Sakristei

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Die Sakristei (lat. sacristia, sacrarium, von sacer "geheiligt", auch secretarium, von secretus "abgetrennt") ist ein Nebenraum des Gotteshauses und dient "zur Vorbereitung der Liturgie, zur Aufbewahrung und Bereitung der kultischen Gewänder, Geräte und Bücher" (res sacrae "geheiligte Dinge"). Sie ist ein "Werkplatz für Zierde, Sauberkeit und Ordnung der Kirche und des heiligen Dienstes"[1] und dient "der Sammlung und Zurüstung derer, die in einer liturgischen Feier einen besonderen Dienst versehen".[2] In der Sakristei sind heute meist "auch die Schaltanlagen für Heizung, Beleuchtung, Beschallung und Glockengeläut installiert".[3]

Die Sakristei wird vom Sakristan (Sigrist, Küster, Mesner) betreut. Dieser richtet sich nach den Normen des Liturgischen Direktoriums und bereitet die zu verwendenden Gewänder und Bücher für die Liturgen auf einer Kredenz vor und richtet den Altarraum für die Liturgie her.

Blick in eine Domsakristei – auf der Kredenz liegen Paramente für vier Konzelebranten aus

Inhaltsverzeichnis

Inventar einer Sakristei

Liturgische Kleidung

Eine Sakristei enthält Schränke zur Aufbewahrung der zum Gottesdienst verwendeten Gewänder und Paramente für die Kleriker und die liturgischen Dienste[4], etwa Schultertuch, Albe, Zingulum, Stola und Kasel bzw. Dalmatik für die Zelebranten sowie Talar und Rochett für Ministranten. Wichtig ist eine große Fläche zum Auslegen der Paramente für die Kleriker, meist eine Kredenz mit Unterschränken oder Schubladen.

Ausstattung

Ebenfalls werden in der Sakristei die liturgischen Geräte [5] (Vasa sacra, "heilige Gefäße") aufbewahrt wie Kelche mit Patenen und Hostienschalen, die Monstranz, ferner Altartextilien sowie Hostien, Messwein und ein Kerzenvorrat, das Weihrauchfass mit Zubehör, ein Aspergill mit Weihwasserbehälter. Größere Kirchen haben für kostbare Gegenstände einen Tresor.

Hinzu kommen die liturgischen Bücher für die Heilige Messe - am wichtigsten Messbuch und Lektionar - sowie für Wort-Gottes-Feiern, Segnungen, die Spendung von Sakramenten und Sakramentalien.

Das Sakrarium

In der Sakristei befindet sich häufig auch das Sakrarium, in welches das Wasser der (ersten) Reinigung der sakralen Gefäße und Tücher gegossen wird.[6]

Dazugehörige Räumlichkeiten und Ausstattungen

In der Regel gibt es in der Sakristei ein Handwaschbecken. Manchmal existiert ein weiterer der Sakristei zugehöriger Raum in der Kirche, in welchem seltener gebrauchte Dinge aufbewahrt werden. Das sind z.B. die Ausstattung für den Adventskranz und die Fronleichnamsprozession sowie die Weihnachts-Krippe. Wenn die räumlichen Voraussetzungen es zulassen, gibt es auch einen Arbeitsraum zur Aufbereitung des Blumenschmucks mit einemn Vorrat an Blumenvasen, für die Kerzen- und Wäschepflege. Auch ist meist von der Sakristei aus eine Toilette erreichbar.

Die Vor- und Nachbereitung der Liturgie

Der Küster legt rechtzeitig vor Beginn eines Gottesdienstes die Paramente für die Kleriker in der Reihenfolge des Ankleidens auf der Kredenz aus, also das Messgewand zuunterst. Auch werden die benötigten Geräte (Aspergill, Weihrauch, Leuchter, Vortragskreuz) bereitgestellt und funktionsfähig gemacht.

Vor der liturgischen Feier ist in der Sakristei "angemessenerweise Stille zu halten, damit alle sich auf den Vollzug der heiligen Handlung andächtig und in der gehörigen Weise vorbereiten" können.[7] Da der Gottesdienst der inneren Einstimmung bedarf, gibt es den sinnvollen Brauch des "Rüstgebets" in der Sakristei für Kleriker, mancherorts auch für die Ministranten.[8]

Beim Einzug in die Kirche ertönt meist ein Glockenzeichen. Die Kleriker und alle anderen liturgischen Dienste ziehen in Prozession von der Sakristei in die Kirche ein, am Ende kehren sie auf gleiche Art und in gleicher Ordnung wieder zurück.[9] Nach der Liturgie legt der Küster die gebrauchten Gewänder und Geräte in die Schränke zurück.

Geschichte der Sakristei

In der Westkirche hatten die Basiliken im Eingangsbereich Räume, wo sich der Klerus für die Liturgie vorbereitete, der Bischof Besucher empfing und für das seelsorgliche Gespräch zur Verfügung stand (lateinisch salutatorium, von salutare "begrüßen"). Der römische Basilikabau hat das "secretarium" nahe der Vorhalle errichtet. Von Rom übernimmt der mittelalterliche Kirchbau den Platz für die Sakristei in der Nähe des Portals, von dem der Einzug beginnt. In den frühmittelalterlichen Abteibauten erhalten diese Räume Kapellencharakter und werden Orte für die Aufbewahrung und Verehrung der Reliqiuen und des Allerheiligsten. Die anderen Funktionen der Sakristei werden in Nebenräume am Kreuzgang verlegt. Die kleine Kirche nutzt als Sakristei einen Raum hinter dem Altar. Der Barock entwickelt die Sakristei als Prunkraum, die neuere Zeit bevorzugt die Sakristei neben dem Altar. Die Liturgiereform im 20. Jahrhundert ruft wieder nach der Einrichtung der Sakristei in Portalnähe zur Ermöglichung des großen Einzuges (vorgeschrieben in der Heiligen Woche).[10]

Anmerkungen

  1. LThK, 2. Auflage, Artikel: Sakristei von Theodor Schnitzler, Band 9, Sp. 245+246.
  2. LThK, 3. Auflage, Artikel Sakristei von Andreas Heinz, Band 8, Sp. 1464.
  3. LThK, 3. Auflage, Artikel Sakristei von Andreas Heinz, Band 8, Sp. 1464.
  4. vgl. GRM Nr. 119, 335-347
  5. vgl. GRM, Nr. 118, Nrn. 327-334
  6. vgl. GRM 280; 334
  7. GRM 45
  8. LThK 3. Auflage, Bd. 8, Sp. 1465
  9. vgl. GRM Nr. 119
  10. LThK 3. Auflage, Bd. 8 Sp. 1464f.
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