Yoga

Aus Kathpedia
Wechseln zu: Navigation, Suche

Yoga (sankrit.=Anspannung, Übung, Hingabe, Konzentration des Denkens) ist eine indische philosophische Lehre, die aus von uralten Schriften, den sog. Veden ab ca. 1500 v.Chr. überliefert ist und im 9. Jh.n.Chr. von Shankara überarbeitet wurde. Mit Hilfe von Askese, körperlichen Übungen, Atemtechniken und Meditationen soll die menschliche Seele von allem Irdischen befreit werden und als Mittel zur erlösenden Erleuchtung dienen. Yoga ist seinem Wesen nach Selbsterlösung.

Da Yoga ursprünglich aus Indien stammt, liegen die Wurzeln der Yoga-Philosophie ab dem 6.Jh.v.Chr. im Hinduismus und Teilen des Buddhismus. Das Individuum wird hier als ein Reisender im Wagen des materiellen Körpers gesehen. Der Wagen ist der Körper, der Kutscher der Verstand, die fünf Pferde die fünf Sinnesorgane, der Fahrgast die Seele, und das Geschirr heißt im Indischen „Yoga“.

Yogaübung in der Gruppe

Inhaltsverzeichnis

Erlösende und erleuchtende Befreiung (Moksha)

Die angestrebte Befreiung hat eine doppelte Bedeutung. Es ist damit einerseits der jeweilige individuelle Mensch (a), der sich von der Verstrickung ins Materielle zu befreien hat, gemeint, anderseits den Kreislauf der Wiedergeburten (b), auch Seelenwanderung genannt.

a) Unentbehrliche Vorraussetzung für die mystische Versenkung des einzelnen Menschen ist die vollständige Beherrschung der Sinne und der physiologischen Prozesse, als auch die Zügelung des psychischen Lebens. Die Hilfe von Askese, körperlichen Übungen, Atemtechniken sollen die menschliche Seele von allem Irdischen befreien.

b) Die zweite Bedeutung ist, dass die ungeläuterte Seele des Menschen nach alter hinduistischer Auffassung unter dem Zwang ihres "Karma", ihres früheren Wirkens, immer wieder in einen Mutterschoß eintreten muss, um aus diesem geboren zu werden. Erst wenn es ihr gelingt, sich aus eigener Kraft zu läutern, erreicht sie die Erlösung und damit die Befreiung von jeglicher Wiederverkörperung (Reinkarnation). Die Erlösung bedeutet gleichzeitig auch die Erkenntnis, dass die Einzelseele[1] letztlich identisch sei mit der Weltseele (Brahman). Dem indischen Yoga liegt demnach die Auffassung zugrunde, dass jede Seele ihrer Natur und ihrer Substanz nach im tiefsten eins sei mit dem Göttlichen (vgl. Pantheismus).

Weg zur erleuchtenden Befreiung

Auf welchem Weg meint man nun durch Yoga den Gott in sich zu finden, das Ur-Ich, das Göttliche im Menschen, das sozusagen nur gefangen ist, zu befreien?[2]

Die klassischen indischen Schriften beschreiben vier Yogawege:

  • Jnana Yoga (Yoga der Erkenntnis, intellektuelle Richtung)
  • Karma-Yoga (Yoga der Tat, des selbstlosen Handelns)
  • Bhakti Yoga (Yoga der Verehrung/Hingabe an Gott oder eine Ishta devata)
  • Raja Yoga nennen sich die meditativ orientierten Stufen des Achtgliedrigen Yoga nach Patanjali (auch Ashtanga Yoga genannt: „Ashta“ = acht, „Anga“ = Teile)

Die Yoga-Praktiken haben seit ihren Anfängen im alten Indien mit Magie und okkulten Kräften zu tun. Die traditionellen Yogalehrbücher versprechen dem Schüler übernatürliche Kräfte (Siddhis) als Begleiterscheinungen des Fortschritts auf diesen Wegen. [3]

Der Raja-Yoga

Im Jahr 150 n. Chr. erklärte der Yogi Patanjali acht Wege (Raja-Yoga), die durch Yogaübungen von Unwissenheit[4] zur Erleuchtung führen – die acht Wege sind wie eine Treppe. Die ersten vier Stufen sind eigentlich nur Vorbereitungen auf die Stufen 5-8. Es sind:
1) Selbstbeherrschung, moralische Zucht (yama),
2) körperliche und geistige Läuterung (niyama),
3) Haltungen, körperlichen Übungen, Meditation der Bewegung (asana),
4) Beherrschung des Atmens (pranayama),
5) Beherrschung der Sinne, Abwendung des Sinnesorgane von den Objekten (pratyahara),
6) Konzentration, Fokussieren, Festlegung des Bewusstseins auf einem bestimmte Gegenstand (dharana),
7) tiefe Kontemplation, Meditation in der ausschliesslich dieser Gegenstand erfüllt (dhyana),
8) Erleuchtung, eigentliche Versenkung, bei der auch diese Vorstellung ausgeschaltet wird und der Meditierende in völlige Bewusstlosigkeit versinkt. Es ist der Einklang zwischen Selbst und universellem Bewusstsein (samadhi).

Der Weg ist also, sich selbst ganz zu entleeren wozu auch die körperlichen Übungen (Asanas) helfen -, um sich so den Kräften des Universums aufzuschließen. Dann wird sich der Mensch mit der Kraftquelle, die überall im Universum sei, vereinen können. So soll er selbst zum Gott werden[5], d. h. er soll sich zu seinem ureigenen makellosen, unschuldigen Zustand aufschwingen und zu einem Übermenschen werden. Damit erreicht er - so behauptet man - das angestrebte Ziel: Glückseligkeit, volle Harmonie, die höchste Bewußtseinsstufe, die ins göttliche Sein führt.

Obwohl die Motivation beim Yoga eigentlich darin besteht, spirituelle Ziele zu verfolgen und zur Erleuchtung zu finden, gilt dies in Europa und Nordamerika nur bedingt.

Der Hatha-Yoga (Yoga der Anstrengung)

Der westliche Sprachgebrauch fasst eher körperbetonte Yoga-Praktiken (Stufen 1-4 des 8-gliedrigem Yoga) unter dem Oberbegriff "Hatha Yoga" zusammen. Die gelehrten Übungen oder Techniken, sollen vor allem den Körper kräftigen, die Gelenke elastisch erhalten, die Organe entschlacken, die Nerven beruhigen und somit dem Menschen helfen, ein harmonisches Leben zu führen. Auch dieser "harmlose" Hatha-Yoga, ist eine Vorbereitung für den "königlichen Weg" des Raja-Yoga, denn gewisse Aspekte der hinduistischen Denkweise müssen auch beim Hatha-Yoga akzeptiert werden. Die scheinbaren Gymnastikübungen sind geistig gesteuert, haben geistige Auswirkungen. Das wird schon deutlich an ihren Namen wie der "Sitz des Vollendeten", "die heroische Stellung", "der Lotos-Sitz" usw. Es werden dabei auch nicht nur bestimmte Körperteile und Glieder aktiviert, sondern hat Auswirkung auf innere Organe und Drüsen und andererseits auf gewisse Nervenzentren.

Die Stufen 1-4 werden auch oft für sich allein praktiziert. Es ist bemerkenswert, dass Haltungen und Atemübungen, die im Westen oft als das ganze Yoga angesehen werden, die Stufen 3 und 4 auf dem Weg zur Vereinigung mit Brahman sind! Yoga ist deshalb nicht nur ein umfangreiches System von physischen Übungen. Es ist eine geistige Disziplin, die vorgibt, die Seele zur samadhi, zur vollkommenen Einheit mit dem göttlichen Wesen zu führen.

Der Mantra-Yoga und die Transzendentale Meditation

Andere Schulen bevorzugen mehr meditative Techniken, z. B. der Mantra-Yoga. Mantras sind magische Silben oder Zauberformeln. Der Mensch tritt hier nicht mehr demütig seinem Schöpfer gegenüber, sondern er versucht, mittels des Mantra, seine verborgene Identität mit Gott - und zwar mit einer heidnischen Gottheit - zu verwirklichen.

Die verbreitete Transzendentale Meditation des Maharishl Mahesh Yogi arbeitet hauptsächlich mit Mantras. Der Maharishi sagt zwar seinen Schülern, dass seine Mantras hinduistischen Ursprungs sind, aber er sagt ihnen nichts über die Mächte, d. h. über die hinduistischen Gottheiten, für die sie stehen. In den Schriften seiner Anhänger wird hingegen immer wieder behauptet, es handle sich bei den Mantras nur um "physikalische Schwingungen". Doch das sind Erklärungen, die den wahren Sachverhalt verschleiern sollen. Auf diese Weise wird eine magisch-religiöse Technik heidnischen Ursprungs umgedeutet in eine "Wissenschaft der schöpferischen Intelligenz". Der Neuling merkt hier nicht, dass die Aufnahme in diese Gemeinschaft ein religiöses Bekenntnis zur hinduistischen Tradition ist.

Laya- und Kundalini Yoga

Der im Tantrismus entwickelte Layayoga, "Yoga der Auflösung", basiert auf einer Physiologie, nach welcher auf den das Sexualorgan und Scheitel verbindenden Adern sieben Energiezentren (chakren) sich befinden, die zum Teil den kosmischen Elementen[6] entsprechen, deren höchstes aber, das unter der Schädeldecke sich befindende sahasrāra, "Lotus von 1000 Blättern", dem "Sitz des Shiva" oder einfach "Kronenchakra" entspricht. Die Übungen dienen dazu, die im untersten Zentrum "schlafende" Kraft, die so genannte Schlange ("kundalini"; vgl. Gen 3,1-15 EU), zu wecken und durch die Adern bis zum sahasrāra (von unten nach oben!) zu führen. Dieses Endergebnis wird als Vereinigung der Shakti (Urenergie) mit Shiva (reinem göttlichen Bewusstsein) ausgelegt. So phantastisch auch diese Physiologie erscheint, vermögen die Yogis mit ihrer Hilfe erstaunliche Körperbeherrschung zu erlangen. Die Chakren scheinen den Plexusgeweben des vegetativen Nervensystems zu entsprechen, das die indischen Yogins von ihrem Willen abhängig zu machen vermögen.[7]

Yoga - Lehrer

Einige westliche Yogalehrer sind Schüler von Hindu-Gurus (Lehrer, Meister) und von diesen beeinflusst, in Deutschland besonders von Swami Sivananda und dessen Nachfolgern."Swami" ist ein hinduistischer religiöser Titel, der vereinfacht „Herr“ bedeutet und üblicherweise angesehenen Männern beigegeben wird. Der Titel zeigt an, dass jemand in einem religiösen oder spirituellen Bereich als gelehrt gilt und 'hochgeachtet' wird. Viele Yogis und Gurus trugen diesen Titel, beispielsweise Swami Vivekananda (siehe unten). Es handelt sich hier um Gurus, die meist auch in Indien Schüler haben, und in Europa missionieren wollen. Es gibt in Deutschland schon sehr lange Ashrams (=klosterähnliches Meditationszentrum), welche die religiösen Bedürfnisse derjenigen befriedigen, die sich im Hinduismus mehr zu Hause fühlen.

Gleichwohl sind auch hier nicht alle dieser Lehrer ehrbar: Mircea Eliade, ein Kenner des Yoga, schreibt: "Ein Yogi galt in Indien immer als Mahasiddha, als Inhaber okkulter Kräfte, als Zauberer." Zu diesen Fähigkeiten gehören die "Kraft, jedes beliebige Objekt in jeder Entfernung zu erreichen, unwiderstehlicher Wille, Herrschaft über die Elemente und Erfüllung der Wünsche" .[8]. Andere Autoren sprechen von Fakirismus und Lehrern, denen es nur ums Geld geht. Ein weiterer Zweig ist die in Deutschland bekannte Osho-Bewegung, die auf den indischen Philosophen Bhaghwan Shree Rajneesh gründet und der neue Formen des Yoga mitbrachte, welche Kräfte freisetzen die für Praktizierende gefährlich sein können. Auskunft zu solchen Bewegungen gibt die jeweilige Sekten-Informationsstelle des Landes [9]

Yoga im Westen

Yoga gibt es im westlichen Abendland schon seit Anfang des 20. Jahrhunderts. Gegenstand von Interessen und der breiteren Öffentlichkeit bekannt wurde er seit dem Weltparlament der Religionen (1893) bei der Swami Vivekananda seine vielbeachtete und historisch bedeutende Rede zum interreligiösen Dialog hielt [10]. Seither wurde immer wieder versucht die Yoga-Philosophie, die am ehesten dem Hinduismus verbunden ist, westlichen Bedürfnissen anzupassen. Diese Bedürfnisse waren nicht immer religiöser Art, denn bis zu diesem Zeitpunkt waren auch die asiatischen Gymnastikübungen mit ihren langsamen und bewussten Bewegungen und Haltungen weitgehend unbekannt. Da der Yoga eng mit der vedischen Philosophie verbunden ist, standen die Gurus und Swamis, die ihn vermitteln sollten, von Anfang an vor einem Kulturproblem. Dazu kommt, dass nur ein kleiner Teil der recht anspruchsvollen Übungen vom Abendländer überhaupt ausgeführt werden kann.

Der Yoga im Westen ist deshalb eine abgeänderte Form des ursprünglichen philosophischen Systems in Indien. Der heute am Weitesten verbreitete Yoga ist hier Hatha-Yoga, bei dem der Ausübung der Asanas (Haltungen, die sorgfältig eingenommen werden müssen) und Pranayamas (damit verbundene Atemübungen) die meiste Zeit gewidmet wird. Viele Menschen sehen Yoga als Möglichkeit, Stress abzubauen. Dies gelingt auch, weil Hatha-Joga beruhigend, ausgleichend und zentrierend wirkt. Die medizinischen Wirkungen von Hatha-Yoga sind heute nicht zuletzt durch Joga-treibende Ärzte umfassend belegt[11] .

Obwohl die Bezeichnung „Joga-Lehrer“ nicht beruflich geschützt ist hat sich im Laufe der Jahrzehnte ein Ethos herausgebildet, wie er beispielsweise in den Richtlinien des BDY (Berufsverband der Yoga-Lehrenden) niedergelegt ist. Die Mitglieder vermitteln bewährte, gesundheitswirksame Methoden und Übungsweisen des Yoga in voller Anerkennung der geistigen und konfessionellen Freiheit. Sie erkennen wir den Wert aller Menschen an, unabhängig von Geschlecht, ethnischem Ursprung, politischer oder religiöser Überzeugung. Das Ethos genügt christlichen Anforderungen, weil es aus der abendländischen Kultur hervorgegangen ist, räumt aber auch Anhängern anderer Religionen und Weltanschauungen einen Platz ein[12].

Power-Yoga

Power Yoga ist eine Form aus dem Fitnessbereich, eine dynamische und kraftvoIIe Art des Yoga, welche eine verbesserte Körperwahrnehmung und KörperkontroIIe erzielt, Kraft und FIexibiIität trainiert, das Abschalten vom Alltagsstress und den Abtransport von Giftstoffen aus dem Körper fördert. "Power Yoga" wird auch als "Tanz auf dem Atem" bezeichnet, da die gleichmässig fliessende Atmung mit den Übungsabfolgen einhergeht bzw. eines das andere bedingt. Die einzeInen Asanas (Haltungen) werden dabei dynamisch miteinander verbunden. Religiöse Inhalte werden nicht vermittelt und dieser Yoga hat mit der ursprünglichen Zielsetzung so wenig zu tun, dass man sich fragen kann ob nicht andere Gymnastikformen besser geeignet sind. Dennoch kann es durchaus eine Alternative oder Ergänzung zu anderen Sportarten sein[13].

Bei diesen Formen des Yoga aber auch bei allen anderen Fitness- und Sportaktivitäten, die auf Verbesserung der gesundheitlichen Leistung und Steigerung des persönlichen Wohlbefindens ausgerichtet sind, muss immer bedacht werden, dass es sich um einen Akt der Körperpflege und nicht um einen Körperkult handelt. In einem Fitnessstudio treffen sich alle Arten von Menschen wegen eines gemeinsamen Ziels. Wer aber meint, er könne mit körperlichen Übungen über die eigene Gesundheit hinaus etwas zu seinem Heil beitragen oder menschlich gesehen attraktiver werden als er schon ist sollte sich fragen, ob seine Ziele im Einklang mit der christlichen Lehre stehen. In der Regel genügen je nach Sportart zweimal 60-90 min. pro Woche, um die Gesundheit zu erhalten. Darüber hinaus braucht es schon Gründe für sportliche Betätigung, die sich leider allzu oft als falscher Ehrgeiz herausstellen und so das Training dem Menschen eher schadet als nutzt.

Basilea Schlink schreibt, dass von einer Befreiung der Seele aus dem Kreislauf der Wiedergeburten ist in den westlichen Yoga-Schulen selten die Rede sei, dafür aber um so mehr vom irdischen Erfolg. Diese Umdeutung des Yoga im Westen habe zur Folge, dass er irrtümlich für eine Art Sport oder Gymnastik gehalten werde. Die Yogaübungen verfolgten im Westen zumeist einen ganzheitlichen Ansatz, der Körper, Geist und Seele in Einklang bringen soll. Es werde meist nicht bedacht, dass die einströmenden Kräfte des Universums, die im Menschen sich vollziehen sollen, "keine "neutralen" Kräfte seien , wie manche meinen und darum harmlos an Yoga herangehen. Hinter jeder einströmenden Kraft steht vielmehr eine geistige Persönlichkeit, eine Gottheit. Doch es ist die Frage welche?"[14]

Die katholische Position differenziert hier klar zwischen Yoga als Weltanschauung oder Religion und Yoga als Gymnastik. Ebenso differenziert sie klar zwischen Meditation, Kontemplation und Gebet. Sie geht davon aus, dass der Mensch in seinen Entscheidungen frei ist weil Gott frei ist[15] und wendet sich gegen jede Personalisierung von Energien und Instanzen als Götzendienst. Sie bietet daher in eigens dafür gegründeten Zentren selbst Kurse in Yoga und Meditation an, weil sie um die positiven Wirkungen weiss und Gläubigen ein Angebot machen will, in einer geschützten Umgebung ihren Glauben anders zu erfahren. Ziel dieser Formen ist ein Hinführung zu Christus auf dem Wege der Mystik.[16] [17]

Was sagt die Kirche zu Yoga?

a) Die Dogmatische Konstitution über die Kirche: "Lumen gentium" (8 [12ff.] vom 21. November 1964) könnte weitläufig zur Befürwortung herangezogen werden. Sie sagt: "Diese Kirche, in dieser Welt als Gesellschaft verfaßt und geordnet, ist verwirklicht in der katholischen Kirche, die vom Nachfolger Petri und von den Bischöfen in Gemeinschaft mit ihm geleitet wird. Das schließt nicht aus, dass außerhalb ihres Gefüges vielfältige Elemente der Heiligung und der Wahrheit zu finden sind, die als der Kirche Christi eigene Gaben auf die katholische Einheit hindrängen. Wie aber Christus das Werk der Erlösung in Armut und Verfolgung vollbrachte, so ist auch die Kirche berufen, den gleichen Weg einzuschlagen, um die Heilsfrucht den Menschen mitzuteilen."

b) Die Erklärung "Nostra aetate" vom 28. Oktober 1965 ist das von der Kirche am häufigsten herangezogene Dokument über das Verhältnis zu den nichtchristlichen Religionen. Unter Punkt 2 heißt es: "So sind auch die übrigen in der ganzen Welt verbreiteten Religionen bemüht, der Unruhe des menschlichen Herzens auf verschiedene Weise zu begegnen, indem sie Wege weisen: Lehren und Lebensregeln sowie auch heilige Riten. Die katholische Kirche lehnt nichts von alledem ab, was in diesen Religionen wahr und heilig ist. Mit aufrichtigem Ernst betrachtet sie jene Handlungs- und Lebensweisen, jene Vorschriften und Lehren, die zwar in manchem von dem abweichen, was sie selber für wahr hält und lehrt, doch nicht selten einen Strahl jener Wahrheit erkennen lassen, die alle Menschen erleuchtet."

c) Das Schreiben Orationis formas[18] an die Bischöfe der Katholischen Kirche über einige Aspekte der christlichen Meditation, vergleicht christliche und nichtchristliche Meditationsformen ("östliche Methoden"), darunter das Yoga[19]. Sie schreibt in Nr. 12: "Bei der heutigen Verbreitung östlicher Meditationsformen im Raum des Christentums und in kirchlichen Gemeinschaften erleben wir erneut den ernsthaften Versuch, die christliche Meditation mit der nichtchristlichen zu verschmelzen, was nicht ohne Risiken und Irrtümer abgeht." Und in Nr. 3 beschreibt sie das christliche Gebet: "Christliches Gebet ist damit immer zugleich echt persönlich und gemeinschaftsbezogen. Es meidet unpersönliche oder auf das Ich konzentrierte Techniken, die automatische Abläufe hervorbringen, bei denen der Betende in einem rein innerlichen Spiritualismus gefangen bleibt und zum freien Sich-Öffnen für den transzendenten Gott unfähig wird."

d) Der Päpstliche Rat für die Kultur und der Päpstliche Rates für den Interreligiösen Dialog veröffentlichte im Jahre 2003 eine Studie in der es von New Age heißt: "Einige der Traditionen, die in New Age zusammenfließen, sind: altägyptische okkulte Praktiken, die Kabbalah, frühchristlicher Gnostizismus, Sufismus, das Wissen der Druiden, keltisches Christentum, mittelalterliche Alchimie, der Hermetizismus der Renaissance, Zen-Buddhismus, Yoga und so weiter." "Neu" an New Age ist ein "Synkretismus esoterischer und säkularer Elemente".[20]

e) Im Youcat (2005), dem Jugendkatechismus, steht in Nr. 356: "Viele machen heute aus gesundheitlichen Gründen Yoga, sie nehmen an Meditationskursen teil, um still und gesammelt zu werden oder sie belegen Tanzworkshops, um eine neue Körpererfahrung zu machen. Nicht immer sind diese Techniken harmlos. Manchmal sind sie Vehikel für eine dem Christentum fremde Lehre: die Esoterik. ... Schon im alten Israel wurden die Götter- und Geisterglaube der umliegenden Völker enttarnt. Gott allein ist der Herr; es gibt keinen Gott außer ihm. Es gibt auch keine (Zauber)technik, mit der man ... sich selbst erlösen kann." Dabei wird auf den Katechismus der Katholischen Kirche Nr. 2110-2118 verwiesen, auf das erste Gebot: "Du sollst neben mir keine anderen Götter haben". Diese Nummern handeln von Aberglaube, Götzendienst, Wahrsagerei, Magie und Verfehlungen gegen die Gottesverehrung.

Konklusion

Die Vermischung von Praktiken des Yoga mit christlichen Elementen ist Esoterik (eine "Patchwork-Religion") und religiöser Synkretismus. Christus ist gekommen uns zu erlösen (vgl. Mt 1,21 EU). Eine angestrebte Erleuchtung im Yoga ist nicht mit der Erlösung durch Christus im Christentum vergleichbar. Deshalb ist es auch sekundär, dass diese Erleuchtung gnadenhaft gegeben wird. Dass Problem liegt eher in der Auffassung, der Mensch könnte oder müsste zur Verwirklichung seines Seelenheils irgend etwas dazutun. Diese Form von "Selbstverwirklichung" zielt auf eine Selbsterlösung und nicht auf die Verwirklichung des Reiches Gottes beim Offenbarwerden Christi. Aus christlicher Perspektive ist es ein Egozentrismus, auch wenn die Swamis und Rishis beteuern, dass sie anderen Menschen mit ihrem Beispiel viel Gutes tun. Christen werden durch die Taufe in den Leib Christi eingegliedert und werden dadurch der Vergebung der Sünden teilhaftig, die im Hinduismus/Buddhismus als schlechte Taten Ursache schlechten Karmas und ständiger Wiedergeburten sind. An diesem und anderen Punkten kommt die Vedanta-Philosophie mit dem Evangelium Christi nicht zusammen.[21]

Die westlichen Formen des Yoga zielen heute meist auf medizinische Wirkungen ab und wollen religiös und weltanschaulich neutral sein. Hier ist darauf zu achten, wer die Kurse hält und ob diese missionarischen Charakter haben. Sogar wenn dies der Fall ist, so ist das oft nicht böse Absicht, sondern man muss den Trainer fragen, ob sein System mit dem christlichen Glauben kompatibel ist. Seriöse Yogalehrer sind diese Frage gewohnt und geben meist schon am Anfang bereitwillig Auskunft darüber. Ein wichtiger Hinweis sind die Namen der Übungen. Werden traditionelle Namen verwendet, so ist die Bedeutung zu erfragen und es versteht sich von selbst, dass so etwas wie "Die Verneigung vor Kali" nicht geht. Kommt der Lehrer aus Indien, so muss man wissen, dass der Hinduismus allumfassend ist und einige Hindus deshalb Jesus Christus und sogar Maria verehren. Dies entspricht aber nicht dem christlichen Weltbild und man sollte hier fragen, damit es keine Missverständnisse gibt. Wer sicher gehen will und Yoga im Kontext christlicher Meditation mit Gleichgesinnten betreiben möchte, wende sich an die katholischen Bildungsinstitute.

Literatur

Weblinks

Anmerkungen

  1. "Atman": unpersönlich, unindividuell, alterlos und unsterblich
  2. "Jesus sagte zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich." Joh 14,6 EU
  3. weiter: Mircea Eliade, der bedeutende Kenner des Yoga, schreibt: "Ein Yogi galt in Indien immer als Mahasiddha, als Inhaber okkulter Kräfte, als Zauberer." Zu diesen Fähigkeiten gehören die "Kraft, jedes beliebige Objekt in jeder Entfernung zu erreichen, unwiderstehlicher Wille, Herrschaft über die Elemente und Erfüllung der Wünsche". aus: Basilea Schlink: Christen und die Yoga Frage, Verlag Evangelische Marienschwesternschaft, Darmstadt-Eberstadt 1975, Seite 9: sie zitiert nach Mircea Eliade, Yoga, Unsterblichkeit und Freiheit , S. 97.
  4. Man könnte sagen: Es gibt keine Sünde; es gibt nur unvollkommene Erkenntnis. vgl. 3. Februar 2003 Päpstlicher Rat für die Kultur und Päpstlicher Rat für den interreligiösen Dialog: "Jesus Christus, der Spender lebendigen Wassers." Überlegungen zu New Age aus christlicher Sicht.
  5. Der Wunsch, Gott zu werden ist die erste und die zweite Sünde in der Schöpfungsgeschichte, wie sie chronologisch in der Bibel dargestellt wird: „Du aber hattest in deinem Herzen gedacht: Ich ersteige den Himmel; dort oben stelle ich meinen Thron auf, über den Sternen Gottes; auf den Berg der (Götter)Versammlung setze ich mich, im äußersten Norden. Ich steige weit über die Wolken hinauf, um dem Höchsten zu gleichen.“ (Jes 14, 13-14 EU). Die Schlange sagte zur Frau: „Nein, ihr werdet nicht sterben. Gott weiß vielmehr: Sobald ihr davon esst, gehen euch die Augen auf; ihr werdet wie Gott und erkennt Gut und Böse.“ (Gen 3,4-5 EU).
  6. In der indischen Heilkunde Ayurveda gibt es fünf Elemente: zusätzlich den Äther
  7. Lexikon für Theologie und Kirche, 2. Auflage, Band 10, Stichwort Yoga, Spalte 1290
  8. zitiert nach Mircea Eliade: "Yoga, Unsterblichkeit und Freiheit" , S. 97
  9. https://www.weltanschauungsfragen.de/beratung/sektenberatungsstellen
  10. Lüddeckens, Dorothea: Das Weltparlament der Religionen von 1893. Strukturen interreligiöser Begegnung im 19. Jahrhundert. de Gruyter, Berlin 2002, ISBN 3-11-017256-9
  11. Dietmar Mitzinger: Yoga in Prävention und Therapie-Ein Manual für Yogalehrer, Therapeuten und Trainer, Deutscher Ärzte Verlag 2013, 2. erweiterte Auflage, ISBN 978-3-7691-0625-1
  12. http://www.yoga.de/bdy-berufsverband/berufsethische-richtlinien/
  13. Power Yoga for Dummies Verlag: Wiley-Vch Dummie2008 ISBN-13: 9783527704514; ISBN-10: 3527704515 Best.Nr.: 23597
  14. Basilea Schlink: Christen und die Yoga Frage, Verlag Evangelische Marienschwesternschaft, Darmstadt-Eberstadt 1975, S. 8.
  15. http://www.vatican.va/archive/hist_councils/ii_vatican_council/documents/vat-ii_decl_19651207_dignitatis-humanae_ge.html
  16. https://meditationszentrum.bistumlimburg.de/zentrum/wir-stellen-uns-vor.html
  17. http://www.sanktmichael.de/yoga.html
  18. 15. Oktober 1989 Kongregation für die Glaubenslehre: Schreiben Orationis formas an die Bischöfe der Katholischen Kirche über einige Aspekte der christlichen Meditation (AAS 82 (1990) 362-379).
  19. und Zen: die entsprechende japanische Lehre, die aus dem Buddhismus kommt.
  20. 3. Februar 2003 Päpstlicher Rat für die Kultur und Päpstlicher Rat für den interreligiösen Dialog: "Jesus Christus, der Spender lebendigen Wassers." Überlegungen zu New Age aus christlicher Sicht.
  21. http://wiki.yoga-vidya.de/Yoga_und_Christentum
Meine Werkzeuge