Matthias Joseph Scheeben: Der Heilige Geist

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Der Heilige Geist
Matthias Joseph Scheeben

Quelle: Matthias Joseph Scheeben: Der Heilige Geist, Scheebens Lehre stilistisch vereinfacht und systematisch zusammengefasst von P. Fr. Fuchs SVD, Petrus Verlag Kirchen/Sieg 1973 (197 Seiten, 3. Auflage).

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VORWORT ZUR 1. AUFLAGE

Matthias lose! Scheeben

war der Theologe des vorigen Jahrhunderts, der auch heute noch Gültigkeit besitzt. Um diesen Satz zu erhärten, wollen wir einige Stellen anführen aus der vorzüglichen Einführung zu der neuen Auflage von Scheebens Werken, 1949-1967, Verlag Herder, Freiburg, die in Gemeinschaft mit mehreren namhaften Gelehr· ten von J osef Höfer, Rom, herausgegeben wurde.

Josef Höfer schreibt unter anderem (Natur und Gnade, S.

V.·XX.):

"Gegenstand der Theologie Scheebens ist Gott als Quell innergöttlichen Lebens, der nach dem Sündenfall in der Menschwerdung in die Schöpfung eintrat, um' sie in Christus zur Teilnahme an seinem Leben zu erheben. Durch diese besondere Ausrichtung auf Gott ... wird Scheebens Theologie in einer, auch hier Albert d. Gr. verwandten Art von Gott her zur ,scientia affectiva', (zu einer ,gemütvollen Wissenschaft') ... Sie spricht nicht unterschiedlich Verstand und Willen an, sondern das ganze Gemüt wird bewegt durch übernatürliche Beschauung des Lebens Gottes (XV).

Scheeben weckt durch existentielle Fragestellungen die innere Besinnung.im betrachtenden Leser und gibt zugleich eine Antwort, die uns in den Lichtschoß Gottes und aus dieser Höhe auf uns Menschen blicken läßt.

Geschöpfliche Eigenständigkeit der Welt und die Herrlichkeit der Übernatur werden klar unterschieden, um die große Wirkungseinheit der Gotteswelt deutlich zu machen, die in, durch und mit Christus Gott verherrlicht und hierin Ziel, Sinn und Würde findet. Diese Schau muß in ernster Arbeit erobert, vertieft und erweitert werden (XVIII).

Scheeben stützt sich in seinen Arbeiten immer auf die Heilige Schrift, auf die Kirchenväter und die Theologen, die seit langem in der Kirche anerkannt sind, so besonders auf den hl. Thomas und den hl. Bonaventura. Von den Vätern zieht er die griechischen vor, was für uns den Vorteil bietet, daß wir überhaupt etwas von ihnen und ihren hehren Gedanken hören". (Herrlichkeiten der göttlichen Gnade S. 2.; vgl. Dogm~tik I. S.

6 XXXI!.)

Scheeben hatte sich einen ganzen Koffer voll von Zitaten griechischer Väter in Rom gesammelt, die er mit nach Köln rtahm und eifrig benutzte. Er hat uns wohl überhaupt die griechischen Väter mit ihren herrlichen Symbolen und Denkmodellen nahegebracht, so daß er in diesem Sinne als ein Vorläufer der Ökumene gelten kann. Gerade in unserem Büchlein finden wir solche Symbole über den Heiligen Geist, die uns nicht mehr aus dem Sinn gehen, wenn wir sie einmal besinnlich betrachtet haben. Wir kommen darauf noch zurück.

Noch ein Wort Höfers für die Priester und Lehrer: "Dem Theologen und Priester vor allem werden die Werke Scheebens eine nie versiegende Quelle einer übernatürlichen, aus der Erkenntnis und Liebe des dreieinigen Gottes entspringende Freude und Erhebung sein. Das commercium zwischen einem tiefen Studium der Theologie, der sacra doctrina, und echter christlicher und priesterlicher Frömmigkeit und Innerlichkeit trägt die Gluten heiliger Liebe zu Jesus Christus und seiner Kirche in das Herz des Priesters, die dann in einer übernatürlich aufgefaßten und befruchteten Seelsorge die Gläubigen ergreifen und erwärmen",

Fügen wir noch Scheebens eigene Worte an (Herrlichkeiten der göttlichen Gnade S. 3): "Der praktische Zweck ist besonders ... die Christen ihres heiligen Glaubens recht froh werden zu lassen. Denn die Schönheit und der ,Stolz des katholischen Glaubens liegt eben darin, daß er uns in den Geheimnissen der Gnade eine unermeßlich hohe Erhebung unserer Natur und eine unaussprechlich innige Vereinigung mit Gott vorführt".

Scheeben konnte die Lehre von der Kirche, den Sakramenten und der Endzeit in seiner Dogmatik nicht mehr in Angriff nehmen.

Dieses Büchlein bemüht sich, in einfacher Sprache die Lehre über den HEILIGEN GEIST, die Scheeben in seinem Lebenswerk niedergelegt hat, darzubieten. Als Unterlage dazu diente:

Matthias J osef Scheeben, Gesammelte Schriften, herausgegeben von Josef Höfer, Rom, VIII Bände, 1949 bis 1967, Verlag Herder, Freiburg.

Schon das Inhaltsverzeichnis der einzelnen Bände zeigt, daß Scheeben an vielen Stellen auf den Heiligen Geist zu sprechen kommt. Zwischendurch hat er aber noch mannigfache kurze

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Hinweise, die man wohl nicht vernachlässigen durfte.

Da Scheeben während seiner ganzen Lehrtätigkeit an der Glaubenslehre gearbeitet hat, bleiben Wiederholungen nicht aus, die man nicht alle berücksichtigen konnte. Aber oft zeigen sich dabei neue Lichtblicke und Beziehungen, derentwegen es der Leser nicht übelnehmen möge, wenn sich manche Gedanken wiederholen. Dazu kommt, daß der große Theologe das Wirken des Heiligen Geistes nach außen immer wieder aus den Geheimnissen der Heiligsten Dreifaltigkeit erklärt und deutet.

Da wir hier keine Wissenschaft betreiben wollen, sondern den "süßen Gast unserer Seele" besser kennenlernen wollen, um ihn inniger zu lieben, sind Streitfragen im Text nicht berührt, aber nach bestem Können die Gedanken Scheebens rein und unverfälscht wiedergegeben worden. Die Überschriften der einzelnen Abschnitte sind vom Bearbeiter formuliert.

Zu den Mysterien ist zu bemerken, daß sie, obwohl sie Scheebens erstes Werk sind, doch auch seine Meinung im Alter aussprechen, da Höfer das Manuskript aufgefunden hat, das für eine neue Auflage der Mysterien fertig verbessert war. Es kam aber nicht zu dieser Ausgabe, da Scheeben inzwischen starb. Diese Verbesserungen hat Höfer in die "Gesammelten Schriften" mit eingearbeitet. (Einen Auszug der Mysterien hat der Bearbeiter früher schon herausgegeben: "Matthias J osef Scheeben, Die Mysterien des Christentums, zusammenfassend rur weitere Kreise", dargestellt von Friedrich Fuchs SVD, Steyler Verlagsbuchhandlung. Er wurde ins Französische, Italienische und Spanische übersetzt.)

Bei VätersteIlen, die Scheeben anführt, wurden die Fundorte nicht angegeben, da sie den Rahmen des Bü€hleins gesprengt hätten. Sie sind im Originaltext zu finden.

Der Stil der Darlegungen wechselt öfter, weil Scheeben für verschiedene Leser geschrieben und durch ca. 28 Jahre an seinen Werken gearbeitet hat. Sein Werk besteht aus ca. 4000 Seiten, vieles im Kleindruck. Der Bearbeiter hat sich bemüht, kurze klare Sätze zu bilden und die Fremdwörter und Fachausdrücke möglichst zu vermeiden.

Rickenbach, Schwarzwald, am Feste des hl. Arnold, 18. Juli 1970

P. Fr. Fuchs S VD

1. Teil EINLEITUNG

1. Kapitel

HERR! ICH GLAUBE; HILF MEINEM UNGLAUBEN!

1. Irgendwie müssen wir vom Geiste Gottes ergriffen, erleuchtet und belebt werden, wenn wir die Lehrc des Gcistes über die Tiefen der G~ttheit und die Gaben, welche aus diesen Tiefen geschöpft sind, lebendig auffassen sollen (vgl. 1 Kor 2,10). Dcr Heilige Geist strahlt uns sein Licht ein und macht uns die Übcrnatur anschaulich und deutlich; er beleuchtet die Wahrheit und erleuchtet unsern Verstand.

2. Damit ist naturgemäß die Glaubensgnade verbunden; denn der Heilige Geist öffnet das Ohr unseres Herzens und die Augen unserer Seele, damit wir willig und fest die Reichtümer der göttlichen Erbschaft richtig und klar erfassen (vgl. Eph 1,17). Die Begriffe unserer Vernunft werden verklärt; sie werden lebendig und anschaulich; sie entsprechen den übernatürlichen Wahrheiten, soweit diese sich überhaupt crklärcn lassen.

Wenn wir uns demütig bewußt sind, von der Übernatur nichts aus uns selbst verstchen zu können, sind wir reif für die Erleuchtung des Heiligen Geistes.

Wie vom Stolz, so muß auch das Auge des Herzens von allem Schmutz frei sein.

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Demut und Reinheit führen uns, obwohl auch sie schon vom Heiligen Geiste bewirkt werden, noch nicht über unsere Natur hinaus; sie entfernen nur die Hindernisse für den Glauben und machen uns empfänglich für die Einstrahlung und Lebenswärme des Heiligen Geistes.

3. Er strahlt uns seine Liebe und sein Leben ein. Er läßt die Glaubenswahrheit warm und lebenskräftig in uns aufleuchtcn und uns in sie hineinleben. Wir fassen sie leichter auf, da wir ihre Wirklichkeit selbst innerlich erfahren und bestätigen können. Das Leben, das durch den Heiligen Geist aus dem Glauben hervorsprudelt, läßt in uns lebendig werden, was dieser Glaube für unsern Geist und für unser ganzes Leben bedeutet.

Dieser lebendige und liebende Glaube vereinigt uns besonders mit den Wahrheiten, in welchen Gott sich unendlich gut und liebcnswürdig zeigt. Wir umarmen und durchdringen die geliebte Wahrheit. Im Fluge des Herzens wird die Vernunft mit fortgerissen. Ihre Sehkraft klärt und steigert sich mit dem Wunsche des Herzens, das unendliche Gut, das uns in der Wahrheit aufscheint, zu besitzen. Der Glaube zieht das Herz an; die Wonne und Freude, die uns jeder Strahl seiner Schönheit gewährt, bestätigt uns, wie herrlich - aber auch, wie wirklich das übernatürliche Leben sich uns darbietet.

Die vom Heiligen Geiste eingegossene Liebe verähnlicht uns auch mit der Glaubenswahrheit; die Wahrheit spiegelt sich in unserm gläubigen

15 Herzen wider. Besonders werden wir der erhabenen göttlichen Liebe und Güte ähnlich. Sie sind Grund und Wurzel aller Mysterien, durch die Gott, das höchste Gut, sich uns mitteilen will. Wer dies lebendig erfaßt, dem werden die erhabensten und großartigsten Geheimnisse verständlicher und klarer. Er verspürt in sich die Kraft und die Gnade dieser göttlichen Liebe, da sie vom Heiligen Geist in ihn eingegossen wird. Wir werden dadurch gleichsam in Gott umgewandelt und ahnen die Liebe, von der Christus zu uns beseelt ist (vgl. die Briefe des hl. Paulus). Es wird uns viel leichter sein zu verstehen, wie der unendlich gute Vater seine ganze Natur dem Sohn und dem Heiligen Geist mitteilt, wie er seinen Sohn auf die Welt senden und ihn zu dem schimpflichsten und schmerzhaftesten Tode drängen konnte.

Das ganze übernatürliche Leben, das der Heilige Geist uns einhaucht, entwickelt sich aus diesem Glauben. Wir prägen uns seine Gesetze ein und suchen unser Leben danach umzugestalten. Unser Gnadenleben wird dann die Wahrheiten, die wir glauben, noch mehr offenbaren und bewähren. Die übernatürliche Kraft und die geistige Ruhe, die wir daraus schöpfen, gewähren uns ein Leben nach dem Glauben, das unseren seelischen Nöten und edlen Wünschen der Natur wunderbar entgegenkommt. Das Christentum wird durch unser christliches Leben dem l\1itmenschen klarer und anziehender, da seine Mysterien aus übersinnlicher Ferne in nächste

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und innerste Gegenwart gebracht werden.

4. Wenn der Heilige Geist die Glaubenswahrheiten noch so anschaulich unserem Verstand einstrahlt, nie wird der Glaube dadu'rch aufgehoben oder überflüssig, da er die Wurzel unseres übernatürlichen Lebens ist und bleibt. Ohne den Anker des Glaubens könnte unser Herz uns irreführen; sein Drang und seine Gefühle könnten das Wahre verbiegen und es zu reiner Eigenbrötelei verflüchtigen. Die Stimme des Herzens kann nie Ersatz für das Licht der Offenbarung sein. Inneres Licht allein läßt uns die Glaubenswahrheiten nicht schauen, sie würden ohne sachliches äußeres Zeugnis in rührselige Schwärmerei ausarten. Auch wenn uns der Heilige Geist mit innerem Licht begnadet, ist es immer nur ein Dämmerschein in der Nacht der Vernunft, das Morgenrot des himmlischen Tages, das uns nur dann sicher führt, wenn wir uns glaubend an unsern göttlichen Führer anklammern, der uns berichtet, was er geschaut. Aufgehoben wird der Glaube nur im Himmel durch das Licht der verklärten Anschauung Gottes, weil Gott dann sein innerstes Licht, aus dessen Fülle er spricht, noch viel wirksamer in uns ausgießt und uns aufnimmt in seinen Schoß, der Quelle und dem Mittelpunkt aller Mysterien.

5. Die Gaben des Heiligen Geistes, besonders Verstand und Weisheit, verleihen uns, lebendig und liebend zu glauben. Unser Auge wird über unsern Verstand hinaus geschärft, um in die geglaubten Wahrheiten einzudringen und sie klar

17 und deutlich zu erfassen. Die Liebe, die uns verliehen wird, macht uns ÜbernatÜrliches liebreich und schmackhaft.

Diese beiden Gaben lassen schon ungelehrte, aber' reine, einfältige und gottliebende Seelen klar und sicher erhabene Fragen der Theologie beantworten, so daß sich die Gelehrten nur wundern können. Aber auch sie, die Gottesgelehrten, leiten diese Gaben am schnellsten und sichersten an, ihre Vernunft übernatÜrlich richtig zu gebrauchen. Ihre Gedanken und Worte werden dann durchdrungen mit jener himmlischen Salbung, welche heiligen Lehrern Licht und WÜrze verleiht, um Auge und Herz ihrer Schüler kräftig und überzeugend mitzureißen.l

Komm Schöpfer Geist, kehr' bei uns ein!

Besuch das Herz der Kinder dein! Erfüll uns all mit deiner Gnad', Die deine Macht erschaffen hat.

Gib, daß durch dich den Vater wir Und auch den Sohn erkennen hier Und daß als Geist von beiden dich Wir allzeit glauben festiglich!

Pfingsthymnus

2. Kapitel GEHEIMNIS DES GLAUBENS

1. Das christliche Mysterium ist eine Wahr-

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heit, die uns Gott im fleischgewordenen WORT geoffenbart hat, und die wir mit unserer Vernunft allein nie ausmessen können. Wir können sie etwas klarer erfassen, wenn wir sie mit natÜrlichen Wahrheiten, die unserer Vernunft näherliegen, vergleichen.2

2. Wenn Gott seinen eigenen Geist sendet, um uns in alle Wahrheit einzuführen, den Geist der Wahrheit, der in seinem Innern wohnt und dort die Tiefen der Gottheit ergründet (1 Kor 2,10), sollte uns dieser Geist nichts Neues und Wunderbares offenbaren, um Göttliches besser verstehen zu können? 3

3. Nicht die Dunkelheit macht das Mysterium uns wert und teuer, sondern das Licht, das es uns enthÜllt. Mutet uns nicht die Morgenröte schöner an als der helle Tag, eben weil die dunkle Nacht durch sie vertrieben und der sonnige Tag herbeigeführt wird?

Die Mysterien sind an sich lichte, herrliche Wahrheiten; sie entziehen sich unserm Auge nich t, weil sie dunkel oder verworren wären, sondern weil sie zu herrlich, zu erhaben, zu schön sind. Auch das stärkste menschliche Auge kann ihnen nicht nahen, ohne geblendet zu werden.

Wenn der Heilige Geist durch seine Gnade es uns möglich macht, auch nur von ferne einen ahnungsvollen Blick in ihre Tiefen zu werfen, dann dämmert es in unserm Innern wunderbar, und die Morgenröte einer himmlischen Welt geht uns auf. Wir werdcn zwar der Dunkelheit, die

19 uns umgab und noch umgibt, mehr bewußt; aber ein einziger Strahl des höheren Lichtes, das uns aufleuchtet, ist mächtig genug, um uns in namenloses Entzücken zu versetzen.4

4. Wir danken Gott, dem Heiligen Geist, daß er uns die Glaubensgeheimnisse offenbart, die unsere Vernunft bei weitem übersteigen; sie sind ungleich erhabener, kostbarer und wertvoller als die höchsten Ergebnisse menschlicher Wissenschaft. Wenn Gott auch nur ein wenig den Schleier seiner Hoheit lÜftet, ist uns das schon eine unverdiente Gnade, die wir hoch schätzen und achten müssen.s

II: Teil

DER HEILIGE GEIST IN GOTT

1. Kapitel

DER HEILIGE GEIST IST GOTT

1. Wenn auch der Heilige Geist in der Heiligen Schrift nirgendwo einfachhin als Gott bezeichnet wird, so erscheint er doch an vielen Stellen aus dem Zusammenhang als einziger und wahrer Gott wie Vater und Sohn. 1

2. Denn nur als Gott kann der Heilige Geist in unserm Innersten weilen, um uns mit göttlichem Leben zu erfüllen und doch auch zugleich im Innersten Gottes aus Vater und Sohn sich liebend ergießen. Er wird im Neuen Testament als die Quelle des Lebens dargestellt. Er ist der Ursprung des übernatürlichen, ewigen Lebens für

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uns, für Leib und Seele. Er erleuchtet und belehrt; er durchglüht und durchströmt; er heiligt und verklärt; er reinigt und stärkt. Die Liebe Gottes gießt er uns ein. Das Leben und die Herrlichkeit der Kinder Gottes teilt er uns mit. Er schenkt uns diese Kindschaft mit all ihren Gnaden und Gaben. Er wohnt in uns als seinen Tempeln. Er erfüllt uns, um mit uns zu reden und in uns zu wirken.

Er will aber auch als Herr dieses Tempels geehrt werden. Wir sollen ihn als unser Leben und unsere Herrlichkeit anerkennen, da er die göttliche Heiligkeit selbst besitzt. Nur weil er als Gott einfach und unermeßlich ist, kann er im Innersten unseres Geistes wohnen. Unser übernatÜrliches Leben erweist sich als göttlich und geistlich, weil es Gabe des Heiligen Geistes ist. 2

3. Der Heilige Geist muß auch Gott sein, wenn es im Kredo von ihm heißt: "Er hat gesprochen durch die Propheten". Weil der Heilige Geist nach der Schrift alles durchdringt, ergründet und durchschaut er auch alle Geheimnisse der Geschöpfe, selbst ihre innersten Regungen und alles, was sie für die Zukunft beschließen. Zugleich weiß er aber auch um die Geheimnisse, die in der Tiefe der Gottheit ruhen, wie es an vielen Stellen der Schrift heißt. Er erkennt sie in ihrem letzten Ursprung und kann sie uns mitteilen. Er ist in uns, wie nur Gott im Geschöpf sein kann und ist in Gott, wie nur Gott in sich selbst sein kann.3

4. Als Gott ist der Heilige Geist würdig, von

21 uns angebetet zu werden. Er hat naturnotwendig auch das Recht, uns Sünden nachzulassen, Menschen mit geistlichen, übernatürlichen Vollmachten auszurüsten und sie zu andern Menschen zu senden.4

5. Der Heilige Geist wird auch als Gott ausgewiesen, indem die göttlichen und übernatürlichen Eigenschaften der Menschheit Christi in der Schrift letztlich auf ihn zurückgeführt werden; er leitet und beherrscht sie. Die göttliche Salbung, durch die J esus der Gesalbte, "Christus" wird, wird ihm zugeschrieben. Er vermittelt die personale V ereinigung der zweiten Person Gottes mit Christus. Er wird als das öl der Gottheit bezeichnet, das sich in die Menschheit Christi ergießt.

Im achten Kapitel des Römerbriefes werden die Auferstehung und die Verklärung Christi dem Heiligen Geist wie sonst dem Vater zugeschrieben.s

2. Kapitel

DER AUSGANG DES HEILIGEN GEISTES

1. Wir bekennen im Kredo der hl. Messe, daß der Heilige Geist vom Vater und vom Sohne ausgeht. Im Neuen Testament ist das so oft bezeugt, daß wir das nicht bezweifeln können. Wie er Geist des Vaters ist, wird er aucr. Geist des Sohnes genannt, wie auch Geist Christi. Wenn er als Geist der Wahrheit vom Vater

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ausgeht, so geht er auch vom Sohn aus, da der Sohn die personale Wahrheit des Vaters ist. Er nimmt nur das, was das WORT vom Vater empfängt und zugleich mit ihm besitzt. Zugleich spricht Christus auch davon, daß er wie der Vater den Geist senden werde, was nur möglich ist, wenn dieser sein ewiges Dasein auch von ihm, dem WORT Gottes hat.6

2. Die Kirchenväter in den östlichen Ländern benutzen immer für den Ausgang des Heiligen Geistes in Gott die Formel: "aus dem Vater durch den Sohn", während im Westen die Formel: "aus dem Vater und dem Sohn" sich allmählich eingebürgert hat. Aber noch Leo III., gest. 816, wollte diese Formel nicht erlauben, als Karl der Große ihn bat, sie im Kredo beten zu dürfen. Erst seitLeo IX., gest. 1054, wurde diese Formel auch im Westen allgemein gebraucht. Bei den Unionsbestrebungen im 13. und 14. Jahrhundert verlangten die Päpste nie den westlichen Zusatz, was von großer Umsicht zeugt.7

3. Bei seinem Ausgang von Vater und Sohn entfernt sich der Heilige Geist nicht von ihrem Wesen. Er bleibt dem Herzen beider verbunden, wie die Flamme mit der Glu t, der sie entspringt, wie die BlÜte mit der Pflanze, der sie entsprießt.

Der Vater kann nicht ohne den Sohn sein und Vater und Sohn nicht ohne den Heiligen Geist. Jeder besitzt die göttliche Natur aus den andern und für die andern. Dieser unterschiedliche Besitz ist wesentlich für ihre Gemeinschaft.

Der Heilige Geist verbindet Vater und Sohn

23 als Ergebnis ihrer gegenseitigen Liebe. Er ist Krone und Siegel des Dreieinen.8

4. Die Väter vergleichen das Hervorgehen des Geistes aus dem Vater durch den Sohn mit der Erschaffung Evas aus Adam.

Adam wurde unmittelbar von Gott geschaffen, wie der Sohn unmittelbar vom Vater gezeugt wird. Eva wurde aber von Gott erschaffen, indem er Adam dazu brauchte, sie ging also von Gott und von Adam aus, wie der Heilige Geist vom Vater und vom Sohn ausgeht. Adam erscheint als Bild des Vaters; er ist deshalb dem Sohn ähnlich, der auch als Abbild von diesem ausgeht. Eva ist dagegen ein Abbild des Geistes, da sie von Gott durch Adam geschaffen wurde, wie der Heilige Geist vom Vater durch den Sohn ausgeht.

Die Tapferkeit und Weisheit des Göttlichen WORTES spiegelt sich in Adam, dem Mann, wider, während Eva, die Frau, Milde und Güte des Heiligen Geistes verkörpert.

Das Gleichnis entspricht mehr der Lehre der Griechen und zeigt sehr schön, wie Gott sein Bild in der menschlichen Natur uns vor Augen fÜhrt.9

5. Eva gleicht auch dem Heiligen Geist, weil er Erguß und Brennpunkt der Liebe vom Vater zum Sohn und vom Sohn zum Vater ist. Eva ist die Mutter des Menschengeschlechtes, die durch ihren Mann Adam von Gott kommt. Sie wird nicht von Adam gezeugt, sondern von seinem Herzen genommen. Adam gibt ihr liebevoll den

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Ursprung, aber nur von Gott her, der ihm und ihr das Leben schenkt. So wird auch der Heilige Geist nicht vom Vater gezeugt, wie der Sohn, sondern strömt aus ihm durch den Sohn hervor. Der Name Eva bedeutet ausströmendes Leben, Mutter aller Lebendigen; sie ist die Mater alma, die erhabene Mutter. Nennen wir nicht auch den Heiligen Geist den erhabenen Geist, den Spiritus almus, den lebendigmachenden Geist?

6. Diesen Vergleich können wir auf den zweiten Adam, Christus, ausweiten. Lebendiges Blu t ström te aus seinem Herzen, als er am Kreuze hing und seiner jungfräulichen Braut, der Kirche, das Leben schenkte. Mit dem Herzblut des Erlösers strömte auch der Heilige Geist auf die Braut Christi und wurde auch ihr Geist, durch den sie ihre Liebe dem göttlichen Bräutigam schenkt. Wie das Blut aus dem Herzen strömt und mit ihm der Geist, so strömt in der Gottheit der göttliche Odem vom Vater aus in den Sohn und mit dem Odem der Heilige Geist, in dem der Sohn die Liebe in den Vater zurückströmen läßt. 10

3. Kapitel LEBENSMITTEILUNG IN GOTT

I. Gott, der Dreieine

1. Die göttliche Natur ist durchaus lebendig; was in ihr hervorgebracht wird, ist so lebendig wie sie selbst. Die Namen der göttlichen Lebens-

25 mitteilnngen, "zeugen" und "hauchen", drücken höchstes Leben aus.

Da die Lebenstätigkeit in Gott nur geistig sein kann, muß er erkennend und liebend sein Leben mitteilen. Gottes Erkenntnis und Liebe sind aber unendlich und eigenständig, deshalb bringen sie auch unendliche und eigenständige Ergebnisse hervor. Wenn diese Lehre auch kein Glaubenssatz ist, so kann man sie doch kaum leugnen.

2. Auch ohne daß es uns Gott geoffenbart hat, können wir wissen, daß Erkenntnis und Liebe in Gott sein müssen, wir können aber aus uns nichts wissen von den Ergebnissen dieser Tätigkeiten. Die Heilige Schrift lehrt uns, daß Gott seiner Erkenntnis einen Ausdruck verleiht und daß er sie in einem inneren WORT ausspricht. Ebenso werden wir belehrt, daß Gott seine Liebe eine BlÜte treiben läßt, daß er die Liebe, die er zu sich und zu seinem WORT trägt, in einem innern Liebesseufzer aushaucht, mit einem Kusse besiegelt, in einem pfande niederlegt.

3. Bei uns Menschen können Erkenntnis und Liebe nach außen und nach innen ausgedrückt werden.

Der äußere Ausdruck ist wieder ein doppelter:

Was wir erkennen, drücken wir durch ein Wort aus. Wir bezeichnen damit unsern Gedanken und zugleich das Bild, das durch diesen Gedanken

ausgeprägt ist. ,

Ähnlich ist es bei Gott. Alle Dinge, die er ins Dasein ruft, sind ein Ausdruck seiner Gedanken,

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Worte, die er gesprochen, in denen er sich offenbart, sind Bilder, die er nach seinen Gedanken geformt hat.

Der Ausdruck unserer Liebe ist der Seufzer oder der Liebeshauch, in dem unsere Liebe ausströmt, ist das Pfand, worin wir die Gabe mit der Liebe niederlegen, wodurch wir uns mit dem geliebten Menschen verbinden wollen.

Alles Leben und alle Seligkeit in den Geschöpfen ist Ausdruck und Ausfluß der göttlichen Liebe, ein Hauch, der von Gott ausströmt, ein pfand und eine Gabe, wodurch er das Geschöpf liebt und es mit sich verbindet.

4. Der innere Ausdruck der Erkenntnis bei Gott und Mensch ist aber verschieden.

Wenn wir etwas erkennen, so prägt es sich zunächst unserer Seele als Bild ein. Dieses Bild wird dann durch die Erkenn tnis zu einem V erstandes- Wort ausgeprägt, welches von ihr verschieden ist.

Bei Gott gibt es keinen Übergang vom Erkennen zum Nicht-Erkennen oder umgekehrt; er ist unveränderlich und allwissend. Weil er einfach ist, kann seine Erkenntnis auch nicht von seiner Wesenheit verschieden sein. Sie kann auch nicht in der Zeit entstehen, da er ewig ist. Gott als Erkennender und Gottes erkanntes Wort oder Bild können sich nicht unterscheiden.

Gott kann auch nicht sein Wort und Bild hervorbringen, um es zu erkennen, sondern nur, weil er sich erkennt aus der überströmenden Fülle und Wirklichkeit seiner unendlich frucht-

27 baren Erkenntnis, die deswegen auch nur ein WORT, das im Schoße Gottes bleibt, vollkommen entsprechend ausdrücken kann. Dieses WORT ist der Sohn Gottes. Nicht unsere Vernunft, sondern der Glaube lehrt uns das. Die Heilige Schrift spricht vom Sohne des Vaters als dessen WORT, Bild, Figur oder Charakter, als dem lauteren Ausfluß der Klarheit des allmächtigen Gottes, als dem Glanz des ewigen Lichtes, dem makellosen Spiegel der göttlichen Majestät, als dem Bild seiner Güte.

5. Der innere Ausdruck der Liebe ist bei uns Menschen nur mühsam von der Liebe selbst zu unterscheiden. Doch wissen wir alle, daß sie sich von der Seele klar und eindeutig unterscheidet.

In Gott gibt es keinen Augenblick, wo er nicht liebt; die Liebe Gottes ist er selbst in seiner reinsten Wirklichkeit. Sie ist nicht minder fruchtbar als die göttliche Erkenntnis, weil sie überreich und ewig ist. Nicht die Liebe selbst, sondern der Liebeshauch wird als Person hervorgebracht: der Heilige Geist. Er ist die Flamme, der Hauch, das Pfand, das Geschenk, die Vereinigung, die Umarmung, das Band, die Einheit, durch die Vater und Sohn vereinigt sind in unzerstörbarem Frieden. 11

6. Die Lebensmitteilungen in Gott sind ewig wie Gott selbst; sie haben keinen Anfang und kein Ende wie etwa die Schöpfung oder Erkenntnis und Liebe bei den Menschen. Weder der Heilige Geist noch das WORT werden in Gott von irgendwo herbeigeführt durch irgend-

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eine Bewegung, die beginnt oder vorÜbergeht. Dauernd werden sie hervorgebracht, dauernd haben sie ihren Ursprung in Gott. Sie sind ewig; der Vater ist ewig; der Sohn ist ewig, und der Heilige Geist ist ewig, wie Gottes Leben ewig ist: gleich ewig - gleich göttlich! 12

7 . WORT und Heiliger Geist gehen naturnotwendig und unmittelbar aus der Natur Gottes hervor; das WORT mit dem klarsten Bewußtsein der göttlichen Vernunft, der Heilige Geist mit dem höchsten Wohlgefallen des göttlichen willens.13

8. Wenn wir etwas tun, werden wir vollkommener, wenn aber Gott den Personen sein Leben mitteilt, kann er dadurch nicht vollkommener werden, da die Lebensmitteilungen schon wesentlich den betreffenden Personen gehören, ja diese selbst sind. Im Grunde sind sie daher nur Beziehungen, ohne welche sie ihr Dasein überhaupt nicht hätten. Der Vater kann ohne den Sohn nicht sein und der Sohn nicht ohne den Vater, wie auch der Heilige Geist ohne Vater und Sohn und diese nicht ohne den Heiligen Geist sein können. 14

9. Daß der Heilige Geist weniger sei als der Vater oder der Sohn, ist deshalb völlig ausgeschlossen, genauso wie der Sohn nicht unter dem Vater stehen kann. Der Vater kann nicht ohne den Sohn sein, wie auch Vater und Sohn nicht ohne den Heiligen Geist gedacht werden können; immer sind sie auf einander bezogen, da die Lebensmitteilungen nicht beliebig, sondern na-

29 turnotwendig, immer und ewig in Gott bestehen.15

10. Auch hat keine Person in Gott eme höhere Würde als die andere; das ganze Sein jeder Person ist wesentlich für die andere da; alle drei sind in ihrem Ursprung Gott. Der Vater ist Gott; der Sohn ist Gott, und der Heilige Geist ist Gott. Jede Person besitzt wesentlich die Gottheit, die sie in der gleich-höchsten WÜrde aneinander kettet. 16

11. Wort und Bild - Pfand und Gabe

1. Wort bezeichnet den Ausdruck der Erkenntnis und Bild des erkannten Gegenstandes. Bei Gott sind Erkenntnis und Gegenstand gleich: sein göttliches Wesen. Wort und Bild sind Ausstrahlung und Abglanz des göttlichen Lichtes; denn Licht ist Gott, weil er die eigenständige Wahrheit ist, die Erkennbares und Erkenntnis in einem zusammenfaßt: im göttlichen Wesen. 1 7

2. In der zweiten Lebensmitteilung betätigt Gott seine vollkommene Liebe, und das Ergebnis dieser Liebe ist der Heilige Geist. Er wird daher in der Schrift Hauch, Gabe oder pfand genannt. Der Erkenntnis ist es eigen, einen Ausdruck ihrer selbst zu suchen, der Liebe aber, sich in ein anderes Wort zu ergießen. Wenn zwei Menschen sich lieben, so ergießen sie gegenseitig ihre L,iebe, die sie in ihren Herzen tragen, nach außen und schenken sich gegenseitig Gaben als pfänder


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ihrer Liebe. Das pfand bildet dann ein Band zwischen den Liebenden.

Zwischen Vater und Sohn in Gott gibt es nichts Äußeres, das groß genug wäre, ihre gegenseitige Liebe auszudrücken. Ihr Liebeserguß kann nur innerer Hauch sein, innere Gabe, inneres pfand: die dritte Person in Gott, der Heilige Geist. 18

Gott ist die höchste Güte und vollkommenste Schönheit; Gott kann nicht anders, er muß sich lieben; er muß ein inneres Wohlgefallen an sich haben, an dem WORT, das diese Schönheit ausdrückt. Vater und Sohn müssen sich lieben, weil sie im gemeinschaftlichen Besitz dieser einzigartigen Giite und Schönheit sind. Der Vater haucht gleichsam seine Liebe in den Sohn und bestätigt damit ihre lebendige Gemeinschaft. Er haucht die Glut und die Kraft seiner Liebe aus in das WORT. Er besiegelt seihe und des Sohnes Liebe zueinander.

Dieser Hauch, dieser Seufzer, bildet das Band, das sie vereinigt; er wird zum pfand dieses Liebesbandes. In ihm bietet sich der Liebende dem Geliebten und der Geliebte dem Liebenden zum Besitz an. Es wird zum Kuß zwischen Vater und Sohn. Beide Personen umarmen sich im Heiligen Geist; er ist das Pfand, das Band, der Kuß, die Umarmung, mit der sich Vater und Sohn vereinen.

Gott, das unendliche Gut, kann sich nur auf unendliche Weise mitteilen. Da seine Liebe sich als Hingabe und Liebeserguß betätigt, wird die

31 Frucht dieser Freigebigkeit Gabe genannt. Auch dieser Name kommt dem Heiligen Geist zu. Doch ist das Wort Gabe mißverständlich, da es auch die äußere Mitteilung der Güte Gottes bezeichnen kann.

Die göttliche Liebe ergießt sich unendlich freudig und beseligend zwischen Vater und Sohn, wie ein Strom, der die Wonne und Süßigkeit Gottes ausströmt, wie ein Feuer, aus dem die Flamme auflodert, wie ein Herd voller Glut, aus dem die Wärme des Odems entströmt, der als Kuß die Vereinigung mit dem Geliebten und die Hingabe an ihn veranschaulicht. 19

III. Wahrheit - Heiligkeit

1. Man muß in Gott den Ausdruck der Erkenntnis, das WORT, von der Erkenntnis selbst unterscheiden, wie auch den Erguß der Liebe, den Heiligen Geist, von der Liebe selbst, aber man darf sie auch wieder nicht so trennen und voneinander lösen, als wären sie grundverschieden, da sie als Lebensmitteilungen in Gott stattfinden und auch in Gott, dem Einfachen und unwandelbaren, ihren Abschluß finden. In den Gedanken Gottes leuchtet und lebt die Erkenntnis Gottes, wie sie in sich selbst ist: sie selbst wird ja als Wesen Gottes in ihren Ausdruck, das WORT, gelegt.

Auch der Erguß der Liebe Gottes ist nicht nur die tätige Kraft dieser Liebe, sondern sie selbst

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brennt und flutet als Wesen Gottes im Heiligen Geist. 20

2. WORT und Liebeshauch sind höchst vollkommen und wirklich, da sie völlig in Gott sind. Das WORT ist im Innersten Gottes, höchst lebendig und unendlich inhaltsreich. Der Liebeserguß, der Heilige Geist, ist auch im Innersten Gottes, vollkommen heilig und unbeschreiblich wonnevoll.

Da die Erkenntnis Gottes nicht nur ein schwacher Widerschein der Wahrheit ist, sondern die eigenständige Wahrheit, die in sich bestehen kann, so muß auch das WORT die Wahrheit selbst sein. Und da der Hauch Gottes die eigenständige Heiligkeit Gottes selbst ist, so muß auch der Heilige Geist die Heiligkeit selbst sein.

Da Erkenntnis und Liebe in der Wesenheit Gottes verankert sind, sind Wahrheit und Heiligkeit, WORT und GEIST dem Wesen des Vaters gleich, nur daß sie auf verschiedene Weise am Wesen Gottes teilhaben.

3. Das Herz Gottes gießt seine ganze Lebenskraft und sein ganzes Wesen in seinen Odem, den Heiligen Geist, aus. In diesem Liebespfand sind Vater und Sohn nicht nur sinnbildlich (symbolisch), sondern ihrem ganzen Wesen nach miteinander verbunden und verschmolzen. Ihr ganzes Leben und ihre ganze Güte sind darin wesentlich enthalten. In dieser Frucht der Freigebigkeit lebt der freigebige Wille Gottes wesentlich mit seinem ganzen Reichtum und seiner unendlichen Güte. 21

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4. Kapitel

DER HEILIGE GEIST ALS PERSON

I. Der Begriff "Person"

1. Nachdem die Kirche in den ersten drei Jahrhunderten verfolgt worden war, mußte sie sich, kaum daß sie die Freiheit genießen konnte, schon mit den Irrlehren in ihrem eigenen Schoß auseinandersetzen. Sie war genötigt, die Einheit in Gott als Einheit der Wesenheit und der Natur zu bezeichnen und zugleich auch für die drei Träger dieser Natur einen gemeinschaftlichen Namen zu finden, der sie sowohl als Inhaber der Natur bezeichnet als sie auch untereinander unterscheidet. Schon Tertullian (t 220) benutzte dafür den N amen "Person", der sich sehr schwer und oft mißverstanden allmählich durchsetzte. 22

2. Person ist würdevolle und selbstmächtige Inhaberin einer geistigen Natur; sie tritt andern Inhabern einer solchen Natur unvermischt gegenüber und muß von diesen so geachtet werden wie sie sich selbst achtet. All dies trifft bei den drei Personen in Gott, Vater, Sohn und Heiligem Geist vollkommen zu.

Geschaffene Personen sind nicht schlechthin selbStändig, da sie über sich noch Gott als Ursprung und Endziel haben. Ihre Natur \Yird auch bei jeder einzelnen Person neu geschaffen, daher unterscheiden sie sich von Natur aus

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untereinander. Sie entspringen nicht ein und derselben Natur und müssen sich auch nicht naturnotwendig achten und lieben, sondern nur dem moralischen Gebot der Nächstenliebe folgend.

Da die göttlichen Personen der unendlichen, göttlichen Natur teilhaftig sind, besitzen sie die schlechthin höchste Würde und Vollkommenheit und unterscheidensich nur als Personen untereinander, aber nicht in der Natur. Der Vater hat die göttliche Natur ursprünglich, der Sohn em pfängt sie vom Vater, und der Heilige Geist empfängt sie von Vater und Sohn. Dieses Ursprungsverhältnis ist aber ewig; es kettet die drei Personen wesentlich aneinander, so daß sie sich naturnotwendig achten und lieben müssen. 23

3. In einer geschaffenen Person kann nur eine Natur sein, die sie zum Einzelwesen macht; die göttliche Natur aber ist so reich und mächtig, daß sie in dreifacher Form bestehen kann und in drei Personen auftritt.

Jede der drei Personen besitzt die göttliche Natur von Ewigkeit her nur insofern für sich als sie diese auch zugleich für die zwei andern Personen besitzt oder sie von ihnen erhält: Sie sind also notwendig aufeinander bezogen durch ihr Person-sein; jede stellt die göttliche Natur in anderer Weise als sich angehörig dar. Die Namen der Personen sprechen diese Beziehung aus: Der Vater zeugt den Sohn, und beide hauchen den Heiligen Geist. 24

4. Gott geht nicht wie die Geschöpfe vom

35 Nichtsein zum Sein über, vom Nichthandeln zum Handeln, vom Unvollkommenen zum Vollkommenen. Gott ist DAS SEIN, die reinste Wirklichkeit, die unumschränkte Vollkommenheit. Deswegen kann er auch nur seine ganze, ungeteilte Wesenheit mitteilen. Der Empfangende ist Mitbesitzer der vernünftigen Natur Gottes, ist göttliche Person. Folglich sind die Ergebnisse der Lebensmitteilungen Gottes, seiner Erkenntnis und seiner Liebe, wahre Personen, die sich von den andern Personen nur in der Weise unterscheiden, wie sie die göttliche Natur besitzen. 25

II. Die göttlichen Personen

1. In Gott muß ein ursprünglicher Träger und Inhaber der göttlichen Natur, eine nicht hervorgebrach te Person sein. Diese nennen wir Vater. Er hat die göttliche Erkenntnis ursprünglich; er erkennt sich und sein Wesen. Er ist der Ursprung des WORTES, in dem diese Erkenntnis ausgesprochen wird.

Durch dieses innere WORT wird nicht nur ein Gedanke mitgeteilt, sondern dieses WORT nimmt auch zugleich den Inhalt des Gedankens in sich auf, der aber nichts anderes ist als Gottes Wesenheit, die so auch dem WORT zuteil wird. Der Vater spricht nicht nur durch das WORT,

sondern auch zu ihm. ,

2. Vater und Sohn sind unendlich gütig und liebenswürdig; sie müssen einander lieben. Die

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Wonne, in der Vater und Sohn dieselbe Natur lieben, besitzen und genießen, ist Überreich und kann sich nur so ausdrücken, daß sie diese Natur in eine dritte Person ausströmen lassen, die sie in ihre Gemeinschaft aufnehmen. Was beide besitzen, teilen sie, ohne es zu verlieren, ganz und gar dem Heiligen Geist mit.

Er ist das Pfand, das Vater und Sohn austauschen in ihrer Liebe; er krönt diese Liebe nicht unpersönlich wie ein Geschenk bei Menschen, sondern er ist eine dritte Person, die zu den zweien hinzutritt und zwischen ihnen lebt. Er ist der Hauch und der Kuß, worin Vater und Sohn aus der absoluten Einheit und Fülle ihres gemeinschaftlichen Herzens ihre Liebe unendlich wirksam erweisen, indem sie die dritte Person in diese Einheit aufnehmen. Vater, Sohn und Heiliger Geist in Wahrheit und Fülle: ein Herz und eine Seele!

Eine vierte Person kann in Gott nicht hervorgebracht werden, da die geistige Natur nichts anderes haben kann als Erkenntnis und Liebe. Das WORT vertritt als Person die göttliche Weisheit; der GEIST entspricht der Fruchtbarkeit der göttlichen Liebe.

3. Der geschaffene Geist braucht seinen Verstand und sprich t damit ein inneres Wort aus, um sich seiner selbst bewußt zu werden; er braucht seinen Willen und liebt sich damit selbst, um Überhaupt seiner selbst froh zu werden. Gott aber spricht sein Wort aus, um in einem ewigen, sich nie verändernden Akt die Fülle seiner

37 Selbsterkenntnis dem WORT zu offenbaren; Vater und Sohn hauchen ihre Liebe aus, um dem Heiligen Geist ihre eigene überreiche Güte mitzu teilen. 26

III. Mitgenosse der Liebe

1. Das WORT Gottes ist nicht nur ein Wort, wodurch Gott spricht, sondern eine Person, zu der Gottvater spricht, indem er ihr seine Weisheit mitteilt; diese Person denkt und spricht auch selbst. Sie konnte in die Welt gesandt werden und den Vater vertreten.

Ebenso ist der Erguß der göttlichen Liebe, der Heilige Geist, nicht nur Hauch oder pfand' der Liebe zwischen Vater und Sohn, sondern sie ist auch Person, die, in den Bund von Vater und Sohn aufgenommen, liebend wie auch mitgeliebt, als Mitgenosse der Liebe auftritt. 27

2. Dem göttlichen WORT wird das Leben aus der Natur Gottes als ein Akt der göttlichen Erkenntnis mitgeteilt.

Der Heilige Geist erhält das Leben durch den Willensentschluß des Vaters und des Sohnes, ihn als dritte Person und Mitgenosse in ihre Gemeinschaft aufzunehmen. Er empfängt das göttliche Leben aus der göttlichen Liebe. 28

3. Die Reihenfolge: Vater, Sohn und Heiliger Geist ist fest und unverschiebbar. Die Erkenntnis setzt eine erkennende Person voraus, die das WORT ausspricht und es auch lieben will. Die

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Liebe, durch die der Heilige Geist gehaucht wird setzt wesentlich zwei Personen voraus, da sie aw einer fruchtbaren Erkenntnis zwischen dem Vater und seinem Ebenbild, dem WORT, hervorgeht und deshalb wesentlich wechselseitige Liebe ist. Durch sie geben sich Vater und Sohn dem Heiligen Geist hin. 29

IV. Die Namen der dritten Person 1. Geist

1. Gott lebt als reiner Geist, kraftvoll und ewig. Sein überschwengliches Leben strömt ir die göttlichen Personen.

Gottes Erkenntnis strahlt Licht und Weisheit aus; deshalb wird die zweite Person in Gott in der Heiligen Schrift mit den Namen WORT Weisheit, Abbild, Abdruck, Spiegel oder Abglam bezeichnet. 30

Die dritte Person in Gott wird in der Schrift nicht so klar mit bestimmten Namen benannt sie wird aber nie auf die Erkenntnis Gotte~ zurückgeführt, so daß ihr Leben nur durch den Willen Gottes mitgeteilt sein kann. Es wird dem Heiligen Geist vieles zugeschrieben, wodurch er die göttliche Liebe darstellt. Als im vierten Jahrhundert die Gottheit des Heiligen Geiste~ gegen Irrlehrer verteidigt werden mußte, sprachen die griechischen Väter von ihm als von der lebendigen Heiligkeit, von der höchsten Güte und Schönheit, die aus der lebendigen Wahrheit

39 in lichtester und lauterster Liebe hervorgeht. Im Wesen bezeichnete man ihn mehr als gegenseitige Wechselliebe, als Liebe der Gemeinschaft und Einheit des Vaters und Sohnes, die sich wesentlich als heilige Liebe darstellt. 31

2. Geist oder Heiliger Geist könnten auch die beiden andern Personen heißen, weil auch sie Gottes höchst geistige und heilige Natur besitzen.

Man könnte den Heiligen Geist als Ausgang bezeichnen, aber auch der Sohn geht vom Vater aus; überdies kann man dieses Wort auch unpersönlich fassen. Auch der Name Hingabe gibt uns kein klares Bild von dem Ursprung der dritten Person, weil jedes geistige Wesen sich Gott hingeben kann.

Wenn man diese Ausdrücke aber weiter erklärt, so erhält man doch ein lebendiges Bild von der dritten Person in Gott, das uns den Heiligen Geist klar genug widerspiegelt. Am besten betrachtet man die beiden Ausdrücke:

Geist und Ausgang zusammen.

Geist wird auch für Odem oder Hauch gebraucht. In Gott erblicken wir im Hauche seines Herzens den Erguß seines Lebens. Wie pei der Zeugung des Sohnes sehen wir bei diesem Erguß den Ausgang einer Person.

Wenn zwei Personen vereinigt sind, so sind sie "eines Geistes"; liebend sind sie einander zugetan; sie leben für- und ineinander. Sie tun, alles fÜreinander, als wenn sie es für sich selber täten; alles, was der eine leidet und empfindet, nimm t

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der andere so auf, als wäre es sem eIgenes Erlebnis. Sie wünschen sehnlichst, eins zu sein, miteinander zu leben; sie werden von der Ekstase der Liebe übermannt. Dieser Wunsch, mit dem Geliebten eins zu sein, strebt natürlich mit Macht danach, sich auch wirklich mit ihm zu vereinen. Die Liebenden suchen ihr Leben zu verschmelzen.

Wo die Liebe ihren natürlichsten und wirklichsten Grund hat und sich in der reinsten und zartesten Weise kundgibt, ist die Sehnsucht auch am stärksten. Die Mutter hat das Kind, das nun auf ihrem Schoß ruht, unter ihrem Herzen getragen; aus ihr hat es sein Leben empfangen und aus ihrer Brust schöpft es noch immer Leben und Kraft. Wodurch wird das Kind seine innige Liebe lebendiger kundtun als durch den Kuß, den es auf den Mund der Mutter drückt? Und wonach verlangt das Mutterherz mehr als der Frucht ihres Schoßes durch einen Kuß noch einmal ihr Leben einzuhauchen? Beider Lebensodem verschmelzen zu einem; ihre Herzen begegnen sich zu einem Leben, ihre Seelen zu einem Geist.

3. Der Hauch als Lebensodem vermittelt im Kuß die von der Liebe erstrebte Einheit und drückt sie aus. So wird der Kuß uns ein anschauliches und lebendiges Symbol für die dritte Person in Gott. Der hl. Bernhard nennt mit den Vätern den Heiligen Geist den "Kuß des Vaters und des Sohnes, den süßesten und geheimnisvollsten Kuß". In Gott sind es aber

41 nicht zwei Leben, die sich danach sehnen, zu verschmelzen, hier gibt es nur einen Odem, ein Herz, ein Leben. Und der Kuß drückt nicht nur diese Sehnsucht aus, er ist Träger des Lebens. Vater und Sohn gießen den Lebensodem aus der Lebensglut ihres gemeinsamen Herzens in die dritte Person aus. Dieser Odem ist der Heilige Geist. Denn mit dem Odem teilen die Liebenden das eigene Leben mit: Der Heilige Geist wird Empfänger, Träger und Inhaber dieses Lebens, und somit ist er eine Person wie auch Vater und Sohn. Wie der Sohn durch Einheit von Wort und Bild als Gezeugter erscheint, so ist der Heilige Geist durch die Einheit des Lebensodems ein selbständiges, lebendiges Wesen. Der Lebensstrom geht nicht durch den Odem hindurch, sondern, weil Vater und Sohn eins sind in ihrem Leben, geht er in ihren Odem ein, um in ihm zu ruhen und zu enden. Gottes Odem ist also Träger des Lebens und, weil geistig, auch eine Person.

Ist nicht so GEIST oder ODEM des Vaters und des Sohnes der reichste, lebendigste und anschaulichste Name für die dritte Person in Gott?

Auch wenn wir Hauchung als Atmen nehmen, können wir diesem Ausdruck einen tieferen Sinn geben. Einatmen ist die Triebkraft, Ausatmen der Erguß des Lebens. Im Atem wogt und flutet das Leben. Im Ausatmen sehen wir gedrängt, und gehaltvoll das Überströmen des ganzen Lebens. Auch in diesem Sinn stellt uns der Name

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Hauchung die wahre Lebensvermittlung und den persönlichen Ausgang des Heiligen Geistes aus Vater und Sohn vor Augen (vgl. Gen 2,7 und Ez 37,4).

4. Aber auch das Wort Ausgang hat einen tieferen Sinn (vgl. Jo 15,26).

Die Ausprägung des väterlichen Wesens, die Ausstrahlung der göttlichen Erkenntnis im WORT ist ruhig und abgeschlossen. Vater und Sohn stehen sich erkennend und beschauend gegenüber. Indem sie aber den Heiligen Geist hervorbringen, verkehren sie miteinander, bewegen sie sich zueinander, leben sie ineinander. Da ist ein ewiges Ausgehen, ein Hingeben und Hinnehmen, ein unbegrenzt kräftiger lebendiger Hauch, der von beiden ausweht, ein gewaltiger Pulsschlag des unendlich weiten Gottesherzens, das in der höchsten Glut des Gemütes aufwallt als lodernde Flamme eines allumfassenden Feuers der Liebe. In dieser drängenden, rührigen, sich ergießenden Liebe strömt das Wesen des Vaters und des Sohnes in den Heiligen Geist über. Darum auch der starke Sturmwind, der am Pfingsttag das Haus der Apostel erschütterte, darum die beweglichen flammenden Zungen über den Aposteln. Darum vergleicht der Heiland auch den Heiligen Geist mit einer sprudelnden Quelle lebendigen Wassers (Jo 7,58).

Die in Gott herrschende, ewige Ruhe wird aber dadurch nicht gestört. In Gott herrscht tiefster Friede, ungetrübteste Glückseligkeit. Die göttlichen Personen bewegen sich nicht, um

43 etwas zu suchen; sie haben alles; sie besitzen, genießen und umarmen in ungestörter Freude von Ewigkeit zu Ewigkeit den Heiligen Geist.

5. Der hl. Augustin sagt sehr treffend und geistreich: "Der Heilige Geist geht nicht aus wie geboren, sondern wie gegeben". Weil V ater und Sohn durch Liebe ihre Natur an den Heiligen Geist hingeben und ihn als das pfand ihrer Liebe auch gegenseitig schenken und ihn so gemeinsam besitzen, wird der Heilige Geist nicht gezeugt, sondern gegeben. Daß er uns gesandt wird, ist gleichsam die Fortsetzung der ewigen Hingabe, aus der er selbst hervorgeht und die sich in ihm vollzieht. Uns wird er als freie Gabe geschenkt; in Gott ist er aber so notwendig wie die Liebe in Gott wesentlich ist. So ist es dem Heiligen Geist eigentümlich, die erste und höchste Gabe in Gott zu sein und zugleich Quelle und Ziel aller Gaben, welche Gott aus freier, gnädiger Liebe uns spendet. Vor allem schenkt uns Gott die Gabe, ihn lieben zu dürfen, womit er auch das unendliche Pfand, das in dieser Liebe niedergelegt ist, mitschenkt, den Heiligen Geist. Damit tritt der Strom überfließender göttlicher Liebe auch nach außen hervor, um uns mit dem Reichtum ihrer Gaben zu überfluten. Dieses Wunder geschieht besonders durch die Gnade, durch die wir an Gottes Leben teilnehmen und, mit ihm übernatürlich verbunden, die Süßigkeit und Seligkeit genießen dürfen, welche Vater,und Sohn im Heiligen Geist besitzen und sich ihrer

erfreuen.

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6. Als Geist, als Odem Gottes weht der Heilige Geist aus dem Herzen Gottes in unser Herz hinein und schlingt ein lebendiges Band um beide: Schöpfer und Geschöpf!

Als Geist durchdringt er uns mit semer lieblichen Wärme und erfüllt uns mit unaussprechlicher Wonne.

Als Geist teilt er uns seine Liebe mit und trägt vom Licht des Sohnes leuchtende Funken in uns hinein und entfacht sie zu hellstrahlender Flamme, damit wir Gott mehr und mehr erkennen.

Als Geist durch ström t er uns, seine Geschöpfe, mit seiner Lebenskraft, befreit uns vom Tod und von der Verwesung und erfüllt uns mit unsterblicher Liebe zu Gott.

Als Geist sehen wir ihn als den süßesten Kuß, worin Gott seinen Liebesbund mit uns, seinen begnadeten Geschöpfen besiegelt. Als Odem des Lebens ist der Heilige Geist mit seiner wohltuenden Wärme und erquickenden Kühle die reinste Blüte in der göttlichen Liebe: Wir können ein wenig nachfühlen, wie er in Gott "die Wonne, das Glück, die Seligkeit ist, die Süßigkeit des Erzeugers und des Erzeugten" (hl. Augustin).

Er, der Paraklet, der Tröster, kühlt unsere Wunden mit seinem kühlen Hauch und erhebt unsere niedergeschlagene Seele wie ein starker Wind. In ihm schlägt das liebende Vaterherz Gottes und führt unser banges Herz der väterlichen Umarmung entgegen.

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2. Heilig

1. Die dritte Person in Gott heißt nicht einfach Geist, sondern HEILIGER Geist. Obwohl oder vielmehr gerade weil Vater und Sohn heilig sind, ist der Geist, den sie aushauchen, ganz besonders heilig.

Liebe und Einheit zwischen Vater und Sohn sind göttlich, muß da nicht auch ihr pfand unendlich kostbar sein? Muß da nicht ihr Band, das sie umschlingt, unverletzlich, unantastbar sein? Ihr Siegel rein und unverfälscht? Muß ihr Geist, mit einem Wort gesagt, nicht die Heiligkeit selbst sein?

Das Heilige bedeutet uns das erhabenste, verehrungswürdigste, kostb~:-ste Gut. Heilig sind uns die festesten, unverbrüchlichsten Bindungen, heilig auch die unerschütterliche Treue, womit sie unterhalten und ausgeführt werden. Heilig ist uns das Lautere, das Makellose, das von keinem getrübt oder gefälscht werden kann. Besonders heilig ist uns die Liebe, von keiner Selbstsucht oder niedriger Sinnenlust getrübt.

2. Indem wir den Geist des Vaters und des Sohnes den Heiligen nennen, erscheint er uns wie ein unendlich kostbarer, aus ihrem Liebesund Lebenshauche kristallisierter Diamant von unerschü tterlicher Festigkeit und lau tersten Reinheit. In unaussprechlich erhabener Weise verpfänden Vater und Sohn ihre Liebe in diesem Heiligen Geist; sie besiegeln in ihm ihren Bund

und befestigen und krönen ihre Treue. '

Der Sohn ist dem Vater gleich und der Heilige

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Geist ist in beiden heilig.

3. Heiliger Geist

Die Kirche nennt die dritte Person in Gott immer wieder richtig und tiefschürfend den Heiligen Geist. Nur ist er noch unendlich vollkommener und heiliger als wir Menschen es auf Erden ausdrücken können. Welcher Reichtum, welche Tiefe liegt aber doch schon in diesen Worten! Heilig und Geist! Was wir hier auf Erden davon sehen, ist nur entfernt ähnlich; wir können auch vom Heiligen Geist nur in analogen Ausdrücken sprechen. Und doch erscheint es uns schon so reich, so lebendig, so folgerichtig! Wenn wir diese Ausdrücke auch nur ein klein wenig durchbetrachten und verstehen lernen, steht das Geheimnis des Heiligen Geistes schon klar und anschaulich vor unsern Augen.

Vater, Sohn und Heiliger Geist haben uns diese Wahrheiten geoffenbart und uns so wieder einmal bewiesen, wie unendlich weise und gütig sie uns armen Menschenkindern entgegenkommen. 32

V. Symbole des Heiligen Geistes 1. Duft der Blume

Wenn wir atmen, hauchen wir unser Selbst aus; wenn die Blume haucht, duftet sie. Balsam, Weihrauch, Honig, Öl und Wein verströmen den

47 Duft der Pflanze. Duft breitet sich wie Äther aus, durchsichtig und unsichtbar wird die Luft von ihm erfüllt. Er ist das Feinste, das Edelste der Blume; sie strömt in ihm ihr Innerstes, ihre Seele aus. Ihr Duft spricht uns davon, wie rein, gesund und frisch die Blume erblüht. Er führt die Biene zum Veilchen, um sich in seinem Blütenkelch zu erquicken und den duftenden Honig zu bereiten. Die duftende Blüte spricht auch unser Gemüt an; Freude oder auch Trauer durchzieht unsere Seele.

Duft entströmt auch dem Heiligen Geiste, aber nicht als seelenlose Gabe, sondern als göttliche, personale Liebe, die im Herzen des Vaters und des Sohnes nur Freude, unendliche, ewige Freude bereitet in seligem Zusammensein. Sein Duft ist naturhafte Güte, höchste Heiligkeit und unaussprechliche Wonne, so seelenvoll, daß sie das göttliche Leben vollendet und in seliger Dreieinigkeit aufleuchten läßt. Sein Duft wirkt nach innen, in den Sohn als die Blüte und in den Vater als Wurzel und Stamm; nur so können sie eins sein, wesenhaft verbunden. 33

2. starkendes Öl

Auch das Öl entquillt der Pflanze, auch das Öl duftet, besonders wenn es mit dem wohlriechenden Balsam gemischt ist. Es ist Symbol der Güte, der Heiligkeit und der Wonne des Heiligen Geistes. Weil der Duft besonders dem Balsam entströmt, gilt dieser auch als Sinnbild des

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Heiligen Geistes selbst. Auch wir Menschen werdcn bei der Firmung mit dem Balsam des Heiles gesalbt, damit der Heilige Geist uns erquickt und stärkt. (Siehe auch: I1I. Teil. Der Heilige Geist in Christus.) 34

3. Erquickender Wein

Dem Dufte ähnlich, erfrischt auch der Wein und erquickt unser Gemüt. Er ist die "Seele der Traube". Wie sehr entspricht auch er dem Heiligen Geist! Und wie erst, wenn Wein in das Blut Christi verwandelt wird! Mit dem Blut des Herrn ergoß sich auch der Heilige Geist auf die unbefleckte Braut des Sohnes, die Kirche! (Vgl. III. Teil, 5. Kap.) 35

4. Kuß der Liebe

Das Hervorgehen des Sohnes aus dem Vater kann man mit der Zeugung eines Menschen vergleichen, das Hervorgehen des Heiligen Geistes aus Vater und Sohn mit dem Kuß, der zwei liebende Menschen vereint. Das Ausströmen des Odems aus dem Hcrzen, der Kuß, stellt beim Menschen das Verlangen dar, das eigene Leben einer anderen Person mitzuteilen. Was beim Menschen ohnmächtiges Streben bleibt, ist bei Gott machtvoll wirksam; das innere Ausströmen des göttlichen Odems, der Kuß, der Vater und Sohn vereint, ist eine Lebcnsmitteilung, die von Ewigkeit wahr und wirklich ist. Der Odem

49 Gottes ström t nicht von zwei getrennten Herzen wie bei den Menschen; er entströmt einem einzigen Herzen, das Vater und Sohn gemeinsam besitzen; daher bekundet und bestätigt ihr Odem die eigenste und wahrste Lebenseinheit. Da der Odem Gottes geistig und lebendig ist, muß er auch einen lebendigen Geist hervorbringen, die dritte Person in Gott, den Heiligen Geist. Das Symbol des Kusses ist zugleich geistig und anschaulich, da der Odem aus seelischen und geistigen Schichten des Menschen kommt, besonders wenn er sich im Kuß zweier sich liebender Personen rein und keusch ausdrückt. Der Kuß ist mit Liebe verbunden, die unmittelbar dem Herzen entströmt. 36

Vater und Sohn können in der Kunst als Menschen dargestellt werden, aber nicht der Heilige Geist, da er durch den unsichtbaren Odem als Geist versinnbildlicht wird. Doch könnte man von Vater und Sohn auch sagen, daß sie Geist sind, aber man muß hinzufügen:

Der Heilige Geist ist gleichsam die gemeinsame Seele beider Personen, die in Liebe vereinigt sind, deshalb wird er mit mehr Recht Geist in der Dreifaltigkeit genannt. Diese Gedanken hat besonders der hl. Cyrill von Alexandrien durchbetrachtet (gestorben im Jahre 444).37

5. Die Taube

In der Bibel wird uns der Heilige Geist' unter dem Symbol einer Taube dargestellt, so nach der

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Erschaffung der Welt und bei der Taufe Jesu im Jordan. Die Taube gilt allgemein als Symbol der Liebe und Treue, besonders der keuschen, sanften, geduldigen, unschuldigen Liebe.

Die Taube stellt uns den Heiligen Geist auch als Geist Gottes dar, wie er dem Vater und dem Sohne entströmt. Wie eine Taube entsteigt er dem Herzen Gottes, indem Vater und Sohn ihn aushauchen; wie eine Taube schwebt er mit ausgebreiteten Flügeln in beweglicher Ruhe und ruhiger Beweglichkeit über ihnen; er krönt, er vollendet ihren Bund; er verkündet durch seinen Seufzer die unendliche Seligkeit und Heiligkeit ihrer Liebe; er erscheint auch als Taube als ihr Kuß, ihre Umarmung, ihr Liebesseufzen; er ist ihnen zugleich Jungfrau und Braut. 38

Die Taube ist auch deshalb Symbol des Heiligen Geistes, weil sie als Vogel mit der Luft, dem Wind, dem Hauch und Odem verwandt ist; sie bewegt sich in der Luft, läßt sich von ihr tragen in schnellem Flug. Sie scheint selbst Luft zu sein; sie ist der lebendige, verkörperte Odem.

Man kann den Heiligen Geist nicht mit einem Lamm vergleichen, wie das J ohannes der Täufer beim Heiland macht, wohl aber mit einem Adler, dem gewaltigen, dem tapferen. Dieser Vergleich hat allerdings keinen Rückhalt in der Heiligen Schrift. Der Heilige Geist tritt uns eben als die liebliche, süße Gnade Gottes entgegen. Doch wären es treffende Symbole, die zugleich entgegengesetzte Pole aussprächen:

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Christus: Lamm und Löwe

Heiliger Geist: Taube und Adler. 39

III. Teil

DER HEILIGE GEIST IN CHRISTUS

1. Kapitel CHRISTUS, DER GESALBTE

1. Die Väter sagen, Christus sei durch den Heiligen Geist gesalbt, da dieser im \vOR T wohnt, von dem er ausgeht und so auch mit ihm in die Menschheit Christi herabgestiegen ist als der Ausfluß und Duft der Salbe, die das Symbol des WORTES darstellt. Die Quelle der Salbe kann nur Gottvater sein, weil er allein dem Sohne die göttliche Würde und Natur mitteilt.

Quelle Vater

Salbe Sohn

Duft Geist 1

2. Nur Gott kann eine Seele, die ein Geist ist und unmittelbar von Gott erschaffen ist, mit dem Leibe zu einem Menschen vereinigen und ihm so das natürliche Leben schenken.

Göttlicher ist es, wenn der Heilige Geist sich durch die Gnade mit der Seele des Menschen vereinigt; denn nur Gott allein kann durch einen ganz außergewöhnlichen und übernatürlichen Gnadenakt eine Seele, die er erschaffen, mit

göttlichem Leben beschenken. '

Um ein noch unendlich größeres Geheimnis

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handelt es sich aber, wenn die zweite Person in der Gottheit, das göttliche WORT, Fleisch annimmt, Mensch wird. Da verfügt Gott nicht über etwas Endliches, wie die menschliche Seele, sondern er teilt sein eigenes Sein mit; er gießt Gott in den Menschen Christus ein. Weil Gott hier nach außen handelt, schreiben wir die Menschwerdung nicht nur dem Vater, sondern der ganzen Dreifaltigkeit zu.

Das WORT fließt so innig in die Menschheit Christi, daß diese mit dem WORT nur eine Person, die des WORTES, wird. Da der Heilige Geist nicht vom WORT getrennt werden kann, so wohnt auch der Geist mit dem WORT in dem Menschen Christus. Wenn wir den Vater mit einem Ölbaum vergleichen, den Sohn mit der Olive und den Heiligen Geist mit dem Öl, das aus der Frucht entströmt und den Menschen zur Erquickung und zur Salbung dient, so haben wir ein sehr sinnvolles Symbol für die Salbung Christi durch den Heiligen Geist.

Der Ölbaum bringt Der Vater bringt durch die Frucht durch den Sohn

das Öl hervor den Hl. Geist hervor

für die Menschen. f. d. Menschen Christus So ist Christus wirklich ein Sohn des Öles, wie

seine Vorbilder Zorobabel und J osua nach Zach 4,14 genannt werden. In deutschen Übersetzungen steht statt Söhne des Öles gewöhnlich die Gesalbten.

Da der Sohn Gottes auch nicht vom Vater getrenn t werden kann - ist dieser doch der

53 letzte Grund, der alles beherrscht -, so wohnt mit dem Sohn und dem Heiligen Geist auch der Vater in Christus. 2

3. Daß Christus vom Heiligen Geist gesalbt ist, bedeutet aber noch mehr als das bloße Innewohnen des Geistes in Christus. Die Väter schreiben dem Heiligen Geist auch die Menschwerdung selbst zu und zwar aus folgenden Gründen:

Die Menschwerdung geht aus der freien, überschwenglichen Liebe Gottes hervor, die fast immer dem Heiligen Geist zugeschrieben wird.

Der Heilige Geist geht auch vom Sohn aus.

Wenn der Sohn nun vom Heiligen Geist mit der Menschheit vereinigt wird, so ist das kein Zeichen der Bedürftigkeit, sondern das WORT nimmt vermöge der Lebens- und Kraftfülle, die er selbst im Heiligen Geist offenbart, Fleisch an.

Der Heilige Geist geht vom Vater und vom Sohne aus; so ist es passend, daß gerade er Gott mit dem Menschen verbindet. Wie er das krönende Band zwischen Vater und Sohn ist, so ist er auch das Liebesband zwischen Gott und dem Geschöpf, in diesem Fall der Menschheit Christi.

Wie sich beim Menschen das Wort seines Geistes mit dem Wort seines Mundes durch den Atem verbindet und dann erst zum Ausdruck kommt, so ähnlich verbindet sich das göttliche WORT mit dem Menschen Christus und wird sichtbar auf Erden. Wie aber bei uns der Atem das innere Wort nach außen trägt, so ist es auch der Odem Gottes, der Heilige Geist, der das

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ewige WORT mit dem Menschen Christus verbindet und uns sichtbar macht.

Gott hat im ersten Menschen Seele und Leib vereinigt, indem er ihn anhauchte mit dem Odem seines göttlichen Lebens. So hauchte er auch das ewige WORT in die Menschheit Christi. Wer anders ist der Odem, der Hauch Gottes, als der Heilige Geist?

Durch die Menschwerdung teilte sich Gott in der erhabensten Form einem Geschöpfe mit, das er durch und durch vergöttlichte, heiligte, begnadigte. Werden nicht solche Handlungen Gottes immer dem Heiligen Geist zugeschrieben? 3

4. Wenn einem gewöhnlichen Menschen bei der heiligen Taufe der Heilige Geist eingegossen wird, so wird er auch mit dem Heiligen Geist gesalbt; doch unterscheidet sich diese Salbung grundlegend von der Salbung Christi. Gott teilt sich zwar beiden mit, um ihre geistige Natur übernatürlich zu vollenden. Bei beiden ist auch die Salbung nicht wesentlich oder notwendig, sondern eine freigeschenkte Gnade Gottes. Aber als die Menschheit Christi gesalbt wurde, wurde der ganze Mensch Christus in einem solchen Maße vollendet, daß die vergöttlichte menschliche Natur Christi mit der göttlichen Natur des ewigen WORTES nur eine einzige Person bildet, die Person des WORTES.4

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2. Kapitel CHRISTUS, UNSER MITTLER

1. Christus ist uns als der wahre und vollkommene Mittler vom Vater gesandt. Er führt uns das Heil aus einer Quelle zu, die nicht außer ihm, sondern in ihm fließt. Aus ihr vermittelt uns nämlich Christus den Heiligen Geist, den er als seinen eigenen Geist besitzt. Ist er doch Gottes Sohn, der den Geist vom Vater empfangen hat, um ihn uns mitzuteilen.5

2. Wenn ein Mensch durch die heiligmachende Gnade Kind Gottes geworden ist und der Heilige Geist in ihm wohnt, wird sein Tun und Lassen bei Gott wertvoller. Christus hat all diese Gaben und ist außerdem noch mit dem Heiligen Geist gesalbt. Seine Menschheit ist mit der unerschaffenen Gnade, mit dem Göttlichen WORT, personhaft verbunden. Der Geist, der im WORT ruht, heiligt alle Handlungen Christi. Seine Tugenden sind vom Heiligen Geist durchduftet, da er von ihm zum Gottmenschen gesalbt ist. Seine Taten werden vergöttlicht; sie besitzen göttliche WÜrde, Herrlichkeit und Heiligkeit. \Venn nun dieser Christus, als unser Erlöser, als unser Mittler vor den Himmlischen Vater tritt, dann besitzen seine Taten und sein Opfer einen unendlichen \V ert im Heiligen Geist; er ist 4aher auch fähig, die unendliche Missetat des Menschengeschlechtes wiedergutzumachen. Kein blo-

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ßes Geschöpf, mag es auch noch so innig mit Gott verbunden sein, kann unser Mittler bei Gott sein, da seine Handlungen nie unendlichen Wert besitzen können.6

3. Christus, unser Mittler, verpfändet uns an Gott, womit beiderseits die innigste, erhabenste und unwandelbare Freundschaft und Liebe begründet und sichergestellt wird. Tertullian nennt Christus einfachhin den pfandbewahrer zwischen Gott und den Menschen. Das pfand ist aber nichts anderes als der Heilige Geist! Damit schenkt uns Gott in seinem Sohn das Kostbarste und Süßeste, was er besitzt, den Geist seines Herzens. Auch muß Gottvater die menschliche Natur Christi als zu sich selbst gehörig lieben, da sie den Namen seines Sohnes trägt und~seinen Geist als pfand in sich birgt.

Dieses höchste pfand läßt uns arme Menschenkinder hoffen, die Erbschaft der Kinder Gottes zu erlangen, wie wir auch vertrauen, daß unser Vater uns mit seinem eigenen Leben erfüllen wird, weil er die Menschennatur im Sohn durch den Heiligen Geist als eigen anerkannt hat.7

3. Kapitel GEIST UND BLUT

1. Die Idee des Opfers Christi treibt ihre tiefsten Wurzeln bis in die Abgründe der allerheiligsten Dreifaltigkeit. Wie die Menschwerdung die ewige Zeugung nach außen fortsetzt

57 und weiterfÜhrt und auch nur von daher verstanden werden kann, so sollte der Gottmensch sich opfern und hingeben, um jene göttliche Liebe auszudrücken, durch die er als Gottsohn den Heiligen Geist haucht und ausgießt. Durch sein Opfer stellt Christus die Liebe, die er als Sohn zum Vater trägt, aufs erhabenste dar: "Damit die Welt erkenne, daß ich den Vater liebe, - so kommt, laßt uns gehen" (Jo 14,31)!

Wie Vater und Sohn ihr ganzes Herzblut an den Heiligen Geist verströmen und sich ihm als pfand ihrer unendlichen Liebe schenken, so wollte das Göttliche WORT in seiner Menschheit all sein Herzblut bis auf den letzten Tropfen vergießen, um seine vollkommene Hingabe an seinen Vater würdig darzustellen. Durch dieses Blut belebte der Heilige Geist den Menschen Christus, da das Blut der Lebensträger im Organismus ist. Von seiner Lieblichkeit war es durchweht, durchwÜrzt, geheiligt. So konnte es am Kreuz mit lieblichem Wohlgeruch zum Vater em porsteigen. Der Heilige Geist bringt es dar, vermittelt das Opfer; er ist die priesterliche Liebe in der Kreuzesliturgie; er ist der Engel, der das Opfer zum Altare Gottes hinaufträgt. Im Römischen Kanon beten wir nach der heiligen Wandlung: "In Demut flehen wir, allmächtiger Gott, dein heiliger Engel trage dieses Opfer auf deinen himmlischen Altar, vor deine göttliche Herrlichkeit". (V gl. Hebr 9,14) Der Heilige Geist hat den Heiland zum Opfer getrieben und bringt selbst das %eopfette Blut vor den Vater. Wort

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und Geist huldigen im Blut des Lammes dem Vater.

So wird das von Christus vergossene Blut zum wirklichen pfand und heiligsten Sakrament für die Ausgießung des Heiligen Geistes: Vater und Sohn teilen uns im Geist gleichsam ihr innerstes Mark mit. Ist nicht das Herzblut Jesu mit seiner reinigenden, erwärmenden und belebenden Kraft das Sakrament der Gnaden, die der Geist Gottes in uns hervorbringt? Und wird nicht auch aus dem Herzblut des Erlösers durch die Kraft des in ihm wohnenden Geistes der Mystische Leib und die leibliche Braut des Gottmenschen, die Kirche, gebildet, ähnlich wie aus dem Herzen des Vaters und des Sohnes ihr Geist und bräutlicher Mitgenosse hervorsproßt?

Deswegen steht' die Andacht zum heiligsten Herzen J esu, dem Altar der göttlichen Liebe, in der innigsten Verbindung mit der Andacht zum Heiligen Geist als dem göttlichen Vertreter dieser Liebe. Versenken wir uns tief in das Geheimnis des göttlichen Herzens und des Heiligen Geistes, besonders in unserer kalten, frivolen Zeit!

So ist das Herzblut Christi das Band zwischen Gott und der Welt, in welchem Himmel und Erde zusammenfließen, wie in der Dreifaltigkeit der Heilige Geist als der Ausfluß der wechselseitigen Hingabe des Vaters und des Sohnes das ewige Band ist, welches Vater und Sohn untereinander und auch mit den Geschöpfen verbindet.8

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2. Die Ausgießung des Blutes Christi und die des Heiligen Geistes treten uns in der Hl. Schrift innigst verwandt entgegen. Man vergleiche nur folgende Schriftstellen:

Hebr 12,24: " .. , Jesu Blut wurde ausgegossen, das eindringlicher redet als das Blut Abels" und Röm 8,26: " ... da tritt der Geist selbst für uns ein mit unaussprechlichen Seufzern".

An vielen Stellen: " ... das Blut des Bundes und der Erbschaft .. , " und E ph 1,14: " ... der Geist ist das Unterpfand unseres Erbes".

1 Petr 1,2: " ... Erwählt seid ihr ... geheiligt durch den Geist ... mit dem Blute Christi besprengt" oder E ph 1,13: "Ihr seid bezeichnet durch den Geist der Verheißung" .

Jo 6,56: "Mein Blut ist wahrhaft ein Trank" und 1 Kor 12,13: "Wir alle sind mit einem Geiste getränkt".

Eph 2,13: "Jetzt seid ihr Jesus Christus nahe gekommen durch sein Blut" und Eph 2,18: "Wir beide (Juden und Heiden) haben also durch ihn in einem Geiste Zutritt zum Vater".

Hebr 9,22: "Ohne Blutvergießung gibt es keine Vergebung der Sünden" oder Offg 22,14:

"Selig sind die, die ihre Kleider waschen im Blu te des Lammes" und 1 Kor 6,11: " ... Ihr seid abgewaschen ... im Geiste unseres Gottes".

Das Blut Christi ist das Blut des Lammes; es ist sanft, rein, überaus lieblich und Gott wohlgefällig, weil in ihm der Heilige Geist wohnt als ~ie reine Taube, die über ihn herabkam, um ihn der Welt als Lamm Gottes zu zeigen.

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DIe göttliche Taube haucht dem B[ute des Lammes jene wunderbare Lieblichkeit und Kostbarkeit ein, durch welche es zum Balsam wird, der uns Gnade und Friede bringt.

3. Die Symbolik der Hl. Schrift stellt uns immer wieder die tiefsten und reichsten Ideen unserer Erlösung und Heiligung gehaltvoll und folgerichtig vor Augen.9

4. Kapitel GEIST UND OPFER

1. Wie Christus durch die Kraft des Heiligen Geistes aus dem Schoße der Jungfrau seinen Leib bildete und in seine Person aufnahm, so erneuert er dieses Wunder auch in der Kraft des Heiligen Geistes durch jede Verwandlung des Brotes in seinen Leib und vervielfältigt damit seine eigenständige Gegenwart fort und fort durch die Räume und Zeiten.

Da der Heilige Geist in ganz besonderer Weise im Leibe Christi wohnt, so ergießt er sich auch über die, welche durch die Eucharistie mit Christi Leib zu einem Leib verbunden werden. Die alten Liturgien heben gerade diesen Punkt ausdrücklich hervor. Die Liturgie der Apostolischen Konstitution (vor 400) betet: " ... daß wir mit dem Heiligen Geiste erfüllt werden". Die Liturgie des hl. Chrysostomus: " ... daß wir, die wir an der Eucharistie teilnehmen, zur Gemeinschaft des Heiligen Geistes werden". Die Liturgie

61 des hl. Basilius: " ... daß wir alle untereinander in die Gemeinschaft des einen Heiligen Geistes vereinigt werden". 10

Bei dem Brandopfer der heiligen Messe bringt das geistige F euer des Heiligen Geistes die Opfergabe hervor. Er stellt sie zugleich Gott dem himmlischen Vater dar durch die Vergegenwärtigung des Kreuzesopfers und verschmilzt die opfernde Kirche mit dem ewigen Brandopfer des Lammes. 11

2. Im Opfer der Eucharistie vereinigt uns der in uns wohnende Geist Gottes, der auch der Geist Christi ist, zu einem Geist. Weil aber der Geist Christi in seinem Leibe weht, so müssen wir mit diesem Leibe eins werden, um in ihm den Geist und die Kraft, die in ihm lebt und wirkt, zu empfangen. 12

3. Unsere äußeren Opfer sind wertlos, wenn unser Herz nicht daran denkt, sich mit Christus dem Vater hinzuopfern. Diese Gesinnung weckt das Opfer des Fleisches Christi in uns; er gibt uns die Kraft, unsere Seelen Gott aufzuopfern und sie als würdige und wohlriechende Opfer vor den Thron Gottes zu bringen. Mit der Würze des Heiligen Geistes, von dem Christi Fleisch und Blut empfangen und erfüllt ist, soll es unsere Seelen durchduften.

Unser Opfer soll ein geistiges werden; denn es soll vom Heiligen Geist durchdrungen, beherrscht und durchläutert, Gott dargebracht werden. Nur das geistige Opfer des Fleis'ches Christi kann unseren Leib in und durch den

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Heiligen Geist über alle Schranken und Mängel des Stoffes und des Fleisches erheben. 13

4. Der Heilige Geist, als der Geist des Sohnes wesenhaft mit dem Leibe Christi verbunden, kommt mit diesem Leib zu uns und vereinigt sich mit uns und gibt sich uns zu eigen. Als der Odem des göttlichen Lebens und der heiligen Liebe wie auch als Pfand und Siegel unserer Kindschaft und unserer Einheit mit Gott, ergießt sich der Heilige Geist in die Glieder des Mystischen Leibes Christi: Das Blut strömt aus dem Herzen in den ganzen Körper!

Wein ist Symbol des Blutes - Traubenblut! und stellt uns mit seiner feurigen Glut, seinem kräftigen und doch so lieblichen Duft, seiner erquickenden, belebenden Kraft den Heiligen Geist vor. Sein Ausgang ist ein Hervorquellen aus dem Herzen des Vaters und des Sohnes; seine Sendung zu uns Menschen ist eine Ausgießung; er ist in sich selbst Strom und Duft des göttlichen Lebens. Der Geist Gottes ist uns der Wein der glühenden Liebe, der erquickt und labt, berauscht und beseligt. Ewig quillt dieser Wein aus dem Göttlichen WORT als aus der göttlichen Traube. Dieser Blut-Wein wird aus dem menschlichen Herzen des Heilandes durch die Gewalt seiner Liebe am Kreuz hervorgepreßt, über die ganze Welt ausgegossen und in unser aller Herzen eingeflößt.

Der Heilige Geist, als liebender Hauch de~ Sohnes, treibt den Sohn, sich in der Menschwerdung und der Eucharistie hinzugeben. Der Leil:

63 Christi, aus dem Feuer des Heiligen Geistes als eine geistige Gabe entsprungen, wird uns von Gott dem Vater geschenkt, und wir bringen ihn wieder als Opfer dar. Dieser Leib wird so vom Heiligen Geist durchdrungen, so verklärt und durchgeistigt, daß beide - wie Feuer und Kohle - eins zu sein scheinen. Er fließt vom Heiligen Geiste über, dessen Duft er im Opfer und dessen Lebenskraft auf uns ausströmt, wenn er sich uns zum Genusse darbietet.

Der Name "Eucharistie" - die gute Gabe deutet auch auf den Heiligen Geist hin, ist er doch wesend und wirkend die höchste Gabe selbst. All diese geheimnisvollen Gedanken sind herrlich angedeutet in der Gestalt des Peristeriums (Tabernakel) der alten Kirche, das als Symbol des Heiligen Geistes die Gestalt der Taube hatte. In ihm ruhte zwischen den Gottesdiensten die Eucharistie. 14

5. Kapitel GEIST UND ZEUGNIS

1. Jesus bezeugt sein göttliches Wesen, indem er sich auf seinen Vater im Himmel und seine Werke auf Erden beruft. Er besiegelt dieses Zeugnis mit seinem Blut und spricht davon, daß diese göttliche Beglaubigung seines Zeugnisses noch vollendet werde nach seiner Aufersteh~ng:

Er verheißt den Heiligen Geist, der herab kommmen und durch geistige und sichtbare Wunder

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seine Gottheit beweisen wird. 15

2. Christus sandte erst den Heiligen Geist, nachdem er in den Himmel aufgefahren war, weil dann seine eigene Würde und Seligkeit vollendet waren, und er im Himmel in alle Ewigkeit als vollkommenes Haupt über alle Geschöpfe thronen, als mächtiger Mittler zur Rech ten des Vaters sitzen und als höchster König seine Gnaden den Geschöpfen spenden sollte. Wenn er dann den Heiligen Geist sendet, beweist er, daß er ihn in vollendeter Gemeinschaft mit dem Vater sendet. So kann auch der Heilige Geist bezeugen, daß Christus für immer lebt und wirkt. Er bereitet uns auch auf die Gnaden vor, die wir als Jünger, hier auf Erden noch von Christus getrennt, borauchen, um nach dem Himmel zu streben und Christus mit himmlischer und geistiger Liebe anzuhangen, damit wir später im Himmel gemeinsam mit ihm den Ruhm und Glanz der ewigen Herrlichkeit genießen. 16

IV. Teil

DER HEILIGE GEIST IN MARIA

1. Kapitel

MARIA, DIE BRAUT DES HEILIGEN GEISTES

1. Als der Engel der Jungfrau die Empfängnis Christi ankündigte, sprach er: "Der Heilige Geist wird dich überschatten und die Kraft des Allerhöchsten wird über dich kommen". Sagt er

65 damit nicht, daß Geist und Kraft wohl auf die Jungfrau einwirken werden, sie aber unversehrt lassen, wie Licht, Odem, Tau auch auf die Blume einwirken, sie aber unversehrt lassen, sie gleichsam nicht berühren? Der Heilige Geist wird der Jungfrau geistig eingeflößt als der Träger göttlicher, zeugender Kraft; weil diese aber geistig ist, bleibt die Jungfrau unversehrt. Diese Kraft geht letz tlich vom Vater aus, deshalb wird der Heilige Geist auch der göttliche Samen genannt, der in die Jungfrau eingeht, um ihr göttliches Leben zu bringen.

Diese Zeugung wird dem Heiligen Geist zugeeignet; belebt er doch als Odem Gottes auch sonst den unbelebten Stoff. Er schwebte über dem Chaos der Urwelt und flößte ihm natürlichesLeben ein - er ruht nun über der Jungfrau und gestaltet in ihr Christi natürliches und übernatürliches Leben.!

2. Maria mußte vor, in und nach der Geburt des Heilandes auch deshalb Jungfrau bleiben, weil das Fleisch Christi uns lebendig machen sollte. Es ist Sitz und Organ des Gottesgeistes, der belebt und vergeistigt. Das Brot des Lebens, das die Kraft des Heiligen Geistes in sich trägt, konnte nur in der Glut eines solchen Geistes bereitet werden. Dieses vergeistigte Fleisch wurde wie ein Geist in Maria empfangen und geboren.2

3. Wir verehren deshalb mit Recht Maria als die Braut des Heiligen Geistes. Er wohnt i~ ihr als seinem Tempel; er erhält und vollendet auch

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nach der Geburt J esu gnadenhaft das übernatürliche Leben Marias.

Wenn sich dieser Bräutigam Marias in der Hl.

Schrift als Taube zu erkennen gibt, so können wir seine Braut, sein Abbild mit Recht auch Taube Gottes nennen. Ist sie doch als seine Braut eine rechtliche Person mit ihm, so daß er auch sie mit seinem Namen bezeichnen kann und darf.

Und wenn auch wir Tempel des Heiligen Geistes sind, von ihm begnadet und belebt, so dürfen wir sie, seine Braut, die Süße, die Gütige, doch sicher auch voll Vertrauen "Mutter der Gnade" und "unsere Mutter" nennen.

Das Göttliche WORT vergöttlicht J esus Christus, einen Mann. Er wird Lamm Gottes genannt, weil er sich für uns hinopferte.

Der Heilige Geist bringt einer Frau neu es, übernatürliches Leben als seiner Braut und seinem Ebenbild. Sie tritt wie er uns als Taube entgegen.

Lamm und Taube, harmonisch verbunden im Erlösungswerk Gottes!

Opfer und Gnade, wunderbar für uns bereitet! "Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünden der Welt, erbarme dich unser!"

"Meine Taube! Laß mich dich schauen, dich hören! Denn deine Stimme ist süß und holdselig dein Anblick!" (Hl 2,14)3

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2. Kapitel

MARIA, ORGAN DES HEILIGEN GEISTES

1. Weil Maria bei der Menschwerdung Christi als Heiligtum des Heiligen Geistes erkoren wird, ist sie so voll und ganz sein Organ, wie dies ein anderes Geschöpf nie erleben könnte. Die natürliche Kraft ihres Herzens, ihrer Seele und ihres Leibes wurde von der Kraft des Heiligen Geistes bewegt und getragen, um den Leib Christi zu bilden und das menschliche Leben des Herrn zu verwirklichen. Besonders als die Mutter Gottes das Jesuskind unter ihrem Herzen trug und zu Bethlehem gebar, betreute sie der Heilige Geist aufs liebevollste, da sie als sein auserwähltes Organ tätig war. Ihr ganzes Mutter-sein wurde von ihm geleitet und unterstützt. Als sein Organ nahm er sie auch aus von der Strafe, die Eva und ihre Nachkommen abzubüßen haben. Von ihr galt nicht: " ... und mit Schmerzen sollst du deine Kinder gebären". Wie konnte auch Maria Wehen empfinden, da sie auch in der Geburt des Heilandes jungfräulich blieb? In der Weihnachtsnacht durfte sie als Organ des Heiligen Geistes bei der Geburt J esu Christi mitwirken; sie hat ihn der Menschheit geschenkt und geholfen, daß das ewige Licht in die Welt ausstrahlte, damit es alle Menschen erleuchte.

2. Wenn ein Priester die Sakramente spendet, so vermittelt er nur die gnadenreichen S,chenkungen Gottes. Maria aber wirkte als Braut und Organ des Heiligen Geistes viel vollkommener

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mit als der Priester; denn sie schenkte durch ihre natürliche Lebenskraft mit dem Heiligen Geist zusammen den körperlichen Aufbau des himmlischen Kindes. Maria und der Heilige Geist schenken uns dieses göttliche Kind.

Ihr Leib war neun Monate von dem lebendigmachenden Fleisch Christi bewohnt, und ihre Seele war vom Tau des Heiligen Geistes befruchtet. Der Schoß Marias war die Wiege des Kindes, das uns das Leben bringt. Ihr Herz ist die lebendige Wurzel für das Reis, das uns die Gnaden Gottes bewirkt. Alle Gnaden der Erlösung gehen mit dem Heiland aus dem Schoße und dem Herzen Marias hervor. Das unbefleckte Herz Mariä zeigte sich würdig, ein vollkommenes Organ des Heiligen Geistes zu sein.

3. Als Mutter des Herrn wirkte Maria nur einmal mit dem Heiligen Geist zusammen, aber als Mutter der Kirche wirkt sie noch heute als sein Organ auf ihre Kinder in der Kirche Christi, da sie uns noch immer die Gnaden Christi vermittelt, wenn sie dabei auch mehr bittet als mitwirkt.

Daß Maria dem Sohne Gottes und seiner Kirche mütterlich dient, ehrt den himmlischen Vater aufs höchste; und als sie ihm Christus unter seinem Kreuze als Opfergabe mitaufopferte, wirkte sie so bei der Erlösung mit; der Heilige Geist hatte ihr auch dafür reiche und hohe übernatürliche Gnaden eingeflößt.

4. Ihre eigenste, persönliche Würde kommt Maria zu als der Braut, dem Tempel und dem

69 Organ des Heiligen Geistes. Aus dieser Würde fließen die Verdienste Marias und der Wert ihrer Tugenden. Wenn wir Christen schon Tempel des Heiligen Geistes sind, der in uns mit unaussprechlichen Seufzern betet, dann gilt das bei Maria, seiner Braut, unserem Vorbild und der Mutter der Kirche, um so mehr. Wenn die Kirche gemeinschaftlich Gottes Lob singt und betet, betet Maria mit und schenkt ihrer Liturgie übernatürliche Kraft und Würde, weil der Heilige Geist in beiden, in Maria und der Kirche, durch den Sohn den Vater verherrlicht.4

V. Teil

DER HEILIGE GEIST IN DER KIRCHE

1. Kapitel SEELE DER KIRCHE

I. Geist und Glieder der Kirche

1. Der Geist des Bräutigams macht alle Glieder der Kirche zu seinen Tempeln, in denen er wohnt und seine göttliche und vergöttlichende Kraft offenbart. Er leitet die Kirche mit Weisheit und Ordnung; er heiligt die seelischen Krankheiten, indem er die Sünden nachläßt, ja, er wirkt in der Kirche ähnlich wie im Leibe Christi; er erfüllt sie mit der Gottheit. Er überschattet die Braut Christi. Durch seine Glut verklärt er sie in das Bild der göttlichen ~atur. Er gestaltet ihr ganzes Sein um von Klarheit zu Klarheit. Er durchweht sie so tief und mächtig

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mit seinem göttlichen Leben, daß nicht mehr sie, sondern Gott in ihr lebt. Die Kirche wird durch den Heiligen Geist ihrem göttlichen Haupte und Bräutigam so gleichförmig, daß sie Christus selbst zu sein scheint.

Wenn bei menschlichen Gemeinschaften ihre Mitglieder ein Leib und eine Seele, oder wie Äste an einem Baum zu sein scheinen, so ist das nur ein Gleichnis. Als Glied der Kirche aber wird der Mensch wirklich in einen neuen, himmlischen Boden gepflanzt; er wird auf einen neuen Stamm, der Christus ist, aufgepfropft. Sein inneres Wesen, die Wurzel seines Lebens wird durch den Heiligen Geist umgestaltet; ein neues Leben wird ihm eingegossen, das vom Licht und Tau des neuen Himmels genährt und gepflegt wird.

Wie der Heilige Geist in der Menschheit Christi wohnt und wirkt, so wirkt er auch in der Kirche. In und durch Christus wohnt er mitten unter uns, gleichsam die Seele der Kirche. I

2. Die Kirche ist nach dem Plan des Gottmenschen wahrhaft Mutter über ihre Kinder, da sie ja die Braut Christi ist. Deshalb vermählt sich Christus durch das unauslöschliche Merkmal des Sakramentes der Priesterweihe mit seinen Priestern, den Organen der Kirche; er legt die mystischen Gnaden seiner Kirche in ihre Hände und beschattet sie mit der besonderen Kraft des Heiligen Geistes, damit sie ihm im Namen der Kirche seine Kinder gebären und sie mit ihm vereinigen. Der Priester vermittelt zwischen

71 Christus und seinen Kindern wie eine Mutter zwischen Vater und Kindern. Wie Maria vom He'iligen Geist überschattet wurde und der Welt den Sohn Gottes schenkte, so empfängt der Priester bei den Wandlungsworten durch die Kraft desselben Heiligen Geistes den eucharistischen Sohn Gottes, um ihn der Kirche zu schenken. Der Priester bildet die geheimnisvolle Mutterschaft Marias aus dem Heiligen Geiste nach und dehnt sie auf die Kirche aus.2

II. Geist und Sakrament

1. Weil der Mystische Leib Christi, die Kirche, sichtbar ist, werden auch die Verdienste Christi durch äußere Zeichen und Weihen uns zugewandt und die Kindschaft Gottes uns geschenkt.

2. Wie die Sakramente Werkzeuge Christi sind, sind sie auch Werkzeuge des Heiligen Geistes, da er durch die heilige Menschheit uns göttliche Kraft vermittelt. Christus wirkte im Geiste durch äußere Worte und Handlungen seine Wunder auf Erden. In seiner Kirche sind die äußeren Zeichen der Sakramente auch nicht nur Pfänder, sondern wirkliche Träger der Kraft, die durch den Geist vom gottmenschlichen Haupt in die Glieder des Mystischen Leibes ausströmt. Wie das geschieht, bleibt für uns Geheimnis, weil es so übernatürlich ist wie die Menschwerdung selbst, von der uns

diese Gnaden hergeleitet werden. ,

3. Am klarsten tritt das Verhältnis der Sakramente zum Heiligen Geist bei der Euchari-

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stie zu Tage. In ihr ruht der Heilige Geist sogar persönlich mit seiner belebenden Kraft im lebendigmachenden Fleisch des Göttlichen Wortes, das sich in den eucharistischen Gestalten verbirgt. In den übrigen Sakramenten ruht der Heilige Geist nicht, da diese nur Handlungen sind; nur seine Kraft ist in ihnen wirksam.3

4. Die Verwalter der Sakramente, die Priester, sind Glieder der Kirche, die, von Gott berufen, unwiderruflich mit dem Gottmenschen als dem Haupt des Mystischen Leibes und dem eigentlichen Spender der Sakramente verbunden sind. Sie müssen kraft eines besonderen Rechtsgrundes, der nur übernatürlich sein kann, durch die Kraft des Heiligen Geistes die Glieder der Kirche heiligen und zu Christus führen.4

5. Durch die Merkmale der Taufe, Firmung und Priesterweihe werden die Glieder des Mystischen Leibes geprägt, damit sie mit dem Haupte verbunden werden. Wie die menschliche Seele die Glieder des Körpers formt und belebt, so drückt der Heilige G~ist den Gliedern Christi das Gepräge ihres Hauptes ein und führt ihnen das göttliche Leben der Gnade zu. Deswegen wird der sakramentale Charakter auch Siegel des Heiligen Geistes genannt; er ist aufs innigste mit der Gnade und der Liebe verbunden, in welcher das Wesen des Heiligen Geistes, seine Lebensund Liebesglut ausgeprägt ist. Merkmal und Gnade salben die Seele in diesen Sakramenten:

Das Merkmal als unauslöschliches Siegel und die Gnade als übernatürliches Leben der Kindschaft

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Gottes. 5

III. Zeuge der Wahrheit

Die Schlußberichte der Evangelisten entwerfen ein reiches und harmonisches Bild, wie Christus das Lehramt der Kirche eingesetzt hat. Schon vorher hatte er die Apostel dafür vorbereitet und sie belehrt. Lukas und J ohannes haben uns berichtet, wie der Herr den Heiligen Geist als Zeugen der Wahrheit verheißen hat;

Lk 24,47 f.: "Ihr seid von alledem ja Zeugen.

Seht, ich sende den auf euch herab, den mein Vater verheißen hat".

Apg 1,8: "Ihr werdet jedoch Kraft empfangen, wenn der Heilige Geist über euch herabkomm t, und ihr werdet für mich zu Zeugen werden, in Jerusalem, in ganz Judäa und in Samaria, ja bis an die Grenzen der Erde".

Jo 14,16: "Ich will den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Beistand verleihen, damit er in Ewigkeit bei euch bleibe, den Geist der Wahrheit" .

Jo 15,26 f.: "Wenn dann der Beistand kommt, den ich euch vom Vater senden werde, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht, so wird er Zeugnis über mich ablegen. Auch ihr sollt Zeugnis ablegen, weil ihr von Anfang an bei mir seid".

Jo 16,13: "Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in alle Wahrheit einführen. Er wird nicht von sich aus reden; er

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wird reden, was er hört, und euch die Zukunft künden".

Offenbar sind diese Verheißungen deshalb an die Apostel gerichtet, damit sie als Augen- und Ohrenzeugen Christi Worte und Taten bezeugen und verkünden sollten. Christus' spricht sehr betont vom Heiligen Geist als dem Geist der Wahrheit, der von der ewigen, persönlichen Wahrheit, dem Göttlichen WORT, ausgeht und deshalb auch nur Wahrheit den Menschen übermittelt. Christus schildert ihn als Lehrer und Zeugen; er führt zur Wahrheit hin und bewahrt auch diese Wahrheit in der Kirche. Nur so und nur deshalb können die Apostel und ihre Nachfolger Christi Lehre vollkommen und unfehlbar verkünden.6

IV. Die Apostel und ihre Nachfolger

Wenn Bischöfe Priester weihen, so üben sie als Organe des Heiligen Geistes diese Gewalt aus. Wenn diese Bischöfe dann den Priester zum Pfarrer einer Gemeinde bestellen, so tun sie das kraft ihres Amtes als Stellvertreter Christi. Das sind keine Gegensätze und können auch keine sem.

Als Träger der Weihegewalt handeln sie als Werkzeuge und sind Kanäle der Gnade, weil in ihnen der Heilige Geist, der die Kirche beseelt, lebendig und fruchtbar wirksam ist. Obwohl sie auch Organe Christi, des Hauptes sind, vertreten sie da nicht das Haupt so, wie dieses die Glieder

75 des Mystischen Leibes betreut und beherrscht.

Als Träger der Amtsgewalt aber vertreten sie zunächst das Haupt, obwohl sie auch da vom Heiligen Geiste geleitet werden. Hier komm t mehr der Gehorsam dem Haupte gegenüber zur Geltung.

Die Apostel und ihre Nachfolger haben also ein doppeltes Verhältnis: das der Gnade zum Heiligen Geist als der Seele der Kirche und das des Gehorsams zu Christus als dem Haupte der Kirche.7

V. Die Geistbegabten

Manche Glieder der Kirche haben den Heiligen Geist als besondere Gabe (charisma) erhalten; sie sind übernatürlich und natürlich begabt, die kirchliche Lehre rein und klar, allseitig und sicher aufzunehmen, zu verarbeiten und wiederzugeben. Sie können die Lehre vorzüglich durch Wort und Schrift einprägen, begründen, verbreiten: sie gehen der kirchlichen Lehrgewalt mit Rat und Tat richtunggebend zu Hand. Sie brauchen nicht von Menschen geweiht oder gesandt zu sein; sie sind vom Heiligen Geist selbst berufen und befähigt, zu forschen und zu lehren. Er schenkt sie seiner Kirche. Sie haben deshalb eine besondere Kraft und hohes Ansehen. Sie sind Licht und Leuchte für Priester und Laien. Sie müssen aber vom kirchlichen Lehramt anerkannt, gebilligt und empfohlen sein, damit sie immer und überall mit der Kirche organisch

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verbunden bleiben. Sie sollen Brennpunkte sein, die das Licht des Heiligen Geistes nach außen strömen lassen. Nie dürfen sie gegen das kirchliche Lehramt arbeiten, gegen dieses auftreten oder lehren. Ihm helfen und dienen sie, was immer sie auch unternehmen. Wenn sie die kirchliche Lehre, die die ganze Kirche anerkennt, vertreten und dabei vom kirchlichen Lehramt anerkannt sind, dann gilt ihr Zeugnis wie ein unfehlbares Zeugnis des Heiligen Geistes, und sie bestätigen hinwiederum das Urteil des Lehramtes und erfüllen es mit neue m Licht. Die Propheten und Evangelisten, die in Eph 4,11 erwähnt sind, waren solche Menschen. Später waren es die Kirchenväter und -lehrer, die zwar nicht wie die Apostel unmittelbar vom Heiligen Geist erleuchtet wurden, aber doch von ihm gesandt waren, um bestimmte Lehren der Kirche klar und deutlich auszusprechen. Man könnte sie ein außerordentliches Lehramt nennen, das aber immer durch das ordentliche Lehram t bestätigt werden mußte.

Eine vom Lehramt unabhängige Verkündigung wäre der Anfang einer Irrlehre, wie schon Tertullian (gest. 220) schrieb: "Beweisen wir den Glauben durch irgendeinen Menschen oder erkennen wir den Menschen durch seinen Glauben? " Vinzenz von Lerin (gest. vor 450 - vgl. Taschenbuch Nr. 3 "Mahnschrift gegen die Irrlehrer", Petrus- Verlag, D-5 24 2 Kirchen/ Sieg) sagte: "Wir müssen mit der Kirche den Lehrer aufnehmen, aber nicht mit dem Lehrer die

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Kirche verlassen". 8

VI. Die Gemeinde des Heiligen Geistes

Weil der Glaube der Gemeinde übernatürlich ist, steht er wie die Lehre der Kirche unter dem Einfluß des Heiligen Geistes. Wenn die Gemeinde ihren Glauben bekennt, so bekundet und bezeugt sie die Verkündung, die durch das Lehramt geschieht, wenn sie von diesem gelenkt und geleitet wird. Lehram t und Gemeinde sind untrennbar, organisch eins, sind wie Haupt und Glieder, weil derselbe Heilige Geist, welcher das Lehramt belebt und leitet, auf Grund der Taufgnade alle wahrhaft Gläubigen, äußerlich und innerlich durch Lehram t und Gnade befähigt und anregt, die christliche Wahrheit zu glauben, zu verkünden und zu bezeugen. Das Wort Gottes hallt in den Gläubigen wider. Vom Heiligen Geist beseelt, tönt es wieder zurück aus den Herzen der Gläubigen in die ganze Gemeinde. Dieses einmütige Bekenntnis des gesamten Kirchenvolkes ist eine innere, vom Heiligen Geist gewirkte Kraft, die so stark ist, daß es mit dem Zeugnis des Lehramtes gleich unfehlbar, ein Zeugnis des Heiligen Geistes darstellt. Lehram t und Gemeinde sind eins. Das Zeugnis und der Glaube beider macht die Wunder des Heiligen Geistes so sichtbar, daß wir schon allein daraufhin bewogen werden, an den Herrn zu gla,uben. Das Kirchenvolk kann sogar dem Lehram t vorauseilen und auf dieses zurückwirken, aber

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auch dann ist es nicht letzter Richter und Zeuge des Glaubens.9

2. Kapitel LEHRER DER KIRCHE

I. Die Heilige Schrift

1. Die Bücher des Alten und Neuen Testamentes sind heilige und anerkannte Urkunden der Offenbarung, weil sie von der Kirche bewahrt und veröffentlicht werden als das geschriebene Wort Gottes. Es sind Bücher, die in ihrem ganzen Umfange Gott selbst zum Urheber haben; die menschlichen Schriftsteller haben nur als Werkzeuge des Heiligen Geistes, der sie geleitet (inspiriert) hat, die Hl. Schrift verfaßt, ähnlich wie Sekretäre ein Diktat ihres Herrn aufnehmen, aber frei sind, die Gedanken ihres Chefs auf ihre eigene Art auszudrücken. Die hl. Schriftsteller haben als Propheten Gottes, getrieben und getragen vom Heiligen Geist, gesprochen. "Keine Weissagung der Schrift darf nach eigenem Gutdünken ausgelegt werden; denn nie erging eine Weissagung durch eines Menschen Willen, vielmehr redeten die Gottesmänner, vom Heiligen Geist geleitet", sagt der hl. Petrus in seinem ersten Brief (1,21). Diese Stelle gilt nach allgemeiner Meinung nicht nur von den eigentlichen Propheten, sondern von allen, die Gottes Wort niedergeschrieben haben. 10

2. Die äußeren Formen sind dem Verfasser

79 der Schrift nicht so vom Heiligen Geist eingegeben worden wie die Gedanken, die sie ausdrücken; die Wahl der Ausdrücke sind mehr oder minder den Verfassern überlassen worden. Es war eben nur notwendig, daß die Gedanken, die der Heilige Geist geschrieben haben wollte, eindeutig wiedergegeben wurden. Deshalb kommt es nicht auf Sprache oder Stil an, die ja auch bei Übersetzungen nie ganz getreu gewahrt werden können. Der Heilige Geist ist nicht an einen Ausdruck gebunden; er könnte sich sogar, da er Geist ist, auch ohne jeden Ausdruck verständlich machen. I I

3. Die Worte der Schrift haben deshalb nicht nur den buchstäblichen Sinn, sondern sehr oft noch einen geistlichen, tieferen Sinn, der auch vom Heiligen Geist stamm t. Die in Worten ausgedrückten Tatsachen, Einrichtungen, Erscheinungen und Bilder werden nach Absicht des Heiligen Geistes, der alles überschaut und beherrscht, dazu bestimmt, noch andere Dinge vorzubilden, anzudeuten, zu bestätigen oder zu veranschaulichen. Deshalb müssen wir dem buchstäblichen Sinn der Worte, eben weil sie Werkzeuge des Heiligen Geistes sind, eine weit höhere Bedeutung und größere Tragweite zuschreiben, als sie in der Hand eines gewöhnlichen Menschen haben würden. Oft sind die Worte angemessener und sinnvoller gebraucht, und manche Sätze sprechen nach Absicht des Heiligen Geis,tes etwas aus, was man sonst nicht hineinlegen würde. Man nennt das den mittelbaren Sinn; er

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ist viel bedeutsamer als in rein menschlichen Schriftstücken, indem das, was beim Menschen erst durch Vergleiche und Schlußfolgerungen erkannt wird, vom Heiligen Geist in einem einzigen Blick zusammengefaßt wird und so auch in einem einzigen Ausdruck zusammengedrängt werden kann. Es ist deshalb verkehrt, die Hl. Schrift wie ein rein menschliches Buch zu behandeln, besonders dort, wo J esus Christus, Gottes Sohn, selbst spricht. Ein schönes Beispiel für den mittelbaren Sinn der Schrift ist die liturgische Anwendung von Spr 8 und Sir 24 auf die heilige Jungfrau. Die Stellen handeln über den Ursprung, die Eigenschaften, die Erscheinung und die Wirksamkeit der ewigen Weisheit. Maria als Mutter Christi ist ja mit der fleischgewordenen Weisheit unzertrennbar und innigst verbunden; sie ist daher der Spiegel der V ollkommenheiten, wie sie auch die Morgenröte der ewigen Weisheit ist und als solche dem Heiligen Geist vorgeschwebt hat, als er die Weisheit beschrieb. Wenn ein solcher mittelbarer Sinn vom kirchlichen Lehramt als solcher anerkannt ist, hat er volle Beweiskraft, wenn er auch dem buchstäblichen Sinn darin nachsteht, daß er nur indirekt ausgesprochen ist.

4. Die Hl. Schrift ist auch ein Kunstwerk, ähnlich wie das Buch der Natur; aber sie hat eine viel höhere Bedeutung und einen viel tieferen Sinn. Sie wird uns vor Augen gestellt wie ein Gemälde, gemalt vom Heiligen Geist, oder uns vorgeführt wie ein Drama, verfaßt von der

81 göttlichen Weisheit. Der Heilige Geist will uns damit anregen, die Schrift zu betrachten, um die geistliche, übernatürliche Welt, so mannigfach veranschaulicht, immer besser kennen und immer tiefer lieben zu lernen.

Dabei darf die Poesie des Heiligen Geistes nicht mit menschlicher Dichtkunst verwechselt und die Schriftworte dürfen nicht zu bloßen Erdichtungen gemacht werden. Ebensowenig wollen wir zu nüchtern die Schrift lesen und hinter ihrer Tiefe und Fülle zurückbleiben. Vor allem muß man sich hüten, nur Kritik und Sprachwissenschaft zu betreiben und dabei die Macht der vom Heiligen Geist geoffenbarten Wahrheiten nicht genug zu beherzigen. 12

H. Die kirchliche Überlieferung

1. Die kirchliche Überlieferung vollzieht sich nicht durch irgendwelche Menschen, sondern nur durch die tatsächlichen Glieder der von Christus gestifteten Kirche. Die Kirche, als ein organisches, von Gott selbst aufgebautes und durch seinen Geist belebtes und geleitetes, stets fortlebendes Gemeinwesen, überliefert uns die göttlichen Wahrheiten. Daher ist ihr Zeugnis kein rein menschliches, sondern ein Zeugnis des Heiligen Geistes. Es gilt um so mehr, je mehr die Träger dieses Zeugnisses im Organismus der Kirche eine besondere Stellung und Bedeu~ung in ihrem Verhältnis zum Heiligen Geist haben. Die Unfehlbarkeit dieses Zeugnisses bleibt sich

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in jedem Zeitpunkt gleich, sei er auch noch so weit vom Anfang der Offenbarung entfernt, weil der Heilige Geist für alle Zeiten die Kirche vor Irrtum bewahrt. 13

2. Besonders die Väter und Kirchenlehrer sind die Augen, durch welche die Kirche die Einsicht in die geoffenbarte Wahrheit gewinnt, und sie sind auch der Mund, durch welchen der Heilige Geist zur Kirche und ihren Kindern spricht. Deshalb sind die Schriften der Väter Bürgschaften für den göttlichen Charakter ihres Inhalts. !4

3. Obgleich die Theologen, die bis heute und auch sicher noch in Zukunft über das Glaubensgut schreiben und manchmal auch streiten, keine direkte Verheißung des Heiligen Geistes haben, besitzen sie dennoch seinen Beistand, daß er sie in ihrer Gesamtheit vor Irrtum bewahrt, weil sonst naturgemäß die Kirche, die ihnen vertraut und folgt, mit in Irrtum geführt würde, zumal da doch viele Theologen früher oder später zum Lehramt berufen werden.!S

III. Die Unfehlbarkeit des Papstes

Wenn der Papst als unmittelbarer und tatsächlicher Stellvertreter Gottes ein Endurteil bezüglich des Glaubens oder der Sitten abgibt, so muß dieses Urteil notwendig und schlechthin unantastbar und unwiderruflich sein und damit die pflicht auferlegen, innerlich und äußerlich diesem Urteil zuzustimmen. Ein solches Urteil stellt

83 unfehlbar das Urteil des Heiligen Geistes selbst dar und kann somit nicht falsch sein. Es kann deshalb niemals und in keiner Weise, selbst nicht vom Papst, umgestoßen oder wesentlich geändert werden. Weil der Heilige Geist darin gewirkt hat, kann man sich auch nicht darauf berufen, daß das Urteil in einem ungesetzmäßigen Verfahren zustande gekommen sei, weil es dann kein endgültiges Urteil mehr wäre. Es müßte dann noch eine höhere Instanz geben, die dieses Urteil aufhöbe. Die kann es aber nicht geben. Daraus sieht man, daß die Formel: "Es hat dem Heiligen Geist und uns gefallen ... " (Apg 15,28) im strengsten Sinne aufzufassen ist. 16

IV. Grundlagen der Theologie

1. Unsere geistige Erkenntnis hängt von unseren Sinnen ab und unterliegt infolge der Erbsünde verwirrenden Vorurteilen, Leidenschaften, böser Gesinnung, ja auch den bösen Geistern. Um wieviel mehr trifft das bei den Wahrheiten, die wir glauben, zu, besonders beim Geheimnis des Kreuzes, da der Glaube viel erhabener ist als alle natürlichen Vorstellungen. Der hl. Paulus drückt das im ersten Korintherbrief 2,14 mit den Worten aus: "Der naturhafte Mensch nimmt nicht an, was vom Geiste Gottes komm t". obwohl auch unser natürlicher V erstand Gott auf sein Wort hin glauben müßte, sobald er klar erkannt hat, daß Gott gesprochen, so ist es ihm doch praktisch unmöglich. Damit

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sich unsere Vernunft gedeihlich und sachgemäß betätigt, den Glaubensinhalt zu verstehen und eine lebendige und fruchtbare Erkenntnis zu erzielen, muß der Heilige Geist auf uns einwirken, uns läutern und verklären. Eine solche Erleuchtung ist überall mitzuverstehen, wo die Heilige Schrift von der Glaubensgnade redet. So sagt Paulus: "Möge der Gott unseres Herrn J esus Christus, der Vater der Verherrlichung, den Geist der Weisheit und der Offenbarung euch verleihen, damit ihr ihn erkennt. Möge er die Augen eurer Herzen hell erleuchten, damit ihr so begreift, zu welcher Hoffnung ihr berufen seid, wie herrlich reich sein Erbe bei den Heiligen wie überwältigend groß seine Macht an uns ist, die wir gläubig wurden auf Grund der großen Wirkung seiner Macht" (E ph 1,17 -19). Treffend nennt auch J ohann'es diese Erleuchtung, die uns über alles aufklärt, eine Salbung für Herz und Auge (1 Jo 2,27). Gelehrter Unterricht, eigene Anstrengung und natürliche Ausbildung werden dadurch übernatürlich unterstützt, ergänzt, zum Teil sogar ersetzt. 17

2. Stolz und Sinnlichkeit aber suchen uns zu beherrschen; sie wuchern in unserem Herzen und ersticken gute Anlagen. Das wird um so schlimmer, wenn wir verkehrt erzogen, vom Teufel beeinflußt oder durch Sünde in unserer Urteilskraft getrübt sind. Um diesen schlechten Einflüssen entgegenzutreten, schenkt uns der Heilige Geist die Gnaden der Demut und der Reinheit, der Wissenschaft und des Verstandes. 18

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3. Reinheit und Demut machen unser Herz für die Glaubenswahrheiten empfänglich. Sie sind schon notwendig, um im natürlich sittlichen Bereich richtig zu urteilen und zu handeln. Wenn der Heilige Geist mit diesen Tugenden nicht auf uns einwirkt, lassen wir uns nicht ungetrübt von der Gnade beeinflussen. Schon das Buch der Weisheit (1,4) spricht davon: "In eine Seele, die auf Böses sinnt, wird die Weisheit nicht eingehen; sie wird nicht wohnen in einem Leibe der Sünde". Wenn Christus sagt: "Dies hast du den Weisen verborgen, den Kleinen aber geoffenbart", so bezieht sich dies zunächst auf die Anschauung Gottes; es gilt aber auch schon hier auf Erden, um Gott überhaupt übernatürlich erkennen zu können. Mit reinen Augen schauen wir leichter das verklärende und läuternde Licht der Gnade. Kinder und schlichte Gläubige, Geistbegabte und Heilige fassen oft die erhabensten Geheimnisse klarer und reiner auf als stolze Philosophen, deren Denkfähigkeit aufs äußerste ausgebildet ist. Der Heilige Geist wirkt eben durch die Gabe der Frömmigkeit. Sie ist wie eine Sonne, die das Glaubensleben in uns zur vollen Entfaltung bringt. 19

4. Volle Kraft und sprühendes Leben erhält unser Glaube erst, wenn das übernatürliche Leben, das vom Heiligen Geist ausgeht, in unserer Seele erblüht. Nur dieses Leben verbindet uns innigst mit den Geheimnissen des Glaubens, prägt ihr lebendiges Abbild unserem Innern ein, läßt sie uns kosten und empfinden,

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macht sie uns verwandt und vertraut. Wurzel und Blüte dieses Lebens ist die Liebe zu Gott. Sie macht unsern Glauben erst lebendig und fruchtbar an guten Werken; sie macht unsere Erkenntnis lebensvoll, innig, genuß- und wonnereich und gestaltet in unserem Selbst die vollkommene Weisheit, indem sie uns die Geheimnisse Gottes so vergegenwärtigt, daß sie uns zum Vorgeschmack der einstigen Anschauung werden. Ein solch begnadeter Mensch darf hier schon in mystischer Beschauung Gott genießen. Hier wirkt der Heilige Geist durch die Gnade der Weisheit, der höchsten unter den sieben Gaben. Wenn wir hier von mystischer Beschauung reden, so drücken wir damit zugleich aus, wie hell das Licht des Glaubens ist, aber auch, wie er trotzdem so dunkel ist, daß er sich von der Anschauung Gottes in der Ewigkeit wie Tag und Nacht unterscheidet. Diese Weisheit wird nicht erworben, sie wird uns geschenkt, wir werden von Gott erleuchtet und begnadet. Ein solcher Mensch verhält sich passiv; er nimmt auf. Sein Verstand ruht sozusagen. Sobald er sich dabei anstrengt und nachdenkt, ist die Beschauung nicht mehr passiv, sondern erworben.

5. Auch ein Mensch, der gar nicht theologisch gebildet ist, kann mit der passiven Beschauung begnadet werden. Doch wird sie gewöhnlich durch eigenen Fleiß vorbereitet und unterstützt. Sie belebt die theologische Wissenschaft, macht sie inniger, reicher und vollkommener; sie müßte daher das Ziel aller Gottesgelehrten, ja aller

87 Christen sein. Beschauliche Menschen erkennen Gott und seine Geheimnissse viel leichter und tiefer als ein Forscher, der hervorragend veranlagt ist, unermüdlich die Wahrheit sucht, aber sich nur auf seine eigenen Talente stützt.

6. Passive Beschauung oder innere Gemütserfahrung können die Gewißheit des Glaubens nicht ersetzen; wohl können sie diese inniger, freudiger und gesicherter machen. Wären sie für die Sicherheit des Glaubens maßgebend, würden wir einer trügerischen und gefühlsmäßigen Schwärmerei verfallen. Wir würden die Offenbarung genauso gefährden wie durch eine Wissenschaft, die sich vom übernatürlichen Glauben lossagt. Manchmal ist falsche Mystik noch verderblicher als falsche Wissenschaft. 20

7. Weil der Heilige Geist so nachdrücklich auf das theologische Wissen einwirkt, es vollendet und besiegelt, es in seinem Ursprung, Inhalt und Endzweck heiligt, ist dieses Wissen auch in sich heilig. Weil deshalb die Theologie in keiner Weise eine profane Wissenschaft darstellt, muß sie wie der Glaube auch selbst in ganz besonderer Weise unter die Obhut und die Leitung der Kirche, des Organs des Heiligen Geistes, gestellt werden. Während die profanen Wissenschaften nur indirekt von der Kirche geprüft werden müssen, ob der wahre Glaube durch sie nicht gefährdet wird, muß die Theologie als ein heiliges und geistliches Gut, als höchst wichtiges und einflußreiches Mittel, den Glauben zu bewahren, unmittelbar und bestimmend von der Kirche beaufsichtigt

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und verwaltet werden. Sie ist wesentlich dazu berufen, wissenschaftlich die theologische Disziplin zu fördern; sie allein besitzt auch die Macht, den öffentlichen Vortrag zu autorisieren und zu regeln. Die gedeihliche Pflege der Theologie ist nur möglich im Schoße der Kirche. im engsten Anschluß an ihre Autorität und ihre Hilfsmittel. Nur so können Kirche und Theologen sich des segensreichen und unfehlbarer Einflusses des Geistes der Wahrheit versichert halten, ohne den sie in der übernatürlichen Wissenschaft weniger als nichts wissen. Weder Wissenschaftler noch Staat können daher die Theologie als eine rein natürliche Wissenschaft erklären. In keiner Weise hängt sie von diesen ab, kann also auch nicht von ihnen verwaltet werden. Wenn es danach ginge, wäre z.B. die Ehe nur ein sozialer Vertrag und ein rechtliches Gut. das einzig vom Staat abhinge. Man entweihte sc das Heilige und möchte das "Priestertum der Wissenschaft" geweiht sehen. 21

VI. Teil

DER HEILIGE GEIST IN UNS

1. Kapitel

DIE ZUEIGNUNGEN IN GOTT

1. Die Heilige Schrift und die kirchlichen Schriftsteller legen immer wieder den einzelnen Personen in Gott bestimmte Namen, Eigenschaften und Tätigkeiten bei, die mit dem Namen

89 "Zueignungen" bezeichnet werden. Sie werden der betreffenden Person deshalb zugeeignet, weil sie ihrem personalen Charakter besonders verwandt sind. Die anderen Personen sind aber nicht ausgeschlossen, da Gott dabei immer nur nach außen tätig ist und deshalb als dreieiniger Gott handelt.

2. Diese Zueignungen stellen uns die Personen lebendig vor; wir sehen Gott, "wie er leibt und lebt" .

Dem Vater wird der Ursprung, das Sein, das Ewige, die Einheit, die Macht zugeschrieben; dem Sohne die Wahrheit, Weisheit und Schönheit;

dem Heiligen Geist die Liebe und die Güte. Der Vater wird als die Wirkursache betrachtet, der Sohn als die Idee, nach der die Wirkung ausgerichtet ist, und der Heilige Geist als das Ziel, um dessentwillen der Vater wirkt.

Der Entschluß ist dem Vater zu eigen, der Plan dem Sohn und die Ausführung dem Heiligen Geist.

Der Vater schafft und gibt die Kraft, der Sohn gestaltet und erleuchtet, überträgt Ämter und Würden; der Heilige Geist belebt, bewegt, heiligt und schenkt die Geistesgaben.

Der Vater wirkt durch den Sohn als durch sein WORT, sein Ebenbild und durch den Heiligen Geist als den lebendigen Hauch seiner Liebe.

Der Vater wirkt durch den Sohn im Heiligen Geist. So ist der Sohn die Hand und der Heilige

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Geist der Finger, die vollenden, leiten, führen, schreiben, zeichnen, besiegeln und austeilen.

Im Vater ruhen die Geheimnisse Gottes; das WORT teilt sie uns mit; der Sohn wird daher auch das Antlitz, der Mund des Vaters genannt, der uns in die vertraulichen Geheimnisse Gottes einweiht. Der Heilige Geist haucht uns die Wahrheiten Gottes ein; er treibt uns an, sie weiter zu verkünden; er ist daher der lebendige, bewegliche, glühende, liebeswarme Odem Gottes, der uns die Liebe tief in unser Herz haucht; er ist auch die Zunge Gottes, die uns befähigt, die Liebe Gottes und seine Liebestaten zu verkünden; sie macht unsere Zungen beredt. Sturm und Feuerzungen trieben am Pfingstfest die ängstlichen Apostel hinaus vor die Menschenmenge, um mutig vom größten Liebeswunder Gottes zu berichten und es zu bezeugen. I Gott Vater äußert seine Macht durch seine Weisheit in seiner Liebe.

Noch genauer gesagt: Gott Vater, der Vertreter der göttlichen Macht, wirkt durch seinen Sohfl, den Ausdruck seiner Weisheit, im Heiligen Geist, dem Erguß seiner Liebe.2

2. Kapitel

DIE SENDUNGEN

I. Begriff der Sendung

1. Die Dreifaltigkeit der göttlichen Personen verzweigt die Äste ihres inneren Gefüges nach

91 außen: Die ewigen Ausgänge werden fortgeführt und die Personen in das begnadete Geschöpf gesandt. Schrift und Väter reden immer wieder davon, daß der Sohn bei uns einkehrt, wodurch er in uns wiedergeboren wird, und daß das ewige WORT in uns aufleuchtet, wodurch der Sohn den Vater offenbart.

Oft wird auch erwähnt, daß der Heilige Geist in die Geschöpfe ausfließt, wodurch er in uns wohnt und uns mit Vater und Sohn, von denen er ausgeht, verbindet. 3

2. Die Heilige Schrift sagt nur vom Sohn und vom Heiligen Geist, daß sie gesandt werden; vom Vater sagt sie, daß er den Sohn und den Heiligen Geist sendet. Der Sohn wird vom Vater gesandt und sendet mit dem Vater den Heiligen Geist. Der Heilige Geist wird dagegen nur gesandt.

Wenn die göttlichen Personen zu uns kommen, um in uns zu wirken, dann sucht uns Gott heim, so heißt es immer wieder in der Schrift. Wenn z.B. Gottes Geist in uns wirkt, dann tröstet er uns und führt uns in alle Wahrheit ein, wie der Heiland uns verheißt.4

3. Wenn Gott den Menschen erschafft, ihm helfende Gnaden schenkt oder dem Priester Gnaden gibt, damit er seinen Mitmenschen helfen kann, so sind damit keine Sendungen verbunden. Nur in der heiligmachenden Gnade wird der Heilige Geist in unser Herz gesandt; er wird uns wie ein Siegel eingedrückt, wie eJn Bild in uns wiedergegeben. Dieses Bild oder dieses Siegel leben; sie sind mit der Person verbunden;

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sie sind nicht irgendein Ausfluß ihrer Kraft. Auch wenn die göttliche Person sonst nicht in uns gegenwärtig sein würde, müßte sie kraft der Sendung in uns gegenwärtig sein wie das Siegel in seinem Abdruck. Das materielle Siegel wird nach der Berührung des Abbildes entfernt; aber der Heilige Geist bleibt in uns, weil sein Bild nur in ihm und aus ihm Bestand haben kann.s

II. Wurzel der Sendungen

1. Die Sendung des Heiligen Geistes in uns hat ihren Grund und ihr Vorbild im Ausgang dieses Geistes aus Vater und Sohn. Wenn er zu uns kommt, werden wir Kinder Gottes, aber nicht durch natürliche Zeugung, sondern durch Liebe, Gabe, Freigebigkeit Gottes. Die vollkommenste Frucht der Liebe, der Heilige Geist, in dem sich Vater und Sohn in Liebe umfangen, ist Keim und Wurzel aller Früchte, die Gott in uns durch diese seine Liebe hervorbringt. Die Liebe des Vaters zum Sohn, die sich im Heiligen Geist schon so unendlich fruchtbar und wonnereich geoHenbart hat, soll sich auch noch über das Innere Gottes hinaus in uns, seinen Geschöpfen, offenbaren.

2. Die göttliche Natur wird uns aus einer zweifibrigen Wurzel, die in der Heiligsten Dreifaltigkeit ruht, mitgeteilt. Wie der Sohn vom Vater als Kind ausgeht, so ist es auch denkbar, daß wir als Brüder des Sohnes vor Gott Vater treten dürfen. Das wird möglich, weil Vater und

93 Sohn ihre Liebe dem Heiligen Geist mitteilen, der sie uns schenkt, soweit wir als Geschöpfe dazu fähig sind. Der Heilige Geist, das Ergebnis der Einheit von Vater und Sohn, vermittelt uns, daß wir eins sein dürfen mit Gott.

Wenn wir über diese Geheimnisse nachsinnen, sehen wir ein, daß es für unser übernatürliches Leben durchaus notwendig war, uns etwas wissen zu lassen von der Zeugung des Sohnes, dem Ausgang des Heiligen Geistes und dem ganzen Reichtum der Heiligsten Dreifaltigkeit; denn sonst könnten wir nie ahnen, wie Gott, der Dreifaltige, uns liebt und mit Gnaden überhäuft.

3. Es ist nicht der Heilige Geist allein, der durch die Gnade uns belebt und in uns wohnt; die ganze Dreifaltigkeit begnadet uns und macht uns der göttlichen Natur teilhaftig. Aber gleichwohl nennt uns die Heilige Schrift gewöhnlich nicht Tempel des Vaters oder des Sohnes. Das Einhauchen des göttlichen Lebens tritt nämlich am klarsten in der Person hervor, welche der persönliche Odem dieses Lebens ist. Daher erscheint der Vater als der, welcher uns als seine Kinder zeugt, der Heilige Geist, ausgehaucht von Vater und Sohn, haucht das göttliche Leben in uns hinein. Der Sohn ist uns weder Erzeuger noch Beleber, sondern er beginnt in uns von neuem zu leben. Er wird wiedergeboren in uns aus dem Vater durch den Heiligen Geist; er kommt zu uns als WORT, als Abbild des yaters. Man könnte nun auch vom Vater und vom Heiligen Geist sagen, daß sie in uns zu leben

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anfangen, nicht aber, daß sie in uns wiedergeboren werden, weil sie ihr eigenes göttliches Leben und Sein nicht durch die Zeugung wie der Sohn haben.6

4. Der Heilige Geist steigt als, Kuß, als Umarmung aus dem Herzen Gottes auf uns herab; er trägt göttliche Liebe in unser Herz und bereichert uns mit seinen Gaben. Er durchdringt und erwärmt uns mit seiner Glut, belebt und erfrischt uns durch seine keusche Liebe. Er unterhält zwischen Gott und uns den innigsten Verkehr. Er ist uns das Unterpfand der Liebe Gottes. Er senkt sich in unser Herz als in seinen Tempel. Durch ihn wird unsere Seele zur jungfräulichen Braut Gottes, ja zur jungfräulichen Mutter, die selbst wieder das göttliche Leben in ihren Brüdern und Schwestern erwecken darf und soll. Maria, die ideale und wirkliche Braut des Heiligen Geistes, ist dabei ihr Vorbild, ihr Schutz, ihre Hilfe.

So dürfen wir sprechen, weil wir Kinder der Kirche sind; alle, Gott geweiht, sind wir auch Sinnbilder des Heiligen Geistes, Tauben, begnadet in ihrem Flug zu Gott.7

5. Da der Heilige Geist ein Gott ist mit dem Vater und dem Sohn, und da alle drei Personen wegen ihrer Einheit im Wesen unzertrennbar miteinander verbunden sind, kommen Vater, Sohn und Heiliger Geist in unser Herz, wenn auch in verschiedener Zueignung. Diese Ehre ist für uns unendlich groß, weil wir dem unendlichen Gott unendlich klein gegenüberstehen. Und

95 doch ist es ihm eine Wonne, obwohl zu unserer Kleinheit auch noch unsere Sündhaftigkeit kommt, bei uns Menschenkindern zu weilen (vgl. Spr 8,31).

Der hl. Augustinus sagt:

Vater, Sohn und Heiliger Geist kommen zu uns, wenn wir zu ihnen gehen:

Sie kommen, uns helfend - wir gehen, gehorchend;

Sie kommen, uns erleuchtend - wir gehen, erkennend;

Sie kommen, uns erfüllend - wir gehen, empfangend;

Ihr Anblick sei uns nicht äußerlich - sondern innerlich:

Ihr Aufenthalt nicht vorübergehend - sondern ewig.8

III. Ziel der Sendungen

Der Heilige Geist wird uns gesandt, damit wir der göttlichen Natur teilhaftig werden und dadurch zur Gemeinschaft des Sohnes Gottes gelangen, der in uns wiedergeboren wird. Wir treten somit als Brüder Christi zu seinem Vater, der nun auch unser Vater ist. Sohn und Geist führen uns so zu unserem letzten Ziel: Als Kinder des göttlichen Vaters werden wir zu ihm geführt, um mit ihm vereinigt zu werden.

Wir werden aber erst dann voll und gan~ in den Schoß des Vaters aufgenommen, wenn der Sohn Gottes mit seiner ganzen, vollendeten

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Herrlichkeit in uns wiedergeboren wird, und wir mit dem Sohn den Vater von Angesicht zu Angesicht sehen - in der Ewigkeit. Hier erst liegt das letzte Ziel aller Sendungen. Hier auf Erden werden wir noch geführt, in der Ewigkeit sind wir vereinigt: Der Vater bietet sich uns im Frieden der göttlichen Dreieinigkeit zu ewigem Genusse dar. 9

IV. Die Sendung des Heiligen Geistes 1. Kuß und Pfand

1. Der innere Er guß der Liebe zwischen Vater und Sohn, der sich im Heiligen Geist vollzieht, wird in uns nachgebildet und fortgesetzt, indem die übernatürliche, kindliche, göttliche Liebe in uns ausgegossen wird. In dieser Liebe wird der Heilige Geist, der Strom der göttlichen Liebe, unserem Herzen geschenkt; er gießt sich in uns und erfüllt uns. Die göttliche Tugend der Liebe beherrscht nun unseren willen und befähigt ihn, auch ausdrückliche Liebesakte zu setzen. "Die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist". Die göttliche Liebesflamme, die im Heiligen Geist lodert, schlägt auch in unsere Herzen und entflammt sie zu heiligem Liebesfeuer. Es sind Vater und Sohn, die ihren Geist in unser Herz hauchen, so wie "Gott den Odem des Lebens in das Angesicht Adams hauchte" (vgl. Gen 2,7 und 1 Kor 15,45). Es gibt kaum einen stärkeren und treffenderen Vergleich dafür, wie uns der

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Heilige Geist gesandt wird. 10

2. Der Heilige Geist als Person wohnt in uns als Kuß der Liebe und ihr Pfand. Indem wir den süßen Gast unserer Seele erkennen und lieben, an ihm uns erfreuen, erwidern wir den Kuß Gottes und verkosten seine unausprechliche Süßigkeit. "Vom Kusse geküßt zu werden, ist nichts anderes, als vom Heiligen Geist erfüllt zu werden", sagt der hl. Bernhard.

3. Der Heilige Geist kommt zu uns als das ungeschaffene, persönliche Geschenk; er ist Urbild und zugleich Beweggrund dieses Geschenkes, das uns die göttliche Liebe mitteilt. Unter uns Menschen ist die Gabe das Zeichen der Liebe, aber die Liebe selbst liegt nicht in der Gabe. Die väterliche Liebe aber, die uns Gott im Heiligen Geist zuwendet, besitzen wir in ihrem naturhaften Wesen und persönlichen Ausfluß. Der Sohn sagt zum Vater: "Damit die Liebe, womit du mich geliebt hast, in ihnen sei" (J 0 17,26). Der hl. Petrus sagt uns: " ... der Geist Gottes ruht auf euch" (1 Petr 4,14).

4. Als Kuß und Pfand ist der Heilige Geist unser Beistand, unser Tröster, unser Paraklet, den uns der Sohn Gottes verheißen, und den die Kirche zärtlich verehrt. Was tröstet und hilft uns mehr als zu wissen, daß wir von Gott mit väterlicher Liebe im Heiligen Geist geliebt werden, daß wir die Gaben besitzen, in denen sich diese väterliche Liebe uns mitteilt? Sie gießt die Quelle der kindlichen Liebe in uns 'aus, den Geist des Vaters und des Sohnes. 11

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5. Wie der Heilige Geist der Kuß ist, wodurch der Vater uns als Kinder annimmt, so ist er auch der Kuß des Sohnes, wodurch unsere Seele seine Braut wird. "Er küsse mich mit dem Kuß seines Mundes", bittet die begnadete Seele im Hohenlied, damit sie durch seinen geistigen Kuß eins mit ihm werde in seinem Geist. "Wer mit dem Herrn Umgang hat, ist ein Geist mit ihm" (1 Kor 6,17). So werden wir auch eins im Heiligen Geist mit dem Sohn Gottes. Der Sohn weckt in uns den Lebensodem, durch den wir mit ihm verschmolzen werden: Eine Flamme entzündet die zweite, und beide werden eine Feuerlohe. Der Geist des Bräutigams wohnt in seiner Braut; er vereinigt beide in der geistigen Ehe. In der menschlichen Ehe ist das durch die leibliche Einheit dargestellt, welche durch die gegenseitige Liebe zwischen Bräutigam und Braut erstrebt wird. Der hl. Bernhard schreibt: "Erkenne, daß du im Geist des Sohnes Tochter des Vaters bist und Braut des Sohnes: ,Komm in meinen Garten, Schwester, meine Braut' (Hl 5,1)! Schwester, weil aus einem Vater, Braut, weil aus einem Geist." 12

Der Heilige Geist ist als Kuß des WORTES der Lebenshauch, der vom Vater ausgeht und unsere Seele als Braut des WORTES belebt, indem er ihrem Antlitz das göttliche Leben einhaucht.13

Indem der Heilige Geist uns den göttlichen Adel verleiht, macht er uns dem Sohn Gottes ebenbürtig und seiner Vermählung würdig. Er teilt unserer Seele jene himmlische Schönheit

99 und Anmut mit, die den Sohn Gottes so entzückt, daß er von seinem göttlichen Throne herabsteigt, um uns zu umarmen und zu seinem Vater zu führen. Der Heilige Geist, das Band der göttlichen Liebe, ist Brautführer, pfand und Trauring unserer Vermählung mit dem göttlichen WORT. Er gibt uns das kühne Vertrauen, wie die Braut im Hohenlied, den Kuß seines Mundes von ihrem himmlischen Bräutigam zu verlangen, und - 0 Wunder - dieser Kuß ist eben der Geist, den der Sohn Gottes uns einhaucht, um uns seine Liebe und innerste Gegenwart empfinden zu lassen. Der Heilige Geist führt uns in die Herrlichkeit des WORTES ein und setzt unsere 'Seele auf den Thron, damit sie als "eine Königin in goldenem Kleid und vielfachem Schmuck angetan, zu seiner Rechten sitze" (Ps 44,10). Was bleibt uns noch übrig, als voll Liebe und Ehrfurcht zu singen: "Mein Geliebter ist mein und ich bin sein. Ich gehöre meinem Geliebten; er hat sich mir zugewandt" (Hl 2,16; 7,10). 14

6. Ist das nicht die Gemeinschaft des Heiligen Geistes, von der der hl. Paulus in seinen Briefen spricht (2 Kor 13,13; Phil 2,1)? Und nicht nur mit dem Vater und dem Sohn sind wir geeint, sondern auch mit allen, die wir zusammen geeint sind durch das goldene Band des Heiligen Geistes. "Bewahret sorgsam die Einheit des Geistes im Bande des Friedens" (Eph 4,3) t Diese Einheit ist der Heilige Geist selbst. Er ist das Friedensband, das uns alle umschlingt. Alle sind

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wir in ihm "wie ein Körper, so ein Geist" (Eph 4,4). Wie Vater und Sohn sich im ewigen Kuß als unwiderrufliches pfand den. Heiligen Geist zuhauchen, so sollen auch wir im Kusse eben dieses Geistes eins sein und bleiben in Ewigkeit. 15

2. Licht und Leben

1. Als Geist, der uns lebendig macht, der uns erleuchtet, wird uns der Heilige Geist mitgeteilt. Unserem Verstand ist er Leuchte und unserem Herzen Leben. Er leuchtet nicht nur von fern, wie etwa die Sonne das Licht auf die Erde niederstrahlt, sondern er senkt sich herab und wird in uns ausgegossen; in ihm sind wir getauft, in ihn eingetaucht, mit ihm gesalbt. 16

2. Er thront in uns, wie die Sonne am Himmelszelt die Erde bescheint, verklärt und verschönert. Wald und Wiese, Berg und Tal erstrahlen heller und schöner im Sonnenschein als im trüben Nebel. Aber die Sonne selbst dringt nicht in die Blume ein, sie verwächst nicht mit dem Blatt am Baum; sie bewirkt aus sich kein neues Leben. Die Sonne des Heiligen Geistes dringt in uns ein und bringt das neue Leben des· Gotteskindes in unsere Seele. 17

3. Gott schenkt uns bei unserer leiblichen Zeugung natürliches Leben, das den Körper belebt, ihn bewegt, ihn empfinden läßt. Er stattet unsere Seele mit Vernunft und freiem Willen aus, damit sie das Wahre, Gute und Schöne erkennen und lieben kann. So sind wir

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schon Ebenbilder Gottes.

Aber dieses natürliche Leben ist kaum ein Schatten des göttlichen Lebens, das Gott uns in der Taufe schenkt; es ist so gering, so schwach, so beschränkt, daß es mehr tot als lebendig ist, wenn man es mit dem übernatürlichen Leben, das der Heilige Geist in uns erweckt, vergleicht.

Der Heilige Geist befruchtet als der göttliche Lebensodem den Grund unserer Seele mit dem Keim des himmlischen Lebens. Einst schwebte er bei der Schöpfung über den Wassern und belebte die tote Erde mit Lebenskeimen der Pflanzen, Tiere und Menschen. Wenn aber das Taufwasser über den Täufling fließt, befruchtet der Heilige Geist die tote Seele mit dem göttlichen Lebenskeim und läßt die göttlichen Tugenden Glaube, Hoffnung und Liebe in ihr keimen und sprießen. Der Prophet Elisäus "beugte sich über das Kind hin, sein Mund an den Mund des Kindes, seine Augen an dessen Augen, seine Hände an dessen Hände", und in das Fleisch des Kindes kehrte die Lebenswärme zurück (4 Kön 4,34). So neigt sich auch der Heilige Geist zärtlich liebend über unsere Seele. Sein Mund haucht unserem Munde den Odem seines göttlichen Lebens ein; sein Kuß bringt uns den Geist seiner Liebe in unser Herz; durch seine allwissenden Augen erleuchtet er die Augen unseres Geistes; durch seine allmächtigen Hände läßt er die übernatürliche Kraft seines Lebens in uns überfließen, damit wir in Gott leben und Gott in uns.

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Elisäus hat den Knaben verlassen, nachdem er ihn auferweckt hatte; der Heilige Geist aber muß bei uns bleiben; ohne ihn können wir das göttliche Leben nicht in unserer Brust bewahren. Er bleibt in uns wie unsere Seele in unserem Leibe und belebt uns mit übernatürlichem Leben. Er pfropft unserem schwachen und elenden Geist das göttliche Reis seines Lebens auf, damit dieses, umgekehrt wie es in der Natur geschieht (Röm 11,24), den Stamm veredle, unser Leben in seines verwandle. Der göttli~he Geist durchdringt uns, damit wir, von seinem Licht genährt, himmlische Blüten treiben und mit göttlicher Glut erfüllt, Früchte geistlicher Liebe, die in Ewigkeit nicht vergehen, hervorbringen können.

4. Natürliches Leben ist schon so kostbar, daß auch der kleinste und verachtetste Wurm mehr wert ist als die Sonne, ohne die er nicht leben kann. Die Sonne lebt nicht; sie kann nicht Stoffe auswählen, um zu wachsen wie der Wurm; sie nimmt nur ab, je mehr sie ihr Licht verstrahlt.

Was lebt, bewegt sich von innen heraus, ohne eines äußeren Anstoßes zu bedürfen. Die Pflanzen leben, indem sie sich aus dem Samen entwickeln, mit ihrer Wurzel leblose Stoffe auswählen, ihrem lebendigen Körper einfügen und ihre Gestalt so aufbauen, damit sie Blüten und Früchte hervorbringen. Aber sie können sich nicht von der Stelle bewegen wie das Tier, das dazu auch sehen, hören, schmecken, riechen und genießen kann. Dadurch wird es um vieles

103 reicher als die Pflanze. Der Mensch mit seiner Vernunft sucht sich selbst die Mittel, die sein Leben erhalten; er kann sogar in das Innere der Dinge eindringen; er kann ihr Wesen erforschen; er kann das Gebiet des Möglichen durchstreifen, sinnliche und sogar übersinnliche, geistige Dinge und Wahrheiten erfassen und erforschen. Aus der Tiefe erhebt er seinen Blick zu den Höhen, auf denen der Unendliche thront. Aber solange der Geist Gottes nicht mit seiner übernatürlichen Gnade zu uns kommt, liegt unsere Seele gleichsam am Boden, einem Steine gleich, der das Licht der Sonne nicht in sich aufnehmen und genießen kann. Wie ein Wurm kleben wir an der Erde und erkennen nur mit Mühe die Geschöpfe als die Fußspuren Gottes, wir sind einfach tot fÜr die Übernatur. Wenn uns aber übernatürliches Leben durchströmt, so schwingen wir uns hinauf in die unermeßlichen Höhen der Gottheit. Der Heilige Geist durchweht uns dann mit seinem mächtigen Hauch und trägt uns bis zum Throne des himmlischen Vaters:

Der Heilige Geist - unser Licht und Leben!

5. Unser natürliches Leben kann nicht ewig dauern; es geht mit jedem Tag dem Tod entgegen, dessen Keim es schon von dem Tag an in sich trägt, an dem es gezeugt wurde. Um dem Tode auch nur für ein paar Tage zu entgehen, schlucken wir die bittersten Arzneien und nehmen die schwersten Operationen <j.uf uns. Was muß doch schon das natürliche Leben ein großes Gut für uns sein! Wie erst das göttliche

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Leben, das uns der Heilige Geist schenkt? Auch heute gilt der Spruch des Heilandes noch: "Wer seine Seele liebt, wird sie verlieren, und wer seine Seele haßt, wird sie zum ewigen Leben bewahren" (Jo 12,25).18

3. Seele unserer Seele

1. Wir sind auf Erden nicht alleingelassen; mit uns hat sich in der Taufe die dritte Person in Gott, der Heilige Geist, auf geheimnisvolle Weise vereinigt. Wir sind mit dem göttlichen Gast inniger verbunden als Menschen in irdischer Vermählung. Der Geist von oben durchtränkt uns, durchdringt uns, uns diese armseligen Menschen! Er wohnt zwar nicht wie meine Seele in mir, daß er und ich zu einer Natur verschmelzen würden. Das ist undenkbar, weil Gott sich als reiner Geist nicht mit Materie oder einem unvollkommenen Geist zu einem eigenständigen Wesen verbinden kann. Der Heilige Geist schließt sich uns nur an, um uns zu durchdringen. Dabei erfüllt er uns aber so vollkommen, ja vollkommener, als meine Seele den Erdenleib belebt und gestaltet. Gerade unsere Seele schmückt und krönt er übernatürlich. Er kommt zu uns als Seele unserer Seele. 19

2. Indem der Heilige Geist unsere Seele durchdringt, muß er auch zugleich unseren Leib durchfluten, ähnlich wie das lebendigmachende Fleisch Christi, das sich verklärt auch mit unserem Leib verbindet, wenn wir kommunizie-

105 ren. Hat sich nicht auch bei der Menschwerdung das WORT Gottes in Christus mit dessen Menschheit vereinigt? Auch da bleibt der Unterschied bestehen, Gott bleibt Gott und Mensch bleibt Mensch, aber beide werden zu einer Person, der göttlichen, verbunden. Wenn der Heilige Geist in unser Herz kommt, so bleiben zwei Naturen und zwei Personen für sich bestehen, sie leben getrennt nebeneinander, und doch durchdringt uns d~r Heilige Geist, wenn auch nicht so vollkommen wie das Göttliche WORT sich mit Christus verbindet. 20

Er ist die Wurzel und Quelle für unser übernatürliches Leben der Seele; nur durch ihn kann sie kräftig wachsen und gedeihen, da er inniger mit uns verbunden ist als das lebendige und hegende Mutterherz mit dem Leben ihres Kindes, das sie in ihrem Schoße trägt. 21

Wenn das Feuer das Eisen durchdringt, können wir nicht mehr unterscheiden, was ist Feuer, was ist Eisen und doch bleiben beide in ihrer Natur getrennt. Das Eisen leuchtet mit dem Feuer auf, wo es doch vorher schwarz und dunkel war; es wird schmiegsam und fügt sich willig dem Hammer des Schmiedes. Der Klumpen Eisen kann sogar zu Kunstwerken verarbeitet werden, die es leicht und anmutig zu schön gefügten Gittern werden lassen. Das Feuer verklärt das Eisen und beseelt es; es wird Glut und Licht. So belebt auch der Heilige, Geist unsere tote Seele durch sein Licht, sein Leben und verklärt sie zu himmlischer Herrlichkeit.22

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3. Die V äter nennen den Heiligen Geist auch Samen des Vaters, weil er wie ein Same in unser Herz eingepflanzt wird, um es zu beleben, zu beseelen, zu stärken, damit es wachse und Früchte bringe für das ewige Leben. 23

Als Geist des Vaters zeugt er uns zu Kindern Gottes, die die ewige Seligkeit im Himmel erben sollen.

Als Geist der väterlichen Liebe senkt er sich in uns hinab, um uns zu hegen und zu pflegen, damit er immer mehr die Seele unserer Seele werde.

Als Geist des Sohnes, unseres Hauptes und Bräutigams, macht er uns dem Sohne gleichförmig (vgl. Gal 4,6), weil er uns im Göttlichen WORTE unaussprechlich liebt. Wenn wir den Heiligen Geist auch "Geist der Gnade", "Geist des Lebens", "Geist der Heiligkeit", "Geist, aus dem und durch den wir leben" nennen, so können diese Namen auch die geschaffene Gnade bezeichnen, die dann Ausfluß, Reflex oder Organ der ungeschaffenen Gnade darstellen. So fassen wir geschaffene und ungeschaffene Gnade organisch zusammen. Es ist das ähnlich wie bei der menschlichen Seele: sie ist ein Geist und kann auch für sich bestehen; sie schickt aber ihre Ströme in die Nerven des Körpers, die die Muskeln bewegen und durch die wir sehen, fühlen, hören und empfinden können.24

4. Unser Geist soll nicht nur nach natürlichen Veranlagungen leben; er wird von der göttlichen Natur beseelt, die ihm in der Taufe eingepflanzt

107 wird (vgl. 2 Petr 1,4). Der Heilige Geist, die Seele unserer Seele, wird uns mitgeteilt. Geistig sein in der Liebe oder ein geistliches Leben führen im christlichen Sinn steht nicht nur unserem Triebleben, das durch die ErbsÜnde verderbt wurde, entgegen, sondern wir werden auch durch den Heiligen Geist befähigt und angeleitet, Gott zu lieben und das Gute zu tun. Wir werden von seiner Seele und seiner Liebe erfüllt. Mit ihm handeln und leben wir in der göttlichen Liebe, die dann aus unserem Herzen wie aus einer Quelle sprudelt. Wir lieben dann nicht so sehr irdische Dinge, auch wenn sie geistig sind, sondern vor allem den reinsten Geist, Gott selbst, und werden so in Gott hinein verklärt.

Diese Geistigkeit stellt der Apostel Paulu s im Briefe an die Römer der Begierlichkeit des Fleisches gegenÜber; sie ist uns als Kindern Gottes zu eigen; sie eignet uns den Geist Christi, des Sohnes Gottes an. Wie Christus lebt, so leben auch wir; was er begehrt, das begehren auch wir, so daß wir ein Geist mit dem Geiste des Sohnes werden (vgl. 1 Ko 2).

So können wir die Fleischeslust überwinden und beherrschen, was wir natürlicherweise sehr schwer erreichen könnten, nun aber, da wir ein Leben im Geist führen, hilft uns dieser Geist, den Sieg zu erringen.

"Wir haben nicht den Geist der Welt el1lpfangen, vielmehr den Geist aus Gott, damit wir erkennen, was uns von Gott in Liebe geschenkt

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ward. Und davon reden wir, nicht zwar ir Worten, wie sie Menschenweisheitlehrt, sonden wie der Geist sie eingibt: Geistiges erklären wi den Geisterfüllten. Der naturhafte Mensel nimmt nicht an, was vom Geist Gottes kommt als Torheit kommt es ihm vor; er kann es auel nicht begreifen, denn geistig will es verstander sein. Der geisterfüllte Mensch dagegen verstehl alles, während er selbst von niemandem verstan den wird. Wer hätte auch den Ratschluß de~ Herrn begriffen, so daß er ih n belehren könn te? Wir aber haben den Geist Christi" (1 Kor 2 12-26).25

"Christus sei unsere Speise! Unser Trank sei der Glaube! Froh laßt uns trinken

Die nüchterne Trunkenheit des Geistes!"

Montags-Laudes (urspr. Text)

4. Bild und Siegel

1. Griechische Väter bezeichnen den Heiligen Geist als Bild des Sohnes, weil er die ganze Lebenskraft des WORTES so in sich offenbart, daß sie uns dem Bild unseres Herrn gleichförmig macht. Wie ein Siegel, auf dem das Bild des Sohnes dargestellt ist, wird der Heilige Geist unserem Geist eingedrückt. Er schmückt uns damit, wie man einen Ring mit einem Juwel verschönert. 26 Dieses Gleichnis von Bild unc Siegel ist fest in der Schrift verankert:

2 Kor 1,21: "Der uns mit euch in Christus

109 gegründet und gesalbt hat, ist Gott; er hat uns auch das Siegel aufgedrückt, sowie den Geist als Unterpfand in unser Herz gegeben".

Eph 1,13 f: " ... Ihr seid mit dem verheißenen Geist besiegelt worden. Ist er doch das Unterpfand unseres Erbes ... ".

Eph 4,30: "Betrübet nicht den Heiligen Geist, mit dem ihr für den Tag der Erlösung besiegelt seid" .

2. Das Siegel, mit dem Unterpfand verknüpft, verleiht uns einen Besitztitel auf den vollen Genuß Gottes, und wir werden damit in seine Familie aufgenommen. Wir werden zur Gemeinschaft mit dem Verleiher der Erbschaft, Gott Vater, erhoben. Im Siegel des Heiligen Geistes werden wir mit Gott vereinigt und besitzen das Pfand, daß wir schon hier auf Erden immer mehr nach dem Bild des Sohnes umgewandelt werden. 27

5. Führer zum Vater

1. Indem der Heilige Geist sich uns schenkt, uns besitzt und in uns wohnt, macht er uns zu Kindern des Vaters und fÜhrt uns zu ihm hin. "Die vom Geiste Gottes geleitet werden, sind Söhne Gottes" (Röm 8,14). Wir werden vom Heiligen Geist geführt und geleitet, damit wir Gott gleichförmig werden und ein Abbild der göttlichen Natur und des göttlichen Leb,ens in uns tragen. Gnade und Liebe machen den eigensten Geist Gottes uns zu eigen: Wir werden

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Brüder des Sohnes und erhalten den Geist, der er besitzt. Der Heilige Geist ist daher der "Geis: der Adoption zur Kindschaft, in dem wir rufen ,Abba, Vater' (Röm 8,15). Um die Würde deI Kindschaft zu krönen und zu besiegeln, sandt( Gott den Geist seines Sohnes in unsere Herzen wo er ruft: Abba, Vater (vgl. Gal 4,4). Wie deI Geist durch seinen Ausgang von Vater und Sohr die Sohnschaft des WORTES krönt und vollen. det, so ähnlich besiegelt der Geist Gottes auch ir uns die Adoptivkindschaft. "Ihr seid besiegelt mit dem Heiligen Geist der Verheißung, der da~ pfand unserer Erbschaft ist" (Eph 1,13).

Der Heilige Geist, das höchste pfand der Vaterliebe, ruft in uns: "Vater!" Er ruft es durch die kindliche und vertrauensvolle Liebe zum Vater, die er in uns ausgegossen. Er ruft es in uns, weil er uns den Vater nahebringt und uns das zärtlichste Vertrauen zu ihm einflößt. "Wir haben ... in einem Geiste Zu tritt zum Vater" (Eph 2,18). Weil er in uns wohnt, werden wir der ganzen Zärtlichkeit des Vaters wÜrdig. Er fordert seine Liebe und seine Wohltaten für uns (vgl. Röm 8,26). Mit dem Heiligen Geist bitten und seufzen wir, daß uns die Herrlichkeit der Kinder Gottes voll und ganz offenbar werde. "Wegen seines Geistes, der in uns wohnt, wird Gott euch eure sterblichen Leiber beseelen" (Röm 8,11). Gott wird uns zu glorreichem, unsterblichem Leben erwecken, um uns mit J esus Christus, unserem großen Bruder, als Kinder Gottes zu verherrlichen.

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Der Heilige Geist kehrt bei uns als Band und Siegel ein, damit wir als Kinder mit Gott eins werden, wie auch er Band und Siegel der innigsten Einheit von Vater und Sohn ist. Wir hören Gottes Sohn beten: "Ich bitte, daß alle eins seien wie du, Vater, in mir und ich in dir, daß auch sie in uns eins seien" (Jo 17,20 ff.). 28

2. Als Kinder Gottes sind wir Brüder und Schwestern des Sohnes; wir nehmen an seiner Liebe zum Vater, seinem Leben im Vater und an seiner Herrlichkeit mit dem Vater teil. Er ist sein Kind, weil er vom Vater gezeugt ist und daher wesentlich eins ist mit ihm. Uns wird die Kindschaft nur durch Adoption geschenkt; wir werden zwar auch eins mit Gott, aber diese Einheit ist der, die zwischen Vater und Sohn von Ewigkeit her besteht, nur ähnlich; doch ist sie wirklich, spricht doch Jesus im Abendmahlssaale vor seinen Jüngern: "Ich bitte dich ... Laß sie alle eins sein wie du Vater in mir und ich in dir, daß sie auch eins seien in uns ... Ich habe die Herrlichkeit, die du mir gegeben, ihnen gegeben, damit sie eins seien, wie wir eins sind: ich in ihnen und du in mir, auf daß sie vollkommen eins seien in Einheit und die Welt erkenne, daß du mich gesandt hast und sie geliebt hast, wie du mich geliebt hast. Vater, die du mir gegeben hast, ich will, daß dort, wo ich bin, auch sie seien bei mir, auf daß sie meine Herrlichkeit schauen, die du mir gegeben hast vor Gr)-lndlegung der Welt ... Und ich habe deinen Namen ihnen kundgemacht und werde ihn kundtun,

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damit die Liebe, mit der du mich geliebt, ihnen sei und ich in ihnen" (Jo 17,22-26).

Der Apostel führt Jesu Worte weiter, wenn spricht: "Gott hat uns das Pfand des Geistes unsere Herzen gegeben" (2 Kor 1,21). Au spricht er davon, daß "der Geist des Sohnes" u gesandt werde, weil wir Kinder Gottes sind (G 4,5). "Mitbesitz des Heiligen Geistes" (2 K 13,13) ist wohl der treffendste Ausdruck f unsere "Gemeinschaft mit dem Sohn" (1 Jo 1,. und damit auch für unsere Gotteskindschaft .•

3. In der ewigen Zeugung wird der Odem dc Vaters als Substanz Gottes in den Sohn ausgc haucht, und die geistige, lebendige Natur d~ Vaters und des Sohnes ergießt sich, von beide gehaucht, in den Heiligen Geist. Dieser Odem diese göttliche Natur, ist somit auch den Heiligen Geist zu eigen, der deshalb auch da Bild des Vaters und des Sohnes ist. Von dahe wird der Heilige Geist als die göttliche NatUl betrachtet, wie sie sich den Geschöpfen mitteilt:

Der geistige, lebendige, belebende Same Gottes, um Kinder Gottes zu zeugen und die göttliche Natur in sie hineinzutragen.

Der Heilige Geist zeugt uns als Kinder Gottes nicht wie der Vater den Sohn zeugt: notwendig, innergättlich, ewig, sondern in freier Liebe, in der Zeit, nach außen. Trotzdem ist es ein wahres Bild der wohlwollenden und väterlichen Liebe und Güte Gottes, die bereit ist, uns seine Güter mitzuteilen. Wir werden Kinder Gottes und Brüder Christi! Doch damit noch nicht genug!

113 Der Heilige Geist selbst strömt als der belebende Odem Gottes mit der geschaffenen Gnade zusammen in uns ein, so daß wir nicht nur Kinder Gottes, sondern auch Tempel des Heiligen Geistes werden. 30

4. Wenn wir von Gott als Kinder angenommen werden, werden wir vergöttlicht. Unsere natürlichen Anlagen werden dabei nicht einfach ausgestaltet, entwickelt und befriedigt, sondern sie werden, um "Gott gleichen zu können", übernatürlich erhoben, verklärt und verherrlicht, so daß wir Gott in seiner Herrlichkeit, Seligkeit und Heiligkeit ähnlich werden. Bis in den Schoß Gottes werden wir erhoben, wo wir ihn, den Dreieinen, sehen werden von Angesicht zu Angesicht. Prinzip und Quelle für all diese Gnaden ist der Heilige Geist, Ursache dafür ist das Göttliche WORT. 31

5. "Der Geist selbst gibt unserem Herzen Zeugnis, daß wir Kinder Gottes sind; wenn aber Kinder, dann auch Erben, nämlich Erben Gottes und Miterben Christi", sagt uns der heilige Paulus (Röm 8,17). Und der LiebesjÜnger belehrt uns: "Seht, welche Liebe uns der Vater geschenkt hat, daß wir seine Kinder benannt werden und sind" (1 J 0 3,1). Im Gebet des Herrn nennen wir Gott unsern Vater und bezeichnen uns als seine Kinder. Was das bedeutet, ist uns weithin gleichgültig geworden. Wir denken nicht daran, wie hoch wir un~ über alle Geschöpfe bis in den Schoß des allmächtigen Gottes aufschwingen dürfen. Der hl. Petrus

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Chrysologus (gest. 451 ) ermahnt uns: "Got selbst lehrt uns beten: ,Vater unser'. Er treib uns dazu an und befiehlt es uns. Darum folgel wir doch der Gnade, die uns ruft, der Liebe, di, uns zieht, der Zärtlichkeit, die uns einladet! Dal Gott unser Vater ist, empfinde unser Herz bekenne unsere Seele, verkünde unsere Zunge und alles, was in uns ist, entspreche der Gnad, und nicht der Furcht! Denn der, welcher siel aus einem Richter in unsern Vater verwandelte will geliebt, nicht gefürchtet sein."

6. Eigentlich sind wir Menschen nicht Kinde Gottes, sondern seine Knechte. Wir stehen noel viel tiefer als die Engel, die auch nur sein Diener sind. Wir sind Geschöpfe Gottes, Werk, seiner Hände, wir sind ihm in allem unterworfen ganz und gar, alles, was wir sind und haben gehört ihm, wir sind streng verpflichtet, ihm unserem Herrn, zu dienen und ihn anzubeten Von uns aus gesehen, kann Gott nie undnimme unser Vater sein oder werden. Wohl hat er un erschaffen und erhält uns im Dasein, spendet un viele Wohltaten, nicht wie ein Tyrann, sonden wie ein gütiger, milder Herr; schon als unse Schöpfer ist er uns mehr Vater als je eil leiblicher Vater es sein kann.

Aber zwischen Gott und uns bleibt ein, unendliche Kluft. Wir stehen Gott nie so nah, wie ein Kind seinem Vater hier auf Erden. Wem wir auch natürliches Ebenbild Gottes sind, wi sind nur erschaffen, aber nicht von Gott gezeugt Nur der Sohn Gottes, das Göttliche WORT, is

115 gezeugt vom Vater und mit ihm deshalb einer Natur. Er ist das Bild seiner Wesenheit, das Wort seiner Erkenntnis; er geht von ihm aus als Licht vom Licht, als Gott von Gott, selbst Gott und ein Gott mit dem Vater. - Wenn wir seine Brüder werden sollen, ist das nicht ein Gottesraub? Rauben wir ihm da nicht sein vorzüglichstes Recht, Sohn Gottes zu sein? Dürfen wir uns je an seine Seite stellen, auf daß wir mit ihm in den Schoß des Vaters aufgenommen werden, die Liebe und die Erbschaft des ewigen Vaters teilen, auf daß wir eins seien mit dem Vater, wie er eins ist mit ihm?

7. Wir sollen Brüder und Miterben Christi werden können? Von uns aus ist das unmöglich, aber bei Gott ist es möglich. Was wir nicht beanspruchen können, schenkt uns der unendlich freigebige Gott. Wir sollen seine Kinder durch die Gnade werden, Brüder und Schwestern Christi und Miterben des himmlischen Reiches. Er selbst erkaufte das Leben der Kinder Gottes durch sein Blut; er wurde Fleisch, um "allen, die an ihn glauben, die Macht zu geben, Kinder Gottes zu werden" (Jo 1,14). Er will "der Erstgeborene unter vielen Brüdern sein" (Röm 8,29). Er spricht von Gott als von seinem Vater und unserem Vater und lehrt uns das Vaterunser beten.

Das gilt uns, die wir von Natur aus unendlich tiefer unter Gott als ein Untertan unter ,seinem irdischen König stehen. Auch wenn der letzte Sklave von einem König zu seinem Sohne

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angenommen würde, es wäre nie zu vergleichen mit dem, was uns Gott bietet, wenn er uns als seine Söhne annimmt.

8. In keiner Weise haben wir uns dieser höchsten Ehre WÜrdig gemacht; wir sind einzig und allein Schuldner und Sünder vor Gott; wir beleidigen ihn sogar auch dann noch, wenn wir schon seine Kinder geworden sind und machen uns der Kindschaft, des Erbes auf den Himmel verlustig und der ewigen Verdammnis würdig! Und doch, selbst dann noch opfert sich Jesus Christus, der Sohn Gottes, für uns auf, um uns, solange wir noch auf Erden weilen, durch seine Leiden und Verdienste der Kindschaft Gottes wieder WÜrdig zu machen und uns wieder zu seinen Brüdern anzunehmen. Gibt es eine noch größere Liebe? 32

9. Wir werden nicht nur Kinder genannt, wir sind es auch. Wir sollen "dem Bild des Sohnes gleichförmig werden, damit er der Erstgeborene unter vielen BrÜdern sei" (Röm 8,29). Unser erstgeborener Bruder ruft uns zu, uns, den Kindern Gottes durch den Heiligen Geist: "Seid vollkommen, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist". Sich vervollkommnen, wie gewöhnliche Menschen es erstreben, genügt uns Kindern Gottes nicht; bewußt unserer hohen Würde, ahmen wir den großen Gott selbst, unsern Vater, nach! Er selbst beruft uns dazu durch Glaube und Liebe. Wenn wir schon Kinder Gottes sind durch den Heiligen Geist, so müssen wir uns auch von ihm treiben lassen (vgl. Röm

117 8,14). Der Geist Gottes aber ist die Liebe, reine, glühende Liebe zu Gott und den Menschen; er ist Licht, das alle Finsternis der Sünde scheut; er ist loderndes Feuer, das Makel und Schlacken verzehrt. In seinem Licht wollen wir wandeln, als Kinder des Lichtes uns bewähren und uns nie der Finsternis zuwenden! Wir werden uns nie diesen finsteren Mächten preisgeben, von deren Knechtschaft uns die Gnade des Heiligen Geistes befreit hat. "Danken wir Gott dem Vater durch seinen Sohn im Heiligen Geist, der sich wegen der großen Liebe, mit der er uns geliebt hat, unser erbarm t, und da wir durch die SÜnde gestorben waren, in und mit Christus uns belebt hat" (Leo der Große, gest. 461).33

6. Süßer Gast der Seele

1. Der hl. Paulus sagt: "Wißt ihr nicht, daß ihr ein Tempel Gottes seid und der Heilige Geist in euch wohnt" (1 Kor 3,16)? "Ihr seid nicht euer (Eigentum), sondern Tempel des Heiligen Geistes" (6,19). Wir sind dem Heiligen Geist zu eigen, und er gehört uns. Er kommt zu uns, um in uns als seinem Tempel zu wohnen. Zwar besitzen alle drei göttlichen Personen unsere Seele gemeinsam, aber der Besitz wird doch dem Heiligen Geist zugeschrieben, weil Vater und Sohn sich uns im Heiligen Geiste hingeben und auch in ihm von uns Besitz ergreifen. Der fIeilige Geist besitzt uns aber auch persönlich. Er ist das Pfand, durch das Vater und Sohn uns besitzen;

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er legt selbst dieses pfand in uns nieder. Wi~ kann er das tun, wenn er nicht persönlich zu un~ kommt?

Wir dürfen uns am Heiligen Geist erfreuen und ihn genießen! Ihm weihen wir uns! Ihm geben wir uns hin, um in ihm durch den Sohn dem Vater anzugehören. In ihm bringen wir da~ göttliche Lamm als Dankopfer dar. Als pfand und Gast, als König unseres Herzenstempeb grüßen wir ihn mit den herrlichen Worten der Pfingstsequenz: "Süßer Gast der Seele, Du mein einziger Trost, Du meine Ruhe und meir Frieden!" Als Gast wohnt er in meiner Seele, um sie liebend zu umarmen, sie zu trösten und sich ihr zum Genuß darzubieten. 34

2: Im Neuen Bund wird Stand, Beruf und Leben der Kinder Gottes als Heiligkeit bezeichnet. Wir werden einfachhin Heilige genannt, weil der Geist Gottes, der Allheilige, Gast in unserer Seele ist; durch die Gemeinschaft mit ihm nehmen wir auch an seiner heiligen Würde teil und sollen ein heiliges Leben führen, das seiner Heiligkeit entspricht. Wir sind geheiligt; wir sind voll des Heiligen Geistes; wir sind Tempel des Heiligen Geistes! Er erfüllt diesen Tempel mit Heiligkeit. "Wißt ihr nicht, daß ihr Tempel Gottes seid, und der Geist Gottes in euch wohnt" (1 Kor 3,16)? Wir sind geadelt und geweiht. Wir werden der göttlichen Natur teilhaftig. Die Herrlichkeit Gottes und die Liebe des Heiligen Geistes erhebt uns arme Menschen weit Über unsere Sündhaftigkeit hinaus, damit wir

119 heilige Kinder des Vaters werden und sind. 35

3. Das Neue Testament belehrt uns an vielen Stellen, daß der Heilige Geist als süßer Gast in uns wohnt und wirkt:

Gal 4,6: "Weil ihr nun Söhne seid, so sandte Gott den Geist seines Sohnes in eure Herzen, und dieser ruft: ,Abba, Vater'."

Der Geist Gottes, der vom Vater und vom Sohne ausgeht, wird uns so mitgeteilt, daß er uns in ähnlicher Weise zukommt wie dem Sohn und dem Vater.

Röm 5,5: "Die Liebe Gottes ist in unsere Herzen ausgegossen durch den Heiligen Geist, der uns verliehen wurde".

Der Heilige Geist wird uns schon vor seinen Gaben, auch vor der Liebe eingegossen, ähnlich wie die Seele zuerst dem Leibe eingegossen sein muß, damit sie die Glieder bewegen kann.

1 Kor 3,16: "Wißt ihr nicht, daß ihr Tempel Gottes seid, daß der Geist Gottes in eurem Innern wohnt? Wer den Tempel Gottes zugrunde richtet, den wird auch Gott zugrunde richten: denn heilig ist der Tempel Gottes, und der seid ihr!" Weil der Heilige Geist in uns wohnt, sind wir heilig bis in die Glieder unseres Leibes hinein. Der unendlich Heilige Geist durchdringt uns, schmückt und krönt uns, erfÜllt und tränkt uns, wenn er uns auch, weil Gott der reinste Geist ist, niemals so durchdringen kann, daß er mit uns ein Wesen würde. (Vgl. auch ~ Thess 4,3-8).

Röm 8,11: "Wenn der Geist dessen in euch


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wohnt, der Jesus von den Toten auferweckt hat, so wird er auch eure sterblichen Leiber erwecken durch seinen Geist, der in euch wohnt".

Auch unser Leib ist Tempel des Heiligen Geistes und wird deshalb auch auferstehen. Der Heilige Geist selbst gibt ihm das Recht und die Kraft, nach dem Tode unsterblich zu werden und zu leben in Ewigkeit.

Röm 8,26: "Ebenso nimmt sich der Geist unserer Schwachheit an, wir wissen ja nicht, um was wir richtig beten sollen. Da tritt der Geist selbst für Ul)S ein mit unaussprechlichen Seufzern".

Der Heilige Geist handelt in uns, er ruft, er bittet. Er gehört einfach zu uns. Er führt unsere Hand, inniger und fester als der Lehrer die Hand des Kindes, das noch nicht schreiben kann. Uns ist nur aufgegeben, dem Geist ohne Widerstreben zu folgen.

1 Thess 5,23: "Er selbst aber, der Gott des Friedens, heilige euch in vollem Maße. Euer Geist und eure Seele und euer Leib bleibe makellos bis zur Ankunft unseres Herrn Jesus Christus" .

"Euer Geist" bezeichnet hier den Heiligen Geist als unser übernatürliches Lebensprinzip. Er soll ungeschmälert bewahrt werden, indem wir Seele und Leib untadelhaft erhalten. 36

7. Unser Gnadenquell

1. Gnade ist das Wohlwollen Gottes, wodurch

121 er uns das Höchste und Beste gibt, was er uns überhaupt geben kann und was über die Ansprüche aller Geschöpfe geht: Er läßt uns teilnehmen an seiner Seligkeit, die nur er allein von Natur aus genießt. Er liebt uns, er läßt sich zu uns herab und nimmt uns gnädig in seine Gemeinschaft auf; er schenkt sich uns in großmütiger Liebe. Wir werden seine Schützlinge, seine innigsten Freunde, seine Kinder. Ja, er erwählt unsere Seele zu seiner Braut.

Diese Liebe Gottes zu uns heißt Gnade des Heiligen Geistes. Gott liebt uns mit der Liebe, mit der er seinen eingeborenen Sohn umfaßt und aus welcher der Heilige Geist hervorgeht; durch diese Gnade gießt er seinen eigenen Odem, den Heiligen Geist, in uns ein. Die Geschenke, die der Heilige Geist mit sich bringt, wenn er zu uns kommt, sind die Gaben des Heiligen Geistes.3?

2. Gott kann rein äußerlich auf einen Menschen einwirken, indem er ihn durch andere Menschen ermahnt oder durch Dinge sein sittliches Streben beeinflußt. Ausschließlich göttlich ist es aber, wenn der Heilige Geist uns innerlich zieht oder drängt, trägt oder ergreift, hält oder unter seine Fittich~ nimmt. Die Hl. Schrift beschreibt so anschaulich, wie der Heilige Geist uns Gnaden schenkt oder auf unseren Willen einwirkt. Er betätigt dabei seine göttliche Macht über den geschaffenen Geist. Er wird zur lebendigen Quelle, die bewirkt, daß wir ,in der Kraft ihrer Macht das Gute wollen. Seine Kraft treibt uns an und schafft das Gute. Sie erzeugt

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übernatürliches Leben in unseren Herzen. Ohne unsere Freiheit anzutasten, wirkt der Heilige Geist kraftgespannt in unseren Herzen. Der Strahl dieser Heilsquelle durchdringt mich sc mächtig, daß er meinem überaus schwachen willen die Kraft verleiht, alles zu leisten, was id nach Gottes Willen zu tun habe; er räumt aucr alles, was hinderlich ist, aus dem Wege. 38

Der Heilige Geist erregt und entzündet erweckt und unterhält uns; er ist die wahrhaf' lebendigmachende Quelle. Er spendet und er zeugt unsere übernatürliche Kindschaft. Er er nährt und durchblutet uns. "Die vom Heiliger Geiste geleitet werden, die sind Söhne Gottes' (Röm 8,14).

3. Zuweilen flößt diese Gnadenquelle aucl solche Neigungen und Wünsche unserem Herze! ein, zu welchen wir gar nicht vorbereitet waren an die wir gar nicht gedacht hatten. Dan! durchströmen diese Lebenswasser auch unse Gebetsleben und den Grund unserer Seele Dieses Wasser verwandelt sich in den glühendel Odem der Liebeskraft des Heiligen Geistes une erfaßt uns mit elementarer Gewalt. Siehe di "Liebe Gottes, die in unsere Herzen ausgegossel ist!" (Vgl. Röm 5,5). 39

4. Der Heilige Geist trägt und vermittelt un die Lebenskraft, die von Christus ausgeht. E läßt sie wie eine Quelle hervorsprudeln. Viel Stellen der Hl. Schrift sprechen von diese Gnadenquelle. Wir verehren den Heiligen Geis als den "Lebendigen Quell" (Pfingstvesper;

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dessen Wasser uns belebt und heiligt. 40

5. Manche dieser Gedanken klingen schon im Alten Testament an.

Bei der Taufwasserweihe in der Ostervigil wird der Heilige Geist "Mutter Gnade" genannt (vgl. Weish 16,25). Er ist der Gnadenquell, der uns im Taufbrunnen als werdende Gotteskinder belebt, zeugt und heiligt.

Mutter Gnade entspricht der Mutter aller Lebendigen, Eva, deren Name Leben, Lebenskraft oder Lebenshauch bedeutet; sie wurde Lebensquelle des Menschengeschlechtes, dessen Leben sie durchwallt und durchwaltet. Sie ist deswegen auch ein Sinnbild des Heiligen Geistes. 41

Die Israeliten in der Wüste em pfingen die Taufe auf Moses hin in der Wolke, die ihnen in der Nacht leuchtete und ihnen voranzog, auch im Roten Meer, aus dem sie errettet wurden. Diese Lichtwolke (vgl. Ex 13,22; 1 Kor 10,2 ff.) überschattet, durchtaut, erleuchtet auch uns:

Der Heilige Geist durchtränkt uns mit Gnaden, die Wolke wird zur Quelle lebendigen Wassers, zum ewigen Leben. (vgl. Jo 4,14; 7,39). 42 Daß der Geist Gottes über die Menschen ausgegossen wird, ist Joel 3,1 vorausgesagt: "Und danach werde ich meinen Geist über alles Fleisch ausgießen". (vgl. auch Is 32,14 f.; 44,3 und Ez 36,25-27).

Auch von der Weisheit wird ganz ähnlic~, wie im Neuen Testament vom Heiligen Geist, gesagt, daß sie aus Gott geboren, uns gesandt und über

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uns ausgegossen werden soll (Weish 7,7; 22;

9,17).

Sirach spricht im 24. Kapitel davon, wie das Wasser der Gnade, das uns befruchten soll und dabei einen fruchtbaren Wasserquell in unserm Herzen bildet, mit der Lichtwolke, die herniedersteigt, zu verbinden ist.

Die Quelle ist auch Symbol der Mütterlichkeit, da sie das Wasser aus der Mutter Erde erzeugt. Die mütterliche Gnadenwirksamkeit des Heiligen Geistes wird im Liede, das Moses vor seinem Tode zum Abschied von seinem Volk gesungen hat, mit der Adlermutter verglichen:

"Wie der Adler seine Jungen zum Fliegen lockt, ihnen voranfliegt, seine Flügel ausbreitet und sie auf seinen Schultern trägt, wenn ihre Kraft ermattet: Der Herr leitete es (das Volk) ganz allein; kein fremder Gott stand ihm zur Seite" (5 Mos 32,11 f.). In der Sprache der Schrift ergänzen sich die belebende Sonne und der mütterliche Vogel gegenseitig. Das Licht der Sonne strahlt nämlich zugleich und fliegt durch den Äther. Strahlende Sonnenfittiche betreuen mütterlich die sich ihr öffnenden Blüten und verleihen ihnen Trieb- und Schwungkraft, sich selbst zu entfalten: Das Licht der Sonne wird Leben für die Pflanze, Lichtquell und Lebensquell!

Malachias weist auf die Schwingen der Sonne

der Gerechtigkeit hin, die uns heilen sollen (Mal 3,20).

125

Auch Zacharias spricht am Ende des Alten Bundes in seinem Lobgesang (Lk 1,78) von dem Aufgang aus der Höhe, der denen, die in der Finsternis des Todes sitzen, Gott erscheinen lassen soll. Damit wird das Bild der Adlermutter noch viel inniger, lebendiger und übernatürlicher dargestellt: Das Menschenkind wird vom Tode auferweckt und der ewigen Sonne zugeführt.43

8. Heiligkeit unserer Heiligkeit

1. Der Heilige Geist ist der Wesensgrund unserer Heiligkeit. Wenn unsere Seele heilig ist, ist sie übernatürlich rein und gut. Sie spiegelt die Heiligkeit Gottes wider. Der Heilige Geist durchtränkt unser Herz mit ihr, denn er ist ihre Wirkund Idealursache. Er selbst kommt mit dieser Heiligkeit zu uns. Eine Kirche ist schon ein heiliger Ort, wenn sie geschmückt und durch den Bischof gewei4t ist. Diese Kirche wird aber durch die Einkehr des allerheiligsten Altarsakramentes noch viel heiliger. So wird auch unsere Seele, die schon mit Gnaden geschmückt ist, noch viel heiliger, wenn der Heilige Geist sich ihr schenkt, mit ihr sich verbindet und in ihr wohnt.

Die Seele Christi, durch den Heiligen Geist heilig, ist durch den Sohn Gottes, der sich mit ihr verbunden hat, noch unendlich heiliger.

Auch Vater und Sohn sind in sich schon heilig durch das göttliche Wesen; sie werden aber noch in eigener Weise heilig durch den Heiligen Geist, der sie im heiligen Kuß verbindet und von ihnen

126 ausgeht.

Wir besitzen den Heiligen Geist als unsern Schatz, der zugleich auch Gast und Eigentümer unseres Herzens ist. Es ist wie ein Gefäß, golden und kostbar, aber noch kostbarer durch den heiligen Schatz, den es bewahrt. Es wird wie ein herrlicher Palast, in welchen ein erhabener, hoher und heiliger Gast eingekehrt ist, noch herrlicher, als wenn es nur bekleidet wäre mit der geschaffenen Gnade. 44

2. Als "Heiliger" heiligt uns der Heilige Geist; als "Geist" vergeistigt er uns.

Heilig nennen wir das Gute, weil es fest, rein und erhaben ist. Alle Völker bezeichnen die Gottheit, die sie verehren, als heilig, und es gilt ihnen als unheilig, als boshaft, ihnen feindlich zu widerstreben.

Gott, der Herr ist der Unbeschränkte: Im Innersten ist er fest und gediegen: er ist das Gute selbst; alle Mängel sind ihm fern. Einen solchen Gott müssen wir als höchsten Herrn anerkennen, ihn achten und lieben.

Gott muß sich aber auch selbst lieben, weil seine Natur erhaben über alles ist, unverletzlich und heilig. Gott ist heilig in seiner Natur und heilig in seiner Liebe. Mit heiliger Liebe liebt er seine heilige Natur. Die heilige Natur Gottes waltet und west in Vater und Sohn. Die heilige Liebe zwischen ihnen entspricht dem Heiligen Geist.

3. Unverletzliche Heiligkeit ist nur Gott eigen.

Ein Geschöpf ist heilig, wenn es irgendwie mit

127 Gott verbunden ist, sei es äußerlich wie ein Tempel mit seinen Kultgeräten oder innerlich wie ein Mensch, der seinen Gott liebt und ehrt. Sobald ein Mensch getauft ist, ist er heilig, da ihm der Heilige Geist heiliges Leben schenkt, das an der heiligen Natur Gottes teilnimmt. Der Apostel nennt alle Christen heilig, weil ihr Vater im Himmel heilig ist. In unaussprechlicher Weise werden wir zu ihm emporgehoben und mit ihm durch den Heiligen Geist verbunden, um an seiner Heiligkeit teilzunehmen. In allen Christen kann man diese ehrfurchtgebietende Weihe im Glauben erkennen. Wir empfangen das Licht der göttlichen Heiligkeit wie einen reinen Spiegel, der das heilige Licht und den vollen Glanz des Herrn widerspiegelt, wunderbar schön und himmlisch klar.

Wenn wir im Himmel Gott anschauen werden, wird diese Heiligkeit unverletzlich und unverbrüchlich fest sein, sie wird nie mehr befleckt oder zerstört. Dann wird uns der Heilige Geist noch viel inniger mit seiner himmlisch glühenden, heiligen Liebe durchdripgen und erfüllen, daß wir unmöglich noch etwas lieben können, was dieser Heiligkeit widerspricht.

Doch hier auf Erden, wo wir noch im Lichte des Glaubens leben, können wir leider Gottes unsere Heiligkeit und unser übernatürliches Leben ertöten und aufheben. Diese frevelhafte und boshafte Tat heißt daher auch mit Recht

Todsünde. '

4. Übernatürliche Heiligkeit können wir nie

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verstehen ohne diese höhere, heilige Würde de Menschen. Weil das aber viele - auch Christen versuchen, verstehen und achten sie auch die christliche Sittenlehre nicht mehr und halten die für dumm, die Gottes Geboten folgen und siel vom Heiligen Geist leiten lassen. So mul christliche Heiligkeit rein menschlicher Gerech tigkeit und Rechtschaffenheit weichen! Im Hu manismus alter und neuer, auch neuester Rich tung treibt diese Irrlehre immer neue Giftblüh ten.

Wenn wir aber diese erhabenen Lehren de: christlichen Heiligkeit meditieren und innerliel erleben, wird sie für uns zur mächtigen Triebfe der, die uns zu neuern, begeisterten religiösen Leben antreibt. 4S

5. Schön ist eine Seele, wenn Gott sie heilig und sie mit kostbarem, golddurchwirktem Ge wande der Tugenden ziert. Sie ist aber doppel schön durch die ungeschaffene Schönheit de:

Heiligen Geistes, wenn er in dieser mit deI Gnade geschmückten Seele seinen heiligen Thror aufgeschlagen hat. Durch ihn erhält der schor geschmückte Palast seine höchste Zierde, deI heilige, prachtvolle Tempel der Seele sein Aller heiligstes, seinen Altar. Die geheiligte Seele is1 wie ein goldener Ring, in den der kostbarstE Edelstein, der Heilige Geist, gefaßt wird. Gold und Edelstein machen nur ein Ganzes, eine Schönheit aus. Geist und Seele scheinen nur eint Heiligkeit zu sein. Die Seele gleicht eine! Kristallvase, von außen beschienen vom Glanzt

129 der Tugenden, von innen strahlend durch die Sonne des Heiligen Geistes: Die Herrlichkeit der Königstochter ist im Innern (Ps 44,14). Vor der höchsten Schönheit und Heiligkeit des Heiligen Geistes sind alle natürliche und übernatürliche geschöpfliche Harmonie, aller Glanz, alle Lebensfrische nur Schatten und Finsternis. Alles, was sich an Glanz, Leben und Anmut in uns findet, gleicht einem prachtvollen Regenbogen, der durch die Sonne des Heiligen Geistes entsteht und ohne ihn verschwindet. 46

3. Kapitel WAHRE MYSTIK

I. Mystik, unser übernatürliches Leben

1. Oft kann man hören, der gewöhnliche Christ und noch weniger ein Kind könne kein übernatürliches Leben führen, könne also nicht glauben, hoffen, lieben, anbeten, weil sie davon und von Gott keine oder nur unklare Begriffe hätten.

Aber nicht unser Verstand oder unsere Überlegung, sondern "die Salbung des Heiligen Geistes lehrt uns dies alles" (1 Jo 2,27). Er zeigt uns, was nötig ist, er lehrt uns, übernatürlich zu denken und zu handeln. Verstand und wille bringen aus sich das über!J.atürliche Leben unserer Seele nicht hervor. Wenn wir dem inneren Licht und dem übernatürlichen Zug des H~iligen Geistes folgen, entwickelt er die göttlichen

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Tugenden in uns.

Wir müssen nicht über jede Handlung, die wir verrichten, nachdenken und sie uns mit allen Beziehungen vorstellen. Das ist uns gar nicht möglich. Ein junger Mann, der seine Braut liebt, braucht nicht erst dicke und gelehrte Bücher durchzustudieren, um lieben zu können!

Unser tiefstes und innerstes Seelenleben ist uns am allerwenigsten bewußt. Die eingegossenen Tugenden sind übernatürliche Bewegungen unserer Seele, sie sind auf dem natürlichen Seelengrund aufgebaut und ganz einfach. Wir müssen nur unser Herz offen halten für die Anregungen des Heiligen Geistes. Gott wirkt in uns! An Gott glauben! - Auf Gott hoffen! Gott über alles lieben!

Nur diese Tugenden und nichts anderes bedeuten unser übernatürliches Leben. Sie stützen, innerlich und äußerlich, unser ganzes sittliches Verhalten. Wenn sich daher die Sittenlehre nicht auf die Glaubenslehre stützt, wird sie unnatürlich, verzerrt und haltlos.

Wenn wir die drei göttlichen Tugenden innerlich, bewußt und frei, erwecken und, soweit möglich, auch persönlich erleben, bewegen wir uns schon in wahrer Mystik. Wie tief uns Gott den Glauben und die Liebe erleben läßt, ist seine Gnade. Deshalb gibt es keinen wesentlichen Unterschied zwischen verschiedenen "Hohen Graden der Mystik" (wie sich die Fachtheologie auszudrücken pflegt). Wir haben wach und bereit auf den Heiligen Geist zu hören; nicht auf uns

131 richten wir unsere Blicke, sondern auf den göttlichen Führer. 47

2. Es ist deshalb durchaus nicht nötig, viel zu studieren und tief nachzudenken, um Gott zu lieben. Noch viel weniger hilft es, sich zu verkrampfen und sich anzustrengen, Worte der Liebe zu suchen. Wenn das eine Braut machen muß, wissen wir, daß sie ihren Bräutigam nicht in der rechten Weise liebt. Viel wichtiger ist es, den Heiligen Geist um seine Gnade zu bitten, demütig und vertrauend. Hier gilt auch das Wort des Heilandes: "Denkt nicht, wie oder was ihr reden sollt; denn der Geist, der in euch wohnt, wird es euch l~hren" (Lk 12,12).

Für einen Theologieprofessor oder einen Religionslehrer ist es natürlich pflicht, über den Glauben und die Liebe auch nachzudenken und zu studieren, was Lehrer und Heilige darüber gesagt. Das alles ist Sache des Verstandes; es ist Wissenschaft, aber in sich noch keine göttliche Tugend! Ein Prediger kann bei seinen beredtesten Worten selbst kalt bleiben, während seine Zuhörer zur Liebe Gottes entzündet werden!

Das Licht des Heiligen Geistes muß uns erleuchten, und seine Liebe muß uns zu Gott führen. Durch die Gaben des Heiligen Geistes werden einfältige Seelen so sehr erleuchtet und von seinem Feuer durchglüht, zu Gott emporgehoben und mit ihm vereinigt, daß weder sie selbst noch gelehrte Theologen begreifen können, wie eine Seele so innig mit Gott v~reinigt werden kann. Innig und vertraulich, frei und

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erhaben verkehrt sie mit ihrem Schöpfer und Herrn. Manche Liebeshymne, von heiligen Seelen, verzückt in der Gottesliebe, gesprochen oder geschrieben, verstehen wir nicht, wenn uns der Heilige Geist nicht erleuchtet. Hüten wir uns, sie zu verurteilen! Die Sprache der Liebe ist dem Lieb-losen "Torheit des Kreuzes" (1 Kor 1,18).

3. Nur wenn wir Gott lieben, werden wir über unsere Natur erhoben, so daß wir die Natur des Geliebten annehmen (2 Petr 1,4). Wir empfangen vom Heiligen Geist neues Leben, das sich nur noch um den Geliebten bewegt, im Geliebten lebt; wir sind mehr durch ihn tätig als durch uns; wir wirken mehr für ihn, als wir an uns denken; wir lieben uns eigentlich nur noch, weil wir dem Geliebten gehören. Kein Geschöpf kann uns von unserem Geliebten trennen (Röm 8). Nur in Gott kann unsere Liebe sich beruhigen als dem göttlich erhabenen Gut, nach dem wir uns sehnen, um es in voller Klarheit im Himmel zu sehen und liebend zu besitzen.48

II. Die göttlichen Tugenden - unsere Mystik

1. Die Tugenden, die uns von Gott eingegossen werden, Glaube, Hoffnung, Liebe, festigen und verklären unsern Verstand und Willen; sie werden übernatürlich ausgerichtet. Das göttliche Leben in unserer Seele wird erleichtert und gesichert. Wir werden erleuchtet und gekräftigt im Guten. Die göttlichen Tugenden befähigen uns zu allen andern Tugenden, mögen sie noch

133 so sehr über unsere natürlichen Kräfte gehen; sie senken einen neuen Keim in unser Herz; sie setzen ein edleres Pfropfreis auf unsere verderbte Natur, damit wir vergöttlicht werden: Unser Erkennen wird übernatürlicher Glaube und unser Wollen wird übernatürliche Liebe.

Die göttlichen Tugenden sind . ganz vom Heiligen Geist abhängig und mit ihm verbunden, da sie gar keinen natürlichen Grund haben können und in keiner Weise dem Geschaffenen entspringen. Sie nehmen an der Lebenskraft teil, die dem Heiligen Geist von Vater und Sohn geschenkt wird. Nur unser süßer Gast kann diese Tugenden in unser Herz pflanzen und die Akte des Glaubens und der Liebe in uns bewirken. Sein Licht erleuchtet und erwärmt uns bis in den Herzensgrund, aus dem wie aus einer Wurzel Zweige, Blüten und Früchte des Glaubens und der Liebe wachsen und gedeihen. Unsere Seele teilt dem Leibe das natürliche Leben mit, der Heilige Geist schenkt uns das übernatürliche.49

III. Die sieben Gaben des Heiligen Geistes

Das Sakrament der Firmung soll das Gnadenleben in uns, das in der Taufe begründet wurde, durch die sieben Gaben des Heiligen Geistes vollenden. Gott will, daß diese Gaben unsere Gotteskindschaft, die in den eingegossenen Tugenden des Glaubens, der Hoffnung u,nd der Liebe grundgelegt wurde, gefördert, gesichert und vollendet werde.

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Isaias schildert die sieben Gaben: "Doch wächst hervor ein Reis aus Isaias Wurzeln, ein Schößling bricht hervor aus ihnen. Auf ihn läßt sich nieder der Geist des Herrn, der Geist der Weisheit und des Verstandes, der Geist des Rates und der Stärke, der Geist der Erkenntnis und der Furcht des Herrn. Erfüllen wird er ihn mit dem Geist der Furcht des Herrn". (11,1-3. Nach dem Urtext lautet der letzte Satz: "Gott wird ihn mit dem Geist der Furcht des Herrn atmen machen".)

Mit diesen Gaben soll der kommende große Sproß J esses, der zugleich und zuerst der Sprosse Jahves ist, ausgezeichnet werden. Wir, die Rebzweige an diesem Weinstock Gottes, nehmen an den Gaben, die ihm vom Vater verliehen wurden, teil, wachsen durch den Heiligen Geist in Christus hinein und werden seine nachgeborenen Brüder.

1. Der goldene Leuchter

Die Siebenzahl der Gaben entspricht dem siebenarmigen Leuchter im Tempel zu J erusalern, dessen Lichtflammen, mit heiligem öl gespeist, sprechende Symbole dieser Gaben sind. Der Prophet Zacharias schaut ihn im Geist: "Ich sehe einen Leuchter, ganz von Gold; auf ihm ist eine Schale mit sieben Lampen darüber, von denen jede sieben Dochte hat". (4,2) Auch der Seher von Patmos schaut sieben Feuerfackeln vor dem Thron brennen, welche die sieben

135 Geister Gottes darstellen (Offg 4,5). Er schreibt an sieben Gemeinden und wünscht ihnen Gnade von den sieben Geistern, die vor dem Throne stehen (Offg 1,4). Die sieben Geister werden auch als die sieben Gaben gedeutet, die Christus erfüllen, und die er in die Welt ausstrahlt. Die sieben Flammen sind auch mit den feurigen Zungen am Pfingstfest zu vergleichen mit ihrem Reichtum und ihrer Mannigfaltigkeit des geistigen Lichtes, in welchem das Leben des Volkes Gottes, geheiligt durch Christus, der Urflamme, vor dem Angesicht Gottes erglänzt und sein Lob verkündet. Auch der sieben farbige Regenbogen ist uns hier Symbol. Die eine Sonne entfaltet sieben faches Licht und spiegelt es in sieben Farben wider, damit es von den Menschen gesehen werden kann in seiner Vermittlung zwischen Himmel und Erde wie schon zu N oes Zeiten. Die Siebenzahl begegnet uns auch in der siebenstufigen Tonleiter, die ein in sich geschlossenes Klangsystem aufweist, das sich in sieben Akkorden auseinanderfaltet.

Im Hebräischen steht an sechster und an siebenter Stelle jedesmal derselbe Ausdruck:

"Furcht des Herrn", doch wird zuletzt hinzugefügt, daß diese Furcht im Sprossen Jahves atme, ihn ganz durchdringe und nach außen strahle. Demgemäß spricht man von einem doppelten Merkmal der Ehrfurcht Gott gegenüber, zunächst die Hochachtung des vernünftig~n Geschöpfes vor Gott als seinem Vater, seinem größten Wohltäter, dem es alles zu verdanken

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hat, dem es dankbar, anhänglich und ergeben wie ein Kind ist; diese Gabe nennen wir auch Pietät oder Frömmigkeit, dann aber ist es auch die Hochachtung, die Gott, der höchsten und unendlichen Majestät entgegengebracht wird, weil das Geschöpf vor Gott ein Nichts ist' und sich als Nichts empfindet. Es unterwirft sich zutiefst in allem Gott und sucht bereitwillig seinen Willen zu erfüllen. Es weiht sein ganzes Leben dem Dienst Gottes als Opfer und bringt sich auch wirklich Gott im Heiligen Geist als Opfer dar zum lieblichen Wohlgeruch (vgl. Hebr 9,14). In diesem Sinn schließt die Furcht des Herrn alle andern Gaben ein und leuchtet in der Mitte hoch oben über den andern wie die höchste Flamme auf dem goldenen Leuchter, erhaben und einzig.

Auf jeden Fall ist die Furcht des Herrn mehr als die bloße Scheu, Gott zu beleidigen, aus Angst von ihm verdammt zu werden. Eine solche Seelenhaltung ist bei Christus, auf den sich die Seele ja bezieht, unmöglich, da er unbedingt und unwandelbar heilig ist. Er haßt die Sünde wie Gott selbst, der sie aus seinem innersten und heiligsten Wesen verabscheuen muß.

2. Die sieben Gaben in Christus

Durch die sieben Gaben hat der Heilige Geist die Menschheit Christi gesalbt und aufs vollkommenste ausgestaltet.

Durch die vier ersten Gaben nimmt Christus

137 als Sitz, Organ und Bild der ewigen Weisheit an dieser teil, weil sie in ihm Fleisch geworden ist, und vertritt sie der welt und den Menschen gegenüber. Naturgemäß steht die Weisheit an der Spitze, da sie die innerste und vollkommenste Lebensfülle Gottes bezeichnet.

Die folgenden drei Gaben finden sich auch in den Sprüchen verzeichnet, wo es von der Weisheit heißt: "Bei mir ist Rat, ich bin die Einsicht, bei mIT ist Stärke. (Spr 8,14) Durch diese Eigenschaften waltet und herrscht die ewige Weisheit in den Geschöpfen. Bei Isaias 9,5 wird der Messias Ratgeber, starker Gott genannt, um seine Erhabenheit auszudrücken. Der hl. Paulus schreibt Christus "alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis zu" (Kol 2,3), womit er sicher auch die Weisheit, von der Isaias spricht, in Christus verwirklicht sieht. Im 1. Korintherbrief 1,24 spielt er auch auf Weisheit 8,1 an, wo die Weisheit die Schöpfung von einem Ende bis zum andern durchdringt und das All aufs lieblichste ordnet. Die Weisheit erfaßt und vertieft nach der Schrift das Wahre und Gute, wobei Rat und Stärke immer mit ihr verbunden sind. Ein König, der seinen Untertanen immer aufs beste raten kann und zugleich stark genug ist, allen zu helfen und jedem Feind zu wehren, ist der weise Idealherrscher.

Diese vier Gaben zeigen uns Christus als den sittlich vollkommensten Menschen: Vor allem ordnet er sich Gott unter; er erkennt ihn als höchstes Gut an und liebt ihn aufs glühendste.

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Isaias schildert ihn: "Er richtet nicht nach derr Augenschein und urteilt nicht nach dem Hören sagen. Er richtet vielmehr die Geringen gerecht entscheidet richtig für die Armen im Land; der Gewalttätigen schlägt er mit dem Stab seine~ Mundes und tötet den Frevler mit dem Hauet seiner Lippen. Gerechtigkeit ist seiner Hüfter Gurt und Treue seiner Lenden Umgürtung" (11,3-5).

Bei den letzten drei Gaben bewirken diE Furcht Gottes und die Frömmigkeit, daß sict Christus als Mensch ganz dem Schöpfer unter· ordnet und ihm dankbar ergeben ist. DiE Wissenschaft wird schon bei Isaias 53,11 derr Erlöser zugeschrieben! "In Wissenschaft wird mein getreuer Knecht viele rechtfertigen". Be:

Osee (6,6; 4,1 u.a.) wird diese Wissenschaf1 beinahe einer religiösen Pflichterfüllung gleichge setzt: Man überdenkt und beachtet besonnen die heiligen Pflichten, die einem von Gott auferleg1 sind, um sie getreu zu erfüllen, weil wir von ihrr abhängig sind. Wissenschaft wird also mehr zurr hellen Bewußtsein, zum Ge-Wissen: Wir erken nen praktisch, lebendig und bewußt, was Gotte~ Wille von uns verlangt. Diese Gabe befähigte die Seele Christi, allezeit vollkommen des Vater~ Willen zu befolgen. Als "Knecht Gottes" konntE er von sich sagen: "Meine Speise ist es, der Willen des Vaters zu erfüllen" (J 0 4,34).

3. Die sieben Gaben in uns

Während Christus die sieben Gaben durch der

139 Heiligen Geist, der ihn salbte, in unermeßlicher Fülle geschenkt sind, nehmen wir nur an seinen Gaben teil. "Die Glieder am Leibe Christi sind mit Gaben ausgestattet, die sich unterscheiden je nach der Gnade, die uns verliehen ward" (Röm 12,6 ).

Da Christus aufs innigste mit Gott vereinigt ist und ihn deshalb auch so erkennt und liebt, daß sein geistliches Leben aufs höchste entfaltet ist, so lebt die Gabe in ihm nicht schlafend oder keimend, sondern höchst bewußt und seelengrundig. Daher können die sieben Gaben das geistliche Leben in ~hristus weder fördern noch ergänzen; auch können sie selbst nicht wachsen oder zunehmen. Uns aber werden sie wie Keime geschenkt, die durch den Heiligen Geist innerlich gedeihen und äußerlich sich betätigen. Er schenkt der wachen und folgsamen Seele immer neues Licht und stärkere Kraft. Die Gaben führen uns der Fülle des V ollalters Christi entgegen. Sie erleuchten und ermuntern uns, dem Heiligen Geist so zu folgen, daß es auch unsere Speise wird, den willen des himmlischen Vaters zu erfüllen. Glaube, Hoffnung und Liebe werden in uns wach und blühen auf durch jede dieser Gaben.

Die Gaben brauchten Christus nicht vor der Sünde zu schützen oder gegen Leidenschaften zu stärken; er war ja personhaft mit dem Göttlichen WORT verbunden und daher gegen Versuchung und Sünde gefeit. Uns aber sollen sie gegen jedwede Leidenschaft sicherstellen und im Gu-

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ten fördern.

Die Furcht des Herrn war bei Christus nicht der Beginn der Weisheit noch schreckte sie ihn von der Sünde ab, sondern stellte die Frucht aller andern Gaben dar; sie durchdrang als Duft des Heiligen Geistes den ganzen Menschen Christus. Uns dagegen ist sie das Gegengift gegen jede Sünde. Mit ihr beginnt bei uns die Weisheit. Durch sie lernen wir einsehen, wie sehr wir durch die Sünde den Zorn und das Mißfallen Gottes hervorrufen und wie er uns dann seine Gnaden entziehen und in seinem Zorn bestrafen muß. Wir werden vorbereitet, ein gottähnliches Leben zu beginnen.

Die Furcht des Herrn schenkt uns nicht schon wie bei Christus den Gipfel der Gottesverehrung, die durch kindliche Liebe vollendet und getragen wird, sondern wir lernen zu streben und zu arbeiten, wie wir Gott ehren und lieben können, soweit er es von unsern schwachen Kräften verlangt. Er verheißt uns sogar Lohn, wenn wir diese Gabe recht benutzen und droht uns Strafe an, wenn wir sie bewußt und freiwillig zurückweisen.

So wird die Furcht des Herrn für uns eine kostbare und mächtige Gabe. Wie ein scharfes Schwert durchbohrt sie unser Herz; alle Bande, die uns durch sündhafte Liebe irgendwie fesseln, durchschneidet sie mit heiliger Gewalt und schwebt beständig über unserm Haupt, bis wir uns unter den Mantel der Gnade geflüchtet und uns im Schoße des Vaters geborgen haben. Wenn

141 wir diese Gabe in uns nicht gebrauchen wollen, sondern verstockt und hartherzig in unsern Sünden dahinleben, so hören wir auch die Mahnrufe des Heiligen Geistes nicht und kümmern uns nicht um die entsetzlichen Strafen, welche Gott über die Verächter seiner Gnadengaben verhängen wird.

4. Gabe und Tugend

Die sieben Gaben hängen miteinander zusammen und durchdringen sich gegenseitig wie die Farben des Regenbogens ineinander übergehen.

Sie beeinflussen unser geistliches Leben so vielfältig, daß man sie oft mit Tugenden, die die Schrift erwähnt, vergleichen oder gar gleichsetzen kann. Im Galaterbrief (5, 22-24) kann man verschiedene Tugenden mit den Gaben vergleichen: Liebe, Freude und Friede mit Weisheit und Verstand; Langmut, Milde und Güte mit Rat und Stärke; Treue, Sanftmut und Enthaltsamkeit mit Wissenschaft und Frömmigkeit; den Schluß: "das Fleisch mit seinen Gelüsten und Leidenschaften kreuzigen" mit der Furcht des Herrn.

Man kann auch die ersten sieben Seligkeiten oder die sieben Bitten des Vaterunser mit den sieben Gaben vergleichen, was reichen Stoff zur Betrachtung bietet.

Man darf aber Gaben und Tugenden, nicht einfachhin gleichsetzen. Die Tugenden lassen den Menschen mitwirken, während die Gaben

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des Heiligen Geistes viel unmittelbarer erleucl

ten, bewegen, antreiben und tr.agen. Die ~~gel "l.~n cin.! ..vlP R1.1der. die wir mIt unsern \\anü~ dem Wasser entgegenstemmen; die Gaben a1:

sind wie Segel, die, vom Winde aufgebläht, c Schiff vorantreiben, wie die Luft, die den Ad trägt, wenn er am Himmel seine Kreise zie: ohne die Flügel zu bewegen; seine Fittiche si vom Wind erfüllt, geschwellt und gebläht, so d er leicht und mühelos dahinfliegt. Uns haue der Heilige Geist, der Odem Gottes, durch sei sieben Gaben an, so daß wir uns wie von sel1 auf dem pfad der Tugend bewegen und uns e geistliche Leben leicht und mühelos erschei Wir sind dann nicht wie Schüler, die allein u hilflos auf sich selbst angewiesen, eine schwier Aufgabe zu lösen haben, sondern wir folg einem hervorragenden Lehrer, der uns unterril tet und praktisch anleitet, uns viele Mühe u Arbeit erspart, so daß wir, ohne uns schwer tun, Christus entgegenwachsen und mit ihm dl himmlischen Vater allezeit gehorsam sind.

Die Tugend der Klugheit z.B. läßt uns seIl überlegen und allgemeine Prinzipien auf eir bestimmten Fall anwenden, um sachlich u klar urteilen zu können. Die Gabe des Rates al berät uns; sie ist uns Leuchte, damit wir d richtigen Weg erkennen. Vom Heiligen Ge getrieben, springt eine hl. Apollonia bei ihrl Martyrium selbst ins Feuer.

Die Tugend der Tapferkeit befähigt uns, 1 kraftvoll zu entschließen und trotz Schwierigk

143 ten auszuharren. Wir überlegen dabei die Gründe, die uns helfen sollen, heldenmütig zu denken und zu handeln. Die Gabe des Starkmutes aber läßt die heilige Felizitas spielend über ihr Martyrium triumphieren, während sie als Mutter nur stöhnend die Peinen der Geburt ertragen kann.

Die Gabe der Frömmigkeit macht uns selig in Gott und schenkt uns eine lebhafte und innige fromme Stimmung, während wir, wenn wir die Tugend der Frömmigkeit üben, vielleicht von Trockenheit geplagt, kaum ein Vaterunser andächtig zusammenbringen können.

Schenkt uns der Heilige Geist seine Gaben, so spricht unser Herz: "Der Herr hat mein Ohr geöffnet; ich habe nicht widersprochen. Der Herr hat mich beflügelt und gesalbt; er macht mich vollkommen; ich will mich ihm nicht widersetzen. Ich habe mich dem Herrn ergeben wie der Vogel sein Gefieder dem Winde anpaßt und die Blüte sich der Sonne zuwendet" (vgl. Is 50,5). Wenn wir durch die Gaben "Göttliches erleiden", d.h. Christus ähnlich werden, dann sollen wir das Göttliche auch auf göttliche Weise auf uns nehmen, um Gott zu ehren, wie es uns auch die achte Seligkeit lehrt.

Alle Gaben des Heiligen Geistes fördern, unterstützen und ergänzen die Tugenden, sie helfen uns vollkommener zu werden; wir üben durch sie die Tugenden reiner und erhabener; wir streben leichter, sicherer und entschiedener nach Vollkommenheit und räumen die Hinder-

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nisse, die uns entgegenstehen, viel leichter aw dem Wege. Die sieben Gaben sind uns Geistes· flammen und Lichtgeister, von Gott geschenkt sie beherrschen die sittlichen Tugenden, diener dem Glauben und entflammen die Liebe.

Die Gaben sind uns sogar notwendig, um dit Tugenden üben zu können, da unsere übernatür· lichen Kräfte noch viel mehr als unsere natürli· chen Fähigkeiten von Gott bewegt werder müssen. Die Folgen der Erbsünde, welche wie Symptome der Krankheiten unseres übernatürli· chen Lebens sind, werden durch die Gaben viel leichter überwunden, so daß wir der Schwierigkeiten, das Gute zu tun, Herr werden und den Gefahren, die uns zur Sünde hinführen, trotzen können.

Die Gottesliebe, die Mutter und Seele aller Tugenden, faßt auch alle Gaben zusammen, sie ist die höchste Gabe Gottes und läßt uns am vollkommensten am Wesen und Leben des Heiligen Geistes teilnehmen. Durch sie bewegt er am wirksamsten unser Herz, damit es übermenschlich, gottförmig, gottinnig glauben und lieben kann. Die Liebe verbindet uns mit dem Heiligen Geist, damit wir ihm folgen, was immer er auch von uns verlangt. Die sieben Gaben entsprechen der Liebe als ihrer Quelle; sie werden von ihr ausgestrahlt und ausgeströmt. Die Liebe belebt durch die Gaben unsere Seele (hl. Franz von Sales). All dies kommt aber nicht der keimhaften göttlichen Liebe zu, wie sie einem unmündigen Kinde durch die hl. Taufe

145 eingegossen wird, sondern nur den Akten der Liebe, die wir bewußt und innerlich erwecken.

Andererseits wirken Weisheit und Einsicht auch wieder auf die Liebe, indem sie unsere Vernunft erleuchten, unser Glaubenslicht heller entzünden, die Liebesakte schneller und inniger entflammen und entzünden. Sie vollenden auch die Liebe zum seligen Genuß der Beschauung. Weisheit und Einsicht Christi, die ihn liebend Gott schauen lassen, werden in uns abgebildet. Liebe und Weisheit sind Kern der Lebensfülle Christi und damit Quelle all seiner Geistesgaben, mit denen er Gott, seinen Vater, liebt und genießt. Glaube und Hoffnung haben bei ihm keinen Raum.

Bei uns vollende~ Weisheit und Einsicht zuerst Glaube und Hoffnung, damit wir die Geheimnisse Gottes erfahren und so in der Liebe zu ihm wachsen können.· Aber auch wir sind durch die sieben Gaben schon hier auf Erden dazu berufen, zuweilen Gott so zu erleben, daß wir ihn schon zu schauen glauben. 50

4. Kapitel SÜNDE UND GNADE

I. Austreibung des Heiligen Geistes

1. Wenn wir schwer sündigen, widersetzen wir uns dem Gesetz, verletzen die gottgewollte Ordnung, em pören uns gegen Gott, bel~idigen ihn und versagen ihm die Liebe, die wir ihm

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schuldig sind.

Schon für Knechte Gottes ist das ein ungehe\ res, unermeßliches Verbrechen, weil wir unser unendlich großen Herrn und Schöpfer beleid gen.

Durch die Gnade des Heiligen Geistes sind w aber Kinder Gottes; wir werden sogar durch de Heiligen Geist mit ihm vereinigt; wir treten G01 unendlich näher, als es unserer Natur zusteh Wenn wir sündigen, beleidigen wir nicht nu unsern Herrn, sondern unsern Vater. Wie boshal wir uns dabei benehmen, können wir ebensc wenig ergründen, als wir erkennen können, wi erhaben wir dastehen als Kinder Gottes. Wen wir durch die schwere Sünde leugnen, daß wi Kinder Gottes sind, so ist das so unnatürlich, daJ es unserem Verstand unvorstellbar ist. Wi richten uns gegen unser übernatürliches Leben~ prinzip, indem wir uns feindselig gegen deI Heiligen Geist selbst benehmen, der als unse Gast und Herr in seinem Tempel, unserer Seele wohnte. Ihn treiben wir aus unserm Herzen aus Können wir gemeiner und verworfener handeln?

Die Sünde dringt bis in das Mysterium de Allerheiligsten Dreifaltigkeit selbst ein, deshall .JdH4b#»r~~&~~(~.&~S'f,!}t

Der Sünder empört sich gegen den ewigen Vater, der in seinem Sohn auch ihm zum Vater geworden war und ihn in seinen Schoß aufgenommen hatte.

Der Sünder entehrt in seinem Herzen auch den Sohn, das Göttliche WORT, dessen Bild ihm

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aufgeprägt war, und mit dem er aufs innigste mit

1- dem besten aller Väter vereint werden sollte.

n Der Sünder widersteht dem Heiligen Geist, der

1- in ihm wohnte und der ihn als Gnadenkind mit dem Sohn dem Vater zuführen sollte.

Der Sünder widerspricht auch den göttlichen Beziehungen der drei Personen zueinander, wie sie sich gegenseitig erkennen, ehren und lieben.

Der Sünder ist auch eine Schande für alle Menschen, in denen der Heilige Geist wohnt und die er heiligt durch Glaube und Liebe.5 1

2. Durch die Todsünde wird aber auch der Mensch selbst entehrt und verunziert. Er wird wie durch Schmutz befleckt. Der Glanz seiner schönen, begnadeten Seele wird verdunkelt, und die Würde der Gotteskindschaft wird von ihr genommen. Der Mensch selbst ist haftbar und verantwortlich für diese Schuld, die er mit der Sünde auf sich geladen hat: Er selbst, der Gerechte, macht sich zum Sünder. Der Heilige Geist muß den Todsünder hassen und verabscheuen, er zürnt ihm mit unheimlichem, göttlichem Groll. Er verläßt die unwürdige Ruine, die vorher sein herrlicher Tempel war; der Todsünder kann unmöglich sein Tempel bleiben. Denn aus dem Kind Gottes,dasler gezeugt, ist ein Sohn Satans, ein Feind Gottes geworden. "Wer den Tempel Gottes zugrunde richtet, den wird Gott zugrunde richten; denn heilig ist der Tempel Gottes, und der seid ihr" (1 Kor 3,17). 52,

3. Die Seele wird durch die Todsünde nicht nur häßlich, sondern ihr Leben aus dem Heiligen

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Geist wird zerstört, und damit wird sie, übernatürlich gesehen, in einen Leichnam verwandelt. Der Heilige Geist, die Seele unserer Seele, hat uns verlassen, falls wir ihn schwer beleidigt haben. Dies geschieht als Strafe Gottes, wird aber auch direkt durch die Todsünde bewirkt.

V or der Todsünde, Gott wohlgefällig und heilig, sind wir nun teuflisch und entweiht. Wir haben uns dem Licht des Heiligen Geistes verschlossen und sind nun schon hier auf Erden in höllischer Finsternis begraben, so wie der Leib tot ist, wenn man das Herz mit einem Schwert durchbohrt. Es ist unmöglich, einen Leichnam unter den Lebenden zu belassen; er muß hinausgeschafft und begraben werden. Ebenso unmöglich ist es, einen Todsünder unter der Gemeinschaft der Heiligen zu lassen. Auf Erden ist das noch unsichtbar; aber aus dem Himmel muß er, allen sichtbar, hinaus! Er hat sich selbst ausgeschlossen vom ewigen Leben.

Wenn auch Glaube und Hoffnung durch die Todsünde nicht völlig zerstört sind, ist der Sünder doch der göttlichen Liebe und der heiligmachenden Gnade beraubt. Auch der sieben Gaben des Heiligen Geistes hat er sich unwürdig gemacht. 53

4. Da die Todsünde die Über-Natur der Seele tief bis zum Seelengrund zerstört und uns viele Gnaden versagt bleiben, wird auch unsere Natur noch mehr verderbt, als sie schon durch die Erbsünde ist. Es kann sogar bis zur Sünde gegen den Heiligen Geist kommen, die Wahrheit und

149 Gnade förmlich verachtet. Dann wird das Auge des Geistes verblendet, die Vernunft verliert sogar von ihrem natürlichen Licht, und die Früchte des göttlichen Lebens faulen dahin. "So sage ich euch denn: Dem Menschen wird jede Sünde und Lästerung vergeben werden; die Lästerung des Geistes jedoch wird nicht vergeben werden. Wer ein Wort sagt gegen den Menschensohn, dem wird vergeben werden; doch wer ein Wort sagt gegen den Heiligen Geist, dem wird nicht vergeben werden, in dieser welt nicht und nicht in der kommenden". (Mt 12,31 f.) Weil diese Sünde sich direkt an der Gnade vergreift, macht sie den Menschen für die Liebe des Vaters unem pfänglich. Der Gnade, die ihn zur Reue antreibt, stellt er Trotz und Hohn entgegen. Gott kann diese Sünde deshalb auch nicht nachlassen; er müßte schon wunderbar und ganz außerordentlich eingreifen, um einen solchen Sünder zur Reue zu bringen. 54

Il. Tempel des Todes

1. Wenn der hl. Petrus von Sklaven des Verderbens spricht und der hl. Paulus von solchen der Sünde, so ist es der Teufel, der den Todsünder versklavt und knechtet. Dieser arme Mensch wird mit dem Teufel zusammen verdammt, weil er schwer gesündigt hat. Er wird vom Teufel selbst zur höllischen Strafe, verurteilt, hat ihn doch der Teufel nur deshalb zur Sünde gebracht, um ihn zu verderben. Schon

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hier auf Erden wird der Sünder Gefangener un( Sklave Satans. Dieser drängt ihn immer wiede zu neuen Sünden und sucht ihn auch heim mi mannigfachen Leiden an Leib und Seele, um ihl zur Verzweiflung zu bringen. Doch kann de Teufel nie direkt auf den freien Willen de Menschen einwirken; der Mensch unterwirft sicl selbst freiwillig dem Teufel, dem erklärten Fein( Gottes.

2. Der Teufel ergreift sogar gewissermaßen di, Person des Sünders und wohnt in ihm. In Sakramentalen der Teufelsbeschwörung (Exor zismus) wird der Teufel aufgefordert, deI Besessenen zu verlassen und von ihm zu wei chen. Der Sünder wird durch den bösen Geis besessen, ähnlich wie der Gerechte durch ~el Heiligen Geist. Doch darf man beim Teufel nich daran denken, daß er auch als Person im Lei! oder sogar in der Seele des Sünders wohne! könnte; er wirkt nur von außen, aber ir unmittelbarer Nähe auf ihn ein und kann ihn nu insoweit vergewaltigen, wie etwa ein starke Mensch einen schwachen überwältigen kann Deshalb wäre es besser, nur von einer Beiwoh nung des Teufels zu reden. Immerhin, der Teufe tritt an die Stelle des Heiligen Geistes, und seinl Absicht und seine Tätigkeit ähnelt der de5 Heiligen Geistes, aber mit entgegengesetztem Ziel: anstatt zu Gott hin - von Gott weg! Luther sagte einmal, der wille des Sünders sei wie ein Pferd, das der Teufel reite; das pferd hätte immerhin noch die Macht, den Reiter

151 abzuwerfen, aber ein geschickter Reiter wie der Teufel könne sich auch wieder das pferd gefügig halten. Doch hat sich der Sünder freiwillig dem Teufel verschrieben, so daß er auch von Rechts wegen nicht mehr dem Heiligen Geist, sondern dem Satan gehört und freiwillig sein Sklave geworden ist. "Betrübt nicht den Heiligen Geist" (Eph 4,30)! 55

III. Begnadigung

1. Unsere Reue kann nie groß genug sein, um auch nur eine schwere Sünde aufzuwiegen. Wenn das unendliche Verdienst Christi uns nicht helfen würde, könnten wir Gott Vater nie genugtun. Was wir vermögen, ist gleich null und würde null bleiben, wenn nicht die Gnade des Heiligen Geistes es kostbar und wertvoll machen würde. 56

Wir sind zwar frei, aber viel zu schwach, um unserem himmlischen Bräutigam entgegengehen zu können; der Heilige Geist muß uns kräftigen und tragen; sein Licht muß unser Herz erleuchten, damit wir uns überhaupt erheben und wieder zu Gott hinschreiten können. 57

2. Was wir tun können, um aus dem Sündenelende befreit zu werden, schauen wir im Herzen der reinsten Braut des Heiligen Geistes: Maria konnte sich anstrengen, wie sie wollte, sie mochte noch so demütig und noch s,o sehr verlangen, den Gottmenschen in sich zu erzeugen; es war ihr dies einfach unmöglich. Sie

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konnte sich nur durch Gebet und gute Werke darauf vorbereiten, den Gottmenschen vom Heiligen Geist zu empfangen. So vermögen wir auch nie und nimmer, in uns die Gnade der Kindschaft, das Bild der göttlichen Natur, zu erzeugen oder wiederzuerlangen. 58

Wenn der Heilige Geist uns seine Gnade wieder schenkt, dann steigt er in unsere Seele hinab, wie er in den Schoß Marias hinabstieg, um ihm himmlische Frucht zu schenken; er erzeugt dann geistigerweise den Sohn Gottes in uns. Wir werden innerlich und übernatürlich einzig durch die zuvorkommende Gnade des Heiligen Geistes erneuert. 59

3. Dann vertreibt er die Sünde wie das Licht die Finsternis, das Feuer den Rost, das Wasser den Schmutz (vgl. Mal 3,2). Johannes der Täufer spricht von der Feuertaufe des Heiligen Geistes (Mt 3,11). Dieses Feuer des Geistes tilgt unsere Sünden, da mit ihm der Heilige Geist selbst mit eingegossen wird. Mit ihm zusammen kann die Sünde nicht im Herzen wuchern. Sobald der Heilige Geist wieder in uns wohnt, sind wir wieder Kinder Gottes, heilig, übernatürlich, göttlich, von Schuld befreit, mit Gott verbunden. Der himmlische Vater erkennt uns wieder als seine Kinder an. Wir sind keine Sünder mehr, sondern Heilige, in deren Herz der Heilige Geist wieder thront. "Nach seiner Barmherzigkeit hat uns Gott gerettet: durch das Bad der Wiedergeburt und durch die Erneuerung im Heiligen Geist. Ihn hat er reichlich ausgegossen durch

153 unsern Heiland J esus Christus. So sollten wir durch seine Gnade gerechtfertigt und Erben des erhofften ewigen Lebens werden" (Tit 3,5-7). 60

5. Kapitel GEMEINSCHAFT DER HEILIGEN

I. Mein Mitmensch - ein Heiliger

1. Lieb~ zum Nächsten fordert der Heilige Geist von uns, weil er auch ihn zu seinem Tempel macht, auch ihm sich schenkt und in ihm wohnt. Wir lieben im Nächsten nicht nur den Menschen, sondern auch Gott, der in ihm wirkt. Auch er ist ein heiliger und ehrwürdiger Tempel, in dem der Heilige Geist seinen Thron aufgeschlagen hat und den wir deshalb achten und lieben müssen. Wir können uns glücklich preisen, wenn wir ein solches Heiligtum ausschmücken dürfen, sei es in der Familie oder auch in der Schule. Die Heiligen knieten sich vor dem Mitmenschen nieder, wenn sie ihn hilflos oder krank sahen und dienten ihm liebend und ehrfürchtig. Sie hatten zutiefst erfaßt, daß es hoch und heilig ist, einen Tempel des Heiligen Geistes erneuern zu helfen. Sogar Gott behandelt ihn mit Milde und Nachsicht (Weish 12,18) wie ein kostbares Gefäß, sieht er doch seinen eigenen Geist in ihm. Wenn wir den H~iligen Geist im Nächsten lieben, werden wir selbst würdig, den süßen Gast unserer Seele mit immer

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größerer Liebe in uns aufzunehmen und auf ewig mit seiner Herrlichkeit erfüllt zu werden.61

2. Weil unsere Stammeltern vor dem Sündenfall als Organe des Heiligen Geistes nicht nur Vater und Mutter des natürlichen Lebens der Menschen waren, sondern auch des übernatürlichen Lebens werden sollten, waren sie im Paradies als Nachbilder des Heiligen Geistes beide heilig und völlig unverdorben. Solange Adam und Eva im Stande der Gnade verblieben, stand der Heilige Geist ihnen so sehr mit seiner übernatürlichen Fruchtbarkeit bei, daß die von ihnen gezeugten Kinder ohne weiteres nicht nur als Menschenkinder, sondern als Gotteskinder ins Dasein treten mußten. Indem sie ihren Bund untereinander schlossen, schlossen sie ihn auch mit dem Heiligen Geiste, als dem Prinzip der übernatürlichen Gnade, damit er nicht bloß mit seiner Schöpferkraft, sondern mit seiner göttlichen Zeugungskraft mit ihnen wirkte. Er wurde Quelle des übernatürlichen Segens und zugleich pfand und Siegel ihrer Verbindung.

In der christlichen Ehe tritt das Kind nicht mit der Gnade des Heiligen Geistes ins Dasein, und doch ist die eheliche Verbindung erhabener als die der Stammeltern im Paradiese. In der Taufe wurden nämlich die Eltern in den mystischen Leib Christi aufgenommen und gehören ihm mit Leib und Seele an. Wenn sie sich ehelich verbinden, treten zwei geweihte Glieder des Leibes Christi zusammen, um sich der Erweiterung dieses Leibes zu weihen. Sie können ihr

155 Kind nur für Christus zeugen, dem sie selbst angehören, so daß das Kind wie sie selbst bestimmt ist, dem Leibe Christi anzugehören und an dem göttlichen Leben desselben teilzunehmen. Die Eltern können nur im Namen des göttlichen Hauptes handeln, ihr Kind ist nicht mehr ihr Fleisch, sondern Fleisch Christi, über das sie nur im Sinne Christi verfügen dürfen. "Wisset ihr nicht, daß eure Leiber Glieder Christi sind - daß eure Glieder Tempel des Heiligen Geistes sind und daß ihr nicht euer eigen seid? " (1 Kor 6,15-20). (Vgl. den nächsten Abschnitt über den Mystischen Leib!) Die Sünde trieb einen Keil zwischen Mann und Frau; sie waren nicht mehr Kinder Gottes und Tempel des Heiligen Geistes, die auch wieder Kinder Gottes zeugen sollten. Verwirrung und Zwiespalt, Haß und Tod kamen in die Familie und brachten Unglück und Unheil. Unter den erlösten Menschen soll die Ehe wieder ein lebendiges Nachund Abbild Christi und der Kirche werden, obwohl die Eheleute wegen der Folgen der Erbsünde nicht mehr so rein und heilig wie im Paradies unter der Sonne des Heiligen Geistes leben können. Wenn aber der christliche Mann seine Frau und diese ihren Mann als Tempel des Heiligen Geistes lieben, dann leben sie als Heilige zusammen, die wirklich Christus und die Kirche in ihrer Ehe nachahmen. Christus, der Heiligste unter den Menschenkindern, der mir seiner Kirche die mystische Ehe am Kreuz schloß und seine jungfräuliche Mutter, die sich dem Heiligen

156

Geist als seinem Tempel ausschließlich zu eigen gegeben hat, und so nicht Braut eines Menschen, sondern Braut des Heiligen Geistes geworden ist, wurden als vollkommenes Abbild der christlichen Ehe den Eheleuten vor Augen gestellt:

Christus - der zweite Adam und Maria - die zweite Eva! 62

3. Derselbe Heilige Geist, das Band zwischen Vater und Sohn, umschlingt auch uns alle, die wir durch die Taufe heilig sind und verknüpft uns, wie die Seele die Glieder des Leibes, aufs innigste miteinander (1 Kor 12,12 ff.). Er schmiedet uns mit Vater und Sohn, mit sich selbst, mit der Gottesmutter, mit allen Chören der seligen Engel, der Schar der Apostel, den Legionen aller heiligen Märtyrer, Bekenner und Jungfrauen und allen begnadeten Seelen in der ganzen Welt zu einer goldenen Kette zusammen.

Wir gehören zu dieser unermeßlichen, innigen Gemeinschaft der Heiligen und besitzen deshalb alles, was die unzähligen Scharen der Heiligen an Herrlichkeit und Seligkeit haben, mit ihnen zusammen. In einem Körper hat jedes Glied seine besonderen Vorzüge, doch gehören all diese auch dem Ganzen und dadurch auch allen übrigen Gliedern an. So freuen auch wir uns über die Weisheit der Cherubim, die brennende Liebe der Seraphim, die Würde der Apostel, die Tapferkeit der Märtyrer, die Klugheit der Propheten, die Wunder der Bekenner, die Reinheit der Jungfrauen, die Verdienste und Gnaden unserer mit uns lebenden Mitmenschen, als wenn

157 alles unser eigen wäre. Alles geht von demselben Geist aus, der auch in uns wohnt.

Unendlich traurig ist es, wenn eine Seele durch blinde, törichte Leidenschaft sich aus dieser ehrwürdigen, erhabenen, lieblichen Gemeinschaft losreißt, um sich mit den Feinden Gottes, dem Auswurf dieser Gemeinschaft und den Scheusalen der Hölle zu verbinden! Diese unglückliche Seele war ein kostbarer Ring an der Hand Gottes, von dem sie ihren Wert und Glanz empfangen hatte: nun liegt sie im tiefsten Kot und Schmutz, verrottet und verfault! Sie war ein kunstvolles, von Gott selbst bearbeitetes Glied an der goldenen Kette der Heiligen; mit den andern Gliedern verbunden, erglänzte ihre eigene Kostbarkeit um so strahlender. Nun ist sie mit dem Brudermörder Kain und dem Verräter Judas an eine eiserne Feuerkette mit dem Teufel, der einst auch ein glänzendes Glied an der heiligen Kette gewesen, zusammengeschmiedet ! Sie war ein kostbarer Edelstein in der Krone, die das Haupt Gottes ziert, und nun ist sie eine Beute des Satans geworden, der sie, befleckt und geschändet, als rotglühendes Siegeszeichen seiner früchterlichen Teufelskrone eingefügt hat.

Die Heiligen aber, die sich auf Erden der Herrschaft dieser Höllenmacht widersetzt haben, werden alle zusammen Gott anschauen und sich freuen, weil sie mit allem und jedem im H1mmel vollkommen eins sind: Alle beten Vater, Sohn und Heiligen Geist an und lieben Gott, den

158

Dreieinen über jedes Maß. Alle lieben einander, Haß und Mißgunst sind unbekannt. Das Glück des einen wird durch das Glück des andern verdoppelt. Alle freuen sich, weil es allen gut geht. Ihre Freude ist vollkommen und mehr als dies! Freude kommt nicht in ihr Herz, sondern sie gehen ganz auf in der Freude, die nichts anderes als Gott ist.63

11. Der Mystische Leib Christi

1. Wenn der Heilige Geist durch seine innerste Gegenwart das Bild seiner eigenen Heiligkeit unserer Seele wie ein Siegel eindrückt und wir durch die heiligmachende Gnade sein Tempel werden, so wird dadurch wohl unsere Heiligkeit enthüllt, es wird ihr aber kein neuer Wert hinzugefügt.

Ein neuer, ja unendlicher Wert kommt aber dadurch hinzu, daß der Heilige Geist als Geist Christi, unseres Hauptes, in eigenster Person auch allen Gliedern des Mystischen Leibes auf ganz besondere Weise angeeignet wird. Als Christen besitzen wir nicht nur die Heiligkeit, die der Heilige Geist bewirkt, sondern auch die, welche er selbst besitzt, und zwar auf einen neuen Grund hin: Er kommt als Geist Christi zu uns.64

2. Heiligtum Gottes zu sein, bedeutet einzigartig und wunderbar in Leben und Liebe mit Gott Vater und dem Sohn durch den Heiligen Geist verbunden zu sein. Für Freunde unter

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159 Menschen ist eine solche Liebe ein unerreichbares Ziel. Ihre Seelen und Herzen können sich niemals durchdringen. Als Gotteskinder aber werden wir so innig untereinander verbunden, daß unsere gegenseitige Liebe ein Abbild der Liebe und Einheit der drei göttlichen Personen unter sich wird, wie der Heiland uns versichert:

"Damit sie eins sind, wie auch wir eins sind". Als Kirche stellen wir nicht irgendeine zusammengewürfelte Versammlung dar, sondern wir sind als Glieder Christi ein geschlossenes, organisches Ganzes. "So seid ihr denn nicht mehr Fremdlinge und Beisassen, sondern Mitbürger der Heiligen und Hausgenossen Gottes, aufgebaut auf dem Fundament der Apostel und Propheten, und der Eckstein ist Christus J esus, in dem zusammengefügt der ganze Bau emporwächst zu einem heiligen Tempel im Herrn, in dem auch ihr mit aufgebaut werdet zu einer Wohnung Gottes im Geiste" (Eph 2,19-22; vgl. 1 Petr. 2,4 ff.). Wenn wir hier als Kirche Gottes mit einem Tempel verglichen werden, so vergleichen wir nicht die einzelne Seele mit einem Tempel des Heiligen Geistes, sondern wir sehen auf den göttlichen Weltenplan, wie die ganze übernatürliche Weltordnung darin gipfelt, daß Gott in uns aus seiner Schöpfung sich seine Kirche als Heiligtum aufbaut und mit dem Heiligen Geist erfüllt, damit sie der Mystische Leib und die Braut des Sohnes werde und mit ihrer überreichen Gnadenfülle Gott den Vater durch den Sohn im Heiligen Geiste verherrliche. 65

160

3. Durch die Gnade der Kindschaft wird der Heilige Geist in seiner Person als das Siegel dieser unserer hohen Würde, Kirche Christi zu sein, gegeben. Schon in der Menschwerdung wurde er als Geist unseres Hauptes unser Eigentum. Nun stehen wir nicht mehr neben dem eingeborenen Sohn als Gotteskinder, sondern in ihm durch seinen Geist. Der Heilige Geist wird unser eigen als das pfand der väterlichen Liebe, womit der Vater uns als Glieder seines eingeborenen Sohnes liebt, aber auch als pfand der Liebe Christi zum Vater und damit der Liebe des ganzen Mystischen Leibes. Der Geist Christi wohnt in uns, der Heilige Geist in Person! selbst wenn er durch die Gnade nicht in uns wohnen würde, käme er persönlich zu uns durch die Menschwerdung des WORTES. In den Worten: Geist Christi Christus - Glieder Christi - Kinder des Vaters liegen Grund und Krone unserer Kindschaft durch den Heiligen Geist. Er kommt persönlich, von der Person des Sohnes ausgehend in den wirklichen und Mystischen Leib Christi; er setzt damit seinen ewigen Ausgang nach außen fort. Die Kirche Christi besitzt ihn, seitdem Christus, auch dem Fleische nach als glorreicher Sohn Gottes erschien und am Pfingstfest das Haupt seiner Kirche wurde. 66

4. Weil der Sohn Gottes den Heiligen Geist mit in seinem menschlichen und Mystischen Leib brachte, hat das Menschengeschlecht ein Recht darauf, daß dieser Geist in ihm wohnt und so wirke, wie er auch wunderbar und unaus-

161 sprechlich im Geist Christi lebte und wirkte. So lebt der Heilige Geist in uns nicht nur als Adoptivkindern des Vaters, sondern auch als Gliedern des Mystischen Leibes Christi. Er ist der Lebenssaft, der im Weinstock durch die Reben strömt. Er ist das Lebensblut, das aus dem göttlichen Herzen des Erlösers quillt.

Wein und Blut - Geist und Leben, welch tiefes Geheimnis! 67

VII. Teil

DER HEILIGE GEIST IM WELTALL

1. Kapitel

DER HEIqGE GEIST WIRKT IM WELTALL 1. Der Vater wirkt im Heiligen Geist

als in dem lebendigen Hauch seiner Liebe, in welchem seine mitteilende Güte lebt und sich in das Weltall ausbreitet, als in der eigenständigen Gabe seiner Liebe, in welcher der Reichtum seiner Güte gleichsam flüssig ist und in das weltall ausströmt,

als in dem persönlichen Geist der Liebe, den er in das weltall sendet, um seine Gaben dem Menschen, der Krone der Schäpfung, zu überbringen.

Ist der Sohn die Hand des Vaters, dann ist der Heilige Geist der Finger Gottes. Der Heiland selbst setzt den Geist Gottes mit dem Finger Gottes gleich, indem er spricht: "Wenn I ich im Geist Gottes die Teufel austreibe ... " (Mt 12,28)

162

und wiederum: "Wenn ich durch den Finger Gottes die Teufel austreibe ... " (Lc 11,20). Das Fingersymbol ist sehr bedeutsam. Es bezeichnet die Einheit des Heiligen Geistes mit dem Vater durch den Sohn. Es zeigt den Heiligen Geist als letztes Glied in der Dreifaltigkeit, welches darum auch am unmittelbarsten das weltall berührt und die Geschenke Gottes den Geschöpfen darreicht.

Wenn Jesus seine Finger in die Ohren des Taubstummen legte (vgl. Me 7,33), so kann man das auf den Heiligen Geist auslegen, der in das Innerste der Geschäpfe dringt. 2

2. Güte will sich mitteilen. Weil Gott gut ist, schafft er das Weltall, um es mit seiner Güte zu beschenken. Schon Aristoteles (gest. 322 v. Chr.) schreibt, daß durch die Güte der Götter das weltall geschaffen worden sei. Auch PseudoDyonisius (um 500 n. Chr.) schreibt, die göttliche Liebe könne nicht ohne Lebenskeim sem.

Weil der Heilige Geist nach Art der Liebe, mit der sich Gott selbst liebt, vom Vater ausgeht, schreibt man ihm gewisse Beziehungen zum Weltall zu.

Der Heilige Geist ist das Prinzip des weltalls

Gott Vater schafft durch die Liebe. Die Liebe ist aber der eigentliche Name für den Heiligen Geist. Was liegt da näher, als ihn dem Prinzip des weltalls gleichzusetzen? Schon im Psalm 103,30 heißt es: "Sende aus deinen Geist und die Dinge

163

werden geschaffen".

Wie die Liebe überhaupt, so hat auch die Liebe, nämlich der Heilige Geist, als Prinzip des weltalls antreibende, bewegende Kraft. Gott schafft die formlose Materie, und der Heilige Geist bringt die verschiedenen Arten hervor: die Steine, vom grauen Felsen bis zum funkelnden Diamant, von der Alge bis zur Känigin der Nacht, vom Sonnentierchen bis zum Menschenaffen, von Adam bis zum letzten Menschen auf Erden, die Sonne und ihre Planeten, die Milchstraßensysteme mit ihren fernsten Nebeln ... Wo sollen wir aufhären, wohin unsere Augen richten? Armseliger Mensch! Was kennst du davon? Von den" hunderttausenden Arten der Käfer mit ihren ungezählten Einzelkäfern, die heute leben, die gelebt haben und die leben werden? Wo sind sie? Wie sind sie gebaut? Was fressen sie? Wie vermehren sie sich? Einer hat sie alle geformt und wird sie auch weiter formen: der Finger Gottes, der Heilige Geist. Hier verlassen uns alle "modernen Errungenschaften". Wenn wir ihn nicht kennen und lieben, sind wir ärmer als ein Wurm, der gerade von einem Menschen zertreten wird.

Wenn im schäpfungsbericht (Gen 1,2) gesagt wird: "Der Geist des Herrn schwebte über den Wassern", so verstand der hl. Augustin unter den Wassern die formlose Masse, die der Geist entfaltete, entwickelte und belebte.

Der Heilige Geist ist der Herr des weltalls

164

Liebe kann nicht schaffen, ohne auch zu sorgen. Der Heilige Geist sorgt deshalb auch für das weltall. Er regiert das weltall nach dem ewigen Ratschluß Gottes, ordnet es, schenkt ihm die Kräfte, die gerade dem oder jenem Geschöpf nätig sind. Er führt die Sonnen auf ihrer Bahn wie auch den Stein im Bach, der mit jeder Welle ein Stück vorwärts rollt.

J ob sagt: "Der Geist Gottes hat mich gemacht" (33,4), und der Psalmist singt: "Dein guter Geist hat mich an den richtigen Ort geführt" (142,10).

Wenn der Heilige Geist aber jedes einzelne Geschöpf lenkt und leitet, führt und regiert, so ist er auch der Herr des weltalls. "Der Geist aber ist Herr" spricht der Apostel (2 Kor 3,17), und im Glaubensbekenntnis beten wir: "Ich glaube an den Heiligen Geist, den Herrn".

Der Heilige Geist ist das Leben des weltalls

Was lebendig ist, bewegt sich selbst, nicht wie ein Stein, der angestoßen werden muß, damit er seinen Ort ändert. Vieles lebt im Weltall, nicht zuletzt die Krone der Schöpfung, der Mensch. Der Heilige Geist bringt mit seiner bewegenden Liebe auch die Bewegung des Lebens mit ins weltall. Er belebt es mit Lebewesen, von den Pflanzen angefangen über die Tiere bis zum Menschen, alle haben ihr Leben vom Heiligen Geist empfangen. Der Heiland sagt bei J ohannes:

"Der Geist ist es, der lebendig macht" (6,63).

165 Gott sprach beim Propheten Ezechiel: "Ich gebe euch den Geist und ihr lebt" (37,5). Auch wir bekennen den Heiligen Geist im Glaubensbekenntnis als "Lebendigmachenden" . Leben schenken entspricht sehr gut dem Namen "Geist", denn das kärperliche Leben wird durch den Lebenshauch vom Lebensprinzip, von der Seele, in die Glieder geleitet. (V gl. Thomas, Summa gegen die Heiden, IV, 20.) 3

2. Kapitel

CHRISTUS, IM HEILIGEN GEIST DAS HAUPT DES WELTALLS

1. In der menschlichen Natur des Göttlichen WORTES fließen beide Hälften des Weltalls, die geistige und die materielle Natur, zusammen. Der Gottmensch, als der "Erstgeborene aller Schäpfung" (Kol 1,15-17), vereinigt in und um sich die ganze Schäpfung zu einem mystischen Leib und einem heiligen Tempel, welchen er durch den Heiligen Geist in Besitz genommen hat. Die ganze Schäpfung erhält durch Christus die erhabenste Weihe, indem die Salbung des Hauptes durch den Heiligen Geist auf sie herabfließt. Dadurch wird auch sie der wundervollste Tempel des Heiligen Geistes.

Das Universum singt einen unendlichen Hymnus zu Ehren Gott Vaters. Sein I ewiges WORT stimmt mit dem Heiligen Geist in diesen Lobgesang ein und vereinigt alle Stimmen zu

166

einem harmonischen Jubellied. 4

2. Das weltall ist organisch mit dem Leib, den der Gottmensch angenommen hat, verbunden. Es wurde daher auch zum Tempel des Gottmenschen. Weil Christus, der Erstgeborene aller Schöpfung, auferstanden und verklärt worden ist, so wird auch der Kosmos weit über seine Natur erhoben werden und durch Christi Geist erneuert und verklärt. Das weltall wird durch den Sohn Gottes im Heiligen Geist in den höchsten Himmel, ja, in den Schoß Gottes hineinbezogen werden. Seine irdische Natur wird es ablegen und eine himmlische annehmen. 5

3. Kapitel

DER MENSCH, DURCH DEN HEILIGEN GEIST KÖNIG DES WELTALLS

I. Der erste Mensch

1. Als Gott Adam den Lebensodem emhauchte, verband er durch die Gnade den Heiligen Geist mit seiner Seele, so daß dieser die Seele seiner Seele wurde. Adam wurde bis zum tiefsten Seelengrund vergeistigt, vergöttlicht. Bis in die letzten Fasern seines Leibes wurde er ein vollkommenes und würdiges Heiligtum dieses Gottesgeistes, so daß er an Leib und Seele übernatürlich wurde, geheiligt und verherrlicht. Sein Geist war lauter und selbständig, beinahe wie ein Engel; sein Leib war ihm völlig unterworfen; er pflegte und beherrschte ihn in all seinen Gliedern.

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Durc.h den Heiligen Geist war Adam in den Schoß Gottes erhoben, mit gättlichem Adel bekleidet, zum Erben Gottes berufen. Was ziem te ihm da mehr, als daß er bis zur letzten Fiber geistig und himmlisch werde?

2. Zuerst und grundlegend wurde die Seele des Menschen durch den Heiligen Geist begnadet, weil sie der hächste Gipfel und die tiefste Wurzel des Universums zugleich war. Die Gnade sollte sich von ihr naturgemäß über den ganzen Kosmos ausbreiten, der ja bei weitem nicht an die Krone der Schöpfung heranreichen konnte. Gottes herrlicher Plan war, daß die Gnade der Seele und die Unversehrtheit des Leibes auf alle Menschen und von diesen auch auf das ganze weltall übergehen sollte. 6

Der Heilige Geist, der durch die Gnade in den Geist des Menschen herabgestiegen war, um ihm sein eigenes Leben einzuhauchen, durchdrang den ganzen Menschen mit seiner göttlichen Kraft, um ihn vor aller Unordnung, vor aller Störung und vor dem Tode zu bewahren. Vom Menschen sollte sich dann diese Unversehrtheit und Unsterblichkeit auch auf das ganze weltall fortpflanzen. 7

H. Die Nachkommen Adams

1. Die Geschäpfe ohne Seele und Geist werden nach dem göttlichen WeltenplaI)., welcher für den ganzen Kosmos gilt, auch auf die Nachkommen Adams, die gefallenen Menschen,

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als ihr natürliches Haupt bezogen; denn der Mensch besteht aus Leib und Seele. Das ganze Universum, Steine, Pflanzen, Tiere und Menschen sollen uns helfen, unser natürliches und übernatürliches Ziel zu erreichen. Wir sollen alles brauchen, um dadurch Gott zu verherrlichen. Besonders benu tzen wir die Erdendinge als deren Propheten und Priester; wir brauchen sie, um Gott zu erkennen und zu lieben.

Wenn das Weltall nun einmal bestimmt ist, die Wohnstätte des verherrlichten Menschen zu werden, so ist es auch jetzt schon ein Tempel des Heiligen Geistes, der mit dem Leib des Menschen mitverherrlicht werden wird. Hier wird nicht mehr die einzelne Seele als Tempel des Heiligen Geistes bezeichnet, sondern der ganze Kosmos. Die einzelnen Seelen kännen dann mit den erlesenen Steinen verglichen werden, aus denen der Tempel erbaut ist, oder alle begnadeten Seelen bauen den Altar auf, auf dem die Herrlichkeit des Heiligen Geistes ruht, oder noch schöner: Wenn der Kosmos der Fußschemel Gottes ist, der den Saum seiner Kleider bedeckt, dann sind die begnadeten Seelen der Thron Gottes, ganz von der Herrlichkeit des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes erfüllt. Wir hören diese Gleichnisse aus den Worten des Apostels: "Ist doch die Schäpfung der Vergänglichkeit unterworfen, nicht freiwillig, sondern um deswillen, der sie unterwarf, mit der Hoffnung, daß einst auch sie, die Schäpfung, von der Knech tschaft der Vergänglichkeit erläst wird zur

169 Freiheit der Herrlichkeit der Kinder Gottes. Wir wissen ja, daß die ganze Schöpfung voll Seufzen und Wehen ist bis auf den heutigen Tag" (Röm 8,19-22). Die Welt wird am letzten Tag zu einem neuen Himmel und zu einer neuen Erde umgestaltet, zu einer unvergänglichen, überaus herrlichen Stadt, zu einem Tempel des Heiligen Geistes, worin die Herrlichkeit Gottes auf wunderbare Weise widerstrahlt und der Mensch glücklich und selig, friedlich und verklärt, wohnen wird. Das Paradies gab den Stammeltern davon schon einen Vorgeschmack, noch natürlich, aber schon viel erhabener als die ganze verderbte Schänheit der Erde heute.8

2. Der Mensch ist schon durch seinen Verstand und Willen das Bild Gottes in der Welt; als Kind Gottes gleicht er noch viel mehr seinem himmlischen Vater, damit er die Herrlichkeit Gottes dem Kosmos offenbaren kann. Auch ist er recht passend der Tempel des Heiligen Geistes, da dieser in ihm nicht den Geist allein, sondern auch den Leib bewohnt und mit seiner Liebe erfüllt. Vom Menschen aus wird der Gottesgeist noch viel mehr Prinzip, Herr und Leben des Universums.9

3. Weil Gott so innig mit uns verbunden ist, müßten wir jetzt schon verklärt sein. Da wir aber noch auf dem Wege sind, kännen wir noch nicht unmittelbar verherrlicht werden, sondern das Licht der ewigen Seligkeit leuchtet uns er,st nach Tod und Auferstehung in der Ewigkeit. 10

Wenn die Macht der Verklärung hier auf

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Erden manchmal schon durchbricht wie in den Wundern der Heiligen, so dürfen wir diese nicht einfach allein natürlich, psychologisch oder physiologisch betrachten, sondern wir müssen sie geistig, kraftgespannt (dynamisch) und übernatürlich beurteilen. Die Heiligen lassen sich aus ihrem tiefsten Seelengrund heraus viel mehr als gewöhnliche Menschen vom Heiligen Geist führen und werden daher auch schon hier auf Erden mehr von ihm durchdrungen und befähigt, außerordentliche Werke zu verrichten. 11

4. Schon weil unser Leib ein Teil des Kosmos ist, aber noch viel mehr, weil auch er vom Heiligen Geist bewohnt und zur Verklärung bestimmt ist, dürfen wir ihn nicht verachten, sondern müssen ihn ebenso wie unsere Seele natürlich und übernatürlich lieben. Und nicht nur unsern Leib, sondern auch den Leib unserer Mitmenschen. Erleuchtete Seelen pflegen Arme und Kranke zärtlicher als Mütter ihre Kinder und dienen ihnen in ihren Nöten. Sie geben ihr Vermögen, ihre Gesundheit, ihr Leben hin, um Hungrige zu speisen, Nackte zu bekleiden, Kranke zu heilen. Wenn sie auch keine Wunder tun, kein Brot vermehren wie der Heiland, so vollbringen sie doch Wunder der Hingabe, der Aufopferung und Liebe, Wunder, die aus der wunderbaren Kraft des Heiligen Geistes fließen. 12

5. Der Heilige Geist, der uns führt und durch seine Gaben uns erleuchtet und stärkt, macht es uns immer wieder klar, daß wir offen sein

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1 I müssen nach außen, zum Kosmos und besonders

zu unserm Mitmenschen hin. Unser ganzes Leben, das innere und das äußere, das soziale und das persänliche, soll vom Gesetz seiner Gnade beherrscht und durchdrungen sein. Wir gehören uns nicht selbst an. "Wißt ihr nicht, daß euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist, der in euch wohnt? Ihr habt euren Leib von Gott, ihr gehört euch also nicht selbst" (1 Kor 6,19)! Diese Sätze verdammen aufs schärfste den Liberalismus, der Gottes Herrschaft und die Gnade des Heiligen Geistes in der menschlichen Gesellschaft und im einzelnen Menschen bestreitet. Deshalb ist es auch ein sakrilegisches Unterfangen, die Kirche zu bekämpfen, weil sie im Namen des Heiligen Geistes auf das natürliche Geistes- und Gesellschaftsleben einen berechtigten Einfluß nehmen muß. 13

6. Die neue Erde wird umgestaltet zu einer unvergänglichen, herrlichen Stadt, wo die Unendlichkeit Gottes wunderbar widerstrahlen wird. Dort sollen wir als verklärte Menschen wohnen. Gott wird dann als unser gütigster Vater mit uns sein. Der Heilige Geist wird jede Träne trocknen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid, noch Jammer, noch Mühsal; denn das erste ist vergangen (Offb 21,4). Wir werden keine Angst noch Furcht kennen, nur noch die Liebe, den Heiligen Geist. 14

7. Durch das Licht der Herrlichkei~, in der unsere Seele das Antlitz Gottes schauen wird, wird auch unser Leib schöner, lebendiger und

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kräftiger. Wenn die Heiligen hier auf Erden in Gott verzückt werden, wird auch ihr Leib oft mit vergeistigt. Auf der neuen Erde wird unser Leib mit einem übernatürlichen Licht umgeben und durchdrungen, das ihm hächsten Glanz und größte Kraft verleiht. Dieses Licht ist über alles irdische, natürliche Licht erhaben und unseren jetzigen schwachen Augen völlig unzugänglich. Dann aber ist der verklärte Leib der Seele ähnlich; mit ihr zusammen strahlt er ihre innere Herrlichkeit nach außen: Die göttliche Glut des Heiligen Geistes. 15

173

ABKÜRZUNGEN

NG = Scheeben, Natur und Gnade, Gesammelte Schriften Bd. I.

HG = Scheeben, Herrlichkeit der Göttlichen Gnade, Gesammelte Schriften Bd. I.

M = Scheeben, Mysterien des Christentums, Gesammelte Schriften Bd. 11.

D = Scheeben, Dogmatik, Gesammelte

Schriften Bd. III.- VII.

Die Bände der Dogmatik werden gesondert gezählt: 1- VI. Der Band wird mit römischer Ziffer bezeichnet; die Randnummer mit arabischer.

GA = Scheeben, Gesammelte Aufsätze, Gesammelte Schriften Bd. VIII.

HZ = Von heiligen Zeichen, Romano Guardini, M. Grünewald-Verlag, Mainz, 91966.

MZ = Die mächtigen Zeichen, Alfons Kirchgässner, Herder, Freiburg, 1959.

IK = Inbild des Kosmos, eine Symbolik der Schöpfung, Photina Rech, Otto Müller, Salzburg, 1966.

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ANMERKUNGEN

I. Teil EINLEITUNG

(1) M § 108; D I 778 ff. (2) M § 2; D I 861 ff. (3)M§ 1;DI34ad2. (4) M § 1; D I 35 ff.

(5) M § 3; D I 28 ff.

II. Teil

DER HEILIGE GEIST IN GOTT

In diesem Teil haben wir auch die innergöttlichen Beziehungen des Göttlichen WORTES ausführlicher behandelt, da man sonst die Stellung des Heiligen Geistes in Gott nur schwer erklären kann.

(1) D H. 770.

(2) D II. 762-777. Die Schriftstellen zu diesem Abschnitt, von denen die meisten später noch ausführlicher behandelt werden:

Jo 6,63; 2 Kor 3,6: Röm 8; 1 Kor 6,11; 2 Kor 3,18; Röm 5,5; Jo 14,26; Apg 1,8; Röm 8,15; 1 Kor 12,16; Mt 10,20. Vgl. dazu Die Allgegenwart Gottes in allen Dingen D II. 360-375.

(3) D H. 778 f.

(4) D H. 776 f.; Vgl. Jo 20,22; Apg 13,2; 20,28; Kredo der Messe.

(5) D II. 781 f. Vgl. Jo 6,63; Lk 4,1; 18; Hebr 9,14; Mt 12,28. Vgl. auch den !II. Teil dieses Büchleins.

(6) D H. 784-788: Gal 4,1; Röm 8,9; 1 Petr 1,11;Phil1,19;Jo 16, 13-15; 14,16; 26; 15,26; 16,7.

(7) D II. 875; 883.

(8) M § 19; D H. 849 ff. (9) D III. 375.

(10) D II. 1019-1024: bes. 1019, Anm. 6. (11) M § 10; D H. 923 ff.

(12) D H. 981.

(13) D H. 983.

(14) D H. 984.

(15) D H. 990.

(16) D H. 991.

(17) D II. 948 f.. Das Wort ist kein flüchtiger Schall. Es hat Macht zu scheiden und zu vereinen; als konsekrierendes Wort vereint es, als exorzierendes Wort trennt es. Es ist Fangnetz und Waffe. Es ist schöpferisch. Durch sein Wort erschafft Gott das Weltall. Das göttliche Wort ist nicht nur Behauptung und Belehrung, sondern immer Anruf und Befehl, "schärfer als jedes zweischneidige Schwert" (Hebr 4,12). Es bewirkt, was es meint. Prophet ist, wem das göttliche Wort in den Mund gelegt ist. Jesus

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ist das Wort des Vaters; er wirkt durch sein Wort die Sündenvergebung, die Heilung. Die Segensmacht des Gotteswortes beschreibt Isaias, indem er sagt, es werde nicht leer zurückkommen (55,11).

Das Hören ist dem Judentum weit wich~iger als das Sehen .. , Segnen ist eine durchs Wort vermittelte Ubergabe heilbringen-

der Kräfte ...

Auch der Gruß ist ein Segenswort .. ,

Das Berufen ist ein Herbeirufen von Mächten ...

Beschwören ist ein Besprechen .. , Der Bannspruch verweist den Menschen aus dem sakralen Bereich ... Der Exorzismus ist eine Verfluchung personaler Unheilsmächte ... Die überlieferte kultische Formel ist unantastbar; ihre Veränderung würde eine Schwächung ihrer Wirkkraft bedeuten ... Wichtige Gebetsworte wie Amen, Alleluja, Kyrie sind unübersetzt geblieben ...

Die Anrufung der Gottheit ist mehr als eine Anrede; sie ist

wirkliches Herbeirufen ...

Das Aussprechen des Namens bedeutet schon Teilhabe ... Die

Urform des Gebetes ist der Hymnus, der Gott anruft in Verehrung und Vertrauen ... Dies alles zusammengenommen kann man der Ansicht Heilers, das Gebet sei ursprünglich die persönliche Herzensergießung des einzelnen gewesen und erst später "zur unbeweglichen, starren Form", zum "unpersönlichen Amtsgeschäft des Priesters" geworden, nicht zustimmen; sie verkennt die Priorität des kultischen Wortes und den uranfänglichen Glauben an die Macht der in der Gemeinschaft erklingenden Rede ... MZ S. 247 ff.

(18) D II. 946; 950. Vgl. den ganzen Paragraphen.

(19) D II. 951. Der Wind, wie ein Weltatem überall gegenwärtig, belebend, erfrischend, den Samen weithin tragend (Bauernregel:

"Viel Wind, viel Obst"), der Felsen losbricht und Bäume entwurzelt, der Gewitter und Regengüsse herbeiführt, wird in vielen Sprachen mit dem gleichen Namen bezeichnet wie der Atem der Tiere und der Menschen, der wiederum mit dem Lebensgeist, der Seele, dem Geist identisch ist (ruach, pneuma, spiritus). Er ist der Ort der Totengeister (Wodans Heer, die wilde Jagd, die Geister in den Lüften). Er wird empfunden als Leben, als Kundwerdung des Geheimnisvollen im All. Man bringt ihm Opfer von Getreide oder Mehl (Windfutterung). Er ist gewaltig als Sturm und zart als leiser Hauch. Er ist schöpferisch ("Gottes Sturm [ruach] brütet über der Urflut", Gen 1,2) und zerstörerisch zugleich. MZ S. 116. Unter dem Thema: Kosmische Symbole. Vergleiche auch: "Atem" kommt vom Altindischen "atman", was soviel wie Hauch, Seele, Geist bedeutet.

(20) D II. 955.

(21) D II. 956 ff.

(22) D II. 893 f.

(23) D II. 901 f.

(24) D II. 904; 909 f.

(25) D II. 910; M § 13. (26) D 11. 912 ff.; M S 13. (27) D II. 967; 969.

176

(28) D II. 970. (29) D H. 974.

(30) D II. 927-936; 1002; 1004. "

Wir Menschen sind grob geworden. Von vIelen tIefen und zarten Dingen wissen wir .!lichts mehr. Das Wort ist eines davon. Wir meinen, es sei etwas Außerliches, weil wir sein Inneres nicht mehr spüren. Wir meinen, es sei etwas Flüchtiges, weil wir seine Kraft nicht mehr empfinden.

Es stößt nicht, es schlägt nicht, ist nur zartes Gebilde von Klang und Schall, aber ein feiner Leib flir etwas Geistiges. Das Wesen eines Dinges und etwas aus unserer eigenen Seele, das vor jenem Ding erwacht, begegnen sich und gewinnen Ausdruck im Wort ...

Worte sind Namen. Und Sprechen ist die hohe Kunst, mit dem Namen der Dinge umzugehen; mit dem Wesen der Dinge und dem Wesen der -eigenen Seele in ihrem gottgewollten Einklang ...

Wir haben Namen immer rascher gesprochen, immer oberflächlicher, äußerlicher, und immer weniger an das Wesen darin. gedacht. Haben sie weitergegeben, wie man ein Geldstück weitergibt von Hand zu Hand: man weiß nicht, wie es aussieht, was darauf steht, weiß nur, daß man so und so viel dafür bekommt ... Nur manchmal schrecken wir auf. Da ruft es auf einmal aus einem solchen Wort zu uns her, wie aus Urgründen herauf. Das Wesen ruft uns an ... Der "Name" tritt hervor, das Wesen, die Antwort der Seele. Da fuhlen wir wieder das Urerlebnis, in welchem der Geist dem Wesen des Dinges begegnete ... und das Wort ist wieder jenes erste Werk, zu dem Gott den Menschengeist rief. Aber bald versinkt wieder alles, und die Zählmaschine klappert von neuem ...

Geheimnisvoll ist Gottes Name. Das Wesen des Unendlichen leuchtet aus ihm hervor; das Wesen dessen, "der da ist", in unendlicher Heiligkeit und unermeßlicher Fülle des Seins ... HZ

S. 62 ff.

Durch den Namen wird das Wesen einer Person oder Sache ausgesprochen '" Er ist das Symbol des Gemeinten und kann seine Stelle vertreten ... Erst das Benannte ist "der Rede wert". Vgl. "sich einen Namen machen"; "den guten Namen verlieren". Namenloses ist wesenlos ...

Adam hat die Tiere benannt ... Die Namengebung des Neugeborenen führt in die soziale Wirklichkeit ein. Die Nennung nach einem Heiligen stellt den Menschen unter die Obhut eines Patrons ...

Der Name überdauert die physische Existenz. Bei vielen Völkern dürfen die Namen der Toten nicht genannt werden ...

Teufelsbeschwörungen dürfen auch von Ungläubigen "im Namen Jesu" vorgenommen werden, weil es auf den Namen ankommt ...

Die Eigennamen, mit ihren Trägern zu einer unlöslichen Einheit verbunden, haben fast in allen Sprachen eine sym bolische Bedeutung ...

Wer einen Namen ausspricht, partizipiert an dem Träger '"

177

Vgl. das jüdische Verbot, den Namen Gottes auszusprechen ...

Die Mitteilung des eigenen Namens ist ein Akt höchsten Vertrauens und echter Selbstschenkung (vgl. Ex 6,3; Moses erfahrt den Namen Gottes) ...

Namensänderung ist ein folgenschwerer Eingriff in die Existenz. Durchwegs soll die Existenz dadurch erhöht werden, Simon wird Kephas genannt. - Beinamen können erhöhen oder auch erniedrigen ...

Sterne, Monate, Tage erhielten bei den Römern Namen der Götter. Städte, Dörfer, Flüsse und Berge erhalten Namen und werden dadurch in Beziehung zu höheren Wesen gesetzt ...

Die Tilgung des Namens aus Listen oder Gedenksteinen bedeutet den bürgerlichen Tod ... MZ S. 258 ff.

(31) D n. 939.

(32) M § 18; NG S. 109-132; DIr. 940-942; 762.

Unser Leben hängt am Winde, dem großen Atem des Kosmos

Jahwe ist der wahre und einzige Herrscher, der "auf den Flügeln der Winde einherfährt" (Ps 103,3) ... Er erschafft die Winde, führt sie aus seinen Schatzkammern heraus (Ps 134,7; Jer 10,13). Er macht sie zu seinen Eilboten und Befehlsvollstreckern (Ps 103,4).

Der Wind beseelt den Neugeborenen (Indogermanen) ... Die

Seele ist ein Lufthauch (Indogermanen, Mongolen, Perser).

Vor der Taufe wird der Täufling angehaucht. Der Atem

reinigt.

"Aufgebrochen zur frühen Stunde, Wind! Noch den feuchten Atem der Nacht,

den trächtigen, bringst du heran.

Dann aber groß bäumst du dich auf

und die Schwüle zerreißt reisig im Morgenstern,

daß es die Seele durchklirrt wie ein metallener Stoß.

Fahr ganz in mich hinein

und laß mein Herz dein Segel sein! Dränge es, fülle es, schwelle es!

Zu fernsten Küsten treib es, mein Boot, blauen, beglänzten Küsten der Unendlichkeit.

Oder spring an, zerfetze das Segel!

Breche der Mast, berste der Kiel!

Und an den blanken Korallenriffen,

die die ewige Flut zur Schärfe geschliffen, zerschelle die Trümmer in schäumenden Spiel!

Komm, brausender Erguß!

Komm, roter Feuerfluß!

178

Veni creator Spiritus!"

Bergengruen IK II. S. 9 f Heiligkeit ist der Zentralbegriff des kultischen Denkens un der Religion überhaupt ...

Die Vorstellung von der Heiligkeit stammt aus der Erfahruni In jeder Manifestation von Kraft, in jedem Glücksfall und i jeder Katastrophe sieht der frühe Mensch das Walten hohe Mächte ... Diesem Reich höherer Mächte sieht sich der Mensc ohnmächtig gegenüber '" Durch den Ritus wird das Schwanke zwischen Furcht und Hoffnung überwunden ... Ritus ist Hingab und Selbstbehauptung z,!gleich. Er überwindet den Zustand de Lähmung. Er wagt dem Uberwältigenden zu begegnen durch di Tat. Der Mensch, gebannt durch den Blick des Mysteriums, rück von der Stelle und geht auf das Unerforschliche zu '" Heiligkei ist ein Grenz- und Distanzbegriff ... Das lateinische sacer is dasjenige, was befleckt oder befleckt wird, wenn man es anrührt Deshalb die sorgsame Verhüllung oder Verschließung de Heiligen; auch wird es geheimgehalten ... Das Wort Heilig stamm von heil und bedeutet unversehrt ...

Das Heilige ist tremendum, es macht uns erzittern, aber es is auch fascinosum; es beseligt uns. Ausdruck der Furcht ist di, Kniebeugung, Ausdruck der Liebe ist der heilige Kuß ...

Heilig ist das, was nicht profan ist. Beide Ausdrücke werdeI nur klarer durch gegenseitige Vergleiche. Grundbegriffe lasseI sich nicht analysieren ...

Das Heilige behauptet sich gegen den Andrang des Profanen will es überwinden oder verwandeln. Der weltliche Raum wirc sakralisiert: Aufstellen von Kreuzen, Bildern, Kapellen; Weihen Läuten '"

Durch das Fortschreiten der Wissenschaft und Technik, die längst schon aus dem sakralen Bereich entlassen sind, wurde da~ Profane selbstbewußt und empfindet sich nun, im völligen Gegensatz zum archaischen Denken, als das allein Wichtige, Richtige und Wirklichkeitsbezogene gegenüber der überlebten, nutzlosen, scheinhaften Welt des Sakralen. Auch hier kommt es zum Umschlag: Das Profane erhebt den Anspruch des Heiligen und legt religiöse Bindungen auf, wie das besonders in totalitären Systemen sichtbar wird ...

Immer wieder zeigt sich, daß es der Mensch in einer nivellierten Welt nicht aushält. Er durchbricht die Schranken des profanierten Daseins und schweift aus, von der Lust am Abenteuer getrieben, sei es, daß er das Unheimliche des Verbrechens, der Revolution oder des Krieges sucht, sei es, daß er im Heroismus der Selbsthingabe die höhere Welt zu gewinnen und die irdische zu erneuern sucht. Das Verlangen nach dem Kult bleibt bestehen, und zahlreich sind die Versuche, den Verlust des Überlieferten durch neue Formen zu ersetzen (Grabmal des unbekannten Soldaten, Heldenfriedhöfe, F eierstunden, Olympische Flamme, Aufmärsche, Starkult, Jugendweihe, Vatertag etc. etc.) Nach MZ S. 218 ff.

(33) D H. 1006 ff.

179

Alles Grünende, Wachsende, Blühende ist symbolisch und segenstiftend. Die Wunderblume (blaue Blume) und das Wunderkraut geben schon durch ihren Anblick Genesung, Wunscherfülhing und Weisheit. Der Lotos steigt tausendblättrig aus den Kosmischen Wassern in goldener Schönheit, Zeichen der Mitte, der Vollkommenheit, Thron der Götter. Die Narzisse ist die Blume der Kore, des göttlichen Mädchens. Die Rose ist Aphrodite heilig. MZ S. 132.

Nach Lev 2,15 muß jedem Speiseopfer Weihrauch (Duft) zugefügt werden; er wird auch auf die Schaubrote gelegt (24,7). Darauf bezieht sich vielleicht die christliche Sitte, den eingemauerten Reliquien (und Hostien im Mittelalter) Weihrauchkörner beizugeben und solche in die Osterkerze zu stecken. MZ S. 475.

Im Osten mischte man dem Öl gern duftende Essenzen bei, eine Sitte, die auch auf die neiligen Öle überging, und zwar seit dem 5. Jahrhundert. Der Duft des Salböls gilt ähnlich wie der Opferduft und der Weihrauch als ätherische Substanz und darum als Nahrung der Himmlischen. Armenische Theologen meinten, der Heilige Geist sei im Chrisam so gegenwärtig wie Christus in der Brotsgestalt. MZ S. 518.

Der Duft des Brandopfers und der Weihrauch, der auch Opferduft ist, dient nach alter Anschauung der Gottheit als Nahrung, da er die Kraft hat, in die Höhe zu steigen. Vgl. das Wohlgefallen Jahves am Opferduft (Gn 8,21; Lv 1,17). MZ S. 532.

Weihrauch wird bei den christlichen Gottesdiensten seit ca. 300 gebraucht, auffallend oft bei den östlichen Liturgien. MZ S. 533 f.

(34) D II. 1008.

In Analogie zur Symbolik des Weins steht die des Öls. Auch dies ist Baumfrucht, durch Zerstörung hindurchgegangen, zur Festfeier gehörig, dem Feuer verwandt. MZ S. 1.35.

Öl hat seit je eine besonders starke Kraft (mana). Es ist ein wichtiges Mittel der Stärkung, Reinigung und Heiligung. Öl ist Lebenssaft des Baumes, und da dieser ein hohes Symbol des Lebens ist, so etwas wie "Lebenselixier". Es ist die Sublimierung all der Kräfte, die Ölbaum, Ölzweig, Ölkranz enthalten, ja ein Konzentrat von Baum, Zweig und Kranz überhaupt. Salbung ist also eine Anwendung der Baumkräfte. Vgl. den Abschnitt über "Salbung". MZ S. 516 ff.

(35) D II. 1008.

Urelemente der Nahrung sind Brot und Wein ... Der Wein ist Blut der Trauben; er spielt eine große Rolle beim Totenopfer, beim Heil- und Liebeszauber; man vertraut seiner reinigenden Kraft, weil er mit dem Blut verwandt ist '" Er gilt als Wasser, das vom Feuer verwandelt ist. Wein steigert das Leben. MZ S. 133. Photina Rech schreibt auf 70 Seiten über die Symbolik des Weines. JK S. 394-466!

Auf S. 424 schreibt sie: Die geläufige Vorstellung, die sich weithin mit dem Wein verbindet, ist gerade jener freudige Aspekt des Lebens. Auch die Freude des naturhaften Lebens ist ja

180

Gottesgabe des Weines - letzter Wellenschlag aus dem 0 göttlicher Lebensseligkeit. Lachendes volles Leben, das ist spontane Vorstellung, die der bloße Name Wein erweckt. \\ der Wein geboren ist, jauchzt die Freude auf und überström: stumme Sprache der leidenden und vergehenden Kreatur. Weinstock wird geschnitten, die Traube zerstampft. A Traubenlese im Weinberg und Kelterfest sind die hohe Zeit jubelnden, tanzenden und feiernden Lebens. Wo der Wein flj, wird der Mensch des Lebens froh und vergißt die dunklen Bi] von Not und Schmerz und Tod in rauschhaftem Entzücken .. S.424.

(36) D AI. 1015.

(37) D AI. 1016-1018. (38) D AI. 1025.

(39) D AI. 1026.

Brehm findet 15 verschiedene Farben an der Felsentaube, ( Stammmutter unserer Haustaube! Sie geht gut, aber nicker fliegt vortrefflich, mit pfeifendem Säuseln, durchmißt ungefä 100 km in der Stunde, klatscht Vor dem Auffliegen und schwe vor dem Niedersitzen (auf S. 292 ein schönes Bild ein anfliegenden Taube!), steigt gern hoch empor und kreist 0 längere Zeit in dichtgeschlossenen Schwärmen. Herder, D Farbige Brehm, 1966, S. 294. In IK wird die Taube von. 280-305 behandelt. S. 287: Die himmlische Taube über del Haupte des Messias ist das Wunder, das der Glaube von weitht wie tastend in der Taube verehrte: strahlende Hierophani, göttliche Epiphanie, Erscheinung des Pneumas als der ewige Licht-, Lebens- und Liebesfülle.

Ein Mosaik in der Capella Palatina zu Palermo zeigt in einen Kreis die Gottestaube, von der TOte Bänder auf die Köpfe de Apostel gehen, und in diesen Bändern ist verkleinert wieder di, Taube zu finden. Die Taube ist in der Höhe und ist doch aud unten; das Rot erstrahlt aus dem Kreis und ist zugleich Feuerflamme auf den Häuptern: das ist eine klassische Darstellung der mystischen Teilhabe.

UI. Teil

DER HEILIGE GEIST IN CHRISTUS

(1) D U. 1001; 1006-1008. (2) D 11. 981-1016.

Die Verwendung des Öls zu Heilszwecken ist alt. Vgl. Mc 6,13: "Sie trieben viele böse Geister aus, salbten viele Kranken und heilten sie" .... Gesalbt wird alles, dem man sakrale Kräfte zuführen will ... Vgl. die Salbungen bei den Sakramenten. Auch der Altar wird bei der Weihe gesalbt, ebenso die Kirche. MZ S. 516 ff.

(3) D V. 387-391; 511-515. (4) D V. 523.

(5) D V. 395.

(6) D V. 1030; 1038.

(7) M 562.

(8) M § 65; D V. 1480. P. Arnold Janssen, der Stifter der

Gesellschaft des Göttlichen Wortes, verfaßte in diesem Geist Gebete zur Juniandacht.

(9) M 5 65, Anm. 19. Dazu bemerkt Höfer: "Der letzte Satz ist wichtig für das rechte Verständnis der theologischen Wissenschaftslehre Scheebens".

(10) M § 71.

(11) M § 72.

(12) M § 73.

(13) M S 73.

(14) M § 75.

(15) D V. 151. Schrift stellen dazu vgl. V. Teil, 1. Kapitel, 3.

Zeuge der Wahrheit.

(16) D V. 1234.

IV. Teil

DER HEILIGE GEIST IN MARIA

(1) D V. 547-549; 553. (2) D V. 546.

(3) D V. 771; 1545 ff.; 1610 ff.; 1618. Ohne die tiefsinnigen,

wenn auch sehr treffenden Erklärungen Scheebens über die "sponsa Verbi" zu studieren - zumal, wenn Maria im gleichen Text auch noch "soror Verbi" genannt wird - könnte man verwirrt werden, wenn neben dem Ausdruck "sponsa Spiritus Sancti" noch die Bezeichnung "sponsa V erbi" auftreten würde. Wir übergehen deshalb die betreffenden Stellen bei Scheeben. Vgl. C. Feckes, Die bräutliche Gottesmutter, Herder, 1936.

(4) D V. 1765-1767.

V. Teil

DER HEILIGE GEIST IN DER KIRCHE

(1) M § 78. In der Dogmatik hat Scheeben die Lehre über die Kirche nicht mehr behandelt; vgl. M S. VI; Dr. S. XI.

(2) M § 79.

(3) M § 82.

(4) M S 83.

(5) M § 84.

(6)DI94.

(7) D I. 112.

(8) D 1. 166 f. Vgl. 341-346.

(9) D 1. 168-171. Ein Beispiel für den letzten Satz bietet die leibliche Aufnahme Marias in den Himmel, die im Rosenkranzgebet schon durch Jahrhunderte von fast allen Gläubigen anerkannt wurde.

(10) D I. 215-217.

(11) D I. 233.

(12) D I. 237-242. (13) D I. 309.

(14) D I. 376.

181

182

(15) D I. 391. (16) D I. 473 f.

(17) D A. 997-999. Vgl. 806 f. (18) D I. 807; 1007.

(19) D I. 1000; 1001; 1007. (20) D I. 1002-1007.

(21) D I. 1009 f. Mit der Ehe sind wir heute weithin schon auf diesem Punkt angekommen; sagt man nicht schon allgemein:

"Man wird auf dem Standesamt getraut"?

VI. Teil

DER HEILIGE GEIST IN UNS

(1) D II. 1043-1056; Vgl. auch VII. Teil 1. Kapitel (2) M § 23.

(3) D II. 1057-1059; M § 26.

(4) M § 27; HG S. 59-70; D AI. 1060-1064. (5) M § 28.

1. Höfer schreibt hierzu in der Einleitung zum ganzen Werk:

"Das Hauptproblem der Theologie Scheebens ist nicht mehr in der Lehre von der Einwohnung des Heiligen Geistes in der Seele des Christen zu suchen. Es mehren sich heute Stimmen, die wie die Väter, so auch Scheeben, aus dem Ganzen der Trinitätslehre verstehen und wenigstens dem entscheidenden Grundgedanken die Anerkennung nicht versagen: Im innergöttlichen Leben besitzt der Vater als ,fons et origo' einen Primat eigener Art. Im gemeinsamen Wirken der Trinität nach außen hat jedoch die Person der Liebe den Primat des Wirkens inne. Sie führt Sohn und Vater zur Welt hin, die erlöst und innerlich mit dem Dreifaltigen verbunden werden soll. Die Einheit des Wesens und Wirkens wird dadurch nicht gebrochen. Sie wird ja auch durch den Rang des Vaters im innergöttlichen Leben nicht beeinträchtigt. Die göttliche Selbstliebe ist Wesensmotiv jeder göttlichen Handlung. Daher ist der Heilige Geist, die Person der Liebe, Führer dieses Wirkens". NG S. XII.

2. Übersicht über die "Wandlung" in der Lehre Scheebens s.

M.S. 134 ff. Anmerkung von Höfer. Vgl. auch D II. 1065 nota 2 a, wo auch Literatur angegeben wird.

Ebenso vgl. M § 30, 2, S. 144. Die Anmerkung von Höfer. Grosche befaßt sich in HG S. 59, Anm. mit dieser Frage.

3. Scheebens Stellungnahme zu Petavius erläutert Höfer in NG S. 119, Anm.

4. Seinen Gegnern gegenüber äußert sich Scheeben ganz ausführlich sowohl vor 1870 als auch 1883/84. Siehe GA, besonders von S. 165 bis zum Schluuß des Buches.

5. Höfer sagt abschließend: "Der Leser wird aber Scheeben am besten dann gerecht, wenn er nicht so sehr seinen sogenannten ,Eigenlehren' nachspürt, sondern in nachstrebendem Fleiß das Ganze als Ganzes zu erwerben sucht. Im Ganzen und aus ihm erhalten jene ihre Bedeutung. Die Suchenden dürften heute zahlreicher sein als in den vergangenen Jahrzehnten". M.S. VIII.

183 (6) M § 25; HG S. 70-75; D 11. 1065-1073.

(7) D II. 1025; vgl. das Symbol der alten Kirche: Tauben trinken aus der Amphora.

(8) HG S. 67-70.

(9) M § 31;D 11.1074-1077.

(10) M § 28; dazu: Röm 5,5; vgl. 1 Jo 4,13; Röm 8,9 ff. 1 Cor 2,12.

(11) M § 29; HG an vielen Stellen; GA S. 36-39, wo die Grundlinien von HG herausgearbeitet werden. (Vgl. oben Anm. 5).

(12) M § 30.

(13) D VI. 28. (14) HG S. 113 f. (15) M § 30.

(16) D VI. 27.

Guardini schreibt unter "Licht und Glut": Da steht die Kerze, trägt strahlende Flamme. Unser Auge sieht ihr Licht, nimmt es in sich auf, wird mit ihm eins und berührt es doch nicht. Die Flamme bleibt in sich, und das Auge auch, und doch geschieht ein Einswerden; eine Vereinigung in Ehrfurcht und Keuschheit, möchte man sagen, ohne Berührung noch Vermischung, rein im Schauen. Ein tiefes Gleichnis jener Vereinigung, die sich zwischen Gott und der Seele in der Erkenntnis vollzieht

Mit der Flamme gibt es auch eine Vereinigung durch ihre Glut. Wir spüren sie im Antlitz, auf der Hand; wir merken, wie sie uns wärmend durchdringt, und doch steht die Flamme unberührt in sich selbst. So ist die Liebe: Ein Vereinigtwerden mit der Gottflamme durch die Glut, und doch rührt nichts an sie. Denn Gott ist gut, und wer das Gute liebt, dem lebt es im Geiste. Das Gute ist mein, sobald ich es liebe ...

Gott erkennen und Gott lieben ist Vereinigung mit ihm.

Darum wird die ewige Seligkeit ein Schauen und ein Lieben sein. Und das bedeutet kein hungerndes Davorstehen, sondern tiefstes Innesein; Erfüllung und Sättigung. HZ S. (4lf.)

Kirchgässner beschreibt das Symbol der Sonne: Die Sonne ist Mitte und Urgrund des Himmels. Sie ist das Licht und der Ausgang aller Lichter. Ohne sie gibt es kein Leben und Gedeihen. Sie befähigt das Auge, Umriß und Farbe wahrzunehmen. Sie regelt Tag und Jahr. Ein sprechendes Beispiel für die religiöse Wichtigkeit dieses Symbols ist die Orientierung ägyptischer, babylonischer, semitischer und frühchristlicher Heiligtümer und Gräber. Gegen Osten zu beten, ist allgemeine Sitte. Der römische Geburtstag der "unbesiegten Sonne" wurde in den Tag der Christengeburt verwandelt; ... Sonnenzeichen (Kreis mit Strahlen, Hakenkreuz u.ä.) finden sich häufig unter den Bildern der eiszeitlichen Höhlen und den Dolmen (Grabhäuser aus senkrecht gestellten Steinen mit einem Stein als Deckstein). Auf einem Felsbild in der Sahara, das über fünftausend Jahre alt ist, trägt ein Widder die Sonnenscheibe auf seinem Gehörn. Auf Seeland wurde eine auf bronzenen Pferdewagen gestellte Goldscheibe gefunden. Strahlenkranz und Rad sind ebenfalls Vergegenwärti-

184

gungen der Sonne und symbolisieren darum himmlische WO MZ S. 112.

Die Flamme ist Sonnenfunke und darum Sonnensymbo Das "fressende Feuer" nährt sich von Opfergaben und wir< zum Bild der Gottheit, die sich durch Opfer bei Kräften häl Es ist nicht allein ein vernichtendes, sonde~n auch ein finsteren Kräften befreiendes, verklärendes Element. Opfer-fe kennt auch die christliche Liturgie noch im Weihrauch und in brennenden Kerze, von der es in dem Weihegesang heißt: " Abendopfer dieser brennenden Kerze". Ohne Feuer durfte n römischem Gesetz kein Opfer bereitet werden. Lampen bren: vor Altären und heiligen Bildern. Der siebenarmige Leuchter Tempel; das Ewige Licht; Kerzen bei der Meßfeier; Wetterke u.a.m. MZ S. 112 ff.

(17) D II!. 901. Heute wissen wir, daß die Sonne neues Leber der Pflanze bewirkt und erhält. Die Lichtquanten, die von Sonne kommen, dringen in das Blatt ein und spalten mittels Blattgrüns Kohlensäure der Pflanze in Kohle und Sauerst< Kohle nährt als Stärke die Pflanze und Sauerstoff kehrt in Luft zurück.

(18) HG S. 70-74; S. 247-253. (19) D III. 850.

(20) D III. 851.

(21) D VI. 27.

(22) D III. 901. Hier schenkt uns die Physik einen treffend Vergleich: Der elektrische Strom fließt durch den Draht in ( Birne, und dieser leuchtet auf. So nimmt der Heilige Ge Wohnung in der Seele, die sofort im übernatürlichen Gnad, schein aufleuchtet.

(23) D VI. 28; vgl. D V. 545 ff.; IV. Teil, 1. Kapitel. (24) D VI. 28.

(25) NG S. 112-114: vgl. das ganze Kapitel: Übernatürlic Geistigkeit, in dem Scheeben den Unterschied zwischen natü, cher und übernatürlicher Geistigkeit auseinanderlegt. NG. 109-134.

(26) D III. 1011; D III. 853. Das Bild wird nicht erdacht u, erfunden, sondern durch Intuition oder Meditation wird. an ein numinosen Erfahrung ein Zug entdeckt, der nachahmbar, al mit eigenen Mitteln faßbar ist. Indem man das Abbild schaf hat man, obwohl es nur ein Stück oder sogar nur eine ErinnerUJ an die Totalität des Erfahrenen ist, das Ganze, denn der Teil gi Anteil am Ganzen. Dort, wo das Bild steht, hat sich dur, unsichtbare Kräfte der Raum verdichtet. Die Mächtigkeit d Urbildes hat an dieser Stelle einen Platz gewonnen, den sie geg< andere Mächte behauptet. Es leuchtet auf und wird auf neue A anwesend. Es drängt sich der Vergleich mit Ätherwellen auf, d den Weltraum durchfluten und von einem Gerät aufgefangen ur zum Tönen gebracht werden. Die Entstehung des Bildes ist eir Wiederholung der Kosmogenie. Bilder sind also weit mehr a Erinnerungshilfen oder Formen der Mitteilung (zu denen d Bilderschrift zu rechnen ist).

Wenn in der japanischen Verfolgung von den Christen d,

185

Treten heiliger Bilder verlangt wurde, so waren Verfolger und Verfolgte in der Beurteilung eines derartigen Aktes ganz einig: was dem Bild angetan wurde, berührte die dargestellte Wirklichkeit, es war mehr als eine äußere Verachtung, es war, wenigstens der Intention nach, eine Vernichtung des Heiligen.

Kultische Bilder sind "ewige Riten, die nie aufhören, die errettenden Kräfte in Wirksamkeit zu halten" (Wetter über die Katakombenbilder) ... Die exemplarische Formkraft des Urbilds kommt zur Geltung, es konstituiert eine Sphäre, die vom "Pneuma" des Urbilds durchwaltet ist ... Der Mensch, der sich verehrend naht, wird in das höhere Dasein einbezogen und von dort aus mit neuen Kräften begabt ... Die Felsmalereien .. sind nicht aus der Lust am Gestalten, sondern aus dem Glauben an die Notwendigkeit entstanden ... Unsere Redensart "im Bild festhalten" (oder wiedergeben) drückt ziemlich genau das aus, was das Bild ursprünglich soll. Es hat Anteil am Urbild und soll dessen Kräfte vermitteln ... MZ S. 142 ff.

(27) D III. 853 ff.

(28) M § 30.

(29) D III. 662-664: 795. (30) D III. 856; 857.

(31) D III. 674 ff.

(32) HG S. 76-81.

(33) HG S. 82-88.

(34) M § 30.

(35) D III. 672.

(36) D III. 397: 853; HG S. 59-67.

(37) D III. 616. Das Wasser, der Erde wunderbar entspringend und wunderbar von oben kommend, gilt in den Weltentstehungsmythen als Urelement, aus dem Himmel und Erde hervorgegangen sind. Es ist schlechthin "Fons et origo", "la totalite des virtualites" (Eliade) ... Ohne Wasser kann Leben weder werden noch bestehen, nicht die Frucht im Mutterleib, nicht Baum noch Kraut noch Tier. Das Lebenswasser tränkt den Lebensbaum ... Aus dem Gewässer gewinnen Mensch und Tier Nahrung, denn hier wohnen die Fische und andere Tiere. Fließendes Wasser kann nach altem Glauben nicht behext werden (darum nannte man Hunde nach Flüssen) ... Das Wasser reinigt ... Das Wasser löscht das Feuer, stillt den Durst ... Heilquellen; heilige Ströme und Quellen; für den Hindu ist Wasser das göttliche Symbol schlechthin; es ist "Wohnort Gottes" ... Wasser ist Wall gegen Verfolgung, ist aber auch (deshalb) lebensverschlingend: Sintflut, Überschwemmungen und Wolkenbruch. MZ S. 120 ff.

(38) D VI. 28; 30.

(39) D VI. 27.

(40) D VI. 27; 326. In der Tiefenpsychologie C. G. Jungs wird "Übernatur" völlig außer acht gelassen; wenn auch Jung "Gott als Archetypus kennt und sagt, daß sich jeder alternde Mensch mit ihm abgibt, ja abgeben muß", so sagt er doch auch: "Bei der Aufrollung des Gottesproblems handelt es sich vorerst' weder um Glauben noch um Wissen, sondern um Übereinstimmung unseres Denkens mit den Urbildern unseres Unbewußten ... und einer

186

dieser Urgedanken ist die Idee vom Leben jenseits des Tod (Zitiert nach Goldbrunner, Individuation, Wewel, Freib 31964. Vgl. auch die Kritik Helwigs, S. 191 dieses Büchleins. (41) D VI. 94-97; 102; Die §§ 285-288 sind eine Anthrop< gie der Gnade, die auch dem modernen Psychologen n, manches zu sagen hat, da man sich gewöhnlich in Psychologie nicht mit "Transzendentalem" abgibt, auch ni mit Phänomenen, die im Seelenleben klar zu Tage treten, aber von der Übernatur verursacht sind. Vgl. Anm. zu D VI' u.a. St.

(42) D VI. 27-30; 326. (43) D VI. 27-30; 369.

(44) M § 30; (Über Heiligkeit vgl. H. Teil, Anm. 32). (45) NG S. 123-132.

(46) HG S. 108 f.

(47) NG S. 132 ff.; S. 104. Das H. Vatikanische Konzil kann ci Bedeutung der drei göttlichen Tugenden für das übernatürlic] Leben nicht genug hervorheben!

(48) NG S. 132-141; 157-160. In der Zeit, welche die RitE hervorbrachte, gab es noch kein System, das die VorstellungE von Gott, Mensch und Welt geordnet hätte. Man dach! handelnd. Sakrales Tun war die Sprache, in der man mit d, Gottheit und von der Gottheit redet. Alles war noch ahnungsvo ineinander verwoben. Auf kindliche Weise, unbefangen, neugi< rig-ängstlich und zugleich traumwandlerisch .. sicher griff de Mensch ins Unbekannte. Mag man viele Außerungen eine solchen seelischen Verfassung unbegreiflich oder unreif nennen so muß man doch vor Augen behalten, daß es auch eine Weishei des Kindes gibt, daß die kindliche Art, sich mit der Wel auseinanderzusetzen, Grundbedingung der Selbstfindung ist endlich daß die Kindheit mit dem Mannesalter nicht schlechthir aufhört, sondern auf mancherlei Weise bestimmend bleibt; mit dem Scherzwort vom Kind im Manne ist eine wichtige Wahrheit angerührt ... MZ S. 45. Vgl. zu obigen Ausführungen auch Hugo Rahner, Der spielende Mensch, Johannes Verlag, Einsiedeln, 1960.

(49) D III. 775; 783; NG 141-172; HG S. 144-161; S. 253-358.

(50) D VI. 431-466; D V. 943; HG 165-172.

(51) M § 39. Bei der Gnadenlehre hat Scheeben oft den Heiligen Geist genannt, was er bei der Lehre über die Sünde weniger tut; er könnte aber analog der Gnadenlehre oft anstatt Gott den Heiligen Geist genannt haben.

(52) D IV. 60-65; HG S. 64.

(53) D IV. 80-82; 127.

(54) D IV. 87-89; 138.

(55) D IV. 388-394; 411; M § 40; HG S. 74 f. (56) HG S. 246.

(57) M § 88.

(58) M § 89.

(59) HG S. 52.

(60) M § 86.

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(61) HG S. 67; S. 258-262.

(62) D III. 441-444; 375; M § 85. (63) HG S. 130-132.

(64) M § 84; 87.

(65) D 11I. 995-1007; D V. 1375 ff. (66) M § 57.

(67) M § 58; D VI. 28. Wein ist Trank. Ja, daß ich es recht sage: nicht nur Trank, der den Durst löscht; das tut das Wasser. Vom Wein sagt der Schöpfungspsalm, daß er "des Menschen Herz erfreut" (Ps 103,15). Das Johannesevangelium erzählt, daß der Herr ihn in Kana den zur Hochzeitsfeier Versammelten durch ein Wunder in Fülle gespendet habe (Jo 2); und in der apokalyptischen Vision von der Lösung der sieben Siegel, die von kommendem Unheil kündet, sagt die Stimme: "Dem Öl (den Ölbäumen) und dem Wein fuge keinen Schaden zu" (Apoc 6,6). Wir verstehen, daß hier nicht von Unmaß die Rede ist, sondern daß der Wein hier ein Bild von reichem Leben ist, von Duft, und von Kraft, die alles weit macht und verklärt. In der Gestalt des Weines gibt Christus uns sein göttliches Blut. Nicht als brav-vernünftiges Getränk, sondern als Übermaß göttlicher Kostbarkeit. Sanguis Christi, inebria me - "Blut Christi, berausche mich", betete Ignatius von Loyola, der Mann mit dem ritterlich heißen Herzen; und die heilige Agnes spricht vom Blute Christi als von einem Geheimnis der Liebe und Schönheit: "Sein Blut hat meine Wangen lieblich gemacht", heißt es in den Gebeten ihres Festes ... "Wein" bedeutet Weite und Gewährung ohne Grenzen, Feude über alles Erdenmaß. HZ S. 45 f.

VII. Teil

DER HEILIGE GEIST IM WELTALL

(1) Weltall bedeutet hier die ganze Schöpfung, Kosmos, Universum; Vgl. M § 61 Anm. 1.

(2) D II. 1050-1056; vgl. Vr. Teil, 1. Kapitel. (3) M § 31 2. Anhang.

(4) M § 61. Die Welt und die Dinge sind da als Gottes Sichaussprechen, sie sind ein Gedicht - Dichtung Gottes - sein wohlgeordneter Wortschatz, das Einfallen Himmels und der Erde in den nie verstummenden Hymnus der Dreifaltigkeit ... Die Dinge sprechen, weil Gottes Wort sie gewirkt hat,ja sie ,singen', zumal in den Mysterien der Kirche, in der Liturgie. Christus ist "das ewige, von unermeßlichem Jubelklang erfüllte musikalische Wort des göttlichen Musikers, des Vaters" (Kahles). Die Fülle des Alls tönt von der geheimnisvollen Musik des Seins (Tyciak). (5)M§96.

(6) D 11I. 1103; 993. (7) M § 34; 36.

(8) D III. 1113-1116; HG S. 63

(9) D III. 1118. (10) D 11I. 1104. (11) D 11I. 1106. (12) HG S. 261.

(13) D III. 990 f. (14) D III. 1115. (15)M§95.

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Anhang: Symbol

I. Was versteht man unter Symbol?

Scheeben beschreibt über zwanzig Symbole des Heiligen Geistes (vgl. das Inhaltsverzeichnis!), daraus ist schon zu erkennen, daß Symboldenken wichtig ist für den inneren Reichtum lebendigen Glaubens.

Was sagt unsere Zeit zu den Symbolen?

1. Wir wollen zunächst Romano Guardini hören, der in seinem Büchlein "Von Heiligen Zeichen" spricht. Es ist beim Matthias-Grünewald-Verlag herausgekommen und hatte 1966 über 170 000 Leser gefunden!

Nicht um vergangene Wirklichkeit, sondern um gegenwärtige geht es, die immer aufs neue geschieht, an uns und durch uns geschieht; um Menschenwirklichkeit in Gestalt und Handlung. Die aber bringt man nicht nahe, indem man sagt: Sie ist damals entstanden, hat sich so und so entwickelt. Auch nicht, indem man ihr irgendwelche Lehrgedanken unterlegt. Sondern indem man hilft, an der leibhaftigen Gestalt das Innere abzulesen: am Leib die Seele, am irdischen Vorgang das Geistlich-Verborgene (S.7).

Es ist eine zarte Sache, von der wir da sprechen. Man sagt dergleichen nicht gern; etwas regt sich dagegen. Um so sorgsamer wollen wir damit umgehen. Es darf kein eitles, geziertes Spiel daraus werden, sondern eine Sprache, durch die der Leib in lauterer Wahrhaftigkeit Gott sagt, was die Seele meint. (S. 16 f.)

Bekannte Dinge werden uns neu! Um lang bekannte Dinge handelt es sich, hundertmal gesehene Dinge sind es, nun haben wir sie in der richtigen Weise betrachtet, und sie haben sich aufgetan und sie haben zu sprechen angefangen. In Worten, die wir schon vielmals gehört haben, fühlen wir uns heimisch, wir fühlen uns in sie hinein. Ein großes Entdecken ist das! Wir müssen erwerben, was wir schon lange haben, damit es unser Eigen werde. Richtig sehen müssen wir lernen, richtig hören, richtig tun. Bevor das nicht geschieht, bleibt alles dunkel und stumm. Gelingt es uns aber, dann öffnet sich sein Inneres, und von dort her, von seinem Wesen, gestaltet sich das Äußere. Gerade die selbstverständlichen Dinge, die alltäglichen Handlungen bergen das Allertiefste. Im Einfachsten liegt das größte Geheimnis. (S. 25 f.)

Vor allen Dingen fühlt die Seele: Ich bin anders. Im Innersten allem fremd, Gott allein verwandt. - Und doch hat die Seele wiederum Verwandtschaft mit allen Dingen. Bei allen fühlt sie sich irgendwie zu Hause. Alles spricht zu ihr, jede Gestalt, jede Bewegung und Gebärde. Und ratlos sucht sie darin sich selbst auszusprechen, es zum Sinnbild ihres eigenen Lebens zu machen. Wo immer sie einer starken Gestalt begegnet, fühlt sie darin etwas vom eigenen Wesen offenbart. Hier liegt der Grund zu

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allem Gleichniswesen. Jedem Ding zuinnerst fremd, spricht die Seele zu ihm: Das bin ich nicht. Und wieder allem geheimnisvoll verwandt, empfindet sie Dinge und Geschehnisse als Bilder ihres eigenen Seins. (S. 30 f.)

In seinem Büchlein spricht er dann über ,,Das Kreuzzeichen" - "Die Hand" - "Das Schreiten" - "Die Pforte" - "Die Kerze"

- "Die Flamme" usw., usw. (Vgl. die Anmerkungen unseres

Buches!)

2. In der Herder-Bücherei Nr. 283 ist "Charakterologie" von Paul Helwig, 1967 (2. Auflage des Buches, von Ernst Klett, Stuttgart, 1951, herausgebracht) erschienen. Bei Behandlung des Themas bringt Helwig eine gründliche Übersicht über die Europäische Psychologie, besonders über die Tiefenpsychologie, und gibt zu jedem System auch seine Kritik. Über die Symbollehre schreibt er S. 192 ff.:

a) Das echte Symbol tritt (nach Kant) da ein, wo eine direkte anschauliche Vorstellung nicht möglich ist - so z.B. bei aller Erkenntnis von Gott ... , Das Symbol ersetzt also eine uns nicht mögliche direkte anschauliche Vorstellung durch etwas anderes Anschauliches, durch ein Bild, eine Geste, oder auch einen dinglichen Gegenstand. Das Symbol repräsentiert etwas Wirkliches, das anders nicht anschaulich gemacht werden kann. Und ohne anschauliche Fülle bleibt jeder Begriff bekanntlich leer.

b) Sehr schön faßt ]aspers zusammen (Psychopathologie S. 276): "Symbole sind ein geschichtliches apriori, aber ihre Wahrheit ergreift als ewige in der Zeit. Sie ordnen sich in unübersehbaren Stufen, werden erhellt in Mythen, in Philosophien und Theorien, sind anschaulich im Spiel der Phantasie, unverbindlich geworden in der ästhetischen Betrachtung, sind bezwingend und unbedingt in äußersten Situationen, sind verborgene Führung jedes gehaltvollen Lebens".

c) Freud verdanken wir die Erkenntnis, daß sich Strebungen der biologischen Tiefenschicht im Menschen (besonders sexuelle) in mannigfachen "Tarnungen" zu erkennen geben (z.B. im Traum). Freud nannte auch diese Tarnungen "Symbole". Das ist ein "Symbol".begriff, der mit dem des echten Symbols nicht verwechselt werden darf ... Bei Freud steht ein anschauliches dingliches Etwas fur ein anderes ebenfalls anschauliches Dingliches. Beim echten Symbol dagegen kann dasjenige, was das Symbol symbolisiert, ohne Symbol nicht anschaulich erfaßt werden.

d) Die Generation vor Klages war stolz darauf, alles, was in Mythus, Kunst und Religion durch Symbole (als etwas Wirkli· ches) bezielt wird, als Aberglaube, Einbildung und bloße Phantasie entzaubern zu können. Häufig wurde dabei auch die utilitaristische Erklärungsweise angewendet (ZuTÜckfuhrung auf praktische Nutzwerte ). Religiöse Riten z.B. wurden aus hygienischen Notwendigkeiten abgeleitet. Solche Nutzzwecke haben fraglos in manchen Fällen außerdem vorgelegen. Das, ändert nichts daran, daß das echte Symbol ursprünglich auf etwas ganz anderes zielte, eben auf etwas Wirkliches, das nicht anschaulich ist.

190

Klages (1872-1956) zeigte nun, daß auch die Seele des modernen Menschen ohne diese Symbole überhaupt nichts Produktives leisten kann, daß sie Urgestalten des Lebens sind (Burghardts "Urtümliche Bilder"), die mit der rationalistischen oder utilitaristischen Ableitung überhaupt nicht getroffen werden können. - Das Bild ist früher als der Begriff. Dieser baut auf ihm auf. Alle Erkenntnis, die an die Tiefe rührt, erscheint zuerst als Bild, als anschauliche Geste, als Symbol. Und viele Erkenntnisse lassen sich überhaupt nur als Symbol fassen und ausdrücken. Sie verlieren ihren ganzen Gehalt, wenn wir versuchen, sie in abstrakte Begriffe zu übersetzen. Religion lebt in Symbolen, Kunst ebenfalls.

Das Bild in diesem Sinne hat also eine echte Wirklichkeit _ eine echte "Wirkfähigkeit". Wie das Leben die Bilder produziert, wird es auch weiterhin von ihnen gelenkt. Die Bilder bewegen unsere Seele und leiten sie. Sie bewegen die historisch entscheidenden großen Strömungen der Kulturen, bilden den inneren Gehalt der "Ideen", für die sich die Menschen opfern _ religiöse, nationale, soziale, kulturelle.

Diese von Klages mit starkem weltanschaulichem Gewicht vorgetragene Lehre von den Bildern und ihrer schöpferischen Kraft, hat sich besonders fruchtbar auf die analytische Psychologie ausgewirkt, die von G. R. Heyer und seinem Kreis ausgebaut wurde. (In Weiterführung von Gedanken C. G. Jungs und Bachofens). In diesem Teil seines philosophischen Werkes spricht der Intuitionist und nicht der Rationalist in Klages, und wo das der Fall ist, fuhrt Klages in eine echte Tiefe. (S. 182 ff.)

e) C. G. Jung (1875-1961) war Schüler und Mitarbeiter von Freud. Als solcher hat er bedeutenden Anteil an der Entwicklung der Psychoanalyse gehabt. Als er der Lehre eine Wendung gab, der Freud nicht zustimmte, trennten sie sich voneinander ... Jung nimmt die ganze Lehre Freuds auf, ohne an Einzelheiten viel zu ändern, bringt sie aber unter einen andern Gesichtspunkt und führt damit doch zu etwas weitgehend Neuem ... (Helwig, S. 255).

Freud sieht das Handgreiflich-Konkrete als das "Eigentliche" an, das sich in den Symbolen nur wie in "Tarnungen" verkleidet hat. Für Jung (und noch deutlicher bei Heyer) ist das konkrete Sexuelle selbst ebenfalls ein (echtes) Symbol für allgemeine Lebenspolaritäten, die in der Wirklichkeit zwar stets nur als konkrete Strebungen auftreten (sehr häufig auch als sexuelle), die aber als allgemeine Lebensgegensätze etwas anderes und mehr sind als diese konkreten Erscheinungsformen ... (S. 256).

Jung unterscheidet zwei Arten von Symbolen, eine weist auf eine Person und die andere auf eine allgemeine, jetzt bestehende Lebensspannung hin ... Die Symbolgestalten, die im letzteren Fall durch die Träume gehen, haben einen ausgesprochen "Archaiischen" Charakter. Mythos und Sage klingen in ihnen auf: Drachen, Götter, Engel - Tiere des Wassers und der Erde erscheinen - mythologische Landschaften tauchen auf: Abgründe, Täler und Berge, Tempel und Klöster, Höhlen und dunkle Flüsse - die Elemente: Feuer, Wasser, Luft, Erde - die Sonne in

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ihrer Gegensätzlichkeit zum Mond - usw. usw. Jung sieht in ihnen Symbole, die nicht der individuellen Ebene angehören, sondern dem Menschen an sich - der Menschheit. Er nennt die Schicht in uns, aus der diese Gestalten kommen, die Kollektivschicht - die Symbole selbst "Archetypen".

Aber auch die Personen der ersten Art können noch Symbole sein für etwas Allgemeines. So kann die Mutter auch Vertreterin des Mutterprinzips überhaupt sein. In der Bindung an sie manifestiert sich dann die Sehnsucht nach Geborgenheit, nach der "Höhle", in der das Leben geschützt ist ... Der Vater verkörpert in seiner Forderung der Kraft und Männlichkeit den Gegenpol. Er fordert die Eigenständigkeit und die Eigenverantwortung. Es ist die uralte mythologische Gegensätzlichkeit:

Sonnengott - Mondgöttin, heller Tag - dunkle Nacht, harte Konturen - weiche verschwimmende Einheit: Wasser, Sumpf, Nacht, (helle und dunkle Schlangen). So deutet Jung aus diesen Gestalten vor allem die allgemeinen Lebensaufgaben, die der einzelne mit der ganzen Menschheit gemeinsam hat und die sich an ihm in einer für ihn unlösbaren Form vergegenwärtigen. (Man denke an unsere Märchen!)

Der Mensch muß also die Archetypen, die Symbole des allgemeinen Lebens, als Symbole auch seines Lebens erkennen. Er muß in ihnen das "Tua res agitur" (es handelt sich um Dich!) f!ihlen. Indem er sie bewußt in sein Leben aufnimmt und die Aufgabe der Vereinigung der polaren Gegensätze löst, distanziert er sich zugleich von diesen Mächten seines Unbewußten, die ihr Lebensrecht verlangen, und hebt ihre störende Wirkung auf. (258)

Zur Kritik der obigen Gedanken Jungs schreibt Paul Helwig:

Das Problematische an Jung ist seine Begriffsbildung. Der Gebrauch von Bildern an Stelle exakter Begriffe ist in der Psychologie unvermeidlich. Nicht daß Jung Bilder gebraucht, ist das Bedenkliche, sondern wie er sie braucht - nämlich in Unklarheit darüber, was bildlich gemeint, was direkt und "wörtlich" gemeint ist ... Ein typisches Beispiel ist Jungs Begriff der "archetypischen Schicht" oder "Kollektiv-Schicht". - Was soll es heißen, wenn er z.B. sagt: "Sie (die libido) sinkt nämlich hinunter in das Tiefste des Unbewußten und belebt dort, was seit uralters schlummerte". Man muß fragen: Wo schlummerte es? in uns? - Nein. Das Individuum ist nur so alt wie es ist und kein Jahr älter. Was Jung in diesem dichterischen Bild ausdrückt, kann, von der literarischen in die wissenschaftliche Sprache übersetzt, nur heißen, daß in den heute lebenden Menschen gewisse polare Spannungen gegenwärtig noch genauso bestehen und wirken wie in den Menschen vor mehreren Jahrtausenden. Das ist einleuchtend. Viele Prozesse unseres Lebens laufen noch ebenso ab wie in den Menschen früherer Jahrtausende. Unser Essen und Trinken, unsere Verdauung - der Blutkreislauf - die Zeugung und das Gebären und vieles andere haben sieh wenig geändert seitdem. Sie laufen beim heutigen Menschen zum Teil noch genauso ab wie beim Tier. - Aber wenn man die Archetypenlehre so interpretiert, sind plötzlich die ganzen

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"Schauer des Archaischen" verschwunden. So ist die kollektive Schicht auch nur ein symbolisches Bild für eine bestimmte Art von Spannungen. Symbole wörtlich nehmen führt zum Aberglau_ ben und zur Spukromantik. (262)

Das ist die kritische Einschränkung, die gegenüber 'dem bedeutenden Lebenswerk C. G. Jungs gemacht werden muß. Die moderne Tiefenpsychologie baut zum größten Teil auf Jung auf. Die Psychotherapie hat entscheidende Anregungen und Hilfen von Jung empfangen ... Gedankengut ostasiatischer Psychologie wird von ihm aufgegriffen und dem abendländischen Denken nutzbar gemacht, ohne daß Jung den Fehler begeht, es einfach zu "verpflanzen". (264) So weit Helwig.

3. lose! Goldbrunner hat eine Reihe Bücher geschrieben, in denen er die Tiefenpsychologie, vor allem die C. G. Jungs, fur die moderne Seelsorge nützlich machen will. So schreibt er z.B. in dem Abschnitt: Psychotherapeut und Beichtvater (Sprechzim_ mer und Beichtstuhl, Herder-Bücherei Nr. 227): Für das Bekenntnis (der Sünden) muß der Beichtvater natürlich die form ulierte Tat, das sündige Ereignis, die Sünde verlangen _ und zum Unterschied vom Therapeuten selbst Stellung nehmen _ aber im Beichtgespräch versucht er sie nicht isoliert zu sehen, sondern biographisch - im Zusammenhang, im Kontext des Lebens. (76)

Auch Goldbrunner kommt immer wieder auf das Symbol zu sprechen, besonders in dem Buch, das der Lehre C. G. Jungs gewidmet - ist: Individuation, Erich Wewel Verlag, Freiburg, 1964.

Schon von der psychologischen Seite aus gesehen, müssen wir den Symbolen auch im religiösen Bereich große Bedeutung beimessen. Man sagt immer wieder: "Ohne Symbol kein

Glaube". ,

4. Alfons Kirchgässner hat die Symbole von der anthropolo_ gischen Sei~e behandelt (Die mächtigen Zeichen, Herder, 1959). Aus der Uberfülle des Stoffes können wir nur Stichworte bringen.

Zum Begriff des Symbols schreibt er (S. 81-96):

Das Symbol ist das Urwort des Menschen.

Die kultische Welt ist aus Symbolen errichtet. Symbolhaftigkeit ist auf Erkennen, besser auf Wiedererken_

nen angelegt. Ziel der symbolischen Handlung ist Wiederherstel_ lung: Formeln, Urkunden, Losungsworte, Feldzeichen, Mysterien, Sakramente, Heilworte, Vor- und Wahrzeichen.

Ohne die Gestalt wird der Inhalt nicht begreiflich. Der delphische Apoll spricht nicht, noch verheimlicht er, er gibt Zeichen (Heraklit, 500 v. Chr.).

Die Wirklichkeit des Symbols schenkt sich durch Einstrah_ lung (Illumination), durch einfache Einsicht (Intuition); es gibt dabei kein schlußfolgerndes Denken. Das Symbol ergreift den Geist durch die Sinne und hält ihn doch nicht in diesen fest.

Nur durch die Gegenwart wirkt das Symbol.

Symbol ist Darstellung, nicht These, es ist Gestalt, nicht System.

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Die gottgewollten kosmischen Symbole sind der Willkür entzogen. Sie sind erhaben, richtig, gültig, nicht übersehbar, nicht ersetzbar. Sie wurden zu allen Zeiten anerkannt wie auch auf der ganzen Welt, weil sie in der menschlichen Natur begründet sind, die gleiches em pfindet und gleiches hervorbringt.

Das Symbol "deutet an, es stellt nicht zur Schau" (Nietzsche). Die Deutung ist immer gewagt. Es ist ein Aufspießen vOn Schmetterlingen! Es bleibt notwendig ein unübertragbarer Rest. Der Versuch, alles auf einen Nenner zu bringen, ist eine schwierige, meist unlösbare Aufgabe. Das Suchen nach treffenden Worten ist das Suchen nach neuen Symbolreihen, die nie exakt dem Gemeinten entsprechen, sondern sich höchstens annähern. Im logischen Denken kommt alles auf saubere Begriffe, auf Korrekth.eit der Schlußfolgerung an; die Sinne sind nur Auffangstationen, die sofort weiterleiten. Hingegen stehen bei der Symbolerfassung die Sinne in echter und dauernder Parrnerschaft des Geistes.

Nur dem Symbol gelingt es, das Verschiedenste zu einem einheitlichen Gesam teindruck zu verbinden.

Das Symbol gehört in die Kategorie der Zeichen, die Beziehung zum Unanschaulichen haben.

Das Symbol ist Ausdruck der Sinne. Sprache, Körperhaltung, Mienenspiel, Bewegung der Hände haben symbolischen Charakter; aber nur wenn sie anschaulich sind und keine Zweckgebilde. Das Paßbild der Mutter ist gewöhnlich kein Symbol, wohl aber das eingerahm te Bild in der Stube.

Das Symbol ist keine Imitation, wie z.B. Tumba, Kulissen, szenische Darstellungen, lebende Bilder. Diese wollen Illusionen geben, auf die das Symbol gerade verzichtet. Das Symbol fordert geistig-sinnliche Wachheit und Aktivität. Eine Chiffre weckt Assoziationen und löst sie aus; doch gibt es beachtungswerte Übergänge wie die Stilisierung eines Sm bols bis zur einfachsten Verfeinerung: Kreuzzeichen, Scheibe, Rad, Kreis als Sonnensymbole, Spirale als Symbol der Kraft, Sichel und Horn für Mond usw. Es werden auch Chiffren zu Symbolen erhoben. X u. R; M mit Kreuz darüber usw. Schlüsselbilder wie Hoheitszeichen, Wappen usw. können zu Symbolen werden.

Das Symbol ist nie berechnend oder berechnet und steht jenseits von didaktischen und pädagogischen Absichten. Es handelt sich nur um den Bezug von Gestalt und Inhalt.

Man schreibt dem Symbol höhere Kräfte zu. Seine Verehrung gründet nicht allein in seiner Beziehung zur höheren Welt, sondern darin, daß sich hier Macht manifestiert und realisiert.

Das Symbol entsteht in einer Gemeinschaft und für dieselbe.

Es verbindet, indem es gleiche Anschauungen und Empfindungen hervorruft, in die gleiche Abhängigkeit und Verehrung ruft, die Lebenslinien von vielen zusammenfaßt. Der äußerste Fall dafür ist das Totem-Tier, das als Ahne, Lebensgrund und Verkörperung

eines ganzen Stammes verehrt wird. ,

Beim Symbol ist es immer tragisch, daß die Gestalt hinter dem Wesen zurückbleibt. Viele Symbole sind veränderlich: die Heiligenbilder der Ikonen und die der Renaissance! Wenn eine

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Madonna im Museum steht oder in der Sakramentskapelle des Kölner Domes! Ein würdig oder nachlässig vollzogener Ritus! Das Symbol ist tief hineingezogen in das Elend einer beschädig· ten Welt! Es gibt kein Feuer an sich, sondern nur diese Kerzenflamme, jenes brennende Scheit ... Ob ich einfach an Wasser denke oder an jene Quelle im Wiesengrund, von hohem Wald umgeben, an der ich dieses oder jenes erlebte ...

Ein Symbol ist immer nur analog, d.h. ähnlich und dadurch dem dargestellten Ding ungleich und doch in anderer Beziehung gleich. Das Symbol darf daher kein Übergewicht haben. Hängt es nach dem Stofflichen über, so verflüchtet der Inhalt und es kommt zum Materialismus; wird das Geistige verabsolutiert, dann herrscht der Spiritualismus.

Es gibt auch ein Schwinden des Sinnes für Symbole. Das Vordergründige, Handfeste, Profitliche erobert Sinnen und Trachten und verwandelt am Ende die Symbole in Wertgegenstände, die man vertreibt oder mit denen man sich die Zeit vertreibt. Heilige Bilder wandern ins Kunstkabinett, Gotteshäuser werden zu Museen, sakrale Funktionen befriedigen die Neugier.

Wenn damit ein bedenklicher Zug der Neuzeit beschrieben ist, so darf doch auch die Wandlung nicht übersehen werden, die sich vorbereitet. Man kann sie als "Wiedergeburt der Bilder" bezeichnen ... Der Symbolismus, Expressionismus, der Surrealismus und die abstrakte Darstellung wie auch die Tiefenpsychologie und moderne Pädagogik sind Zeugen dafür.

Die Symbole führen ein zähes Dasein, während der Geist, der sie geschaffen und sich an ihnen entzündet hat, verlischt. Je unverständlicher die Bilder werden, um so skrupulöser hält man daran fest, sie werden selbstherrlich, stereotyp und damit kraft-los. Die Herrschaft des Legalismus und Formalismus bricht an. Der Mensch ist im Überlieferten nicht mehr zu Hause. Die Dogmatik begibt sich daran, das Fremdgewordene zu rechtfertigen, aber von einem Standpunkt aus, der weit ab von den Ursprüngen liegt. (Nota: Und gerade da liegt der große Vorzug von Scheeben, daß ihn dieser Vorwurf nicht trifft; er führt uns durch die Symbole zum inneren Gehalt, immer das Gleichgewicht zwischen Form und Gehalt, Materie und Geist wahrend.)

Kirchgässner bringt dann eine Überfülle von Symbolen aus allen Ländern und Zeiten. Der Mensch als Symbol, kosmische Symbole, Tiersymbole, vegative Symbole, Zahl, Figur, Farbe, Bild.

Dann bringt er noch in fünf Kapiteln:

Kategorien (Entsprechung, Teilhabe, Kraft, Heiligkeit, Reinheit).

Elementarformen (Wort, Mythos, Ritus, Opfer, Spiel und Kult, Magie und Kult).

Raum und Zeit (Ort, Grenze und Hegung, Mitte, Zeit, Fest). Anfang und Ende (rituelle Einleitung, rituelle Beendigung, Kreislauf, Wiederholung).

Einzelne Riten (Prozessionen, Umgang, Mischung, Berührung, Verhüllung, Enthüllung, Salbung, Reinigung).

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Möchten sich doch alle, die "keine Riten mehr mögen", in dieses Buch vertiefen, nicht mit der Logik des scharfen Verstandes allein, sondern in der Meditation des ganzen Menschen, in Ruhe und Offenheit, Bezug nehmend "auf sich selbst, auf das Du, auf das Wir und auf Gott" (Goldbrunner), dann würde man nur sehr vorsichtig "abschaffen", und viel mehr sich in die Riten hineinleben und sie erleben.

5. Hugo Rahner S.]. baut sein Buch über die Kirche völlig auf dem Symbolgedanken auf. (Symbole der Kirche, Die Ekklesiologie der Väter, Otto Müller, Salzburg, 1964). Hier einige Sätze aus dem Vorwort:

Heute gilt es, die Kirchendogmatik der Väter so zu untersuchen, daß wir an ihr unser Denken und Sprechen innerhalb der Kirche messen können. Die patristische Symboltheologie von der Kirche erhält in unseren Tagen eine ganz neue Bedeutung, da wir im Sinne des Konzils unseren Blick voll Hoffnung der Kirche des Ostens zuwenden. Die Kirche spricht in der Theologie ganz neue Worte. Sie entdeckt sich als "Ursakrament". Die Beziehungen der Kirche zu Christus und zu seinem Kreuz, Kirche und Parusie, die durchdachte Theologie des Symbols, alles das deutet in eine einzige Richtung: in die reiche, heute ganz neu entdeckte Symboltheologie der Kirchenväter ...

Die Beziehungen der urchristlichen Symbole von der Kirche zur hellenistischen Antike wollen wir aufdecken, um so die dogmatische Lehre der Väter in ihrer lauteren Christlichkeit zu erfassen ... Indem wir diese Bildtheologie der Urzeit abzeichnen, leisten wir zugleich einen Beitrag für das, was man heute auch wieder zu entdecken sucht, zur pneumatischen Exegese, also jener Schriftdeutung der Väter und des frühen Mittelalters, die nicht Exegese in unserem modernen Sinn sein wollte, sondern immer nur in biblische Bilder gehüllte Dogmatik.

Wir versuchen nun im folgenden diese altchristliche Theologie vom Verhältnis der Kirche zu Christus und zu seinem Kreuz in vier Grundbildern darzustellen: Die Kirche als Mutterschoß des Christuslebens auf Erden; die Kirche als Jungfrau auf dem Mond in ihrer bräutlichen Beziehung zur Sonne Christus; die Kirche als Quell des lebendigen Wassers, das der Seitenwunde Christi entström t; und endlich die Kirche als das Schiff des Heils, das in Kraft des Kreuzes die Fahrt zur endzeitlichen Landung angetreten hat.

Wo immer die Väter ihre in Bilder gehüllte Theologie entfalten, entdecken wir einen Reichtum an Symbolen und an symbolumkleideten Wahrheiten, die unsere heutigen, vielleicht noch allzusehr von Apologetik und Kirchenrecht bestimmten dogmatischen Aussagen lebendiger machen könnten. Die Bilderwelt der Symbole der Kirche, die uns die Theologie der ersten tausend Jahre aufbewahrt hat, könnte unser dogmatisch doch wohl auf weite Strecken hin steril gewordenes Denken von der

Kirche wieder neu gestalten. (S. 7 f.) ,

Dazu noch einen Satz aus der Einleitung zu "Mysterium Lunae" (Mondgeheimnis) : Um solche Gedanken darzustellen, griff die altkirchliche Theologie in der selbstsicheren und darum

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t,l,nbekümmerten Kraft ihrer aus Schrift und apostolische Uberlieferung gebildeten Glaubensüberzeugung zu Bildern une Vergleichen, die der naiven Naturbetrachtung und noch vie mehr der Wissenschaft und Frömmigkeit der späthellenistischeI Umgebung entnommen waren, deren Symbolkraft und dereI Bedeutung wir also nicht voll erfahren können, wenn wir nich den Versuch wagen, diese Welt von Anregungen, an der sich da theologische Denken der alten Kirche gleichsam rieb und s( entzündete (Gregor der Große), zu rekonstruieren. (S. 91 f.) _ Wir werden wohl selbst anfangen, uns zu "innern" (nicht: "un: zu äußern!"), wenn wir auch nur die Kapitelüberschriften de: dritten Teiles "Antenna Crucis" lesen (Antenna oder Antemn; hieß die "Rahe", das Querholz oben am Mastbaum des Schiffes das mit dem Mastbaum ein Kreuz bildet):

Odysseus am Mastbaum - Das Meer der Welt - Das Schifj aus Holz - Das Kreuz als Mastbaum und Antenne - Da~ mystische Tau (griechischer Buchstabe, sieht wie unser T aus und gleicht einem Kreuz) - Der Schiffbruch und die Planke des Heil~ - Das Schifflein des Petrus - Die Arche N oe als das Schiff de~ Heils.

(Das Studium dieses Buches erfordert theologische und sprachliche Vorkenntnisse.)

6. Sr. Photina Rech OSB, Herstelle, gibt eine Symbolik der Schöpfung, bei der Christus als das Inbild des Kosmos erscheint, in dem auch die Kirche und die Endzeit durchleuchtet. (Photina Rech, Inbild des Kosmos, 2 Bde, Otto Müller, Salzburg, 1966) Es wäre schwer, mit kurzen Bemer~.ungen einen Einblick in das Buch zu geben; daher hier nur ein Uberblick über den Inhalt:

Heilsgeschichtliche Begründung des Symbols Vom Wesen des Symbols

Allgegenwart des Symbolischen

Das Kultsymbol

Symbol und Wort

Symbol und Leben

Im Hauptteil werden die Symbole für Christus einzeln

behandelt. Sieben Symbolzyklen kommen zur Sprache:

I. Löwe - Adler - Hirsch - Lamm - Taube - Biene II. Erde - Baum - Wurzel - Blüte und Duft

III. Kreuz und Kosmos

IV. Wind und Atem - Feuer - Sonne - Mond _

Morgenstern V. Perle

VI. Salz - Honig - Milch

VII. Wasser - Wein - Brot - Öl

Das Buch bietet auch eine reichhaltige Literaturangabe.

11. Symbol und Meditation

Scheeben schreibt eine Theologie für das Herz. Deshalb müssen seine Gedankengänge einen Weg zu unserem Herzen finden; das geschieht durch die Meditation: Ein Bild, ein Wort, eine Person, ein Symbol, ein Gedanke ergreift uns, wir werden

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irgendwie erschüttert, unser Herz wendet sich dem Gegenstand zu und wird davon erfüllt; es muß sich befreien im Dialog, der für ihn vielleicht nur in einem Wort oder einem Satz besteht, der wiederholt wird; er befreit das Herz zugleich und läßt es in Liebe überströmen. Um die Fülle des Herzens zu erreichen, müssen wir alle Gedanken, Bilder usw., die störend in unser Inneres eindringen möchten, ausschließen: nicht daran denken, was man negative Konzentration nennt.

1. Friso Melzer, protestantischer Indienmissionar, nennt die Meditation "Innern" im Gegensatz zu "Äußern", obwohl er dem Buch den Titel gibt: Anleitung zur Meditation (Evangelisches Verlagswerk, Stuttgart, 21959).

Bei der Meditation wird nicht scharf unter Bild und Symbol geschieden, auch Begriffe und Schlußfolgerungen können im Laufe der Innerung klar vor die Seele treten. Man könnte aber wohl sagen, daß jedes Bild, das wir betrachten, immer schärfere Linien bekommt, immer einfacher wird, bis es schließlich zum Symbol wird und unser Inneres (nicht nur den Verstand, sondern den ganzen Menschen) zu dem erhebt, was es versinnbildet.

Melzer berichtet von Übungen, bei denen die Teilnehmer Bilder und Symbole aus Natur, Kunst und Religion sich innerten und darüber auch Zeugnis gaben. Themen sind: (Garten)-Pforte - Weg (im Park) - Eine Brunnenfigur - Dürers "Betende Hände" - Dürers "Hieronymus im Gehäuse" - Christus mit der Weltkugel in der Hand - Die brennende Kerze - Das Kreuz Das Kreuz auf der Weltkugel.

Er spricht dann noch weiter über die Innerungen von Bibelworten - Gefahren der Innerung und ihre Abwehr Meditationswege in West und Ost.

Hier sind noch zwei Autoren zu nennen, deren Bücher denen, die inneres Leben führen wollen, bei eifrigem, aber geruhsamem Lesen sehr dienlich sein können:

2. Iohannes B. Lotz, Meditation im Alltag, Josef Knecht, Frankfurt, 31963 und Einübung ins Meditieren am Neuen Testament, J. Knecht, Frankfurt, 1965.

3. Philipp Dessauer, Die naturale Meditation, Kösel, 1961 und Meditation im christlichen Dasein, Kösel, 1968. (Nach .seinem Tod zusammengestellt von Irmgard Wild aus vielen Entwürfen und Skizzen des Heimgegangenen.)

4. Zum Schluß noch eine kleine "Wirklichkeit":

Ein Bauer ging frühmorgens mit seiner kleinen Tochter Maria aufs Feld, um den Klee zu mähen. Unterwegs pflückt er vom Rain eine Blume, zeigt sie der Kleinen und spricht: "Schau, Maria, wir nennen das ein Unkraut, aber keiner von uns kann so was machen; das kann nur Gott". Mit 60 Jahren hat Maria dieses Symbol noch geschaut: Biume - Gott.