Theologische Fakultät Paderborn

Aus Kathpedia
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Theologische Fakultät Paderborn ist eine staatlich anerkannte Hochschule in der Trägerschaft des Erzbischöflichen Stuhles zu Paderborn. Sie wurde am 10. September 1614 von Fürstbischof Dietrich IV. (1585-1618) als Jesuiten-Universität mit philosophischer und theologischer Fakultät gegründet.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die Theologische Fakultät Paderborn ist die älteste Hochschule Westfalens. Papst Paul V. (1605–1621) bestätigte die Gründung am 2. April 1615 durch das Breve „In supereminenti“, Kaiser Matthias (1605–1619) durch ein Diplom am 14. Dezember 1615. Im Herbst 1616 wurden diese Urkunden in Paderborn proklamiert, 1617 für beide Fakultäten Dekane ernannt und die Statuten der Universität veröffentlicht. Papst und Kaiser hatten die Jesuitenuniversität mit allen akademischen Rechten, insbesondere auch mit dem Promotionsrecht für beide Fakultäten privilegiert. Zu den Professoren der ersten Generation gehörte Friedrich Spee von Langenfeld (1591–1635), der bedeutende Barockdichter und Kämpfer gegen den Hexenwahn. Er war hier 1623 bis 1626 als Professor der Philosophie und 1629 bis 1631 als Professor der Moraltheologie tätig.

Auch nach der Aufhebung des Jesuitenordens 1773 und dem Ende des Fürstbistums Paderborn durch den Reichsdeputationshauptschluss vom 25. Februar 1803 existierte die Hochschule weiter. Zwar verfügte König Friedrich Wilhelm III. von Preußen (1797–1840) am 18. Oktober 1818 ihre Aufhebung, diese wurde aber nicht umgesetzt und am 16. April 1836 durch Allerhöchsten Erlass ausdrücklich zurückgenommen. Dennoch dauerten Verhandlungen zwischen dem Paderborner Bischofsstuhl und der preußischen Regierung bis 1843 an, bevor die Hochschule unter Bischof Richard Dammers (1841–1844) als „Philosophisch-Theologische Lehranstalt“ neue Statuten erhielt. Während des Kulturkampfes (1871–1887) blieb sie aufgrund staatlicher Beschränkungen von 1873 bis 1887 geschlossen, danach erlebte sie eine neue Blütezeit. 1909 bestanden an ihr acht Lehrstühle; deren Professoren gaben in diesem Jahr erstmals die Fachzeitschrift „Theologie und Glaube“ heraus. Seit dem 16. März 1917 trug die Hochschule die Bezeichnung „Philosophisch-Theologische Akademie“.

Durch ein Dekret vom 11. Juni 1966 erkannte Papst Paul VI. (1963–1978) der Hochschule den Rechtsstatus einer Theologischen Fakultät zu und bestätigte zugleich ihr Recht, alle akademischen Grade zu verleihen. Dieser Rechtsstatus wurde am 14. Oktober 1966 in einer Urkunde des Kultusministeriums des Landes Nordrhein-Westfalen bekräftigt und besteht noch heute.

Die Theologische Fakultät, die seit 1974 die wissenschaftliche Buchreihe „Paderborner Theologische Studien“ herausgibt, liegt im historischen Stadtzentrum Paderborns. An ihr sind momentan 14 Professoren, mehrere Lehrbeauftragte und Wissenschaftliche Mitarbeitende tätig. Zum akademischen Profil der Hochschule zählt der zehnsemestrige Studiengang der Katholischen Theologie mit dem Abschluss Magister Theologiae. Darüber hinaus sind die Abschlüsse des Lizentiats, des Doktorats und der Habilitation möglich.

Mit der Universität Paderborn besteht eine Kooperation. Sie erstreckt sich vor allem auf das Studium der Philosophie, in das die Theologische Fakultät mit ihren beiden Lehrstühlen der Geschichte der Philosophie und der Systematischen Philosophie eingebunden ist. Daher können Absolventen der Theologischen Fakultät unter bestimmten Voraussetzungen auch zum Doktor der Philosophie promoviert werden.

Vom Wintersemester 1999/2000 bis zum Sommersemester 2008 wurde an der Theologischen Fakultät der Diplom-Aufbaustudiengang Caritaswissenschaft durchgeführt.

Verfassung und Träger

Der Erzbischof von Paderborn ist nach dem derzeitigen Statut vom 14. November 1987 der Magnus Cancellarius der Fakultät. Die Fakultätskonferenz entscheidet unter der Oberaufsicht des Magnus Canellarius über wichtige Frage der Fakultät. Träger der Fakultät ist der Erzbischöfliche Stuhl zu Paderborn.

Lehrstühle

Das Fach Katholische Theologie gliedert sich an der Theologischen Fakultät Paderborn in die folgenden Fächergruppen und wird momentan durch die namentlich aufgeführten Professoren in Forschung und Lehre vertreten.

I. Philosophie

  • Geschichte der Philosophie und Theologische Propädeutik – Bernd Irlenborn
  • Systematische Philosophie – Berthold Wald

II. Biblische Theologie

  • Altes Testament – Michael Konkel
  • Neues Testament – Maria Neubrand - derzeitige Rektorin

III. Historische Theologie

  • Kirchengeschichte und Patrologie – Hubertus R. Drobner
  • Liturgiewissenschaft – Michael Kunzler
  • Bistumsgeschichte – n. n.

IV. Systematische Theologie

  • Fundamentaltheologie und vergleichende Religionswissenschaft – Josef Meyer zu Schlochtern
  • Dogmatik und Dogmengeschichte – Dieter Hattrup
  • Moraltheologie – Peter Schallenberg
  • Christliche Gesellschaftslehre – Günter Wilhelms
  • Ökumenische Theologie – Wolfgang Thönissen

V. Praktische Theologie

  • Kirchenrecht – Rüdiger Althaus
  • Pastoraltheologie und Homiletik, Religionspädagogik und Katechetik – Herbert Haslinger
  • Pastoralpsychologie und Pastoralsoziologie – Christoph Jacobs

Institute und Bibliothek

Johann-Adam-Möhler-Institut für Ökumenik

Das Johann-Adam-Möhler-Institut für Ökumenik wurde 1957 durch den Paderborner Erzbischof Lorenz Jaeger gegründet und ist der Theologischen Fakultät Paderborn angegliedert. Benannt ist es nach dem Tübinger Theologen Johann Adam Möhler (1796–1838), der mit seiner „Symbolik, oder Darstellung der dogmatischen Gegensätze der Katholiken und Protestanten nach ihren öffentlichen Bekenntnisschriften“ (1832) als katholischer Wegbereiter der Ökumene und zur wissenschaftlichen Erforschung der christlichen Konfessionen gilt. Das international in Forschung, Lehre und im Rahmen verschiedener Ökumenischer Dialoge tätige Institut verfügt über eine Spezialbibliothek mit über 150.000 Bänden und 200 laufend gehaltenen Zeitschriften. Vom Institut herausgegeben wird u. a. die wissenschaftliche Buchreihe „Konfessionskundliche und kontroverstheologische Studien“ sowie die ökumenische Fachzeitschrift „Catholica“.

Josef Pieper Arbeitsstelle

Ltg. Prof. Berthold Wald
An der Theologischen Fakultät besteht seit 2008 in Verbindung mit dem Lehrstuhl für Systematische Philosophie die Josef Pieper Arbeitsstelle (JPA). Sie widmet sich dem Gesamtwerk Josef Piepers (1904–1997), eines international bedeutenden Philosophen des 20. Jahrhunderts, und möchte dem wachsenden Interesse an seinem Werk ein Forum bieten. So vermittelt die Arbeitsstelle umfassende Informationen zur Bibliographie und zum aktuellen Forschungsstand, trägt zur Erschließung des literarischen Nachlasses, das sich im Deutschen Literaturarchiv in Marbach am Neckar befindet, bei, betreut wissenschaftliche Qualifizierungsarbeiten und koordiniert die internationale Forschung.

Erzbischöfliche Akademische Bibliothek

Die Erzbischöfliche Akademische Bibliothek Paderborn mit ihren rund 320.000 Bänden und ca. 500 laufend gehaltenen Zeitschriften ist die Hochschulbibliothek der Theologischen Fakultät und zugleich die Diözesanbibliothek für das Erzbistum Paderborn. Ihre historischen Bestände umfassen u.a. rund 750 Inkunabeln (Frühdrucke bis zum Jahr 1500) und 140 mittelalterliche Handschriften. Zur Bibliothek gehört auch die Bibliotheca Theodoriana, die 1614 von Fürstbischof Dietrich IV. von Fürstenberg als Bibliothek der Jesuitenuniversität gegründet wurde; nach erheblichen Verlusten gegen Ende des Zweiten Weltkrieges sind heute noch etwa 6.000 Bände vorhanden. Im Zuge der Säkularisation wurden der Bibliotheca Theodoriana viele Druckwerke und Handschriften aus aufgehobenen Klöstern der Region eingegliedert, unter anderem aus dem Benediktinerkloster Abdinghof in Paderborn oder dem Augustiner-Chorherrenstift Böddeken; auch ein Großteil der Klosterbibliothek der ehemaligen Reichsabtei Corvey (ca. 2.500 Bände) befindet sich heute in der Erzbischöflichen Akademischen Bibliothek.

Montagsakademie

Seit 1994/95 (zunächst unter dem Namen „Seniorenakademie“, seit 2007/08 unter dem Namen „Montagsakademie“) veranstaltet die Theologische Fakultät Paderborn jeweils im Wintersemester eine Ringvorlesung, in der Professoren der Fakultät und weitere Dozenten zu vielfältigen Themen der Theologie Stellung beziehen. Diese Vorträge finden jeweils montags ab 18.00 Uhr im Auditorium Maximum der Fakultät statt.

Bisher standen die Ringvorlesungen unter folgenden Überschriften:

  • 1994/95 – Stationen am Wege des Heils
  • 1995/96 – Theologie im Wandel
  • 1996/97 – Kirche der Zukunft. Zukunft der Kirche
  • 1997/98 – Jesus Christus. Gottes Sohn
  • 1998/99 – Ein geistliches Jahr mit der Kirche
  • 1999/2000 – Krise des Gottesglaubens? Aufbruch!
  • 2000/01 – Theologie aktuell
  • 2001/02 – Kirche im Übergang
  • 2002/03 – Deutschland. Deine Werte
  • 2003/04 – Das Jahr der Bibel
  • 2004/05 – 40 Jahre Zweites Vatikanisches Konzil. Große Dokumente – bleibende Fragen
  • 2005/06 – Herr, bleibe bei uns! Die Bedeutung der Eucharistie – aus unterschiedlichen Perspektiven nachgefragt
  • 2006/07 – Hier beginnt die Zukunft: Ehe und Familie
  • 2007/08 – Jesus heute. Zugänge und Zeugnisse
  • 2008/09 – Paulus. Ein unbequemer Apostel
  • 2009/10 – Evolutionstheorie und Schöpfungsglaube
  • 2010/11 – Zwischen Freud und Leid. Die Ambivalenz menschlicher Sexualität
  • 2011/12 – Franziskus. Ein Armer macht Geschichte
  • 2012/13 – Das Zweite Vatikanische Konzil. Krise und Erneuerung der Kirche

Bekannte Professoren und Absolventen

17. Jahrhundert

  • Bernhard Frick (um 1600–1655) Generalvikar und Weihbischof in Paderborn und Hildesheim, promovierte 1628 an der Jesuitenuniversität in Paderborn
  • Friedrich Spee von Langenfeld (1591–1635) Jesuit, Moraltheologe, Verfasser der Cautio Criminalis

19. Jahrhundert

  • Caspar Klein (1865–1941) Bischof und seit 1930 erster Erzbischof von Paderborn
  • Johannes Linneborn (1867–1933) Dompropst in Paderborn, Abgeordneter des Preußischen Landtags
  • Wilhelm Schneider (1847–1909) Bischof von Paderborn
  • Karl Joseph Schulte (1871–1941) Kardinal, Erzbischof von Köln

20. Jahrhundert

  • Heinz Josef Algermissen (* 1943) Bischof von Fulda
  • Alois Andritzki (1914-1943) sorbischer Priester des Bistums Meißen, Märtyrer im KZ Dachau
  • Hans-Josef Becker (* 1948) Erzbischof von Paderborn
  • Franz-Josef Bode (* 1951) Bischof von Osnabrück
  • Paul Josef Cordes (* 1934) Kurienkardinal, Präsident des Päpstlichen Rates „Cor unum“ (1995-2010)
  • Johannes Joachim Degenhardt (1926–2002) Kardinal, Erzbischof von Paderborn
  • Franz Hengsbach (1910–1991) Kardinal, Bischof von Essen
  • Klemens Honselmann (1900–1991) Bibliothekar und Kirchenhistoriker
  • Lorenz Jaeger (1892–1975) Kardinal, Erzbischof von Paderborn
  • Petrus Legge (1882–1951) Bischof von Meißen
  • Miroslaw Marusyn (1924–2009) Kurienerzbischof
  • Reinhard Marx (* 1953) Professor für christliche Gesellschaftslehre an der Theologischen Fakultät Paderborn, seit 2008 Erzbischof von München und Freising
  • Paul Nordhues (1915–2004) Weihbischof in Paderborn
  • Paul-Werner Scheele (* 1928) em. Bischof von Würzburg
  • Paul Simon (1882–1946) Professor der Philosophie und Apologetik in Tübingen, Dompropst in Paderborn
  • Eduard Stakemeier (1904–1970) Professor der Fundamentaltheologie, vergleichenden Religionswissenschaft und Konfessionskunde an der Theologischen Fakultät Paderborn, seit 1957 erster Direktor des Johann-Adam-Möhler-Instituts
  • Luis Teodorico Stöckler (* 1928) Bischof von Quilmes
  • Gilbert Schmid (* 1949)[1]
  • Josef Schwermer
  • Franz Stock (1904–1948) Regens des „Seminars hinter Stacheldraht“ in Chartres
  • Wilhelm Weskamm (1891–1956) Bischof von Berlin
  • Karl-Heinz Wiesemann (* 1960) Bischof von Speyer

Weblinks

Anmerkungen

  1. Gilbert Schmid
Meine Werkzeuge