Sünde

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Die Sünde ist ein Verstoß gegen die wahre Liebe zu Gott und zum Nächsten.

Die Sünde weist die Gnade Gottes zurück. Sie ist eine Verfehlung gegen die Vernunft, die Wahrheit und das rechte Gewissen. Augustinus definiert die Sünde als „ein Wort, eine Tat oder ein Begehren im Widerspruch zum ewigen Gesetz“. Ursache der Sünde ist die ungeordnete Anhänglichkeit an gewisse Güter. (vgl. KKK 1849). Je mehr sie den Menschen beherrscht, desto mehr entzieht sie ihm die Macht der Unterscheidungsfähigkeit von Gut und Böse.

Die Sünde ist eine Beleidigung Gottes: „Gegen dich allein habe ich gesündigt, ich habe getan, was dir missfällt“ (Ps 51,6). Die Sünde lehnt sich gegen die Liebe Gottes zu uns auf und wendet unsere Herzen von ihm ab. (vgl. KKK 1850) Die Sünde zerstört die von Gott gewollte vertrauensvolle Beziehung des Menschen zu Gott. Gott liebt den Sünder, aber nicht die Sünde.

Die Sünde verletzt die Natur des Menschen und die menschliche Solidarität. Sünde, auch Sünden gegen die Mitmenschen, ist immer eine Verfehlung gegen Gott - das Sündig-werden an Mitmenschen als Gottes Geschöpfe ist implizit auch gegen deren Schöpfer gerichtet.

Wie die Ursünde ist jede Sünde ein Ungehorsam, eine Auflehnung gegen Gott durch den Willen, „wie Gott“ zu werden und dadurch Gut und Böse zu erkennen und zu bestimmen (Gen 3,5). Die Sünde ist somit „die bis zur Verachtung Gottes gesteigerte Selbstliebe“. Die Sünde ist wegen dieser stolzen Überheblichkeit dem Gehorsam Jesu [Vgl. Phil 2,6–9], der das Heil wirkt, völlig entgegengesetzt. (vgl. KKK 1850)

Im neutestamentlichen Verständnis ist kein Mensch von Natur aus frei von Sünde: „Wenn wir sagen, dass wir keine Sünde haben, führen wir uns selbst in die Irre, und die Wahrheit ist nicht in uns.“ (1 Joh 1, 8). Sünden haben die Tendenz, weitere Sünden nach sich zu ziehen. Der Mensch hat keine Chance, im Alleingang frei von Sünde zu werden.

Inhaltsverzeichnis

Arten der Sünde

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Sünden werden vor allem nach der Schwere unterschieden:

Es gibt Sünden, die zum Tod führen (Todsünde) und Sünden nicht zum Tod führen 1 Joh 5,16-17 EU: "Wer sieht, dass sein Bruder eine Sünde begeht, die nicht zum Tod führt, soll (für ihn) bitten; und Gott wird ihm Leben geben. Denn es gibt Sünde, die zum Tod führt. Von ihr spreche ich nicht, wenn ich sage, dass er bitten soll. Jedes Unrecht ist Sünde; aber es gibt Sünde, die nicht zum Tod führt".

Nicht alle Sünden sind gleich: Totschlag und Diebstahl sind sichtbare Handlungen, Neid und Habgier finden in Gedanken statt, sind aber ebenso sündhaft. Unterlassungssünden (Jak 4,17) sind ebenfalls nicht offensichtlich, aber dennoch Sünden.

Objektiv betrachtet können Sünden, auch Todsünden, mehr oder weniger schwer sein: Ein Mord wiegt schwerer als ein Diebstahl. Auch die Eigenschaft der Person, gegen die man sich verfehlt, ist zu berücksichtigen: eine Gewalttat gegen die Eltern wiegt schwerer als eine Gewalttat gegen einen Fremden. (KKK 1858)

Auch die subjektive Seite hat Einfluss auf die Schwere der Schuld des Sünders: Sünden, die jemand mit großer Erkenntnis verübt, wiegen schwerer als Sünden, die jemand mit wenig Erkenntnis verübt (Lk 12,47-48). Unverschuldete Unkenntnis kann die Verantwortung für ein schwerwiegendes Vergehen vermindern, wenn nicht gar aufheben. Auch Triebimpulse, Leidenschaften sowie von außen ausgeübter Druck oder krankhafte Störungen können die Freiwilligkeit und damit die Schuld mindern. Die Sünde aus Bosheit, aus überlegter Entscheidung für das Böse wiegt am schwersten. (vgl. KKK 1860)

Weitere Gesichtspunkte der Unterscheidung von Sünden:

In der Bibel genannte Sünden

Die Schrift enthält mehrere Sündenregister, z.B. im Brief des Apostel Paulus an die Galater: "Die Werke des Fleisches sind deutlich erkennbar: Unzucht, Unsittlichkeit, ausschweifendes Leben, Götzendienst, Zauberei, Feindschaften, Streit, Eifersucht, Jähzorn, Eigennutz, Spaltungen, Parteiungen, Neid und Mißgunst, Trink und Essgelage und ähnliches mehr..." (Gal 5, 19-21)

Ähnliche Sündenlisten finden sich im Neuen Testaments in der Apostelgeschichte, in den Briefen von Paulus, sowie in der Offenbarung.

Weitere konkrete Sünden, die in der Heiligen Schrift gefunden werden können: Entweihung des Tempels (Mk 11,15-18), Heuchelei (Mt 23,1-36), Habsucht (Lk 12,15), Gotteslästerung (Mt 12,22-37), Prahlerei, (Mt 6,1-18; Ester 8,12d; Weisheit 5,8; Phil 2,3), Ehebruch (Mt 5,27-32).

Paulus schreibt im Römerbrief, dass die Gebote Gottes (das Gesetz) die Sünde und die Sünden erkennbar machen: ohne die Gebote hätten die Menschen keinen Maßstab, um ihre Sünde zu erkennen (Röm 7,7-13). Das wird heute noch zum Beispiel im Beichtspiegel angewendet, wo man als Vorbereitung auf die Beichte eine Liste der zehn Gebote mit möglichen Verstößen dagegen hat.

Vergebung der Sünden

Da Gott nicht will, dass wir Menschen in der Sünde bleiben und verloren gehen, hat er in der Kirche Sakramente zur Vergebung der Sünde eingesetzt. In den Sakramenten vergiebt Gott selbst die Sünden. Der Priester ist nur der Mittler. Todsünden benötigen eine sakramentale Vergebung (Taufe, Beichte, unter bestimmten Bedingungen: Krankensalbung), lässliche Sünden können auch durch gute Werke, durch ein Reuegebet, durch einen Akt der Sühne oder durch den Empfang jedes anderen Sakraments vergeben werden. Voraussetzung für die Vergebung ist die Reue des Sünders und damit die Umkehr von seinem bisherigen Tun. Die Fastenzeit eignet sich hervorragend zur Gewissenserforschung.

Päpstliche Schreiben

Johannes Paul II.

Literatur

  • Keneth McAlll: Familienschuld und Heilung (Erbsünde, Sündenverflochtenheit) (132 Seiten; erhältlich beim Mediatrix Verlag).

Weblinks

Anmerkungen

  1. Enzyklika Veritatis splendor, über einige grundlegende Fragen der kirchlichen Morallehre vom 6. August 1993, Nr. 79-83.