Zivilisation

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Zivilisation begegnet in der deutschen Sprache des 17. Jahrhunderts zunächst als Adj. zivil (bürgerlich, von lat. civis, der Bürger) abgeleitet. Damit ist zunächst eine Abgrenzung vom Militärbereich in der Staatsverwaltung gemeint ("zivile Behörden"). Er bezeichnet auch die durch Fortschritt von Wissenschaft und Technik geschaffenen modernen Lebensbedingungen.

Im 18. Jahrhundert konzentrierte man in Frankreich die Idee der Zivilisation als Gegensatz zum Begriff "Barbarei". So konnten nichteuropäische Gesellschaften (mitunter bereits jenseits des Rheins lokalisiert) als unzivilisiert charakterisiert werden. In den romanischen und angelsächsischen Sprachen werden die Begriffe "Kultur" und "Zivilisation" ebenfalls abweichend vom deutschen Sprachgebrauch in einem umfassenderen Sinn angewendet. Die Historiker verstehen, dem folgend, unter Kultur je großräumige und langlebige Gebilde, die eine große Prägekraft entwickeln, obwohl sie häufig eine Vielzahl von Erscheinungsformen und Entwicklungsstufen aufweisen.

Eine heutige Definition von Zivilisation sieht Staaten einer Zivilisation durch eine gemeinsame Weltanschauung. Kultur wird in diesem Zusammenhang definiert als eine lokal begrenzte, Sinnstiftung durch gemeinsame Werte und Normen. Im Anschluss an den Sozialwissenschaftler Norbert Elias und dessen Theorie über den "Prozess der Zivilisation" wird der Begriff auch im Sinne von "Zivilisierung" verwendet.

Christlicher Begriff

Aus Sicht der Kirche ist Zivilisation in einem menschenwürdigen Sinn erst im Licht des Evangeliums möglich geworden. Die eben genannte soziologische Schule billigt auch zu, dass der Prozess der Zivilisierung nicht unabhängig vom Christentum und seiner "Aufklärung" heidnischer Religion (Ahnenkult, Menschenopfer, Sklaverei, moralische Indifferenz) gedacht werden kann. Den Forschungen von René Girard zufolge hat allein das Christentum die Fähigkeit besessen, gewalttätige Exzesse in den Kulturen zu durchbrechen. Diese These scheint dadurch bestätigt zu werden, dass der Verlust der religiösen Mitte seit dem 18. Jahrhundert die Menschheit in die quantitativ und qualitativ barbarischsten Gewaltausbrüche seit Menschengedenken gestürzt hat. Das Pontifikat Papst Johannes Paul II. intensivierte daher die Neu-Verkündung der Osterbotschaft, die zu einer Zivilisation der Liebe aufruft.

Weblink

Vermutlich weil dies sein 55. Geburtstag war, zitierte Johannes Paul II. als Referenz in Dives in misericordia Nr. 14 Fn. 125 (und öfter) lieber (vielleicht davon ablenkend) das sinngleiche Schlusswort Paul VI. zum Hl. Jahr 1975; Insegnamenti di Paolo VI. Bd. XIII (1975), S. 1568.

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