Symbol

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Symbol Pax Christi (1948)

Das vieldeutig eingesetzte Wort Symbol bedeutet innerhalb der historischen Theologie zunächst den Begriff des Glaubensbekenntnisses, das (latinisiert) Symbolum genannt wird.

Das Wort „Symbol“ stammt vom griechischen Wort σύμβολον (sýmbolon). Dieses ist zusammengesetzt aus συν- (syn-), das für „zusammen“ steht, und βολή (bolē), der „Wurf“. Zunächst hat das Wort also (wörtlich) die Bedeutung „Zusammenfall“, In-eins-Fall. „Sýmbolon“ und „Symbol“ wird somit auch die Bedeutung eines Erkennungsmerkmals zugeschrieben. Der Überlieferung nach galten zerbrochene Tontäfelchen als Erkennungsmittel, wenn sie sich wieder zusammenfügen ließen.

Auch der neuzeitliche Begriff von Symbolik (etwa: Licht steht für Liebe) knüpft daran noch an: Ein Symbol repräsentiert, sozusagen als Teilstück, eine Wirklichkeit, die selbst nicht im sichtbaren, "handgreiflichen" Teil enthalten ist. Das Symbol weist über sich hinaus auf eine andere, gemeinsame Wirklichkeit. Das ist im Prinzip auch für die formulierten Glaubensbekenntnisse zu sagen, die ja (wenngleich als Lehre verbindlich) in ihren Formulierungen nicht das Ganze des Glaubenslebens abbilden können. Das gilt sogar für die wichtigsten christlichen Symbole, etwa das Kreuz.

Sinnbild

Die Sakramente der Kirche hingegen gehen entscheidend über jede Art von bloß ästhetischer "Symbolik" hinaus (vgl. Enz. Mysterium fidei, 1965). Das Zeichen des Sakraments bewirkt seine ganze Wirklichkeit, die vollgültig, ohne "jenseitigen Rest", wenn auch zugleich ohne jede Vermischung der Naturordnung mit der Gnadenordnung, in ihm enthalten ist und wirkt aus dem Vollzug selber (ex opere operato). Dieses Selbstverständnis ist unter allen Religionen einzigartig. Abgesehen davon ist das Christentum aber dennoch zugleich (nachweislich) die am reichsten mit Symbolen und Gleichnissen ausgestattete Religion.

Katechetischer Sprachgebrauch

Wird von den Sakramenten als Symbolen des Glaubens gesprochen, so muss im Sprachgebrauch immer sehr sorgfältig auf die bleibende Differenz zu jedwedem religiös-hermetischen Begriff von Kultsymbolik geachtet werden. Die heidnische Kultsymbolik behauptet nie, dass deren Symbole das ganz Andere wirklich hier und jetzt präsent machen, sondern, im Gegenteil: Sie behauptet, dass das ganz Fremde der Religion verborgen, okkult bleibt und nur der Eingeweihte eine anfanghafte, unaussprechliche Ahnung vom höheren Sinn der Riten "erfährt". (Der heidnische "Priester" vermag aufgrund seiner besonderen Kenntnisse zwar das "Numinose" zu zwingen, aber "es" ist nicht per se im Ritual anwesend.)

In der christlichen Kultsymbolik teilt sich das Geheimnis des Glaubens den Menschen aber voll und ganz mit. Die christlichen Mysterien sind geoffenbarte Mysterien, die, dem Prinzip nach, jedem Menschen in der Kirche gleichermaßen offen zugänglich sind. Das ist die Wahrheit von der gleichen Königswürde aller Getauften in Christus.

Das "Geheimnis" bleibt im Christentum in einem anderen Sinn bestehen: Nämlich in dem Sinn, dass der Mensch, selbst wenn er das Angesicht Gottes in persona Christi erblickt (diesseits sakramental, jenseits vollendet), staunend vor dieser Herrlichkeit zurückbleibt, die als Liebe (Liebe ist das Licht) seine Erkenntniskraft völlig übersteigt.

Während also die heidnische Symbolik (zum Beispiel in der Gnosis) lehrt, dass bestimmten Begabten ein Aufstieg zur vollen Kenntnis der innersten Mysterien humaner Existenz (aber im Diesseits verharrend, aus eigener Kraft) möglich ist, aber der "Masse" verschlossen bleiben muss, lehrt das Evangelium die restlose Offenbarung (des Jenseits Gottes) in der Geschichte, dem Prinzip nach für alle; "symbolhaft", Bruchstück bleibt unser Erkennen aber, weil wir (und nicht: obwohl wir), auf dem Weg zur ewigen Bestimmung, in der Kraft des Heiligen Geistes (vgl. Apg. 1,8) auch das "Darüberhinaus" (und so unsere Distanz zum Ziel) bereits kennen, per Jesum Christum Dominum Nostrum.

Unter dieser Voraussetzung, dass nämliche die christliche Gottesfeier unter den Menschen nie nur symbolisches Ritual (im modernen Sinne) ist, kann auch die sakramentale Liturgie insgesamt als Vergegenwärtigung des "Himmels auf Erden" bezeichnet werden (vgl. Sacrosanctum concilium, 1963).

Siehe auch: Enz. Pascendi (1907; zum Symbolismus, insb. Denzinger-Hünermann Nr. 3487/89), Zeichen

Literatur