Verkündigung

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In den Dokumenten der Würzburger Synode wird Verkündigung der Botschaft Jesu Christi und das Zeugnis des Lebens als Weckung von Glaube, Hoffnung und Liebe umschrieben.

Anders ausgedrückt: ”Der Begriff Verkündigung kennzeichnet Faktum und Weise der Weitergabe des Heils.”

Die Predigt - Verkündigung durch das Wort - hat dabei eine besondere Funktion. Sie ist ”wichtigste, häufigste und folgenschwerste Form der Verkündigung der Frohbotschaft an das Volk Gottes.” (Läpple, Alfred: Art. Verkündigung/Predigt, in: Praktisches Lexikon der Spiritualität, hg. v. Ch. Schütz, Freiburg 1992, 1358-1361, 1358.)

Zu unterscheiden ist die Erstverkündigung und die Entfaltungsverkündigung. “Erstverkündigung ist heute umfassend glaubenweckend; die Entfaltungsverkündigung steht angesichts des stets angefochtenen Glaubens unter dem Anspruch der Öffentlichkeit im qualitativen Sinn, weil sie auf die Welt- und Lebenswirklichkeit insgesamt zielt, und in einem quantitativen Sinn, weil die verkündigend eröffnete Wirklichkeit und ermöglichte Praxis unterschiedslos allen Gliedern der Gesellschaft gilt...” .(Feifel, Erich: Verkündigung, Feifel, Erich, Verkündigung, in: NHThG, hg. v. Peter Eicher, Band 5, München 1991,190-200, 190)

Heute wird sie durch die Ausweitung des Spektrums von ‘verkündigen’ in größerem Zusammenhang gesehen. Verkündigung geschieht nicht nur durch das Wort, sondern daneben treten ”bezeugendes Tun und publizistische Mittel wie Buch und Presse, Bild und Ton.”

Ihre Glaubwürdigkeit erhält die Verkündigung gerade durch diese Einheit von Tat und Wort.

Als Evangelisation wird Verkündigung in der Welt von heute dezentralisiert, kontextuell spezifiziert, pluriformer und wieder origineller. Sie versucht Orientierung zu vermitteln mit neuen, zeitgemäßen und für die Hörer einsichtigen Gesichtspunkten.

Sie will in einer heute verständlichen Sprache von Erfahrung zu Erfahrung sprechen. ”Verkündi-gung, die nicht über Gesinnungsänderung auf Handlungsanweisung zu sprechen kommt, bleibt zwischen Botschaft und realem Leben stecken.”

Verkündigung ruft zur Verkündigung heraus. Darum kann die Sprache der Verkündigung nicht deskriptiv sein, denn sie will Glauben lebendig werden lassen und den Hörer zur Glaubensentscheidung herausfordern.

”Erst wenn der Bogen vom ergehenden Wort zum verstandenen Wort und zum angenommenen Dank für dieses Wort geworden ist, ist Verkündigung wirklich Verkündigung des lebendigen Wortes.”

“Das Wort der christlichen Verkündigung [ist] sakramental.” (Knauer, Peter SJ: Der Glaube kommt vom Hören, Freiburg 1991, 241.) Es enthält die Wirklichkeit, von der es redet (das Angebot der unmittelbaren Communio mit dem dreifaltigen Gott), und teilt sie mit.

Indem es sinnenhaft begegnet - als Gotteswort im Menschenwort, als gelebtes Zeugnis ist es bereits verleiblicht. Jeder Christ ist durch die Taufe zur ausdrücklichen Spendung des ‘Sakramentes des Wortes’ befähigt und verpflichtet.

Da das Wort der Verkündigung die Wirklichkeit, die es bezeichnet, enthält - Gottes lebendige Selbstmitteilung in Jesus Christus, - ist es aus sich selbst wahr, und wirkt so-mit kraft seines Vollzugs, der Wortverkündigung. Das ‘Sakrament der Wortverkündi-gung’ ist unabhängig von der Heiligkeit des Verkünders wirksam, insofern es das Wort und die Heilswahrheiten der Schrift unverfälscht vermittelt.

Die Kirchenväter haben ihren Gemeindemitgliedern diese Tatsache sehr früh und eindeutig vermittelt. Besonders durch die Auslegung des Gleichnis vom Sämann, der das Wort gleichsam als Same aussät.

Das Wort der Verkündigung kommt gleichermaßen von außen an die Person heran, dringt aber bei entsprechender Disposition (Hören, Se-hen...) bis zur Wesensmite durch und trifft den Personenkern.

Das Wort trägt, verstärkt durch den wirksamen Dienst des Verkünders, eine Kraft, genauso wie der Same lebenerzeugende Kraft innehat. Die Wirkung dieser Kraft tritt aber erst zutage, wenn das Wort empfangen oder gehört worden ist. Sobald das ‘Sakrament der Wortverkündigung’ empfangen worden ist, wirkt es im Lebensvollzug, es verändert die eigene Lebensgeschichte, es wird ein ”neuer Mensch” gezeugt durch das Wort und gleichsam geboren.

In Anlehnung an die Frage des Nikodemus in Joh 3,3.5 ”Wie kann ein alter Mann neu geboren werden?” können wir von Geistgeburt sprechen, die sich tagtäglich im Medium des Wortes ereignet.

Sie mündet in ein Leben nach dem Willen Gottes. Der Petrusbrief weist auf die Wirklichkeit derer hin, die durch das Wort Gottes für Christus neu geboren sind: ”Ihr seid neu geboren, nicht aus vergänglichem, sondern aus unvergänglichem Samen: Aus Gottes Wort, das lebt und bleibt. (...)Dieses Wort ist das Evangelium, das euch verkündet worden ist.

Das Wort ist der Same. Wenn es ins Herz des Menschen durch das Hören aufgenommen wird, wirkt es und bringt Früchte.(Vgl. Mt 13,18-23). Es schenkt neue ”Energie”, Kraft aus Gnade. Unverdient und unerwartet schenkt die Wortverkündigung als übernatürliche Gabe von Gott neues Leben.

Das Sakrament der Wortverkündigung hat transformative Kraft. Das Verhalten im Sinne Jesu ist ein Zeichen der Lebendigkeit, die das Wort schenkt.

Das Wort Gottes teilt Gott selbst gnadenhaft mit. Daher ist es nicht überbietbar, auch nicht durch ein anderes Sakrament, das es zeichenhaft zu entfalten und in der Communio der Gläubigen zu feiern hilft.

Literatur

  • Helmut Pflüger, Wölfe im Schafspelz, Irrwege christlicher Verkündigung im 20. jahrhundert (Gelleitwort von Kardinal Joachim Meisner; 256 Seiten) Christiana Verlag.
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