Sexualität

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Sexualität ist die körperliche Ausstattung des Menschen zur Fortpflanzung und die Ausübung dieser Möglichkeit. Der Begriff wird auch synonym zu Geschlechtlichkeit gebraucht. Neben dem Selbsterhaltungstrieb ist die Sexualität eine der stärksten Lebensmächte und Triebkräfte. Sie steht in enger Beziehung zur Weitergabe des Lebens und bindet Menschen aneinander.[1] Die Sexualität betrifft den „innersten Teil der menschlichen Person“ in der Einheit seines Leibes und seiner Seele; die leibliche Intimität der Ehegatten wird "zum Zeichen und Unterpfand der geistigen Gemeinschaft" und Liebe.[2].

Die Ausübung der Sexualität ist in nahezu allen Kulturen vielfältig geregelt und wird religiös unterschiedlich bewertet. In katholischer Sicht ist sie auf die eheliche Liebe von Mann und Frau hingeordnet[3], ihr Vollzug ist zum Zustandekommen einer gültigen sakramentalen Ehe erforderlich. Das breite Spektrum geschlechtsspezifischer Verhaltensweisen gilt nicht als naturhafter Ausdruck männlicher oder weiblicher Eigenschaften, sondern ist kulturell geformt und gesteuert. Eine verantwortliche Steuerung des Sexualverhaltens richtet sich an langfristigen Lebenszielen aus und ist geprägt von Verantwortlichkeit des Individuums gegenüber sich selbst, Partnerin bzw. Partner, der Gesellschaft und Gott. Christliche Sexualethik ist derzeit auf dem Weg von einer negativen Gefahrenethik zu einer positiven Leitbildethik; sie betont eine ganzheitliche und integrative Zielbestimmung des Menschen als Geschöpf Gottes gegen die Tendenz zu einer lustbetonten Privatisierung der Sexualität.[4] Die Ehegatten erleben nach dem Willen Gottes, des Schöpfers in der Sexualität Lust und Befriedigung des Leibes und des Geistes.[5] Die gegenseitige Liebe der Ehegatten ist Bild und Erfahrung der unverbrüchlichen und absoluten Liebe Gottes zu den Menschen.[6]

Inhaltsverzeichnis

Herkunft der Sexualität

Als gegenseitige körperlich-seelische Ausrichtung von Mann und Frau existierte die Sexualität schon vor dem Sündenfall. [7] Dieser verletzte sie zwar, hob sie aber nicht grundsätzlich ins „Unreine“. Da unser Geschlecht in jeder Körperzelle durch die XY bzw. XX-Chromosomen festgelegt ist, sind wir Menschen entweder weiblich oder männlich. ("Zwischenformen" sind im Wesentlichen psychisch und bleiben hier ohne Wertung.)

Sexualität in der Ehe

Die Sexualität bedeutet eine wichtige Klammer für die Eheleute bis ins hohe Alter: Sara ist 90 Jahre alt, als Isaak geboren wird [8] „Sara ging es nicht mehr nach der Frauen Regel. ...„Ich bin doch verblüht, da soll mir noch Liebeswonne werden? Und auch mein Gatte ist schon ein Greis.“ [9] Vielfach wird dazu behauptet, die Katholische Kirche lehre ausschließlich den Zweck der Fortpflanzung und sei ansonsten leibfeindlich. Die Kirche wünscht als Bewahrerin des Lebens, dass jeder sexuelle eheliche Akt zum Kind hin offen ist, sieht jedoch den Zusammenhalt der Eheleute in Freude gleichwertig dazu [10] [11] Alles andere als leibfeindlich ist auch das Hohelied der Liebe im Alten Testament. [12] Die Schönheit von Braut und Bräutigam werden darin eindrücklich und sehr bildhaft bejaht. Auch im NT herrscht keine Leibfeindlichkeit: Paulus schreibt: Der Mann soll seiner Frau schenken, was er ihr schuldig ist, und ebenso die Frau ihrem Mann. Die Frau hat kein Verfügungsrecht über ihren Leib, sondern der Mann. Genauso aber hat auch der Mann kein Recht, einfach so über seinen Leib zu verfügen, sondern die Frau. Ihr sollt euch einander nicht entziehen….“ [13] „Der Körper des Mannes und seine Sexualität gehören nicht mehr ihm, sondern seiner Frau und umgekehrt. Weder Mann noch Frau dürfen sich einfach nehmen, was sie wollen, aber sie dürfen dem Partner auch nicht vorenthalten, was ihm gehört. Ansonsten treibt man ihn zum bewussten Sündigen.“ [14]

Sexualität und Kommunikation

Die Erfahrung zeigt, Zärtlichkeiten auszutauschen ist nur möglich, wenn man vorher miteinander geredet hat. [15] Als wichtige Investition in die Ehe gilt es, sich nicht hinter Passivität zu verstecken: „Liebe ist es, zu bitten, was einem gut tut und nicht autonome Sexualität anzustreben“ [16] Sexualität hat einen wellenförmigen Verlauf mit Hochs und Tiefs. Paare bewältigen eine Krise leichter, wenn sie gelernt hatten, sich über ihre sexuellen Wünsche auszutauschen. Dies erfordert die Offenheit des Gesprächs und die beiderseitige Bereitschaft sich verletzlich zu machen. „Liebesspiele“ (eine Streichholzschachtel mit Fragekärtchen) wie das von Team F fördern die Kommunikation auf dem Gebiet der romantischen Liebe und Sexualität. [17]

Sexualität in belastenden Situationen

Im Alter, bei körperlichen oder seelischen Krankheiten sowie Arbeitslosigkeit kommt es oft zum Drang, den Partner zu verlassen. Die Ehe ist ein guter Gedanke Gottes. [18] Er will, dass die Ehe lebenslang hält, unabhängig von der Lebenssituation. Seelsorger helfen die Früchte des Hl. Geistes zu erbeten: Geduld,Treue, Besonnenheit und Selbstbeherrschung. [19] Jede Diözese bietet mittlerweile – auch anonyme - Eheberatung über das Internet an. „Es gibt viele Männer und Frauen, die aus verschiedensten Gründen nicht in der Lage sind, Geschlechtsverkehr zu haben, aber trotzdem glückliche Beziehungen unterhalten. Dies kann durch eine Umarmung geschehen, durch einen Kuss, durch einen Blick.“ [20] Viele benötigen zunächst eine Zeit des Trauerns über das, was nicht mehr geht. Wenn sie beginnen, die Sprachlosigkeit zu überwinden und ihre Sexualität kreativ zu gestalten, birgt dies in sich die Chance eines Neuanfangs. Auch der nicht erkrankte Partner hat Bedürfnisse. Friseur, Kosmetik, Kleidung: all dies hebt das Selbstwertgefühl und fördert so auch die sexuelle Anziehungskraft. Unterstützend sind Hobby-Pflege, körperliche Bewegung, Gymnastik, Tanz, Musiktherapie sowie Hilfsmittel wie Gleitgel. [21] Eine amputierte Brust oder ein künstlicher Darmausgang können verunsichern. Entscheidend ist, ob das Paar dabei stehen bleibt und sich zurückzieht oder ob beide es lernen, miteinander ins Gespräch zu kommen und Ideen zu entwickeln, Trennendes zu überwinden, einander Sicherheit zu geben, immer noch vollwertiger Mann, vollwertige Frau, zu sein. [22]

Fallstricke in der Ehe-Praxis

„Die Konkurrenz schläft nicht, gehen Sie zum Friseur“ pflegte Pater Tillmann Beller (Schönstatt) verheirateten Frauen mitzuteilen. Männer sind heute einer Flut erotischer Bilder ausgesetzt durch Großplakate, Kaufhausschaufenster, E-Mail-Portale. Männer sind nach einem Vortrag von Christa Meves „Augentierchen“ . [23], Es entstehen Wunschträume, die eigene Frau in schöner Kleidung anschauen zu dürfen. Nicht alles ist Sünde, wo „sündig“ oder „teuflisch schön“ aus Werbezwecken, z.B. auf Dessous darauf steht. Um eine Übertreibung zu vermeiden, auch hier miteinander sprechen. Andererseits gibt es objektiv Sünde, wo sie nicht gleich zu erkennen ist, und die Hilfe des Gebets und des Glaubens nötig ist: z.B bei Pornographie-Sucht im Internet. [24]

Sexualität muss geordnet sein

Sexualität muss begrenzt werden, wenn man sie gesund und glücklich leben will. Es bedarf der persönlichen Anstrengung, um keusch zu leben. Sexuelle Gewalt und Pädophilie zeigen, dass Sexualität nicht schrankenlos gelebt werden kann, nicht immer gut oder harmlos ist. Trotzdem träumen viele von einem solchen Zustand und glauben, das sei die heile Welt. Das kommt besonders aus der Ideologie der 68er Bewegung. Dass die Repression von Sexualität zur Perversion gerät, das ist ein sehr plumpes, mechanistisches Menschenbild, das an Sigmund Freud angelehnt ist und noch in vielen Köpfen herumspukt, obwohl es längst überholt ist. Seit der sexuellen Revolution sind vor allem Männer der Meinung, dass sie sich sexuell verwirklichen müssen, weil sie sonst krank würden. Sexualität wird hier als dranghaft notwendig erlebt, nicht mehr als kultivierbar und steuerbar durch die Vernunft. [25]

Ende der Sexualität - eschatologisches Zeichen

Nicht mehr zu heiraten und damit auch keine Sexualität mehr auszuüben, ist uns von Jesus Christus für den Himmel vorhergesagt. Jesus antwortet auf die Auferstehungsfrage, wem die Frau mit den sieben Männern dann im Himmel gehöre, „die Menschen heiraten nicht mehr, sie sind den Engeln gleich." [26] Die gegenseitige körperlich-sexuelle Ausrichtung des Menschen ist dann beendet und in einer höheren Seinsweise aufgehoben. Das Zölibat weist als vorweggenommenes Zeichen des Himmels auf unsere spätere Existenz bei Gott hin.

Frühsexualisierung

In der Grundschule finden die Kinder es total cool zu entdecken, wie ein Baby im Bauch der Mama wächst, was die Kinder schon alles können (am Daumen lutschen, Purzelbäume schlagen, Fruchtwasser schlucken, Mama treten) und wie eng es da drin kurz vor der Geburt ist. Ich kenne dagegen kein einziges Kind, das in der dritten Klasse detailliert wissen will, wie die Kinder in den Bauch hineinkommen. Dafür sorgen unsere frühsexualisierenden Lehrpläne und Lehrer, die offenbar das Gefühl dafür verloren haben, wann der richtige Zeitpunkt für solche Themen ist und wann nicht. 8 [27]

Im Lexikon Familie und Leben S. 425 heißt es: „Der Heilige Stuhl weist warnend darauf hin, dass der Sexualkundeunterricht in den Schulen und die Pornographie in den Medien gegenüber der jungen Generation Formen des Missbrauchs in der Sexualsphäre sind.“

Päpstliche Schreiben

Paul VI.

Johannes Paul II.

Benedikt XVI.

Literatur

siehe: Theologie des Leibes, TeenStar, Ehe, Gender

Weblinks

Anmerkungen

  1. Karl Hoheisel: Art. "Sexualität. I. Kultur- und religionswissenschaftlich in: Lexikon für Theologie und Kirche, 3. Aufl., Bd. 9, Sp. 511.
  2. KKK 2331.2360f.
  3. KKK 2360.
  4. Karl Hoheisel: Art. "Sexualität. I. Kultur- und religionswissenschaftlich in: Lexikon für Theologie und Kirche, 3. Aufl., Bd. 9, Sp. 511.
    Eberhard Schockenhoff: Art. "Sexualität. IV. Theologisch-ethisch in: Lexikon für Theologie und Kirche, 3. Aufl., Bd. 9, Sp. 518f.
  5. Papst Pius XII.: Ansprache vom 29. Oktober 1951, zitiert in KKK 2362.
  6. KKK 1604.
  7. Gen 1,31
  8. Gen 17,17
  9. Gen 18, 11f
  10. Sir 25, 1: Drei Dinge sind es, die vor Gott lieblich sind:..Liebe zwischen Mann und Frau, die gut zusammenhalten.
  11. GS 49,2
  12. Hld (Das Hohe Lied der Liebe)
  13. 1 Kor 7,2-5
  14. Weißes Kreuz, Zeitschrift für Lebensfragen, Sexualität in Alter und Krankheit, 2009
  15. Gertrud und Johannes Brunner, „Kommunikation und Zärtlichkeit“ Vortrag zur Ehevorbereitung in Leitershofen (Bildungshaus der Diözese Augsburg)
  16. familie konkret 4/2009 Broschüre von Team F , Neues Leben für Familien e.V., Lüdenscheid
  17. Das Team.F., Liebesspiel - Das kleinste und preiswerteste Eheseminar der Welt: Streichholzschachtel Grundpackung, Dazu für „Fortgeschrittene“ 7 weitere Ergänzungsbögen (Themen wie Romantik und Sexualität, Wertschätzung und Kommunikation mit jeweils 20 Fragen) www.team-f.de
  18. Gertrud und Johannes Brunner, „Kommunikation und Zärtlichkeit“ Vortrag zur Ehevorbereitung in Leitershofen (Bildungshaus der Diözese Augsburg)
  19. Gal 5,22
  20. Chefarzt der Klinik Hohe Mark in Oberursel, Dr. Dietmar Seehuber in: Weißes Kreuz, Zeitschrift für Lebensfragen, Sexualität in Alter und Krankheit, 2009
  21. Broschüre Krebs und Sexualität, Frauenselbsthilfe nach Krebs e.V..in: Weißes Kreuz, Zeitschrift für Lebensfragen, Sexualität in Alter und Krankheit, 2009
  22. Stefan Zettl/ Joachim Hartlapp, Ratgeber für Patienten und ihre Partner, Weingärtner-Verlag 2008 in: Weißes Kreuz, Zeitschrift für Lebensfragen, Sexualität in Alter und Krankheit, 2009
  23. Christa Meves, Vortrag auf Burg Rothenfels 1998, hilfreich auch „Ehe-Alphabet“, Christiana Verlag: Stein am Rhein, 27. Auflage 2002
  24. Joyce und Clifford Penner, „Sex – Leidenschaft in der Ehe“, Hänssler-Verlag (ehemals: „Meine Liebe schenk ich Dir“). Eine gute sexuelle Beziehung ist das Fundament einer Ehe. Pornografie im Internet und andere sexuelle Abhängigkeiten. Hänssler-Verlag 2008 in: Weißes Kreuz, Zeitschrift für Lebensfragen, Sexualität in Alter und Krankheit, 2009
  25. Raphael Bonelli http://www.kath.net/detail.php?id=26667
  26. Mt 22,32ff
  27. Aus: Alexandra Linder, Von Kindern, Frühsexualisierern und Meinbauchgehörtmirverfechtern, in: Vatican-Magazin, April 20108
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