St. Konrad (Hof)

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St. Konrad ist eine römisch-katholische Pfarrkirche der kreisfreien Stadt Hof im nordöstlichsten Dekanat des Erzbistums Bamberg im bayerischen Vogtland. Die St.-Konrad-Kirche gehört zur 2017 gegründeten Hofer Pfarrei Bernhard Lichtenberg. Von 1956 bis 2010 war sie Sitz einer Niederlassung der Jesuiten.

Inhaltsverzeichnis

Zur Geschichte

Hof oder "Curia Variscorum" findet erstmals im 4. Jahrhundert nach Christus Erwähnung.[1] Der Bereich der heutigen Stadt Hof lag zur Zeit der Bamberger Bistumsgründung 1007 durch Kaiser Heinrich an der nordöstlichen Grenze des Bistums Würzburg, das sich zu dieser Zeit über ganz Franken erstreckte, und der südlichen Grenze des damaligen Bistums Naumburg. 1080 wird der Bau einer Kapelle (heute St.-Lorenz-Kirche) an der Saale mit einer Siedlung namens "Rekkenze" vermutet, der Name der mittelalterlichen Stadt lautete "Curia Rekkenze". Aus dem Jahr 1214 (Fest der hl. Katharina von Alexandrien) datiert der erste urkundliche Nachweis[2] der Großpfarrei Hof. 1230 erhielt die Stadt eine Befestigung und ein Stadtschloss. Um 1300 wurde eine Klosterschule errichtet, die bis 1530 bestand. Mit der Einführung der Reformation 1529 in Hof wurden die Stadt und ihre Kirchen evangelisch. Das Franziskanerkloster löste sich bald nach der Einführung der Reformation auf, das Klarissenkloster wurde nach dem Tod der letzten Äbtissin Amalie von Hirschberg 1564 aufgehoben. Dadurch erfuhr das katholische Leben für etwa 250 Jahre seinen vollständigen Niedergang.

Anfang des 19. Jahrhunderts kamen katholische Arbeiter und Beamte aus Böhmen und dem Frankenwald in die Stadt Hof. Durch sie entstand erstmals wieder ein katholisches Gemeindeleben. 1820 lebten etwa 120 Katholiken in Hof und dem angrenzenden Umland. Für sie wurde zunächst eine Hauskapelle zur Verfügung gestellt. Die seelsorgliche Betreuung übernahmen die Franziskaner des nahe gelegenen Wallfahrtsortes Kloster Marienweiher. 1837 wurde eine Kuratie errichtet, sie sollte der steigenden Anzahl an Gläubigen eine organisatorische Struktur geben. Am 2. Dezember 1837 erhielt die katholische Gemeinde Hofs einen eigenen Seelsorger. 1843 erwarb die wachsende katholische Gemeinde ein Grundstück in der Karolinenstraße, auf dem 1844 eine kleine Kirche errichtet wurde.

Ende der 1850er Jahre war die Gemeinde auf 539 Katholiken angewachsen, so dass sich die Kirche in der Karolinenstraße als zu klein erwies. Da sich Pfarrer Nikolaus Eichhorn erfolglos um den Erwerb der ehemaligen Klosterkirche bemüht hatte, entschloss sich die Gemeinde 1858 zum Bau einer Kirche im heutigen Hofer Stadtzentrum. Am 27. Mai 1860 wurde der Gasthof „Zur Sonne“ in der Altstadt zum Verkauf angeboten, die Pfarrei erwarb das Anwesen und hatte damit einen ausreichend großen Baugrund für einen Kirchenneubau. Gab es vor 1933 etwa 6.000 Katholiken in Hof, stieg die Zahl nach Kriegsende auf über 13.000. Durch den Zuzug tausender Flüchtlinge und Vertriebene nach dem Zweiten Weltkrieg in die Stadt Hof wuchs auch das katholische Gemeindeleben stark, sodass die St. Marienkirche bald zu klein wurde.[3]

1951 erwarb die Hofer Pfarrei an der Ernst-Reuter-Straße im Stadtteil Neuhof einen Bauplatz zur Errichtung einer zweiten Kirche. Der Architekt Franz Raith wurde von Stadtpfarrer Prälat Michael Gehringer mit der Planung beauftragt. Im Sommer 1953 erfolgte der Baubeginn, am 13. Oktober 1954 wurde die neue Kirche vom Bamberger Erzbischof Josef Otto Kolb geweiht. 1956, zwei Jahre nach der Fertigstellung der Kirche wurde St. Konrad von der Stadtpfarrkirche abgepfarrt und zur Pfarrei erhoben. Das Pfarrgebiet der Stadt wurde aufgeteilt, St. Konrad erstreckt sich über das westliche und nördliche Hofer Stadtgebiet und St. Marien über den östlichen und südlichen Bereich der Stadt. Erster Pfarrer der neuen Pfarrei war Franz zu Löwenstein, der sich dafür einsetzte, das die Seelsorge in St. Konrad künftig von Jesuiten geleitet wurde. Bei der Gründung des Hofer Konventes wohnten die Patres noch im Kellergeschoss des damaligen Kindergartens. Im März 1957 erfolgte der Einzug in das neu gebaute Pfarrhaus. Drei Schwestern der Oberzeller Franziskaner-Kongregation zogen im November 1957 ebenfalls ins Pfarrhaus ein.

In den ersten 15 Jahren ihres Bestehens war die St.-Konrad-Kirche karg und mit wenig Inventar ausgestattet. Die zweimanualige Orgel mit 25 Registern wurde von der Firma Steinmeyer aus Oettingen erbaut und Weihnachten 1958 eingeweiht. Links vom Haupteingang entstand 1959 eine Taufkapelle, die mit einem Taufstein und einem Bronze-Christus ausgestattet ist. Am 18. November 1967 wurde der an der Ernst-Reuter-Straße gelegene Erweiterungsbau mit Pfarrsaal und Kindergarten eingeweiht.

Im Zuge des Zweiten Vatikanischen Konzils begann 1971 eine Umgestaltung der St.-Konrad-Kirche. Beauftragt wurde der Künstler Hubert Weber aus Lichtenfels. Er entwarf sowohl die neuen Fenster als auch die Ausstattung des Raumes und weitere Kunstgegenstände. Der neue Altar, ein Marmorblock auf einem kreuzförmigen Fuß, wurde Anfang des Jahres 1972 aufgestellt und acht Monate später von Weihbischof Martin Wiesend geweiht. Für die Chorwand hinter dem Altar hat Weber ein nahezu über die gesamte Gebäudehöhe reichendes Mosaik entworfen. In stilistischer Einheit mit dem Steinmosaik an der Altarwand befinden sich das stehende Altarkreuz, der Ambo, der Leuchter auf dem Altar und der Tabernakel, ihrerseits aus Bronze gefertigt von Hubert Weber. Vor dem Tabernakel, links vom Chorraum, steht eine lebensgroße Bronzeskulptur von Hubert Weber, die den Hl. Bruder Konrad zeigt.

Auch die beiden mit Bronzeplatten gestalteten Portale der Kirche, das Ostertor an der Nordfassade und das Weihnachtstor an der Westfassade wurden von Hubert Weber gefertigt. Jeder der beiden Flügel des 1983 eingebauten Ostertores stellt auf vier untereinander angeordneten Plattenpaaren eine Szene aus dem Alten Testament einer entsprechenden aus dem Neuen Testament gegenüber. Das Weihnachtstor wurde bereits 1980 eingebaut. Hier greifen die Bronzeplatten inhaltlich zum einen die prophetische Sicht im Alten Testament auf und zum anderen die Erfüllung der Heilszusagen aus den Evangelien, die von der Kindheit Jesu erzählen.

Die jüngsten Kunstwerke in St. Konrad stammen von der Bildhauerin und Stukkateurin Elisabeth Schindler-Rutzika, die bis zu ihrem Tod in Hof lebte und arbeitete. Sie entwarf die Madonna, die auf der rechten Wandseite der Kirche, in der Nähe des Eingang zur Sakristei angebracht ist. Von ihr stammt auch der 14-teilige Kreuzweg an beiden Längsseiten des Gebäudes. Die rechteckigen Steinreliefs zeigen die Stationen des Leidensweges Jesu. Die St.-Konrad-Kirche verfügt über ein Geläut von vier Glocken (e1, g1, a1, cis2).[4] [5]

Durch einen Beschluss der Pfarrgemeinderäte und Kirchenverwaltungen von St. Marien und St. Konrad aus dem Jahr 2015 und der Genehmigung durch den Erzbischof von Bamberg und dem Bayerischen Staatsministerium, bilden die beiden Hofer Seelsorgebereiche seit dem 1. Juli 2017 die Katholische Pfarrei Bernhard Lichtenberg.[6]

Filialkirchen

St.-Josefs-Kapelle

Die Kapelle wurde 1957 erbaut, Vorgänger war ein Betsaal in einer Baracke der Hofer St.-Josefs-Siedlung gewesen. Als die Baracke, in der auch ein Kindergarten untergebracht war, abgerissen wurde, sammelte die Gemeinde Geld für Baumaterialien und errichtete nach den Plänen des Architekten Franz Bruhs aus Lamitz die St.-Josefs-Kapelle in Eigenleistung. Die Weihe am 20. Juni 1959 nahm Prälat Michael Gehringer vor. Aufgrund zahlreicher Spenden konnte die Josefskapelle 2008 renoviert werden. Der Hofer Helmut Klasen erstellte Bilder auf Keramikfliesen.

St.-Pius-Kirche

St.-Pius-Kirche

In der Zeit von 1961 bis 1977 ging dem Kirchenbau eine hölzerne Notkirche am Zobelsreuther Wäldchen in Hof voraus. Zum Bau einer Kirche gründete sich 1972 ein Kirchbauverein, zuvor wurde eine Befragung über die Gestaltung und Finanzierung der Kirche durchgeführt. 1977 weihte der Bamberger Erzbischof Elmar Maria Kredel den Altar. Die Vorgängerkirche wurde abgebaut und nach Bischberg gebracht, wo sie wieder aufgebaut wurde. Zur ökologischen Energiegewinnung wurde im Jahr 2000 auf dem Dach der Kirche eine Photovoltaik-Anlage installiert.

Die Köditzer Bildhauerin Margarete Wiggen fertigte für die Innenausstattung der Kirche, Ambo, Tabernakel, Altarleuchter, Vortragekreuz, Osterleuchter, Bodenleuchter, Kerzentisch, Türgriffe, Altarkreuz, Lesepult, Weihwasserbecken und ein Eingangsrelief aus Bronze. Die Plakette am Eingang der Kirche weist auf das Patronat von Papst Pius X. hin. Die Buntglasfenster mit Motiven des Kreuzweges sind ein Werk des Lichtenfelser Malers Hubert Weber, der auch in der St.-Konrad-Kirche tätig war. Mit einer restaurierten gotischen Jesusfigur und einer Madonna vom Ende des 19. Jahrhunderts fanden auch ältere Objekte Einzug in die Kirche. Die von der Firma Kloss 1982 erbaute zweimanualige Orgel mit 18 Registern befindet sich auf der Westempore und wurde von Orgelbau Hörl aus Helmbrechts generalüberholt.

Kirche Maria von der immerwährenden Hilfe in Konradsreuth

Im Sommer 1950 wurde eine Wellblechbaracke in der ehemaligen Konradsreuther Wachtelgasse als vorläufiger Gottesdienstraum durch Prälat Michael Gehringer aus Hof geweiht. Bis dahin hatte die evangelische Gemeinde ihre Kirche zur Verfügung gestellt.

Das Innere dieser ersten Kirche wurde von einheimischen Handwerken und Gönnern ausgestattet. 1957 entschloss man sich zum Neubau einer katholischen Kirche. Die meisten Arbeiten wurden in Eigenleistung erbracht. Am 8. Dezember 1957 wurde die Kirche von Weihbischof Landgraf und Pater zu Löwenstein SJ geweiht. Am 9. Dezember 1990 wurde ein Erweiterungsbau um ein Gemeindezentrum fertiggestellt und am 11. Oktober 1992 weihte Erzbischof Elmar Maria Kredel den Altar der renovierten Kirche. Mit einer neuen Orgel und durch die Errichtung eines neuen Glockenturms war der Bau abgeschlossen.

Kirche Maria Königin des Friedens in Leupoldsgrün

1946 kamen Flüchtlinge nach Leupoldsgrün und es entstand eine kleine katholische Gemeinde mit 150 Personen. Die seelsorgliche Betreuung übernahm zunächst St. Marien in Hof. Am 5. September 1956 wurde sie der Pfarrei St. Konrad in Hof angegliedert. Am 8. September 1960 wurde ein Grundstück zwecks Bau einer neuen Kirche erworben. Unter der Leitung von Pater zu Löwenstein SJ und Bauingenieur Hofrichter begannen Planungen, Berechnungen und Verhandlungen über die Finanzierung. In Eigenleistung wurde der Rohbau erstellt. Die Grundsteinlegung war am 5. Oktober 1961. Bereits am 8. Dezember 1962 konnte das Gebäude auf den Namen Maria König des Friedens geweiht werden.

Der Altarraum wird durch große Fenster von beiden Seiten erhellt. Der Altarstein aus Marmor ist um zwei Stufen erhöht. An der Stirnwand befindet sich ein großes Holzkreuz. Auf einer Marmorsäule links vom Altar steht der Tabernakel mit dem Allerheiligsten. Liturgischen Geräte und eine Herz-Jesu-Statue stifteten Gemeindemitglieder. Die Statue der Gottesmutter mit Jesuskind im Arm ist ein Geschenk der amerikanischen Gemeinde in Hof. Die amerikanischen Soldaten schenkten auch die Glocken und das dazugehörigen elektrischen Läutwerk. 1998 wurde ein Gemeindeheim an die Kirche angebaut.

St.-Heinrichs-Kapelle in Untertiefengrün

Aus heimischen Natursteinen gemauert, erinnert das Gebäude mit seinem vergitterten Vorhof an eine kleine Burg. Die schlanken Fenster ähneln den historischen Wehrkirchen der nahen Umgebung. Der Innenraum kommt einem umgestülpten Bootsrumpf gleich. Einfachheit und Schönheit der Ausgestaltung macht den zeitlosen Charme der Kirche aus. Am Hang gelegen, ist sie bis zum Nachbarbundesland Thüringen sichtbar. Ihre Glocken sich weit in das Saaletal hinein hörbar.

Die Kapelle wurde 1932 zu großen Teilen aus privaten Mitteln finanziert. Sie wurde dem Heiligen Heinrich geweiht. Als Besonderheiten sind ein Bild der heiligen Kunigunde und ein von Carl Orff gestiftetes Marienbild zu nennen. Die etwa siebzig Gläubige fassende Kirche liegt am Wanderweg Berger Winkel und lädt Wanderer zur Besinnung ein.

Einrichtungen

  • Pfarrzentrum Bernhard Lichtenberg, Nailaer Straße 7, 95030 Hof.
  • Kindergarten St. Konrad, Nailaer Straße 7, 95030 Hof.
  • Kindergarten St. Pius, Beethovenstraße 55, 95032 Hof.
  • Dom Helder Camara-Haus, Mühlberg 4, 95180 Berg-Untertiefengrün.
  • Klinikseelsorge im Klinikum-Hof, Eppenreuther Straße 9, 95032 Hof.[7] Für die Organisation der Klinikseelsorge ist die Pastoralreferentin zuständig. Die Hauskapelle mit einer modernen Altarraumgestaltung und einer Orgel der Orgelbaufirma Klais wurde im Jahr 2000 erneuert.

Pfarrer

Erster Pfarrer war Pater Franz zu Löwenstein SJ. In der Zeit von 1963 bis 1986 war Pater Johannes Sommer SJ Pfarrer von St. Konrad, Nachfolger wurde 1986 Pater Josef Singer SJ. Von 1996 bis 2010 war Pater Peter Waibel SJ Pfarrer von St. Konrad und gleichzeitig Dekan des Dekanats Hof. Im August 2010 wurde der Hofer Jesuitenkonvent aufgelöst. Seit September 2010 leitet mit Pfarrer Hans-Jürgen Wiedow nun erstmals ein Weltpriester des Erzbistums Bamberg den Seelsorgebereich. Seit dem 1. Juli 2017 leitet Pfarrer Wiedow die neue gesamtstädtische Pfarrei Bernhard Lichtenberg.

Söhne und Töchter der Pfarrei

Literatur

Kirchengeschichte

  • Johannes M. Nolte: Das katholische Hof an der Saale einst und jetzt. Rom 1929.
  • Ernst Dietlein: Chronik der Stadt Hof. Band 4: Kirchengeschichte. Nordoberfränkischer Verein für Natur-, Geschichts- und Landeskunde, Hof 1955.
  • Michael Gehringer: Das katholische Hof in Vergangenheit und Gegenwart. Hof 1955.
  • Friedrich Ebert, Axel Herrmann: Kleine Geschichte der Stadt Hof. Hoermann, Hof 1988, ISBN 3-88267-034-7.
  • Ludger Stühlmeyer: Curia sonans. Die Musikgeschichte der Stadt Hof. Eine Studie zur Kultur Oberfrankens. Von der Gründung des Bistums Bamberg bis zur Gegenwart. Heinrichs-Verlag, Bamberg 2010, ISBN 978-3-89889-155-4.

Kirchenführer

  • Kirchenführer St. Konrad, Hof. Katholisches Pfarramt St. Konrad.

Weblinks

Anmerkungen

  1. Lea Stühlmeyer: Hof ist bunt, DeBehr, Radeberg 2012, S. 75.
  2. Staatsarchiv Bamberg, Bamberger Urkunden Nr. 467
  3. Ludger Stühlmeyer: Curia sonans. Die Musikgeschichte der Stadt Hof. Heinrichs-Verlag, Bamberg 2010, S. 13f., 215f.
  4. Kirchenführer St. Konrad. Katholisches Pfarramt St. Konrad Hof.
  5. Ludger Stühlmeyer: Curia sonans. Die Musikgeschichte der Stadt Hof. Heinrichs-Verlag, Bamberg 2010, S. 215−234, 269–270.
  6. Der Lichtenberg, Pfarrbrief Ausgabe Nr. 1, 29. Juni 2017
  7. Klinikseelsorge im Sana Klinikum. Homepage des Klinikums, Hof.
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