Selbsterlösung

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Das Leben hier auf Erden erleben wir nicht als Idealzustand, und das legt die Frage nach der Erlösung nahe. Sie ist eine der fundamentalen Fragen des Glaubens, auf den die verschiedenen Religionen unterschiedliche Antworten geben. Für die fernöstlichen Lehren des Hinduismus/Buddhismus und ähnliche ist die Antwort die Selbsterlösung, ein mühevoller Weg der Läuterung, um das Karma auszutilgen. Diese Lehren verwenden dazu den Gedanken der Reinkarnation.

Der Hinduismus kennt wohl eine Art Hilfe von Göttern, den Avatars, aber keine Erlösergestalt im strengen Sinne. Es bleibt Aufgabe und schwere Last jedes einzelnen Menschen, den Weg zur Erlösung durch Askese und Meditation allein zu gehen. Im Buddhismus gibt es in einzelnen Denkrichtungen Ansätze einer Erlöser-Sehnsucht. Der Islam kennt weder die Möglichkeit der Erlösung durch einen Erlöser, noch die Möglichkeit der Selbsterlösung. Es bleibt alleinige Entscheidung Allahs, ob jemand zu den Geretteten zählt oder nicht. (Ausnahme: demjenigen, der im Heiligen Krieg einen Ungläubigen tötet, ist die Erlösung zugesagt).

Für Christen ist die Frage der Erlösung untrennbar mit der Gestalt des Erlösers verknüpft. Wer an Jesus Christus den Erlöser glaubt, ist schon aus dem Zwang zur Selbsterlösung herausgenommen, er ist schon gerettet Gemäss dem christlichen Glauben ist der Mensch nicht fähig, aus eigener Kraft die Sünde dauerhaft zu überwinden. Diese Frage wurde von der Kirche anlässlich der Irrlehre des Pelagianismus untersucht und Selbsterlösung abgelehnt. Nur durch die Kraft Dessen, Der Sünde und Tod schon überwunden hat, dürfen die Menschen ihre eigene Mühe vor Gott bringen und auf das Geschenk der Erlösung vertrauen. Sie sind jedoch zur Mitarbeit an der Gnade Gottes nach Maßgabe ihrer Kräfte angehalten, z.B. durch die Beobachtung der 7 leiblichen und 7 geistigen Werke der Barmherzigkeit.

Inhaltsverzeichnis

Die Frage der Selbsterlösung im Alten Testament

Gen. 3,4-5

3:4 Darauf sagte die Schlange zur Frau: Nein, ihr werdet nicht sterben. 3:5 Gott weiß vielmehr: Sobald ihr davon esst, gehen euch die Augen auf; ihr werdet wie Gott und erkennt Gut und Böse.

Schon hier, ganz am Beginn der Geschichte Gottes mit den Menschen, steht diese Frage: vertrauen oder erkennen. Hier geht es nicht darum, dass Gott etwa die Wissenschaft verboten hätte, sondern: was ist es, was mich als Mensch nährt, am Leben hält (Apfel) ? Worauf baue ich mein Leben? Wenn der Mensch werden will wie Gott, tritt er aus der Liebe, die ihn hält, heraus. Wer nur auf die eigene Tüchtigkeit und Fähigkeit vertraut, wird deren Grenzen erleben müssen. Gott aber ist in der Lage, alle Grenzen für den zu sprengen, der vertraut. Das haben uns die Zeugnisse vieler Heiliger gezeigt.

Ex 17, 8-13

Das Volk Israel wird bei Refidim von den Amalekitern angegriffen und kämpfte gegen sie unter Josuah Ben Nun. Solange Mose seine Hand erhoben hielt, war Israel stärker

Dieser "Amalek", der immer wieder Streit mit dem Volk Israel sucht, ist das Bild für das Selber-Machen-Wollen bis hin zur Selbsterlösung (im Gegensatz zum Gottvertrauen). Die heutige Gesellschaft ist eine Macher-Kultur, die nicht mal vor dem Griff zum Leben haltmacht... Diese Schriftstelle zeigt uns aber, dass der, der im Vertrauen und im Gebet auf die Hilfe Gottes hofft, siegen wird..

Interessant auch noch: nicht Moses selbst kämpft, sondern der Heerführer ist Josua ben Nun. "Ben" bedeutet übersetzt Sohn. "Nun" bedeutet 50.... wir denken an das Jobeljahr, das ein Sabbatjahr zu Ehren Gottes war und zu dessen Beginn der Jobel geblasen wurde ("7x7 Jahreswochen sollst du zählen..."). Nachdem 7x7 Jahre vergangen waren ... eine Symbolzahl der Erfüllung, denken wir an die 7 Schöpfungstage.... und eines mehr ist 50 - das Sabbatjahr, das schon auf die Ewigkeit verweist. Er ist also "Sohn des Ewigen" wenn man das wörtlich übersetzt. Josuah oder Jehoschua lautet in der lateinischen Form "Jesus".

Wir sehen also, dass dieser Josuah ben Nun ein Vorausbild für Jesus den Sohn des Ewigen Vaters ist, der mit uns und für uns gegen das Selber-Machen, gegen die Selbsterlösung, und FÜR das bedingungslose Vertrauen auf Gottes Macht kämpft und siegt.

Frage der Selbsterlösung im Neuen Testament

Eph 2:8-9 Denn aus Gnade seid ihr durch den Glauben gerettet, nicht aus eigener Kraft - Gott hat es geschenkt - nicht aufgrund eurer Werke, damit keiner sich rühmen kann.

Joh 3:18 Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er an den Namen des einzigen Sohnes Gottes nicht geglaubt hat.

Für uns grundlegend ist der Erlöserwillen Jesu Christi - wie in Joh. 3:18 ausgesprochen. Der darin genannte "Name des einzigen Sohnes Gottes" ist ja Jesus, das bedeutet: Gott rettet.

Die ungeheure Liebe Gottes, die sich in der Erlösung durch Jesu Kreuzesopfer ausdrückt, drängt uns aber, sie durch Taten der Liebe in die Welt hinein fruchtbar werden zu lassen. Im Unterschied zu protestantischen Glaubensrichtungen, die die Verdienstlichkeit der guten Werke ablehnt, sind wir der Auffassung, dass der Glaube aus der Liebe Gottes gedrängt, Früchte aufweisen muss. Dies ist jedoch nicht mit einer "Selbsterlösung" nach fernöstlichem Muster zu verwechseln.

Zitate

  • "Die Christen erwarten nicht, dass der sich selbst fremd gewordene Mensch von sich aus eine heile Welt schaffen kann, da er nicht die Möglichkeit der Selbsterlösung hat. Sie glauben vielmehr, dass die Revolution beim Menschen selbst anfangen muss: Nicht um den Menschen muss sich zuerst etwas ändern, sondern im Menschen selbst." (Papst Johannes Paul II. bei der Seligsprechung Adolph Kolpings am 29. Oktober 1991)
  • "Besonders unsere Zeit braucht die Kunde von der christlichen Hoffnung. Viele Menschen, darunter auch viele Christen, sind hin- und hergerissen zwischen dem Mythos der Selbsterlösung und der Versuchung zum Pessimismus. Die Frage nach dem Sinn des Lebens und das Rätsel von Krankheit und Tod pochen an die Türen vieler Herzen. Sie warten auf eine Antwort." (Papst Johannes Paul II. bei einer Generalaudienz am 11. November 1998)

Literatur

  • „Exodus“ (CD-Serie) P. Dr. Clemens Pilar COp..... zu Ex 17, 8-13

Weblinks

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