Subsidiarität

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Der Begriff Subsidiarität bezeichnet ein Prinzip der katholischen Soziallehre. Die klassische Definition entstammt der Enzyklika Quadragesimo anno von 1931. Erarbeitet wurde diese, von Pius XI. vehement vertretene Forderung maßgeblich von den deutschen Jesuiten Gustav Gundlach und Oswald von Nell-Breuning. Der Grundgedanke findet sich aber bereits bei klassischen Autoren wie Thomas von Aquin und Franz von Vitoria. Bischof Emmanuel von Ketteler wies besonders markant den Staat in seine Schranken, indem er einen Vorrang der Selbstbestimmung der Familien und damit der Gesellschaft insgesamt in Fragen der Bildung, Erziehung und Religion einforderte.

Das Wort leitet sich her vom lat. subsidium, Hilfeleistung. Gemeint waren damit ursprünglich Hilfstruppen, die der Haupttruppe zu Hilfe kamen, um das Schlachtenglück noch zu wenden.

Das Subsidiaritätsprinzip enthält zwei Maximen: Es kommt 1.) der kleineren, orts- und sachnäheren Einheit zu, ihre Angelegenheiten selbst zu ordnen, solange sie dazu imstande ist, z.B. der kommunalen Selbstverwaltung gegenüber der staatlichen Verwaltung. 2.) ist die größere, übergeordnete Einheit aber zur Hilfeleistung verpflichtet, wenn die Mittel der kleineren Einheit erschöpft sind. Das Ermessen ist im einzelnen Fall zwar aus der Sicht der kleineren Einheit zu beurteilen, das Urteil kommt aber der höheren Einheit zu. Hier entstehen in der Praxis die Probleme: Die höhere Einheit wird nicht erst "auf Anforderung" der kleineren Einheit tätig. Der höheren Einheit steht es aber auch nicht zu, jeden beliebigen Fall ohne ausreichende Begründung an sich zu ziehen.

Subsidiarität in der Kirche

Seit jeher wird das Subsidiaritätsprinzip auch in der Kirche praktiziert. Angesichts der universalen Verbreitung der katholischen Kirche wäre eine zentrale Verwaltung aller Angelegenheiten gar nicht möglich. Bewährt hat sich vor allem die Gliederung in Papsttum und Ortskirche sowie innerhalb der Ortskirchen (auch nichtlateinischer Riten) in Bischof und Pfarrei (bzw. pastoraler Stelle anderer Art); generell bewährt hat sich auch die Gliederung sowohl des Klerus als auch der Laien in einen "Weltstand" und einen Stand der "Vollkommenheit" (Ordensleute u.a.). Diese Grundstruktur gehört zur Verfassung der Kirche.

Jedoch kann in der Kirche, in der alle Gewalt auf einen geistlichen Zweck bezogen ist, die Subsidiarität nur unbeschadet der Hierarchie göttlichen Rechtes ausgeübt werden. Sonst verfehlt sie ihren Zweck effektiver und effizienter Hilfeleistung. Das Urteil darüber, wann ein Einschreiten erforderlich ist, steht also der höheren Ebene zu. Dieses Urteil ist aber aus der Perspektive der Zweckerreichung der niederen Ebene zu begründen; ein Anwendungsfall in jüngerer Zeit war die Re-Zentralisierung der Behandlung von schweren Delikten im Klerus. Hier haben die Ortskirchen seit ca. 40-50 Jahren erwiesenermaßen versagt, sodass 2001 eine zentrale Zuständigkeit der Glaubenskongregation begründet wurde.

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