Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem

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Die Anfänge des Orden der Ritter vom Heiligen Grab zu Jerusalem (lat.: Ordo Equestris Sancti Sepulcri Hierosolymitani, kurz: OESSH) reichen bis in das 14. Jahrhundert zurück und liegen damit lange nach der Zeit der Kreuzzüge. Der Orden entstand, als Jerusalem-Pilger am Hl. Grab zu Jerusalem von dem dortigen Guardian der Franziskaner den Ritterschlag erhielten. Diese Ritter verpflichteten sich, für den Unterhalt des Hl. Grabes zu sorgen. Ursprünglich erhielten nur Adelige den Ritterschlag.
Hauptaufgabe der umgangssprachlich sog. Grabesritter ist die Sorge um die Katholiken im Heiligen Land und die Unterstützung des Lateinischen Patriarchen in Jerusalem zur Wahrnehmung seiner Aufgaben.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Seit 1500 stand das Rittertum vom Hl. Grabe unter dem besonderen Schutz der Päpste. Die Investitur erfolgte weiterhin ausschließlich durch den Franziskanerguardian (Kustos) in Jerusalem. In manchen europäischen Ländern (insbesondere in Spanien und Frankreich) gab es seit dem 17./18. Jahrhundert Bemühungen, sich in bruderschaftsähnlichen Gemeinschaften zusammenzuschließen.
Seit 1561 werden Namensverzeichnisse über die am Heiligen Grabe zum Ritter geschlagenen Personen geführt.

Den heutigen Orden der "Grabesritter" als Gemeinschaft zur finanziellen Unterstützung des 1847 errichteten lateinischen Patriarchats von Jerusalem reorganisierte Papst Pius IX.. Bereits mit Instruktion der päpstlichen Kongregation "de Propaganda Fide" vom 10. Dezember 1847 wurde die Verleihung von Auszeichnungen des Ordens allein dem Lateinischen Patriarchen von Jerusalem zugestanden. Aber erst zwanzig Jahre später, am 24. Januar 1868 wurde mit dem Apostolischen Schreiben "Cum multa" der päpstlichen geistlichen Ritterorden eingerichtet. Nun wurden nach dem Vorbild der zahlreichen Ordensgründungen in Europa auch der päpstliche Ritterorden in drei Klassen eingeteilt, die Ritter mit Großkreuz, die Komture und die Klasse der Ritter.
Papst Pius X. ordnete mit Breve an den Lateinischen Patriarchen Filippo Camassei vom 3. Mai 1907 den Ritterorden neu. Er behielt dem Papst das Amt des Großmeisters vor, erlaubte aber dem Lateinischen Patriarchen von Jerusalem, während seiner Amtszeit im Namen des Papstes Ritter zu ernennen. Im Übrigen organisierte Pius X. den Ritterorden dahin gehend neu, dass die Angelegenheiten des Ordens durch eigens "aufgestellte" Ritter in den einzelnen Territorien (Ländern bzw. Staaten) geregelt werden sollten. In Folge dieser Bestimmung wurden Provinzen gegründet und Präsidenten zur Leitung dieser Ordensprovinzen berufen. Pius XII. übertrug 1940 einem Protektor die Aufgaben der Ordensleitung und errichtete mit dem Statut von 1949 das Amt des Kardinalgroßmeisters.

Deutsche Statthalterei

1933 wurde im Deutschen Reich die deutsche Ordensprovinz gegründet, die 1951 durch Dekret des Kardinalgroßmeisters des Ordens, als "Deutsche Statthalterei des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem" proklamiert wurde.

Mitgliedschaft

Mit Breve vom 3. August 1888 legte Papst Leo XIII. fest, dass auch Frauen Ordensmitglieder werden können und schuf für die Ordensdamen ebenfalls drei Klassen.
Artikel 5 des derzeit gültigen, von Papst Paul VI. erlassenen Statuts vom 8. Juli 1977 regelt "Die Ritter und Damen werden unter Persönlichkeiten katholischen Glaubens sowie einwandfreier sittlicher Lebensführung ausgewählt, die sich in besonderer Weise um die katholischen Einrichtungen im Heiligen Land und um den Orden verdient gemacht haben und sich verpflichten, dies auch in der Zukunft zu tun." Demnach kann man sich um eine Mitgliedschaft im Orden nicht aktiv bewerben.
1933 zählte die deutsche Provinz 149 Mitglieder (darunter 10 Damen). Zur Zeit (2010) zählt die deutsche Statthalterei etwa 1300 Mitglieder. Weltweit zählt der Ritterorden zwischen 20.000 bis 28.000 Mitglieder.

Sitz des Ordens

Sitz des Ordens ist nicht mehr Jerusalem sondern seit 1907 in Rom.

Ordenszeichen

Das Ordenszeichen (Kleinod) ist ein mit scharlachrotem Lack emailliertes Kreuz von Gottfried von Bouillon, das sogenannte Jerusalemkreuz (eingeschlossen von vier weiteren, kleineren Kreuzen ebenfalls aus Gold, mit einer Waffenverzierung an einem Band aus schwarzer Moire-Seide.

Klassen und Rangstufen

Seit dem mit Breve vom 14. September 1949, dem Fest der Kreuzerhöhung, von Papst Pius XII. erlassenen Ordensstatut steht an der Spitze des Ritterordens ein vom Papst ernannter Kardinalgroßmeister.

Die Mitglieder des Ordens sind in drei Klassen eingeteilt:

  • 1.) Klasse der Kollar-Ritter und Kollar-Damen;
  • 2.) Klasse der Ritter mit den Rangstufen:
    • Großkreuz-Ritter
    • Komtur mit Stern (Großoffizier)
    • Komtur
    • Ritter
  • 3.) Klasse der Damen mit den Rangstufen:
    • Großkreuz-Dame
    • Komtur-Dame mit dem Stern
    • Komturdamen
    • Dame

Großmeister

Am 29. August 2011 hatte Papst Benedikt XVI. den Erzbischof der US-amerikanischen Erzdiözese Balitmore, Edwin Frederick O’Brien, zum Großmeister des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem ernannt. [1]

Literatur

  • Michael F. Feldkamp: Vom Jerusalempilger zum Grabesritter. Geschichte des Ritterordens vom Heiligen Grab Patrimonium-Verlag 2017 (Broschur, 230 Seiten; ISBN 978-3-86417-055-3).
  • Valmar Cramer, Der Ritterorden vom Hl. Grabe von den Kreuzzügen bis zur Gegenwart. Ein geschichtlicher Abriß (1. Auflage 1952; 2. erweiterte Auflage mit Ergänzungen von Robert Frohn, Köln 1983.
  • Heinrich Dickmann / Paul Theodor Oldenkott (Hrsg.), Erbe und Auftrag. Der Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem, Paderborn 2009 ISBN 9783897104617

Weblinks

Anmerkungen

  1. Vgl. kath.net, katholische Nachrichten, 30. August 2011
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