Wort-Gottes-Feier

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Die Wort-Gottes-Feier ist, neben der Tagzeitenliturgie, eine eigenständige Gottesdienstform der katholischen Kirche. Dieser Gottesdienst wird an Sonn- und Feiertagen, Vorabenden zu Hochfesten sowie in der Advents- und Fastenzeit gefeiert, wenn kein Priester für eine Eucharistiefeier zur Verfügung stehen kann. In diesem Falle übernimmt ein Diakon oder ein vom Ortsbischof Beauftragter die Leitung der Wort-Gottes-Feier.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Seit der Zeit der Apostel versammeln sich die Christen am Sonntag, dem "Herrentag" (dies Dominica) genannten Tag der Auferstehung Jesu Christi, um Gottesdienst zu feiern.[1] Es gehört zu den Grundvollzügen der Kirche: Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen. (Mt 18,20 EU) Die Eucharistiefeier, das urkirchliche "Brotbrechen", ist dabei ein unverzichtbarer Bestandteil.

Der Mangel an Priestern führte immer wieder im Lauf der Kirchengeschichte dazu, dass die sonntägliche Eucharistiefeier nicht mehr in jeder Gemeinde gefeiert werden konnte. Auch in der Gegenwart ist dies in zahlreichen Regionen weltweit und auch in Mitteleuropa der Fall. Das Zweite Vatikanische Konzil empfahl die Wort-Gottes-Feier "an den Vorabenden der höheren Feste, an Wochentagen im Advent oder in der Quadragesima sowie an den Sonn- und Feiertagen, besonders da, wo kein Priester zur Verfügung steht; in diesem Fall soll ein Diakon oder ein anderer Beauftragter des Bischofs die Feier leiten", damit "deutlich hervortrete, daß in der Liturgie Ritus und Wort aufs engste miteinander verbunden sind". (SC 35). Durch ihre Gestaltungsvielfalt ist es möglich, Feiern des Kirchenjahres, Feste im Leben der Gläubigen und spezielle Gedenktage liturgisch zu begehen.

Papst Johannes Paul II. schrieb in seiner Enzyklika Ecclesia de eucharistia: Wenn einer Gemeinde der Priester fehlt, sucht man mit Recht nach einer gewissen Abhilfe, damit die sonntäglichen Gottesdienste weiterhin stattfinden. Die Ordensleute und Laien, die ihre Brüder und Schwestern im Gebet leiten, üben in lobenswerter Weise das gemeinsame Priestertum aller Gläubigen, das in der Taufgnade gründet.[2]

Theologischer Grundgedanke

Gottesdienstliches Feiern ist ein dialogisches Geschehen zwischen Gott und den Menschen. Jesus Christus wird im Wort Gottes gegenwärtig und ihm antwortet in der Feier, im Singen und Beten die versammelte Gemeinde. Daher besteht ein Gottesdienst aus vier Teilen:

  • der Eröffnung,
  • der Verkündigung des Wortes Gottes,
  • der Antwort der Gemeinde
  • und dem Abschluss.

Zwei grundlegende Linien sollen deutlich werden: Die absteigende Linie - Gott spricht durch das Wort zum Menschen -, und die aufsteigende Linie - die Antwort der Gemeinde an Gott. Die aufsteigende Linie, die Antwort der Gemeinde, wird in der Feier besonders durch eine Auswahl von Antwortmöglichkeiten betont.

Eine integrierte Kommunion-Feier mit Hostien aus dem Tabernakel ist nicht vorgesehen und nur in bestimmten Fällen gestattet, etwa wenn in einer Gemeinde für die Dauer eines Monats keine heilige Messe gefeiert werden kann.

Ablauf

Eröffnung

Verkündigung des Wortes Gottes

Antwort der Gemeinde

  • [Einladung zur Kommunion und Kommunionspendung]
  • Lob- oder Danklied

Abschluss

Wort-Gottes-Feier und Eucharistiefeier am Sonntag

An dem Tag, der Sonntag genannt wird, kommt die Kirche in Treue zusammen, um vor allem durch die Messfeier (vgl. Sonntagspflicht)[3] der Auferstehung des Herrn und des ganzen Ostermysteriums zu gedenken. Tatsächlich wird "die christliche Gemeinde [...] nur auferbaut, wenn sie Wurzel und Angelpunkt in der Feier der heiligsten Eucharistie hat".[4]

Die christliche Gemeinde soll deshalb am Sonntag, an gebotenen Feiertagen und an anderen höheren Festtagen die Eucharistie feiern. Es ist Aufgabe des Diözesanbischofs, zusammen mit seinem Priesterrat zu entscheiden, ob in seinem Bistum regelmäßig sonntägliche Gemeindegottesdienste ohne die Feier der Eucharistie (z.B. Wort-Gottes-Feiern) stattfinden sollen, und er soll dafür ins einzelne gehende Bestimmungen erlassen.[5] Vorher ist zu überlegen, ob die Gläubigen eine in der Nachbarschaft gelegene Kirche zur Messfeier aufsuchen können oder ob auf Priester (auch Ordensleute) zurückgegriffen werden kann, die nicht direkt in der Seelsorge tätig sind. Auch ist die Messhäufigkeit in den verschiedenen Pfarreien und Kirchen zu überprüfen. "Die Feier der Eucharistie muss Vorrang vor anderen pastoralen Tätigkeiten behalten, vor allem am Sonntag."[6]

"Sonntägliche Feiern dieser Art sind aber immer als ganz und gar außerordentlich zu betrachten. Den Gläubigen muss der Ersatzcharakter derartiger Feiern klar sein.[7] Daher sollen alle, sowohl die Diakone wie auch die christgläubigen Laien, denen vom Diözesanbischof eine Aufgabe in solchen Feiern zugewiesen wird, dafür Sorge tragen, «dass in der Gemeinde ein wahrer 'Hunger' nach der Eucharistie lebendig bleibt. Dieser 'Hunger' soll dazu führen, keine Gelegenheit zur Messfeier zu versäumen.»"[8]

Begleitpublikationen (Auswahl)

Liturgische Bücher

Musikalische Handreichungen

Einzelwerke:

  • Hymnus: Dir gebührt unser Lob. Text: nach Hymnarium Valcidonense 11./12. Jh., Melodie: Michael Heigengruber 2003. In: Benediktinisches Antiphonale 1: Dir gebührt unser Lob. Vier-Türme-Verlag, Münsterschwarzach.
  • Lobpreis: Lobpreis für den Sonntag. Text: Apostolische Konstitutionen 3. Jahrhundert, Melodie: Ludger Stühlmeyer. In: Arbeitshilfen des Referates für Liturgische Bildung des Erzbistums Bamberg, Bamberg 2002.
  • Zeichenhandlung: Herr, mein Beten steige zu dir auf wie Weihrauch. Text: nach Ps. 141,2, Melodie und Satz: Matthias Kreuels. In: Gotteslob Nr. 98.

Sammlungen:

Literatur

Weblinks

siehe: Ökumenischer Gottesdienst, Kommunionspendung und Euchariestieverehrung außerhalb der Messe

Anmerkungen

  1. Vgl. Papst Johannes Paul II., Apostolisches Schreiben Dies domini, v.a. Nrn. 31-51: AAS 90 (1998) 713-766, hier 731-746; Papst Johannes Paul II., Apostolisches Schreiben Novo millennio ineunte (6. Januar 2001), Nr. 35-36: AAS 93 (2001) 290-292; Papst Johannes Paul II., Enzyklika Ecclesia de eucharistia, Nr. 41: AAS 95 (2003) 460-461.
  2. Wort-Gottes-Feier, Werkbuch für die Sonn- und Festtage. Trier 2004, S. 3.
  3. Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung: Instruktion Redemptionis sacramentum, vom 25. März 2004 Nr. 162.
  4. II. Vat. Ökum. Konzil, Dekr. über Dienst und Leben der Priester Presbyterorum ordinis, Nr. 6; vgl. Papst Johannes Paul II., Enzyklika Ecclesia de eucharistia, Nr. 22, 33: AAS 95 (2003) 448, 455-456.
  5. Vgl. Hl. Kongr. für die Riten, Instruktion Eucharisticum mysterium, Nr. 24: AAS 59 (1967) 555-556; Kongregation für den Gottesdienst Direktorium "Sonntäglicher Gemeindegottesdienst ohne Priester" Christi ecclesia (2. Juni 1988), Nrn. 5 u. 25: Notitiae 24 (1988) 366-378, hier 367, 372.
  6. Vgl. Kongregation für den Gottesdienst Direktorium «Sonntäglicher Gemeindegottesdienst ohne Priester» Christi ecclesia, Nr. 18.25: Notitiae 18.25 (1988) 370. Das Direktorium "Sonntäglicher Gemeindegottesdienst ohne Priester" benennt in den in den Nummern 18-34 die allgemeinen Bestimmungen für Sonntagsgottesdienste bei Abwesenheit eines Priesters.
  7. "damit sie sie nicht für eine optimale Lösung der heutigen Schwierigkeiten oder für ein Zugeständnis an die Bequemlichkeit halten", Direktorium "Sonntäglicher Gemeindegottesdienst ohne Priester", Nr. 21.
  8. Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung: Instruktion Redemptionis sacramentum, vom 25. März 2004 Nr. 164, mit Zitat von Papst Johannes Paul II., Enzyklika Ecclesia de eucharistia Nr. 33; Direktorium "Sonntäglicher Gemeindegottesdienst ohne Priester", Nr. 21.
  9. Website des DLI
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