Reliquie

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Reliquien
Reliquienschrein

Der Begriff Reliquie stammt aus dem Lateinischen und bedeutet soviel, wie "zurücklassen". Nach dem Tod der Heiligen lebt ihre Seele bei Gott, und wir verehren, was sie uns zurückgelassen haben, ihre Knochen oder Kleidungsstücke.

Die Reliquienverehrung war besonders im Mittelalter weit verbreitet. Es entstanden große Wallfahrten zu den Gräbern von Petrus und Paulus nach Rom, nach Santiago de Compostela, wo der Legende nach der verstorbene heilige Apostel Jakobus, der Sohn des Zebedäus, in einem Boot an Land gespült wurde, und auch nach Köln zu den Gebeinen der heiligen Drei Königen.

Schon in der frühen Christenheit wurden die Heiligen, das waren in der ersten Zeit die Märtyrer, dort begraben, wo die Christen die Eucharistie gefeiert haben: in den Katakomben und später in den ersten Basiliken und Kirchen. Bis heute ist in jedem Altar ein Partikel von einer Reliquie eingelassen.

Durch die Verehrung der Reliquien verehren wir die Heiligen, stellen sie uns als Vorbilder vor Augen und erhoffen ihre Fürsprache in unseren Anliegen und für unser Leben.

Als Zeugnis für die Wirkkraft der Reliquie gilt im Alten Testament: 2. Könige 13, 20 - 21: "20 Und Elisa starb, und man begrub ihn. Und es kamen Streifscharen der Moabiter in das Land, als das Jahr anfing. 21 Und es geschah, als sie einen Mann begruben, siehe, da sahen sie die Streifschar, und sie warfen den Mann in das Grab Elisas; und als der Mann hineinkam und die Gebeine Elisas berührte, da wurde er lebendig und erhob sich auf seine Füße."

Die Verehrung von Reliquien dokumentiert vornehmlich die Frömmigkeit der Menschen.

In der Vita des Bischofs Polycarp findet sich der früheste Bericht über die Bergung von Reliquien. Nach dem Tod des Mitte des zweiten Jahrhunderts n. Chr. als Märtyrer verbrannten Bischofs sammelten dessen Gemeindemitglieder seine sterblichen Überreste und setzten sie bei. Zunächst galt es bei der Reliquienverehrung, den corpus integrum, den gesamten Körper zu verehren und nicht in einzelne Reliquienpartikel aufzuteilen. Spätestens seit der Zeit Bernwards von Hildesheim, der von einer Romreise eine Armreliquie des Paulusschülers Thimoteus mit nach Hildesheim gebracht hatte, wurde die Aufteilung der verstorbenen Heiligen üblich. Kritik an der Reliquienverehrung gab es bereits im Mittelalter. So äußerte der Berater Karls des Großen, Alkuin von York, man solle lieber "im Herzen die Vorbilder der Heiligen befolgen, als in Säckchen ihre Gebeine mit sich herumzutragen." Die Verehrung von Reliquien blieb aber ungeachtet kritischer Stimmen in Mittelalter, Renaissance und Barock äußerst populär. Neben Körperreliquien und Bekleidungsstücken Heiliger dienten auch Stoffstücke, Kreuze oder Medaillons, mit denen die Reliquie in Kontakt gekommen war als Berührungsreliquien, die an die spirituellen Kräfte des Heiligen erinnerten. Einige Herrscher wie Friedrich der Weise legten umfangreiche Reliquiensammlungen an, die in Heilthumsschauen den Gläubigen zugänglich gemacht wurden.

Literatur

  • Arnold Angenendt, Heilige und Reliquien. Die Geschichte ihres Kultes vom frühen Christentum bis zur Gegenwart, 2. Aufl. C. H. Beck, München, 1994.
  • Arnold Angenend, Die Gegenwart von Heiligen und Reliquien, Aschendorf, Münster, 2010.
  • Alfred Läpple: Reliquien. Verehrung, Geschichte, Kunst. Pattloch Verlag Augsburg 1990 (159 Seiten ; ISBN 3629.000169).

Siehe auch: Verehrung und Anrufung der Heiligen

Weblinks

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