Westfälischer Friede

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Der Friedenssaal in Münster.
Das Rathaus in Osnabrück.

Als Westfälischer Friede wird der zwischen dem 15. Mai und dem 24. Oktober 1648 in Münster und Osnabrück geschlossene Friedensvertrag bezeichnet, der den Dreißigjährigen Krieg in Deutschland beendete.

Der Westfälische Friede war ein Kompromissfriede zwischen allen beteiligten Parteien. Die besondere Bedeutung des Friedensschlusses ist die durch Verhandlungen erreichte Einigung und Stabilität in Europa. Dieser Vorgang war für spätere Friedensschlüsse beispielgebend.

Geschichte

Beginn des Dreißigjährigen Krieges war der Prager Fenstersturz von 1618 gewesen. Bereits seit 1637 wurde von den Kriegsparteien eine universale Friedenslösung besprochen. Im Dezember 1641 einigte man sich auf die Verhandlungsteilnehmenden und den Verhandlungsort. 1643 befasste sich der Reichsdeputationshaupttag in Frankfurt mit den Konsequenzen eines Friedensschlusses. Die konkreten Verhandlungen begannen im Juni 1645. Während der Verhandlungen dauerte der Krieg unvermindert an.

Bei der Verkündung des Friedens, in Münster und Osnabrück zugleich, ließ man in beiden Städten die Kirchenglocken läuten und stimmte den Choral Nun danket alle Gott, mit Herzen Mund und Händen an.

Verhandlungen und Ergebnisse

Entsprechend den nach Verhandlungsparteien getrennten Tagungsorten des Friedenskongresses wurden zwei komplementäre Friedensverträge ausgehandelt. Für den Kaiser und Frankreich war dies der Münstersche Friedensvertrag (Instrumentum Pacis Monasteriensis) und für Kaiser die Reichsstände einerseits und die Schweden andererseits der Osnabrücker Friedensvertrag (Instrumentum Pacis Osnabrugensis). Beide Verträge wurden am selben Tag in Münster im Namen von Kaiser Ferdinand III. von Habsburg, König Ludwig XIV. von Frankreich und Königin Christina von Schweden unterzeichnet. Vorausgegangen war ein fünf Jahre währender Friedenskongress aller Kriegsparteien, der zugleich in beiden Städten tagte. Es war der erste internationale Kongress, auf dem nahezu alle großen europäischen Mächte vertreten waren.

Der Westfälische Friede fixierte im Wesentlichen das Ende der Kampfhandlungen und wichtige Grundentscheidungen, war also im heutigen Politikverständnis vor allem ein Waffenstillstandsvertrag. Die friedenschließenden Parteien verpflichteten sich aber dazu, die Einzelheiten für eine vertragliche Friedensordnung dann in einem separaten Friedensexekutionskongress zu verhandeln. Diese dann nochmals über ein Jahr währenden Verhandlungen fanden im darauffolgenden Jahr beginnend, zwischen April 1649 und Juli 1650, in Nürnberg statt. Die Ergebnisse dieser Verhandlungen wurden in zwei Rezessen zusammengefasst: zum einen in dem sogenannten Interims-Rezess, der im September 1649 beschlossen wurde, und zum zweiten als Abschluss in dem Reichs-Friedens-Rezess vom Juli 1650. Die Rezesse enthielten verbindliche Abmachungen zu Abrüstungs- und Entschädigungsfragen, sie können als eigentlicher Friedensvertrag im heutigen Sinne gelten, da sie darauf abzielten, eine stabile neue Friedensordnung zu schaffen. Die Rezesse bestimmten für über hundert Jahre die politische Neuordnung Mitteleuropas nach Ende des Dreißigjährigen Krieges.

In der Religionsfrage bestätigte der Friede den Passauer Vertrag und den Augsburger Religionsfrieden. Beide Konfessionen, die katholische wie die evangelische, wurden nun gleichgestellt. Der Streit über die geistlichen Stifte und Güter wurde unter Aufhebung des Restitutionsedikts von 1629 dahin ausgeglichen, dass 1624 Normaljahr sein und der evangelische und katholische Besitzstand so bleiben oder wiederhergestellt werden sollte, wie er am 1. Januar 1624 gewesen war. Die Territorialhoheit der Reichsstände wurde ausdrücklich anerkannt, ihnen wurde das Recht bestätigt, zu ihrer Erhaltung und Sicherheit untereinander und mit auswärtigen Mächten Bündnisse zu schließen. Diese durften nur nicht gegen Kaiser und Reich gerichtet sein.

Der Friede von Münster, Osnabrück und Nürnberg wurde zum Vorbild für spätere Friedenskonferenzen, da er dem Prinzip der Gleichberechtigung der Staaten, unabhängig von ihrer tatsächlichen Macht, zur Durchsetzung verhalf. Die reichsrechtlichen Regelungen des Friedens von Münster, Osnabrück und Nürnberg wurden zu Bestandteilen der Verfassungsordnung des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation bis zu dessen Ende im Jahr 1806. Zugleich trug der allgemeine Friede – die pax universalis – von Münster und Osnabrück zur gesamteuropäischen Stabilität bei, da sich spätere Friedensschlüsse bis zur Französischen Revolution immer wieder an ihm orientierten.

Literatur (Auswahl)

  • Klaus Bußmann, Heinz Schilling: 1648 – Krieg und Frieden in Europa. Katalogband und zwei Textbände, Münster/Osnabrück 1998, ISBN 3-88789-127-9.
  • Fritz Dickmann: Der Westfälische Frieden. Münster, 7. Auflage. Aschendorff Verlag, Münster 1998, ISBN 3-402-05161-3.
  • Heinz Duchhardt (Hrsg.): Bibliographie zum Westfälischen Frieden. Bearbeitet von Eva Ortlieb und Matthias Schnettger. Münster: Aschendorff, 1996 (Schriftenreihe der Vereinigung zur Erforschung der Neueren Geschichte 26), ISBN 3-402-05677-1.
  • Heinz Duchhardt: Der Westfälische Friede. Diplomatie - politische Zäsur - kulturelles Umfeld - Rezeptionsgeschichte. München 1998, ISBN 3-486-56328-9.
  • Herbert Langer: Das Tagebuch Europas. Sechzehnhundertachtundvierzig, Der Westfälische Friede. Brandenburg. V., Berlin 1994, ISBN 3-89488-070-8.
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