Summi pontificatus

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Summi pontificatus ist der lateinische Titel der Antrittsenzyklika des Papstes Pius XII. vom 20. Oktober 1939. Kurz nach Kriegsbeginn appelliert der Papst an die Völker um Frieden und legt Grundzüge einer Lehre von der Völkergemeinschaft in der einen Menschheitsfamilie vor.

Der Text erschien in den AAS XXXI (1939) mehrsprachig; auf Deutsch p. 565-594. Einleitend greift der Papst die Weihe der Welt an das Herz Jesu durch Papst Leo XIII. 1899 auf, um in der Nachfolge Pius XI. zu betonen: Die Königswürde Christi wieder anerkennen, zurückfinden zum Gesetz seiner Wahrheit und seiner Liebe, das ist der einzige Weg der Rettung für den Einzelmenschen und die Gemeinschaft (p. 570).

Der Papst wagt einen analytischen Blick in die kriegsgeprägte Zeit und befindet: Die Not der Gegenwart ist eine Rechtfertigung des Christentums, wie sie erschütternder nicht gedacht werden kann. ... Man redet von Fortschritt, und man macht Rückschritte; von Aufschwung, und man sank ab; von Aufstieg zur Mündigkeit, und man versklavte (p. 571, 573). Dagegen setzt er die Überzeugung von der in Gott gegründeten Einheit des Menschengeschlechts. In diesen Passagen greift Pius XII. einige Gedanken der nicht mehr erschienen, geplanten letzten Enzyklika Pius XI. auf (Arbeitstitel: Humani generis unitas): Wunderbare Schau, die uns das Menschengeschlecht sehen lässt in der Einheit eines gemeinsamen Ursprungs in Gott (p. 575). Diese Aussagen des Papstes, die durchaus einer Sozialenzyklika entsprechen, sind klar anbtinationalistisch und auch antirassistisch. Sie folgen den Gedanken, die bereits Benedikt XV. im I. Weltkrieg vortrug und die man schlagwortartig als "päpstlichen Internationalismus" kennzeichnen könnte (vgl. dazu UNO-Ansprache des Papstes (1965)).

Das Ziel der Kirche sei die Einheit in der Ordnung drer Gnade und in umfassender Liebe durch Gesinnung und Tat (vgl. p. 576), damit die Menschen teilhaben an jenem unaussprechlichen Geschenk der ewigen Weisheit, das die Menschen [alle!] durch ein Band übernatürlicher Zusammengehörigkeit zu Brüdern vereint (p. 578). Diese Wegweisung findet ihre spätere Entfaltung im Konzilsdokument Gaudium et spes und öfter, z.B. in Redemptor hominis (1979).

Klar lehnt Pius XII. den Totalitätsanspruch des modernen Staates ab (gefestigte Lehre seit Gregor XVI. und Pius IX.): Der Staat greife nach einer unumschränkten Selbstherrlichkeit und suche sich an die Stelle des Allmächtigen zu setzen (vgl. p. 579). Er kann Gut und Blut fordern, aber niemals die von Gott erlösten Seelen (p. 581). Zugleich akzeptiert der Papst den legitimen Eigenbereich der politischen Autoritäten. Alles in allem zeigt sich Pius XII., weit vorausschauend, als Wegbereiter eines "neuen Humanismus", auch wenn dieser Jacques Maritain zuzuordnende Begriff nicht explizit fällt. Er hat bereits mit seiner Antrittsenzyklika für die Zeit nach dem II. Weltkrieg wesentliche Weichenstellungen in Aussicht genommen.

„Summi pontificatus“ als Nachfolgerin der „verborgenen Enzyklika“?

In der geplanten Enzyklika Humani Generis Unitas (Die Einheit des Menschengeschlechts; teilweise auch als Societas Unio zitiert) von Papst Pius XI. sollte die nationalsozialistische Rassenideologie verurteilt werden. Der Papst hatte seinen deutschen Berater Gustav Gundlach und zwei weitere Jesuiten mit dem Verfassen eines Entwurfes beauftragt. Es kam allerdings nicht zur Veröffentlichung der Enzyklika, die Arbeiten an dem Text konnten nicht zu Lebzeiten des Papstes abgeschlossen werden, auch waren die Auswirkungen einer Veröffentlichung ungewiss. Teile des Konzeptes der „verborgenen Enzyklika“ wurden allerdings später von Pius XII. in der Enzyklika Summi pontificatus eingearbeitet, vermutlich von Nr. 27 bis Nr. 77 (dt. Text).

Der deutsche Text der Enzyklika

Summi pontificatus (Wortlaut)

Siehe auch: Liste von Lehramtstexten

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