Sancta mater ecclesia (Wortlaut)

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Instruktion
Sancta mater ecclesia

Päpstliche Bibelkommission
im Pontifikat von Papst
Paul VI.
über die historische Wahrheit der Evangelien
21. April 1964

(Offizieller lateinischer Text: AAS XX [1928] 165-178)

(Quelle: Über die zeitgemäße Förderung der biblischen Studien; Rundschreiben Pius XII. Divino afflante Spiritu und wichtige römische Dokumente zur Heiligen Schrift, St. Benno Verlag GMBH Leipzig, S. 53-60; Kirchliche Druckerlaubnis: Bautzen, den 22. September 1964, Dr. Hötzel, Generalvikar AAS LVI [1964] 712).

Am 21. April 1964 hat Papst Paul VI. eine von der Päpstlichen Bibelkommission ausgearbeitete Unterweisung gutgeheißen, die am 14. Mai 1964 im „Osservatore Romano" veröffentlicht wurde. Wir bringen im folgenden eine vom Sekretär der Bibelkommission, P. B.N. Wambacq OPraem, gutgeheißene deutsche Übersetzung. Die Bedeutung dieser Unterweisung über ein brennendes Problem der heutigen Bibelauslegung wird jedem, der mit der Problematik und innerkirchlichen Diskussion vertraut ist, verständlich sein. - Rudolf Schnackenburg.

Allgemeiner Hinweis: Was bei der Lektüre von Wortlautartikeln der Lehramtstexte zu beachten ist


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Die heilige Mutter Kirche, die „Säule und Grundfeste der Wahrheit", hat für ihren Dienst, den Seelen himmlisches Heil zu bringen, stets die Heilige Schrift gebraucht und sie gegen jegliche falsche Auslegung verteidigt. Da es an Problemen niemals fehlen wird, soll der katholische Exeget in der Auslegung des göttlichen Wortes und in der Lösung ihm entgegenstehender Schwierigkeiten niemals verzagen, sondern mutig weiterarbeiten, den ursprünglichen Sinn der Schrift besser zu erhellen, nicht nur im Vertrauen auf seine Fähigkeiten, sondern vor allem fest auf die Hilfe Gottes und das Licht der Kirche bauend.

Es ist sehr erfreulich, dass sich heute mehr treue Söhne der Kirche finden, die in den Dingen der Bibel so, wie unsere Zeiten es erfordern, bewandert sind und die, den Aufforderungen der Päpste nachkommend, in unermüdlicher Arbeit sich dieser bedeutenden und schwierigen Aufgabe mit ganzer Seele widmen. „Die Bemühungen dieser eifrigen Arbeiter im Weinberg des Herrn soll man nicht nur mit Billigkeit und Gerechtigkeit, sondern auch mit Liebe beurteilen. Dieser Pflicht mögen alle anderen Söhne der Kirche eingedenk sein",[1] haben doch sogar berühmte Ausleger, wie selbst Hieronymus, besonders schwierige Fragen nicht immer mit glücklichem Erfolg zu lösen versucht.[2] Man möge sich davor hüten, "dass der heftige Streit der Disputation die Grenzen gegenseitiger Liebe überschreite; oder dass beim Disputieren die geoffenbarten Wahrheiten und göttlichen Überlieferungen selbst in Frage gestellt zu werden scheinen. Denn nur wenn die Einheit der Geister gewahrt ist und die Prinzipien feststehen, sind aus den verschiedenen Studien viele große Fortschritte in dieser Wissenschaft zu erwarten."[3]

Die Arbeit der Exegeten ist heute um so dringlicher, da viele Schriften erscheinen, durch welche die Wahrheit von Taten und Worten, die in den Evangelien stehen, in Frage gestellt wird. Aus diesem Grunde hält es die Päpstliche Bibelkommission, gemäß der ihr von den Päpsten übertragenen Aufgabe, für angebracht, das Folgende darzulegen und zu bedenken zu geben.

1. Der katholische Exeget soll unter Anleitung der Kirche aus allem, was frühere Ausleger, vor allem die heiligen Väter und Kirchenlehrer, zur Kenntnis der heiligen Texte beigetragen haben, Nutzen schöpfen und ihre Arbeit fortführen. Um die stets gültige Wahrheit und Autorität der Evangelien in volles Licht zu rücken, wird er sich sorgfältig der Normen der vernunftgemäßen und katholischen Hermeneutik bedienen und neue Hilfsmittel der Exegese klug anwenden, vor allem das, was die allseits wohlbedachte historische Methode beibringt. Diese erforscht eifrig die Quellen und bestimmt ihre Eigenart und Tragweite; als Hilfsmittel bedient sie sich der Textkritik, der Literarkritik und der Sprachenkenntnis. Er wird dabei die Weisung Pius XII. seligen Angedenkens beachten, der ihn anhält, „in kluger Weise darauf zu sehen, was die Redegattung oder literarische Art, die der heilige Schriftsteller gebraucht, für die richtige und zutreffende Erklärung bedeutet, und er soll überzeugt sein, dass er diese Seite seiner Aufgabe ohne großen Nachteil für die katholische Exegese nicht vernachlässigen darf“.[4] Diese Weisung Pius' XII. seligen Angedenkens spricht eine allgemeine Regel der hermeneutischen Kunst aus, mit deren Hilfe die Bücher sowohl des AT wie des NT zu erklären sind, da sich die heiligen Schriftsteller bei ihrer Niederschrift der bei den Alten geltenden Denk- und Schreibweise bedienten. Schließlich wird der Exeget alle Mittel in Anspruch nehmen, mit deren Hilfe er in die Beschaffenheit des Zeugnisses der Evangelien, in das religiöse Leben der ersten Gemeinden, in Sinn und Tragweite der apostolischen Überlieferung tieferen Einblick gewinnen kann.

Wo es nötig erscheint, darf der Ausleger fragen, welche gesunden Elemente die "formgeschichtliche Methode" enthält, die er zu einem volleren Verständnis der Evangelien mit Recht benützen könnte. Doch möge er dabei umsichtig vorgehen, da mit dieser Methode oft nicht zu billigende philosophische oder theologische Prinzipien offensichtlich verquickt sind, die sowohl die Methode als auch die literarischen Schlussfolgerungen nicht selten verderben. Manche Vertreter dieser Methode weigern sich nämlich, durch vorgefasste rationalistische Meinungen verführt, die Existenz einer übernatürlichen Ordnung und das auf Grund von Offenbarung im eigentlichen Sinne erfolgte Eingreifen eines persönlichen Gottes in der Welt sowie die Möglichkeit und Existenz von Wundern und Prophezeiungen anzuerkennen. Andere gehen von einem falschen Begriff des Glaubens aus, als sei diesem selbst an der historischen Wahrheit nichts gelegen, ja als könne man ihn mit dieser nicht zusammenbringen. Andere leugnen gleichsam a priori die historische Bedeutung und Anlage der Offenbarungszeugnisse. Andere schließlich schätzen die Autorität der Apostel, sofern sie Zeugen Christi sind, ferner ihr Amt und ihren Einfluss in der Urgemeinde gering ein und übertreiben zugleich die schöpferische Kraft der Gemeinde. Dies alles widerstreitet nicht nur der katholischen Lehre, sondern entbehrt auch der wissenschaftlichen Grundlage und hat mit den rechten Prinzipien der historischen Methode nichts zu tun.

2. Der Ausleger möge, um die Gewissheit dessen, was in den Evangelien überliefert ist, richtig herauszustellen, genau auf die drei Zeiten der Überlieferung achten, in welchen Lehre und Leben Jesu auf uns gekommen sind.

Christus der Herr hat sich auserwählte Jünger zugesellt (vgl. Mk 3,14; Lk 6,13), die ihm von Anfang an folgten (vgl. Lk 1,2; Apg 1,21-22), seine Werke sahen und seine Worte hörten und auf diese Weise geeignet waren, Zeugen seines Lebens und seiner Lehre zu sein (vgl. Lk 24,48; Jo 15,27; Apg 1,8; 10,39; 13,31). Der Herr folgte, wenn er seine Lehre mündlich darlegte, der damals gebräuchlichen Art, zu argumentieren und darzulegen, indem er sich so dem Geist der Hörer anpasste und bewirkte, dass das, was er lehrte, dem Geist fest eingeprägt und von den Jüngern leicht im Gedächtnis behalten werden konnte. Diese haben auch die Wunder und andere Ereignisse im Leben Jesu richtig verstanden, die dazu vollbracht oder angeordnet waren, dass die Menschen durch sie an Christus glauben und die Lehre des Heils im Glauben ergreifen sollten.

Die Apostel verkündeten vor allem den Tod und die Auferstehung des Herrn, indem sie für Jesus Zeugnis ablegten (vgl. Lk 24,44-48; Apg 2,32; 3,15; 5,30-32), wobei sie den besonderen Verhältnissen ihrer Zuhörer in ihrer Predigtweise Rechnung trugen (vgl. Apg 13,16-41 mit Apg 17,22 bis 31). Nachdem Jesus von den Toten auferstanden und seine Gottheit klar erkannt war (Apg 2,36; Jo 20,28), hat der Glaube, weit entfernt, die Erinnerung an das, was geschehen war, zu tilgen, sie im Gegenteil befestigt, weil sich der Glaube auf Jesu Worte und Taten (Apg 2,22; 10,37 bis 39) stützte. Auch wurde Jesus durch den Kult, mit dem die Jünger ihn von nun an als Herrn und Sohn Gottes verehrten, nicht etwa in eine "mythische" Person verwandelt, noch wurde seine Lehre entstellt. Es besteht aber kein Grund zu leugnen, dass die Apostel das, was vom Herrn wirklich gesagt und getan worden war, ihren Hörern mit jener volleren Einsicht weitergaben, deren sie sich selbst durch die glorreichen, Christus betreffenden Ereignisse unterrichtet und durch das vom Geiste der Wahrheit empfangene Licht (vgl. Jo 14,26; 16,13) belehrt, erfreuten (Jo 2,22; 12,16; 11,51-52; vgl. 14,26; 16,12-13; 7,39). Wie darum Jesus selbst nach der Auferstehung die Worte sowohl des AT wie seine eigenen (vgl. Lk 24,44-45; Apg1,3) „ihnen erklärte" (Lk 24,27), so haben auch jene seine Worte und Taten, wie die Bedürfnisse der Hörer es verlangten, erklärt. „Dem Dienst des Wortes obliegend" (Apg 6,4), haben sie in der Weise gepredigt, dass sie verschiedene Arten des Redens gebrauchten, je nachdem, wie es ihrer Absicht und dem Geist der Hörer entsprach. Denn „Griechen und Barbaren, Weisen und Unweisen" (Röm 1,14) waren sie Schuldner (1 Kor 9,19-23). Diese Redeweisen, in welchen die Prediger Christus verkündigten, müssen unterschieden und wohlbedacht werden: Katechesen, Erzählungen, Schriftzeugnisse, Hymnen, Doxologien, Gebete und andere derartige, in der Heiligen Schrift und von den Menschen der damaligen Zeit üblicherweise gebrauchte literarische Formen.

Die älteste Unterweisung, die zunächst mündlich, dann schriftlich überliefert wurde - denn bald kam es dazu, dass viele versuchten, „eine Erzählung der Begebenheiten zu verfassen" (vgl. Lk 1,1), die den Herrn Jesus betrafen -, haben die heiligen Schriftsteller nach einer Methode, die dem besonderen Ziel, das jeder sich vorgenommen, entsprach, zum Nutzen der Gemeinden in den vier Evangelien aufgezeichnet. Manches wählten sie aus reichem Überlieferungsstoff aus, anderes fassten sie zusammen, anderes erklärten sie nach dem Stand der Gemeinden, und dabei gaben sie sich alle Mühe, dass die Leser die Zuverlässigkeit der Erzählungen, von denen sie unterrichtet worden waren, erkennen möchten (vgl. Lk 1,4). Die heiligen Schriftsteller haben nämlich aus dem, was sie empfangen hatten, vor allem dasjenige ausgewählt, was den verschiedenen Verhältnissen der Gläubigen und dem von ihnen selbst angestrebten Ziel entsprach; und das erzählten sie so, wie es für diese Verhältnisse und für dieses Ziel geeignet war. Da der Sinn einer Äußerung auch von der Reihenfolge der Gegenstände abhängt, haben die Evangelisten, als sie die Worte oder Taten des Erlösers überlieferten, sie in verschiedenem Zusammenhang, der eine in diesem, der andere in einem anderen, gebracht und sie zum Nutzen der Leser erläutert. Deshalb soll der Exeget erforschen, was der Evangelist, wenn er ein Wort oder eine Geschichte auf diese Weise erzählt oder in einem bestimmten Kontext bringt, beabsichtigte. Die Wahrheit einer Erzählung wird nämlich nicht im mindesten davon berührt, dass die Evangelisten Worte oder Taten des Herrn in verschiedener Reihenfolge berichten[5] und seine Reden nicht wortwörtlich, dennoch sinngemäß, in verschiedener Weise zum Ausdruck bringen.[6] Denn wie der heilige Augustinus sagt: „Höchstwahrscheinlich glaubte jeder der Evangelisten in jener Ordnung berichten zu sollen, wie Gott seinem Gedächtnis das, was er berichtete, eingeben wollte, wenigstens hinsichtlich jener Dinge, deren Ordnung, ob so oder anders, die evangelische Wahrheit und Autorität nicht beeinträchtigte. Warum aber der Heilige Geist, der jedem zuteilt, wie er will (1 Kor 12,11), und der deshalb auch die Geister der Heiligen im Hinblick auf die mit so hoher Autorität zu versehenden Bücher ohne Zweifel beim Entwurf ihrer Schriften geführt und geleitet hat, den einen seine Erzählung so, den anderen anders anordnen ließ, wird jeder, der mit frommem Eifer sucht, mit Gottes Hilfe herausfinden können."[7] Wenn der Exeget nicht auf all das, was Ursprung und Komposition der Evangelien betrifft, achtet und das, was neue Untersuchungen an Brauchbarem beigesteuert haben, nicht ordnungsgemäß anwendet, wird er seine Aufgabe, das zu erkennen, was die heiligen Schriftsteller beabsichtigt und was sie wirklich gesagt haben, nicht erfüllen. Da aus den Ergebnissen der neuen Untersuchungen hervorgeht, dass Lehre und Leben Jesu nicht einfach zu dem Zweck überliefert wurden, um im Gedächtnis behalten zu werden, sondern dass sie „verkündet" wurden, um der Kirche als Fundament des Glaubens und der Sitte zu dienen, wird der Ausleger, der das Zeugnis der Evangelisten unermüdlich durchforscht, vor allem die immer gültige theologische Bedeutung der Evangelien tiefer aufweisen und die Notwendigkeit und das Gewicht der Auslegung der Kirche in volles Licht stellen können.

Vieles äußerst Wichtige bleibt noch übrig, das zu erörtern und zu erklären der katholische Exeget Geist und Schärfe in aller Freiheit aufbieten kann und soll, um zum Nutzen aller, zum dauernden Fortschritt der heiligen Lehre, zur Vorbereitung der Urteilsbildung des kirchlichen Lehramtes und seiner weiteren Unterstützung, zur Verteidigung und Ehre der Kirche nach Kräften seinen Beitrag zu leisten.[8] Indes halte er sich stets zum Gehorsam gegenüber dem kirchlichen Lehramt bereit und vergesse nicht, dass die Apostel vom Heiligen Geist erfüllt die frohe Botschaft verkündigten und dass die Evangelien unter Inspiration des Heiligen Geistes geschrieben sind, der ihre Verfasser vor allem Irrtum bewahrte. „Denn wir haben die Heilsordnung durch keine anderen kennen gelernt als durch die, durch die das Evangelium zu uns gekommen ist; das haben sie zuerst verkündigt und uns dann nach dem Willen Gottes schriftlich überliefert, und das sollte das Fundament und die Grundsäule unseres Glaubens werden. Denn frevelhaft ist die Behauptung, sie hätten gepredigt, bevor sie die vollkommene Erkenntnis besessen hätten, wie einige zu sagen sich erkühnen, die sich rühmen, die Apostel zu verbessern. Denn nachdem unser Herr von den Toten auferstanden war und sie mit der Kraft des Heiligen Geistes von oben ausgerüstet waren, da waren sie mit allen Gaben erfüllt und besaßen die vollkommene Erkenntnis. Sie zogen aus zu den Grenzen der Erde und verkündeten das Gute, das uns von Gott gekommen ist, und sagten den Menschen den himmlischen Frieden an; so hatten sie gleichermaßen alle zusammen und jeder für sich das Evangelium Gottes.“[9]

3. Für die, welchen die Aufgabe obliegt, in den Seminarien und entsprechenden Instituten zu lehren, „sei es die erste Sorge, dass .... sie die göttlichen Schriften so übermitteln, wie es die Bedeutung der Disziplin selbst und die Notwendigkeit der Zeit erfordern“.[10] Die Lehrer sollen vor allem die theologische Lehre entfalten, damit die Heilige Schrift „den zukünftigen Priestern der Kirche zur reinen und immerwahrenden Quelle ihres eigenen geistlichen Lebens und zur kraftvollen Nahrung für das heilige Priesteramt, das sie einmal übernehmen sollen, werde“.[11] ebenso mögen sie, wenn sie die Kunst der Kritik, vor allem der sogenannten Literarkritik, ausüben, dies nicht um dieser Kunst selber willen tun, sondern um mit ihrem Licht den von Gott durch den heiligen Schriftsteller gemeinten Sinn tiefer verständlich zu machen. Sie mögen also nicht auf halbem Wege stehen bleiben, einzig mit ihren literarischen Ergebnissen zufrieden, sondern darüber hinaus zeigen, in welcher Weise dies wirklich zum klareren Verständnis der geoffenbarten Lehre oder, wenn nötig, zur Zurückweisung von Irrtümern beiträgt. Wer in der Belehrung anderer diesen Normen folgt, wird bewirken, dass die Theologiestudenten in der heiligen Schrift finden, „was den Geist zu Gott erhebt, die Seele nährt und das innere Leben fördert“.[12]

4. Die aber, die das christliche Volk in heiligen Predigten unterweisen, haben größte Klugheit nötig. Vor allem sollen sie bei der Weitergabe der Lehre der Mahnung des heiligen Paulus eingedenk sein: „Hab acht auf dich selbst und auf die Lehre; darin verharre. Denn wenn du dies tust, wirst du dich selbst und deine Hörer retten" (1 Tim 4,16). Von der Darlegung ungeklärter oder nicht genügend bewiesener Neuheiten sollen sie sich fernhalten. Neue Meinungen, die schon fest begründet sind, mögen sie, wenn nötig, vorsichtig unter Berücksichtigung des Hörerkreises darlegen. Wenn sie biblische Ereignisse erzählen, mögen sie zusätzlich Erdachtes, das der Wahrheit nicht entspricht, weglassen.

Diese Tugend der Klugheit ist vor allem von denen zu pflegen, die unter den Gläubigen Schriften verbreiten. Sie mögen die himmlischen Schätze des Gotteswortes fleißig verbreiten, „damit die Gläubigen .... zur rechten Lebensgestaltung bewegt und angefeuert werden".[13] Es sei ihnen heilige Verpflichtung, von der allgemeinen Lehre und Überlieferung der Kirche nicht im geringsten abzuweichen; von den wahren Früchten der Bibelwissenschaft, die der Fleiß der Neueren erarbeitet hat, mögen sie für sich Nutzen ziehen, die allzu kühnen Auslegungen von Neuerern jedoch meiden.[14] Streng untersagt ist es ihnen, dass sie, von gefährlicher Neuerungssucht verführt, irgendwelche Lösungsversuche von Schwierigkeiten ohne klugen Sinn und ernsthafte Unterscheidungsgabe unbedacht verbreiten und auf diese Weise den Glauben vieler verwirren. Schon früher hielt es die Päpstliche Bibelkommission für angebracht, daran zu erinnern, dass auch Bücher und Artikel, die in Kommentaren und Bibelzeitschriften veröffentlicht werden sollen, soweit sie religiöse Dinge und die religiöse Unterweisung der Gläubigen betreffen, der Autorität und Jurisdiktion der Ordinarien unterstehen.[15] Die Ordinarien werden daher gebeten, dass sie derartige Veröffentlichungen mit größter Aufmerksamkeit überwachen.

5. Die Leiter von Bibelgesellschaften mögen sich gewissenhaft an die von der Bibelkommission aufgestellten Richtlinien halten.[16]

Wird dies alles beachtet, dann wird das Studium der Heiligen Schrift zum Nutzen der Gläubigen ausschlagen. Kann doch auch heute noch jeder erfahren, was der heilige Paulus schrieb: Die Heiligen Schriften „können unterweisen zum Heil durch den Glauben in Christus Jesus. Jede von Gott eingegebene Schrift ist nützlich zur Belehrung, zur Widerlegung, zur Besserung und zur Erziehung in der Gerechtigkeit. So wird der Mensch Gottes vollkommen, ausgerüstet zu jedem guten Werk" (2 Tim 3, 15-17).

Rom, 21. April 1964

Benjamin N. Wambacq, O.Praem.

Sekretär der Päpstl. Bibelkommission

Anmerkungen

  1. Enzyklika Divino afflante Spiritu vom 30.9.1943; Enchiridion Biblicum (EB 4) 564.
  2. vgl. EnzyklikaSpiritus Paraclitus“ vom 15.9.1920; EB 143.
  3. Litt. Apost. „Vigilantiae studiique“ vom 30.10.1902; EB 560.
  4. EnzyklikaDivino afflante Spiritu”; EB 560.
  5. Vgl. Johannes Chrysostomus, In Matthaeum, Hom. I,3; PG 57, 16-17.
  6. Vgl. S. Augustinus, De consensu Evang., 2, 12.28 ; PL 34, 1090-1091.
  7. S. Augustinus,, De consensu Evang., 2, 21.51 s. ; PL 34, 1102.
  8. Vgl. EnzyklikaDivino afflante Spiritu”; EB 565.
  9. S. Irenäus von Lyon, Adv. Haer., III 1, 1; PG 7, 844; Harvey II, 2.
  10. Litt. Apost. Quoniam in re biblica; EB 162.
  11. EnzyklikaDivino afflante Spiritu”;; EB 567.
  12. EnzyklikaDivino afflante Spiritu”; EB 552.
  13. EnzyklikaDivino afflante Spiritu”;; EB 566.
  14. Vgl. Litt. Apost. Quoniam in re biblica; EB 175.
  15. lnstructio ad Exc. mos locorum Ordinarios ... 15. dec. 1955; EB 626.
  16. EB 622-633.
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