Sacrae laudis (Wortlaut)

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Mahnschreiben
Sacrae laudis

von Papst
Johannes XXIII.
Gebetbitte für das kommende Zweite Vatikanische Konzil
6. Januar 1962

(Offizieller lateinischer Text AAS 54 [1962] 66-75)

(Quelle: Johannes XXIII., Geistliches Tagebuch und andere geistliche Schriften, S. 435-442, St. Benno Verlag Leipzig, Kirchliche Druckerlaubnis Bautzen, den 9. März 1965, Dr. Hötzel, Generalvikar)

Allgemeiner Hinweis: Was bei der Lektüre von Wortlautartikeln der Lehramtstexte zu beachten ist


Inhaltsverzeichnis

Ehrwürdige Brüder und geliebte Söhne !

1 Der Chor der Lob- und Dankgebete, die wegen der Einberufung des Zweiten Ökumenischen Vatikanischen Konzils Gott dargebracht wurden, darf, ehrwürdige Brüder und geliebte Söhne, im Munde der Katholiken nicht verstummen, sondern er soll aufs innigste mit noch größerem Streben nach christlicher Frömmigkeit verbunden werden.

2 Deswegen bilden solche Zeichen menschlicher Zustimmung, deren Echo sogar am Grabe des Petrus, dem Bollwerk katholischer Einheit, widerhallt, eine Mahnung an Uns selbst, die Christen in immer geeigneterer und wirksamerer Weise auf dieses äußerst wichtige Ereignis vorzubereiten. Denn dieses so sehr ersehnte Ereignis wird um so reichlicher der allgemeinen Erwartung entsprechen und um so heilsamere Früchte bringen, je mehr es zu einer entschiedenen Festigung des katholischen Glaubens führt, die Gesetze der Kirche den Erfordernissen unserer Zeit anpasst und je mehr die Christgläubigen sich einmütig und mit vereinten Kräften zu dem Entschluss durchringen, ein heiligeres Leben zu führen.

Die erste Einladung gilt den Schülern des Heiligtums

3 Da Uns das Gebet für den glücklichen Ausgang des Konzils ganz besonders am Herzen liegt, bitten Wir vor allem die Priester darum. Auf ihrem Beispiel und mitreißenden Eifer ruht die Hochherzigkeit des ganzen christlichen Volkes. Aus diesem Grunde haben Wir bereits am 12. September 1960, dem Feste Mariä Namen, bei einer unvergesslichen Begegnung auf dem Lande Unseren lieben jungen Alumnen des Römischen Seminars – in dem Wir die glücklichen Jahre der unmittelbaren Vorbereitung auf das Priestertum verbrachten - mit Nachdruck erklärt, wie sehnlich Wir wünschen, dass die Priesterkandidaten auf der ganzen Welt sich täglich zu gemeinsamem Gebet vereinigen und besondere Übungen der Frömmigkeit auf sich nehmen sollen, um Gott zu bitten, die große Feier des Konzils möge nicht nur den Erwartungen der Katholiken, sondern auch denen der Menschen auf der ganzen Welt entsprechen.

4 Jene Einladung zum Gebet vor Gott (vgl. Schriften, Reden, Gespräche ll, 466-472) ist von allen gut aufgenommen worden. Von dem sanften Hügel der Sabiner Berge aus erreichte sie über die unendlichen Räume der Welt hinweg alle Priesterkandidaten jeglicher Zunge und jedweden Landes und entzündete in ihren Herzen gleichsam eine heilige Flamme. Durch deren mitreißende Kraft wurden sie bewogen, mit noch größerem Eifer nach einem keuschen priesterlichen Leben zu streben. Und das scheint Uns von ganz besonderer Bedeutung zu sein. Denn es wird die Aufgabe dieser jungen Generation, die gerade am Beginn ihres Priestertums steht, sein, die heilsamen Beschlüsse des Konzils zu verwirklichen.

5 Welch gesegnete, unvergängliche Jugend, aus der unter der Führung und dem Schutz der Jungfrau Maria mächtige Scharen hervorgehen, um die apostolischen Aufgaben der Kirche auf sich zu nehmen!

6 Als Wir im vergangenen Monat über das bevorstehende Fest der Geburt unseres Herrn Jesus Christus nachdachten, kam Uns zugleich mit seiner erhabenen Braut immer häufiger auch der heilige Joseph in den Sinn, wie sie beide zusammen nach Bethlehem ziehen, wo sich dann jenes hochheilige Geheimnis ereignete, das mit den Worten angekündigt wird: „Das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt" (Joh. 1, 14). Wer könnte wohl besser als der Priester mit dem heiligen Joseph vertraut werden, dem es gegeben war, „Gott ... nicht nur zu sehen und zu hören, sondern ihn zu tragen, zu küssen, zu bekleiden und zu behüten" (Missale Romanum, Vorbereitung auf die Messe)?

7 Aus diesem Grunde haben Wir den heiligen Joseph, der am 8. Dezember 1870, als das Erste Vatikanische Konzil gefeiert wurde, zum himmlischen Beschützer der ganzen katholischen Kirche bestimmt worden ist, an seinem Festtag, dem 19. März des vergangenen Jahres, zum himmlischen Schutzherrn dieses Zweiten ökumenischen Vatikanischen Konzils erwählt (vgl. Apostolisches Schreiben "Le voci", AAS, 53 [1961) S.205-213).

Das Konzil: Neue Epiphanie

8 Heute feiern wir das Fest der Epiphanie. Da erleben wir jenes Schauspiel, das der heilige Matthäus uns in zarter und schlichter Sprache schildert. Drei Magier erscheinen, die unter der Führung eines wunderbaren Sterns aus östlichen Ländern nach Bethlehem gekommen waren (vgl. Matth. 2, 1-12). Kaum angekommen, bezeigen sie dem Jesuskind ihre Verehrung, sie beten es an und opfern ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe als Geschenke.

9 Jene Magier, unerwartete Pilger, Menschen von hervorragender Würde, Männer mit einem wissbegierigen Geiste, Inhaber geheiligter und wichtiger Ämter, erwecken in Uns spontan das beglückende Bild des katholischen Priestertums in allen seinen Gliedern, den Bischöfen, Prälaten und Priestern aus dem Welt- und Ordensklerus, die derselbe Stern zu Christus führt, um ihm, der in seiner glorreichen und unsterblichen Kirche immerdar lebt, die höchste Verehrung zu erweisen.

10 Ist denn das ökumenische Konzil nicht ebenso wie ein neues und herrliches Pfingsten in der Tat auch eine wahre und neue Epiphanie? Es ist doch eines unter den vielen säkularen, leuchtenden Ereignissen in der katholischen Kirche! Außerdem scheint Uns das Beispiel jener glücklichen Männer, die, irgendwie stellvertretend für alle Menschen, voll Freude dem neugeborenen Erlöser unseres Geschlechtes innige Gebete und wertvolle Geschenke darbrachten, großartige Lehren zu enthalten.

Väterlicher Aufruf an den gesamten katholischen Klerus

11 Wir möchten bekennen, ehrwürdige Brüder und geliebte Söhne, dass das Beispiel jener heiligen Männer Uns veranlasst hat, alle Priester der katholischen Kirche aufzufordern, dass sie im neuen Jahre, in dem das kommende ökumenische Konzil mit steigender Sorgfalt vorbereitet werden muss, täglich eine ähnliche Huldigung darbringen mögen.

12 Wir möchten den Dienern des Heiligtums aller Völker, Riten und Sprachen in Erinnerung rufen, dass die Aufgabe, für den glücklichen Ausgang des Konzils innige Gebete an Gott zu richten, in besonderer Weise die ihrige ist.

13 In der Tat wissen alle, dass außer dem täglichen Messopfer, das vor allen anderen liturgischen Gebeten den Vorrang hat, den Dienern des Heiligtums nichts Wichtigeres obliegt als das Lob Gottes im Officium Divinum. Deswegen halten Wir es für richtig, allen jenen, die zum Beten des Breviers verpflichtet sind, zu ihrer Vorbereitung auf das Konzil dieses Gebet besonders zu empfehlen. Sie sollen die größte Sorgfalt auf die tägliche Verrichtung dieser Gebete verwenden, ob immer diese in großen Kirchen oder in kleinen Kapellen, öffentlich im Chor - das muss als die vollkommenste Form des Breviergebetes angesehen werden - oder privat stattfindet. Es ist immer das Lobgebet im Namen der Gesamtkirche.

14 Warum solltet ihr, geliebte Brüder, in diesem neuen Jahr nicht alle großmütig dazu beitragen, dass Gott diesem großen Ereignis seinen gnädigen Beistand schenke, dem die Christen mit so lebhafter Erwartung entgegenharren? Alle, angefangen von dem jungen Subdiakon, der mit frommem und eifrigem Herzen den wunderbaren Zauber des Officium Divinum zu verkosten beginnt und bei diesem Gebet überselige Freude empfindet, bis zum ehrwürdigen Greis, der bei der Darbringung dieser Gebete tiefen Frieden findet und gleichsam einen Vorgeschmack der himmlischen Seligkeit hat, für die er in der Gemeinschaft der Heiligen bestimmt ist.

15 Der Priester darf nämlich nicht nur als Ausspender der göttlichen Geheimnisse (1 Kor. 4, I) betrachtet werden wie in der Messe, sondern er ist in der Tat auch Mittler zwischen Gott und den Menschen. Nicht anders als der göttliche Erlöser, dessen Abbild er darstellt, ist er „aus den Menschen genommen und für die Menschen bestellt in ihren Anliegen bei Gott" (Hebr. 5, 1; vgl. 8, 6; 9, 15; 12, 24; 1 Tim. 2, 5). Diese Worte werden vom heiligen Johannes Chrysostomus in hervorragender Weise so erklärt: „Der Priester steht in der Mitte zwischen Gott und der menschlichen Natur, indem er die Gaben, die von Gott kommen, an uns vermittelt und unsere Gebete zu Gott trägt" (Homil. V in illud vidi Dominum, Isaiae cap. VI, Migne, PG, 56, 131).

Das Officium divunum, erhabenes priesterliches Gebet

16 Diese Unsere Ermahnung, durch die Wir die Priester daran erinnern, dass das Officium Divinum äußerst wichtig und dass es die ihnen angemessene Form ist, die heilspendenden Früchte des Ökumenischen Konzils zu erbitten, die alle ersehnen, scheint Uns eng verbunden zu sein mit jenen vier Merkmalen, die Wir ins Gedächtnis rufen, durch die Jesus die Kirche ausgezeichnet wissen wollte. Dank dieser war und ist sie durch zwanzig Jahrhunderte immer die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche, blüht in ewiger Fruchtbarkeit des Lebens und verlangt vor allem danach, den Reichtum ihres Lebens jenen christlichen Gemeinschaften nahezu bringen, die im Verlauf der Jahrhunderte von ihr getrennt wurden und die frühere Einheit noch nicht wiederhergestellt haben.

17 In der Tat bleibt das Officium Divinurn, das die Priester täglich beten, trotz der Verschiedenheit nach Ritus, Sprache, Diözesan- und Ordenszugehörigkeit, nichtsdestoweniger eine göttliche Dichtung von unvergleichlicher Schönheit, durch die die menschliche Familie Gott ein würdiges Lob darbringt, die menschliche Familie, die erlöst ist von Jesus Christus, dem Wort des göttlichen Vaters, der im Heiligen Geiste Fleisch angenommen hat aus Maria der Jungfrau, Mensch geworden, gekreuzigt worden und als Sieger von den Toten auferstanden ist.

18 Wenn der Priester die Seiten dieses dichterischen Werkes mit frommer Hand durchblättert, dann wird nicht nur seine Seele in der Gewissheit der künftigen Glorie bestärkt, sondern er empfängt auch Freude über die Wahrheit, Führung für den Alltag, Trost und Kraft in Schwierigkeiten und Ängsten.

19 Welch geistige Freude empfindet der Priester doch, wenn er diesem göttlichen Werk obliegt, da er den Geist der katholischen Kirche tiefer durchdringt, den die Seiten des Breviers atmen. Jeder Teil des Breviers ist erfüllt von Licht und hallt wider von Gesängen; mögen es die Psalmen sein, aus denen wahre Freude, Mahnungen voller Weisheit und tiefer Seelenfriede kommen, mag es sich um Stellen aus den Büchern des Alten Testamentes handeln, aus den vier Evangelien, die so reichhaltig sind an Lehren, aus den Briefen des heiligen Paulus, die voll sind von hohen Wahrheiten, oder um Stellen aus den anderen Schriften des Neuen Testamentes. Das alles ist im Brevier enthalten. Es muss deswegen mit Recht als immerwährende und unerschöpfliche Quelle übernatürlichen Lichtes und der Gnade angesehen werden.

20 Es nimmt deshalb nicht wunder, wenn aus dem Brevier, wie es sich bei der eifrigen und sorgfältigen Vorarbeit der verschiedenen Kommissionen gezeigt hat, für das Zweite Vatikanische Ökumenische Konzil überaus bedeutsame Lehrstücke und überaus weise Vorschriften der Kirchendisziplin, die den Bedürfnissen der jetzigen Zeit entsprechen, gewonnen werden.

21 Mit Fug und Recht können Wir wohl sagen, dass wir alle in eine neue Epoche eingetreten sind, die bei voller Erhaltung des von den Vorfahren Ererbten eine erstaunenswerte geistige Erneuerung anstrebt. Der Wert und die heilsamen Früchte dieses Fortschrittes aber sind einzig und allein von Jesus Christus, dem glorreichen und unsterblichen König der Jahrhunderte und der Völker, zu erwarten.

Geheiligtes Vortragen des Breviers für das historische Ereignis in der Kirche

22 Am Schluss dieser vertrauensvollen Ermunterung, durch die Wir alle Priester auf der ganzen Welt auffordern, die Früchte ihrer Frömmigkeit beizusteuern, damit das nächstens stattfindende Zweite Ökumenische Vatikanische Konzil einen glücklichen Verlauf nehme, ehrwürdige Brüder und geliebte Söhne, kehren jene Magier in Unser Gedächtnis zurück, die Christus angebetet haben und die die Kirche am heutigen Tage ehrt. Wir betrachten nicht nur die Probe des Glaubens und der Liebe, die jene Männer gleichsam anstelle aller Menschen bestanden haben, sondern vor allem ihre Geschenke für Christus, die mehr wegen ihrer Symbolik als ihrer Gegenstände von Bedeutung sind; denn das Gold bedeutet Liebe, der Weihrauch Gebet und die Myrrhe den Eifer der Selbsthingabe.

23 Diese Geschenke scheinen sehr glücklich das Stundengebet zu versinnbilden, welches von den Priestern in der Absicht gebetet wird, dass Gott der Feier des Konzils mit um so reichlicherer Gnade beistehen möge. Wenn jemand nämlich sich mit Herz und Geist diesem Gebet widmet, wird in ihm zunächst die Liebe erweckt durch das, was dort angedeutet oder ausgeführt wird, so dann der Wohlgeruch des Weihrauchs wegen der Glut, die sich am inständigen priesterlichen Gebet entzündet, und schließlich die auserlesene Myrrhe. Diese hat den bitteren Geschmack der schweren Aufgaben und Bürden, die von den Priestern trotz mancherlei Hindernissen, Mühen und Kümmernissen bewältigt werden müssen.

24 Aus diesem Grunde hoffen Wir; dass die Priester der katholischen Kirche auf der ganzen Welt Unserer Aufforderung nachkommen und auf diese Weise helfen, den gewünschten Erfolg des Konzils zu erreichen, dem so viele Menschen mit großer Erwartung entgegensehen.

25 Um aber zum Beginn solch eines frommen Wettstreites den Verwaltern des Heiligtums in allen Ländern und auf allen Meeren einen Anreiz zu geben, tun Wir ihnen kund, dass der demütige Hirte der göttlichen Herde der Gesamtkirche sich in dieser Sache mit ihnen täglich im Geiste verbindet. Denn in den frühen, ganz stillen Morgenstunden spricht er mit den Worten der ganzen katholischen Kirche dieses große Gebet für einen glücklichen Ausgang des Konzils und empfängt darin gewissermaßen den Leitfaden für seine täglichen Aufgaben.

26 Endlich möchten Wir zum Schluss dieser Ermahnung jene wunderbare und besonders trostvolle Stelle aus der Geheimen Offenbarung zitieren, wo irgendwie die göttlichen Riten und Zeremonien angedeutet werden, die im Tempel des Himmels gefeiert werden. Die Priester werden darin einen besonderen Anlass zum Nachdenken finden. „Und es kam ein anderer Engel und trat vor den Rauchaltar mit einem goldenen Rauchfass. Es wurde ihm viel Räucherwerk gegeben, damit er es mit den Gebeten aller Heiligen darbringe auf dem goldenen Altar, der vor dem Throne Gottes steht. Und es stieg auf der Rauch des Räucherwerkes mit den Gebeten der Heiligen aus der Hand des Engels vor Gott. Und der Engel nahm das Rauchfass und füllte es mit dem Feuer vom Altar und warf es zur Erde hinab. Da entstanden Donner und Getöse und Blitze und großes Erdbeben" (Offb. 8, 3-5; vgl. 5, 8).

27 Aus diesem erhabenen Schauspiel kann ersehen werden, wie wichtig das Gebet der Heiligen, d. h. der Kirche, im Hinblick auf den Lauf der Dinge und der Zeit ist, wenn Gott gnädig sein will. Weil wir also die übernatürliche Kraft des Gebetes der Kirche und besonders des Stundengebetes sehr hoch einschätzen, tragen Wir allen jenen, die auf Grund öffentlichen Auftrages der Kirche solche Gebete verrichten, auf, sie für einen glücklichen Ausgang des Konzils aufzuopfern. Dieses soll sich ja um die Wiederherstellung der reineren Jugendkraft der Kirche bemühen und ihr den Glanz ihres Gesichtes zurückgeben. „Das Konzil wird sicherlich ein großartiges Schauspiel der Wahrheit, Einheit und Liebe sein, ein Schauspiel, dessen Anblick für diejenigen, die von diesem Apostolischen Stuhl getrennt sind, eine milde Einladung sein wird, die Einheit zu suchen und zu finden, für die Jesus Christus an seinen himmlischen Vater eine so brennende Bitte gerichtet hat. Darauf vertrauen Wir fest (Enzyklika „Ad Petri cathedram", AAS 51 [1959] S. 511).

In vollkommener Einheit mit dem Papst

28 Als Wir diese Ermahnung zu schreiben begannen, versuchten Wir, mit Unserem Geiste euch, ehrwürdige Brüder und geliebte Söhne, einzeln auf der ganzen Welt irgendwie zu erreichen und mit euch zu sprechen, als ob ihr bei Uns wäret. Nun schließen Wir das Schreiben damit, dass Wir fortfahren, Uns zutiefst mit euch verbunden zu fühlen in der Einheit des Glaubens, der Frömmigkeit und der Liebe. Und die Hoffnung, ihr werdet Sorge tragen, euere Gebete mit den Unseren zu vereinen, nicht nur in diesen Monaten, die dem Ökumenischen Konzil vorausgehen, sondern besonders während jener großen Tage, an denen die feierliche Versammlung stattfinden wird, erfüllt Uns mit größter Freude.

29 Damit diese Verbindung unserer Seelen auch einen gemeinsamen Ausdruck im Gebete finde, schlagen Wir euch vor, zu Beginn der Horen folgendes Gebet vorauszuschicken: Nimm an, o Herr und Gott, das Lobopfer, das ich Deiner göttlichen Majestät für den glücklichen Ausgang des Zweiten Ökumenischen Vatikanischen Konzils darbringe, und gewähre, dass wir das, was wir in Gemeinschaft mit unserem Papst Johannes flehentlich von Dir erbitten, durch Deine Barmherzigkeit wirklich erlangen. Amen.

30 Nachdem Wir dieses Gebet vorgeschlagen haben, möchten Wir den Priestern außerdem etwas anderes zur Erwägung vorlegen, das Uns ganz besonders zur Sache zu gehören scheint. Die katholische Kirche hält es für ein sicheres und liebenswertes Stück ihrer Lehre, dass Gott, der Vater, die Seele eines jeden einzelnen Menschen in der Taufe dem Schutze eines besonderen Engels anvertraut hat. Von diesem Unserem persönlichen Schutzengel wollen wir ganz besonders erbitten, dass er uns beim täglichen Beten des Breviers gnädig beistehen möge, so dass wir es würdig, aufmerksam und andächtig verrichten und es deshalb von Gott angenommen werden könne, für uns zum Heil und für die Seelen der anderen zum guten Beispiel.

31 Da Wir nicht daran zweifeln, dass ihr, ehrwürdige Brüder und geliebte Söhne, dieser Unserer Ermahnung bereitwillig entsprechen werdet, erflehen Wir euch zuletzt vom heiligsten und ewigen Gott reiche Gnadenfülle. Als Unterpfand für diese und für Unser Wohlwollen gelte der Apostolische Segen, den Wir jedem einzelnen und allen zusammen aus väterlichem Herzen erteilen.

Gegeben zu Rom, bei St. Peter, am 6. Januar 1962,

dem Feste der Epiphanie Unseres Herrn Jesus Christus,
im vierten Jahre Unseres Pontifikates

Johannes XXIII. PP.

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