Rerum omnium perturbationem (Wortlaut)

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Enzyklika
Rerum omnium perturbationem

von Papst
Pius XI.
an unsere Ehrwürdigen Mitbrüder, die Patriarchen, Primaten, Erzbischöfe, Bischöfe
sowie an die sonstigen Ortsordinarien, welche in Gnade und Gemeinschaft mit dem Apostolischen Stuhle stehen
in dem der heilige Kirchenlehrer Franz von Sales zum himmlischen Schutzpatron aller Redaktoren und Schriftsteller bestimmt bzw. bestätigt wird
anlässlich des dreihundersten Jahrestag seines Todestages
26. Januar 1923 an

(Offizieller lateinischer Text: AAS XV [1923] 49-63)

(Quelle: Heilslehre der Kirche, Dokumente von Pius IX. bis Pius XII. Deutsche Ausgabe des französischen Originals von P. Cattin O.P. und H. Th. Conus O.P. besorgt von Anton Rohrbasser, Paulus Verlag Freiburg/Schweiz 1953, S. 1213-1229; Imprimatur Friburgi Helv., die 22. maii 1953 L. Weber V. G; Die Nummerierung folgt der englischen Fassung, siehe Weblink)

Allgemeiner Hinweis: Was bei der Lektüre von Wortlautartikeln der Lehramtstexte zu beachten ist


Ehrwürdige Brüder !
Gruß und apostolischen Segen

Inhaltsverzeichnis

Einleitung:

Tiefste Wurzel der gegenwärtigen Weltkrise

1 Die allgemeine Krise der Gegenwart bildete kürzlich den Gegenstand Unseres Rundschreibens, mit dem Wir einen Ausweg weisen wollten. Wir haben dabei festgestellt, dass die Wurzel des Unheils tief in den Seelen der Menschen zu suchen ist und dass man eine Besserung der Lage nur vom göttlichen Heilbringer Jesus Christus durch Vermittlung seiner Kirche erwarten darf. [1]

Es gilt nämlich, dem maßlosen Überborden aller Leidenschaften Einhalt zu gebieten, das die erste Ursache aller Kriege und Zerwürfnisse ist und somit das soziale Leben, wie die internationalen Beziehungen vergiftet. Zugleich muss man aber die Neigungen jedes einzelnen von den vergänglichen und hinfälligen Gütern abwenden und auf die ewigen und unverwelklichen Werte hinlenken, denen die Mehrzahl mit unglaublicher Gleichgültigkeit gegenübersteht. Sobald sich einmal jedermann zu gewissenhafter Pflichterfüllung aufrafft, wird sich auch die allgemeine Lage der Menschheit bessern.

Sendung und Mittel der Kirche zu deren Überwindung

Nun haben Lehramt und Priesteramt der katholischen Kirche nur dieses eine Ziel: die Menschen zu belehren durch die Predigt der göttlichen Offenbarungswahrheit und sie zu heiligen durch die reichen Segensströme der göttlichen Gnade. Dadurch ist sie bemüht, auch das öffentliche Gemeinwesen, das sie einst im Geiste des Christentums ausgebildet und gestaltet hat, zu seiner ursprünglichen Bestimmung zurückzuführen, sobald sie es auf Abwege geraten sieht.

2 Dieses Heiligungswerk vollzieht die Kirche für die Allgemeinheit in überaus glücklicher Weise, sooft es ihr durch Gottes Güte und Auftrag vergönnt ist, einen aus der Schar ihrer hervorragenden Söhne, die sich durch ihr Tugendleben wunderbar bewährt haben, aller Welt zur Nachahmung zu empfehlen. Dies entspricht vollkommen ihrem innersten Wesen.

Denn einerseits hat sie Christus in Heiligkeit gegründet und als Heilbringerin bestimmt, und anderseits ist es Gottes Wille, dass alle, die sie als Führerin und Lehrmeisterin anerkennen, die Selbstheiligung zu ihrem Ziele machen. Das ist der Wille Gottes, sagt Paulus, eure Heiligllng.[2] Wesen und Art dieser Heiligkeit hat unser Herr selbst wie folgt umschrieben: Seid also vollkommen, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist.[3]

Allgemeine Verpflichtung zur christlichen Vollkommenheit

3 Und man glaube ja nicht, diese Aufforderung richte sich nur an eine auserlesene Minderheit, während es allen übrigen freistehe, sich mit einem geringeren Vollkommenheitsgrad zu begnügen. Denn dieses Gebot verpflichtet eindeutig alle insgesamt ohne jede Ausnahme. Die Geschichte bezeugt übrigens, dass tatsächlich unzählige Menschen jeglichen Alters und Standes das Hochziel der christlichen Vollkommenheit erreicht haben. Nun aber waren auch sie mit der gleichen natürlichen Schwachheit behaftet wie alle anderen Menschen und hatten ähnliche Gefahren zu bestehen. Augustinus bemerkt sehr treffend: „Gott befiehlt nichts Unmögliches; durch seinen Befehl ermuntert er uns vielmehr zu tun, was wir können, und zu erflehen, was wir nicht vermögen“.[4]

4 Die letztjährigen Feierlichkeiten anlässlich des dritten Zentenars der Heiligsprechung unserer Heldengestalten Ignatius von Loyola, Franz Xaver, Philipp Neri, Theresia von Jesus und Isidor Agricola haben, ehrwürdige Brüder, offensichtlich in besonderem Maße dazu beigetragen, den christlichen Lebensgeist im Volke neu zu wecken.

Leben und Wesensart des heiligen Franz von Sales

Seine besondere Sendung in der Kirche Gottes:

Im Abwehrkampf gegen die Reformation

Bald jährt sich zum dreihundertsten Mal der Todestag eines großen Heiligen, der sich in zweifacher Hinsicht aus gezeichnet hat: Er war selbst ein vollendetes Tugendbeispiel und hat zudem eine methodische Lehre des geistlichen Lebens hinterlassen. Wir meinen Franz von Sales, Bischof von Genf und Kirchenlehrer. Wie die eben erwähnten Leuchten christlicher Vollkommenheit und Weisheit hat Gott auch ihn offensichtlich dazu bestimmt, der Irrlehre der Reformatoren entgegenzutreten, die den Anstoß gegeben hat zum Abfall der menschlichen Gemeinschaft von der Kirche, dessen traurige und schlimme Folgen heute noch jeder Gutgesinnte mit Recht bedauert.

Als Vorbild und Lehrer echter Heiligkeit

Überdies scheint Franz von Sales auf besonderen Ratschfuß Gottes hin innerhalb der Kirche noch eine andere Sendung erfüllt zu haben. Durch seine persönliche Lebensführung und seine beredte Gelehrsamkeit hat er sich gegen ein Vorurteil erhoben, das schon zu seiner Zeit herrschte und auch heute noch nicht überwunden ist: die Heiligkeit im eigentlichen Sinne des Wortes, wie sie die Kirche lehrt, sei entweder überhaupt nicht oder jedenfalls nur so schwer zu verwirklichen, dass sie für den Großteil der Gläubigen keineswegs in Frage komme, sondern einer kleinen Minderheit hochgemuter und heroischer Seelen vorbehalten bleibe. Außerdem bringe ein heiligmäßiges Leben so viel Ungemach und Widerwärtigkeiten mit sich, dass es auf keinen Fall für die Laien in der Welt bestimmt sei.

5 In seiner Festpredigt über die obgenannten fünf Heiligen kam Unser hochseliger Vorgänger Benedikt XV. auch auf die bevorstehende Jubiläumsfeier zu Ehren des heiligen Franz von Sales zu sprechen und stellte bei dieser Gelegenheit ein besonderes Rundschreiben an die Weltkirche in Aussicht.[5] Dieses Vorhaben Unseres Vorgängers bringen Wir als sein Erbe umso lieber zur Ausführung, als begründete Hoffnung besteht, dass der segensreiche Ertrag der bevorstehenden Gedenkfeier den kürzlich abgehaltenen die Krone aufsetzen werde.

6 Bei aufmerksamer Betrachtung seines Lebens erscheint der heilige Franz von Sales schon von frühester Jugend an als ein Vorbild der Heiligkeit. Das ist jedoch keine strenge und düstere, sondern eine gewinnende und allen zugängliche Heiligkeit, so dass man von ihm wirklich sagen kann : Der Verkehr mit ihm hat gar nichts Bitteres, der Umgang mit ihm bringt keinen Verdruss, sondern Frohsinn und Freude.[6]

Seine Haupttugenden:

Sanftmut und Herzensgüte

Obwohl er nämlich alle Tugenden in hohem Grade besaß zeichnete er sich dennoch aus durch edle Herzensgüte, die man zutreffend als sein besonderes und charakteristisches Merkmal bezeichnen kann. Seine gütige Milde hatte jedoch nichts gemein mit jener gezierten Liebenswürdigkeit, die sich in ausgesuchten Umgangsformen gefällt und mit affektierter Höflichkeit zur Schau stellt. Anderseits war seine Art gleichweit entfernt von steifer Teilnahmslosigkeit, die sich durch nichts erschüttern lässt, wie von gedrückter Schüchternheit, die selbst dann nicht aufzubegehren wagt, wenn es wirklich nottut. Diese Haupttugend des heiligen Franz von Sales, gleich einer zarten Blüte der Liebe aus der Tiefe seines Herzens hervorsprießend, äußerte sich vor allem in einer innigen Anteilnahme und nachsichtigen Güte, die den Ernst seiner Züge milderte und seiner ganzen äußeren Erscheinung sowie seiner Stimme einen solch bezaubernden Reiz verlieh, dass jedermann ihm Verehrung und Liebe entgegenbrachte.

7 Die Biographen berichten von unserem Heiligen, er habe stets jedermann ohne Umstände zugelassen und liebevoll empfangen, insbesondere die Sünder und Abtrünnigen, die seine Wohnung belagerten, um von ihm Lossprechung und heilsamen Zuspruch zu erlangen. Die Gefangenenseelsorge war ihm eine besondere Freude; er besuchte die Sträflinge häufig und tröstete sie mit den tausend Gefälligkeiten seiner Liebe. Ebenso nachsichtig war er im Umgang mit seiner Dienerschaft, deren Nachlässigkeit und Anmaßung er mit in vorbildlicher Geduld ertrug.

Wie seine Herzensgüte allen ohne Unterschied galt, so versagte sie auch keinen Augenblick weder in guten noch in bösen Zeiten. Mochten ihn daher die Andersgläubigen auch noch so sehr quälen, stets bezeigte er ihnen die gleiche Höflichkeit und freundliche Zuvorkommenheit.

Apostolischer Seeleneifer

Ein Jahr nach seiner Priesterweihe stellt er sich ohne die Zustimmung und gegen den Willen seines Vaters dem Bischof Granerius von Genf aus freien Stücken zur Verfügung, um die Bevölkerung des Chablais zur Kirche zurückzuführen. Sehr gerne vertraut ihm der Bischof diese ausgedehnte und schwierige Provinz an, und der Neupriester geht mit solchen Eifer an die Arbeit, dass er vor keinen Strapazen zurückschreckt und selbst die Todesgefahr nicht scheut. Bei diesem Heilswerk an vielen Tausenden von Seelen kamen ihm jedoch sein umfassendes Wissen und seine überzeugende Beredsamkeit weit weniger zustatten, als seine wohlwollende Gutherzigkeit, die ihn inmitten aller Lasten der Seelsorge niemals im Stiche ließ.

8 Immer wieder kam ihm der denkwürdige Ausspruch auf die Lippen: „Apostel kämpfen nur durch Leiden und triumphieren nur durch den Tod.“ Es ist kaum vorstellbar, wie unverdrossen und wie standhaft er inmitten seiner Schutzbefohlenen des Chablais sich für Christus einsetzte. Um ihnen das Glaubenslicht und die Tröstungen der christlichen Hoffnung zu bringen, wandert er durch steile Täler und klettert durch enge Schluchten; die Flüchtigen verfolgt er mit lautem Rufen; wird er unsanft abgewiesen, so lässt er sich nicht abschrecken; verfolgt man ihn mit Drohungen, so geht er von neuem ans Werk; zu wiederholten Malen aus den Gasthöfen verjagt, übernachtet er bei Frost und Schnee unter freiem Himmel; er feiert die heilige Messe, auch wenn kein Mensch da ist; er predigt, selbst wenn alle davonlaufen. Und trotz allem bewahrt er stets seine ungetrübte Seelenruhe, seine herzliche Liebe zu den undankbaren Menschen, die schließlich auch den Widerstand seiner hartnäckigsten Gegner bricht.

Selbstbeherrschung und Starkmut

9 Es wäre aber ein großer Irrtum zu glauben, Franz von Sales sei eben von Natur aus so veranlagt und einer jener bevorzugten Menschen gewesen, denen Gottes Gnade mit den Segnungen der Güte[7] zuvorgekommen ist. Er hatte im Gegenteil auf Grund seines Temperamentes einen schroffen und jähzornigen Charakter. Er nahm sich aber Christus zum Vorbild, der gesagt hatte: Lernet von mir, denn ich bin sanft und demütig von Herzen.[8] Darum überwachte er fortwährend seine inneren Regungen und, indem er sich Gewalt antat, zügelte und meisterte er sie dermaßen, dass er wie selten jemand mit seinem ganzen Wesen an den Gott des Friedens und der Sanftmut gemahnte.

Einen glänzenden Beweis dafür liefert uns folgende Tatsache: Als die Ärzte nach seinem Tod den Leichnam einbalsamierten, fanden sie die Leber fast vollständig verhärtet und in winzige Steinchen zerbröckelt. Dieser Befund enthüllte ihnen, wie viel Gewalt und wie viel Selbstüberwindung es ihn gekostet haben musste, um fünfzig Jahre lang seine angeborene Reizbarkeit niederzuhalten.

10 Starkmut, genährt aus unerschütterlichem Glaubensgeist und glühender Gottesliebe, war also der Quellgrund jener vielgerühmten Milde des heiligen Franz von Sales, so dass das Schriftwort buchstäblich auf ihn zutrifft: Vom Starken ist holde Güte ausgegangen.[9] Und dank dieser „Sanftmut des Seelenhirten“, die ihn auszeichnete und die nach Johannes Chrysostomus „die mächtigste aller Gewalten ist“, [10] musste ihm unfehlbar auch jene Anziehungskraft zur Gewinnung der Herzen eigen sein, die Christus den Sanftmütigen verheißen hat: Selig die Sanftmütigen, denn sie werden die Erde beherrschen.[11]

Unerschrockene Standhaftigkeit

11 Die Charakterstärke dieses Mannes, den man als Vorbild der Gutherzigkeit pries, offenbarte sich übrigens eindeutig, sooft er jeweils mit den Machthabern einen Kampf auszutragen hatte für die Ehre Gottes, das Ansehen der Kirche oder das Heil der Seelen. Das war z.B. der Fall, als es galt, die kirchlichen Rechtsbefugnisse gegen die Regierung von Chambery zu verteidigen. Diese Behörde hatte ihm durch einen Drohbrief zu verstehen gegeben, sie werde ihm einen Teil seiner Einkünfte entziehen. Da gab er dem Überbringer der Botschaft eine Antwort, die seiner Würde durchaus angemessen war, und erhob solange Einspruch gegen diese Ungerechtigkeit, bis ihm die Regierung volle Genugtuung leistete. Mit derselben Standhaftigkeit ertrug er den Zorn des Fürsten, bei dem er samt seinen Brüdern verleumdet worden war, und widersetzte er sich energisch den Ansprüchen des Adels auf die Besetzung kirchlicher Amtsstellen. Desgleichen schritt er, als alle Vermittlungsversuche gescheitert waren, streng gegen die Widerspenstigen ein, die dem Domkapitel von Genf die Abgaben verweigert hatten.

So pflegte er mit evangelischem Freimut gegen öffentliche Laster aufzutreten, aber auch Scheintugend und falsche Frömmigkeit zu entlarven. Ehrerbietig wie nur irgend jemand der Oberhoheit der Fürsten gegenüber, ließ er sich doch niemals dazu bestimmen, ihren Leidenschaften zu schmeicheln oder ihrer zügellosen Willkür sich zu beugen.

Die Werke des Kirchenlehrers

12 Sehen wir nun, ehrwürdige Brüder, wie Franz von Sales nicht nur in seiner Person ein liebenswürdiges Vorbild der Heiligkeit war, sondern zudem noch durch seine Schriften jedermann einen sicheren und gangbaren Weg zur christlichen Vollkommenheit gewiesen hat. Auch in dieser Hinsicht hat er ganz offensichtlich unsern Herrn Jesus Christus nachgeahmt, der anfing Zu wirken und Zu lehren.[12]

Die „Philothea“, über die christliche Vollkommenheit

Gegensatz zur jansenistischen Strenge

13 In dieser Absicht hat er mehrere berühmte Werke verfasst, worunter zwei weitverbreitete Bücher die erste Stelle einnehmen: die „Philothea“ (lntroduclion à la vie devóte) und die „Abhandlung über die Gottesliebe“ (Traité de I´amour de Dieu). In der „Philothea“ unterscheidet Franz von Sales vorerst die echte Frömmigkeit von jener herzlosen Strenge, die von der Tugendübung abschreckt und die Seelen entmutigt. Freilich nimmt er ihr keineswegs den gebotenen Ernst, der zu einer christlichen Lebensführung gehört.

14 Sodann gibt er sich alle Mühe, um nachzuweisen, dass sich die Heiligkeit mit sämtlichen Pflichten und Lebensstellungen sehr gut verträgt und dass auch in der Welt draußen jedermann sein Heil wirken kann, wofern er sich nur nicht vom Geist dieser Welt erfassen und bestimmen lässt. So lernen wir denn unter seiner Anleitung gerade das tun - die Sünde natürlich ausgenommen -, was alle gewohnheitsmäßig tun, zugleich aber auch - was die meisten gewöhnlich unterlassen - dies alles mit übernatürlicher Absicht tun und zwar, um Gott zu gefallen.

Die Heiligkeit für jedermann

Ferner hält er uns an, Schicklichkeit und Anstand zu wahren, die er selber das hübsche Kleid der Tugend nennt; die Natur nicht zu unterdrücken, sondern zu zähmen und allgemach mit leichtem Flügelschlag gen Himmel zu flattern nach Art der Tauben, wenn uns der Adlerflug nicht vergönnt ist, d. h. die Heiligkeit auf gewöhnlichem Wege anzustreben, wenn wir uns nicht zu außerordentlicher Vollkommenheit berufen fühlen.

Praktische Wegleitung

15 Stets in diesem ernsten und zugleich lebendigen Stil und in einer bildhaften, geistreichen und würzigen Sprache, die seinen Anweisungen einen eigenen Reiz verleihen und sie für den Leser anziehend gestalten, ermahnt er uns vorerst, jegliche Sünde zu meiden, den bösen Neigungen zu widerstehen sowie allem Unnützen und Schädlichen aus dem Wege zu gehen. Dann behandelt er die aszetischen Mittel zur Vollkommenheit und die Methode des geistlichen Lebens zur Vereinigung mit Gott.

Sodann gibt er den grundsätzlichen Rat, eine besondere Tugend zu wählen und ohne Unterlass zu pflegen, bis wir sie völlig besitzen. Es folgt die Behandlung der einzelnen Tugenden, der Schamhaftigkeit, der anständigen und unehrbaren Gespräche, der erlaubten und gefährlichen Vergnügen, der Treue gegen Gott und schließlich der Pflichten der Gatten, Witwen und Unverheirateten.

16 Zum Schluss unterrichtet er uns über geeignete Mittel, um die Gefahren, Versuchungen und Lockungen der Sinnenlust zu erkennen und ihrer Herr zu werden, und zeigt endlich, wie wir alljährlich auf unseren Seelenzustand Rückschau halten, heilsame Vorsätze fassen und von neuem beginnen sollen.

Möge dieses Werk, das die Zeitgenossen des Verfassers als das vollkommenste seiner Art bezeichneten, auch heute er noch viele Leser finden, wie es einst lange Zeit das Handbüchlein weitester Kreise war! Dann wäre ein Aufblühen der christlichen Frömmigkeit allenthalben gesichert, und die Kirche Gottes könnte sich über die Heiligkeit ihrer sämtlichen Kinder freuen.

Der „Theotimus“, über die Gottesliebe

17 Die „Abhandlung über die Gottesliebe“ (deutsch gewöhnlich „Theotimus“ genannt) übertrifft die „Philothea“ noch an Bedeutung und Gehalt. Darin entwirft der heilige Kirchenlehrer gewissermaßen die Geschichte der Liebe zu Gott. Er beschreibt deren Ursprung und Entfaltung und zeigt dann auf, warum sie in den Herzen der Menschen allmählich erkaltete und erlosch. Schließlich gibt er eine Anleitung zur Pflege und Vertiefung der Gottesliebe.

Sooft sich eine Gelegenheit dazu bietet, erläutert er meisterhaft die schwierigsten Fragen: die Wirksamkeit der Gnade, die Vorherbestimmung, die Berufung zum Glauben. Und um eine trockene Darstellung zu vermeiden, schöpft er aus dem reichen Vorrat seines sprühenden Geistes und kleidet seine Gedanken in das schöne Gewand gehobener Stimmung und gottseliger Frömmigkeit. Er weiß seine Ausführungen zu würzen mit bunten Gleichnissen, Anekdoten und trefflichen Zitaten, die er meistens der Heiligen Schrift entnimmt. So hat es den Anschein, als wäre sein Buch nicht so sehr ein Erzeugnis seines Verstandes, als vielmehr ein Erguss seines gemütvollen Herzens.

„Die Briefe“ und die Schwestern von der Heimsuchung

18 Die Hauptlehren des geistlichen Lebens, die er in diesen beiden Werken dargelegt hat, lässt er auch praktisch den Seelen zunutze kommen, sei es in der täglichen Seelsorge, sei es auch in seinen herrlichen „Briefen“. Ferner verwertet sie als geistlicher Leiter der Schwestern von der Heimsuchung. Diese Stiftung, deren Gründer er war, ist seinem Geist bis auf den heutigen Tag treu geblieben.

In dieser Schwesternkongregation herrscht durchwegs eine Atmosphäre milder Maßhaltung und herzlicher Freundlichkeit. Ihre Eigenart besteht darin, dass sie Mädchen und Frauen, Witwen und Damen aufnimmt, sogar schwächliche und kranke, selbst in vorgerückten Jahren, deren Gesundheit dem idealen Herzensdrang offenbar nicht standzuhalten vermag. Hier gibt es keine langen Nachtwachen und Chorgebete, keine strengen Bußübungen und Sühnewerke, sondern lediglich den Gehorsam gegenüber einer Regel, die so mild und schonungsvoll ist, dass auch weniger leistungsfähige Schwestern allen Verpflichtungen ohne Beschwerden nachkommen können.

19 Diese unbeschwerte und frohmütige Pflichterfüllung soll jedoch von inniger Liebe beseelt sein, so dass die Töchter des heiligen Franz von Sales zu vollkommener Selbstverleugnung und demütigem Gehorsam heranreifen und im Streben nach unauffälligen, aber gefestigten Tugenden sich selbst absterben, um für Gott zu leben. Auch hierin erkennt man jene einzigartige Verbindung von Milde und Starkmut, die wir am Ordensvater selber bewundert haben.

Die „Kontroversen", Verteidigung des katholischen Glaubens

20 Wir übergehen eine ganze Reihe von Schriften des heiligen Franz von Sales, aus denen seine überirdische Lehre wie ein Strom lebendigen Wassers sich über die Gefilde der Kirche ergoss ... und dem Volke Gottes vielfältigen Segen brachte.[13] Immerhin können Wir seine „Kontroversen“ nicht unerwähnt lassen, ein Werk, das ohne Zweifel „eine umfassende Darlegung des katholischen Glaubens“[14] enthält.

Veranlassung und Entstehung der Flugschriften

21 Ihr wisst, ehrwürdige Brüder, unter welchen Umständen zu Franz von Sales die Missionierung des Chablais übernahm. Wie die Geschichte berichtet, hatte der Herzog von Savoyen gegen Ende des Jahres 1593 mit Bern und Genf einen Waffenstillstand geschlossen. Der Augenblick schien äußerst günstig, um die Bevölkerung des Chablais mit der Kirche zu versöhnen.

22 Dazu gab es wohl kein besseres Mittel als die Entsendung seeleneifriger und gut geschulter Missionare, die durch ihr überzeugendes Wort die Irregeleiteten allmählich zum Glauben zurückführen sollten. Kaum hatte aber der erste Glaubensbote das Land betreten, als er aus Entmutigung oder aus Furcht das Arbeitsfeld wieder verließ. Franz von Sales, der sich, wie schon gesagt, dem Bischof von Genf als Missionar zur Verfügung gestellt hatte, begab sich im September 1594 zu Fuß, ohne Lebensmittel und ohne jeden Vorrat, einzig in Begleitung eines Vetters, in die abtrünnige Provinz. Zuvor hatte er aber viel gefastet und gebetet, denn er zählte auf Gott allein für den Erfolg seines Unternehmens.

Da aber die Leute nicht zu seinen Predigten kamen, entschloss er sich, ihre Irrlehren in Flugschriften zu widerlegen die er zwischen den Vorträgen verfasste. In Abschriften gingen sie dann von Hand zu Hand und gelangten schließlich auch unter die Protestanten.

23 Doch die Abfassung dieser Blätter wurde nach und nach überflüssig, als nämlich die Bevölkerung in hellen Scharen zu seinen Predigten herbeiströmte. Die handschriftlichen Flugblätter des heiligen Kirchenlehrers wurden nach seinem Tode in alle Winde zerstreut; erst viel später wurden sie wieder gesammelt und Unsere Vorgänger Alexander VII. in Buchform überreicht. Ihm war es dann vergönnt, nach vorgängigem kanonischem Prozess Franz von Sales unter die Seligen und später unter die Heiligen aufzunehmen.[15]

Inhalt und Geist dieser apologetischen Traktate=

24 Obwohl der heilige Lehrmeister in seinen „Kontroversen“ das apologetische Rüstzeug früherer Jahrhunderte mit viel Geschick auszubeuten versteht, tragen doch seine sämtlichen Traktate einen sehr persönlichen Stempel. Vor allem weist er nach, dass in der Kirche Christi eine Autorität undenkbar ist ohne rechtmäßigen Auftrag, der aber den irrgläubigen Pastoren überhaupt abgehe. Er widerlegt deren Irrtümer über das Wesen der Kirche, umschreibt die kennzeichnenden Merkmale der wahren Kirche und beweist, dass die katholische Kirche sie tatsächlich besitzt, während sie der reformierten fehlen. Sodann erläutert er eingehend die „Glaubensregeln“ und zeigt, wie sie bei den Abtrünnigen verletzt, von den Katholiken hingegen gewissenhaft beobachtet werden. Den Abschluss bildeten einige Sondertraktate, von denen nur jene über die Sakramente und das Fegfeuer erhalten sind.

Man staunt über die unerschöpfliche Gelehrsamkeit und die gewandte, äußerst straffe Beweisführung im Kampf mit den Gegnern, deren falsche und verfängliche Behauptungen gegebenenfalls mit leiser Ironie treffsicher entlarvt.

25 Klingt seine Sprache bisweilen etwas heftig, so spürt man doch aus jedem Wort, wie sogar seine Gegner zugeben mussten, das versöhnliche Walten der Liebe. Denn selbst wenn er seinen irrenden Söhnen ihren Abfall vom katholischen Glauben vorhält, will er sich offenbar nur den Weg zu ihren Herzen bahnen, um sie inständig zur Rückkehr zu bewegen. Die „Kontroversen“ sind nämlich bereits von jener herzlichen Gesinnung getragen, die seine Erbauungsbücher in hohem Maße kennzeichnet.

Sprache und unwiderstehliche Wirkung

Auch hier ist der Stil dermaßen gepflegt, bezaubernd und überzeugend, dass sogar die Wortführer des Protestantismus ihre Anhänger vor dem verlockenden Blendwerk des Genfer Missionars zu warnen pflegten.

Praktische Lehren und Anweisungen

Aufruf des Papstes zur Jubiläumsfeier

26 Nach diesem kurzen Rückblick auf Leben und Werk des heiligen Franz von Sales laden Wir euch zum Schluss ein, ehrwürdige Brüder, sein Jubiläum in jeder Diözese mit einer erhebenden Gedenkfeier zu begehen. Diese Feierlichkeiten sollten sich aber nicht in einer unfruchtbaren Erinnerung an die Vergangenheit erschöpfen noch auf wenige Tage beschränken. Wir wünschen vielmehr, dass die Gläubigen im Verlauf dieses Jahres bis zum 28. Dezember, dem Todestag des Heiligen, über sein Tugendleben und seine Lehren gründlich unterrichtet werden.

Verwirklichung standesgemäßer Heiligkeit

27 Eure erste Aufgabe wird es also sein, dem Klerus und Volk eurer Diözese dieses Rundschreiben bekannt zu geben und sorgfältig zu erläutern. Vor allem liegt Uns sehr am Herzen, dass ihr die Gläubigen an die Pflicht der standesgemäßen Heiligkeit erinnert, da leider allzu viele entweder nie an das ewige Leben denken oder ihr Seelenheil vollständig vernachlässigen. Die einen versinken nämlich im Strudel der Geschäfte und kümmern sich nur um Gelderwerb, während ihre Seele elendiglich darbt. Die andern sind im Banne ihrer Leidenschaften dermaßen an das irdische Dasein versklavt, dass sie überhaupt kein Verständnis mehr aufbringen für alles, was jenseits der Sinne liegt. Andere schließlich gehen ganz auf in der Politik und machen sich viele Sorgen um den Staat, denken aber kaum an sich selbst.

Nach dem Vorbild des heiligen Franz von Sales müsst ihr daher, ehrwürdige Brüder, die Gläubigen zur Einsicht führen, dass ein heiligmäßiges Leben kein besonderes Vorrecht ist, das einer Minderheit gewährt und der großen Masse versagt wäre, sondern die allen gemeinsame Bestimmung und allen gemeinsame Pflicht. Der Kampf um die Tugend kostet zwar Müh und Anstrengung, die aber durch Herzensfreude und innere Befriedigung reichlich aufgewogen wird. Und mit Hilfe der Gnade, die Gott keinem vorenthält, ist die Tugend allen erreichbar.

Nachahmung der Sanftmut des heiligen Franz von Sales

28 Ermahnt die Gläubigen in erster Linie zur Nachahmung der Sanftmut des heiligen Franz von Sales. Diese Tugend ist fürwahr die reinste und getreueste Widerspiegelung der Güte Jesu Christi und übt eine mächtige Anziehungskraft auf die Menschen aus. Hätte sie einmal alle Menschen erfasst, dann wären gewiss die öffentlichen und privaten Beziehungen mit Leichtigkeit zu regeln. Ist diese Tugend, die man mit Recht als den schönsten Ausdruck der göttlichen Liebe bezeichnen könnte, nicht die sicherste Grundlage für Ruhe und Eintracht in Familie und Staat?

29 Und gewinnt nicht das Apostolat der Priester wie der Laien, gerade wenn es vom Geiste der christlichen Sanftmut beseelt ist, gewaltig an Kraft und wohltätigem Einfluss auf alle Gesellschaftskreise?

30 Ihr seht wohl ein, wie wichtig es ist, dass die Christen das erhabene Beispiel des heiligen Franz von Sales tief beherzigen und dessen Lehre zu ihrer Lebensregel machen.

Verbreitung und Lektüre seiner Schriften

Ein ausgezeichnetes Mittel, um dieses Ziel zu erreichen, ist die möglichst weite Verbreitung der eben genannten Bücher und Schriften.[16] Diese Werke, die eine allgemeinverständliche und ansprechende Lektüre sind, werden in den Seelen das Verlangen nach echter und solider Frömmigkeit wecken. Die Priester ihrerseits werden vorzüglich befähigt sein, diesen Keim zur Entfaltung zu bringen, wenn sie sich die geistliche Lehre des heiligen Bischofs gründlich angeeignet haben und seine gewinnende Beredsamkeit zum Vorbild nehmen.

31 Diesbezüglich soll schon Unser Vorgänger Klemens VIII. die wunderbare Wirkung der Predigten und Schriften des heiligen Franz von Sales vorausgesagt haben.[17] Anlässlich des Theologieexamens, das der zum Bischof Erkorene vor Kardinälen und Gelehrten abzulegen hatte, bemächtigte sich des Papstes eine solche Bewunderung, dass er den Priester herzlich umarmte und zu ihm sagte: Geh hin, mein Sohn, trink Wasser aus deiner eigenen Zisterne und aus den Rinnsalen deines Brunnens, deine Quellen sollen nach außen strömen, und leite deine Wasserbäche auf die Straßen hinaus.[18]

32 Tatsächlich war die ganze Predigt des heiligen Franz eine Bekundung von Geist und Kraft.[19] Bibel und Kirchenväter waren seine Quellen, die Theologie lieferte ihm gesunde Nahrung und überdies verlieh der Balsam der Liebe seinen Worten bezaubernde Anmut. Kein Wunder also, dass er so viele Irrgläubige zur Kirche zurückgeführt hat und dass im Laufe dieser drei Jahrhunderte unzählige Seelen unter seiner Anleitung den Höhenweg der Vollkommenheit beschritten haben.

Franz von Sales, Patron der Redaktoren und Schriftsteller

33 Eine Hauptfrucht dieser Jubiläumsfeier soll aber jenen Katholiken zufallen, die als Redaktoren oder als Schriftsteller die christliche Lehre darlegen, verbreiten und verteidigen. Gerade diese Männer der Feder müssen sich bemühen, im Kampf für die Wahrheit wie Franz von Sales die Überzeugungskraft mit Selbstbeherrschung und Liebe zu paaren. Das Beispiel des heiligen Kirchenlehrers gibt ihnen klare Verhaltungsmaßregeln: gründliches Studium der katholischen Lehre; keine Entstellung noch Abschwächung oder Bemäntelung der Wahrheit, angeblich um den Gegner nicht zu verletzen; sorgfältige Pflege der sprachlichen Form und einer stilvollen und klaren Einkleidung der Gedanken, so dass die Leser an der Wahrheit Gefallen finden; im Abwehrkampf gilt es, die Irrtümer sachlich zu widerlegen und der Arglist böswilliger Menschen standzuhalten, aber stets in der Weise, dass die ehrliche Absicht und die Nächstenliebe als innerster Beweggrund sichtbar werden.

34 Nun aber besteht kein offizielles und förmliches Dokument des Heiligen Stuhles, das Franz von Sales zum Patron der katholischen Schriftsteller erklärt. Daher ergreifen Wir diese günstige Gelegenheit, um auf Grund zuverlässiger Sachkenntnis und nach reiflicher Überlegung kraft Unserer apostolischen Gewalt durch dieses Rundschreiben den heiligen Franz von Sales, Bischof von Genf und Kirchenlehrer, zum himmlischen Schutzpatron aller Redaktoren und Schriftsteller zu bestimmen bzw. zu bestätigen, und dies erklären Wir ungeachtet jeder gegenteiligen Verfügung.

Schluss: Verordnungen für die Jubiläumsfeierlichkeiten

35 Um nun, ehrwürdige Brüder, diese Zentenarfeier möglichst erhebend und segenbringend zu gestalten, müsst ihr eure Gläubigen mit allen Mitteln der religiösen Betreuung zur gebührenden Verehrung dieser Leuchte der Kirche einladen, damit sie, im Bußsakrament gereinigt und am Tische des Herrn gestärkt, auf die Fürbitte des heiligen Franz von Sales hin entschlossen und frohgemut den geraden Weg zur Heiligkeit einschlagen.

Ihr werdet folglich dafür sorgen, dass in eurer Bischofsstadt und in jeder Pfarrei eures Bistums im Verlauf dieses Jahres bis zum 28. Dezember ein Triduum oder eine neuntägige Andacht mit Predigten abgehalten wird. Denn es ist äußerst wichtig, das Volk sorgsam zu unterrichten über die Mittel und Wege, die ihm unter der, Führung unseres Heiligen den Aufstieg in höhere Regionen ermöglichen werden. Wir überlassen es eurer Hirtensorge und eurem persönlichen Gutdünken, außerdem noch andere Gedenkfeiern über Leben und Werk des heiligen Bischofs zu veranstalten.

36 Ferner gewähren Wir zum Wohl der Seelen aus dem Uns von Gott anvertrauten Gnadenschatz allen Teilnehmern an den obgenannten Andachten für jeden Tag einen Ablass von sieben Jahren und sieben Quadragenen und am letzten oder an einem beliebigen Tag nach freier Wahl einen vollkommenen Ablass unter den gewöhnlichen Bedingungen.

Das Kloster der Visitandinnen von Annecy, das die Grabstätte des Gründers hütet - wo Wir selber vormals mit überströmender Freude das heilige Messopfer gefeiert haben -, das Kloster von Treviso, das sein Herz aufbewahrt, sowie die übrigen Klöster der Schwestern von der Heimsuchung sollen ein besonderes Zeichen Unseres Wohlwollens erhalten. Wir bewilligen also ebenfalls einen vollkommenen Ablass allen, die während der monatlichen Dankesandachten der Schwestern im Jubeljahr sowie am 28. Dezember dieses Jahres ihre Kirchen besuchen und nach gültiger Beichte und Empfang der heiligen Kommunion in Unserer Meinung beten.

37 Und ihr, ehrwürdige Brüder, empfehlt inständig euren Bistumsangehörigen, den Beistand des heiligen Kirchenlehrers auch für Uns anzurufen, da es nun einmal Gott gefallen hat, die Leitung der Kirche in sehr schweren Zeiten in Unsere Hände zu legen. Auf die Fürbitte des heiligen Franz von Sales, der dem Apostolischen Stuhl in einzigartiger Liebe und Ehrfurcht ergeben war, und dessen Rechte und Ansehen er in seinen „Kontroversen“ glanzvoll verteidigt hat, möge Uns die Gunst beschieden sein, alle Menschen, die dem Gesetz und der Liebe Christi entfremdet sind, zur Heimstätte des ewigen Lebens zurückkehren zu sehen, damit Wir sie in der geeinten Gemeinschaft der Christenheit mit dem Friedenskuss empfangen können.

38 Als Unterpfand der göttlichen Gnaden und als Erweis Unseres väterlichen Wohlwollens erteilen Wir euch, ehrwürdige Brüder, eurem ganzen Klerus und Volk in herzlicher Liebe den Apostolischen Segen.

Gegeben zu Rom bei St. Peter, am 26. Januar 1923,

im ersten Jahre Unseres Pontifikates

Papst Pius X.

Anmerkungen

  1. VgI. Pius XI., Rundschreiben ubi arcano vom 23. Dezember 1922. AAS XIV (1922) 680-700.
  2. 1 Thess 4,3 EU.
  3. Mt 5,48 EU.
  4. Augustinus von Hippo, De natura et gratia XLIII 50. PL 44, 271.
  5. Vgl. Benedikt XV., Ansprache Accogliamo vom 24. Dezember 1921.
  6. Weish 8,16 EU.
  7. Ps 20,4 EU.
  8. Mt 11,29 EU.
  9. Ri 14,14 EU.
  10. Johannes Chrysostomus, Hom. LVIII in Gen. 5. PG 57, 512.
  11. Mt 5,4 EU.
  12. Apg 1,1 EU.
  13. Pius IX., Breve Dives in misericordia Deus vom 16. November 1877 ASS X (1877) 414.
  14. Apg 11,14 EU Pius IX., Breve Dives in misericordia Deus vom 16. November 1877 ASS X (1877) 413.
  15. VgI. Alexander VII., Bulle zur Heiligsprechung des seI. Franz von Sales, vom 13. Mai 1665.
  16. Die Visitandinnen des Klosters von Annecy haben das Gesamtwerk ihres heiligen Gründers in einer großangelegten, kritischen Ausgabe veröffentlicht: (Euvres de S. François de Sales. Edition complète. Annecy 1892-1929, 24 Bände. - Von den zahlreichen Übersetzungen ins Deutsche nennen wir: Ausgewählte Schriften des heiligen Franz von Sales. Herausgegeben von Otto Karrer und Mitarbeitern. München, J. Pfeiffer, 1925-1928, 4 Bändchen. I. Philothea oder Anleitung zu gottseligem Leben (auch: Ars Sacra, München 1927); II. Von der Gottesliebe oder Theotimus, 2 Teile; III. Ausgewählte Briefe der Seelenführung; IV. Geistliche Unterweisungen und Vorträge. - Ferner: FRANZ VON SALES, Gnade und Maß. Brieffragmente ausgewählt von einem Benediktiner und einem Kartäuser, aus dem Französischen übertragen von Dr. Eugen WetzeI. Benziger Verlag Einsiedeln 1951 (Anmerkung des Herausgebers).
  17. Vgl. Pius XI., Dekret Quanto ecclesiae vom 7. Juli 1877. ASS X (1877) 362.
  18. Spr 5,15-16 EU.
  19. 1 Kor 2,4 EU.

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