Siate i bevenuti

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Ansprache
Siate i bevenuti

unseres Heiligen Vaters
Pius XII.
an Neuvermählte
Was ist Tugend ?

7. April 1943

(Quelle: Ansprachen Pius XII. an Neuvermählte, Josef Habbel Verlag Regensburg 1950, S. 210-218, Übersetzt und eingeleitet von DDr. Friedrich Zimmermann. Imprimatur Regensburg, den 11. Juli 1949 J. Franz, Generalvikar; Download).

Allgemeiner Hinweis: Was bei der Lektüre von Wortlautartikeln der Lehramtstexte zu beachten ist


Seid herzlich willkommen, geliebte Neuvermählte; Glauben und Vertrauen haben euch zu Uns geführt, um mit Unserem Segen den Segen Christi zu empfangen für das Heim, das ihr in der Liebe gegründet habt. Ihr stellt es euch schön vor, dieses Heim, nicht als ob es in eurer Vorstellung frei von Prüfungen und Tränen sei, weil ihr gut wisst, dass das auf Erden eine eitle Hoffnung ist. Sondern ihr stellt es euch schön vor, weil ihr es trotz Prüfungen und Tränen keusch, heilig, freundlich, anziehend und strahlend schön, kurz, es so wünscht, wie Wir es zu schildern versucht haben in Unserer letzten Ansprache an die Jungvermählten, die vor euch hier gewesen sind. Aber wie kann ein so hehres Ideal möglichst gut verwirklicht werden? Ihr habt seit der Zeit eurer Verlobung kluge Pläne gemacht und eifrige Vorbereitungen getroffen, um euer Heim aufzubauen, zu ordnen, einzurichten, persönlich und anmutig zu gestalten; Klugheit und Voraussicht gaben euch das ein; aber über allem stand der gemeinsame Wille, euch gegenseitig zu helfen, vollkommen zu werden, in allen Tugenden zu wachsen, zu wetteifern im Guten und im gegenseitigen Einvernehmen, was ja die notwendigen Grundlagen für die Familiengründung sind, wie ihr sie erstrebt.

Aber diese Tugenden - was sind sie? Und welches sind ganz besonders die Tugenden des häuslichen Lebens?

Es ist wahrhaftig ein Unglück, dass ein so erhabenes Wort wie das Wort "Tugend" (vertù) profaniert worden ist, gewiss nicht aus Missachtung oder Spott als vielmehr durch missbräuchliche Verwendung und Ausweitung seines Sinnes, die soweit geht, dass es auch für die Ohren wirklich tugendhafter Leute doppelsinnig, geringschätzig und missfällig klingt. Im eigentlichen Sinn bedeutet das Wort "Tugend" (virtù) "virtus", das von "vir" (Mann) abgeleitet ist, "Manneskraft", "Tapferkeit" (vgl. Cicero, Tusculan. 2, 18, 43); es will eine Kraft bezeichnen, die eine gute Wirkung hervorzubringen vermag (vgl. S. Th. Ia 2ae p. q. 55). So spricht man z. B. in der rein natürlichen Ordnung (in der die natürlichen Kräfte notwendig nach festen Gesetzen wirken) von den Kräften (virtù) einiger Heilpflanzen; in der menschlichen, juristischen und sozialen Ordnung hingegen (wo die vernünftigen Wesen in ihrem Handeln frei sind) befiehlt der Vorgesetzte in Kraft (virtù) seines Amtes, während der Untergebene sich gebunden fühlt in Kraft (virtù) des göttlichen oder menschlichen, natürlichen oder positiven Gesetzes; jeder kann genötigt sein, etwas zu tun, wozu er sonst nicht verpflichtet wäre, wenn er sich nicht gebunden wüsste kraft (in virtù) seines Eides oder seines Ehrenwortes. Auch die geistige Ordnung hat ihre Kräfte, die Weisheit, die Vernunft, das Wissen, die Klugheit, die den Willen lenken; unser Gedächtnis hat die Kraft zu bewahren, was ihm anvertraut worden ist; die Phantasie hat die Kraft, die Formen der abwesenden, fernen und vergangenen Dinge uns wieder lebendig zu machen, das, was geistig oder abstrakt ist, uns vorzustellen; der Geist hat die Kraft, uns über die Sinne zu erheben und uns auch das erkennen zu lassen, was wir durch sie erfahren. Aber gewöhnlich wird der Name "Kraft" in der moralischen Ordnung gebraucht, in der die Kräfte des Herzens, des Willens und des Geistes die Würde, den Adel und den wahren Wert des Lebens ausmachen.

Von diesen Kräften der moralischen Ordnung wollen Wir zu euch sprechen und dabei zeigen, inwiefern sie häusliche Tugenden sind und für die Gemeinschaft und geistige Gesundheit der Familie Wert gewinnen. Worauf beruht denn in der Tat das wahre Leben eines guten häuslichen Herdes, wenn nicht gerade auf dem Zusammenwirken dieser Kräfte, die ziemlich mannigfaltig, aber gediegen und entzückend sind? In der Verlobungszeit findet sie gern der eine im andern, und beide möchten mit ihnen geziert sein wie mit kostbaren Edelsteinen.

Stellt euch eines dieser Heime von vollendetem Muster vor! Da seht ihr, wie jeder darauf bedacht und darum besorgt ist, seine persönliche Pflicht gut und gewissenhaft zu erfüllen, allen Freude zu machen, gerecht, offen und liebenswürdig zu sein, Selbstverleugnung zu üben mit Lächeln auf den Lippen und Freude im Herzen, geduldig; zu sein im Ertragen und Verzeihen, sich mannhaft und stark zu zeigen in der Stunde der Prüfung und unter der Last der Arbeit. Da seht ihr, wie die Eltern ihre Kinder erziehen in der Liebe und Übung aller Tugenden. In einem solchen Haus wird Gott geehrt und Ihm mit Treue gedient, der Nächste mit Güte behandelt. Gibt es oder kann es etwas Schöneres und Erbaulicheres geben?

Es würde, ja es könnte nichts Besseres geben als ein so schönes Heim, wenn Gott, der den Menschen mit einem Reichtum von Werten für die Erwerbung, Vervollkommnung und Ausübung all dieser Tugenden und die Ausnutzung aller dieser Gaben geschaffen hat, nicht noch über die Maßen gütiger und hochherziger gewesen wäre und ihm noch dazu ein göttliches Leben mitgeteilt hätte, die Gnade, die ihn zum angenommenen Kinde Gottes macht, und mit ihr zugleich neue Fähigkeiten und Kräfte von göttlicher Art, Hilfen, die die menschliche Natur, die Fähigkeit jeder geschaffenen Natur unendlich überragen. Deshalb werden diese Kräfte übernatürliche genannt, und das sind sie wesentlich. Was die anderen, die natürlichen und menschlichen Kräfte moralischer Ordnung angeht, so verleiht die Natur Anlage und Neigung dazu, aber nicht die Vervollkommnung, und der Mensch kann sie erwerben und fördern durch persönliche Kraft (S. Th. Ia 2 ae p. q. 63, a. 1) und 2); aber die göttliche Annahme an Kindesstatt verleiht ihren Tätigkeiten durch die Form der Liebe übernatürlichen Charakter und Glanz und Wert für das ewige Leben (S. Th. 2a, 2ae, p. q. 23a. 8).

Diese übernatürlichen Kräfte heißen eingegossene Tugenden; denn sie sind in Verbindung mit der heiligmachenden Gnade in irgendeiner Weise der Seele eingegossen, seitdem diese zum göttlichen Leben und zur Würde der Gotteskindschaft erhoben worden ist.

Wie unsere Organe in Kraft ihrer Bestimmung und ihrer physiologischen Konstitution die Erhaltung, Entwicklung und Gesundheit unseres leiblichen Lebens sichern; wie unser Geist in Kraft seiner Fähigkeiten unser geistiges Leben erhält, nährt, vervollkommnet und bereichert; wie unser Wille in Kraft seiner vom Gewissen erleuchteten und überwachten Freiheit unser sittliches Leben festigt und lenkt auf den Wegen der Gerechtigkeit zum Guten und zum Glück unserer Menschennatur oder wenigstens zu dem, was man dafür hält: so führt uns die Tätigkeit eines übernatürlichen Lebens der Gnade kraft jener höheren Fähigkeiten, das heißt der eingegossenen Tugenden, zur Fülle geistiger Kraft hier auf Erden und zur Teilnahme an der göttlichen Seligkeit im Himmel für die Ewigkeit. Die eingegossenen übernatürlichen Tugenden sind das "Taufgeschenk", das der himmlische Vater seinen Kindern macht.

Wie? Jenes kleine Wesen, das zunächst unsichtbar ist im Heiligtum des Mutterschoßes und das ihr dann in einigen Monaten seine ersten Tränen vergießen seht, in Erwartung seines ersten Lächelns, das nur unter Tränen glänzt, an dem Tage, da ihr, stolz auf eure Vaterschaft, es bei der Rückkehr von der Kirche, wo es im Wasser der Taufe wiedergeboren worden ist, der Mutter wieder übergebt, dass sie ihm einen noch zärtlicheren Kuss aufdrücke als den, welchen es beim Verlassen des Hauses empfangen hatte: dieses Kind soll schon so hehre und erhabene Kräfte besitzen, welche die Natur überwinden? Daran zweifelt nicht!

Hat es denn nicht vom Augenblick seiner Geburt, vom ersten Augenblick seiner Existenz an, von euch eine Anlage empfangen, in der sehr bald die Ähnlichkeit seiner doppelten Herkunft von Vater und Mutter leicht zu erkennen sein wird? Allerdings unterscheidet sich in jenen ersten Tagen ein Kind kaum von anderen Neugeborenen. Aber dann werdet ihr, ohne darauf zu warten, dass es spricht oder denkt, in seinem Liebreiz oder in seinen Launen einen Zug eurer eignen Charaktereigentümlichkeiten entdecken; dann werden seine Vernunft und sein Wille wach oder besser, sie äußern sich, weil man gut weiß, dass sie, bis dahin gleichsam schlafend und untätig, doch von außen her so viele Vorstellungen und Wünsche von Dingen mit unruhigen und verlangenden Blicken, Bewegungen und Tränen aufnahmen und dass ihr nicht erst dann, als sie das erste Mal sich äußerten, eurem Kinde jene Züge des natürlichen, geistigen und sittlichen Gepräges mitgeteilt habt.

Ebenso sind in der Ordnung der Gnade jene göttlichen Kräfte, d. h. die Tugenden des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe von Gott ihm eingegossen worden im Sakrament der Taufe, wodurch es zum geistigen Leben wiedergeboren wird; so werden in gleicher Weise die vernünftigen und persönlichen Anlagen zu den natürlichen Tugenden, die ihr durch die Zeugung mitgegeben habt, kraft der Wiedergeburt gleichsam geschützt und behütet bis zum Gebrauch der Vernunft.

Nun könnt ihr schon erkennen, in welchem Sinne Wir von den Tugenden des häuslichen Lebens sprechen wollen, in dem Sinn nämlich, dass die Gnade in der Familie anknüpfen will an die guten Anlagen der Natur, die zur Tugend neigen, und die schlimmen Anlagen überwinden will, soweit "die Gedanken des menschlichen Herzens von Jugend auf zum Bösen geneigt sind" (Gen 8, 21). Aber über die Natur siegt die Gnade und erhebt sie, indem sie denen Macht gibt, Kinder Gottes zu werden, die an den Namen Christi glauben, "denen nämlich, die nicht aus dem Geblüte noch aus dem Willen des Fleisches noch aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind" (Joh 1, 12-13). Vergesst nicht, dass wir alle mit der Erbsünde zur Welt kommen. Wenn die neue Familie die natürlichen und christlichen Tugenden in sich vereinigt, die schon in den jungen Eheleuten durch die vernünftige und religiöse Erziehung des Elternhauses gepflegt worden sind, durch eine Erziehung, die Tradition geworden, aufrecht erhalten und von Geschlecht zu Geschlecht überliefert worden ist, so vergesst nicht, dass damit die jungen Eltern ein Heim gründen, das der heiligen tugendhaften Schönheit der Vorfahren, von denen sie das Leben empfingen, nacheifert und sie fortsetzt. Wenn die Taufe die Kinder zu Gotteskindern macht und genügt, um sie zu Engeln des Himmels zu machen, bevor sie zum Gebrauch der Vernunft und zur rechten Erkenntnis von Gut und Bös gelangt sind, so vergesst doch nicht, dass die Erziehung bei ihnen aber schon von klein auf beginnen muss, weil die guten natürlichen Anlagen fehlschlagen können, wofern sie nicht recht geleitet und in guten Handlungen entwickelt werden, die durch ihre Wiederholung unter der Führung des Verstandes und Willens noch über das kindliche und jugendliche Alter hinaus sie gerade in Tugenden verwandeln. Sind es denn nicht gerade Zucht und Wachsamkeit der Eltern, die den Charakter der Kinder formen und gestalten? Weist denn nicht gerade ihr vorbildliches tugendhaftes Verhalten auch den Kindern den Weg zum Guten und zur Tugend und schützt in ihnen den Schatz der Gnade und aller Tugenden, die als Taufgeschenk mit ihnen verbunden sind? Achtet auch darauf, "wie selten, dass der Zweig dem Stamme gleicht! Doch Tugend soll, so hat Er es bestimmt, nur ein Geschenk sein, das man nicht erschleicht" (Dante. Purg. VII).

Also bedürfen auch jene Kinder, die eine gute Anlage ererbt haben, großer Sorgfalt, dass sie gut wachsen und dem Hause und dem Namen der Eltern zur Ehre gereichen.

Richtet denn, ihr jungen Eheleute, ihr Erben des christlichen Heimes euerer Eltern und eurer Vorfahren, richtet zu Gott eure andächtigen Gebete, dass eure Tugenden in euren Kindern wieder aufleben und auf alle in eurer Umgebung der Abglanz ihres Lichtes und ihrer Wärme sich ausbreite. Welch prächtiges Beispiel, das gerade in eurer Macht liegt! Welche Sendung und zugleich welch hohe Verantwortung! Übernehmt sie mutig, froh und demütig, in heiliger Gottesfurcht, welche die Helden der ehelichen Tugenden schafft und die Fülle der erlesensten Gnaden vom Himmel zieht. Für diese hehre religiöse Aufgabe spenden Wir euch in aller Herzlichkeit Unseren väterlichen Apostolischen Segen, dass er euch begleite alle Tage eures Lebens.

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