Sudarium

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Sudarium (lat.) heißt Schweißtuch. Im Johannesevangelium wird berichtet, dass die Jünger im leeren Grab ein separat, abseits der Leinentücher liegendes Schweißtuch fanden (Joh 20,5-8). Nach der Übersetzung der Verse 6 und 7 von Prof. Heinrich Pfeiffer Rom: „Da kam auch Simon Petrus, der ihm gefolgt war, und ging in das Grab hinein und nimmt die liegenden Leinentücher wahr und das Schweißtuch, das auf seinem Kopf gewesen war. Dieses lag nicht zusammen mit den Tüchern (flach), sondern blieb gesondert, einhüllend, (und zwar) an einer Stelle (so wie es vorher gewesen ist)“, (zitiert nach: Bulst/Pfeiffer, Das Turiner Grabtuch und das Christusbild).

Manche deuten diesen biblischen Beleg heute als Hinweis auf den Schleier von Manoppello, andere möchten eine Beziehung zum Schweißtuch der Veronika herstellen. Neuere Forschungen behaupten eine Identität dieser beiden Tücher, da die Veronika im Petersdom zu Rom seit 708 n.Chr. bezeugt war, das heute dort aufbewahrte Veronika-Tuch aber nicht die Merkmale aufweist, die ihm etliche Pilger bis in das 16. Jahrhundert zusprachen.

Das Schweißtuch von Oviedo könnte zwar auch im Grab Jesu aufbewahrt gewesen sein. Aber warum das von Johannes berichtete Bekenntnis Er sah und glaubte durch das wenig eindrucksvolle (Blut-) Tuch ausgelöst worden sein soll, ist wenig plausibel. Wahrscheinlich ist das Santo Sudario von Oviedo nach dem biblischen Text so genannt worden (und vielleicht auch die "Veronika"). Der mutmaßlichen Funktion nach sollte es aber nicht den "Schweiß" und das Blut des Gekreuzigten auffangen, sondern während der Bestattung die Schmach des zerstörten Antlitzes bedecken; und ist dann wieder entfernt worden. Das Antlitz Christi ist in das Sudarium namens "Veronika" (vorausgesetzt es ist das, das sich jetzt in Manoppello befindet) aber auch nicht als (verwischter) Abdruck eingeprägt, sondern als Bildnis ganz eigener Art. Manche spekulieren, Jesus habe dieses "Selbstportrait" bewusst den Jüngern hinterlassen, um ihnen den Glauben an seine Auferstehung zu erleichtern. Paul Badde hat überdies auf Ähnlichkeiten zum Gnsadenbild von Guadalupe hingewiesen. Die Christenheit besäße dann "Bildgaben" sowohl des Mysteriums der Inkarnation wie des Ostertages.

Das Grabtuch von Turin ist mit Sudarium jedenfalls nicht gemeint. Auf dieses bezieht sich der historisch genaue Bericht des Johannes möglicherweise hinsichtlich der Leinentücher. Sein Abdruck wurde bekanntlich als Positiv erst durch die Fotonegative von 1898 wahrnehmbar. Die Terminologie schwankt. Häufiger wird auch das Mandylion als Schweißtuch bezeichnet. Dieses ist aber ein Begriff, der sowohl auf die "Veronika" passt als auch (eingefaltet) für das Turiner Grabtuch verwendet werden konnte. Portrait-Ikonen des Herrenantlitzes heißen oft Mandylion oder auch Edesseum. Dieser Darstellungstyp ist in der Folgezeit auch auf einzelne Marienbilder übergegangen, z.B. in Trier.

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