Sekten und neue religiöse Bewegungen

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Zwischenbericht
Sekten und neue religiöse Bewegungen. Eine Herausforderung für die Seelsorge

herausgegeben vom Sekretariat für die Einheit der Christen, dem Sekretariat für die Nichtglaubenden, dem Sekretariat für die Nichtchristen und dem Päpstlichen Rat für die Kultur
erstellt auf der Grundlage der bis Oktober 1985 eingegangenen Antworten (ungefähr 75) und Dokumente der regionalen und nationalen Bischofskonferenzen
unseres Heiligen Vaters
Johannes Paul II.
7. Mai 1986

(Quelle: Der Apostolische Stuhl 1986, S. 1955-1979)
Allgemeiner Hinweis: Was bei der Lektüre von Wortlautartikeln der Lehramtstexte zu beachten ist


Inhaltsverzeichnis

Hintergrund

Als Antwort auf die von Bischofskonferenzen in der ganzen Welt bekundete Sorge führten das Sekretariat für die Einheit der Christen, das Sekretariat für Nichtchristen, das Sekretariat für die Nichtglaubenden und der Päpstliche Rat für die Kultur eine Untersuchung über das Vorhandensein und die Tätigkeit von "Sekten", "neuen religiösen Bewegungen" und "Kultgemeinschaften" durch. Diese Dikasterien und das Staatssekretariat teilen diese Sorge seit langem. Als erster Schritt dieses Vorhabens wurde im Februar 1984 vom Sekretariat für die Einheit der Christen im Namen der genannten Dikasterien des Hl. Stuhls ein Fragebogen (vgl. Nr. 8, Anhang) an die Bischofskonferenzen und ähnlichen Gremien gesandt mit dem Ziel, zuverlässige Informationen und Hinweise in Bezug auf seelsorgerische Maßnahmen zu erlangen und weitere Forschungsmethoden zu untersuchen. Bis Oktober 1985 sind zahlreiche Antworten von Bischofskonferenzen aus allen Erdteilen wie auch von regionalen bischöflichen Gremien eingegangen. Einige Antworten erhielten Informationen von bestimmten Diözesen; ihnen waren Kopien von Hirtenbriefen, Broschüren, Artikeln und Studien beigefügt.

Es ist natürlich nicht möglich, die eingegangenen umfassenden Dokumente zusammenzufassen, die zudem ständig aktualisiert werden müssen, um als Grundlage für eine konstruktive seelsorgerische Antwort auf die durch die Sekten, neuen religiösen Bewegungen und Gruppen geschaffene Herausforderung dienen zu können. In dem vorliegenden Bericht kann auf der Grundlage der erhaltenen Antworten und Dokumente lediglich ein erstes Gesamtbild gezeichnet werden.

Der Bericht ist folgendermaßen aufgegliedert: (sieh: Inhaltsverzeichnis)

1. Einleitung

1.1 Was sind "Sekten"? Was versteht man unter "Kultgemeinschaften"? Es ist wichtig zu erkennen, dass es Schwierigkeiten bei den Begriffen, Definitionen und der Terminologie gibt. Die Begriffe "Sekte" und "Kultgemeinschaft" klingen etwas abfällig und scheinen ein ziemlich negatives Werturteil zu beinhalten. Vorzuziehen wären neutralere Begriffe wie "neue religiöse Bewegungen" oder "neue religiöse Gruppen". Die Definition dieser "neuen Bewegungen" oder "Gruppen" im Unterschied zu "Kirche" oder "legitimen Bewegungen innerhalb einer Kirche" ist eine strittige Frage.

Hilfreich ist die Unterscheidung von Sekten, die ihren Ursprung in der christlichen Religion haben, und solchen, die sich auf andere religiöse oder humanitäre Quellen stützen. Die Sache wird oft recht heikel, wenn diese Gruppen christlichen Ursprungs sind. Trotzdem ist gerade diese Unterscheidung sehr wichtig. Bestimmte Sektenmentalitäten und -haltungen, d. h. Intoleranz und aggressiver Proselytismus, "stellen nicht notwendigerweise eine Sekte dar" noch reichen sie zur Kennzeichnung einer solchen aus. Diese Haltungen sind auch in Gruppen christlicher Glaubender innerhalb der Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften anzutreffen. Diese zur Sektenmentalität neigenden christlichen Gruppen können sich jedoch durch eine Vertiefung ihrer christlichen Bildung und durch den Kontakt mit anderen Mitchristen positiv ändern. Auf diese Weise können sie mehr und mehr eine "kirchliche" Gesinnung und Haltung annehmen.

Das Kriterium zur Unterscheidung zwischen Sekten christlichen Ursprungs einerseits und Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften andererseits ist möglicherweise in den Quellen der Lehre dieser Gruppen zu finden. Sekten könnten beispielsweise jene Gruppen sein, die neben der Bibel andere "Offenbarungsbücher" oder "prophetische Botschaften" haben, oder Gruppen, die bestimmte protokanonische Bücher aus der Bibel ausschließen oder deren Inhalt radikal verändern. Eine der Antworten auf Frage 1 des Fragebogens versucht die Sekten, wie folgt, zu beschreiben:

"Aus praktischen Gründen wird eine ,Kultgemeinschaft' oder Sekte zuweilen als ,irgendeine religiöse Gruppe mit einer eigenen bestimmten Weltanschauung' definiert, ,die sich aus den Lehren einer großen Weltreligion ableitet, aber nicht mit ihnen identisch ist'. Da wir hier von besonderen Gruppen sprechen, die gewöhnlich eine Bedrohung der Freiheit der Menschen und der Gesellschaft im allgemeinen darstellen, sind sowohl Kultgemeinschaften und Sekten auch als Gruppen mit einer Reihe von gemeinsamen Verhaltensmerkmalen beschrieben worden. Damit ist oft gemeint, dass sie autoritär strukturiert sind, gewisse Formen der Gehirnwäsche und der Kontrolle des Verstandes praktizieren, dass sie Gruppenzwang üben und Schuld- und Angstgefühle einflößen usw. Das grundliegende Werk über diese Kennzeichen wurde von dem Amerikaner Dave Breese, Know the Marks of Cults (Victor Books, Wheaton I 11., 1985), veröffentlicht."

Ungeachtet der Schwierigkeiten bei der Unterscheidung zwischen Sekten christlichen Ursprungs und Kirchen, kirchlichen Gemeinschaften oder christlichen Bewegungen lassen die Antworten auf dem Fragebogen zuweilen einen schwerwiegenden Mangel an Verständnis und Kenntnis der anderen christlichen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften erkennen. Einige schließen unter "Sekten" Kirchen und kirchliche Gemeinschaften ein, die sich nicht in völliger Gemeinschaft mit der römisch-katholischen Kirche befinden. Auch Anhänger großer Weltreligionen (Hinduismus, Buddhismus usw.) sehen sich von manchen als Mitglieder einer Sekte bezeichnet.

1.2 Von den erwähnten Schwierigkeiten einmal abgesehen, stellen jedoch beinahe alle Ortskirchen das Entstehen und die rasche Verbreitung aller Arten "neuer" religiöser oder pseudoreligiöser Bewegungen, Gruppen und Gepflogenheiten fest. Dieses Phänomen wird beinahe von allen Antwortenden als ernstes Problem, von einigen als alarmierendes Problem betrachtet; nur in sehr wenigen Ländern scheint es dieses Problem überhaupt nicht zu geben (z. B. in vorwiegend islamischen Staaten).

In einigen Fällen tritt das Phänomen innerhalb der Großkirchen selbst auf (Sektenhaltungen). In anderen Fällen stellt es sich außerhalb der Kirchen (unabhängige oder freie Kirchen; messianische oder prophetische Bewegungen) oder es richtet sich gegen die Kirchen (Sekten, Kultgemeinschaften, die oft selbst kirchenähnliche Strukturen aufbauen). Nicht alle diese Gruppen haben jedoch einen religiösen Inhalt oder ein letztlich religiöses Ziel.

1.3 Das Phänomen entwickelt sich schnell, oft recht erfolgreich und wirft seelsorgerische Probleme auf. Unmittelbar geht es darum zu wissen, wie man ein Mitglied einer katholischen Familie zu behandeln hat, das in eine Sekte verwickelt ist. Der Pfarrer oder örtliche Seelsorger bzw. Berater hat es normalerweise zunächst einmal mit den Verwandten und Freunden eines solchen Menschen zu tun. Oft kann man an die betroffene Person nur indirekt herantreten. In den Fällen, in denen ein direkter Kontakt zu der betreffenden Person möglich ist, um ihr Orientierungshilfe zu geben oder einem ehemaligen Mitglied einer Sekte Ratschläge in Bezug auf seine gesellschaftliche Wiedereingliederung zu geben, sind psychologisches Geschick und psychologische Erfahrung erforderlich.

1.4 Die am stärksten betroffenen Gruppen

Die verwundbarsten Gruppen in der Kirche, besonders die Jugend, scheinen die am stärksten betroffenen zu sein. Wenn sie ungebunden, arbeitslos sind, sich nicht aktiv im Pfarrleben oder in freiwilliger pfarrlicher Arbeit engagieren, aus einer labilen Familie kommen, ethnischen Minderheiten angehören oder an Orten leben, die weit entfernt vom Einzugsgebiet der Kirche liegen usw., dürften sie wohl Ziel der neuen Bewegungen und Sekten sein. Einige Sekten scheinen hauptsächlich Menschen der mittleren Altersgruppen anzuziehen. Andere werben ihre Mitglieder in wohlhabenden und hochgebildeten Familien. In diesem Zusammenhang müssen die Universitäten genannt werden, die oft einen günstigen Nährboden für Sekten oder Anwerbestätten darstellen. Außerdem können schwierige Beziehungen zum Klerus oder ungültige eheliche Verhältnisse zu einem Bruch mit der Kirche und zum Anschluss an eine neue Gruppe führen.

Nur sehr wenige Menschen scheinen sich aus schlechten Gründen einer Sekte anzuschließen. Die beste Chance für die Sekten ist möglicherweise, gute Menschen und die guten Beweggründe in diesen Menschen für sich einzunehmen. Sie haben tatsächlich den besten Erfolg, wenn es der Gesellschaft oder Kirche nicht gelungen ist, diese guten Beweggründe zu nutzen.

1.5. Für den Erfolg unter den Katholiken gibt es in der Tat mehrere Gründe, die auf verschiedenen Ebenen zu bestimmen sind. Sie beziehen sich vor allem auf die Bedürfnisse und Wünsche, die offensichtlich in den Großkirchen nicht erfüllt werden. Sie beziehen sich ferner auf die Anwerbe- und Schulungsmethoden der Sekten. Sie können entweder außerhalb der Großkirchen oder der neuen Gruppen liegen: wirtschaftliche Vorteile, politische Interessen oder politischer Druck, reine Neugier usw.

Eine Beurteilung dieser Gründe kann nur innerhalb des jeweiligen besonderen Zusammenhangs, in dem sie auftreten, erfolgen. Die Ergebnisse einer allgemeinen Beurteilung (dies ist das Thema dieses Berichts) können jedoch und tun dies hier - eine ganze Palette von "besonderen" Gründen offenbaren, die sich fast als allgemein gültig erweisen. Die wachsende gegenseitige Abhängigkeit in unserer Welt kann uns eine Erklärung dafür liefern.

Das Phänomen scheint symptomatisch zu sein für die entpersonalisierenden Strukturen der heutigen Gesellschaft, die überwiegend im Westen geschaffen und weitgehend in die übrige Welt exportiert werden und auf der Ebene des einzelnen wie der Gesellschaft mehrfache Krisensituationen hervorrufen. Diese Krisensituationen legen verschiedene Bedürfnisse, Wünsche und Fragen offen, die wiederum psychologische und spirituelle Antworten erfordern. Die Sekten nehmen für sich in Anspruch, diese Antworten zu haben und zu geben. Sie tun dies auf der emotionalen und kognitiven Ebene und gehen oft in einer Weise auf die emotionalen Bedürfnisse ein, welche die Erkenntnisfähigkeit zerstört.

Diese grundlegenden Bedürfnisse und Wünsche können als vielfältiger Ausdruck der Suche des Menschen nach Ganzheit und Harmonie, Teilhabe und Verwirklichung auf allen Ebenen der menschlichen Existenz und Erfahrung beschrieben werden und als vielfältige Versuche, dem Streben des Menschen nach Wahrheit und Sinn und nach den grundlegenden Werten gerecht zu werden, die zu bestimmten Zeiten im Leben der Gemeinschaft wie des einzelnen verborgen, zerstört oder verloren zu sein scheinen, und zwar insbesondere bei den Menschen, die durch eine rasche Veränderung, akuten Streß, Angst usw. aus dem Gleichgewicht gebracht werden.

1.6 Die Antworten auf den Fragebogen zeigen, dass das Phänomen nicht so sehr als Bedrohung der Kirche zu betrachten ist (obgleich viele Antworten den aggressiven Proselytismus einiger Sekten für das Hauptproblem halten, sondern vielmehr als seelsorgerische Herausforderung. In einigen Antworten wird hervorgehoben, dass wir zwar jederzeit unsere eigene Integrität und Redlichkeit aufrechthalten, aber daran denken sollen, dass jede religiöse Gruppe das Recht hat, ihren eigenen Glauben zu bekennen und nach ihrem eigenen Gewissen zu leben. Sie betonen, dass wir im Umgang mit einzelnen Gruppen die Pflicht haben, uns nach den Grundsätzen des religiösen Dialogs zu verhalten, die vom Zweiten Vatikanischen Konzil und in späteren kirchlichen Dokumenten niedergelegt wurden. Des weiteren müssen wir uns an die jedem einzelnen gebührende Achtung und daran erinnern, dass unser Verhalten gegenüber aufrichtigen Gläubigen von Offenheit und Verständnis, nicht aber von Verachtung geprägt sein sollte.

Die Antworten auf den Fragebogen lassen einen großen Bedarf an Informationen, Bildung von Gläubigen und einer neuen seelsorgerischen Vorgehensweise erkennen.

2. Gründe für die Verbreitung dieser Bewegungen und Gruppen

Krisensituationen oder allgemeine Verwundbarkeit können Bedürfnisse und Wünsche offenlegen und/oder erzeugen, die zur grundlegenden Motivation für die Hinwendung zu einer Sekte werden. Die sind auf der Verstandes- wie auf der emotionalen Ebene anzusiedeln und stehen ihrem Wesen nach miteinander in Beziehung, d. h., sie sind eine Konzentration auf sich "selbst" in Bezug auf "andere" (gesellschaftlich), auf die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft (kulturell, existentiell) und auf das Transzendente (religiös). Diese Ebenen und Dimensionen sind miteinander verflochten. Diese Bedürfnisse und Wünsche lassen sich in neun Hauptgruppen untergliedern, obgleich sie sich in Einzelfällen oft überschneiden. Für jede Gruppe von Wünschen geben wir an, was die Sekten zu bieten haben. Aus diesem Blickwinkel sind die Hauptgründe für ihren Erfolg zu sehen, aber auch die Anwerbemethoden und Unterweisungsverfahren sind zu berücksichtigen (vgl. Nummer 2.2).

2.1 Bedürfnisse und Wünsche; was die Sekten zu bieten scheinen

2.1.1 Das Streben nach Zugehörigkeit (Gemeinschaftgefühl)

Das Gefüge vieler Gemeinschaften ist zerstört; der traditionelle Lebensstil ist unterbrochen, Familien sind auseinandergerissen; Menschen fühlen sich entwurzelt und einsam. So erklärt sich das Bedürfnis nach Zugehörigkeit.

In den Antworten wurden folgende Begriffe genannt: Zugehörigkeit, Liebe, Gemeinschaft, Kommunikation, Wärme, Anteilnahme, Sorge, Unterstützung, Freundschaft, Zuneigung, Brüderlichkeit, Hilfe, Solidarität, Begegnung, Dialog, Trost, Annahme, Verständnis, Teilnahme, Nähe, Gegenseitigkeit, Gemeinsamkeit, Kameradschaft, Versöhnung, Toleranz, Wurzeln, Sicherheit, Zuflucht, Schutz, Heim.

Die Sekten scheinen folgendes zu bieten: menschliche Wärme, Pflege und Unterstützung in kleinen, festgefügten Gemeinschaften, gemeinsame Zielsetzung und Kameradschaft, Beachtung des einzelnen, Schutz und Sicherheit, besonders in Krisensituationen, Resozialisierung von Randgruppen (z. B. Geschiedene oder Immigranten); die Sekte übernimmt oft das Denken für den einzelnen.

2.1.2 Die Suche nach Antworten

In schwierigen und verworrenen Situationen suchen die Menschen natürlich nach Antworten und Lösungen.

Die Sekten scheinen folgendes zu bieten: einfache Patentantworten auf schwierige Fragen und Situationen, vereinfachte Teilvarianten traditioneller Wahrheiten und Werte; eine pragmatische Theologie, eine Erfolgstheologie, eine synkretistische Theologie, die den Menschen, die oft wenig mit der "alten Wahrheit" anfangen können, als "neue Offenbarung" und "neue Wahrheit" angeboten wird; klare Richtlinien, Anspruch auf moralische Überlegenheit, Beweise von "übernatürlichen" Elementen: Glossolalie, Trance, Medium, Prophezeiungen, Besessenheit usw.

2.1.3 Die Suche nach Ganzheit.

Viele Menschen haben das Gefühl, mit sich selbst, mit anderen, mit ihrer Kultur und Umgebung nicht in Einklang zu stehen. Sie wurden von Eltern oder Lehrern, der Kirche oder Gesellschaft verletzt. Sie haben das Gefühl, vergessen worden zu sein. Sie wollen eine religiöse Anschauung, die alles und jeden miteinander in Harmonie bringt, eine Anbetung, die für Körper und Seele, für Beteiligung, Spontaneität und Kreativität Raum lässt.

Sie wollen Heilung, auch körperliche Heilung (insbesondere die Antworten aus Afrika weisen nachdrücklich auf diesen Punkt hin).

In den Antworten wurden folgende Begriffe genannt: Heilung, Ganzheit, Integration, Integrität, Harmonie, Frieden, Versöhnung, Spontaneität, Kreativität, Beteiligung.

Die Sekten scheinen folgendes zu bieten: eine befriedigende religiöse Erfahrung, Rettung, Raum für Gefühle und Emotionen, für Spontaneität (z. B. bei religiösen Feiern), körperliche und geistige Heilung, Hilfe bei Drogen- oder Alkoholproblemen, Relevanz für das Leben.

2.1.4 Die Suche nach kultureller Identität

Dieser Aspekt ist mit dem vorigen eng verbunden. In vielen Ländern der Dritten Welt fühlt sich die Gesellschaft von den traditionellen kulturellen, sozialen und religiösen Werten stark abgeschnitten; traditionell Gläubige teilen dieses Gefühl.

In den Antworten wurden vor allem folgende Begriffe genannt: Inkulturation-/Inkarnation, Entfremdung, Modernisierung.

Die Sekten scheinen folgendes zu bieten: viel Raum für das traditionelle kulturelle/religiöse Erbe, Kreativität, Spontaneität, Beteiligung, eine Art des Gebets und Predigens, die den kulturellen Merkmalen und Erwartungen der Menschen mehr entgegenkommt.

2.1.5 Das Bedürfnis anerkannt zu werden, "besonders" zu sein

Die Menschen verspüren das Bedürfnis, sich aus der Anonymität herauszuheben, eine Identität aufzubauen, das Gefühl zu haben, dass sie irgendwie "besonders" und nicht nur eine Nummer oder ein gesichtsloses Mitglied einer Masse sind. Große Pfarrgemeinden und Kongregationen und eine auf die Verwaltung ausgerichtete Anteilnahme und Klerikalismus lassen wenig Spielraum, sich um jeden Menschen einzeln und in seiner eigenen Lebenssituation zu kümmern.

In den Antworten kamen folgende Begriffe vor: Selbstachtung, Bestätigung, Chancen, Relevanz, Beteiligung.

Die Sekten scheinen folgendes zu bieten: Sorge um den einzelnen, gleiche Chance für priesterliches Amt und Führung, für Beteiligung, für Bezeugung und Ausdruck; Förderung der eigenen Möglichkeiten; Chance, Teil einer Elitegruppe zu sein.

2.1.6 Die Suche nach Transzendenz

Darin kommen ein tiefes spirituelles Bedürfnis und eine durch Gott gegebene Motivation zum Ausdruck, etwas jenseits des Offenkundigen, des Unmittelbaren, des Bekannten, Kontrollierbaren und Materiellen zu suchen, eine Antwort auf die letzten Fragen des Lebens zu finden und an etwas zu glauben, das das eigene Leben in bedeutsamer Weise zu verändern vermag. Sie offenbart ein Gefühl des Geheimnisvollen, eines Mysteriums: eine Sorge um das, was kommen wird, ein Interesse an Messianismus und Weissagung. Oft wissen die Betroffenen nicht, was die Kirche zu bieten hat, oder sie werden durch die ihrer Meinung nach einseitige Betonung der Moral oder durch die institutionellen Aspekte der Kirche abgeschreckt.

In einer Antwort ist von "geheimen Suchenden" die Rede:

"Die Forschungen lassen die Vermutung zu, dass ein überraschend großer Teil der Bevölkerung auf eine entsprechende Frage hin zugeben muss, eine Art geistiger oder religiöser Erfahrung zu haben, d.h., dass diese ihr Leben in bedeutsamer Weise verändert hat. Die meisten fügen noch hinzu, dass sie nie jemandem von dieser Erfahrung erzählt haben. Viele junge Menschen sagen, sie hätten befürchtet, ausgelacht oder für eigenartig gehalten zu werden, wenn sie das Thema spirituelle oder religiöse Erfahrungen angeschnitten hätten, und dass sie oft Schwierigkeiten gehabt hätten, Lehrer oder Geistliche zu einer Erörterung, geschweige denn Beantwortung ihrer wichtigsten und grundlegenden Fragen zu bewegen."

In den Antworten wurden folgende Begriffe erwähnt: Transzendenz, Heiliges, Mysterium, mystisch, Meditation, Feier, Anbetung, Wahrheit, Glauben, Spiritualität, Sinn, Ziele, Werte, Symbole, Gebet, Freiheit, Erwachen, Überzeugung.

Die Sekten scheinen folgendes zu bieten: Bibel und Bibelunterricht, ein Gefühl der Rettung, die Gaben des Geistes, Meditation, geistige Errungenschaft. Einige Gruppen bieten nicht nur die Möglichkeit, die grundlegenden Fragen in einem "sicheren" sozialen Umfeld zum Ausdruck zu bringen und zu untersuchen; sie bieten auch Konzepte und Sprachregelungen, mit denen dies erfolgen kann, und ein Paket eindeutiger und relativ präziser Antworten.

2.1.7 Das Bedürfnis nach geistlicher Führung

In der Familie des Suchenden mangelt es vielleicht an elterlicher Unterstützung, oder die Kirchenführer und Pädagogen haben weder Führungsqualitäten noch Geduld oder persönliches Engagement.

Folgende Begriffe wurden erwähnt: Lenkung, Hingabe, Engagement, Bewährung, Führung, Guru.

Die Sekten scheinen folgendes zu bieten: Lenkung und Orientierung durch eine starke, charismatische Führung. Die Person des Meisters, Führers oder Gurus spielt bei der Bindung der Schüler eine wichtige Rolle. Zuweilen gibt es nicht nur eine Unterwerfung, sondern eine emotionale Kapitulation und sogar eine beinahe hysterische Hingabe an einen starken geistlichen Führer (Messias, Prophet, Guru).

2.1.8 Das Bedürfnis nach einem Ausblick

Die Welt von heute ist eine Welt voll innerer Abhängigkeit, die durch Feindseligkeit und Konflikte, Gewalt und die Gefahr der Zerstörung gekennzeichnet ist. Die Menschen machen sich Sorgen um die Zukunft, sind oft verzweifelt, hilflos, hoffnungslos und machtlos. Sie suchen nach Hoffnungszeichen und nach einem Ausweg. Einige verspüren den - wenn auch vagen - Wunsch, die Welt besser zu machen.

Folgende Begriffe wurden genannt: Ausblick, Erwachen, Neuheit, eine neue Ordnung, ein Ausweg, Alternativen, Ziele, Hoffnung.

Die Sekten scheinen folgendes zu bieten: eine "neue Auffassung" von sich selbst, der Menschheit, der Geschichte, dem Kosmos. Sie versprechen den Beginn eines neuen Zeitalters, einer neuen Ära.

2.1.9 Das Bedürfnis nach Teilhabe und Mitwirkung

Dieser Aspekt ist eng mit dem vorigen verbunden. Viele Suchende verspüren nicht nur das Bedürfnis nach einem Ausblick in der heutigen Weltgesellschaft und im Hinblick auf die Zukunft; sie möchten auch am Entscheidungsprozess, an der Planung und der Verwirklichung beteiligt werden.

Es wurden vor allem folgende Begriffe verwendet: Beteiligung, aktive Bezeugung, Bauen, Elite, soziales Engagement.

Die Sekten scheinen folgendes zu bieten: eine konkrete Mission für eine bessere Welt, eine Forderung nach völliger Hingabe, Beteiligung auf den meisten Ebenen.

Zusammenfassend kann man feststellen, dass die Sekten entsprechend ihrem Glauben zu leben scheinen, über eine mächtige (oft magnetische) Überzeugung, Hingabe und Einsatzfreudigkeit verfügen, auf die Menschen, dort wo sie sind, warmherzig, persönlich und unmittelbar zugehen, den einzelnen aus der Anonymität herausreißen und die Beteiligung, Spontaneität, Verantwortung und das Engagement fördern ... , und durch vielfache Kontakte, Hausbesuche und fortwährende Unterstützung und Lenkung intensive Nachbetreuung leisten. Sie helfen, die eigenen Erfahrungen neu zu interpretieren, die eigenen Werte neu einzuschätzen und die grundlegenden Fragen in einem allumfassenden System anzugehen. Sie nutzen gewöhnlich Worte wie Predigt, Literatur, Massenmedien (für christliche Gruppen starke Betonung der Bibel) und oft auch das Amt des Heilens überzeugend. Mit einem Wort, sie präsentieren sich als die einzige Antwort, die "gute Nachricht" in einer chaotischen Welt. Obgleich dies zumeist den Erfolg der Sekten erklärt, gibt es auch andere Gründe, wie die Anwerbe- und Schulungsmethoden und Unterweisungsverfahren, die von bestimmten Sekten angewandt werden.

2.2 Anwerbe- und Schulungsmethoden, Unterweisungsverfahren

Der Erfolg einiger Sekten und Kultgemeinschaften lässt sich zum Teil mit den von ihnen angewandten, oft sehr ausgeklügelten Anwerbe- und Schulungsmethoden sowie Unterweisungsverfahren erklären. Sehr oft werden vor allem diejenigen durch diese Methoden angelockt, die nicht wissen, dass dieses Vorgehen bewusst inszeniert wurde, und in zweiter Linie diejenigen, die sich der ersonnenen Bekehrungs- und Schulungsmethoden (der sozialen und psychologischen Manipulation), denen sie unterworfen werden, nicht bewusst sind. Die Sekten zwingen oft ihre eigenen Denknormen, Gefühle und Verhaltensmuster auf. Dies steht im Gegensatz zum Vorgehen der Kirche, das eine Zustimmung auf der Grundlage aller Möglichkeiten und der Unterrichtung impliziert. Junge und ältere Menschen, die nicht wissen, was sie tun sollen, werden leicht ein Opfer solcher Verfahren und Methoden, die oft eine Mischung aus Zuneigung und Täuschung darstellen (vgl. die "Bombardierung mit Liebe", den "Persönlichkeitstest" oder die "Kapitulation"). Diese Verfahren gehen von einer positiven Grundlage aus, erreichen aber durch den Einsatz mißbräuchlicher Verfahren zur Verhaltensänderung allmählich eine Art Kontrolle des Verstandes.

Folgende Elemente sind zu nennen:

- Raffinierte Einführung des Übergetretenen und seine allmähliche Entlarvung der wahren Hausherren;

- Überwältigungsmethoden: "Bombardierung mit Liebe", Angebot "eines freien Essens in einem internationalen Zentrum für Freunde", "Flirt"Methoden (Prostitution als Anwerbemethode);

- Patentantworten und Entscheidungen werden den Angeworbenen beinahe aufgezwungen;

- Schmeichelei;

- Verteilung von Medikamenten, Geld;

- Forderung nach bedingungsloser Kapitulation vor dem Initiator, Führer;

- Isolierung: Überwachung des rationalen Denkprozesses, Abschaffung von Informationen und Einfluß von außen (Familie, Freunde, Zeitungen, Zeitschriften, Fernsehen, Radio, medizinische Behandlung usw.), durch welche die Faszination der Beteiligung und der Prozess der Fesselung der Gefühle und Haltungen wie auch der Verhaltensmuster gestört werden könnten;

- die Loslösung der Angeworbenen von ihrem früheren Leben; Konzentration auf früheres Fehlverhalten wie Drogenmissbrauch, sexuelle Verfehlungen, Ausnutzung psychologischer Faktoren, schlechter sozialer Verhältnisse usw.;

- bewusstseinsverändernde Methoden, die zu kognitiven Störungen führen (geistige Bombardierung); Verwendung von Klischees, die das Denken zerstören, geschlossenes Logiksystem; Einschränkung des Nachdenkens;

- die Angeworbenen werden ständig beschäftigt und nie allein gelassen; fortdauernde Ermahnung und Schulung, um einen erhöhten geistigen Status, ein verändertes Bewusstsein und eine automatische Unterwerfung unter Richtlinien zu erreichen: Unterdrückung von Widerstand und negativem Verhalten; auf Furcht wird oft so reagiert, dass noch größere Furcht entsteht;

- starke Konzentration auf den Führer; einige Gruppen schmälern sogar die Rolle von Christus zugunsten des Gründers (im Falle einiger "christlicher Sekten").

3. Seelsorgerische Herausforderungen und Vorgehensweisen

Der Zusammenbruch traditioneller gesellschaftlicher Strukturen, kultureller Gepflogenheiten und traditioneller Werte, der durch die Industrialisierung, Verstädterung, Migration, die rasche Entwicklung von Kommunikationssystemen und restlos rationale technokratische Systeme bewirkt wird, macht viele Menschen verwirrt, entwurzelt, unsicher und daher verwundbar. In dieser Lage wird natürlich nach einer Lösung gesucht, oft nach dem Motto: je einfacher, je besser. Es besteht auch die Versuchung, die Lösung als die einzige und endgültige Antwort zu akzeptieren.

Nach der Analyse der Antworten kann eine Reihe von Symptomen der Krankheiten, an denen viele Gesellschaften heute leiden, aufgezählt werden. Viele Menschen sind davon betroffen. Sie machen sich Sorgen über sich (Identitätskrise), die Zukunft (Arbeitslosigkeit, die Gefahr eines Atomkriegs). Sie stellen sich Fragen über die eigentliche Wahrheit und wie sie zu finden ist, in Bezug auf politische Unsicherheit und Hilflosigkeit, wirtschaftliche und ideologische Vormacht, den Sinn des Lebens, sich selbst und andere, Ereignisse, Situationen, Dinge, das Leben danach.

Sie leiden an Ziellosigkeit, Orientierungslosigkeit, sie sind nicht am Entscheidungsprozess beteiligt, es fehlen ihnen wirkliche Antworten auf ihre wirklichen Fragen. Sie verspüren Angst wegen verschiedener Formen von Gewalt, wegen Konflikten und Feindseligkeit: Angst vor einer ökologischen Katastrophe, Krieg und einem nuklearen Holocaust, sozialen Konflikten, Manipulation. Sie sind frustiert, entwurzelt, heimatlos, schutzlos, hoffnungs- und hilflos und folglich unmotiviert, zu Hause einsam, in der Schule, bei der Arbeit, an der Universität und in der Stadt einsam, in der Anonymität, Isolation, in Randgruppen, in der Entfremdung verloren, d. h., sie haben das Gefühl, zu niemandem zu gehören, mißverstanden, betrogen, unterdrückt, getäuscht und ferngehalten zu werden, bedeutungslos zu sein, nicht gehört, nicht akzeptiert und nicht ernstgenommen zu werden. Sie sind enttäuscht über die technologische Gesellschaft, das Militär, die großen Unternehmen, die Arbeit, Ausbeutung, Bildungssysteme, über kirchliche Gesetze und Gepflogenheiten und die Regierungspolitik.

Sie haben möglicherweise gelernt, sich als nach dem Gewissen "Handelnde" und nicht als wertlose "ziellose Menschen" oder sich selbst suchende Opportunisten zu betrachten, aber oft wissen sie nicht, was sie tun sollen oder wie sie es tun sollen.

Sie sind in verschiedenen "Zwischen"zeiten verunsichert zwischen Schule und Universität, zwischen Schule und Arbeit, zwischen Eheschließung und Scheidung, zwischen Dorf und Stadt.

Sie werden freudlos, gleichgültig oder aggressiv, oder sie werden zu Suchenden.

Zusammenfassend ist festzustellen, dass all diese Symptome viele Formen der Entfremdung darstellen (von sich selbst, von anderen, von den eigenen Wurzeln, von der eigenen Kultur usw.). Man könnte sagen, die in den Antworten auf den Fragebogen zum Ausdruck gebrachten Bedürfnisse und Wünsche seien die vielfältige Darstellung der Suche nach einer "Präsenz" (gegenüber sich selbst, gegenüber anderen und gegenüber Gott). Wer sich verloren fühlt, möchte gefunden werden. Mit anderen Worten, es gibt ein Vakuum, das gefüllt werden muss; in diesem Zusammenhang können wir in der Tat nicht nur die in vielen Antworten enthaltene Kritik an der Kirche, sondern vor allem die seelsorgerischen Anliegen und vorgeschlagenen Vorgehensweisen verstehen. In den Antworten wird auf viele Mängel und Unzulänglichkeiten im derzeitigen Verhalten der Kirche hingewiesen, die den Erfolg der Sekten begünstigen können. Wir wollen jedoch nicht weiter darauf eingehen, sondern in erster Linie die positiven seelsorgerischen Vorgehensweisen betonen, die vorgeschlagen oder gefordert werden. Wenn man entsprechend handelt, kann sich die durch die Sekten verursachte Herausforderung möglicherweise als ein nützlicher Impuls für die spirituelle und kirchliche Erneuerung erweisen.

3.1 Gemeinschaftsgefühl

In beinahe allen Antworten wird ein Überdenken des traditionellen "Pfarrgemeindesystems" (zumindest in einigen lokalen Situationen) gefordert; gefordert wird die Suche nach Gemeinschaftsstrukturen, die mehr durch Brüderlichkeit gekennzeichnet sind, mehr dem Menschen entsprechen, besser auf die Lebenssituation der Menschen zugeschnitten sind; verlangt werden mehr grundlegende kirchliche Gemeinschaften, sorgende Gemeinschaften des lebendigen Glaubens, der Liebe (Warme, Akzeptanz, Verständnis, Versöhnung, Kameradschaft) und der Hoffnung; feiernde Gemeinschaften; betende Gemeinschaften; missionarische Gemeinschaften, die nach außen gehen und Zeugnis ablegen; Gemeinschaften, die Menschen mit besonderen Problemen offenstehen und diese unterstützen: Geschiedene, Wiederverheiratete, Rand- gruppen.

3.2 Schulung und laufende Schulung

In den Antworten wird nachdrücklich betont, dass die Gläubigen auf der Ebene der örtlichen Gemeinden wie auch der Klerus und die für die Schulung Verantwortlichen Evangelisierung, Katechese und ständige biblische, theologische und ökumenische Unterrichtung im Glauben erhalten müssen. (In einer Antwort werden "reflektive Kurse" für Lehrer, Jugendleiter, den Klerus und Ordensleute befürwortet.) Dieser laufende Prozess sollte informativ sein, d. h. Informationen über unsere eigene katholische Tradition (Glaubensauffassungen, Gepflogenheiten, Spiritualität, Meditation, Kontemplation usw.), über andere Traditionen und über die neuen religiösen Gruppen usw. enthalten, und schulenden Charakter haben, d. h. Orientierungshilfen für den eigenen Glauben und den der Gemeinschaft geben, einen tieferen Sinn für das Transzendente, das Eschatologische, das religiöse Engagement, den Gemeinschaftsgeist usw. vermitteln. Die Kirche sollte für die Menschen nicht nur ein Zeichen der Hoffnung sein, sondern ihnen auch die Gründe für diese Hoffnung bieten; sie sollte helfen, Fragen zu stellen und diese auch zu beantworten. Das wesentliche Element in diesem Prozess ist die Heilige Schrift. Die Massenmedien sollten verstärkt und besser genutzt werden.

3.3 Persönliche und den ganzen Menschen einbeziehende Vorgehensweise. Den Menschen muss geholfen werden, sich selbst als einzigartig zu erkennen, als jemand, der von einem persönlichen Gott geliebt wird und der von Geburt über Tod bis zur Auferstehung eine persönliche Geschichte hat. Die "alte Wahrheit" sollte für sie allmählich zu einer "neuen Wahrheit" werden, und zwar durch ein echtes Gefühl der Erneuerung, aber mit Kriterien und einem gedanklichen Rahmen, die nicht durch jede Neuheit, auf die sie stoßen, erschüttert werden.

Besondere Aufmerksamkeit sollte der empirischen Dimension geschenkt werden, d. h. der persönlichen Entdeckung Christi durch Gebet und Hingabe (z. B. die charismatischen und "Wiedergeburt"-Bewegungen). Viele Christen leben, als seien sie überhaupt nie geboren worden: Besondere Beachtung verdient die Heilung durch Gebete, Aussöhnung, Kameradschaft und Sorge. Unsere Seelsorge sollte nicht nur einer Dimension gelten, sie sollte sich nicht nur auf die spirituellen, sondern auch auf die physischen, psychologischen, sozialen, kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Aspekte erstrecken.

3.4 Kulturelle Identität

Die Inkulturation ist eine grundlegende Frage. Sie wird besonders in den Antworten aus Afrika hervorgehoben, die ein Gefühl der Entfremdung gegenüber westlichen Formen des Gebets und des Amtes erkennen lassen, die oft für das kulturelle Umfeld und die Lebenssituation der Menschen völlig irrelevant sind. In der Antwort heißt es:

"Die Afrikaner wollen Christen sein. Wir haben ihnen Unterkunft, aber kein Heim gegeben ... Sie wollen ein einfacheres Christentum, das in alle Aspekte des täglichen Lebens, in die Leiden, Freuden, Arbeit, Wünsche, Ängste und Bedürfnisse des Afrikaners eingegliedert werden kann ... Die jungen Menschen betrachten die unabhängigen Kirchen als echten Ableger der afrikanischen Tradition, religiöse Dinge zu tun."

3.5 Gebet und Anbetung

Einige regen ein Überdenken der klassischen Samstagabend-/Sonntagmorgen_ liturgie an, die der täglichen Lebenssituation oft fremd sind. Das Wort Gottes sollte als wichtiges Element zum Aufbau einer Gemeinschaft neu entdeckt werden.

"Empfangen" sollte gleichberechtigt neben "Bewahren" stehen. Es sollte Raum sein für freudige Kreativität, den Glauben an christliche Eingebung, die "Erfindungs"fähigkeit und ein stärkeres Gefühl für gemeinsames Feiern. Auch hier ist die Inkulturation eine unabdingbare Voraussetzung (unter gebührender Beachtung der Art der Liturgie und der Forderungen nach Allgemeingültigkeit).

Viele Antwortende bestehen auf der biblischen Dimension des Predigens, der Notwendigkeit, die Sprache der Menschen zu sprechen,der Notwendigkeit, Predigt und Liturgie sorgfältig vorzubereiten (möglichst in Teamarbeit unter Beteiligung von Laien). Bei der Predigt geht es nicht nur um Theorie, Intellekt und Moral, sie setzt das Lebenszeugnis des Predigers voraus. Predigen, Anbetung und Gemeinschaftsgebet sollten nicht notwendigerweise auf die traditionellen Gebetsstätten beschränkt sein.

3.6 Beteiligung und Führung

Die meisten Antwortenden sind sich des zunehmenden Mangels an geweihten Priestern und Ordensleuten bewusst. Dies erfordert eine stärkere Förderung eines diversifizierten Priesteramts und die laufende Schulung von Laienführern. Verstärkte Aufmerksamkeit sollte vielleicht der Rolle geschenkt werden, die Laien bei der Beschäftigung mit Sekten oder zumindest mit denjenigen, die von Sekten angezogen werden, spielen; Laien, die innerhalb der Kirche und in Zusammenarbeit mit ihren Priestern sowohl spirituell als auch seelsorgerisch eine echte Führungsrolle innehaben. Die Priester sollten nicht hauptsächlich als Verwaltungsfachleute, Bürobedienstete und Richter gekennzeichnet werden, sondern vielmehr als Brüder, Führer, Tröster und Menschen des Gebets. Zu oft ist eine Kluft zwischen den Gläubigen und dem Bischof, ja sogar zwischen dem Bischof und seinen Priestern zu überbrücken. Das Amt des Bischofs und Priesters ist ein Amt der Einheit und Gemeinschaft, was für die Gläubigen sichtbar sein muss.

4. Schlussbemerkungen

Welche Haltung nehmen wir also nun gegenüber den Sekten ein, wie gehen wir vor? Eine einfache Antwort auf diese Frage ist natürlich nicht möglich. Die Sekten selbst sind zu verschieden; die religiösen, kulturellen und sozialen Bedingungen zu unterschiedlich. Die Antwort ist nicht die gleiche, wenn wir die Sekten in Bezug auf die "Nichtkirchlichen", die Nichtgetauften und die Ungläubigen betrachten und wenn wir uns mit ihrem Einfluß auf getaufte Christen, insbesondere auf Katholiken oder ehemalige Katholiken, befassen. Die Antworten beziehen sich natürlich in erster Linie auf die letztgenannte Gruppe.

Desgleichen können wir natürlich auch nicht naiv irenisch sein. Wir haben das Wirken der Sekten genügend untersucht, um zu erkennen, dass die Positionen und Methoden einiger von ihnen sich destruktiv auf die Persönlichkeit auswirken, Familien und die Gesellschaft auseinanderreißen können und dass ihre Lehrsätze von den Lehren Christi und seiner Kirche weit entfernt sind. Wir vermuten, und in einigen Fällen wissen wir es genau, dass in vielen Ländern starke ideologische Kräfte wie auch wirtschaftliche und politische Interessen durch die Sekten am Werk sind, denen das echte Anliegen des Menschlichen völlig fremd ist und die das "Menschliche" für unmenschliche Zwecke nutzen.

Die Gläubigen, insbesondere die Jugend, müssen darauf hingewiesen werden, auf der Hut zu sein und auch fachmännischen Rat, einen Rechtsbeistand usw. in Anspruch zu nehmen. Zuweilen müssen wir entsprechende Maßnahmen seitens des Staates, der in seinem Einflussbereich handelt, anerkennen und sogar unterstützen.

Aus Erfahrung wissen wir, dass es im allgemeinen wenig oder überhaupt keine Möglichkeit für einen Dialog mit den Sekten gibt und dass nicht nur sie selbst sich einem Dialog verschließen, sondern dass sie auch ein ernstes Hindernis für ökumenische Bildung und Bemühungen darstellen können, wo immer sie aktiv sind.

Wenn wir aber unseren eigenen Glaubensauffassungen und Grundsätzen:

Achtung des Menschen, Achtung der Religionsfreiheit, Vertrauen auf den Heiligen Geist, der in unermeßlicher Weise sich darum bemüht, dass Gottes Liebe die ganze Menschheit, jeden Mann, jede Frau und jedes Kind erreicht, treu sein wollen, dann können wir uns nicht damit zufrieden geben, die Sekten zu verdammen und zu bekämpfen, sie vielleicht als ungesetzlich oder ausgestoßen zu betrachten, die Menschen gegen ihren Willen "umprogrammieren". Die Herausforderung durch die neuen religiösen Bewegungen liegt darin, unserer eigenen Erneuerung für eine größere seelsorgerische Leistungsfähigkeit Impuls zu verleihen.

Wir müssen ganz gewiß auch in uns selbst und in unseren Gemeinschaften ihnen gegenüber den Geist Christi entwickeln; wir müssen versuchen zu verstehen, "wo sie sind" und ihnen, wenn es möglich ist, die Hand in christlicher Liebe entgegenstrecken.

Wir müssen diese Ziele in der Treue zu den eigentlichen Lehren Christi und in Liebe zu allen Männern und Frauen verfolgen. Wir dürfen nicht zulassen, dass eine zu starke Beschäftigung mit den Sekten unseren Eifer in Bezug auf einen echten Ökumenismus aller Christen beeinträchtigt.

5. Einladung der Synode von 1985

5.1 Die 1985 zur Feier, Bewertung und Förderung des Zweiten Vatikanischen Konzils einberufene außerordentliche Synode gab bestimmte Orientierungshilfen betreffend die Erneuerung der Kirche von heute. Diese Orientierungshilfen, die sich mit den allgemeinen Bedürfnissen der Kirche befassen, sind auch eine Antwort auf die Bedürfnisse und Wünsche, die einige Menschen in den Sekten suchen (vgl. 3.1). Sie unterstreichen die seelsorgerischen Herausforderungen und die Notwendigkeit einer seelsorgerischen Planung.

5.2 In dem Schlussbericht der Synode wird darauf hingewiesen, dass sich die Weltlage verändert und dass die Zeichen der Zeit ständig analysiert werden müssen (vgl. II D7). Die Rückkehr zum Heiligen wird anerkannt ebenso wie die Tatsache, dass einige Menschen ihr Verlangen nach dem Heiligen durch die Sekten stillen (vgl. IIA 1). Die Kirche wird zu oft lediglich als Institution gesehen, möglicherweise, weil sie den Strukturen zu sehr Beachtung schenkt und nicht genügend dem Anliegen, die Menschen zu Gott in Christus zu bringen.

5.3 Als ganzheitliche Lösung dieser Probleme schlägt die Synode vor, das Konzil integral zu verstehen, es innerlich aufzunehmen und es in die Praxis umzusetzen. Die Kirche muss als Mysterium verstanden und gelebt werden (vgl. II A, Nr. 3.1.6) und als Gemeinschaft (vgl. II B, Nr. 4.1, 4.6). Die Kirche muss sich dazu verpflichten, in größerem Umfang Zeichen und Instrument der Gemeinschaft mit Gott und der Gemeinschaft und Versöhnung unter den Menschen zu werden (vgl. I A2, Nr. 4.1, 3.1.6). Alle Christen werden zur Gottesfurcht aufgerufen, d.h. zur Bekehrung der Seele und Teilhabe an der Dreieinigkeit Gottes (vgl. II A4, Nr. 3.1.1, 3.1.5). Die christliche Gemeinschaft braucht Menschen, die in realistischer und weltzugewandter Heiligkeit leben. Da die Kirche eine Gemeinschaft ist, muss sie auf allen Ebenen Beteiligung und Mitverantwortung umfassen (vgl. II C6, Nr. 4.6, 3.1.9). Christen müssen alle wahrhaft menschlichen Werte (vgl. IID3) und auch die spezifisch religiösen (vgl. IID5) akzeptieren, um eine Inkulturation zu erreichen, die die "innere Umwandlung echter kultureller Werte durch ihre Integration in die Christenheit und in die verschiedenen menschlichen Kulturen darstellt" (II D4; Nr. 3.7.4, 4.4). "Die Katholische Kirche lehnt nichts ab, was in nichtchristlichen Religionen wahr und heilig ist. Die Katholiken müssen nämlich alle guten geistlichen und moralischen wie auch soziokulturellen Werte, die die in ihrer Mitte finden, anerkennen, bewahren und fördern" (II D5). "Die Kirche muss prophetisch jede Art von Armut und Unterdrückung anprangern und überall die grundlegenden, unveräußerlichen Rechte des Menschen schützen und fördern" (II D6 Nr. 3.2).

5.4 Die Synode gibt einige praktische Orientierungshilfen. Sie betont die spirituelle Schulung (vgl. II A5, Nr. 3.1.7, 4.2), das Bekenntnis zu einer vollständigen und systematischen Evangelisierung und Katechese für diejenigen, die sie interpretieren (vgl. II Ba2, Nr. 3.1.8, 3.1.3), gerade weil die Erlöseraufgabe der Kirche integral ist (vgl. II D6, Nr. 4.3), die Sicherung der inneren und geistlichen Beteiligung an der Liturgie (vgl. II B6, Nr. 3.1.9, 4.5), die Förderung des spirituellen und theologischen Dialogs unter den Christen (vgl. II C7) und den Dialog, der "die Innerlichkeit eröffnen und mitteilen kann", die Förderung konkreter Formen des geistlichen Weges wie geweihtes Leben, geistige Bewegungen, Volksfrömmigkeit (II A4, Nr. 3.1.7) und die stärkere Beachtung des Wortes Gottes (vgl. II BaI) in der Erkenntnis, dass das Evangelium die Menschen erreicht, indem sie es bezeugen (vgl. II Ba2).

6. Fragen zur weiteren Untersuchung und Forschung

NB: Wenn möglich, sollte die Untersuchung und Forschung in ökumenischer Zusammenarbeit erfolgen.

6.1 Theologische Studien

a) Die verschiedenen Arten von Sekten im Lichte von Lumen gentium, Nr. 16, Unitatis redintegratio und Nostra aetate.

b) Der "religiöse" Inhalt von esoterischen Sekten und von Sekten mit menschlichem Potential.

c) Der christliche Mystizismus in Bezug auf die Suche nach religiöser Erfahrung in den Sekten.

d) Die Verwendung der Bibel in den Sekten.

6.2 Interdisziplinäre Studien

(historisch - soziologisch - theologisch - anthropologisch)

a) Die Sekten und die frühen christlichen Gemeinschaften

b) Das Amt der Heilung in der Urkirche und in den Sekten

c) Die Rolle der prophetischen und charismatischen Persönlichkeiten (zu ihren Lebzeiten und nach ihrem Tod)

d) Die Sekten und volkstümliche Religiosität

6.3 Psychologische und seelsorgerische Studien

(Auf diesem Gebiet scheint bereits die meiste Arbeit geleistet worden zu sein.)

a) Anwerbemethoden und ihre Wirkung

b) Nachwirkungen der Mitgliedschaft in einer Sekte und "Umprogrammierung"

c) Religiöse Bedürfnisse und Erfahrungen Heranwachsender und junger Erwachsener und ihr Zusammenwirken mit der sexuellen Entwicklung, in Bezug auf die Sekten.

d) Autoritätsgefüge in den Sekten im Zusammenhang mit dem Mangel an Autorität und dem Bedürfnis danach in der heutigen Gesellschaft

e) Die Möglichkeit bzw. Unmöglichkeit eines Dialogs mit Sekten

6.4 Sekten und die Familie

a) Reaktionen in der Familie auf die Mitgliedschaft von Kindern oder anderen Familienmitgliedern in einer Sekte

b) Auseinanderbrechen der Familie oder irregulärer Familienstatus in Bezug auf die Anziehungskraft der Sekten

c) Sektenmitgliedschaft und die Solidarität der Familie, Druck der Familie auf Kinder von Sektenmitgliedern

d) Familiengefüge und eheliche Moral in den Sekten

6.5 Frauen in den Sekten

a) Möglichkeiten zur Selbstdarstellung und Verantwortung (vgl. von Frauen gegründete Sekten)

b) Untergeordnete Position von Frauen in verschiedenen Sektenarten: christliche Fundamentalistengruppen, orientalische Sekten, afrikanische Sekten usw.

6.6 Akkulturation und Inkulturation von Sekten und ihre Entwicklung in verschiedenen kulturellen und religiösen Umfeldern: in traditionell christlichen Kulturen, in Kulturen, die vor kurzem evangelisiert wurden, in völlig säkularisierten Gesellschaften oder solchen, die einen Prozess der raschen Säkularisierung erleben (mit seinem unterschiedlichen Einfluß auf westliche und nichtwestliche Kulturen). Migration und die Sekten.

6.7 Eine historische und soziologische Vergleichsstudie über Jugendbewegungen in Europa vor dem II. Weltkrieg und die Mitgliedschaft der Jugend in zeitgenössischen Kultgemeinschaften und Sekten.

6.8 Religiöse Freiheit in Bezug auf die Sekten: ethische, rechtliche und theologische Aspekte. Auswirkungen staatlicher Maßnahmen und sonstigen gesellschaftlichen Druckes. Wechselspiel zwischen politischen, wirtschaftlichen und religiösen Faktoren.

6.9 Das Image von Sekten in der Öffentlichkeit und die Wirkung der öffentlichen Meinung auf Sekten.

7. Literaturverzeichnis:

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(Diese Bibliographie ist weder erschöpfend noch bietet sie eine vollständige Auswahl; sie führt lediglich einige der repräsentativsten Werke an.)

8. Anhang. Der Fragebogen

Frage 1

In welchem Ausmaß und in welcher Form ist das Problem der Sekten in Ihrem Land bzw. in Ihrer Region gegeben? Zum Beispiel: Welche Arten von Sekten (christlichen oder anderen Ursprungs) gibt es? Wie viele Anhänger haben sie? In welchem Grad wirken sie auf Katholiken anziehend?

Frage 2

Welche sind die wichtigsten seelsorgerischen Probleme, die dieses Phänomen aufwirft? Welche Gruppen unter den Katholiken sind besonders gefährdet? Jugendliche? Familien?

Frage 3

Was hat die Kirche in Ihrem Land angesichts dieses Problems bisher unternehmen können? Wurde z. B. eine Bestandsaufnahme der vorhandenen Sekten gemacht, ihre Lehren studiert, Weisungen, ein Plan für das seelsorgerische Vorgehen ausgearbeitet?

Frage 4

Welche Gründe gibt es Ihrer Meinung nach für den Erfolg von Sekten unter den Katholiken Ihres Landes bzw. Ihrer Region? (Besondere sozio-kulturelle oder politische Verhältnisse? Unbefriedigte religiöse oder psychologische Bedürfnisse? ... )

Frage 5

Welche Haltung verlangt das Evangelium angesichts dieser Situation von uns? Frage 6 Welche wichtigen Dokumente oder Bücher über die Sektenfrage sind in Ihrem Land bzw. Ihrer Region (von Katholiken oder von Angehörigen anderer Kir-

chen oder kirchlicher Gemeinschaften, die vor demselben Problem stehen) veröffentlicht worden?

Frage 7

Können Sie uns besonders fachkundige und erfahrene Personen auf diesem Gebiet nennen, die in einem weiteren Schritt an der Weiterführung und Vertiefung dieser Befragung teilnehmen könnten?*

  • Die Antworten auf Frage 7 lieferten zahlreiche Namen zuständiger Personen und Fachinstitute, die sich in den weiteren Abschnitten der Arbeit über die Sekten als brauchbar und nützlich erweisen werden. Es schien uns allerdings noch zu früh, bereits auf diesen zusammenfassenden Bericht eine Auswahl unter diesen Namen zu treffen.
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