Prinzipien für die Vorbereitung und Durchführung des Ad-limina-Besuches

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Prinzipien für angemessene Vorbereitung und Durchführung des Ad-limina-Besuches gibt die Kongregation für die Bischöfe am 29. Juni 1988.

(Quelle: Der Apostolische Stuhl 1988, Anhang, S, 1813-1815)

Die Apostolische Konstitution Pastor bonus zur Reform der Römischen Kurie, die kürzlich erlassen wurde, beinhaltet - in Einklang mit dem tiefen pastoralen Geist, der sie durchdringt - auch eine stärkere Bewertung der Besuche "ad limina Apostolorum". Sie unterstreicht die Bedeutung, die sie im heutigen Leben der Kirche angenommen haben.

Die Konstitution legt einige Prinzipien dar, die die angemessene Vorbereitung und den Ablauf dieser alten und ehrwürdigen Einrichtung leiten sollen (Art. 28-32). Die Kongregation für die Bischöfe hat auf dieser Grundlage im Einvernehmen mit den anderen betreffenden Kongregationen ein Direktorium ausgearbeitet, das helfen soll, den Besuch der Bischöfe an den "Gräbern der Apostel Petrus und Paulus" mit größerer Sorgfalt zu behandeln.

Die Besuche "ad limina Apostolorum" werden - wie es der Canon 400 im Codex des kanonischen Rechtes verfügt - alle fünf Jahre von allen Bischöfen vorgenommen, die den einzelnen Kirchen in der Liebe und im Dienst vorstehen. Sie kommen in der Absicht nach Rom, ihre Gemeinschaft mit dem Apostolischen Stuhl zu bestärken.

In dem ersten Anhang der Apostolischen Konsititution Pastor bonus wird ihre doppelte Bedeutung beleuchtet: "Einerseits bieten sie den Bischöfen die Gelegenheit, das Bewußtsein der eigenen Verantwortung als Nachfolger der Apostel zu stärken und ihre hierarchische Gemeinschaft mit dem Nachfolger Petri tiefer zu fühlen; andererseits stellen sie ein zentrales Moment der Ausübung des universalen Amtes des Heiligen Vaters dar, der zu diesem Anlaß die Hirten der Einzelkirchen, seine Brüder im Bischofsamt, empfängt und mit ihnen die Fragen behandelt, die ihre kirchliche Mission betreffen", und er stärkt und stützt sie im Glauben und in der Liebe (vgl. Anhang Nr. 1 zur Apostolischen Konstitution Pastor bonus.

Die Ursprünge dieser ehrwürdigen, kirchlich so wertvollen Einrichtung scheinen bis auf die apostolische Zeit zurückzugehen. Wir finden eine erste Spur im Brief des hl. Paulus an die Galater, wo er von seiner Bekehrung und von seinem Weg zum Apostolat für die Heiden spricht und - obwohl er unmittelbar vom auferstandenen Herrn zum Apostel berufen und unterrichtet wurde - sagt: "Drei Jahre später ging ich nach Jerusalem hinauf, um Kephas kennenzulernen, und blieb 15 Tage bei ihm" (Gall,18). Und weiter: ,,14 Jahre später ging ich wieder nach Jerusalem hinauf, ... legte der Gemeinde das Evangelium vor, das ich unter den Heiden verkündige; ich wollte sicher sein, daß ich nicht vergeblich laufe oder gelaufen bin" (Gal 2,1- 2).

Dem Beispiel der Begegnung des Paulus mit Petrus entspricht jene der Bischöfe mit dem Nachfolger Petri, dem obersten Hüter des Wahrheitsvermächtnisses, das von den Aposteln überliefert wurde. Sie soll die Einheit des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe stärken, und dazu führen, den unermeßlichen Reichtum an geistlichen und moralischen Werten zu erkennen und zu schätzen, den die ganz Kirche in der Einheit mit dem Bischof von Rom überall auf der Welt bereitet hat.

Daher sind die Ad-limina-Besuche:

a) ein Werkzeug und eine konkrete Verwirklichung der Katholizität der Kirche und jener Einheit des Bischofskollegiums, die die Person des Papstes darstellt und die der Ort des Martyriums der Apostelfürsten Petrus und Paulus zum Ausdruck bringt. Gemäß dem Prinzip der Katholizität vollzieht sich ein wunderbarer "Austausch von Gaben" zwischen dem, was in der Kirche einzeln und lokal, und dem, was universal ist.

b) ein Ausdruck der pastoralen Sorge der Kirche für die Welt und Ihres Bestrebens, vor allem heute, da die menscWiche Gesellschaft immer mehr zu einer tatsäcWichen Vereinigung tendiert, "Zeichen für die innigste Vereinigung mit Gott wie für die Einheit der ganzen Menschheit" zu sein (Lumen gentium, N r. 1).

Die Ad-limina-Besuche stellen aber für jeden Bischof einen Anstoß dar, seinen Auftrag im Hinblick auf die einzelne, ihm anvertraute Kirche mit der universalen Berufung der Kirche zu vergleichen, und so zu handeln, daß sein auf die eigene Diözesangemeinschaft gerichteter Einsatz nicht die spatia caritatis verringert, die er im Gegenteil für die sollicitudo omnium Ecclesiarum offenhalten muss (2 Kor 11, 28).

Von den oben beschriebenen Prinzipien, die diesen wichtigen kirchlichen Vorgang klären, leitet sich ab, wie dieses apostolische "Petrus sehen" verstanden und praktiziert werden soll. In diesem Zusammenhang will das Direktorium den Diözesanleitungen neben einigen Überlegungen theologisch - seelsorgerischen Charakters zum Ad-limina-Besuch auch jene zweckmäßigen Anregungen bieten, die auf seine angemessene nähere oder fernere Vorbereitung und auf einen verantwortungsbewußteren Ablauf zielen.

Bei der Vorbereitung auf den Besuch wird der Bischof, der sich bewußt ist, eine Handlung zum Wohl der eigenen Diözesen und der ganzen Kirche zu vollziehen, es notwendig finden, die ganze Diözesangemeinschaft in die Überlegung und in das Gebet miteinzubeziehen zugunsten einer heilsamen Überprüfung des pastoralen Weges und um das Band der Einheit, der Liebe und der Solidarität zu stärken.

Ein weiteres wichtiges Moment der Vorbereitung besteht darin, den Fünfjahresbericht über den Stand des ihm anvertrauten kirchlichen Bezirks abzufassen und nach Rom zu senden, um dem Papst authentische und wichtige Informationen über die jeweiligen Probleme zu liefern, über die Initiativen, die ergriffen werden, über die Schwierigkeiten, auf die man dabei stößt, und über die Ergebnisse, die man erzielt.

Der eigentliche Ablauf der Ad-limina-Besuche umfaßt drei Elemente:

1. Den Pilgerweg und die Ehrerweisung an den Gräbern der hl. Petrus und Paulus, Hirten und Säulen der Kirche Roms.

Dies konkretisiert sich in einer Eucharistiefeier, die die kirchliche Gemeinschaft um die Gräber der Apostelfürsten und am Stuhl Petri festigen soll.

Zu diesem Zweck wurde dem Direktorium in einem getrennten Heft ein eigenes Rituale mit einigen liturgischen Hilfen für die Feiern in den Patriarchalbasiliken beigefügt.

2. Das Treffen mit dem Heiligen Vater.

Dies ist ein besonders feierlicher Augenblick: jeder Bischof wird in einem persönlichen Gespräch mit dem Nachfolger Petri, "dem Stellvertreter Christi und sichtbaren Haupt der ganzen Kirche" (Lumen gentium, Nr. 18) zusammentreffen, der durch göttliche Sendung die einzigartige Aufgabe hat, "seine Brüder zu stärken", (Lk 22, 32).

Durch dieses offizielle Treffen mit dem Bischof von Rom, das seinen Höhepunkt normalerweise auch in einer gemeinsamen Eucharistiefeier hat, bekennt jeder Bischof implizit eine tiefste Beziehung - die einer affektiven und effektiven hierarchischen Gemeinschaft - mit dem, der in der Kirche den Primat des sichtbaren Hauptes innehat und der auch sichtbares Zeichen der Einheit unter den Bischöfen ist (Lumen gentium, Nr. 23).

3. Der Besuch der Bischöfe in den Dikasterien der Kurie.

Auf Grund der innigen Verbindung zwischen dem Papst und den Organen der Kurie, die die ordentlichen Werkzeuge des Petrusamtes sind, ist dieser Besuch bedeutsam und wichtig. Die Bischöfe begeben sich einzeln oder gruppenweise in die verschiedenen Dikasterien, um Probleme darzustellen, Anfragen vorzubringen, Informationen einzuholen, Erläuterungen und Antworten und eventuelle Nachfragen zu geben.

Schließlich wäre es wünschenswert, daß die Bischöfe während des Besuches "ad limina (oder ad trophea) Apostolorum" etwas Kontakt mit der Wirklichkeit der Seelsorge des Bistums Rom hätten. Gerade auf Grund der Gemeinschaft zwischen den einzelnen Teilkirchen und der Kirche Roms können die Bischöfe, die dies wünschen, eine oder mehrere Begegnungen mit römischen Pfarreien haben, oder mit anderen besonders bedeutungsvollen Gemeinschaften, mit Zentren religiöser, kultureller oder sozialer Tätigkeit usw., um sich gegenseitig kennenzulernen und seelsorgerische Erfahrungen über Fragen gemeinsamen Interesses und in vergleichbaren Situationen auszutauschen. Das Direktorium, das die Kongregation für die Bischöfe im Licht der Prinzipien der Apostolischen Konstitution über die Römische Kurie erarbeitet hat, will einer vielfach geäußerten Forderung entsprechen, durch eine angemessene Regelung eine bessere Vorbereitung und einen ordnungsgemäßeren Ablauf der Ad-Iimina-Besuche zu begünstigen.

Bernadin Kardinal Gantin
Präfekt der Kongregation für die Bischöfe
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