Sono trascorsi

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Apostolischer Brief
Sono trascorsi

von Papst
Johannes Paul II.
an die General-Äbtissin der Birgittinnen
8. September 1991

(Quelle: Der Apostolische Stuhl, S. 1133-1135)
Allgemeiner Hinweis: Was bei der Lektüre von Wortlautartikeln der Lehramtstexte zu beachten ist


Der geliebten Tochter Tekla Famiglietti,
General-Äbtissin des Erlöserordens der hl. Birgitta !

1. Sechshundert Jahre sind nunmehr verflossen, seit am 7. Oktober 1391 mein Vorgänger Papst Bonifatius IX. in der Vatikanischen Basilika die hl. Birgitta von Schweden heiliggesprochen hat. In der Bulle Ab origine mundi werden unter den Tugenden und Charismen der neuen Heiligen, passend ihre ausgeprägte Frömmigkeit, die Gaben der Erkenntnis der Herzen und übernatürlicher Eingebungen und ihr prophetischer Geist betont.

Vor dieser Frau, Blüte und vielsagender Ausdruck des Landes Schweden, steht die historische Rückschau noch heute in großem Staunen. Wir haben in ihr nicht nur eine der kennzeichnendsten Gestalten der Mystik des späten Mittelalters vor uns, an denen die Kirche im 13. und 14. Jahrhundert reich war. Wir begegnen in ihr vor allem der tiefen Hingabe, mit der sie dem Apostolischen Stuhl und dem Nachfolger des Petrus zu dienen und sie zu verteidigen wußte. Nicht zufällig hat der Studienkongress, der in den kommenden Tagen in Rom in dem Haus stattfinden wird, wo die Heilige am 23. Juli 1373 starb, als Thema: "Die hl. Birgitta als Prophetin der neuen Zeiten". Der internationale und interkonfessionelle Charakter dieses Kongresses beweisen die Aktualität des Charismas der heiligen Birgitta von Schweden. Ihr typisches Zeugnis als Frau, die "der heiligen Mutter Kirche treu" war, ermutigt alle Gläubigen. Der missionarische Eifer aber, mit dem sie den europäischen Kontinent von Nord bis Süd auf ihrem Lebensweg erhellt hat, macht aus ihr ein nachahmenswertes Beispiel, zumal bei der Aufgabe der neuen Evangelisierung in Europa. Die heilige Birgitta von Schweden ist in der Tat eine Heilige mit europäischem Ausmaß. Brennend von Liebe zu Gott, widmete sie sich ganz der Sache des Reiches und wirkte aktiv für die Einheit der Christen.

In diesem Brief, in welchem ich dem himmlischen Vater für die vielfältigen geistlichen Gaben danke, die er der Gründerin eures Ordens geschenkt hat, möchte ich einige Aspekte ihrer Botschaft unterstreichen und sie erneut dem ganzen Volk Gottes zum Bedenken empfehlen in der tiefen Überzeugung, dass ihre Worte und ihr Werk eine kräftige Hilfe für alle sein werden, die sich aufrichtig der Verwirklichung der Forderung Christi: "Alle sollen eins sein" (Joh 17,21) widmen wollen.

2. Eine vorbildliche christliche Gattin. Dies war der beherrschende Zug im ersten Teil des Lebens der heiligen Birgitta (1316-1344) bis zum Tod ihres Gatten im Kloster von Alvastra, wohin er sich zurückgezogen hatte. Sie war eine vorbildliche Mutter von acht Kindern, die sie gemeinsam mit ihrem treuen Gatten zur christlichen Vollkommenheit erzog und gemäß den religiösen Überlieferungen ihrer Zeit auf der Wallfahrt zu den Heiligtümern von Compostela, Alvastra und vielen weiteren der Volksfrömmigkeit jener Zeit heiligen Orten begleitete.

Birgitta und ihr Gatte Ulf widmeten sich intensiv der Betrachtung des Leidens Christi, dem Fasten und den Werken der Liebe für die Armen und Kranken, sie waren ferner beharrlich im Gebet und in der Betrachtung der Heiligen Schriften. Nach dem Tod ihres Gatten, dessen sterbliche Überreste sie lange und liebevoll verehrte, begab sich Birgitta 1344 nach Rom. Sie hatte in dieser Zeit außerordentliche Erlebnisse "bräutlicher Mystik" und überließ sich in langem innerem Schweigen und innigem vertrauensvollen Gebet den geheimnisvollen Plänen des Himmels.

3. Treue zur Heiligen Mutter Kirche. Die Erfahrung von Alvastra ließ in ihr den Wunsch nach der Ganzhingabe ihrer selbst an den Herrn reifen. Sie wollte erneut in dem geistlichen Klima der im Abendmahlssaal um Maria gescharten betenden Kirche leben und begann daher die Gründung des Klosters Vadstena in Schweden.

In der damaligen Zeit tobten heftige Auseinandersetzungen um das Papsttum, und Birgitta setzte sich mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln für eine Rückkehr des Papstes auf den Sitz in Rom ein, überzeugt, darin eine ihr vom Herrn anvertraute besondere Aufgabe zu erfÜllen. Sie ließ sich bei diesem Eintreten für den Nachfolger des Petrus von inneren Eingebungen und von einem besonderen Licht des Geistes Gottes leiten.

Sie wählte Rom als zweite Heimat und förderte mit einem Herzen übervoll von apostolischem Eifer und schattenloser Liebe zum Sitz des Petrus auf jede Weise den Frieden in Schweden, Frankreich, England und Italien. Ihre Präsenz war besonders wirksam in Mailand, Pavia, Assisi, Monte Sant'Angelo, Manfredonia, Bari, Benevent, Neapel, Aversa, Salerno und Amalfi: lauter Orte, die noch heute dankbar die Erinnerung an ihre Durchreise bewahren.

Sie war geschätzt und verehrt nicht nur bei den Gläubigen ihres Heimatlandes, sondern überall, wo die Arbeit sie hinführte. Dieses einstimmige Zeugnis der Verehrung, das heute noch weitergeht, bildet ein prophetisches Zeichen der Versöhnung und Hoffnung für den europäischen Kontinent und die ganze Menschheit.

4. Wie aktuell ist der Geist der heiligen Birgitta! Ihre religiöse Erfahrung ist gekennzeichnet vom Verlangen nach Einheit und nach Anhänglichkeit an den Gottmenschen Jesus, dem die Heilige sich mit besonders zärtlichem Vertrauen zuwandte. Innig und kindlich war ferner ihre Liebe zur Jungfrau Maria, der "Mutter der Gnade". Von ihrem reichen asketischen Vorbild ließen sich im Verlauf der Jahrhunderte zahlreiche Formen der Volksfrömmigkeit inspirieren, die bis heute die Frische ihrer Anziehungskraft nicht verloren haben. Es handelt sich um eine schlichte geistliche Art, die auf Jesus als den "Bräutigam" und "Weggefährten" eines jeden Tages schaut. Birgitta steht vor denen, die sie kennenlernen und ihren Spuren folgen möchten, als starke Frau da, die ein besonderes Siegel ihrer Fraulichkeit in dem Haus und am Hof hinterlassen hat, wo sie lebte; als die treue Braut, die der mystischen Hochzeit mit Christus entgegenging; als heilige Mutter, die ihren Kindern die Geheimnisse des ewigen Heiles vermitteln wollte; als die vorbildliche Ordensfrau, die ihr Leben in der Liebe verausgabte und entbrannt war im Verlangen, sich in Gott zu verlieren.

5. Das Andenken an eine derart bedeutende Gestalt in der Geschichte des Wirkens für die Einheit der Kirche führt spontan zum Gedanken an eine andere Frau, ebenfalls aus Schweden, die den Menschen unserer Zeit erneut die Spiritualität der heiligen Birgitta vorgelegt hat. Es ist Mutter Maria Elisabeth Hesselblad, die am 24. April 1957 im gleichen Haus wie die Heilige in Rom starb.

In ihrem Wirken folgte sie den lichtvollen Spuren des Charismas der heiligen Gründerin, das die Jahrhunderte hindurch durch die verschiedenen auf Birgitta zurückgehenden Ordensfamilien von Männem und Frauen in der ganzen Welt weitergegeben wurde. Auch sie fand nach Rom und zum Katholizismus und gründete den neuen Zweig der Brigittinnen mit besonderer ökumenischer Ausrichtung. Das Verlangen nach Versöhnung und kirchlicher Gemeinschaft ging dann auf ihre geistlichen Töchter über, die weiterhin Gebete und Opfer darbringen, damit die Einheit unter allen Bekennern des Glaubens an Christus möglichst bald wieder zustande kommt.

6. Während ich dankbaren Herzens die Freude aller teile, die in diesen Tagen den 600. Jahrestag der Heiligsprechung Birgittas feiern, wünsche ich von Herzen, dass ihr mutiger Dienst für die Kirche auch heute weiter alle anregt und ermutigt, die sich der neuen Evangelisierung der Menschheit widmen wollen.

Möge der Erlöser des Menschen das prophetische und missionarische Verlangen der schwedischen Mystikerin allen Instituten vermitteln, die dem Weg ihrer Spiritualität folgen, wie auch der ganzen Gemeinschaft der Kirche, die dem dritten christlichen Jahrtausend entgegengeht. Besonders möge Maria, die "Mutter der Gnade", die ganze künftige Entwicklung des Ordens begleiten, für den Sie, geliebte Tochter, verantwortlich sind. Mögen alle Mitglieder des Ordens vom heiligen Erlöser und der übrigen Ordensfamilien, die sich von der heiligen Birgitta inspirieren lassen, dank des Schutzes der gemeinsamen Mutter Gründerin im Himmel von Gott die Gabe der Treue und Beharrlichkeit erlangen.

Auf diesem anspruchsvollen Weg der Vollkommenheit im Sinne des Evangeliums möge Ihnen und Ihren Mitschwestern mein besonderer Apostolischer Segen Kraft geben.

Aus dem Vatikan, am 8. September, dem Fest der Geburt Mariens im Jahre 1991,

dem 13. meines Pontifikates.

Johannes Paul II. PP.

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