig. Sie ist mit dem ganzen Wachsen dieser Berufung im Heiligen Geist aufs engste verbunden. Die Sendung, die sie an der Seite Jesu erfüllt hat, vollendet sie zum Wohle seines Leibes, der Kirche, und in jedem Christen, besonders in jenen, die sich einer »besonders engen« Nachfolge Jesu Christi hingeben.[216] Und darum wird eine von einer authentischen Theologie getragene marianische Atmosphäre für die Ausbildung der Ordensleute die Zuverlässigkeit, die Gründlichkeit und die Freude sicherstellen, ohne die ihr Sendungsauftrag in der Welt nicht voll erfüllt werden könnte.

In der Audienz, die dem unterzeichneten Kardinal-Präfekten am 10. November 1989 gewährt wurde, hat der Hl. Vater das vorliegende Dokument der Kongregation für die Institute des geweihten Lebens und die Gemeinschaften des apostolischen Lebens gutgeheißen und dessen Veröffentlichung unter dem Titel »Richtlinien für die Ausbildung in den Ordensinstituten« gestattet.

Rom, am Sitz der Kongregation, den 2. Februar 1990, am Fest der Darstellung des Herrn.

JÉRÔME KARDINAL HAMER

 Präfekt
+ VINCENZO FAGIOLO

em. Erzbischof von Chieti


Sekretär

Anmerkungen

  1. LG 43.
  2. Vgl. PC 18, 3. Abs.
  3. In chronologischer Reihenfolge: SC de Religiosis, Dekret Quo efficacius, 24.1.44: AAS 36 (1944) 213; Rundschreiben Quantam conferat, 10.6.44: Enchiridion de statibus perfectionis, Romae 1949, Nr. 381, S. 561-564; Apostolische Konstitution Sedes sapientiae, 21.5.56: AAS 48 (1956) 354-365. Und allgemeine Statuten im Anhang an die Konstitution.
  4. ET 32; cf. 2 Kor 4,16; Röm 7,22; Eph 4,24; EV 996ff.
  5. Johannes Paul II. in Porto Alegre, 5. Juli 1980. IDGP, III, 2, 128; Johannes Paul II. in Bergamo, 26.April 1981. Ebd., IV, 1, 1035; Johannes Paul II. in Manila, 17 Februar 1981. Ebd., IV, 1, 329; dtsch. in: W.u.W., 1981, 188-192; Johannes Paul II. an die Vertreter der Gesellschaft Jesu in Rom, Februar 1982. IDGP, V, 1, 704; dtsch. in: DAS, 1982, S. 924-939; Johannes Paul II. an die Novizenmeister der Kapuziner in Rom, 28. September 1984. IDGP, VII, 2, 689; Johannes Paul II. in Lima, 1. Februar 1985. IDGP, VIII, 1, 339; dtsch. in: DAS, 1985, 397-404; Johannes Paul II. an die Vollversammlung der Internationalen Vereinigung der Generaloberinnen (UISG) in Rom, 7. Mai 1985. IDGP, VIII, 1, 1212; dtsch. in: DAS, 1985, 1318-1321; Johannes Paul II. in Bombay, 10. Februar 1986. IDGP, IX, 1, 420; Johannes Paul II. an die UISG, 22. Mai 1986. Ebd., S. 1656; Johannes Paul II. an die Generalversammlung der Konferenz der Ordensleute Brasiliens, 11. Juli 1986. IDGP, IX, 237; dtsch. in: OR dt, 19.9.86, S. 7-8.
  6. Vgl. CIC, can. 641-66.
  7. R C, Vorwort. AAS (1969), S, 103 ff.
  8. Kongregation für die Ordensleute und Säkularinstitute sowie Kongregation für die Bischöfe, AAS, 1978, 473 ff.
  9. Kongregation für die Ordensleute und Säkularinstitute EV 7, 414 ff.
  10. Kongregation für die Ordensleute und Säkularinstitute EV 9, 181 ff.
  11. KDO, Nr. 4.
  12. Johannes Paul II. an die CRIS, 7. März 1980. IDGP, III, I, 527; dtsch. in: W.u.W., 1980, S. 108.
  13. Vgl. can. 659, 2 u. 3.
  14. RI Nr. 1,2. AAS 1970, 321 ff.
  15. Vgl. can. 606.
  16. Vgl. Johannes Paul II. an die Vollversammlung der UISG, 7. Mai 1985. Dtsch.: DAS, 1985, S. 1320.
  17. Can. 607,1 und 573,1; vgl. auch LG 44 und PC 1, 5 u. 6.
  18. can. 573,2.
  19. Vgl. 1 Kor 6, 19 EU.
  20. LG 43..
  21. PC 2a. Über die göttliche Berufung vgl. auch LG 39; 43b; 44a, 47; PC lc; RC Vorwort, 2d; OPR I, 57, 62, 67, 85, 140, 142; II 65, 72; Anhang; OCV. 17, 20; ET 3; 6; 8; 10; 19; 31; 55; MR 8a; can. 574,2; 575; EE 2; 5; 6; 7; 12; 14; 23; 44; 53; RC 3c; 6b; 7d; 10c: 16a.
  22. RC 3.
  23. RC 8.
  24. Über die persönliche Antwort vgl. auch LG 44a; 46b; 47; PC 1c; RC 2a c; 13, 1; OPR 1, 7, 80; ET 1; 4; 7; 8; 31; can. 573,1; EE 4; 5; 30; 44; 49; RC 7a; 8b; 9b.
  25. Can. 654.
  26. Vgl. EE 13-17.
  27. Can. 607, 2.
  28. LG 43 a. Über das Amt der Kirche bei der Ordensweihe vgl. auch LG 44a, 45c, PC lb,c; 5b; 11a; OPR, Anhang, Missa in die professionis perpetuae 1; Ritus promissionis 5; OCV 16; ET 7; 47; MR 8; can. 573,2; 576; 598; 600-602; EE 7; 8; 11; 13; 40; 42; RC 7a,b; 14c.
  29. RC 9.
  30. RC 8.
  31. LG 31.
  32. LG 44.
  33. Vgl. Joh 2,15-17 EU.
  34. Vgl. LG 46.
  35. Vgl. LG 39; 42; 43.
  36. Can. 599.
  37. PC 12.
  38. Can. 600.
  39. Vgl. Lk 4,16-21 EU.
  40. Vg1. Lk 7,18-23 EU.
  41. Schlussdokument von Puebla. Nr. 733-735, Johannes Paul II. spricht von der »Liebe der Auserwählung« (Rede an die Familie von Prado, Lyon, 7.10.1986).
  42. LG 31.
  43. Vgl. GS 32.
  44. Kongregation für die Glaubenslehre, 22.3.1986.
  45. Can. 601.
  46. Can 590, 1 u. 2.
  47. PC 14.
  48. Ebd.
  49. vgl. Joh 14,6 EU.
  50. LG 43.
  51. LG 46.
  52. ET 11; vgl. Vonv., Anm. 4.
  53. MR 1l; vgl. Vonv., Anm. 8.
  54. Can. 598, 1.
  55. Vgl can. 598, 2.
  56. PC 6.
  57. Vgl. PC 5.
  58. PC 8.
  59. Thomas von Aquin, S. Theol. II-II, q. 188; a. 1 u. 2.
  60. Can. 673.
  61. Vgl. PC 8.
  62. Vgl. OFM 13-21; Vgl. Vorw., Anm. 9.
  63. 1 Thess 5,24 EU; vgl. 2 Thess 3,3 EU.
  64. 2 Joh 16,13 EU.
  65. Vgl. Joh 14,26 EU; Joh 16,12 EU.
  66. Vgl. 1 Joh 2,20-27 EU.
  67. Vgl. Röm 8,15-26 EU.
  68. RC 17.
  69. EE 11,53; vgl. Vorw., Anm. 10; LG 53 und can. 663,4; RM 42-45; Brief Johannes Paul II. an alle gottgeweihten Personen, 22.5.1988.
  70. Vgl. LG 44.
  71. MR 10; vgl. Vorw., Anm. 8.
  72. MR 10 vgl. Vorw., Anm. 8.; vgl. LG 44 und can. 678.
  73. LG 45; vgl. MR 8 vgl. Vorw., Anm. 8.
  74. Vgl. Athanasius, Das Leben des hl. Antonius: PG 26, 841-845.
  75. Vgl. DV 25.
  76. Vgl. LG 45.
  77. Vgl. LG 11.
  78. PG 12, 1265.
  79. Vgl. DV 10.
  80. Vgl. MR 5; vgl. Vorw. Anm. 8.
  81. LG 18.
  82. Geistliche Übungen, Nr. 351 und 352.
  83. LG 4.
  84. OFM 24; vgl. Vorw., Anrn. 9.
  85. Ebd; vgl. auch Schlussdokument von Puebla, Nr. 211-219.
  86. OFM 33c, vgl. Vorw., Anm. 9; vgl. auch can. 602.
  87. Vgl. Apg 2,42; PC 15; can. 602; vgl. auch EE 18-22.
  88. Vgl. can. 601, 618 und 619; PC 14.
  89. Vgl. Joh 12,24; Gal 5, 22.
  90. ET 32-54; vgl. Vorw., Anm. 4. vgl. auch EE n. 18-22.
  91. Vgl. Lk 24,25 EU.
  92. Vgl. Lk 24,32 EU.
  93. Vgl. Tob 5,10,17,22 EU.
  94. KDO 20; vgl. Vorw., Anm. 9.
  95. OT 5b.
  96. Vgl. GS 12-22 und 61.
  97. Vgl. GE 1 u.2.
  98. Vgl. OT 11.
  99. Vgl. PC 5.
  100. KDO 17. vgl. Vorw., Anm. 9.
  101. Johannes Paul II. an die Ordensleute Brasiliens, 11.7.1986, Nr. 5; vgl. Vorw., Anm. 5.
  102. LG 44.
  103. RC 5; cf. 7.
  104. Schlussdokument der Sondersynode der niederländischen Bischöfe, OR, 2. Februar 1980, 32. Vorlage.
  105. MD 7.
  106. MD 6.
  107. MD 7.
  108. ChL 50.
  109. ChL 50.
  110. RM 46.
  111. Vgl. RC 4.
  112. Vgl. can. 597, 2.
  113. Vgl. can. 641-645.
  114. Siehe Nr. 90-91.
  115. Vgl. can. 642.
  116. Can. 646.
  117. LG 44.
  118. LG 46.
  119. Can. 652, 2.
  120. Can. 648, 2.
  121. RC 5.
  122. Can. 652, 5.
  123. Can. 650, 1.
  124. Vgl. can. 597, 1 u. 2; can. 641-645.
  125. Vgl. can. 134, 1, und 1047, 4.
  126. Vgl. can. 647-649 et 653, 2.
  127. LG 46b.
  128. Vgl. can. 650-652, 1.
  129. Vgl. can. 985.
  130. Can. 652, 3.
  131. Can 652, 4.
  132. Vgl., LG 45.
  133. Vom 2. Februar 1970. Verbesserte Neuausgabe 1975. EV 3, 1237 ff.
  134. Johannes Paul II. an die Mitglieder der männlichen Orden und Säkularinstitute in Madrid, 2. Nov. 1982, Nr. 2. AAS 1983, 271; dtsch.: DAS 1982, S. 717-718.
  135. RC 7. 7
  136. OPR 5; vgl. Vorw., Anm. 24.
  137. OPR 6.
  138. OPR 6.
  139. Vgl. can. 655-658.
  140. Can. 659, 1 u. 2.
  141. Can. 660, 1 u. 2.
  142. Vgl. Mk 8,31-37 EU; Mk 9,31-32 EU; Mk 10,32-43 EU.
  143. UR 11.
  144. RI 70-81 u. Anm. 148; 90-93. EV 3, 1103.
  145. MR 13a; vgl. Vorw. Anm. 8.
  146. EE II, 47; vgl. Vorw. Anm. 10.
  147. KDO, 11.
  148. PC 14. vgl. auch can. 630.
  149. KDO II.
  150. Vgl. can. 660, 1.
  151. MR 26.
  152. Can. 661.
  153. Johannes Paul II. an die Ordensleute Brasiliens, 1986, Nr. 6, a.a.O., S. 8 vgl. Vorw., Anm. 5.
  154. MR 11b, 12b, 23f.
  155. Vgl. PC 2d.
  156. 2 Kor 4,16 EU; vgl. auch 2 Kor 5,1-10 EU.
  157. Joh 21,15-19 EU.
  158. Phil 3,10 EU; vgl. Phil 1,20-26 EU; vgl. auch LG 48.
  159. PC 7.
  160. KDO 26 u. 27.
  161. Hebr 11,1 EU.
  162. Hebr 11,8 EU.
  163. Vgl. Hebr 11,27 EU.
  164. 1 Kor 13,12 EU.
  165. Origenes, Peri Archon I, 8, 1.
  166. Vgl. LG 49 50; SC 5, 8, 9, 10.
  167. Paul VI. and die höheren Obern Italiens. AAS (1986), 1180. Vgl. auch Schreiben and die Kartäuser" vom 18.4.1971. AAS 1971, s.448-449.
  168. PO 13; vgl. Paul VI., Enzyklika Mysterium fidei. AAS (1965) 761-762.
  169. Thomas von Aquin, S. Theol., III, q. 82, a. 10.
  170. Ebd. II-II, q. 189, a. 8, ad 2um.
  171. LG 46.
  172. VS III, Einführung u. Anm. 27. EV 3, 865.
  173. Hl. Theresia von Lisieux, Autobiographische Schriften, 1957, S. 229 (franz.).
  174. Vgl. can. 667.
  175. GE 2.
  176. ChL 46; auch Vorlage 51 u. 52 der 7. Bischofssynode (1987).
  177. ChL 46.
  178. CThI., am 8.10.1985, Nr. 4-1. EV 9, 1622.
  179. Johannes Paul II. an die UNESCO, 1980, Nr. 6 u. 7. IDGP 1980. I, 1636; dtsch:. W.u.W., 1980, 224-225.
  180. LG 46.
  181. CThI, Glaube und Inkulturation, Nr. 8-22. Civiltà Cattolica, Januar 1989.
  182. Ebd.; vgl. auch ChL 44.
  183. CThI, Nr. 4-2; vgl. Anm. 4 dieses Kapitels.
  184. ChL 55.
  185. ChL 30.
  186. Vgl. can. 578.
  187. Vgl. CD 35,3 u. 4; MR 13c.
  188. can. 586.
  189. can. 659,2; vgl. auch can. 650,1 besonders was das Noviziat betrifft.
  190. MR 13a.
  191. LG 25.
  192. MR 33; vgl. auch can. 753 und 212,1.
  193. MR 28. Zum Bischof als "perfector" vgl. S. Theol, I-II, q. 184.
  194. Can. 650,1 und 659,2. Vgl. auch Johannes Paul II. an die Ordensleute Brasiliens, 1986, Nr. 5. (a.a.O.).
  195. Can. 659, 3.
  196. 1. Ausgabe 6.1.1970; 2. Ausgabe 19.3.85; vgl. Kapitel 4, Anm. 35.
  197. Vgl. can. 242-256.
  198. Vgl. OT 4 und 19-21; AG 25-26.
  199. Vgl. can. 1010-1054.
  200. Johannes Paul II. an die Ordensleute Brasiliens, 5. Juli 1980. Vgl. Vorw., Anm. 5.
  201. Ebd.
  202. Vgl. LG 44.
  203. Vgl. PC 8.
  204. CD 35,2.
  205. MR 23d.
  206. MR 37.
  207. CD 34. »Ut Episcopis auxiliatores adsint et subsint«, heißt es in CD 35.
  208. 14 MR, 18,b.
  209. Vgl. can. 586, 1 und 2.
  210. Vgl. can. 591; MR 23. MR 57-58; vgl. auch can. 520, 2.
  211. MR 57-58; vgl. auch can. 520, 2.
  212. MR 6.
  213. 2 RM 2. AAS (1987) 361 ff.
  214. 3 RM 4.
  215. Ebd.
  216. LG 42.

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