Vesper

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Die Vesper ist das kirchliche Abendlob, ein Teil des Stundengebets, das von allen Klerikern obligat zu verrichten ist und auch von vielen Laien verrichtet wird.

"Die Laudes als Morgengebet und die Vesper als Abendgebet, nach der ehrwürdigen Überlieferung der Gesamtkirche die beiden Angelpunkte des täglichen Stundengebetes, sollen als die vornehmsten Gebetsstunden angesehen und als solche gefeiert werden." (Sacrosanctum Concilium, 89a)

Die Vesper wird gefeiert, wenn es Abend geworden ist und der Tag sich schon geneigt hat, damit wir "Dank sagen für alles, was uns an diesem Tag zuteil wurde oder was wir recht vollbracht haben" (Basilius der Grosse). Auch unserer Erlösung gedenken wir in diesem Gebet, das wir "wie Weihrauch vor dem Herrn" emporsteigen lassen (vgl. Ps 141,2). "Das kann in tieferem Sinn auch von dem Abendopfer verstanden werden, das der Herr und Heiland beim Abendmahl den Aposteln weitergab, als Er die heiligen Mysterien in der Kirche einsetzte, oder von dem, das er am folgenden Tag als Abendopfer, das heisst am Ende der Zeiten, im Erheben Seiner Hände dem Vater zum Heil der ganzen Welt dargebracht hat." (Cassian)

Aufbau der Vesper

  • Einzug
  • Eröffnung
    V: O Gott, komm mir zu Hilfe.
    R: Herr, eile mir zu helfen.
    Ehre sei dem Vater ...
    (Gloria Patri)
  • Hymnus
    Wie bei den Laudes, so stimmt auch in der Vesper der Hymnus auf die Hore ein. Der Hymnus wechselt nach Wochentag oder besonderem liturgischem Gepräge des Tages.
  • Psalmen und Canticum
    In der Vesper werden
Alle drei Lieder werden von Antiphonen umrahmt. Dabei deutet die Antiphon den Psalm im Licht des besonderen liturgischen Gepräges des Tages.
  • Lesung und Responsorium
    Die kurze Lesung aus der Heiligen Schrift wechselt je nach Wochentag, Kirchenjahrzeit oder Fest. Sie soll als echte Verkündigung des Wortes Gottes gelesen werden. Es kann aber auch eine hagiographische Lesung gewählt werden: ein Text eines Kirchenvaters oder Kirchenschriftstellers, der von dem gefeierten Heiligen oder Fest spricht oder darauf angewendet werdne kann.
    Auf die Lesung folgt das Responsorium (Antwortruf), der den Inhalt aufgreift.
  • Homilie (fakultativ)
  • Magnificat
    Das Magnificat, ein Canticum aus dem Neuen Testament, ist der Höhepunkt der Vesper. Das Magnificat hat eine eigene Antiphon.
  • Fürbitten für die Anliegen der Kirche und der Welt
  • Vater unser
  • Schlussoration
  • Entlassung
    Leiten ein Priester oder ein Diakon die Vesper, so erteilen sie den Schlusssegen. Steht ein Laie der Feier vor oder betet ein Einzelner die Vesper, so lautet die Schlussformel:
    V: Der Herr segne uns, er bewahre uns vor Unheil und führe uns zum ewigen Leben.
    R: Amen.
  • Auszug

Rituelle Elemente

Eine entsprechende körperliche Haltung bringt die angemessene innere Haltung des Beters vor Gott zum Ausdruck. So bekreuzigt man sich zur "Eröffnung" mit dem "großen Kreuz". Während des "Ehre sei dem Vater..." verneigt sich der Beter vor dem dreieinen Gott. Der Höhepunkt im "Magnificat" kann durch Verwendung von Weihrauch, mit dem der Altar, anwesende Priester und die Gemeinde inzensiert werden, verdeutlicht werden.

Besondere Vespern

In der Geschichte der Kirchenmusik haben zahlreiche Komponisten Teile der Vesper zu besonderen Anlässen vertont und ihren liturgischen Vollzug in eine besondere Feierlichkeit hineingestellt:

Insbesondere der Text des Magnificat ist vielfach vertont worden und wird auch außerhalb der Liturgie zu Gehör gebracht:

  • Johann Sebastian Bach: Magnificat, (lateinisch) BWV 243, (deutsch) BWV 10.
  • Georg Philipp Telemann: Magnificat, (lateinisch) TWV 9,17; (deutsch) TWV 9,18.
  • Arvo Pärt: Magnificat, (1989).
  • John Rutter: Magnificat (1990); zwei Versionen für Sopran, Chor und großes Orchester oder Kammerorchester und Orgel
  • Helge Jung: Magnificat (1996), (lateinisch) für Sopran, gemischten Chor, vier Posaunen, Orgel und Streicher (1996)
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