Römischer Ritus

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Als Römischer Ritus wird die verbreitetste Form der Feier der Liturgie in der römisch-katholischen Kirche bezeichnet.

Innerhalb der römisch-katholischen Kirche gibt es verschiedene Riten, in denen die heilige Messe gefeiert werden kann. In der westlichen, der lateinischen Kirche, wird nahezu ausschließlich der Römische Ritus verwendet, in den Ostkirchen gibt es hingegen mehrere Riten, wie etwa den Byzantinischen Ritus (hier wird die Eucharistiefeier die Göttliche Liturgie genannt) oder den Syrisch-malabarischen Ritus.

Inhaltsverzeichnis

Entwicklung

Hauptartikel: Liturgiegeschichte der heiligen Messe

Der Römische Ritus entwickelte sich in der Kirche von Rom etwa ab dem zweiten Jahrhundert. Jahrhundertelang wurde dort die Liturgie in verschiedenen Formen gefeiert. Bis zum Ende des 4. Jahrhunderts war das Griechische die überwiegende Liturgiesprache. Etwa ab dem zweiten Jahrhundert dürfte das Lateinische beim Wortgottesdienst benutzt worden sein, während die eigentliche Eucharistiefeier möglicherweise bis ins vierte Jahrhundert auf griechisch gefeiert wurde. Ambrosius sprach dann bereits von einem "römischen Brauch".[1]

Wie diese Messliturgie anfänglich im einzelnen ausgesehen hat, ist "in tiefes Dunkel gehüllt", da die ältesten schriftlichen Aufzeichnungen aus dem 8. oder 9. Jahrhundert stammen. Die Texte und Abläufe, die hieraus für die Anfänge rekonstruiert werden können, weisen jedoch erstaunliche Übereinstimmungen mit der heutigen Praxis auf.[2] Ab dem vierten Jahrhundert wurde die bischöfliche Liturgie in Rom in den ersten größeren Kirchbauten bestimmend, begünstig von der Förderung, die das Christentum durch Kaiser Konstantin den Großen genoss. Daneben bestand aber noch lange Zeit die Praxis von Hausmessen und Messfeiern im kleinen Kreis, über deren Form wenig bekannt ist, genau wie über die von Priestern in den kleinen Kirchen gefeierte Liturgie. Das Hochgebet scheint bald verbreitet unveränderlicher Teil in den heiligen Messen geworden zu sein, während in den übrigen Teilen der Messfeier "schöpferische Kraft" am Werke war, bis etwa ab dem 6. Jahrhundert stärker "tradierend-bewahrende" Tendenzen wirksam wurden.[3]

Konzil von Trient

Infolge der Reformation musste die Gültigkeit der Sakramente gesichert werden. Nach dem Beschluss des Konzils von Trient (Tridentinum) wurde von Papst Pius V. ein einheitlicher Römischer Ritus festgelegt, um Fehlentwicklungen und Missstände in der Liturgie (abusus missae) zu beseitigen, die sich im Mittelalter entwickelt hatten. Das Missale Romanum von 1570 war mit geringfügigen Änderungen (zuletzt 1962) bis zur Liturgiereform nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil gültig. In der dort niedergelegten Liturgie blieben ältere örtliche Traditionen, die vom Römischen Ritus abweichen, zum Teil erhalten. In einem erst 1917 mit dem Codex Iuris Canonici abgeschlossenen Prozess der Vereinheitlichung setzte sich die römische Form der Eucharistie jedoch in Westeuropa und den Missionsländern allgemein durch. Zu dieser Zeit machte die Liturgische Bewegung jedoch bereits auf eine liturgische Krise aufmerksam, die durch Reformen überwunden werden sollte.

Vor allem in Deutschland und Frankreich war in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts die Liturgische Bewegung wirksam. Unter Führung namhafter Liturgiewissenschaftler und Seelsorger (Romano Guardini, Ildefons Herwegen, Pius Parsch, Urbanus Bomm, Odo Casel, Johannes Pinsk, Theodor Schnitzler, Ludwig Wolker) und Abteien (Solesmes, Maria Laach, Beuron) wurde Grundlagenforschung betrieben, und neue Formen des Gottesdienstes wurden erprobt. Bedeutsam war in diesem Prozess 1947 die Enzyklika Mediator Dei von Papst Pius XII., die diese Bestrebungen aufgriff und bejahte.

Jüngste Entwicklung

Das Zweite Vatikanische Konzil reformierte die Liturgie der römisch-katholischen Kirche. Angestoßen durch die Liturgiekonstitution Sacrosanctum, Concilium des II. Vatikanums wird der Römische Ritus heute gemäß den Vorgaben des Missale Romanum von 1970 resp. 2002 zelebriert (lateinisch oder in der Volkssprache). Die Reform des Römischen Messbuchs beruht auf der von Papst Paul VI. am 3. April 1969 veröffentlichten Apostolische Konstitution Missale romanum. Das Ergebnis dieser Reform wird von traditionsorientierter Seite herabsetzend auch als "Neue Messordnung", lateinisch Novus Ordo Missae, bezeichnet. Das Zweite Vatikanische Konzil hatte jedoch in Sacrosanctum Concilium Nr. 50 gefordert, die mit der Liturgiereform neu zu fassende Liturgie habe sich an der "Altehrwürdigen Norm der Väter", den ältesten römischen Traditionen des 1. Jahrtausends n.Chr. und mithin dem Typus der Römischen Messe (im Unterschied insbesondere zur orientalischen Liturgie; siehe Byzantinischer Ritus bzw. Ritus allgemein) zu orientieren.

Papst Paul VI. stellte die Liturgiereform, die das Zweite Vatikanische Konzil in seiner Konstitution Sacrosanctum concilium 1963 beschloss, in die Tradition der tridentinischen Liturgiereform :

"Nach reiflicher Überlegung wurde die neue Ordnung in Kraft gesetzt, um an die Stelle der älteren zu treten und so die Weisungen auszuführen, welche das II. Vatikanum erlassen hat. Aus ganz ähnlicher Erwägung hat unser Vorgänger, der hl. Pius V., nach dem Konzil von Trient das von seiner Autorität gebilligte Messbuch herausgegeben." (Lateinisch: Novus Ordo promulgatus est, ut in locum veteris substitueretur post maturam deliberationem, atque ad exsequendas normas quae a Concilio Vaticano II impertitae sunt. Haud dissimili ratione, Decessor Noster S. Pius V post Concilium Tridentinum Missale auctoritate sua recognitum adhiberi iusserat.) (Papst Paul VI. im Konsistorium am 24. Mai 1976)

In einer Ansprache vor den Mitarbeitern der Kurie am 22. Dezember 2005 erklärte Papst Benedikt XVI., dass er eine Interpretation des letzten Konzils unter dem Leitbegriff der Diskontinuität, des „Bruchs“, ablehne. Die Kirche habe ihre wahre Natur und ihre Identität bewahrt und vertieft. Sie „war und ist vor und nach dem Konzil dieselbe eine, heilige, katholische und apostolische Kirche“.

Forma ordinaria - ordentliche Form des Römischen Ritus

Das Zweite Vatikanische Konzil forderte für die Riten den "Glanz edler Einfachheit" und bestimmte: "Bei dieser Erneuerung [der Liturgie] sollen Texte und Riten so geordnet werden, dass sie das Heilige, dem sie als Zeichen dienen, deutlicher zum Ausdruck bringen, und so, dass das christliche Volk sie möglichst leicht erfassen und in voller, tätiger und gemeinschaftlicher Teilnahme mitfeiern kann." (Enzyklika Sacrosanctum concilium Nr. 21 und 32) Es nahm einen Wunsch des heiligen Papstes Pius X. auf, der die "tätige Teilnahme" der Gläubigen "an den hochheiligen Mysterien und am öffentlichen feierlichen Gebet der Kirche" besonders betont hatte.

Die Anordnungen des Konzils wurden im Missale Romanum von 1970 umgesetzt. Als Liturgiesprache wurde neben dem Latein die Benutzung der Volkssprache erlaubt. Das Konzil hat auch die frühchristliche Praxis der Konzelebration aller anwesenden Bischöfe und Priester wieder belebt; vorgeschrieben ist sie für Bischofsweihe, die Priesterweihe, bei der Benediktion eines Abtes und bei der Chrisammesse, empfohlen wird sie für die Konventsmesse, bei Konzilien, Bischofsversammlungen und Synoden, bei Zusammenkünften von Priestern und für die Feier vom Letzten Abendmahl am Gründonnerstag.

Nachdem inzwischen auch die ältere Form des lateinischen Ritus begrenzt wieder zugelassen ist, wird die infolge des Konzils erneuerte amtliche Form des lateinische Ritus ("usus instauratus") als "ordentliche Form" bezeichnet (forma ordinaria).

Missale romanum (Editio typica 1962), Beginn des Canon Missae

Forma extraordinaria - außerordentliche Form des Römischen Ritus

Papst Benedikt XVI. hat mit seinem Motu Proprio "Summorum Pontificum" vom 7. Juli 2007 entschieden, dass die Feier der Heiligen Messe (und der übrigen Sakramente) nach den liturgischen Büchern von vor 1969 (nämlich 1962) jederzeit erlaubt sei. Der Römische Ritus sei ein Ritus mit zwei Formen, jenen nach den liturgischen Büchern von 2002 als ordentliche und jene von 1962 als außerordentliche Form. Beide Formen sollen einander bereichern. Die jeweilig zuständigenen Bischöfe haben für die Umsetzung zu sorgen.

Der Ablauf und die Ordnung der außerordentlichen Form des Römischen Ritus (auch Usus antiquior, "ältere Praxis" genannt) folgt der Editio typica des Missale Romanum von 1962,[4] die liturgischen Veränderungen von Pius XII. und Johannes XXIII. werden also mitvollzogen, die Entwicklung ab dem Pontifikat von Papst Paul VI. jedoch nicht. Im Volksmund hat sich für diese Zelebrationsform der Begriff "Tridentinische Messe" herausgebildet, obwohl die Form der Messfeier im "Römischen Ritus" des Trienter Konzils ("Concilium Tridentinum") sehr wohl mehrfach geändert worden war, so erheblich durch Papst Pius X. und zuletzt 1960 durch den Codex Rubricarum, eine von Papst Pius XII. begonnene und durch Papst Johannes XXIII. herausgegebene Sammlung liturgischer Vorschriften.

Nach Erscheinen des nachkonzilaren Missale von 1970 war die bisherige Liturgieform seit etwa 1974 fast nur noch für ältere und behinderte Priester gestattet, und dies auch nicht im Rahmen von Gemeindemessen. Schon 1984 (Quattuor abhinc annos) wurde die Zurückdrängung der "alten Messe" durch ein Indult gelockert, das 1988 ausgeweitet wurde.

Unter Berücksichtigung der neuen Regelungen des Heiligen Stuhles vom 7. Juli 2007, welche auch diese ältere Form des lateinischen Ritus zulassen, wird der "tridentinische" Meßritus als "außerordentlicher" oder älterer lateinischer Ritus bezeichnet. Im Begleitschreiben zum Motu proprio Summorum pontificum spricht der Papst selbst vom "älteren Gebrauch", dem usus antiquior, des Römischen Ritus, der jetzt grundsätzlich jedem Priester gestattet ist und nicht mehr an die Mitgliedschaft in einer bestimmten Gemeinschaft gebunden ist. Außerdem ist jeder Pfarrer berechtigt und jeder Bischof gehalten, wenn auch nur bei entsprechender Nachfrage seitens der Gläubigen, Gelegenheiten zur Mitfeier von Messen nach dem älteren Messbuch von 1962 in seiner Diözese einzurichten.

Das Zweite Vatikanische Konzil hatte entschieden, "dass die Feier in Gemeinschaft der vom Einzelnen gleichsam privat vollzogenen vorzuziehen ist“ (SC 27). Seit 2007 ist jedoch wieder die "Privatmesse" (jetzt missa sine populo "Messe ohne Volk" genannt) gestattet, bei der der Priester im Beisein eines Ministranten oder bei Vorliegen eines gerechten und vernünftigen Grundes auch allein zelebriert. Er kann dies nur an Tagen tun, an denen er keine Gemeindemesse zelebriert.

Beide Formen des Römischen Ritus, die forma ordinaria und der usus antiquior, sind damit gleichberechtigt, in der liturgischen Praxis aber von sehr ungleicher Bedeutung. Die Forma ordinaria ist der Regelfall in allen Bischofs- und Pfarrkirchen. Man schätzt, dass in ca. 145 Orten in Deutschland im Jahre 2011 eine "tridentinische" Sonntagsmesse stattfindet gegenüber ca. 35 im Jahre 2007 vor dem Motu proprio vom 7. Juli desselben Jahres.

Quelle

Papst Paul VI., Apostolische Konstitution Missale Romanum vom 3. April 1969.

Weblinks

Anmerkungen

  1. Hans Bernhard Meyer: Eucharistie: Geschichte, Theologie, Pastoral. Pustet, Regensburg 1989, ISBN 3-7917-1200-4 (Gottesdienst der Kirche. Handbuch der Liturgiewissenschaft, Teil 4), S. 167f.
  2. Josef Andreas Jungmann S.J.: Missarum Sollemnia. Eine genetische Erklärung der römischen Messe. Bd. 1, 5. verbesserte Aufl., Herder Verlag Wien-Freiburg-Basel 1962, S. 63.
  3. Hans Bernhard Meyer: Eucharistie: Geschichte, Theologie, Pastoral. Pustet, Regensburg 1989, ISBN 3-7917-1200-4 (Gottesdienst der Kirche. Handbuch der Liturgiewissenschaft, Teil 4), S. 169.
  4. Ritus servandus in celebratione Missæ (1962)
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