Theodosius Florentini

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Theodosius Florentini

Theodosius (Anton Crispin) Florentini (* 23. Mai 1808 in Müstair, Schweiz; † 15. Februar 1865 in Heiden) war ein Kapuzinerpater, der als Gründer der beiden Kongregationen Menzinger Schwestern (Lehrschwestern vom heiligen Kreuz) und Ingenbohler Schwestern (Barmherzige Schwestern vom heiligen Kreuz) und Sozialreformer in die Geschichte der Schweiz einging.

Biografie

Anton Crispin wurde am 23. Mai 1808 geboren und wuchs zusammen mit 5 Geschwistern in bescheidenen Verhältnissen auf. Nach dem Tod des Vaters Paul im Jahre 1816 sorgte die Mutter (Anna Fallet) allein für die Familie. Der äusserst lebhafte und begabte Anton Crispin besuchte die Elementarschule in Müstair und lernte in seinem 9. Lebensjahr Deutsch in Taufers. Der P. Superior des Klosters St. Johann im Münstertal unterrichtete ihn in Latein und später besuchte er in Bozen das Gymnasium.

Nach dem frühen Tod seines ältesten Bruders, der Kapuziner gewesen war, trat er als 17-jähriger in den Kapuzinerorden ein. 1832 kam P. Theodosius als Novizenmeister und später als Guardian nach Baden, wo er sich erstmals mit dem Gedanken beschäftigte, zur Förderung des katholischen Bildungswesens eine Kongregation von Lehrschwestern zu gründen. Weil er die Bevölkerung für den Kampf gegen die staatlichen Klosteraufhebungen mobilisiert hatte musste er Baden verlassen und kam nach einem kurzen Aufenthalt bei den "armen Schwestern von der Vorsehung" in Ribeauvillé (Elsass) an Ostern 1841 nach Altdorf. Dort kümmerte er sich als "Laufpater" um Schulen und Lehrer und bildete die ersten drei Novizinnen aus, die er von seiner Zeit in Baden her kannte, und er liess sie im Ausland ein Lehrerinnenseminar absolvieren.

1844 bat die 19-jährige Anna Katharina Scherer aus Meggen, die spätere Mutter Maria Theresia, um Aufnahme in die Gemeinschaft. 1845 legten fünf Schwestern in Wurmsbach ihre Profess ab und kamen darauf in die Schulen von Menzingen und Galgenen. Viele Orte bewarben sich um Lehrschwestern. In Menzingen entstand ein Mutterhaus. Die erste Generaloberin war Mutter Bernarda Heimgartner.

1845 wurde P. Theodosius als Dompfarrer nach Chur berufen, wo er 1860 zum Generalvikar ernannt wurde. Mit seinen Predigten und durch seine soziale Tätigkeit konnte er die anfänglich misstrauischen Churer für sich gewinnen. 1850 eröffnete er im Schlösschen der Freiherren von Planta ein kleines Spital, aus dem 1853 das Kreuzspital hervorging. Zwei Jahre später bat er Mutter Bernarda um die Hilfe von Schwester M. Theresia. Zu den Lehrschwestern kam eine zweite Gründung hinzu, die "barmherzigen Schwestern für die Armen und Kranken" mit Sitz in Chur. Die barmherzigen Schwestern erlebten eine starken Aufschwung und waren in Armen- und Waisenhäusern, in Spitälern und Lazaretten, in Gefängnissen und Fabrikheimen tätig.

Für ihr Kreuzspital gingen die Barmherzigen Schwestern bis Österreich und Ungarn betteln. Auf diese Weise entstanden erste Gründungen im Ausland.

1856 wurden die zwei Zweige, Schule und Caritas, in selbständige Ordensgemeinschaften überführt. Die Lehrschwestern bauten ihr Mutterhaus in Menzingen aus. Die barmherzigen Schwestern verließen Chur, da die Stadt kein Kloster wollte, und P. Theodosius erwarb mit fünf Franken und viel Gottvertrauen einen Hof in Ingenbohl für sie. Das Mutterhaus in Ingenbohl wurde 1858-60 und 1878-80 dann erweitert.

1857 übernahm P. Theodosius in Ingenbohl eine Fabrik und richtete dort eine Baumwollweberei und später eine Buchdruckerei und -binderei ein. So konnten Waisenkinder halbtags unterrichtet werden, und halbtags konnten sie mit Arbeit etwas verdienen.

1857 übernahm P. Theodosius die Camenzind’sche Fabrik im Paradies in Ingenbohl und richtete eine Baumwollweberei, später eine Buchdruckerei und -binderei ein. Die Waisenkinder wurden halbtags unterrichtet, halbtags konnten sie arbeiten und etwas verdienen.

P. Theodosius setzte sich ein für gerechte und menschenwürdige Arbeitsverhältnisse. Sein Einsatz war wegen mangelnder Mittel, überforderten Betriebsleitungen und allzu wagemutigen Unternehmen aber nicht immer erfolgreich.

Im In- und Ausland war P. Theodosius ein allseits bekannter und beliebter Festredner und Volksmissionar. Zur Förderung der Glaubensbildung setzte er gute Bücher in Umlauf und schrieb auch selber. In Ingenbohl richtete er eine Druckerei ein, die bis heute besteht. Aus den Einnahmen finanzierte er seine sozialen Werke.

Am 13. Februar 1865 kam er nach Heiden, um im Appenzellerland eine weitere Fabrik zu errichten, wo die Belegschaft als Unternehmer mitbestimmen sollte. Aber am folgenden Tag erlitt er einen Hirnschlag, der ihn lähmte, und er verstarb am Nachmittag des 15. Februar 1865.

Am 18. Februar wurde er in Chur vor der Hofkirche beigesetzt. Seine Gebeine wurden am 15. Februar 1906 nach Ingenbohl übertragen.

Mutter M. Theresia Scherer übernahm sein Werk mit den vielen Schulden und führte es mit Erfolg in die Zukunft.

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