Quel motif de joie

Aus Kathpedia
Wechseln zu: Navigation, Suche
Apostolischer Brief
Quel motif de joie

zum Internationalen Kongress der PAX ROMANA in Quebec
Die zeitgemäßen Aufgaben der Universität
12. August 1952
(Offizieller französischer Text: AAS XLIV [1952] 728-730)

(Quelle: Soziale Summe Pius' XII., Band I, S. 922-926; Nrn. 1835-1842)

Inhaltsverzeichnis

Einführung

1835 Welch ein Grund zur Freude und Hoffnung ist für Unser väterliches Herz Euer Weltkongress katholischer Studenten und Intellektueller auf der Uns so teuren kanadischen Erde, zumal in der Provinz von Quebec, die sich zur Hundertjahrfeier ihrer ersten Universität rüstet. Wie sollte man darin nicht den Beweis für einen neuen Aufschwung der christlichen Kultur in Nordamerika erblicken und für eine noch breitere Auswirkung Eurer beiden internationalen Bewegungen? (« Internationale Bewegung katholischer Akademiker» und « Internationale Bewegung katholischer Studenten») Im Übrigen freut es Uns, dass mehrere Städte, die in den beiden Sprachbezirken des Landes liegen, in Eure Arbeitsgemeinschaft aufgenommen wurden, und Wir können am eindrucksvollen Empfang der geistlichen, weltlichen und akademischen Autoritäten keinen Zweifel hegen. Ihr sollt daher wissen, dass Wir in der Stunde, wo unter dem Vorsitz Unseres ehrwürdigen Bruders, des Erzbischofs von Montreal, der zweiundzwanzigste Kongress der « Pax Romana» eröffnet wird, im Geiste mitten unter Euch weilen und auf Eure Sitzungen die überreiche Fülle der göttlichen Gnaden herabrufen.

1836 Vom Kongress von Amsterdam zum Kongress von Montreal beseelt das gleiche apostolische Ideal Eure Arbeiten. Aus diesem Grunde halten Wir es für angebracht, zunächst die Richtlinien, die Wir unlängst über die Rolle der Intellektuellen an Euch richteten, als immer noch gültig zu bestätigen. Das Thema des augenblicklichen Kongresses: « Die Sendung der Universität », regt Uns im übrigen an, sie bezüglich eines Punktes, der Uns besonders am Herzen liegt, genauer zu fassen in Erinnerung an die entscheidende Tat der Römischen Päpste in den Gründungszeiten der ersten Universitäten und im weiteren Verlauf ihrer glanzvollen Geschichte. Wenn sich im Wandel der Zeiten die jahrhundertealten Bande zwischen Kirche und Universität zuweilen gelockert haben, laden die gegenwärtige Verwirrung der Menschheit, die sich nach Eintracht und Einheit sehnt, und die Not so vieler gutwilliger Geister Euch dazu ein, sie von neuem enger zu knüpfen. In dieser Absicht geht Ihr als katholische Studenten und Intellektuelle daran, die traditionelle und doch stets neue Sendung der Universität zu studieren: Eure Pflicht ist es, sie gut zu kennen, um sie gut zu erfüllen.

Die Aufgabe der Universität in der heutigen Zeit

Die Universität in der sozialen und kulturellen Situation der Gegenwart

1837 Zunächst ist es unbestreitbar, dass die Sendung der Universität für den, der sie als eine Gemeinschaft von Lehrern und Schülern betrachtet, die sich der Arbeit des Geistes hingeben, darin besteht, ein Brennpunkt des geistigen Lebens zum Nutzen der nationalen Gemeinschaft zu sein in einer Atmosphäre gesunder Freiheit, die jeder Kultur eigen ist. Eine dauernde Aufgabe, an der Unsere Söhne stets mitgearbeitet haben! Dennoch, will die Universität den jahrhundertealten Schatz, den sie hütet, für die kommenden Generationen nutzbar machen, dann muss sie die besonderen Verhältnisse des Lebens unserer Zeit beachten. Ist in der Tat nicht die Stunde gekommen, wo in manchen Ländern weite Schichten der Bevölkerung nach einer Teilnahme an einer echten Kultur verlangen? Wo die wirtschaftlichen und sozialen Schwierigkeiten der Studenten und Akademiker den für das Gemeinwohl Verantwortlichen schwere Probleme aufgeben? Die Stunde endlich, wo der Einfluss der modernen Informationsmittel unaufhörlich steigt, und zwar bisweilen zum Schaden einer wahren Erziehung zu persönlichem Denken?

Notwendigkeit internationaler Zusammenarbeit unter den Intellektuellen

1838 Mit dieser Ausweitung der Bildungsmöglichkeiten wächst auch die Aufgabe der großen Familie der Universitäten, der Erbin des kulturellen Vermächtnisses der Menschheit. Um die unheilvollen Eigensüchteleien zu überwinden, gilt es, die Beziehungen zwischen Professoren und Studenten der verschiedenen Länder zu vervielfältigen und durch das Studium der Sprachen und nutzbringende Zusammenarbeit in der Achtung vor den besonderen Vorzügen eines jeden zu wachsen. So werden die Völker, anstatt sich Konkurrenz zu machen und in Gegensatz zueinander zu geraten, vielmehr eine Freude darin finden, sich gegenseitig zu ergänzen. Wir können hier die Bewegungen der « Pax Romana» zu ihren geduldigen Bemühungen in diesem Sinne nur beglückwünschen, und desgleichen wissen Wir es zu würdigen, dass auf internationaler Ebene eine methodische Aktion zugunsten der Wissenschaft und Kultur in Gang kommt.

Notwendigkeit der Synthese aller Wissensobjekte

1839 Die Sendung der Universität, welche die Menschen und Völker in friedlicher Zusammenarbeit des Geistes einander näher bringt, liefe jedoch auf eine Enttäuschung hinaus, wenn sie nicht zu einer fortschreitenden Koordinierung der Erkenntnisse untereinander führen würde. Kann es eine fruchtbare Gemeinschaft der Geister geben außerhalb der Einheit der Wahrheit ?

1840 « Universität », bemerkten Wir neulich, « besagt nicht nur Vielfalt von einander fremden Fakultäten, sondern Synthese aller Wissensobjekte ... Und der moderne Fortschritt, die immer mehr vorangetriebene Spezialisierung, verlangen diese Synthese mehr denn je» (Rede an das Institut Catholique de Paris vom 21. September 1950). Allerdings macht sie sie auch schwieriger und gebrechlicher, und die Universität muss sich vor zwei entgegen gesetzten Klippen hüten. Die erste bestünde in der unberechtigten Einmischung des Staates, der sich unter Überschreitung seiner Machtbefugnis anmaßte, dem Unterricht aus politischen oder ideologischen Gründen die künstliche Einheit einer willkürlichen Philosophie aufzuzwingen. Umgekehrt jedoch würde die Universität ihre Sendung schlecht erfüllen, wenn sie sich dem Pluralismus oder einem oberflächlichen Synkretismus ergäbe. Rein auf der Ebene der natürlichen Erkenntnisse ist es ihre Aufgabe, über die Verschiedenheit der Disziplinen hinauszuschreiten, eine Weisheit zu fördern und die geistige Persönlichkeit des Studenten zu formen. Sie hüte sich also, in ihrer hohen Sendung zu versagen, die darin besteht, den jungen Geistern die Achtung vor der Wahrheit zu vermitteln und sie zu jenem freien Verhalten zu führen, das für ihre geistige Reife unerlässlich ist.

Nur eine katholische Universität kann diese Aufgabe vollkommen erfüllen

1841 Dies ist eine heikle Aufgabe, die Festigkeit und Takt erfordert. Wir vertrauen sie besonders Unseren katholischen Universitäten an, die bei dieser Aufgabe von der Lichtfülle des Glaubens erleuchtet werden. Sie allein können die Bemühung und die Synthese bis zum Gewölbeschlussstein des Gebäudes fortsetzen, denn « diese Einheit kommt nur in dem Maß zur Vollendung als sie gesucht wird in Gott und in der Liebe, die von der Wissenschaft erleuchtet ist gemäß der einzigen Wahrheit des Evangeliums unter Führung der einen und heiligen Kirche » (Rede an das internationale Komitee für Einheit und Universalität der Kultur vom 14. November 1951). Im Dienste der studierenden Jugend sind solche Universitäten, die vom Unterricht der christlichen Philosophie und der Theologie gekrönt werden, Schulen der Wahrheit. Darüber hinaus sind sie Lehrmeisterinnen des christlichen, sittlichen, bürgerlichen und sozialen Lebens.

Schluss: Gute Wünsche. Segen

1842 So möge denn dieser Weltkongress für die Mitglieder der « Pax Romana » der Anlass sein, in einer schweren Stunde der Geschichte der gemeinsamen Verantwortung lebhaft bewusst zu werden; er möge für alle Universitätskreise zum Ausgangspunkt einer brüderlicheren Zusammenarbeit und eines fruchtbringenderen Austauschs werden und die Universität so in die Lage versetzen, ihre überragend menschliche und friedenstiftende Sendung, auf welche die Kirche einen so hohen Wert legt, immer besser zu erfüllen. Von ganzem Herzen sprechen Wir diesen Wunsch aus und spenden als Unterpfand dieser Gesinnung Euch und allen Studierenden und Intellektuellen Eurer beiden Bewegungen Unseren überaus väterlichen Apostolischen Segen.

Vatikan am 12. August 1952
PIUS PP. XII.
Meine Werkzeuge